Tödlicher Betrug - Matthias P. Gibert - E-Book

Tödlicher Betrug E-Book

Matthias P. Gibert

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Beschreibung

Benjamin Andermatt, Leiter des VW-Werks in Baunatal, bricht in seinem Büro tot zusammen. Seine Sekretärin glaubt nicht an einen natürlichen Tod und bittet die Kasseler Kommissare Thilo Hain und Pia Ritter um Hilfe. Die finden nach intensiven Recherchen heraus, dass der Manager vergiftet wurde. Dennoch werden die Ermittlungen der Kommissare immer wieder behindert. Und auch Andermatts Arbeitgeber scheint wenig Interesse an der Aufklärung zu haben, steckt der Konzern doch mitten im Abgasskandal und braucht einen Sündenbock.

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Seitenzahl: 361

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Matthias P. Gibert

Tödlicher Betrug

Thilo Hains 3. Fall

Impressum

Bisherige Veröffentlichungen im Gmeiner-Verlag:

Tödlicher Befehl (2018), Tödliche Ferien (2017),

Unkrautkiller (2016), Paketbombe (2016),

Halbgötter (2015), Müllhalde (2014), Bruchlandung (2014),

Pechsträhne (2013), Höllenqual (2012), Menschenopfer (2012),

Zeitbombe (2011), Rechtsdruck (2011), Schmuddelkinder (2010),

Bullenhitze (2010), Eiszeit (2009), Zirkusluft (2009),

Kammerflimmern (2008), Nervenflattern (2007)

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Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

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Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2019

Lektorat: Sven Lang

Herstellung/E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

unter Verwendung eines Fotos von: © Riko Best / stock.adobe.com

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

ISBN 978-3-8392-6102-6

Haftungsausschluss

Personen und Handlung sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

1

»Nein, geschlagen hat er mich nie. Wenigstens das hat er nicht gemacht.« Die ältere Dame wischte erneut mit dem Stofftaschentuch in ihrer linken Hand über die Augen. Die Bewegung drückte eine tiefe, verzweifelte Hilflosigkeit aus.

Pia Ritter gab ihr einen Moment Zeit, bevor sie ihre nächste Frage stellte. »Aber Sie räumen ein, dass Sie Ihren Mann bewusst unter Wasser gedrückt haben. Es war definitiv kein Unfall, oder etwa doch?«

Die ältere Frau hob den Kopf und sah die junge Polizistin lange und eindringlich an. »Nein, wo denken Sie hin? Natürlich war es kein Unfall«, sagte Leonore Stock.

Ein Zögern.

»Wenn es in meinem Leben einen erwähnenswerten Unfall gegeben haben sollte, so hat er sich vor 53 Jahren abgespielt.«

»Wie meinen Sie das?«, wollte Thilo Hain, der rechts von seiner Kollegin saß, wissen.

Wieder ein Moment des Innehaltens. Es machte den Eindruck, als würde die weißhaarige Frau in Gedanken in der Zeit zurückreisen.

»Vor ziemlich genau 53 Jahren habe ich diesen Mann geheiratet. Das war der größte Fehler meines Lebens, und Sie würden mir nicht glauben, wie oft ich diese Entscheidung seitdem bereut habe.«

»Warum haben Sie es so lang mit ihm ausgehalten? Haben Sie nie an Scheidung gedacht?«

Wieder nahm sich Frau Stock ein wenig Zeit, bevor sie antwortete. »Wie alt sind Sie, Frau Kommissarin?«, wollte sie schließlich wissen.

Pia nannte der Frau ihr Alter.

»Aha«, sinnierte Leonore Stock. »Dann vermute ich, dass Sie noch keine Scheidung hinter sich haben, oder?«

Pia nickte.

»In der heutigen Zeit mag man sich schnell zu diesem Schritt entschließen, zu meiner Zeit allerdings machte man das nicht mal so eben. Oder eigentlich hat man es gar nicht gemacht. Zumindest in meinen Kreisen nicht. Und dann waren da ja auch noch die Kinder, vergessen Sie das bitte nicht. Wir hatten vier Kinder im Abstand von immerhin 16 Jahren. Unsere Jüngste ist ein waschechter Nachzügler gewesen. Natürlich habe ich in der letzten Zeit, als es zunehmend schlimmer wurde mit ihm, schon das eine oder andere Mal über Scheidung nachgedacht, das gebe ich zu, aber da war immer der Gedanke, dass er vielleicht bald sterben würde, und damit hätte sich das Thema erledigt.« Sie tupfte sich über die Nase. »Aber er wollte einfach nicht sterben; er war unglaublich zäh, schon immer.«

»Und was genau ist nun gestern passiert?«, fragte Hain.

»Er hatte getrunken, wie jeden Abend. Wodka. Er hat sich eigentlich nur noch von Wodka ernährt. Seit seinem Schlaganfall vor vier Jahren war er um knapp 30 Kilo abgemagert und wirklich in einem erbärmlichen Zustand, aber auf das Rauchen und das Trinken wollte er partout nicht verzichten. Mir war es, bis auf den Gestank im Haus und die anderen Begleitumstände recht, weil ich dachte, es würde seinen Abgang beschleunigen.«

»Was waren das für Begleitumstände?«

»Wenn er betrunken war, musste er sich regelmäßig übergeben. Es war so etwas wie ein Abendritual, dass ich sein Erbrochenes wegmachen musste. Dann saß er wie ein Häufchen Elend auf der Treppe und wartete darauf, dass ich zuerst sein Erbrochenes wegmachen und ihm dann in den ersten Stock hinaufhelfen würde. Was ich ja auch immer getan habe. Und an seine Beschimpfungen dabei war ich ja gewöhnt, aber gestern Abend bekam das eine völlig neue Dimension. Plötzlich titulierte er mich als ›Hure‹ und ›Flittchen‹ und noch mehr solche Dinge, und da ist in mir drin irgendetwas kaputtgegangen. Ich kann es Ihnen nicht erklären, aber in diesem Augenblick wollte ich ihn einfach nur noch tot sehen. Ich wollte, dass ich heute Morgen aufwache und er aus meinem Leben verschwunden ist.«

»Also haben Sie ihm angeboten, ein Bad einzulassen?«

Frau Stock nickte. »Er war von oben bis unten voll mit seinem Erbrochenen und außerdem hatte er sich eingenässt. Das war bis dahin noch niemals vorgekommen und ihm wohl wirklich peinlich, was ihn aber nicht daran hinderte, mir die Schuld dafür zu geben. Ich hätte ihm den Wodka gestreckt, daran würde das liegen, meinte er. Wie auch immer, er hat dem Bad zugestimmt und saß eine Viertelstunde später in der Badewanne.«

»Was ist dann passiert?«, hakte Pia vorsichtig nach.

»Es war eigentlich ein Kinderspiel. Er hatte ja keine Kraft mehr, wegen des Schlaganfalls. Seine komplette linke Seite war gelähmt, und den rechten Arm habe ich einfach festgehalten.«

»Und dabei den Kopf unter Wasser gedrückt?«

Leonore Stock nickte. »Es war, wie gesagt, ganz einfach. Als er erst einmal Wasser in der Lunge hatte, war es ganz schnell vorbei und sein bisschen Gestrampel und Gezucke hat aufgehört.«

»Was haben Sie dann gemacht?«

»Ganz ehrlich? Ich habe mich vor die Wanne fallen lassen und geweint. Habe geweint wie ein kleines Kind, aber nicht aus Ärger oder Verzweiflung oder Angst, sondern vor Freude. In diesem Moment, mit ihm tot in der Badewanne liegend, überkam mich eine solch groß Erleichterung, dass ich vor Glück heulen musste.« Über ihre rechte Wange lief eine Träne, die sie mit dem Taschentuch wegwischte. »Plötzlich waren die Demütigungen vergessen, die ständigen Beschimpfungen, und mit einem Mal konnte ich wieder richtig tief Luft holen. Der Mann, der mich nie wirklich für voll genommen hatte und für den ich immer nur seine Arbeitsbiene und seine Haushälterin und vielleicht auch seine Hure war, über die er drübersteigen konnte, wenn ihm gerade danach war, lag tot im Badewasser. Ein unbeschreiblich gutes Gefühl.«

Pia Ritter schluckte. »Wie meinen Sie das mit der Arbeitsbiene?«, wollte sie nach einer längeren Pause wissen.

»Ich habe als Gynäkologin mit eigener Praxis ja immer gut verdient, wohingegen er grundsätzlich nur Spinnereien im Kopf hatte. Er hielt sich für einen großen Erfinder und so etwas, aber all seine weltbewegenden Entwicklungen, wie er es nannte, haben halt niemals stattgefunden oder funktioniert. Mein … Ehemann war wirklich nur in einer Sache gut, nämlich darin, das Geld, das ich verdiente, mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen. In meinen Augen war er, speziell in den letzten zehn, fünfzehn Jahren eigentlich nur noch ein bedauernswerter Spinner. Und natürlich der Mensch, der mich bewusst kleingehalten und, wann immer es ging, gedemütigt hat. Immer, überall und zu jeder Zeit.«

Pia Ritter sah die trotz ihrer Tränen elegant wirkende Dame nachdenklich an. »Das klingt alles überaus unschön und weckt bei mir auch eine gehörige Portion Mitleid, Frau Stock. Aber wenn nicht etwas wirklich Ungewöhnliches passiert, könnte es sein, dass Sie den Rest Ihres …, ich meine, eine ziemlich lange Zeit im Gefängnis verbringen werden wegen dieser Tat.«

»Sie können ruhig aussprechen, was Sie denken, Frau Kommissarin. Ich bin alt genug, um zu wissen, was mich erwartet. Aber glauben Sie mir, jeder Tag im Gefängnis wird gegenüber einem mit meinem Mann das wahre Paradies für mich sein.«

Eine knappe Stunde später war die Vernehmung beendet und Leonore Stock auf dem Weg ins Untersuchungsgefängnis. Pia Ritter und Thilo Hain standen am Fenster ihres Büros und sahen auf die im Westen der Stadt blutrot untergehende Sonne.

»Das sieht zum Niederknien schön aus«, murmelte der Hauptkommissar.

»Da gebe ich dir ausnahmsweise mal widerspruchslos recht.«

»Schön. Aber im Subtext deiner Worte schwingt noch etwas anderes mit, oder?«

»Manchmal hasse ich meinen Job abgrundtief«, ließ die Oberkommissarin ihren Kollegen nach ein paar Sekunden des Nachdenkens leise wissen.

»Warum? Weil du Mitleid mit der guten Leonore hast?«

Sie überlegte wieder eine Weile. »Ja, vermutlich«, antwortete sie schließlich.

»Oder geht es dir vielleicht doch mehr um die Kerle, die ihre Frauen so schäbig behandeln wie dieser Typ?«

Wieder ein paar Sekunden des Nachdenkens. »Möglicherweise, ja.«

»Bist du auch mal von solch einem Verhalten betroffen gewesen?«, wollte er wissen, während er sich umdrehte und Mineralwasser eingoss.

»Thilo, du weißt«, erwiderte sie kopfschüttelnd, »dass ich mich mit dir über solche Dinge nur höchst ungern austausche. Dafür habe ich ein paar wirklich gute Freundinnen, und wenn das nicht reicht, meine Therapeutin.«

»Arbeitest du schon länger mit der zusammen?«

»Ein paar Jahre, ja.« Sie griff sich das Glas, das er eben gefüllt hatte, und trank es in einem Zug aus. »Und wenn du es genau wissen willst, dann ja. Auch ich habe, wie viele andere Frauen auch, Erfahrungen mit Männern gemacht, an die ich nur ungern zurückdenke.«

»Scheiße.«

»Das trifft es durchaus; aber viel schlimmer wäre es, wenn ich nicht die richtigen Schlüsse daraus gezogen hätte.«

»Hast du?«

»Worauf du dich verlassen kannst.«

Der Hauptkommissar drehte sich um und sah auf die Uhr über der Tür. »21:15 Uhr. Lass uns Feierabend machen und nach Hause fahren, Pia.«

Sie sah ihn verblüfft an. »Ich hätte gewettet, dass es gerade mal sieben ist. Kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht, wenn man dem Geständnis einer Mörderin lauscht.«

Hain lachte laut auf. »Jetzt reicht’s mir mit Pathos für heute. Mach’s gut.« Er ging Richtung Tür, zog sich das Sakko über und war schon fast auf dem Flur, als Pia Ritter ihm etwas hinterherrief.

»Ich will morgen mal ausschlafen, Thilo, die letzten Wochen waren ziemlich hart. Rechne also nicht vor Mittag mit mir, ja?«

»Geht klar. Wenn ich es auf die Reihe kriege, mache ich es genauso, aber du weißt ja, wie das mit mir und dem Ausschlafen ist.«

»Du musst nur dran glauben, dann klappt das auch bei dir mal wieder.«

»Klar. Sagst du das meinen Jungs, oder soll ich es wieder übernehmen?«

Sie grinste ihn an. »Nein, mach du das mal. Ich rufe Herbert an und sage ihm Bescheid, dass ich oder möglicherweise wir beide morgen Vormittag einen winzigen Teil unseres unanständig großen Vorrats an Überstunden abbummeln werden.« Sie sprach von Kriminalrat Herbert Schiller, dem Vorgesetzten der beiden.

»Gut. Bis dann.«

2

Benjamin Andermatt drückte auf die rote Stopptaste der Weckfunktion an seinem Telefon, schluckte trocken, holte tief Luft, hob den Oberkörper und setzte sich auf den Rand des Bettes. Wie an jedem Morgen seit vielen Jahren wollte er sofort seine Laufklamotten und -schuhe anziehen, doch wie auch schon an den Tagen zuvor zögerte er und ließ sich schließlich mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück aufs Bett fallen.

Seit mehr als acht Wochen wurde der hagere, durchtrainierte Mann von Tag für Tag stärker werdenden Magenschmerzen geplagt, und langsam bekam er es ernsthaft mit der Angst zu tun. Was, wenn ich mir ein Magengeschwür eingefangen habe? Gerade jetzt, in dieser schwierigen Zeit. Oder wenn es gar etwas noch Schlimmeres ist? Ein bösartiger Tumor vielleicht sogar.

Wieder musste er schlucken.

Nein, so schnell ging das nicht, dass man einen Tumor bekam. Ein Magengeschwür, das ja, aber keinen Tumor.

Mit zitternden Fingern ließ er sich aus der Glasflasche, die neben dem Bett auf dem Nachttisch stand, zwanzig Tropfen des Schmerzmittels Valoron in den Mund fallen. In den ersten Tagen hatte er es mit Aspirin versucht, bis ihm eingefallen war, dass Acetylsalicylsäure bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes keine wirklich gute Idee war. Also hatte er sich im Internet schlaugemacht und schließlich bei einer dubiosen, auf der Kanalinsel Jersey ansässigen Onlineapotheke das eigentlich verschreibungspflichtige Opiat besorgt, das er nun wieder auf dem Nachtkästchen abstellte. Glücklicherweise dauerte es immer nur ein paar Minuten, bis die schmerzlindernde Wirkung des Medikaments einsetzte, jedoch kam es ihm dann immer so vor, als wäre sein Kopf in Watte gepackt. Als er es zum ersten Mal benutzt hatte, war er nicht einmal bis zum Büro gekommen. Das konnte er sich nicht ein weiteres Mal erlauben. Also hatte er sich trotz der Watte im Kopf zur Arbeit geschleppt und dafür gesorgt, dass ihm niemand etwas anmerken konnte.

Ich muss jetzt wirklich mal beim Arzt vorbeigehen, ging ihm durch den Kopf, während seine Gedanken langsam schwerer und schwerer wurden. Mit Mühe stellte er den Wecker eine Stunde weiter und schlief ein, noch bevor er das Telefon wieder aus der Hand gelegt hatte.

Eineinhalb Stunden später stoppte Andermatt den Wasserdurchfluss an seiner semiprofessionellen Espressomaschine, zog die kleine Tasse unter dem Siebträger hervor, griff sich einen der winzigen Löffel aus dem Edelstahlrondell neben der Maschine und rührte den schwarzen Kaffee mit der dicken Crema darauf langsam um. Allerdings benutzte er dazu nicht die schalenförmige untere Seite des Edelstahlstücks, sondern die dünne, die normalerweise zum Greifen und Halten benutzt wurde. Dann leckte er den Kaffee vom oberen Ende ab, ließ den Löffel in den Besteckkorb der offen stehenden Spülmaschine gleiten und trank schließlich das Ergebnis seiner Bemühungen genussvoll und in einem Zug.

Die Watte im Kopf ist beileibe nicht schön, aber so sind die Schmerzen wenigstens auszuhalten, dachte er müde, während er auch die Tasse in der Spülmaschine verstaute.

»Steve«, rief er in den ersten Stock, »wir müssen los. Bist du so weit?«

»Eine Minute noch«, kam es von oben. »Muss mir nur noch die Zähne putzen. Du kannst ja so lang noch eines deiner Kaffeerituale zelebrieren.«

»Vergiss es, ich hatte schon vier Espressos. Und jetzt beeil dich, ich will nicht wieder deinetwegen zu spät im Büro sein.«

»Mach dich mal locker, Papa«, nuschelte der etwa vierzehnjährige Junge, der nun mit einer Zahnbürste in der rechten Hand und einer Plastiktüte in der linken auf der obersten Stufe der Treppe auftauchte.

Auf dem Weg nach unten fuhr er mit der Bürste eher symbolisch ein paarmal hin und her, sog an der Spüle gurgelnd ein wenig Wasser durch den Mund und ließ die Bürste dann achtlos neben das Edelstahlbecken fallen.

»Und wer soll die wegräumen?«, wollte sein Vater genervt wissen. »Du bist heute Abend wieder bei deiner Mutter und der Einzige, der mir dann einfällt, bin leider ich.«

»Soll es halt Frau Brauss machen. Die kommt doch sowieso heute hierher und räumt auf.«

Aber die kommt garantiert nicht, um dir die verdammte Zahnbürste hinterherzuräumen, hätte Andermatt am liebsten losgebrüllt, beherrschte sich jedoch. Er konnte bei diesem Spiel nur den Kürzeren ziehen, speziell in dieser Situation und um diese Uhrzeit.

»Los, komm. Ich muss noch …« Andermatt brach ab, verzog das Gesicht und griff sich an den Bauch.

»Was ist denn?«, wollte sein Sohn wissen.

»Nichts«, gab er zurück. »Ich habe nur seit einiger Zeit Probleme mit dem Magen.«

Steve zog die Augenbrauen hoch. »Kein Wunder, bei deinem Kaffeekonsum. Du solltest ernsthaft darüber nachdenken, dich, was das angeht, mal ein bisschen einzuschränken.«

»Ja, klar. So wie du das mit der Computerdaddelei machst, oder was?«

»Jetzt werd bloß nicht unsachlich. Das kann man doch überhaupt nicht miteinander vergleichen.« Der Junge ging Richtung Haustür. »Wir haben hier nämlich auf der einen Seite einen Heranwachsenden, der seinen Platz im Leben erst noch finden muss, was in der Pubertät, wie du weißt, mit abartigen Mühen verbunden ist. Und auf der anderen Seite einen hochdekorierten Manager, der cool genug sein sollte, sich seine Abhängigkeit von Koffein einzugestehen und etwas dagegen zu unternehmen.«

Wieder hätte Andermatt, der nun hinter seinem Ältesten aus dem Haus trat, nur zu gern etwas erwidert, doch auch jetzt unterließ er es. Seine Gedanken waren längst im Büro und bei den Themen, die seinen Tag bestimmen würden.

Während er den dunkelblauen Porsche Panamera aus der Garage rollen ließ, wurde er erneut von einem Magenkrampf durchgeschüttelt. Diesmal waren die Schmerzen so heftig, dass er sie kaum aushalten konnte.

Vielleicht hat Steve ja recht, und ich sollte meinen Kaffeekonsum wirklich ein klein wenig einschränken, dachte er. Und endlich einen Termin beim Arzt machen.

»Wie wäre es mit einer kurzen Stippvisite beim Arzt?«, kam es von der Beifahrerseite, als ob sein Sohn seine Gedanken erahnt hatte. »Mama wäre es bestimmt total egal, wenn du abnippeln würdest, mir aber nicht. Bis ich mit meinem Studium fertig bin, musst du schon noch durchhalten.« Steve lachte laut auf. »Nein, Scherz. Ich würde dich echt vermissen, wenn du den Löffel abgeben würdest.«

»Danke für dein Mitgefühl«, presste Andermatt hervor, holte tief Luft und bog vom Grundstück auf die kleine Seitenstraße ein.

»Guten Morgen, Chef«, wurde er von Sophie Rott, seiner Sekretärin, eine gut halbe Stunde später begrüßt. »Einen Espresso?«

»Nein, vielen Dank, jetzt nicht. Ich muss immer noch ein wenig auf meinen Magen achten und nehme später vielleicht wieder einen.«

»Wie Sie möchten.« Sie zögerte. »Allerdings habe ich leider eine Nachricht für Sie, die Ihnen garantiert nicht gefallen wird.«

Der 47-jährige Mann hob den Kopf und sah die Frau neugierig an. »Na, dann schießen Sie mal los. Neuigkeiten aus Wolfsburg, oder was?«

»Nein, das nicht. Aber Herr Wischek hat sich arbeitsunfähig gemeldet. Er …« Die untersetzte Enddreißigerin brach ab.

»Ja?«, hakte Andermatt nach.

»Er hat angeblich Rücken. Dabei habe ich ihn noch um Mitternacht vor der Bar gesehen, in der er sich gewöhnlich herumtreibt. Putzmunter, wie ich betonen möchte.«

»Ja, so ist das mit dem krummen Rücken«, erwiderte ihr Boss süffisant. »Das kommt manchmal innerhalb von Minuten, da kann man gar nichts machen. Und wenn obendrein die Psyche ein wenig gestresst ist, geht es oftmals noch viel schneller.« Er bezog sich auf die heftige Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem persönlichen Assistenten Samuel Wischek vom Vortag. »Aber wie auch immer, mir reicht es jetzt endgültig mit ihm. Ich will diesen inkompetenten Schwachkopf hier nicht mehr sehen; sorgen Sie dafür, dass die Personalabteilung ihn mir vom Hals schafft.«

»Mit dem größten Vergnügen. Kündigung oder Versetzung?«

»Raus mit dem Kerl, und zwar hochkant und fristlos. Sagen Sie denen, dass er unzuverlässig und inkompetent ist. Außerdem hat er mir deutlich zu oft auf ungebührliche und manchmal auch sehr freche Weise widersprochen. Und falls das noch nicht reichen sollte, werfe ich ihm vor, dass er erneut in meinen vertraulichen Unterlagen herumgeschnüffelt hat, was ich ihm eindeutig untersagt hatte. Die aus seinem damaligen Fehlverhalten resultierende Abmahnung ist ja glücklicherweise eindeutig und unwidersprochen.«

»Ich kann sowieso nicht verstehen, warum Sie so lange an dem Kerl festgehalten haben, Chef. Der war Ihnen doch praktisch seit dem ersten Tag ein Dorn im Auge.«

»Da will ich Ihnen gar nicht widersprechen. Aber manchmal sind auch mir die Hände gebunden, und ich muss mich gewissen Gegebenheiten beugen.«

Frau Rott nickte und legte ein paar Kladden auf seinem Schreibtisch ab, während Andermatt die Hände vor den Bauch presste und keuchend nach Luft schnappte.

»Alles in Ordnung mit Ihnen, Chef?«, wollte sie besorgt wissen. »Sie sehen nicht gut aus, wenn ich ehrlich sein darf.«

»Na ja, im Gegensatz zu Wischek bin ich ja wirklich ein wenig angeschlagen und immer noch von dieser blöden Magen-Darm-Geschichte betroffen.«

»Das tut mir wirklich leid, Chef, aber das schleppen Sie ja nun schon eine Weile mit sich herum, ohne sich helfen zu lassen. Bei so was hilft am besten Paspertin, das können Sie mir glauben. Zu Hause habe ich eine Flasche davon, aber ich kann ja deswegen nicht wieder nach Hause fahren und es holen.«

»Nein, das wäre wirklich übertrieben, da gebe ich Ihnen recht.«

»Ich könnte kurz drüben beim Sani vorbeigehen. Vielleicht hat der ja was davon bei sich rumstehen.«

»Das wäre wirklich hervorragend. Und ein Glas Wasser, bitte.«

»Gern. Bin sofort wieder da.«

Der schlanke Mann ließ sich schwerfällig auf seinen Ledersessel sinken, wischte sich mit dem Sakkoärmel die Schweißperlen von der Stirn, und schluckte. Irgendetwas läuft hier mächtig schief, dachte er keuchend. Aber das kann doch unmöglich nur vom Kaffee kommen. Das muss ein Magengeschwür sein. Ein elendes, verdammtes Magengeschwür.

Er fühlte sich, als würde er sich im nächsten Moment übergeben müssen, konnte den Reiz jedoch gerade so noch unterdrücken. Hoffentlich ist es nichts Schlimmes. Wenn es bloß kein Tumor ist.

Mit schwitzigen Händen griff er nach einer der Kladden vor sich, schlug sie auf und wollte sich den Inhalt ansehen, doch mehr als verschwommene schwarze Punkte konnte er nicht erkennen. Der Automanager wurde von schlagartig aufkommender Panik erfasst, schob die Akte von sich weg und sah zum Fenster, wo sein Blick am makellos blauen Himmel hängen blieb. Was für ein beschissen schöner Tag, dachte er. Im gleichen Moment bäumte sich sein gesamter Körper auf, und aus seinem Mund quoll eine gelblich-weiße, undefinierbare schaumige Masse. Andermatt wollte um Hilfe rufen, doch in diesem Moment schoss er mit einer ruckartigen Bewegung aus dem Sessel hoch, griff sich an den Kragen, um den Krawattenknoten zu lösen, erbrach eine weitere Ladung des ätzend stinkenden Schaums und sank kraftlos auf die Knie.

»Herr Andermatt?«, hörte er in seinem Rücken Sophie Rott hysterisch schreien. »Chef, was ist denn mit Ihnen?«

 

Kassel, vier Tage später.

3

»Ich habe sie gestern Abend noch kurz gesehen«, sagte der Mediziner der Untersuchungshaftanstalt zu Hauptkommissar Thilo Hain. »Sie wirkte keinesfalls suizidgefährdet auf mich, ganz im Gegenteil. Es schien mir fast so, als sei mit der Tat eine wahnsinnige Last von ihr abgefallen.«

Der Polizist stimmte ihm zu. »Ganz ähnlich hat sie sich mir und meiner Kollegin gegenüber während der Vernehmung auch geäußert.«

Er öffnete Leonore Stocks Abschiedsbrief noch einmal und überflog die letzten Worte der Gynäkologin und Mörderin ihres Mannes.

Eigentlich wollte ich meinem Leben schon nach dem Mord an meinem Mann ein Ende setzen, habe jedoch gezögert, weil ich tief in mir drin die Hoffnung hatte, meine Tat würde vielleicht nicht bemerkt werden. Nun, da diese Möglichkeit sich nicht bewahrheitet hat, sehe ich leider keine andere Möglichkeit. Schon die wenigen Tage hier in dieser trostlosen Zelle bestärken mich in der Annahme, dass ich nicht für das Leben im Gefängnis bereit bin. Natürlich hätte ich gern die mir verbleibenden Jahre in Freiheit, auch in Freiheit von meinem despotischen Ehemann, verbracht, das war mir aber leider nicht vergönnt. Wie auch immer, ich verlasse diese Erde mit einem wirklich guten, warmen und befreiten Gefühl.

 

Mein Testament befindet sich im Tresor im Keller meines Hauses, meine Cousine Maria Streuer ist mit allen Einzelheiten diesbezüglich vertraut.

 

Hochachtungsvoll

Dr. Leonore Stock

»Zu den Asservaten damit«, murmelte der Kommissar und schob das Papier in die Sakkotasche. »Zweifel am Suizid können wir ja ausschließen, wenn ich Sie richtig verstanden habe?«

»Definitiv. Die Kollegin Dr. Stock hat das, was letzte Nacht passiert ist, sehr überlegt und gewissenhaft geplant. Natürlich wurde sie, als sie hier angekommen ist, einer seriösen Leibesvisitation unterzogen, davon bin ich überzeugt. Aber wir müssen auch konstatieren, dass wir es mit einer älteren, ja fast alten Frau, noch dazu Ärztin, zu tun hatten. Ich weiß zwar nicht, wo genau am oder im Körper sie die Substanz versteckt hatte, mit der sie sich das Leben genommen hat, aber die Justizmitarbeiterin, die sie untersucht hat, hat sie nun mal nicht gefunden.«

»Was hat Frau Stock Ihrer Meinung nach denn benutzt für ihren Suizid?«

Dr. Walbusch überlegte eine Weile. »Sie hat eine kleine Wunde am rechten Arm. Also würde ich, bei Wertung aller Fakten, am ehesten auf einen Curare-Wirkstoff tippen. Sie haben vielleicht schon von dem Pfeilgift gehört.«

»Wer hat noch nicht davon gehört. Und Sie meinen, sie hat etwas davon ins Gefängnis geschmuggelt? Das kann man doch bestimmt nicht in der nächstbesten Apotheke bestellen, oder?«

»Für eine Ärztin ist es keine große Aufgabe, sich dieses Gift zu beschaffen. Wirklich nicht.«

»Und wenn man es hat, dann geht das alles ganz einfach?«

Der Mediziner nickte. »Absolut. Ist das Zeug erst mal in der Blutbahn, gibt es praktisch keine Rettung mehr; es sei denn, man würde künstlich beatmen. Aber dazu müsste man wissen, dass jemand so etwas plant.«

»Wie lang dauert es, bis der Tod eintritt?«

»Höchstens ein paar Minuten. Wenn die Wirkung einsetzt, funktioniert die Atemmuskulatur nicht mehr, und das war es dann. Geht wirklich ganz schnell.«

»Man erstickt bei vollem Bewusstsein?«, hakte Hain irritiert nach.

»Das trifft es zu einhundert Prozent, ja.«

»Klingt nicht nach einem schönen Tod, wenn Sie mich fragen.«

Walbusch stimmte zu. »Aber wenn man es sich nicht aussuchen kann, sollte man auch nicht wählerisch sein. Es ist definitiv nicht schön, aber es geht schnell und ist eine verlässliche Methode.«

Der Hauptkommissar reichte dem Arzt die Hand. »Danke, Herr Doktor.«

»Gern.«

Der Polizist wandte sich ab und war schon dabei, den Raum zu verlassen, als Walbusch ihn noch einmal ansprach.

»Lassen Sie mir das Ergebnis der Autopsie zukommen? Nur, um zu wissen, ob ich richtiggelegen habe mit meiner Einschätzung.« Er lächelte. »Ein bisschen Egopolitur ist selbstverständlich auch dabei, das räume ich freimütig ein. Aber natürlich nur dann, wenn ich nicht danebengelegen habe mit meiner Vermutung zur Todesursache.«

Hain lächelte zurück. »Mach ich.«

»Oh Gott.«

Pia Ritter hielt sich die rechte Hand vor den Mund und sah wirklich geschockt aus. Die junge Kommissarin war kurz nach ihrem Kollegen im Präsidium angekommen und hatte ihn mit einem breiten Grinsen im Gesicht begrüßt. Von diesem positiven Ausdruck war nach Hains kurzer Schilderung der Ereignisse im Untersuchungsgefängnis jedoch nichts übrig geblieben.

»Das ist erstens furchtbar«, fuhr sie fort, »und zweitens hätte ich niemals damit gerechnet. Sie hätte ja immer noch hoffen können, einen gnädigen Richter zu finden, der es gut mit ihr meint und sie auf Bewährung laufen lässt.«

»Bei Mord?«, zeigte Hain sich fast ein wenig schockiert.

Sie nickte. »Ich müsste es nachlesen, aber es gab meiner Erinnerung nach mindestens einen Fall in Deutschland, der ganz ähnlich gelagert war, und in dem der Richter genau so geurteilt hat. Auch auf Antrag der Staatsanwaltschaft übrigens, da bin ich mir sicher.«

»Bewährung bei Mord. Das hätte ich nicht gedacht.«

»Es war eben juristisch kein Mord. Aber wenn es dich interessiert, musst du aktiv werden und dir die Einzelheiten raussuchen. Dafür gibt es ja Suchmaschinen.«

Er schüttelte den Kopf. »So wichtig ist es mir bestimmt nicht. Ich glaube und vertraue dir. Und immerhin kann ich mir vorstellen, dass man nach solch einem jahrzehntelangen Ehemartyrium auch auf Notwehr plädieren könnte. Oder irgendwas ähnlich Gelagertem.«

»Ja, das würde …« Pia brach ab, weil das Telefon auf dem Schreibtisch klingelte. Sie griff nach dem Gerät und meldete sich.

»Ja«, sagte sie nach einer kurzen Phase des Zuhörens. »Ich komme runter und hole sie ab. Danke.«

»Was gibt es?«, wollte Hain wissen.

»Unten steht eine Dame, die einen Mitarbeiter der Mordkommission sprechen möchte.«

»In welcher Sache denn?«

Pia atmete deutlich hörbar durch. »Das, lieber Thilo, wollte sie dem Kollegen an der Pforte nicht sagen. Sie will nämlich nur und ausschließlich mit jemandem von der Mordkommission über ihr Anliegen sprechen.«

»Dann mal los, Frau Kollegin«, grinste Hain. »Das Problem lässt sich doch bestimmt innerhalb kürzester Zeit regeln, so von Frau zu Frau.«

»Blödmann.« Sie streifte ihren Blazer über und ging süffisant lächelnd an ihm vorbei Richtung Tür. »Bild dir bloß nicht ein, dass du dich verdrücken kannst. Solltest du nicht hier sein, wenn ich mit ihr zurückkomme, lasse ich dich im ganzen Haus suchen, zur Not auch in Herberts Büro. Capito?«

»Echt, so etwas zutiefst Unanständiges würdest du machen?«

Pia legte, immer noch lächelnd, die Hand auf die Türklinke. »Probier’s aus, dann weißt du es.« Damit verließ sie das Büro. Es dauerte allerdings keine drei Minuten, bis sie wieder zurück war. Im Schlepptau hatte sie eine etwa 1,55 Meter kleine, untersetzte, schwarz gekleidete Frau von etwa 40 Jahren, die sie ihrem Kollegen als Sophie Rott vorstellte.

»Guten Tag, Frau Rott«, begrüßte Hain in unveränderter Position auf seinem Stuhl sitzend die Frau.

»Frau Rott«, fuhr Pia fort, »möchte eine Sache mit uns besprechen, die sie sehr beschäftigt und von der sie glaubt, dass bei ihr etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Mehr allerdings hat sie mir noch nicht erzählt.« Die Kommissarin bot der mit ihrer Handtasche vor dem Bauch dastehenden Frau einen Stuhl an. »Bitte, setzen Sie sich doch.«

»Danke.«

Nachdem Pia der Besucherin ein Glas Wasser eingeschenkt hatte, übernahm sie die Gesprächsführung. »Also, Frau Rott, was führt Sie zu uns? Was können wir für Sie tun?«

Sophie Rott stellte das Glas auf den Schreibtisch und holte tief Luft. »Es geht um meinen Chef … also meinen ehemaligen Chef. Er ist vor vier Tagen in meinen Armen … gestorben.«

»Es tut uns sehr leid, das zu hören. Wie kam es dazu?«

»Na ja, er hatte schon seit ein paar Tagen Probleme mit dem Magen. Aber bestimmt nichts, weswegen man einfach so während der Arbeit umfällt und ein paar Minuten später für tot erklärt wird.«

»Ihr Chef ist also während der Arbeitszeit verstorben?«

Frau Rott nickte.

»Wer hat denn den Tod festgestellt?«

»Einer unserer Werksärzte. Er kam angerannt, nachdem ich laut um Hilfe gerufen habe, und hat dann ungefähr eine Viertelstunde erfolglos versucht, Herrn Andermatt zu reanimieren, auch mit Defibrillator und so. Und später dann wohl auch den Totenschein ausgestellt. Ich weiß es nicht genau, aber es soll sich wohl um plötzlichen Herzstillstand gehandelt haben.«

»Und Sie zweifeln an dieser … Todesursache?«, wollte Hain nun wissen.

»Das tue ich auf jeden Fall. Herr Andermatt war immer super sportlich und hatte nie irgendwas mit dem Herzen. Ich bin mir wirklich ganz sicher, dass er nicht an einer Sache mit dem Herzen gestorben ist.« Sie schüttelte den Kopf. »Und wie soll das überhaupt gehen? Er klagt ein paar Tage über Magenbeschwerden und fällt dann wegen des Herzens tot um? Das kann mir niemand erklären, also echt nicht.«

Pia Ritter fasste das Gehörte noch einmal in ihren Worten zusammen, bevor sie weitere Details erfragte. »Was ist danach passiert? Wenn ich Sie richtig verstehe, wurde die Leiche nicht obduziert?«

»Nein, wurde sie nicht. Er ist heute Morgen in aller Stille beigesetzt worden.«

»Was hat Ihr Chef denn für eine Stelle gehabt? Und wo?«

»Er war der Leiter des VW-Werks hier in Baunatal.«

Hain hob anerkennend die Augenbrauen. »Darüber habe ich gelesen. VW-Manager in den besten Jahren aus dem Leben gerissen und so. Wie alt war er denn genau?«

»47. Er ist letzten Monat 47 geworden. Und er war wirklich, bis auf die komische Magengeschichte, kerngesund. Das können Sie mir glauben.«

»Verheiratet?«

»Ja, aber er lebte schon seit einer Weile getrennt von seiner Frau.«

»Aber noch nicht geschieden?«

»Nein, noch nicht geschieden. Er hat ein paarmal erwähnt, dass er sich auf diesen Termin sehr freuen würde, aber juristisch vollzogen war die Scheidung noch nicht.«

»Kinder?«

»Ja, zwei. Ein Junge und ein Mädchen. Wobei das Mädchen auf einem Internat in der Schweiz ist. Ich habe sie heute Morgen während der Beisetzung zum ersten Mal gesehen.«

»Hat Herr Andermatt sich Ihnen gegenüber denn irgendwann einmal dahin gehend geäußert, dass er sich bedroht fühlt oder etwas Ähnliches?«, wollte Pia wissen.

»Nein, nie. Er war sehr fokussiert auf seine Arbeit und hat eigentlich nur für sie gelebt. Und für seinen Sohn, aber der macht wohl gerade eine schwierige Zeit durch. Die Pubertät und so.«

»Und er hatte auch keine Feinde, von denen Sie wissen?«

Die Frau schüttelte den Kopf.

»Dann geht es hier mehr um ein Gefühl von Ihnen? Mehr so etwas wie eine Ahnung, oder?«

»Na ja, irgendwie fühlt sich das schon komisch an. Herr Andermatt war kerngesund, fällt tot um, ein Arzt aus dem Werk stellt den Tod fest und stellt den Totenschein aus, ohne dass noch jemand anders einen Blick darauf geworfen hätte, und dann wird er hoppladihopp beerdigt. Das ist, da müssen Sie mir schon zustimmen, doch wohl ein bisschen merkwürdig.«

Hain sah die Sekretärin zweifelnd an. »Was Sie hier vorbringen, Frau Rott, wird vermutlich zu nichts Weltbewegendem führen, so viel muss ich Ihnen gleich schon einmal mitteilen. Und es wird, sollten Sie uns nicht mehr mitzuteilen haben als Ihr diffuses Gefühl, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann, ganz sicher nicht für eine Exhumierung des Leichnams mit anschließender Obduktion reichen.«

»Er wurde eingeäschert«, erwiderte sie kaum hörbar.

»Wie bitte?«

»Herr Andermatt wurde verbrannt. Gestern.«

Die beiden Kommissare sahen sie mit großen Augen an.

»Na, das gibt der Sache ja noch die richtig würzige Note«, bemerkte Hain eine Spur zu ironisch. »Was glauben Sie denn, sollten wir aus einer Ladung Kalkresten noch herauslesen können?«

»Ich wusste ja nicht, dass er verbrannt werden würde. Davon war bisher nie die Rede gewesen, ehrlich.«

Pia warf ihrem Kollegen einen beschwichtigenden Blick zu. »Alles, was wir nun tun könnten«, teilte sie der Sekretärin so behutsam wie möglich mit, »stellt sich wirklich schwierig bis unmöglich dar, wenn es keinen Leichnam mehr gibt, Frau Rott. Was sollten wir Ihrer Meinung nach nun unternehmen?«

Die Frau im schwarzen Kostüm zuckte mit den Schultern. »Darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, noch keine Gedanken gemacht. Ich habe mir vorgestellt, dass die Polizei sich da einfach besser auskennt als ich. Und außerdem wusste ich bis vor einer Stunde ja nicht mal, dass es keine Leiche mehr gibt. Also, dass Herr Andermatt verbrannt wurde.«

»Aber Sie können sich schon vorstellen, dass es ohne Leichnam, den man obduzieren könnte, einfach unmöglich ist, eine nicht natürliche Todesursache nachzuweisen. Und von einem eventuellen Tötungsdelikt rede ich dabei ganz bewusst noch nicht.«

Sophie Rott schwieg eine Weile. »Ja, das sehe ich ein. Ich dachte ja auch nur, weil … Er war halt immer gesund und fällt dann von einem Moment auf den anderen tot um. Da macht man sich schon so seine Gedanken, oder?«

»Da wollen wir Ihnen auch gar nicht widersprechen«, stimmte Pia ihr zu. »Aber leider sind uns bei den von Ihnen beschriebenen Tatsachen die Hände gebunden. Und dass ein Mensch, auch ein sportlicher und durchtrainierter, plötzlich tot umfällt, kommt leider öfter vor, als man denkt. Immerhin trifft es, zwar nicht oft, aber hin und wieder schon auch Profifußballer direkt auf dem Spielfeld. Und die sollten doch wirklich, was ihren Trainingszustand angeht, über jeden Zweifel erhaben sein.«

»Ja, da haben Sie vermutlich recht«, erwiderte Sophie Rott traurig. »Ich …«

»Ja?«, hakte Hain nach.

»Ich weiß nicht, ob ich Ihnen das jetzt noch sagen sollte. Oder besser, ob ich es überhaupt darf.« Sie zögerte ein paar Sekunden. »Aber es gab halt immer wieder Gerüchte, wie Herr Andermatt an seinen Job bei uns im Werk gekommen ist. Der übliche Flurtratsch, sie können sich das bestimmt vorstellen.«

»Nicht wirklich, nein.«

»Ach, es ist bestimmt nicht wichtig. Und ich will Ihnen ja auch nicht die Zeit stehlen. Es ist halt nur, weil …«

Der Hauptkommissar stöhnte leise. »Wenn Sie etwas wissen, das für uns im Zusammenhang mit seinem plötzlichen Tod von Interesse sein könnte, dann sollten Sie uns das jetzt sagen, Frau Rott. Und wenn nicht, dann haben Sie recht damit, dass unser Tag wirklich sehr ausgefüllt ist mit Arbeit.«

»Ja, bestimmt«, erwiderte sie mit einer Tendenz ins Trotzige und stand auf. »Und danke, dass Sie mir ein wenig von Ihrer kostbaren Arbeitszeit geopfert haben. Vielen Dank und auf Wiedersehen.« Damit wandte sie sich ab und ging Richtung Tür.

»Moment, Moment, nicht so schnell«, sprang Pia vom Stuhl hoch und hielt sie auf. »Mich würde nämlich brennend interessieren, was man sich auf dem Flur so über Ihren verstorbenen Chef erzählt hat. Also setzen Sie sich bitte wieder hin und erzählen es mir. Ich verspreche Ihnen, dass jedes Wort, das hier im Raum fällt, auch hier im Raum bleibt.«

Die Sekretärin strahlte die Kommissarin an. »Wirklich?«

»Wirklich.«

Sophie Rott drehte sich erleichtert um und setzte sich, während Thilo Hain unsichtbare kleine Hassbomben in Richtung seiner Kollegin absetzte.

»Noch ein Glas Wasser?«, fragte Pia, die Thilos Bomben wohl nicht wahrnahm.

»Gern, ja.«

Eine halbe Minute später hatte sie das Glas in einem Zug ausgetrunken und begann zu erzählen.

»Also angefangen hat das alles, als bekannt wurde, dass Herr Andermatt unser neuer Chef werden würde, also der Leiter des Werks Baunatal. Das war vor drei Jahren eine echte Sensation, weil damit niemand gerechnet hatte. Er war bis dahin ein Mitarbeiter im mittleren Management in Wolfsburg, der durch absolut Nichts aufgefallen war. Wir hier in Kassel kannten ihn gar nicht und mussten erst mal im Intranet nachschauen, wen genau sie uns da vor die Nase gesetzt haben.«

»Hatten Sie mit einer anderen Besetzung der Stelle gerechnet?«, wollte Pia wissen.

»Ganz sicher. Wir sind alle davon ausgegangen, dass der Stellvertreter des damaligen Chefs aufrücken würde.«

»Also wirklich eine faustdicke Überraschung.«

»Ja. Aber das war noch nicht mal das Entscheidende. Herr Andermatt war nämlich Jurist, und wir hätten niemals damit gerechnet, mal einen Juristen als Werksleiter zu bekommen.«

»Was ist denn die Regel, falls es eine geben sollte?«

»Na ja, entweder kommt ein Betriebswirtschaftler oder ein Maschinenbauer, aber kein Jurist. Dem fehlt doch irgendwie der Stallgeruch, oder?«

»Wenn Sie das sagen«, mischte Hain sich noch immer deutlich angesäuert ein. »Was also hat den Juristen Andermatt denn so besonders gemacht, dass man ihn, völlig überraschend, zum Leiter der VW-Außenstelle Baunatal gemacht hat?«

»Wir sind keine Außenstelle«, widersprach Sophie Rott scharf. »Wir sind eines der größten Werke des Konzerns. Ohne die bei uns in Baunatal produzierten Getriebe würde ziemlich wenig laufen bei VW. Und wir sind ein bedeutender Standort, was die Umstellung auf E-Mobilität angeht.«

»Ich bin tief beeindruckt.«

Der sich anschließende böse Blick von Pia Ritter in Richtung ihres Kollegen war an Deutlichkeit garantiert nicht misszuverstehen. »Um die Frage meines Kollegen mal ein wenig umzuformulieren«, übernahm sie wieder die Gesprächsführung. »Wie wurde die Stellenbesetzung denn kommuniziert, wenn sie denn so ungewöhnlich gewesen ist?«

»Na so, dass Herr Andermatt die beste zur Verfügung stehende Alternative ist. Und er war wirklich auch ein guter Chef, damit wir uns da nicht falsch verstehen. Nur hat man sich eben auf dem Flur auch Geschichten erzählt, die mit ›beste Alternative‹ rein gar nichts zu tun hatten.«

»Und worum ging es dabei genau?«

»Darum, dass Herr Andermatt von 2012 bis 2015 persönlicher Assistent des damaligen Vorstandsvorsitzenden gewesen ist. Und dass ihm diese Vorgeschichte ganz bestimmt dabei geholfen habe, Werksleiter in Baunatal zu werden.«

»Aber dieser ehemalige Vorstandsvorsitzende ist, wenn ich mich richtig erinnere, doch schon 2015 aus dem Unternehmen ausgeschieden?«

»Ja, das stimmt natürlich. Aber als persönlicher Assistent hat man richtig viel Einblick in das, was der Boss so treibt. Und darüber hat man sich so seine Gedanken gemacht im Werk.«

Hain und Ritter sahen sich kurz an.

»Sie meinen«, hakte Pia nach, »dass Herr Andermatt ein wie auch immer geartetes Wissen für seinen beruflichen Aufstieg genutzt haben könnte?«

»Über diese Möglichkeit wurde damals spekuliert, ja.«

»War es denn solch ein kometenhafter Aufstieg, dass an der These etwas dran sein könnte?«, wollte Hain wissen.

»Na ja, wenn man bedenkt, was er 2015 gemacht hat und sich dann überlegt, wie das 2019 ausgesehen hat, würde ich schon Ja dazu sagen.«

»Geht das etwas genauer?«

Sophie Rott hob den Kopf und sah dem Kommissar länger direkt in die Augen. »Sie mögen mich nicht, oder? Sie halten mich für eine dumme kleine Spinnerin, die Ihnen die Zeit stiehlt.«

Hain überlegte eine Weile, bevor er antwortete. »Ich halte Sie nicht für eine dumme kleine Spinnerin, Frau Rott, aber ich habe in meinem Berufsleben schon ziemlich viele Menschen erlebt, die sich in etwas verrannt haben. Und bis jetzt sehe ich bei Ihnen noch nicht den ultimativen argumentativen Unterschied zu denen.«

»Vielleicht gibt es den ja auch nicht. Aber ich möchte wenigstens ernst genommen werden von Ihnen, bis Sie endgültig zu dem Entschluss gekommen sind, dass es einen solchen nicht gibt.«

Wieder überlegte der Kommissar eine Weile. »Da haben Sie recht. Und ich möchte Sie um Verzeihung dafür bitten, dass ich das bis jetzt nicht wirklich gemacht habe.«

Pia Ritter, die dem Dialog und speziell dem letzten Satz ihres Kollegen ebenso angespannt wie überrascht gefolgt war, zog anerkennend eine Augenbraue hoch.

»Das macht nichts. Als Sekretärin, auch als Chefsekretärin ist man so etwas gewohnt. Früher mag das anders gewesen sein, das weiß ich nicht, aber heute sieht jeder in uns nur noch einen duftenden Espresso mit haselnussfarbener Crema und den unwidersprochen hingenommenen Zwölfstundentag.«

»Entschuldigung, wirklich«, murmelte Hain ernstlich betroffen.

»Sie meinen also«, nahm Pia den Faden wieder auf, »dass Herr Andermatt etwas von oder über seinen früheren Chef wusste, das ihm seinen Aufstieg ermöglicht oder ihn zumindest begünstigt hat?«

»Nein, ich meine das nicht, weil ich es nicht weiß.« Die Sekretärin hielt Pia das Wasserglas hin. »Wenn ich schon mal in der Situation bin, bedient zu werden, dann will ich sie auch ausnutzen«, erklärte sie mit der Andeutung eines Grinsens.

»Aber gern«, erwiderte die Kommissarin und füllte das Glas auf.

»Ich kann irgendwelche Dinge aus seinem Vorleben«, fuhr die Frau in Schwarz fort, »natürlich nicht wissen. Aber Indizien bewerten, wie das bei Ihnen wohl heißt, und eins und eins zusammenzählen kann ich schon. Und ein Indiz ist nun mal, dass seine Karriere mit dem Ausscheiden des damaligen VV, also des Vorstandsvorsitzenden, eigentlich beendet war, weil diese Assistenten ja wohl so etwas wie persönlich ausgesuchte Knechte sind, die auf Gedeih und Verderb an die Karriere ihres Herrn gekettet sind.« Sie nippte am Wasser. »Mir ist jedenfalls kein Fall bekannt, in dem ein ehemaliger Assi bei uns die große Karriere gemacht hat. In anderen Unternehmen dann schon, aber nicht bei uns, und das war eben bei Herrn Andermatt ganz anders.«

»Gab es auf dem Flurfunk vielleicht auch Vermutungen darüber, was Herr Andermatt von oder über seinen früheren Chef hätte wissen können?«

»Na ja, Sie lesen vermutlich auch Zeitung oder schauen sich die Nachrichten im Fernsehen an. In genau jener Zeit, in der unser damaliger VV amtiert hat, fällt halt nun mal das dunkelste Kapitel der Konzerngeschichte.«

»Sie meinen die sogenannte Dieselproblematik?«

»So hat es der Nachfolger des VV komischerweise immer genannt, ja. Ich habe immer vom Dieselbetrug geredet, weil unsere Kunden ja auch wirklich betrogen wurden. Richtig über den Tisch gezogen wurden die.«

»Wenn ich Sie richtig verstehe, Frau Rott«, wandte Hain ein, »dann hätte sich der Konzern ja erpressbar von Herrn Andermatt gezeigt. Glauben Sie wirklich, dass ein Weltunternehmen wie Volkswagen sich auf so einen Kuhhandel einlassen würde?«

»In diesem Fall ja, natürlich. Herr Andermatt wurde 2015 mit dem Abgang des VV freigestellt, drei Wochen später allerdings wieder zurückgeholt. In diesem Zusammenhang übersprang er, das ist intern kein Geheimnis, vier Gehaltsstufen auf einmal und wurde so etwas wie der Frühstücksdirektor einer PR-Abteilung innerhalb der Division Elektromobilität, obwohl er davon nicht die geringste Ahnung hatte und in dieser Funktion auch nicht groß in Erscheinung getreten ist. Im Intranet jedenfalls ist darüber nicht mehr zu lesen, als dass er den Job gemacht hat.« Wieder griff sie nach dem Wasserglas und trank einen Schluck. »Es folgten ein halbes Jahr in Amerika und ein Vierteljahr in Mexiko, und schon einen Monat später, nachdem er nach Wolfsburg zurückgekehrt war, die Versetzung zu uns nach Kassel. Oder Baunatal, wenn Ihnen das lieber ist, aber die meisten von uns Mitarbeitern reden davon, dass wir im VW-Werk in Kassel arbeiten, weil mit Baunatal ja groß niemand etwas anfangen oder verbinden kann.«

»Das soll uns gleich sein, Frau Rott«, erklärte Pia. »Viel mehr interessiert mich, wie Herr Andermatt empfangen wurde.«

Die Sekretärin lachte laut auf. »Wir mussten uns ja erst mal kundig machen, wen sie uns da eigentlich geschickt hatten. Als das passiert war und er auf der Betriebsversammlung anlässlich seiner Vorstellung einen richtig guten Eindruck hinterlassen hatte, haben wir ihn machen lassen.« Wieder ein Lächeln. »Als VW-Mitarbeiter lernt man, pragmatisch zu denken. Und das haben wir auch in seinem Fall gemacht.«

»War denn gleich klar, dass Sie seine Sekretärin werden würden?«

»Ach was, wo denken Sie hin? Normalerweise bringen solche Kaliber ihr Personal immer mit, aber das war bei ihm ganz anders. Er kam praktisch wie ein nackter Kaiser, also ganz ohne Kleider, bei uns an.«

»Haben Sie sich bei ihm als Sekretärin beworben?«