TM unchained - Hans Bruncken - E-Book

TM unchained E-Book

Hans Bruncken

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Beschreibung

TM unchained Der Guru der Beatles Maharishi Mahesh Yogi Die Geschichte der Transzendentalen Meditation Eine tiefenpsychologische Analyse

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Seitenzahl: 210

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort des Herausgebers

Vorwort Hans Bruncken

Einleitung

1.1. Morphologie des Gestaltlosen

1.2. Wozu eigentlich TM?

1.3. Alte, unklare Begriffe

1.4. Bedeutung der Morphologie und ihrer Kategorien

1.5. Ganzheit, Gestaltung, Formenbildung.

1.6. Gedanken zum „kollektiven“ Bewusstsein

1.7. Au Weia, wie beschreibt man ein packendes, gestaltloses Erleben?

1.8. Wie würde TM morphologisch beschrieben werden können?

1.9. Das Mantra

1.10. Unterschied zum Musikhören

Meditationen, von „Innen” beschrieben

2.1. Eine erste Meditation: Stirb und Werde! Das Transzendieren in den Wendepunkt

2.2. Eine Gruppenmeditation

2.3. Was ist dieser Null-Punkt, der „Still Point“, der „Wendepunkt”?

2.4. Eine zweite Meditation: Der vereiste Fluss – Eisriesen und das Neue im Eis

2.5. Eine dritte Meditation

2.6. Eine vierte Meditation

Morphologisch beschreibende Erklärung

3.1. Morphologie und TM

3.2. Gestaltbrechung

3.3. Gestaltverwandlung

3.4. Wirkungseinheiten

3.5. Übergänge

3.6. Paradoxien

3.7. Zweieinheit Fundierung

3.8. Das Indem – Prinzip

3.9. Bild und Bildentwicklung

3.10. Die Wandlung der Metamorphose

3.11. Das Kategorienproblem

3.12. Überschreitungskategorien gestaltlosen Erlebens

Sieben Erlebensmöglichkeiten der Wirklichkeit

Das Maharishi-Paradoxon und die Kategorie der Verkehrung

5.1. Changieren der Regeln zwischen Yoga und Tantra

5.2. Notwendige Wandlung der „TM-Bewegung“

5.3. Der Witz des Ganzen

5.4. Die informative Belehrung mittels der TM-„Behandlung”

5.5. In welchem Muster steht die Mantra-Gestalt?

5.6. Abraxas als Brahman der Europäischen Kultur

Zusammenfassender Kommentar

Advaita-Aphorismen: Sätze zu Instantaneous Transcending (I.T. )

Vorwort des Herausgebers

Hans Bruncken war Urgestein der Transzendentalen Meditation in Deutschland. Ein Leben voller Hingabe und Leidenschaft im Dienste der TM und seines persönlichen Meisters Maharishi Mahesh Yogi. Hans Bruncken gehörte zum Herzen der TM-Bewegung und Transzendentale Meditation und Maharishi waren sein Leben auch noch, als er Fehlentwicklungen längst erkannt und sich äußerlich von der Organisation und ihren „do’s and dont’s“ distanziert hatte. Er war bis zuletzt sowohl international als auch national außerordentlich vernetzt, respektiert oder auch krass abgelehnt, von vielen geliebt, verehrt und bewundert. An Hans Bruncken – auch das galt in gewisser Weise – „schieden sich die Geister”.

Hans Bruncken arbeitete in seinen letzten Jahren an einer wissenschaftlichen Beschreibung der von Maharishi Mahesh Yogi begründeten Transzendentalen Meditation, „TM”. Es sollte eine wissenschaftlich orientierte sachlich-psychologische Beschreibung werden.

Das nötige begriffliche Vokabular fand er in der Morphologie seines – in doppeltem Sinne – alten Psychologie-Professors Wilhelm Salber, der tausende Studenten die Morphologie des Seelischen Geschehens an der Universität Köln gelehrt hatte. Salber selbst stand in der Tradition der Ganzheits- und Gestaltpsychologie, seine Psychologische Morphologie stand in der Tradition früher Schriften und Experimente J. W. Goethes.

In enger Zusammenarbeit mit Hans Bruncken betreute Wilhelm Salber in den Jahren 2013 bis 2016 dessen Arbeit bis zuletzt und half, tiefenpsychologisch relevante Aspekte der Transzendentalen Meditation soweit möglich dicht am unmittelbaren Erleben orientiert zu beschreiben. Wilhelm Salber wirkte bei Brunckens detaillierter TM-Analyse umfassend mit, und Salber schätzte Brunckens Beiträge für das morphologische Periodikum anders.

Es gelang Hans Bruncken, mithilfe der Morphologie eine tiefen- und gestaltpsychologisch differenzierte und auf dem unmittelbaren subjektiven Meditationserleben basierende psychologische Analyse der Transzendentalen Meditation zu liefern.

Ebenso so wichtig scheint mir das Aufzeigen auch der schattenhaften Aspekte der TM-Szene, der sozialen Verwerfungen, Verirrungen und Fehlentwicklungen, die sich in der TM-Gemeinde und Maharishis Jüngern mit den Jahrzehnten entwickelt haben. Sie beziehen sich, und das sollte man im Hinterkopf behalten, weniger auf die Tausende normaler TM-Praktizierender, als vielmehr auf die „Apologeten“ der TM – meist also TM-Lehrer auf Linie der TM-Ideologie und Mitglieder der TM-Organisation.

Schon früh gaben diese Verwerfungen einem mit den Jahren wachsenden Teil ehemals begeisterter TM-Lehrer Anlass, die TM-Organisation zu verlassen oder aus ihr einfach herauszufallen, indem man „nicht mehr mitging”. Vor allem außerhalb der Denk-Enge der „TMO” (die offizielle TM-Organisation) konnte sich die Persönlichkeitsentwicklung der TM-Lehrer – der „independents” – entfalten und ein eigenständiges Verantwortungsbewusstsein ohne Rückgriff auf die „schützenden, bergenden und die ‘Reinheit der Lehre einfordernden und kontrollierenden’ Sachwalter der TM-Gemeinde” entwickeln.

Bruncken beschreibt in seinem Text das Drama erstarrter Entwicklungsprozesse und den Untergang seelischer Entwicklung in ideologischer und verwaltungsorientierter Versteinerung vieler seit Jahrzehnten „Altmeditierender” – überwiegend TM-Apologeten – der TM-Organisation. Inzwischen ist die TMO durch Abwanderung ehemals Aktiver recht dezimiert und der größere Teil Ehemaliger wirkt außerhalb und unabhängig („independent”), soweit sie überhaupt noch TM lehren oder selber noch ausüben. –

Ich vereinbarte mit ihm, den Text zur Veröffentlichung zu überarbeiten, er stellte Fotos zur Verfügung. Er hinterließ verschiedene Versionen dieses Textes, ich integrierte sie – was nicht immer einfach war – in den Gesamttext. In einigen Fällen entsteht so der Eindruck der Wiederholung bzw. Ähnlichkeit von Gedankengängen. Daran änderte ich nur soviel wie nötig, um den Text so original wie möglich zu belassen.

Als morphologischer Quereinsteiger liefert Hans Bruncken unter Verwendung der Psychologischen Morphologie nichts weniger als die erste ausführliche tiefenpsychologische Beschreibung der Transzendentalen Meditation, ihres Begründers Maharishi Mahesh Yogi und seiner TM-Organisation.

Hier liegt ein gelungenes – wenn auch nicht immer leicht lesbares – Beispiel praktischer Anwendung Psychologischer Morphologie „im Feld“ vor für Kollegen, die damit therapeutisch arbeiten. Zum anderen hebt Hans Brunckens Beschreibung der TM Zusammenhänge, Aspekte und Hintergründe ins Licht, die vieles erklären, was bisher im Nebel der Begrifflichkeit und unzureichenden Verständnisses des Advaita Vedanta auf der Strecke geblieben ist. Dies hilft auch zu verstehen, wieso bezüglich spiritueller Wege „das Rad alle paar Jahre neu erfunden wird“. Meist von denen, die „das Rad davor“ möglicherweise gar nicht recht verstanden haben ...

Theo Fehr, im Januar 2018

Vorwort Hans Bruncken

Meine 50 Jahre Morphologie

Widmung Wilhelm Salbers für Hans Bruncken im Buch „Radikale Ganzheitspsychologie“

Als meine Mutter 1994 zu Hause 80-jährig starb, lag neben ihrem Kopfkissen ein Buch, in dem sie nicht nur in ihren letzten Tagen gelesen hatte. Es hieß: „Die Morphologie des seelischen Geschehens” von Wilhelm Salber (1965, 2009). Tja, das war unübersehbar!

Ich wusste, dass sie viel von diesem Buch hielt. Als ich 1966 dieses Buch von meinem Studium nach Hause brachte, blätterte sie darin und begann auch gleich zu lesen. Sie las und las und gab es mir gar nicht mehr zurück. „Verstehst Du das denn?”, fragte sie mich. „Nein”, antwortete ich, „und ich weiß nicht, warum!” „Du bist noch zu jung dazu” meinte sie, „Das ist die moderne Form der Brahmasutras. Du musst erst älter werden und erst leben, dann verstehst Du das!”.

Meine Mutter war eine Indologin und liebte die Brahmasutren, das sind die altindischen Verse über die Ganzheit, Brahman, und wie sich diese Brahman-Ganzheit gliedert und wandelt, Gegensätze überbrückt und Perspektiven ändert. Die legendären vedischen Rishis und Yogis, die diese Texte geschrieben und kommentiert hatten, waren wohl schon vor tausenden von Jahren Morphologen gewesen!

Es wurde mir klar: die Yogis in den Höhlen, denen es dort auch in größter Einsamkeit nie langweilig wurde, hingen aufregenden morphologischen Gedankengängen nach. Wenn man das tut, kann es einem nie langweilig werden und man muss dazu ungestört in einer Höhle einsam leben.

Das wollte ich dann auch. In diesen Erlebens-Prozessen in den Höhlen, dachte ich, ist man sich selbst genug. Brahman verwandelt sich ständig in sich selbst, dreht sich in vielen Achsen um sich selbst, in Gliederungen, die sich brücken und ... da gibt’s kein Ende. Es ist alles nur immer ein Anfang. Damals half mir diese Erkenntnis gar nichts fürs Studium. Ich las und las und die Worte ergaben in mir keine Sinnbildung. So, als würde man das Wort „Huhn” lesen und man sieht in sich kein solches. Man versteht es nicht und die ganze schöne Geschichte über die Ereignisse der Hühnerhofwirklichkeit geht an einem vorbei wie nie dagewesen!

Studiert man etwas, das jenseits der eigenen Rahmung abläuft, ängstigt das. Da hat man in der Schule erklärt bekommen, wie etwas geht und was falsch und richtig ist, Rechtschreibung, Grammatik, Pythagoras etc. und da dachte ich, das geht jetzt in der Uni so weiter, und weil man Psychologe werden wollte, dachte ich, die Psyche läuft so ab wie ein Kraftfahrzeug und man könnte ein KFZ-Mechaniker werden für die Psyche, also ohne Öl an den Fingern!

War das ein Schock, als der Professor sagte, man könne das Seelische nicht in einem Mikroskop wie einen Virus betrachten und Einfluss nehmen. Das wäre ein ganzheitlicher Prozess, und dann erklärte er die Ganzheit und dann entstand der „Hühnerhof”, in dem kaum jemand – bis auf eine für die Dummen unerklärliche Elite – die „Hühner” erkennen konnte.

Wir Dummen waren viel zu jung. Unser geistiger Nebel war sehr erschreckend. Wir diskutierten die Angst vor dem Ungreifbaren. Erst dachten wir, es wäre die Angst vor diesem Professor, insbesondere weil er manchmal Fragen ans ratlose Publikum stellte und dann „froren” alle ein, „verstarben” alle plötzlich, wurden „unsichtbar” und hatten eine Scheißangst, sie könnten drankommen.

Angst vor etwas Unbekanntem. Es kann sich aber nur um die eigene Dummheit gehandelt haben. Nur vor der eigenen Dummheit kann man Angst haben! Das lernte ich. Aber das half auch nicht. Ich musste Hilfe finden und was tun, um intelligenter zu werden.

Viele Psychologie-Studenten verließen Köln und studierten dort, wo man psychologische Mechanik lernen konnte: 1000 befragte Männer finden Miniröcke geil. Also könnten Miniröcke eine solche Wirkung haben! – ja, da macht das Psychologiestudium wieder Spaß.

Verzweifelte lernten die Morphologie Seite für Seite auswendig, damit sie die Worte in Zusammenhängen sprechen könnten, aber der Professor sagte ex cathedra, Morphologie auswendig zu lernen wäre reiner Blödsinn. Fand ich auch. Das verstand ich. Dann gab es morphologische Begriffstabellen, die die Vernetzung der Begriffe darstellten und die wurden auswendig gelernt. Es war Tapern im eigenen Denknebel.

Hans Bruncken präsentiert der indischen Premierministerin Indira Gandhi das Bild des Gurus von Maharishi Mahesh Yogi, Swami Brahmananda Saraswati, des ehemaligen Shankaracharyas von Jyotir Math

Ich startete den 40-jährigen Prozess einer sehr speziellen Erweiterung meiner seelischen Rahmung, um endlich intelligenter zu werden, indem ich mich auf einen jahrzehntelangen meditativen Prozess mit täglich stundenlangen meditierenden Beobachtungen des Seelischen mit den bewussten Registrierungen der Wirkungen für den Alltag einließ, der es mir erlaubte, diese Ganzheit als mich selber in meiner Verwandelbarkeit in zunehmender Differenzierung zu erleben.

Der Weg vom Konkreten ins Abstrakte ist schwierig. Von einer konkreten Ölsardinendose auf den abstrakten Begriff “Behältnis” zu kommen, ist schwierig, aber vom Abstrakten her zu konkretisieren, das ist einfach. Kennt man den Begriff „Behältnis” und versteht ihn, kann man verschiedene Behältnisse mit konkreten Begriffen leicht subsumieren.

In der Meditation ging ich täglich ins Abstrakte ohne Inhalt und konnte die Verinhaltlichung des Abstrakten erleben. Und bei allem neuen Erleben hörte ich Salber kommentieren. Ach, guck mal an, dachte ich dann, da ist er wieder! Er hat ja sowas von Recht!

Die Zentrifugalkräfte in 40 Jahren bewegen weit weg. Anderes als Morphologie lag an. Partner, Heiraten, Scheidung, die üblichen Lebensprobleme, aber immer im meditativ-kognitiven Zusammenhang. Andere scheinbar psychologische Begriffe der scheinbar psychologischen Esoterik, ja sogar verhaltenstheoretische Überlegungen beschäftigten mich. Salber wurde nicht mehr sichtbar hinter den Aufwirbelungen des Orkans, der Leben heißt.

Ich musste mit 66 erst noch eine Treppe rückwärts runterfallen und mein Rückgrat verletzen. Aber das war nicht genug, ich brauchte mit 67 noch einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung und ich musste auch mal so richtig vereinsamen, weil alle, die ich liebe, in Panik wegliefen, sodass ich depressiv einen Psychotherapeuten aufsuchte, dem ich alles Schreckliche mal so richtig erzählen konnte und sollte, wie meine Hausärztin mir empfahl.

Ich erkannte, Psychotherapeuten sind eine Art „Parkuhren”, in die die Krankenkasse 80 Euro pro Stunde reinwirft und dann kann man den „Parkuhren” – ohne Widerspruch und Diskussionen zu erdulden – aber auch alles erzählen. Und da, in der 4. Sitzung redete ich von Salber und der Morphologie und weil der gute Therapeut noch nie davon gehört hatte, hielt ich ihm so lange Vorträge über die Morphologie, bis er meinte, ich sei jetzt gesund und ich solle nicht mehr wiederkommen.

Ich war völlig erstaunt, was ich alles über Morphologie wusste. Es muss eine Parallelwelt geben, denn dort musste ich 40 Jahre Morphologie studiert haben!

Ich wunderte mich. Ich musste den Professor unbedingt wiedertreffen. Gott sei Dank fand er sich im Internet. Er lebte – Gott sei Dank – noch in gesunder Verfassung. Ich schrieb ihm einen langen Brief, in dem ich ihm erklärte, ich würde jetzt als Frosch im Froschkostüm auftreten und Lesungen über eine von mir erfundene Froschteichsaga abhalten.

So schloss sich mein Spiral-Kreis von der Morphologie in den 60ern bis zur Froschteichsaga heutzutage. Heute kenne ich in diesem Prozess die Bedeutung der Morphologie. Ohne sie gibt es keine systematische Methode, die die Ganzheit in der Beschreibung pflegt und als Wirklichkeit dem Erleben anbietet. Ohne sie gibt es nicht das Wissen um die wichtige Bedeutung der Rahmungserweiterung durch Metamorphosen, die wegen des damit verbundenen sinnvollen Leidens abgeschafft werden sollen.

Ohne sie wird Verwandlung und Wandlung zum Stillstand eingefroren, weil man ja angeblich genau wegen der Veränderungen leidet und Leiden muss unbedingt wegen dem Humanismus verhindert werden und als Ergebnis verkümmert Seelisches an der immer enger werdenden Rahmung und erstickt schließlich in der Demenz – möglicherweise, auf jeden Fall in Entenhausen, wo niemand älter wird oder seine Gestalt ändert. Menschen werden immer hilfloser aus Angst vor dem Leiden! Aber man kann sie immer besser politisch manipulieren und Pillen verkaufen.

Mir ist außer Morphologie nichts bekannt, was wissenschaftlich begründet besser verhindern könnte, dass der Mensch zu einem Robotsklaven eingestielt wird, was leider aus Gründen weltweiter optimaler Funktionalität dringend notwendig erscheint. Eine neurale Psycho-Elektronik regelt dann fern und computergesteuert das Glücksgefühl als Belohnung oder Bestrafung, wenn solche Pawlow-Reize dann noch nötig sein werden. Man hätte ja dann noch so eine Art Restfreiheit!

Ob mir das jetzt meine Mutter sagen wollte, als sie das Buch neben ihr Kopfkissen gelegt hatte, weiß ich nicht. Jedenfalls wollte sie mir mitteilen, wo methodisch systematische Antworten auf meine ewigen Fragen sind – jenseits esoterischer Osterhasengeschichten.

Ach so, nur damit das geklärt ist: sie ist nicht gestorben, weil sie in der Morphologie gelesen hat.

Hans Bruncken, im Januar 2015

1. EINLEITUNG

1.1. Morphologie des Gestaltlosen

Meine akademische Mentorin M. hilft mir, meine Autobiografie endlich zu stemmen. Viele Versuche waren fehlgeschlagen, viele Seiten umsonst geschrieben. Sie hatten nicht den gewissen Punkt getroffen. Immer zielten sie knapp daneben und der notwendige Wendepunkt wurde nicht gefunden, der verwundertes Unverständnis in verstehendes Erkennen wandelt. Und dieser Wendepunkt ist die wahrhaftige und ehrliche Behandlung der Transzendentalen Meditation (TM), überhaupt des „TM-Komplexes“, der besetzender Inhalt meines Lebens war und immer noch in seiner Ver- und Aufarbeitung ist. Vorweg, ich kann, was Meditation angeht, nur über den „TM-Komplex” sprechen, weil ich seit 1967 ausschließlich mit TM Erfahrungen machte. Andere Meditationsarten versuchte ich nie, da ich nicht der meditative Typ war und bin. Experten anderer Techniken haben in diesem hier angeregten terminologischen Zusammenhang ähnliche Möglichkeiten mit der Morphologie.

Was ist eigentlich TM? Was ist Transzendentale Meditation? Was geschieht da? Was soll die in TM erlebte Transzendenz sein?

Meine Mentorin hat mit TM nichts zu tun. Aber sie kennt die Versteckspiele vor sich selber. Sie legt den Finger dahin, wo er hingelegt werden muss. Und das ist sowohl hinsichtlich des Textes zu verstehen als auch, was mein Leben angeht. Eigentlich wollte ich nur von meinem Leben berichten, aber sie will wissen, was TM und vor allem der ganze TM-Komplex sei, der mein Leben beeinflusst habe. Warum fand ich TM als 22-jähriger so überzeugend, dass ich mein Leben dafür opferte und wie sehe ich das heute? Warum interessiert mich das noch heute und warum halte ich den TM-Komplex noch heute für bearbeitenswert?

Wie soll ich nach fast 50 Jahren TM von damals beschreiben und wie und warum sich TM in das verändert hat, was sich heute als TM darstellt? Etwas anderes als vor 50 Jahren. Warum ist TM und die Wandlung in etwas anderes so interessant?

Das äußerst interessante Problem ist, dass ich ein packendes, aber gestaltloses Erleben am Anfang beschreiben muss, das große Teile einer Generation weltweit in ihren Bann gezogen und möglicherweise einen neuen Mythos begründet hat. Natürlich kann ich das mit TM-Begriffen wie „Transzendenz”, „Bewusstsein”, „Entwicklungsstufen des Bewusstseins”, „Erleuchtung” etc., aber bei jedem Begriff erhalte ich eine Mail meiner Mentorin zurück, sie wüsste nichts davon, wäre dumm und ich müsste das mal ganz einfach erklären ohne großartige Begriffe, in die jeder hineinprojiziert, was er sich so vorstellt. Also suchte ich nach einer Beschreibungsmöglichkeit und, oh Wunder, ich fand sie in der „Morphologie des seelischen Geschehens” von Professor Wilhelm Salber, bei dem ich damals studiert hatte, als ich mit TM begann. Meine Idee ist, meditative Erfahrungen der „Transzendenz”, des „Reinen Bewusstseins” der „Unendlichkeit”, „Glückseligkeit” des „Kosmischen Bewusstseins” u.a. aus der lautmalerischen Terminologie zu holen, die von der New Age Esoterik übernommen und dadurch mit Unwissenschaftlichkeit und in meinen Augen im schlimmsten Falle mit „voraufgeklärtem” Aberglauben kontaminiert wurden.

Ich war einer von denen, die in den 60igern und 70iger Jahren mit Maharishi Mahesh Yogi in der Meditationsakademie in Bremen und in der Akademie in Rishikesh zusammen saßen, um gemeinsam nach wenigstens vor-wissenschaftlichen Worten zu suchen, die die uns überwältigenden Erfahrungen während der TM ausdrücken sollten.

Da jeder der damalig anwesenden sehr unterschiedlich entweder einen religiösen oder philosophischen oder esoterisch-spirituellen oder Yoga- oder gar nihilistischen Hintergrund hatte oder als Arzt oder Diplom-Ingenieur einen medizinisch-wissenschaftlichen, gingen die genannten Begriffe, das TM-Erleben zu erklären, von „Gott” über „Nirwana”, dem „Nichts” bis hin zum „Psycho-Valium”.

Maharishi mochte keinen Begriff, der religiös war. Damals hieß TM „Deep Meditation”, dann “Transzendental Deep Meditation”. Der Begriff der Transzendenz war argumentativ heftig umkämpft, weil niemand ihn definieren konnte, ohne schwammig zu werden.

Bis auf Kant'sche Philosophie ... Maharishi ließ sich die Kant’sche Transzendenz erklären und legte sich dann auf diesen Namen fest. Das sei das, was er meine!

Man muss Kant verstehen, um mit „Transzendenz” etwas anfangen zu können, aber vor dem Erlernen von TM wurde keine Kant-Prüfung abgehalten, danach auch nicht und so wurde dieser Begriff durch tägliche Abnutzung immer undeutlicher und wurde letztlich zu einer Black Box, in die alles nicht Erklärbare hineingeheimnisst wurde.

Ganz unbewusst wurde dann ohne erklärte Absicht die kollektive geistige Leistung der Aufklärung zurückgedreht und so konnten Glauben und Aberglauben wieder möglich werden und neuer, diesmal nicht kirchlicher, pseudo-spiritueller ideologischer Machtmissbrauch sich als spirituell tarnender Mächte könnte, so meine Besorgnis, in der Zukunft möglich werden. Machtmissbrauch wuchert aus dem Boden unklarer, schwammiger Begriffe. In der Unschärfe ihres Dunges tummeln sich die Irrwesen des Wirrwarrs.

Damals in den 60igern waren wir froh, überhaupt Begriffe gefunden zu haben und überließen späteren Zeiten die Arbeit mit der wissenschaftlich exakten Definierung.

Da wissenschaftliche Messungen einfacher sind als Begriffsdefinitionen, begannen die wissenschaftlichen Geister so nach und nach alles zu messen und vergaßen die eigentlich notwendigere Arbeit an der Terminologie.

Natürlich denken viele, dass sich Maharishi hätte kümmern müssen, aber erstens hatte er sich um vieles andere zu kümmern und zweitens dürfen nur „voraufgeklärte” Gläubige dem sog. Meister alles überantworten. Da sich aber der Vorgang der „Erleuchtung”, und das ist Maharishis TM-Anspruch, in Richtung Aufklärung bewegt, ist man nur immer selber verantwortlich und kein Gott, König oder Meister kann die eigene Leistung am Leben und Denken ersetzen.

Ich versuche das sträflich Versäumte jetzt eiligst nachzuholen.

Der historische Fakt war: Um die lästigen Begriffsdefinitionen kümmerte sich also niemand mehr. Aber alle waren erstaunt, diese in leicht verdrehter Bedeutung im New Age und in der neuen Esoterik zu finden. Jedesmal, wenn mir TM-Begriffe von der New Age Bewegung vorgelegt wurden, glaubte ich, wieder die geniale Arbeit des Rudolph Steiner’schen Lügengeistes Ahriman zu erkennen, der nur immer ein ganz klein wenig, kaum merkbar, die Definitionen verbiegt, so dass es den nur oberflächlich Draufschauenden entgeht, aber in dem geistigen Törn durch das Meer seelischer Entwicklung kommt „Helgoland nicht mehr in Sicht”. Aber in der Verzweiflung der Mannschaft, die Kreideküste Helgolands wie vorgesehen und zu Beginn des Törns geplant nicht zu sehen, kann die Schiffsleitung mühevolles Rudern auch unter der Peitsche als auch die Einhaltung neuer Gebote verlangen, die mit Helgoland als Reiseziel nichts zu tun haben, aber um so mehr mit den Interessen der Kommandozentrale. Wir erkennen, wie durch Unschärfe Möglichkeiten des Machtmissbrauchs erst möglich werden.

„Transzendenz” und „Kosmisches Bewusstsein” wurden zu Vorstellungen von „Transzendenz” und selbst suggeriertem „kosmischem Bewusstsein”. Eine Unterscheidung von realem Erleben und bewusst projizierter Vorstellung wird dann nicht mehr gemacht und wer auf dieses aufmerksam macht, wird als „Negativer”, als „Traumräuber” ausgebuht. So hörte ich es. Für mich erschreckend. Für mich Wirrwarr.

Nun ist es unsere leidvolle historische Erfahrung, dass die Mystiker mit ihrer realen Gottesschau keinen Schaden anrichteten, es sei denn bei sich selbst, aber diejenigen, die Vorstellungen von Gott erst projizierten und dann propagierten, haben jeden nur möglichen Schaden angerichtet. Und gerade für unsere Zukunft einer zukünftigen, einheitlichen globalen Kultur, haben die Großmeister der Unschärfe-Illusionen des oben genannten Ahrimanns neue großartige Möglichkeiten der Unterdrückung mit unklaren kulturell beladenen New-Age-Begriffen gefunden und weil ich Jahrgang 44 bin, muss ich dagegen vorgehen.

Mal ein bekanntes Beispiel: Nehmen wir den Begriff „Samadhi”. Das begehrte Ziel für den Meditierenden. Um das zu erreichen, ist er bereit, alles zu tun. Aber mit Tun kommt man nicht dahin, es ist ein Gnadenakt. Aber die Macht kann ihre Sklaven sehr gut damit motivieren, sich an machtgefällige Regeln zu halten.

Oder „Gott” ist auch ein schönes Beispiel. Den soll der Sucher finden! Nur wo? Und weil diese Suche ihn nicht finden lässt, weil man ihn nur durch Finden findet und nicht durch suchen, weil Er, wenn existent, überall ist und man nur bereit sein muss, ihn überall erkennend mitzuerleben, kann man auch hier Bedingungen der Suche bestimmen. „Reinheit” ist dabei als Gebot ganz wichtig. Abwesenheit von Sünde als Voraussetzung, Gott zu finden, dabei ist Sündenlosigkeit das Ergebnis, Gott gefunden zu haben. Heiligkeit entsteht nicht durch ein Tun oder eine Gesinnung, sondern durch die Anwesenheit Gottes, Sünde entsteht nicht durch ein Tun oder eine Gesinnung, sondern durch die Abwesenheit Gottes. Aber mit dieser Erkenntnis übt man keine Macht aus.

In der Vergangenheit, als „Gott” noch ein Thema war, brauchte der Mächtige nur „Gott” verzweifelt suchen zu lassen und die Suchbedingungen zu diktieren und Schuldige werbewirksam zu rösten und er hatte das Perpetuum Mobile der Macht in Händen. Heute interessiert sich keiner für Gott. „Gott” funktioniert nicht mehr als Machtinstrument. Die Macht braucht ein Neues. Ein neues Perpetuum mobile der Macht muss her.

Wie man zum Hund sagt: „Such das Kätzchen! Wo ist das Kätzchen?” fordert man heute die neue, moderne Glaubensgemeinschaft auf, sich selber zu finden. „Wo bist Du? Wo ist Dein Selbst? Du musst erst wissen, wer Du bist.” Und dann „ist man noch nicht soweit”, man identifiziert sich noch mit Wünschen. Vom „ich bin noch nicht so weit!” bis „Wir sind alle noch auf dem Weg!” ist nur ein kleiner Schritt und eine neue „voraufgeklärte” Glaubensgemeinschaft ist entstanden, mit der man alles machen kann.

Die Taliban zeigen uns, was man mit verschwommenen Begriffen alles erreichen kann. Da sind dann in der Transzendenz Huris, die nach dem Sex sofort wieder Jungfrau werden.

Da muss man auch erst einmal drauf kommen! Das ist für junge Burschen doch interessanter als fromm und züchtig neben dem Gottvater zur Linken oder Rechten sitzen zu dürfen.

Was sich wenigstens um klare Definitionen bemüht, ist die Quantenphysik. Die hat den Mut, zu sagen, dass das Quantenfeld allgegenwärtig ist und unmittelbar und ewig.

Fazit, weil allgegenwärtig, kann man es immer da erkennen, wo man gerade ist und zwar nicht am Nimmerleinstag, sondern jetzt, und man muss auch nicht etwas tun, um es zu erkennen oder zu ihm durchzudringen. Durchdringen muss man bei der Jungfrau; aber das Quantenfeld ist unmittelbar. Es ist auf der Oberfläche wie unter ihr, es ist sogar die Oberfläche selbst. Man muss nichts dazu tun, als es mit-zu-erleben.

Das ist immer die ursprüngliche Message der Gründer, z. B. im Christentum am Anfang schon:

„Euch ist heute der Heiland geboren! Freut euch” Heute! Jetzt! Gegeben, geboren aus sich selbst, nicht mit einem Raumschiff aus göttlichen Galaxien gekommen!! Du musst nichts dazu tun. Nur akzeptieren, indem Du Dich miterlebend freust!

Was mir an der Quantentheorie fehlt, ist die menschliche Lebendigkeit. Roboter und Autos bestehen auch aus Quantenfeld. Fragt man die Physiker, ob das Quantenfeld als Individuum lebt, lebendig ist, können sie es nicht wissen, sie sind keine Biologen.

Kann hier die Psychologie helfen? Nicht die Verhaltenspsychologie, sondern die aus der Gestaltpsychologie des Christian von Ehrenfels und der Ganzheitspsychologie Sanders durch Wilhelm Salber entwickelte „Morphologie des seelischen Geschehens“?

Mit den Jahren erkannte ich die Bedeutung der aus Goethe-scher Morphologie weiter in die Psyche entwickelte Morphologie Salbers. Gerne hätte ich damals bei den Begriffsbildungsprozessen um Maharishi „morphologisch” dazu beigetragen. Ich sah einerseits die Notwendigkeit, hatte aber andererseits damals keine Chancen, die morphologische Terminologie ins Englische zu übersetzen und sie Amerikanern und einem Inder zu erklären, die unter „Psychology” Verhaltenspsychologie verstanden und gegen diese als inhumane Dressurakte eingenommen waren. Es war mir aber auch damals nicht so wichtig wie heute. Die politische Wichtigkeit klarer Definitionen ist mir erst heute bewusst.

Die morphologische, weil ganzheitliche prozessuale Beschreibung Salbers kam mir bei der Untersuchung der Transzendentalen Meditation (TM) und des gesamten TM-Komplexes entgegen, denn TM ist ein Prozess des seelischen Geschehens und Erlebnisprozesse zu beschreiben ist schwierig, will man ganzheitlich beschreiben.

Ich versuche heute, die psychologische Methodik der „Morphologie des seelischen Geschehens” Salbers auf TM anzuwenden, um sie systematisch zu beschreiben, da sie beansprucht, Seelisches beschreiben zu können, ohne die seelische Ganzheit zu verletzen – was wegen der ganzheitlich gemachten TM-Erfahrungen wichtig ist.