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Wie du aufhörst, ZU VIEL zu geben, und endlich anfängst zu leben Ohne dich bricht alles zusammen? Du bist immer für andere da und würdest gern all ihre Probleme lösen? Du bist dauernd am Beraten, Managen, Unterstützen und Erledigen? Dann zählst du zu den "hochfunktionalen" Menschen, die sich stets kümmern, sich für alles und alle verantwortlich fühlen … und sich im übermäßigen Geben allmählich selbst verlieren, bis sie am Ende ihrer Kräfte sind. Finde jetzt den Weg "vom Zuviel zum Richtig" und komme zu dir selbst zurück! Die bekannte Psychotherapeutin Terri Cole – einst selbst Königin des "Zuviels" und Entdeckerin der "hochfunktionalen Co-Abhängigkeit" (HFC) – begleitet dich auf ihre erfrischende und liebevolle Art zu einem ausgewogenen Leben und gesunden, glücklichen Beziehungen! "Too Much!" schenkt dir … - Einblicke in die Ursprünge überfunktionalen Verhaltens – und warum du dir und anderen damit nur bedingt einen echten Gefallen tust - Verständnis für deine Anziehungskraft gegenüber Narzissten - Praktische Übungen zur Selbsterkenntnis und Verhaltensänderung - Zuverlässige Strategien für emotionale Abgrenzung, Resilienz und authentische Selbstfürsorge - Einsichten, die dir helfen, loszulassen und den Menschen in deinem Umfeld ihre Verantwortung zurückzugeben Lebe dein eigenes Leben! Dann kehren auch Kraft, Freiheit und Lebensfreude zurück. "TOO MUCH! zeigt, wie der tief sitzende Drang, anderen zu helfen und sie zu heilen, uns von unserem wahren Selbst entfernen kann. Ein Buch, das uns verwandelt und einen Weg aufzeigt, wie wir Power und emotionale Integrität wiedererlangen." Dr. Shefali Tsabary, New-York-Times-Bestsellerautorin von "The Conscious Parent" und "The Parenting Map" "Dieses Buch ist meine Bibel! Als jemand, der all die Nuancen und Feinheiten der hochfunktionalen Co-Abhängigkeit nicht kannte, habe ich den Eindruck, dass dieses Buch mich überaus liebevoll darauf hingewiesen hat. Terris Einsichten sind nicht nur nachvollziehbar und anrührend, sie nähert sich dem Thema auch ganz ungezwungen. Nach der Lektüre werde ich nicht mehr die Gleiche sein, und ich lege das Buch jeder modernen Frau ans Herz." Krista Williams, Moderatorin des "Almost 30"-Podcasts "TOO MUCH! ist eine hilfreiche Anleitung für jeden, dem es auch schon passiert ist, 'zu viel' zu tun, und das auf Kosten des eigenen Wohlergehens. Wer nach einem Buch sucht, das auf psychologischen Erkenntnissen beruht und reelle, umsetzbare Anweisungen bietet, der wird hier fündig. Die Power hinter diesem Buch wird einem helfen, sich in sein besseres Ich zu verwandeln, ein gesünderes Leben zu führen und ausgewogene Beziehungen zu haben, die unsere EIGENEN Bedürfnisse achten. TOO MUCH! muss man gelesen haben." Christine Gutierrez, Autorin von "I Am Diosa"
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 354
Veröffentlichungsjahr: 2025
© Anastasia Chomlack
TERRI COLE ist zugelassene Psychotherapeutin und Expertin für Beziehungen und Empowerment. Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet Terri Cole mit einer Vielzahl von Klienten zusammen, die von Hausfrauen bis hin zu Prominenten und Fortune-500-CEOs reichen. Sie hat die Gabe, komplexe psychologische Konzepte verständlich und umsetzbar zu machen, damit Klienten und Studierende nachhaltige Veränderungen erreichen.
Über ihren Blog, ihre Social-Media-Kanäle, ihre Kurse und ihren beliebten Podcast, die Terri Cole Show, inspiriert sie wöchentlich rund eine halbe Million Menschen.
Weitere Informationen: www.terricole.com
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TERRI COLE
FÜR ALLE, DIE ZU VIEL GEBEN, TUN, MACHEN, DENKEN, FÜHLEN!
Den Überlastungskreislauf durchbrechen und das Leben neu entdecken
Aus dem Englischen von Susanne Engelhardt
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Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Terri Cole
Too Much!
Für alle, die zu viel geben, tun, machen, denken, fühlen!
Den Überlastungskreislauf durchbrechen und das Leben neu entdecken
E-Book (epub): ISBN 978-3-86374-769-5
(Druckausgabe: ISBN 978-3-86374-767-1, 1. Auflage 2025)
Mankau Verlag GmbH
Pfarrgasse 1
D-82497 Unterammergau
Im Netz: www.mankau-verlag.de
Soziale Netzwerke: www.mankau-verlag.de/forum
Übersetzung: Susanne Engelhardt, München
Lektorat: Redaktionsbüro Julia Feldbaum, Augsburg
Endkorrektorat: Susanne Langer-Joffroy M. A., Germering
Cover/Umschlaggestaltung: Andrea Janas, München, www.andreajanas.com
Innenteil/Layout und Satz: Lydia Kühn, Aix-en-Provence, Frankreich
Die Originalausgabe ist unter dem Titel »Too Much. A Guide to Breaking the Cycle of High-Functioning Codependency« erschienen.
© 2024 Terri Cole. Original English language edition published by Sounds True, USA. This translation published by arrangement with Sounds True and trough Agence Schweiger. All rights reserved.
Alle Rechte der deutschsprachigen Ausgabe:
© 2025 Mankau Verlag GmbH, Unterammergau
Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird im vorliegenden Buch die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein. Einige Namen wurden zum Schutz der Privatsphäre verändert.
Hinweis für die Leser und Leserinnen: Die Autorin hat bei der Erstellung dieses Buches Informationen und Ratschläge mit Sorgfalt recherchiert und geprüft, dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Verlag und Autorin können keinerlei Haftung für etwaige Schäden oder Nachteile übernehmen, die sich aus der praktischen Umsetzung der in diesem Buch vorgestellten Inhalte ergeben.
Es ist mein sehnlichster Wunsch, dass die Einsichten, die auf den Seiten dieses Buches vermittelt werden, zu wahrer Selbstakzeptanz und innerem Frieden führen sowie zu deiner Heilung von dem Drang, alles für alle tun und sein zu wollen (also an hochfunktionaler Co-Abhängigkeit zu leiden).
Durch Hingabe und Präsenz erschaffst du dir ein Leben, das spektakulärer und erfüllender als deine kühnsten Träume ist. Dieses Leben erwartet dich. Es ist mir eine Ehre, dich auf dieser Reise der Verwandlung zu begleiten.
Meinem treuen Ehemann Victor Juhasz. Nichts von alldem geschieht ohne deine unerschütterliche Unterstützung und deine unendliche Geduld. Dich liebe ich am meisten.
Meiner Mutter und meinen Schwestern, die mir wohlwollend erlaubt haben, hier all unsere gemeinsamen Geschichten wiederzugeben.
Einleitung
Wie du dieses Buch benutzt
TEIL 1
Die akute HFC
Sich abrackern, sich einmischen und sich übernehmen
Kapitel 1: Wenn zu viel tun wirklich zu viel ist
»Ich bin auf keinen Fall co-abhängig.«
Übermäßiges Funktionieren
Wir können uns ändern – und das lohnt sich
Kapitel 2: Was ist fürsorglich, was co-abhängig?
Fürsorge oder Co-Abhängigkeit?
Angst
Andere Auslöser für HFC-Verhaltensweisen
Kapitel 3: Die HFC-Blaupause: Warum du dich verhältst, wie du dich verhältst
Deine persönliche HFC-Blaupause
Der Einfluss kindlicher Erfahrungen auf Beziehungen im Erwachsenenalter
Funktionale Familiensysteme im Vergleich zu dysfunktionalen: Wo stehst du?
Traumata verstehen
Die Sache mit der Scham
Kapitel 4: HFCs und Beziehungen – Wie du zu anderen stehst
Probleme bei HFC-Beziehungen
Was hinter dem Bedürfnis nach Kontrolle steckt
Was unsere HFC für andere bedeutet
Gesunde Beziehungen im Vergleich zu ungesunden Beziehungen
Kapitel 5: Warum sich Narzissten und Co-Abhängige anziehen
Die Anziehungskraft zwischen Narzissten und Co-Abhängigen
Verdeckter und offener Narzissmus
Wie wir wurden, was wir sind: Der Einfluss narzisstischer Eltern
Die DARVO-Methode
Ein Leben nach der Erziehung durch Narzissten
Wie man zukünftige Beziehungen zu Narzissten vermeidet
Kapitel 6: Für HFC zahlen wir einen hohen Preis
Co-abhängig gegenüber der ganzen Welt
Sich selbst aufgeben und »Frieden um jeden Preis«
Wie wir damit umgehen
Was HFCs alles verpassen
Von der Wahlfreiheit Gebrauch machen
Der Kummer, der mit dem inneren Wachstum kommt
Die (andere) gläserne Decke durchbrechen
TEIL 2
Die überwundene HFC
Im richtigen Maß fühlen, zulassen und tun
Kapitel 7: Emotional widerstandsfähiger werden
Blockaden bei der Hinwendung nach innen
Emotionsregulation
Die Schatten unserer Persönlichkeit
Im Einklang sein
Widerstand und Selbstberuhigung
Kapitel 8: Für eine gute Abgrenzung sorgen
Grundkurs im Abgrenzen
Der Umgang mit der emotionalen Abgrenzung
Wann musst du eine Grenze ziehen?
Wir sind souverän
Zuversicht und Selbstbestätigung
Kapitel 9: Echte Selbstfürsorge
Auf sich selbst Rücksicht nehmen
Wie du die Rücksichtnahme auf dich selbst verstärkst
Rückfall in alte HFC-Verhaltensmuster
Kapitel 10: Tu es mit Hingabe
Neue Regeln für deine Beziehungen
Die Choreografie ändern
Sich ergeben und Frieden finden
Das Unbekannte annehmen
Ein Grund zu feiern
Zur Vertiefung
Fragebogen: Co-abhängige Beziehungen
Co-abhängige Verhaltensweisen erkennen
Übung: Fürsorglich oder co-abhängig?
Finde heraus, wie deine Blaupause aussieht
Co-Abhängigkeit im Vergleich zu gegenseitiger Abhängigkeit
Was sich hinter Love Bombing verbirgt
Umschwenken
Bestandsaufnahme deiner Emotionen
Das Abgrenzen mithilfe von Vorlagen üben
Ein morgendliches Ritual erschaffen
Übe dich darin, unvollkommen zu sein
Danke
Endnoten
Register
Vor vielen Jahren stand ich auf dem Heimweg von einem Termin bei meiner Therapeutin in Long Island am Bahnsteig, als mir ein junger Mann auffiel, der eine Decke umklammerte. Mein Helfersyndrom meldete sich. Huch, dachte ich, mit dem stimmt doch was nicht.
Nach dem Einsteigen sprach ich ihn an. Wie sich herausstellte, hätte Billy einen Wagen quer durchs Land überführen sollen, aber der Auftrag war in letzter Minute abgesagt worden. Jetzt war er gestrandet und auf dem Weg nach New York, wo er noch nie zuvor gewesen war. Und einen Schlafplatz hatte er auch nicht.
Billy, der etwa neunzehn war, wirkte mehr als naiv. Ich war mit dreiundzwanzig auch nicht gerade erfahren, aber ich lebte und arbeitete immerhin in New York. Nicht zu vergessen: Wir hatten die späten Achtziger, da war diese Stadt noch ein gefährliches Pflaster. Sicher konnte ich ihm helfen.
»Was hast du denn jetzt vor?«, fragte ich.
»Ich penne vermutlich im Bahnhof«, sagte er beiläufig.
»In welchem?«
»Penn Sta…«
»Nein«, fiel ich ihm ins Wort, »in der Penn Station kannst du unmöglich schlafen. Da wirst du ausgeraubt. Du kommst mit zu mir.«
So kam es, dass ich einen Wildfremden mit in meine kleine Wohnung nahm, die ich mir mit einer Freundin teilte. Ich machte mir nicht mal die Mühe, sie anzurufen und zu fragen, ob sie etwas dagegen hatte. Ich nahm einfach an, sie würde mir zustimmen, dass wir den armen Billy nicht einfach im Dschungel der Großstadt allein lassen konnten, und ich behielt recht.
Im Rückblick finde ich die Sache mit Billy bezeichnend für etwas, das bei mir tagtäglich vorkam: die Probleme anderer, auch die Fremder, zu meinen Problemen zu machen. Die Wünsche, Bedürfnisse und Geschicke anderer über mein eigenes Wohlergehen zu stellen, war für mich Standard. Ich. Muss. Jedem. Helfen.
Glücklicherweise war Billy harmlos und verschwand am nächsten Morgen ohne Probleme. Was nicht bedeutete, dass mein Übereifer und mein Helferdrang nicht problematisch waren. Aus heutiger Sicht ist für mich am auffälligsten, wie zwanghaft ich meinte, dass ich ihn retten müsste. Zwischen meinen Gedanken, Gefühlen und Taten gab es keinerlei Abstand. Ich hatte, ohne zu zögern, gesagt: »Alles klar, du kommst mit mir.« Nie wäre mir in den Sinn gekommen, erst mal nachzudenken: Hmm … ist es überhaupt an mir, dieses Problem zu lösen?
Natürlich gab es andere Optionen. Ich hätte Billy ein Hostel nennen oder ihm vorschlagen können, sich einen anderen Ort als die Penn Station zu suchen. Ich hätte ihm einen Fünfer für einen Kaffee und einen Snack geben oder mich einfach um meinen Kram scheren können.
Statt eine dieser Optionen zu wählen, projizierte ich meine schlimmsten Ängste auf Billy (der seinen Plan komplett okay zu finden schien) und stellte dieses Anliegen über mein eigenes Wohlergehen (und das meiner Mitbewohnerin). Ich war es schlicht und einfach gewohnt, anderen gegenüber so zu handeln, ob Angehörigen, Kollegen oder – richtig – völlig Fremden.
Auch wenn du nicht unbedingt solche Umstände auf dich genommen hast wie ich mit Billy, hast du vielleicht deine ganz eigene Art, aus deiner Fahrspur auszuscheren und das Ruder für die Entscheidungen und das Leben eines anderen an dich zu reißen, weil du eine tief sitzende Verantwortung für andere spürst. Frage dich mal Folgendes:
Bist oft du die Person, zu der andere kommen, wenn sie einen Rat brauchen oder in der Patsche sitzen?
Richtest du dich regelmäßig nach den Bedürfnissen und Vorlieben anderer?
Sagst du auch mal Ja, um einem Problem aus dem Weg zu gehen, obwohl du Nein sagen willst?
Gibst du übermäßig viel und erhältst im Gegenzug weniger?
Bist du auch eine professionelle »Problemlöserin«, immer da und immer bereit, dich für andere einzusetzen?
Bist du so überaus kompetent, dass es dir manchmal so vorkommt, als würde das Chaos ausbrechen, wenn nicht du die Reise planst/Termine organisierst/den Anteil der anderen im Restaurant ausrechnest/die familiären Probleme der Babysitterin regelst/die Sinnkrise deiner besten Freundin löst?
Wenn dir von diesen Fragen etwas bekannt vorkommt, dann stehen die Chancen gut, dass du eine meiner übermäßig funktionierenden, übermäßig zugewandten und übermäßig verfügbaren Schwestern bist. Das sind nämlich verbreitete Verhaltensweisen bei Co-Abhängigkeit, genau wie: zu viel tun, fühlen, verwalten, führen, leiten, überzeugen, gut zureden und was sonst noch. Mit diesem Buch möchte ich dich von diesem Zu viel zu einem Genau richtig bringen. Ich will dir helfen, einen Weg raus aus Verhaltensmustern zu finden, die dir Energie rauben und dir und deinen Beziehungen schaden.
Zum Glück bist du hier genau richtig. Ich bin nicht nur eine von euch – ich habe die letzten beiden Jahrzehnte damit verbracht, mich davon zu erholen, zu viel zu tun –, sondern als Psychotherapeutin, Ausbilderin und Coach habe ich auch viel Zeit damit verbracht, die Grundlagen der Co-Abhängigkeit zu erforschen und herauszufinden, wie ich anderen beibringen kann, die psychischen Knoten zu lösen, wegen denen wir uns die Hacken ablaufen. Ich helfe Frauen leidenschaftlich gern dabei, sich dysfunktionale Verhaltensmuster und gestörte Grenzen bewusster zu machen, damit sie Tag für Tag echte Veränderungen herbeiführen können und ein glücklicheres, gesünderes und friedvolleres Leben haben.
Veränderungen sind möglich. Ich habe eine solche Verwandlung nicht nur selbst erlebt, sondern auch im Leben zahlloser Klienten und Schüler, die ich in meiner Praxis behandelt beziehungsweise ausgebildet habe. Ich habe äußerst kompetente Frauen aus allen Gesellschaftsschichten getroffen – von der Geschäftsführerin oder Führungskraft über die aufstrebende Journalistin oder gefeierte Künstlerin bis hin zur Super-Mom oder Super-Freundin. Und auch wenn jede ihren eigenen Hintergrund hat, so zeigten doch die meisten – wenn nicht alle – Anzeichen von Co-Abhängigkeit. Die führen dazu, dass sie sich erschöpft fühlen und nur noch wenig Energie für sich selbst und ihre Träume übrig haben. Viele werden von der unbewussten Überzeugung getrieben, dass die Welt auf ihren Schultern lastet – und es ist an ihnen, wirklich nur an ihnen, die Fehler zu beheben. Viele haben ihre Tage in einem Zustand der Geschäftigkeit und unterschwelliger Anspannung verbracht, haben übermäßig funktioniert und sich gefragt: Bin ich etwa die Einzige hier, die weiß, wie man das wuppt? Viele erreichen schließlich einen Punkt, an dem sie das Gefühl haben, das Leben sei eine endlose Abfolge von Punkten auf einer Liste, die man abhakt, auch wenn sie sich mit etwas beschäftigen, das ihnen mal Spaß gemacht hat. Freude, Inspiration und Hoffnung können schwer zu finden sein, wenn man sich von Verpflichtungen, Erschöpfung oder Frust erdrückt fühlt und sich chronisch unterschätzt vorkommt.
Wenn du jetzt wissend nickst, kann ich dich beruhigen. Es gibt einen Ausweg aus diesem Leid, einen, bei dem du reflektierter und aufrichtiger mit der Frage umgehen musst, was dich antreibt. Sobald diese Selbsterkenntnis zunimmt und du nach und nach entscheidende Erleuchtungsmomente dazu hast, warum du so tickst, wie du tickst, wirst du in der Lage sein, achtsamer darüber zu entscheiden, wie du deine Beziehungen zu anderen gestaltest. Diese Einblicke erlauben dir, die Beziehungen und Lebensumstände zu schaffen, die du dir wünschst, indem du eine richtige Handlung auf die andere folgen lässt.
Es gibt kein Mittel gegen Co-Abhängigkeit, aber man kann davon loskommen. Das gelingt durch das Wissen, wann man Gefahr läuft, in dysfunktionale Muster zurückzufallen – wozu auch eine gestörte Abgrenzung zählt. Und gleichzeitig achtet man zunehmend darauf, anders zu entscheiden. Bei der Lektüre dieses Buches solltest du also Geduld mit dir haben.
Vielen von uns wurde eingetrichtert, sich nach den Wünschen, Sehnsüchten, Bedürfnissen und dem Wohlergehen anderer zu richten – also fürsorglich zu sein. Uns wurde beigebracht, alles zu tun, um negatives Feedback der Erwachsenen um uns herum zu vermeiden. Vielleicht fällt es uns schwer, andere zu enttäuschen, weil wir immer noch von der Angst vor Ablehnung und Verurteilung getrieben werden. Anfänglich wurde diese Angst durch unsere Eltern oder Sorgeberechtigten vermittelt, um dann durch Lehrer, Freunde, Vorgesetzte und Kollegen noch mehr zu werden. Und dann wurde diese Botschaft durch unser kulturelles Umfeld verstärkt, durch Fernsehen und Film, soziale Medien, genau genommen durch jeden Bereich der Gesellschaft. Wieder und wieder wurde uns gesagt, wie wünschenswert es ist, freundlich, großzügig, nett und aufopfernd zu sein. Und auf die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Prioritäten zu achten macht uns natürlich zu selbstverliebten, gemeinen Drama-Queens. Deshalb ist es kein Wunder, dass wir als Erwachsene zwanghaft übermäßig funktionieren und Verantwortung übernehmen. Dieses Verhaltensmuster ist weitgehend anerzogen und unbewusst.
Die Lösung ist einfach – nicht einfach umzusetzen, aber einfach. Indem man unterscheiden lernt, was in die eigene Verantwortung fällt und was nicht (oder was »deine Straßenseite ist und was nicht«, wie ich oft zu sagen pflege), wird der Verwandlungsprozess viel machbarer und unkomplizierter. Der Erfolg hängt letztlich von deiner Bereitschaft ab, dich auf einen neuen Umgang mit dir selbst einzulassen, was sich positiv darauf auswirken wird, wie du zu anderen und der Welt allgemein stehst.
Der Ausstieg aus festgefahrenen Denk- und Verhaltensmustern kann manchmal entmutigend wirken, vor allem zu Beginn. Das ist ganz normal. Wenn du aber weiter daran festhältst, auf deiner Straßenseite zu bleiben, wirst du sicher Fortschritte sehen. Dazu gehört ein bisschen Fleiß. Man geht ja auch nicht davon aus, eine Sprache fließend zu beherrschen, indem man nur einen Kurs besucht. Das Gleiche gilt hier, und auch hier lohnt sich dein Einsatz.
Wenn du dieses Buch gelesen hast, wirst du dich realistischer und vertrauter einschätzen – was zu weniger Stress, mehr Leichtigkeit und qualitativ besseren Beziehungen führt, vor allem in der Beziehung zu dir selbst.
Also auf geht’s. Hier ein Überblick darüber, was wir in diesem Buch behandeln werden. Im ersten Kapitel erläutern wir den Begriff »Co-Abhängigkeit«, seinen Ursprung und wie ich die Definition so erweitert habe, dass sie auf unser modernes Leben passt. Das alles basiert auf bestimmten Verhaltensweisen, die ich in meinen mehr als fünfundzwanzig Jahren als Therapeutin wiederholt erlebt habe. (Keine Sorge, falls dir allein bei dem Wort Co-Abhängigkeit bange wird. Viel entscheidender als die Etikettierung ist es, deine Gewohnheiten und deine Konditionierung zu erkennen, sodass du davon wegkommen und ein besseres Leben führen kannst.) Im weiteren Verlauf von Teil 1 decken wir problematische Verhaltensweisen auf und machen dir bewusst, wie du zu dir und anderen stehst. Um dein Verhalten nach deinen eigentlichen Zielen auszurichten, werden wir ein bisschen Zeit damit verbringen, das zu entrümpeln, was ich gern als deinen »Keller« bezeichne – mit anderen Worten, dein Unterbewusstsein. Wir werden deine Blaupause in Sachen Beziehungen unter die Lupe nehmen, in der sich die Signale zum Umgang mit anderen erkennen lassen, die du in den ersten Lebensjahren aus Familie, Umgebung und Gesellschaft erhalten hast. Genau – wir machen eine Reise in die Vergangenheit, um herauszufinden, welchen Einfluss diese frühe Prägung auf dein jetziges Leben hat, damit wir die Blaupause so gestalten können, dass sie deine Wünsche und Werte widerspiegelt. Es geht bei diesem Prozess nicht darum, zum Beispiel deinen Eltern oder Sorgeberechtigten Vorwürfe zu machen, sondern um Unterstützung für dich, damit du das selbstbestimmte, souveräne und freudvolle Leben führen kannst, das du verdienst. Und keine Sorge: Du wirst sorgfältig angeleitet. Mach Pausen, wann immer du sie brauchst. Dieser Prozess findet in deinem Rhythmus und in deinem Tempo statt.
In Teil 2 geht es darum zu verändern, wie du zu dir und deiner Umwelt stehst. Ich helfe dir dabei, dich auf deine Erfahrungen zu konzentrieren, damit du dich auf angemessenere Art mit anderen einlassen kannst. Wir behandeln Beziehungserfahrungen aus deinem Erwachsenenleben, die nach wie vor unter dem Einfluss nicht aufgearbeiteter Verletzungen oder Probleme aus der Vergangenheit stehen (weil dich das dazu prädestiniert, in dysfunktionale Verhaltensmuster zurückzufallen). Und du lernst, wie du präsent bleibst, falls eine Interaktion bei dir unangenehme Emotionen auslöst. Wir befassen uns auch damit, wie man mit Rückfällen umgeht, zu denen es vor allem in Krisenzeiten kommen kann, und begutachten mögliche Reaktionen von Menschen, die sich an deine selbstlose, überaus entgegenkommende Art gewöhnt hatten. Du bekommst Strategien an die Hand, um schwierige Phasen zu meistern, in denen du zwar positive Veränderungen vornimmst, aber deine neuen, lebensbejahenden Fähigkeiten noch nicht ganz sicher beherrschst. Wissen ist Macht. In diesem Buch erhältst du wichtige Informationen zu dauerhaften Verhaltensänderungen, die allen zugutekommen, einschließlich und gerade dir.
Egal, welche Lesegewohnheiten du hast, beachte bitte Folgendes: Dieses Buch sollte in der richtigen Reihenfolge gelesen werden, weil jedes Kapitel auf dem vorangehenden aufbaut. Um dir zu helfen, das Gelernte anzuwenden, gibt es in jedem Kapitel Tipps, Selbsteinschätzungen und Übungen. All das verwende ich auch bei meinen Klienten und Schülern, und es ist entscheidend, um die gewünschten Ergebnisse zu erreichen.
Auf Folgendes wirst du in allen Kapiteln treffen:
Sprich mir nach: Kraftvolle, positive Aussagen, die dir helfen, dein Denken zu ändern und dein Selbstwertgefühl zu stärken. Verwende sie wie Mantras, um deine Gedanken und Taten zu steuern.
Bitte denke immer daran: Von Herzen kommende Botschaften und Erkenntnisse, die dich sanft anstupsen sollen, damit du die Bedeutung deines Unterfangens und die Liebe zu dir selbst nicht aus den Augen verlierst.
Kurzer Check: Hier sollst du kurz in dich gehen, damit du dein Tun überdenken kannst. Das gibt dir Raum, deine Erkenntnisse zu personalisieren und auf dein Leben anzuwenden.
Zurück zu dir: Kurze, gezielte Selbsteinschätzungen, um dir zu helfen, die ermutigenden Informationen zur Selbstfindung zu verinnerlichen und umgehend auf deine individuellen Erfahrungen anzuwenden.
Was jetzt wichtig ist: So sind die Abschnitte am Ende jedes Kapitels überschrieben, in denen praktische Übungen und umsetzbare Schritte vorgestellt werden.
An erster Stelle: Hilfreiche Ideen, um deine Selbstwahrnehmung zu erweitern und dein persönliches Wachstum gedanklich in den Vordergrund zu stellen.
Achte auf dich: Betont die Bedeutung der Selbstfürsorge. Hier finden sich Anleitungen, wie man wohltuende Abläufe in den Alltag einbaut.
Zur Vertiefung: Verweist auf die Anhänge am Buchende, wo du tiefergehende Übungen zur Selbstwahrnehmung und Methoden zur individuellen Gestaltung deiner Heilung findest.
Und du kannst dir den HFC-Bonuspack online besorgen. Unter hfcbook.com/resources findest du Achtsamkeitsübungen, geleitete Meditationen und weiterführende Strategien. (Anmerkung der Redaktion: Diese Seiten sind in englischer Sprache gehalten.)
Dieses Buch dient der Entdeckung deiner selbst und dem Empowerment. Ich kann dir nur raten, dich ganz auf jedes Kapitel einzulassen, um den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen. Wenn du dir gern Notizen machst, solltest du Stift und Papier bereithalten.
Mein Rat? Mach, so schnell oder langsam, wie du willst, und nimm, was funktioniert – und vergiss den Rest.
Wenn du mit meiner Arbeit aus den sozialen Medien, meinem Podcast, der Terri Cole Show, einem meiner Online-Kurse oder meinem ersten Buch Boundary Boss vertraut bist, erkennst du auf den folgenden Seiten vielleicht einige meiner wesentlichen Konzepte wieder. Ich habe diese Konzepte im Laufe meiner mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Arbeit als Therapeutin, Coach und Lehrerin entwickelt. Jetzt werden die drei Fragen für mehr Klarheit, sich wiederholende Beziehungsthemen, deine Zen Den und die eine oder andere Blaupause alle speziell im Hinblick auf Co-Abhängigkeit und Beziehungsmuster betrachtet. Das alles sind bewährte, einzigartige Strategien und Werkzeuge, die dein Vorankommen beschleunigen.
Wenn du dich auf den Weg der Heilung begibst, spürst du womöglich so etwas wie Reue oder Scham angesichts deines früheren Verhaltens. Das ist normal. Aber in diesem Buch wird nicht geurteilt. Du machst Inventur und trägst Daten zusammen, die dir helfen, jetzt und in Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen. Co-abhängig zu sein bedeutet nicht, dass du ein schlechter Mensch oder willentlich ein Kontrollfreak bist. Es bedeutet nur, dass du einige erlernte Verhaltensweisen an den Tag legst, die du womöglich wieder verlernen möchtest. Während du dich mit einigen besonders hartnäckigen Automatismen herumschlägst, solltest du nachsichtig mit dir selbst sein. Too Much! schärft dein Bewusstsein und lehrt dich einiges über gesunde Beziehungen. Wie gesagt: Das dysfunktionale Verhalten, an dem du arbeitest, wurde dir von klein auf beigebracht. Du kannst nichts dafür. Das Bewusstsein dafür ist die Voraussetzung, um gesundes Verhalten von dysfunktionalem zu unterscheiden. Steigerst du also dieses Selbst-Bewusstsein, sind die gewünschten Veränderungen in deinem kostbaren, unverwechselbaren Leben machbar.
Du kannst schrittweise lernen, kleine, aber wirkungsvolle Veränderungen vorzunehmen, die zu großen Durchbrüchen führen – zum Beispiel Nein sagen, wenn du Nein sagen willst, innehalten, bevor du dich für jemanden verbiegst oder deine Mitbewohnerin in die Bredouille bringst, indem du einen Wildfremden zum Übernachten einlädst – und vieles mehr. Alles ändert sich, wenn du es tust.
Es zählt, was du fühlst. Oder was du denkst. Oder was du willst. Genau genommen sollte das alles für dich am meisten zählen. Das ist möglicherweise ein neuer Blickwinkel, aus dem du deine Entscheidungen betrachtest, und deshalb erst einmal etwas unbequem. Das ist nicht schlimm. Nachhaltige Veränderungen bedeuten einiges an Arbeit. Aber ich bezweifle nicht, dass du das Zeug dazu hast.
Indem du dich für den Weg hin zu Heilung und Gesundung entscheidest, findest du zu dir – vielleicht zum ersten Mal. Dieser Prozess ist von großer Schönheit, er ist bereichernd und lohnend. Also verlier dein Ziel nicht aus den Augen, falls du dich mal überfordert fühlst. Solche Einsichten in dich selbst zu haben, ermöglicht auch anderen, dich besser kennenzulernen. Und genau darum geht es im Leben.
Mithilfe meiner erprobten Transformationstechniken habe ich Tausenden von Menschen weltweit beigebracht, wie sie sich ein erfülltes und aufregendes Leben erschaffen. Dieser Ansatz beruht auf Selbstwahrnehmung, Selbsterkenntnis, Selbstmitgefühl und Selbstliebe.
Ich wünsche mir das auch für dich, denn genau das bist du in meinen Augen. Du bist der Grund, warum ich tue, was ich tue.
Ich sehe es als meine Pflicht an, deinem Leben einen Mehrwert zu geben und dir zu helfen, deine Träume und Wünsche zu erfüllen. Ich habe dieses Buch für dich geschrieben und bin fest überzeugt, dass es dir zeigt, wie du von Zu viel zu Genau richtig gelangst, wenn du das durchziehst.
Ich freue mich ja so, dich auf dieser alles verändernden und heilenden Reise zu begleiten. Los geht’s!
Sich abrackern, sich einmischen und sich übernehmen
Vor Jahren wartete ich in meinem Büro an der 22. Straße in New York gespannt auf Andrea, eine erfolgreiche Anwältin mittleren Alters, die eigentlich eine Therapie hatte machen wollen, um besser mit dem überwältigenden Stress in ihrem Leben klarzukommen. Wie so viele meiner Klientinnen war auch Andrea ständig von Arbeit, Haushalt und persönlichen Pflichten überlastet. Doch irgendwie schaffte sie es immer pünktlich zu ihren Terminen bei mir und hatte stets eine Liste mit Gesprächspunkten dabei. Deshalb hatte es mich überrascht, dass sie in der Woche zuvor in letzter Minute abgesagt hatte.
Obwohl sie fünf Minuten vor Beginn unserer Sitzung eine kurze SMS geschickt hatte, machte mir ihr untypisches Verhalten doch Sorgen.
Zu Hause und überhaupt im Leben war Andrea eine unübertroffene Macherin – eine Mutter, die ihre beiden quirligen Kinder im Schulalter abgöttisch liebte, eine pflichtbewusste Ehefrau, zuverlässig gegenüber Freunden und Verwandten. Gleichzeitig arbeitete sie sechzig Stunden in der Woche in der Firma und schaffte es auch noch, sich ehrenamtlich in ihrer Gemeinde zu engagieren, dem Elternbeirat in der Schule vorzustehen und lustige Unternehmungen mit einem Kreis enger Freundinnen anzuführen. Darüber hinaus war Andrea die Kummerkastentante für alle, die ihr nahestanden. Ob jemand einen Rat, einen Vorschlag oder eine Schulter zum Ausweinen brauchte … Andrea war da. Meist hielt sie einen trockenen Witz parat, ein Taschentuch oder einen klar umrissenen Plan zur Problemlösung. Fragst du dich jetzt: Wie zum Teufel schafft sie das zeitlich? Die Antwort lautet: Sie schaffte es nicht. Doch wie so viele meiner verbissenen Klientinnen blieb sie hartnäckig, überforderte sich und versuchte, die Gesetze von Zeit und Raum zu beugen, indem sie darauf bestand, dass alles »in Ordnung« sei. Denn wenn nicht sie das alles tat, wer dann? Also machte sie immer weiter.
Doch ihr Panzer zeigte Risse. »Warum sind alle so ineffizient?«, lautete einer ihrer Standardsätze bei mir in der Praxis. Ob Familie, Kollegen, Freundinnen oder, oje, die Welt als Ganzes – keiner konnte es mit Andreas Tüchtigkeit aufnehmen.
In letzter Zeit wirkte sie besonders gereizt über alles und nichts und sagte Sachen wie: »Stellen Sie sich vor, jetzt will Jack auch noch, dass ich unsere Tochter mitten in der Nacht von ihrer Pyjamaparty abhole.« Oder: »Meine Freundinnen gehen einfach davon aus, dass ich diejenige bin, die sich um die Reisepläne kümmert, als ob ich die Einzige mit einem Airbnb-Account wäre.« Oder: »Mein Kanzleipartner ist nicht mal auf die Idee gekommen, daran zu denken, einen Tisch für das Mittagessen mit unserem größten Kunden zu reservieren. Muss ich verdammt noch mal alles selbst machen?«
Ob sie nun musste oder nicht, sie tat es. Und ich fragte mich, ob ihr Zorn – genau wie der zunehmende Stress und die Unfähigkeit, Nein zu sagen – etwas damit zu tun hatte, warum sie unseren letzten Termin verpasst hatte.
Ganz generell überschätzte Andrea ihre Möglichkeiten und ihre Energie. Sie sah den Zusammenhang zwischen dem starken Stress und all dem nicht, was sie immer für andere tat. Andreas Beziehung zu sich selbst war nie Teil der Gleichung. Ihr Motto schien zu lauten: Deine Angelegenheiten sind meine Angelegenheit.
Viel zu vielen von uns wurde eingebläut, dass Ja sagen Ehrensache ist. Diese Überzeugung prägt unser Verhalten gegenüber anderen und beeinträchtigt unsere Lebensqualität. Wie die meisten meiner Überflieger-Klientinnen, also Frauen, die immer bereit sind, jede aufpoppende Krise zu bewältigen, wusste auch Andrea, dass sie theoretisch zu Familienmitgliedern, Team oder Kollegen Nein sagen könnte. Aber in der Praxis? Tat sie das selten.
ZURÜCK ZU DIRSei ehrlich: Machst auch du alles?
Manchmal merken wir gar nicht, wie viel wir eigentlich machen, bis wir mal eine Bestandsaufnahme vornehmen. Lies dir die Fragen durch und notiere deine Antworten.
Wie viele Stunden pro Woche arbeitest du (Homeoffice oder Büro)?
Falls Kinder da sind, bist du das Elternteil, das sich »standardmäßig« kümmert (Essen, zur Schule bringen, abholen, Termine, Hobbys, Elternabende, Anziehsachen, Verabredungen zum Spielen etc.)?
Wie viel Zeit investierst du dafür, in Kontakt mit der Familie zu bleiben?
Wer macht die Hausarbeit? Wenn sie geteilt wird, wie hoch ist dein Anteil in Prozent?
Wenn eine Freundin/eine Verwandte/ein Familienmitglied oder eine Kollegin etwas braucht, lässt du alles stehen und liegen, um zu helfen?
Falls du einen Partner hast, wie viel vom Leben des Partners managst du (Stichworte: Soziales, Gesundheit, Fitness, Familie, Arbeit etc.)?
Hältst du mehr Kontakt zur Familie deines Partners als er?
Für wie viele Menschen bist du eine Vertrauensperson?
Während du deine Antworten durchgehst, frage dich auch, inwieweit diese Aspekte deines Lebens deinen derzeitigen Alltag beeinflussen. Im Augenblick befinden wir uns in der Phase, in der wir dir Dinge bewusst machen und Informationen sammeln. Wir ergreifen noch keine Maßnahmen.
Als Andrea meine Praxis betrat und sich auf die Couch fallen ließ, stieß sie einen langen Seufzer aus. Sie hatte Ringe unter den Augen und trug eine zerknitterte Bluse.
»Was ist letzte Woche passiert?«, fragte ich.
»Ich, äh, habe mich von einem Ausflug in die Notaufnahme in der Nacht zuvor erholt«, sagte sie. »Aber keine Sorge, mir geht’s gut.«
»Wie sind Sie in der Notaufnahme gelandet?«, fragte ich.
»Tja, alles begann mit einem total verrückten Arbeitstag. Eine eidesstattliche Aussage zog sich in die Länge, sodass ich in Verzug geriet. Meine Assistentin war krank. Und ich musste für einen Mitarbeiter online einen Arzttermin ausmachen, weil er so einen komischen Ausschlag am Nacken hatte«, sagte sie und verdrehte die Augen. »Das war schön.«
Als sie dann nach Hause gekommen war, klammerte sich Andreas zehnjährige Tochter an sie, und Babysitterin Evelyn lud ihren Stress – über die Krankheit ihres Vaters und die vermutliche Untreue ihres Freundes – auch noch bei Andrea ab.
»Mein Gott, Terri, ich habe einfach nur ›Wie geht’s dir?‹ gefragt«, meinte Andrea, die auch eine Woche danach noch aufgewühlt war. »Ich bot ihr an, sie an einen befreundeten Arzt zu verweisen, der vielleicht etwas zum Zustand ihres Vaters sagen könnte. Aber was den Freund betraf, also, da ging mir so einiges durch den Kopf …«
Während Andrea also dabei war, Evelyn an den letzten Fehltritt ihres Freundes zu erinnern und gemeinsam mit ihr zu überlegen, wie sie diesen Trottel absägen könne, konnte sie plötzlich nicht mehr atmen.
Der Zustand verschlimmerte sich so sehr, dass sie sich schließlich in der Notaufnahme wiederfand, wo ein Arzt sie fragte: »Hatten Sie schon mal eine Panikattacke?«
»Ich kam mir vor, als säße ein Elefant auf meiner Brust. Ich hab ihnen gesagt: ›Das ist bestimmt etwas anderes! Ich hab das Gefühl zu ersticken!‹ Das war garantiert nicht bloß eine Panikattacke.«
Doch dem EKG zufolge hatte Andrea keinen Herzinfarkt. Genau genommen hatte sie keinerlei Herzprobleme. Der Arzt empfahl ihr, sich auszuruhen und einmal über Techniken zur Stressbewältigung nachzudenken.
»Terri, das bilde ich mir doch nicht nur ein.«
Andrea hatte vielleicht die Atemnot noch nicht mit dem übermäßigen Funktionieren (alles für alle machen) in Verbindung gebracht, aber die übermäßig engagierte Art gegenüber jedem in ihrem Umfeld – und darüber hinaus – schien mir doch sehr offensichtlich zu sein.
»Was ist Ihrer Meinung nach denn eine Panikattacke?«, fragte ich.
»Wenn man unter dem Druck zusammenbricht?«
Wiederholt war mir aufgefallen, dass Frauen wie Andrea, die alles »wuppen« und obendrein intelligent, kompetent und fleißig sind, dazu neigen, Angst mit Schwäche gleichzusetzen. Mit mir stimmt was nicht, sagen sie sich.
Ich erklärte ihr: »Es ist eher so, dass all der Druck, unter dem man steht, plötzlich explodiert. Und eines ist sicher: Das hat nichts mit mentaler Stärke zu tun.«
Obwohl Andrea fest überzeugt war, alles stemmen zu können – für Ehemann, Familie, Freunde, Klienten und Babysitterin, war doch ihr Körper anderer Meinung. Die Zeichen zunehmender Erschöpfung hatten sich zu einer handfesten Krise ausgewachsen. Sie konnte nicht länger leugnen, dass etwas anders werden musste. Andreas stressiger Aufenthalt in der Notaufnahme war eine Aufforderung zu mehr Selbstwahrnehmung – er führte ihr das Muster vor Augen, demzufolge sie zu viel für andere tat, während sie ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigte.
Sie sah mich an, dann blickte sie zu Boden.
»Wie Sie für die Menschen um Sie herum geradestehen«, erläuterte ich, »das nennt man co-abhängig.«
Bei der Erwähnung dieses Ausdrucks fuhr Andreas Kopf hoch.
»Co-abhängig? Ich?«, rief sie. »Sie wissen doch, dass ich von niemandem abhängig bin, Terri. Alle verlassen sich auf mich.«
Es war nicht das erste Mal, dass eine Klientin meinen Hinweis auf co-abhängiges Verhalten zurückwies. Das lag daran, dass die meisten Menschen, so meine Erfahrung, nicht verstehen, was Co-Abhängigkeit eigentlich ist.
Beim Thema Co-Abhängigkeit herrschen jede Menge Verwirrung und falsche Vorstellungen. Bevor wir fortfahren, wollen wir einige der gängigsten Vorurteile unter die Lupe nehmen:
Vorurteil 1: Co-Abhängigkeit kommt nur in Beziehungen mit Suchtkranken vor.
Falsch. Obwohl Co-Abhängigkeit oft in Beziehungen Suchtkranker/Zuhelfer vorkommt, ist das nicht die einzige Art von Beziehung, in der es dazu kommen kann.
Vorurteil 2: Nur Frauen werden co-abhängig.
Falsch. Obwohl Co-Abhängigkeit in der Regel für eine typisch weibliche Schwäche gehalten wird, kann jedes Geschlecht und jede Geschlechtszugehörigkeit betroffen sein, also auch Männer, sich als männlich identifizierende, binäre oder nicht-binäre Personen.
Vorurteil 3: Co-Abhängigkeit tritt nur in Liebesbeziehungen auf.
Falsch. In jeder Art Beziehung kann es zu Co-Abhängigkeit kommen. Also unter Familienmitgliedern, Kollegen, Klienten, Partnern und Freunden (ich erinnere an dieser Stelle an meine viiiielen von Co-Abhängigkeit geprägten Frauenfreundschaften im Alter zwischen zwanzig und dreißig).
Vorurteil 4: Nur emotional schwache Menschen werden co-abhängig.
Falsch. Co-Abhängigkeit hat nichts mit »Schwäche« oder »Stärke« zu tun, sondern vielmehr etwas mit Abgrenzung. Ich habe viele starke, zuversichtliche, mutige Frauen dysfunktionale Verhaltensweisen zeigen sehen, die ihnen von klein auf von Bezugspersonen vermittelt wurden. »Schwäche« ist dafür sicher nicht die richtige Bezeichnung.
Vorurteil 5: Man erkennt es sofort, wenn jemand co-abhängig ist.
Falsch. Tatsächlich entsprechen viele Menschen nicht der herkömmlichen Definition von Co-Abhängigkeit und sind nicht mal in der Lage, sie bei sich selbst zu erkennen – genau deshalb habe ich ja dieses Buch geschrieben.
KURZER CHECK
Nimm dir kurz Zeit, um darüber nachzudenken, was du eigentlich unter dem Begriff Co-Abhängigkeit verstehst. Passt deine Auffassung zu den Vorurteilen und Erklärungen, oder weicht sie davon ab?
Vieles von dem, was wir heute über Co-Abhängigkeit denken, hat seinen Ursprung in den Siebzigerjahren, als neue Theorien zu Fürsorge, Co-Abhängigkeit und schwierigen Beziehungen im Bereich der Suchtforschung auftauchten. Eines muss klar sein: Co-Abhängigkeit ist keine klinische Diagnose oder Persönlichkeitsstörung, sondern gilt als tiefgreifende Problematik im Bereich der mentalen Gesundheit.
Das Buch Schluss mit der Co-Abhängigkeit von Melody Beattie machte Mitte der Achtzigerjahre den Begriff »co-abhängig« populär und löste bei Frauen auf der ganzen Welt ein Gefühl der Bestätigung und der Erleichterung aus.
In diesem Buch (das auf Deutsch zuerst unter dem Titel Die Sucht, gebraucht zu werden erschien) wies Beattie darauf hin, dass bei der Definition von Co-Abhängigkeit kein Konsens bestand. Und obwohl zahlreiche kluge Köpfe unser Verständnis für die Symptome und die Verhaltensweisen durch Nuancen und Variationen ergänzt haben, besteht der Mangel an Konsens darüber, was Co-Abhängigkeit genau ist, definitiv weiter. Dennoch würden die meisten Psychologen wohl zustimmen, dass Menschen, die co-abhängiges Verhalten zeigen, zu sehr von anderen abhängig und mit anderen befasst sind (in der Regel sind dies Lebenspartner, Familienmitglieder oder die BFF), wenn es um Unterstützung, Anerkennung und Identität geht. Dieses Übermäßige kann dazu führen, sein eigenes Leben ganz automatisch, instinktiv und geradezu zwanghaft rund um andere zu organisieren. Das führt zu ungleichen, ungesunden Beziehungen, in denen man die eigenen Bedürfnisse zugunsten der Bedürfnisse anderer opfert – auch wenn gar niemand darum gebeten hat.
Der Begriff Co-Abhängigkeit hat sich seit den späten Achtzigern gewandelt. Doch eines der hartnäckigsten Vorurteile über Co-Abhängige besagt, dass es sich um seit Langem leidende, machtlose Frauen handelt, die von ihrem suchtkranken Partner nicht loskommen können. Diese Annahme ist verständlich, wenn man bedenkt, dass viele Pioniere auf dem Feld der Co-Abhängigkeit ihre Theorien im Rahmen der Erforschung von Sucht und Entwöhnung entwickelt haben.
Immer wieder sträubten sich Klientinnen wie Andrea in der Therapie, wenn ich ihr co-abhängiges Verhalten erwähnte, denn sie erkannten sich in der herkömmlichen Definition von Co-Abhängigkeit nicht wieder. Und weil sie sich nicht wiedererkannten, verwarfen sie die Vorstellung ganz. Sie waren überaus kompetent und erfolgreich und hatten viel zu sehr das Sagen, um von anderen »abhängig« oder auf andere »angewiesen« zu sein.
Aber ich wollte unbedingt, dass meine Klientinnen in der Lage waren, die gestörten Beziehungsmuster hinter ihrem Schmerz zu erkennen. Nur dann konnten sie die Verhaltensweisen unterlassen, die sie bis an den Rand der Erschöpfung und der Verbitterung brachten. Ohne diese Erkenntnis war Heilung nicht in Sicht, weshalb Betroffene viel länger brauchten, um die nötige Hilfe zu bekommen. Ich wollte, dass sie sich selbst in den gestörten Beziehungsmustern der Co-Abhängigkeit sehen, damit wir an den eigentlichen Problemen arbeiten konnten.
Langsam wurde mir bewusst, dass ich das Thema Co-Abhängigkeit aus seinem anderen Winkel betrachtete als die herkömmliche Definition. Ich sah es durch die Linse der überfunktionalen, übervorsichtigen Verhaltensweisen meiner Klientinnen und durch den Schmerz, den diese Verhaltensweisen verursachten. Ich klammerte mich nicht an irgendwelche traditionellen Vorstellungen. Ich wollte ihnen einfach helfen, die Verhaltensweisen abzulegen, die ursächlich waren für Erschöpfung, Burn-out und Verbitterung.
Ich entdeckte, dass eine kleine Umdeutung einen großen Unterschied machte. Ich ersann den Begriff hochfunktionale Co-Abhängigkeit oder HFC, um den Beigeschmack von Co-Abhängigkeit zu beschreiben, den ich tagtäglich bei der Mehrheit meiner überaus kompetenten Patientinnen wahrnahm. Außerdem kam er mir unheimlich bekannt vor, weil ich genau das jahrelang zwischen zwanzig und Anfang dreißig erlebt hatte. Ich definiere HFC als ein Verhalten, bei dem man übermäßig in die Gefühlswelt, Entscheidungen und Lebensumstände seiner Mitmenschen eingebunden ist, was auf Kosten des eigenen inneren Friedens sowie des emotionalen und/oder finanziellen Wohlergehens geht. Zu HFC-Beziehungen können unscharfe Grenzen sowie ein Ungleichgewicht in Sachen Engagement und Macht gehören, wobei der/die HFC oft die Verantwortung dafür übernimmt, die Bedürfnisse der anderen Person zu erfüllen und zu versuchen, die meisten Aspekte der Beziehung zu kontrollieren.
Hochfunktionale Co-Abhängige sind oft klug, erfolgreich, zuverlässig und kultiviert. Sie halten sich nicht für abhängig, weil sie wahrscheinlich alles für alle tun. Sie haben möglicherweise beruflich großen Erfolg, schmeißen den Haushalt, kümmern sich um Kinder oder betagte Eltern, jonglieren mit außerschulischen Aktivitäten, koordinieren Termine und beraten vermutlich auch noch ihre Freundinnen bei all ihren Problemen.
Fazit: Je kompetenter man ist, desto weniger sieht Co-Abhängigkeit nach Co-Abhängigkeit aus. Aber wenn man sich zu sehr abmüht, zu gut funktioniert, zu viel gibt und sich zu stark auf andere konzentriert – und insgesamt viel zu viel tut, dann beeinträchtigt dieses Verhalten den inneren Frieden und das persönliche Wohlergehen. Egal, wie wir das nennen: Es ist ein Problem.
Und weil wir ja so verdammt effizient sind, tun wir so, als gingen uns all das Tun und Machen locker von der Hand – damit bloß keiner merkt, wie wir leiden.
Bitte denke immer daran
Hochfunktionale Co-Abhängigkeit hat einen hohen Preis, aber oft merken wir nicht, dass wir ihn zahlen.
Erschwerend kommt hinzu, dass in unserer Gesellschaft viele Merkmale des HFC-Daseins (rücksichtsvoll, fürsorglich, effizient, großzügig, selbstlos sein) als wünschenswert gelten, wodurch es Betroffenen schwerer fällt zu verstehen, dass ihr Verhalten dysfunktional ist. Wie oft haben wir als Kinder Sätze gehört wie »Sei lieb«, »Schau nicht so miesepetrig« oder »Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, sagt man lieber gar nichts«. Wir werden zu selbstlosen Co-Abhängigen geformt.
Als ich der »Co-Abhängigkeit« das Wort »hochfunktional« voranstellte und diese erweiterte Definition erläuterte, hoben meine Klientinnen alle ohne Scham die Hand. Das bin ich. Genau. Ich bin das Problem, ich. Plötzlich sagte der Begriff Co-Abhängigkeit ihnen etwas. Sobald sie in sich die HFC erkannten, erlebten meine Klientinnen eine Verlagerung ihrer Selbstwahrnehmung. Jetzt konnte es an die Arbeit gehen.
Vielleicht hilft es ja zu wissen, dass es trotz aller Vorurteile keinen bestimmten Typus Mensch gibt, der zu hochfunktionaler Co-Abhängigkeit neigt. Uns gibt es in allen Formen und Größen. Manche sind ungestüm, andere eher zurückhaltend, manche lustig, andere ernst, manche optimistisch, andere einfach pragmatisch. Es gibt Extrovertierte und Introvertierte. Gemeinsam ist allen das von HFC geprägte Beziehungsverhalten. Aber wie sich dieses Verhalten äußert, ist bei jedem anders. Wichtig ist auch zu beachten, dass viele von HFC Betroffene hochsensibel oder besonders empathisch sind. Sie haben feine Nervensysteme, nehmen subtile Stimmungsschwankungen ihrer Mitmenschen genau wahr und können sich in einer stimulierenden Umgebung schnell überfordert fühlen. Wenn man empathisch ist, spürt man natürlich die Gefühle anderer. Und wenn man von HFC betroffen ist, fühlt man sich vielleicht gezwungen zu helfen, insbesondere wenn es sich um negative Gefühle handelt.
Um zu erkennen, wo und wie die HFC sich in deinem Leben zeigt, lies dir die folgende Auflistung der gängigsten Probleme durch, auf die ich in meiner Therapiepraxis treffe. Achte darauf, was dir bekannt vorkommt.
Vielleicht erkennst du dich nur in einigen der genannten Eigenschaften wieder, möglicherweise aber auch in allen. Beides ist okay. Wenn du dich beim Lesen bei etwas erkennst, zerbrich dir nicht zu sehr den Kopf. Zu erkennen, was vorgeht, ist ein erster, mutiger Schritt. Du erfährst mehr über dich, und wir verwenden diese Informationen, damit du dich ändern kannst.
Probleme bei der Kommunikation
Du bist Expertin, wenn es um die Gefühle und Emotionen deiner Mitmenschen geht, aber mit deinen eigenen bist du weniger vertraut. Deshalb kann es schwierig sein, deine echten Gedanken und Gefühle effektiv zu kommunizieren. Vor allem, wenn du dich vor Ablehnung fürchtest oder konfliktscheu bist.
Der Wunsch nach Anerkennung
Womöglich stellst du die Bedürfnisse anderer über deine eigenen. Oder sagst Ja, obwohl du lieber Nein gesagt hättest. Und vermutlich magst du keine Auseinandersetzungen. Vielleicht entschuldigst du dich oft – nicht nur, wenn dir etwas gar nicht leidtut, sondern auch, wenn du wütend, traurig, frustriert oder verängstigt bist. Du hast vielleicht Angst davor, was passieren könnte, wenn du etwas tust, das von anderen missbilligt wird. Also unterdrückst du deine Vorlieben, Gefühle und Bedürfnisse.
Der automatische Versuch zu helfen
Wenn dir jemand von einem Problem erzählt, versuchst du womöglich umgehend, etwas zu unternehmen, und sagst, was dieser Jemand deiner Meinung nach tun sollte, um das Problem zu lösen, egal, ob er dich um deine Meinung gebeten hat oder nicht.
Die gestörte Abgrenzung
Wenn man die Bedürfnisse und Wünsche anderer in den Vordergrund stellt, ist es schwer, sich selbst angemessen abzugrenzen. Außerdem nimmt man die Bedürfnisse anderer vielleicht vorweg, ohne mit ihnen Rücksprache zu halten, was dazu führt, dass man deren Grenzen überschreitet.
Probleme ignorieren, kleinreden oder leugnen
Um Konflikten aus dem Weg zu gehen, sagt man vielleicht Sachen wie »Keine große Sache« oder entschuldigt das schlechte Verhalten anderer durch Aussagen wie »Er ist halt müde und gereizt. Ich weiß, dass er es nicht so meint.«
Die Selbstaufopferung
Selbstaufopferung gilt in vielen Kulturen seit jeher als Tugend, aber es ist wichtig, genau hinzuschauen, wo man für andere opfert, was man will. Und was man braucht. Es könnte so laufen, dass man Dinge nicht für sich selbst tut, die einem Erholung oder Freude bringen könnten, weil man eher auf die Bedürfnisse anderer als auf die eigenen schaut.
Überzogenes Helfen
Vielleicht arbeitest du im sozialen Bereich, zum Beispiel in der Pflege, als Therapeutin oder als Coach, wo es ein Vorteil ist, eine geborene Helferin zu sein. Die Neigung zu helfen kann sich nur zu leicht auf das Privatleben übertragen, wo man dann beispielsweise Dinge für andere tut, die sie sehr wohl selbst tun können und sollen.
Übermäßiges Funktionieren
