Tools für die Paartherapie - Guy Bodenmann - E-Book

Tools für die Paartherapie E-Book

Guy Bodenmann

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Beschreibung

Starke Tools für die Arbeit mit Paaren – Ihr Methodenkoffer für die Paarberatung und -therapie! Ob Verbesserung der Konfliktkommunikation, Erhöhung der Intimität oder der Umgang mit Untreue – dieser Methodenkoffer bietet Ihnen 16 evidenzbasierte Interventionen, die in der Praxis wirken, und gibt zugleich eine bewährte Leitlinie für den Behandlungsprozess an die Hand. Fundiert in der humanistischen Psychologie, den klassischen und sozialen Lerntheorien, der Stress- und Systemtheorie sowie achtsamkeitsbasierten Ansätzen, bietet das Werk sowohl bewährte Klassiker als auch innovative Impulse für Ihre Arbeit mit Paaren. Was Sie erwartet: - Methoden wie die 3-Phasen-Methode, Akzeptanzarbeit und Förderung von Positivität - Neue Ansätze wie die Beziehungspyramide, Kapitalization und Umarmungsmeditation - Trainings zur Stärkung von Kommunikation und Problemlösung - Strategien für die gemeinsame Verarbeitung von Untreue und Stärkung von Vertrauen und Kompetenzen - Strategien für den Umgang mit Gewalt - Impulse zur Verbesserung der Sexualität und zur Förderung von Empathie, Commitment, Fairness und Respekt - Impulse zur Wahrung der Allparteilichkeit und Stärkung eines gleichberechtigten Partnerschaftsmodells Dieses Buch richtet sich an Fachpersonen in der Paarberatung und -therapie, die wissenschaftlich fundiert und praxisnah arbeiten möchten. Die Autor*innen sind ausgewiesene Expert*innen mit langjähriger Erfahrung in der Beratung, Therapie, Ausbildung und Supervision – und bringen ihr fundiertes Wissen direkt in Ihre Praxis. Ein Must-have für alle, die Paare professionell begleiten und stärken wollen. Die Downloadmaterialien in diesem Buch ­können nach erfolgter Registrierung von der Hogrefe Website heruntergeladen werden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 423

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Cover for EPUB

Guy Bodenmann

Kathrin Widmer

Roland Anderegg

Corinne Bodenmann-Kehl

Tools für die Paartherapie

Schulenübergreifende Methoden für die Praxis

Tools für die Paartherapie

Guy Bodenmann, Kathrin Widmer, Roland Anderegg, Corinne Bodenmann-Kehl

Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Psychologie:

Prof. Dr. Guy Bodenmann, Zürich; Prof. Dr. Björn Rasch, Freiburg i. Üe.; Prof. Dr. Astrid Schütz, Bamberg; Prof. Dr. Martina Zemp, Wien

Prof. Dr. Guy Bodenmann

[email protected]

Dr. Kathrin Widmer

[email protected]

Roland Anderegg

[email protected]

Dr. Corinne Bodenmann-Kehl

[email protected]

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der wBenutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

Copyright-Hinweis:

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Der Nutzer verpflichtet sich, die Urheberrechte anzuerkennen und einzuhalten.

All rights, including for text and data mining (TDM), Artificial Intelligence (AI) training, and similar technologies, are reserved.

Alle Rechte, auch für Text- und Data-Mining (TDM), Training für künstliche Intelligenz (KI) und ähnliche Technologien, sind vorbehalten.

Verantwortliche Person in der EU: Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Merkelstraße 3, 37085 Göttingen, [email protected]

Anregungen und Zuschriften bitte an den Hersteller:

Hogrefe AG

Lektorat Psychologie

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel. +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

Lektorat: Dr. Susanne Lauri, Wiebke Erchinger

Herstellung: René Tschirren

Umschlagabbildung: Getty Images/Paul Biris

Umschlaggestaltung: Hogrefe AG, Bern

Satz: Claudia Wild, Konstanz

Format: EPUB

1. Auflage 2026

© 2026 Hogrefe AG, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-96393-8)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-76393-4)

ISBN 978-3-456-86393-1

https://doi.org/10.1024/86393-000

Nutzungsbedingungen

Der Erwerber erhält ein einfaches und nicht übertragbares Nutzungsrecht, das ihn zum privaten Gebrauch des E-Books und all der dazugehörigen Dateien berechtigt.

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Die Inhalte dürfen nicht zur Entwicklung, zum Training und/oder zur Anreicherung von KI-Systemen, insbesondere von generativen KI-Systemen, verwendet werden. Das Verbot gilt nicht, soweit eine gesetzliche Ausnahme vorliegt.

Diese Bestimmungen gelten gegebenenfalls auch für zum E-Book gehörende Download-Materialien.

Zitierfähigkeit: Dieses EPUB beinhaltet umrandete Seitenzahlen (Beispiel: 1) und in einer Seitenliste, die den Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe und des E-Books im PDF-Format entsprechen.

Übersicht

Cover

Titel

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Inhalt

Hinweise zum digitalen Zusatzmaterial

5Inhaltsverzeichnis

Einführung

Therapeutische Grundhaltung

Therapeutisches Setting

Triadisches Setting

Dyadisches Setting

Aufbau der Module

Übersicht und Struktur der Module

Fallbeispiele

Fallbeispiele und differenzialtherapeutische Entscheidungsbäume

Zunehmende Unzufriedenheit

Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum

Fallbeispiel

Emotionale Entfremdung

Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum

Fallbeispiel

Sexualitätsprobleme

Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum

Fallbeispiel

Untreueproblematik

Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum

Fallbeispiel

Gewaltproblematik

Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum

Fallbeispiel

Einstieg in die Paartherapie

Problemanalyse und Zielanalyse (PA-ZA)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei der PA

D3. Vorgehen bei der ZA

Positivität erhöhen

Oral History Interview (OHI)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen beim OHI

D3. Materialien

Reziprozitätstraining (RT)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen beim RT

D3. Materialien

Beziehungs-Lifeline (B-LL)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei der B-LL

D3. Materialien

Kommunikation stärken

Kommunikationstraining (KT)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D.1 Formale Kriterien

D2. Vorbereitung des KT

D3. Durchführung des KT

D4. Materialien

Interventionen bei Gewalt (IG)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellation

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei IG

D3. Materialien

Dyadisches Coping fördern

3-Phasen-Methode (3-Ph-M)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellation

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei der 3-Ph-M

D3. Materialien

Problemlösetraining (PL)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen beim PL

D3. Materialien

Kognitiv-emotionale Interventionen

Trennungsklärung (TK)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei der TK

D3. Materialien

Reattributionstraining (RAT)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellation

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen beim RAT

D3. Materialien

Beziehungspyramide (B-Pyr)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellation

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei der B-PYR

D3. Materialien

Interventionen zu Kapitalization (IK)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei IK

D3. Materialien

Akzeptanzarbeit (AA)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellation

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei der AA

D3. Materialien

Umarmungsmeditation (UM)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellation

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei der UM

Versöhnungsarbeit (VA)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellation

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei der VA

D3. Materialien

Sexualität

Verbesserung der Sexualität (SEX1)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methoden

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei SEX1

D3. Materialien

Interventionen bei sexuellen Störungen (SEX2)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methoden

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei SEX2

D3. Materialien

Interventionen nach Untreue (UT)

A. Kurzüberblick

B. Indikation

B1. Zielgruppe und Problemkonstellationen

B2. Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C. Ziele der Methode

D. Therapieanleitung

D1. Formale Kriterien

D2. Vorgehen bei UT

D3. Materialien

Anhang

Literaturverzeichnis

Hinweise zum digitalen Zusatzmaterial

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2:  Sitzanordnung und Interaktion im dyadischen Setting (Bodenmann, 2012, S. 96)

Abbildung 1:  Sitzanordnung und Interaktion im triadischen Setting (Bodenmann, 2012, S. 95)

Abbildung 3:  Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum bei zunehmender Unzufriedenheit

Abbildung 4:  Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum bei emotionaler Entfremdung

Abbildung 5:  Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum bei Sexualitätsproblemen

Abbildung 6:  Differenzialdiagnostischer Entscheidungsbaum bei Untreueproblematik

Abbildung 7:  Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum bei Gewaltproblematik

Abbildung 8:  Funktionale Bedingungsanalyse (SORCK-Kon) (Bodenmann & Bodenmann-Kehl, 2024a, S. 32)

Abbildung 9:  Vier Verstärkerklassen

Abbildung 10:  Beispiel für die visuelle Ausgestaltung einer B-LL

Abbildung 11:  Trichtermethode

Abbildung 12:  Beispielhafte Ausführung der Trichtermethode im therapeutischen Kontext

Abbildung 13:  Die sechs Schritte des Problemlösetrainings

Abbildung 14:  Bewerten jeder einzelnen Idee

Abbildung 15:  Bleiben oder Gehen?

Abbildung 16a-b:  Ideal- und Real-Pyramiden

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1:  Übersicht über die Module

Tabelle 2:  Formen des Reziprozitätstrainings

Tabelle 3:  Häufige Schwierigkeiten bei der Umsetzung im Alltag

Tabelle 4:  Die einzelnen Schritte der B-LL

Tabelle 5:  Vorbereitung und Durchführung des Kommunikationstrainings

Tabelle 6:  Kommunikationsregeln für Sprecher:in und Zuhörer:in

Tabelle 7:  Dysfunktionale vs. funktionale Kommunikationsstrategien

Tabelle 8:  Sprecher:innen- und Zuhörer:innenregeln

Tabelle 9:  Umsetzung der unterschiedlichen Arten von Prompting

Tabelle 10:  Drei Phasen zur Durchführung der 3-Ph-M

Tabelle 11:  Formen des emotionsbezogenen und des problembezogenen dyadischen Copings

Tabelle 12:  Vier Schritte zur Durchführung der individuellen Variante der B-Pyr

Tabelle 13:  Vorgehen bei der B-Pyr (dyadische Variante)

Tabelle 14:  Die einzelnen Schritte der Akzeptanzarbeit

Tabelle 15:  Aufbau der Gespräche

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11Einführung

Dieses Buch stellt verschiedene evidenzbasierte Tools für Paarberater:innen und Paartherapeut:innen vor, die sich als hilfreich bei der Arbeit mit Paaren erweisen. Innerhalb der diversen Methoden und Techniken werden diejenigen herausgegriffen und detaillierter dargestellt, die besonders oft zum Einsatz kommen und einen festen Platz in der Paartherapie haben (z. B. Kommunikationstraining). Zusätzlich werden neuere und mitunter weniger bekannte Interventionen (z. B. Beziehungspyramide, Interventionen zur Kapitalization, Akzeptanzarbeit, Umarmungsmeditation) vorgestellt, die sich in der Paartherapie als nützlich erweisen. Insgesamt werden 16 Methoden für die praktische Arbeit mit Paaren vorgestellt, welche in der humanistischen Psychologie, den klassischen und sozialen Lerntheorien, der Systemtheorie sowie Ansätzen der Achtsamkeit und Akzeptanz begründet sind. Sie zeigen Möglichkeiten der Intervention bei „üblichen“ Partnerschaftsproblemen, sexuellen Problemen, Gewalt in der Partnerschaft und Untreue auf.

Auf theoretische Hintergründe wird bewusst nur vereinzelt eingegangen, um das praktische Handeln in den Vordergrund zu stellen und die einzelnen Methoden möglichst plastisch und konkret darzustellen und aufzuzeigen, wie sie in der Therapie angewendet werden können. Theoretische Fundierungen können in anderen Büchern nachgelesen werden (siehe Literaturhinweise bei den einzelnen Modulen).

Um das therapeutische Arbeiten zu erleichtern, folgen die Tools für die Paartherapie inhaltlich und farblich den Therapiekarten für die Paartherapie (Bodenmann & Bodenmann-Kehl, 2024a), die im Beltz-Verlag erschienen sind. Die 75 Therapiekarten dienen als grober Leitfaden. Folgende Themen werden im vorliegenden Manual adressiert:

1)

Fallbeispiele und differenzialtherapeutische Entscheidungsbäume zur Illustration verschiedener Therapieverläufe

2)

Einstieg in die Paartherapie mit Problem- und Zielanalyse

3)

Methoden zur Erhöhung der Positivität im Paar

4)

Methoden zur Verbesserung der Kommunikation (allgemein und bei Paaren mit Gewaltproblematik)

5)

Methoden zur Förderung der emotionalen Selbstöffnung, des empathischen Zuhörens und des emotions- und problembezogenen dyadischen Copings

6)

kognitiv-emotionale Ansätze

7)

Methoden zur Förderung der Sexualität, Bewältigung sexueller Dysfunktionen sowie zum Vorgehen bei Untreue

In diesem Einführungskapitel werden nachfolgend die therapeutische Grundhaltung in der Paartherapie sowie das therapeutische Setting kurz beschrieben sowie eine Übersicht über die Module präsentiert. Zusätzlich werden einschlägige Materialien als Online-Download zur Verfügung gestellt.

Therapeutische Grundhaltung

Die therapeutische Grundhaltung ist durch Allparteilichkeit gekennzeichnet. Diese ist konsequent umzusetzen, indem beiden Partner:innen gleichermaßen mit Akzeptanz und Wertschätzung, Empathie und Authentizität gemäß der Roger’schen therapeutischen Basisvariablen (Rogers, 1951) begegnet wird. Ohne Allparteilichkeit ist kein therapeutischer Erfolg bei Paaren möglich. Um diese Haltung gegenüber beiden zu erleichtern, ist es sinnvoll, das Paar als Einheit („Paar als Patient:in“) und nicht beide Partner:innen als unabhängige Individuen zu sehen. Diese Sichtweise erlaubt es, beide in ihrem Zusammenspiel, ihrer Interdependenz zu verstehen und ihre jeweiligen Beiträge zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Problematik sowie zur Problemlösung in einem Ganzen einordnen zu können.

Als relevant in diesem Zusammenhang erweist sich die 50 %-Regel, wonach beide gemeinsam mit ihren Beiträgen (Verhaltensweisen, Einstellungen, Erwartungen, Bewertungen, Interpretationen und Wertvorstellungen) die Beziehungsprobleme konstituieren. Auch wenn viele der Meinung sind, dass der andere schuld daran sei, dass die Partnerschaft in Schieflage geraten ist, bleibt der Therapeut/die Therapeutin bei dieser Sichtweise und verhilft dem Paar dadurch zu einer ausgewogeneren Bilanzierung und zur gemeinsamen Übernahme von Verantwortung.

Im konkreten Verhalten wird Allparteilichkeit gewahrt durch:

regelmäßigen, gleichschwebenden, wohlwollenden Blickkontakt gegenüber beiden Partner:innen,

gleich lange Sprechzeiten für beide (z. B. bei der Problemschilderung während der Problemanalyse, allgemein während der Therapiesitzungen),

Wahrung von Fairness, indem bei Übungen immer beide in beiden Rollen zum Einsatz kommen, beide zu Stellungnahmen aufgefordert und beide bei allem (Beschreiben und Erleben der Probleme, Zieldefinitionen, Analysen, vorgeschlagenen Methoden, Besprechung der Hausaufgaben etc.) gleichermaßen einbezogen werden, sowie

12gleiches Verstärkerverhalten gegenüber beiden (d. h., die Aussagen beider Partner:innen werden gleichermaßen gewichtet und validiert).

Wichtig im Zusammenhang mit Allparteilichkeit ist, dass zwischen den Sitzungen keine Informationen an den Therapeuten/die Therapeutin (z. B. E-Mails, SMS, Telefonat) einseitig, d. h. ohne Wissen des anderen weitergegeben werden, was die Allparteilichkeit des Therapeuten/der Therapeutin tangieren oder gefährden könnte, da sie dadurch ungewollt zu einer Mitwisserin und damit Koalitionspartnerin wird (siehe Therapiekarte Nr. 8 „Geheimnisse“ in Bodenmann & Bodenmann-Kehl, 2024a). Dem Paar wird in der ersten Sitzung mitgeteilt, dass zwischen den Sitzungen keine Informationen mit dem Therapeuten/der Therapeutin ausgetauscht werden dürfen und bei E-Mails immer beide ins cc zu setzen sind, damit immer alle den gleichen Wissensstand haben. Einzig bei Selbst- oder Fremdgefährdung darf in Absprache mit dem Therapeuten/der Therapeutin Kontakt zu diesem aufgenommen werden.

Diese Regelung erweist sich als extrem nützlich. Vor dem Hintergrund der gleichen Logik wird empfohlen, sämtliche Sitzungen konsequent mit beiden Partner:innen durchzuführen und auf Einzelsitzungen mit jeweils nur einer Person zu verzichten, um nicht unilaterale Informationen von nur einem der beiden zu erhalten, die der/die andere nicht auch besitzt. Nur in Ausnahmefällen (z. B. bei einer psychischen Störung) können individuelle Sitzungen notwendig sein, dann ist allerdings darauf zu achten, dass auch hier mit beiden Partner:innen Einzelsitzungen im selben zeitlichen Ausmaß durchgeführt werden, um das Gleichgewicht zu wahren. In den Paarsitzungen wird jeweils informiert, was in den Einzelsitzungen besprochen wurde.

Grundsätzlich empfehlen wir eine Sitzungsdauer von jeweils 100 Minuten, wobei zu Beginn die Hausaufgaben besprochen werden, anschließend in die Methode eingeführt wird und diese gemeinsam geübt und besprochen wird.

Therapeutisches Setting

Es werden in der Paartherapie zwei Settings verwendet, die in Abhängigkeit der jeweiligen Methode zur Anwendung kommen: das dyadische und das triadische Setting. Diese werden nachfolgend kurz dargestellt und in den jeweiligen Modulen wird darauf Bezug genommen.

Abbildung 2:  Sitzanordnung und Interaktion im dyadischen Setting (Bodenmann, 2012, S. 96)

Triadisches Setting

Die Stühle oder die Sessel des Paares sind auf Therapeut:in ausgerichtet.

Therapeut:in steht im Zentrum des Interaktionsdreiecks, beide Partner:innen sind auf sie hin orientiert (Abbildung 1).

Therapeut:in sitzt beiden Partner:innen gegenüber und hält mit beiden regelmäßigen Blickkontakt (Joining).

Therapeut:in leitet, strukturiert, moderiert und animiert das Gespräch mit gewohnter Lautstärke und Handlung (d. h., sie spricht nicht leise wie im dyadischen Setting).

Das triadische Setting wird immer zu Beginn und am Ende jeder Therapiesitzung verwendet.

Es wird bei Methoden angewandt, bei denen der/die Therapeut:in die Führung und Leitung übernehmen sollte (z. B. Oral History Interview [OHI], Reziprozitätstraining [RT]).

Abbildung 1:  Sitzanordnung und Interaktion im triadischen Setting (Bodenmann, 2012, S. 95)

Dyadisches Setting

Beim dyadischen Setting werden die Stühle oder die Sessel so ausgerichtet, dass sich beide Partner:innen gegenübersitzen und sich ins Antlitz sehen.

Der Abstand zwischen den Partner:innen beträgt ca. einen Meter, d. h., die beiden sollen nicht zu nahe, aber auch nicht zu weit auseinander sitzen (Abbildung 2).

13Therapeut:in sitzt etwas zurückversetzt in der Mitte zwischen den Partner:innen und achtet darauf, dass der Abstand von ihr zu beiden Partner:innen gleich ist (Allparteilichkeit).

Therapeut:in wendet die Technik des Prompting an. Prompting bedeutet wohlwollendes Begleiten und fazilitierendes Unterstützen des Paares durch Prompts, z. B. konstruktive Äußerungen verstärken, Hilfestellungen zur Anwendung der Kommunikationsregeln geben, offene, gefühlsbezogene Fragen stellen.

Therapeut:in bleibt diskret im Hintergrund, obgleich er/sie aktiv promptet. Die Interaktion spielt sich zwischen den Partner:innen ab (kein Blickkontakt, kein Reden mit Therapeut:in, sondern mit Partner:in).

Das dyadische Setting wird bei Übungen (z. B. Kommunikationstraining, 3-Phasen-Methode) verwendet.

Es sollte in der Therapie so häufig wie möglich ins Spiel gebracht werden, um dem Paar neue Lernerfahrungen zu ermöglichen und so die Gewohnheitsstärke eingeschliffener Verhaltensmuster zu reduzieren.

Aufbau der Module

Die Ansätze werden jeweils nach einer einheitlichen Struktur dargestellt, die die Arbeit mit den verschiedenen Tools erleichtern soll:

A.

Kurzüberblick

B.

Indikation

B1.

Zielgruppe und Problemkonstellation

B2.

Zeitpunkt der Durchführung und Voraussetzungen

C.

Ziele der Methode

D.

Therapieanleitung

D1.

Formale Kriterien

D2.

Vorgehen bei der Methode

D3.

Materialien

Bei dem Modul KT weicht die Struktur geringfügig ab. Die jeweiligen Materialien wie Informations- und Übungsblätter (im Folgenden abgekürzt mit „Info“ und „ÜB“) sowie diagnostische Unterlagen sind als digitaler Anhang verfügbar (siehe Hinweis dazu auf Seite 199).

14Übersicht und Struktur der Module

Tabelle 1:  Übersicht über die Module

Modul

Passende Therapiekarten (Bodenmann & Bodenmann-Kehl, 2024a)

Farbcode

Fallbeispiele und differenzialtherapeutische Entscheidungsbäume

Zunehmende Unzufriedenheit

Emotionale Entfremdung

Sexualitätsprobleme

Untreueproblematik

Gewaltproblematik

Einstieg in die Paartherapie

Problemanalyse und Zielanalyse (PA-ZA)

Nr. 1 bis 8

Positivität erhöhen

Oral History Interview (OHI)

Reziprozitätstraining (RT)

Beziehungs-Lifeline (B-LL)

Nr. 9 bis 18

Kommunikation stärken

Kommunikationstraining (KT)

Interventionen bei Gewalt (IG)

Nr. 19 bis 38

Dyadisches Coping fördern

3-Phasen-Methode (3-Ph-M)

Problemlösetraining (PL)

Nr. 39 bis 52

Kognitiv-emotionale Interventionen

Trennungsklärung (TK)

Reattributionstraining (RAT)

Beziehungspyramide (B-Pyr)

Interventionen zu Kapitalization (IK)

Akzeptanzarbeit (AA)

Umarmungsmeditation (UM)

Versöhnungsarbeit (VA)

Nr. 53 bis 66

Sexualität

Verbesserung der Sexualität (SEX1)

Interventionen bei sexuellen Störungen (SEX2)

Interventionen nach Untreue (UT)

Nr. 67 bis 75

15Fallbeispiele

17Fallbeispiele und differenzialtherapeutische Entscheidungsbäume

Die nachfolgenden Fallbeispiele mit den differenzialtherapeutischen Entscheidungsbäumen sind zur Illustration verschiedener Therapieverläufe sowie als Unterstützung bei der Therapieplanung gedacht und stellen kein verbindliches Vorgehen dar. Vielmehr wird die Paartherapie – vergleichbar mit der Einzeltherapie – gemeinsam mit dem Paar auf der Grundlage diagnostischer Erkenntnisse, des Fallverständnisses sowie der aktuellen Situation und der Kompetenzen des Paares für jedes Paar maßgeschneidert aufgegleist. Die Entscheidungsbäume dienen dazu, die einzelnen Module der Therapie-Tools abhängig von der Problematik und des zeitlichen Verlaufs einer Paartherapie einordnen zu können. Zu folgenden Konstellationen werden nachfolgend Fallbeispiele und differenzialtherapeutische Entscheidungsbäume dargestellt:

Zunehmende Unzufriedenheit

Emotionale Entfremdung

Sexualitätsprobleme

Untreueproblematik

Gewaltproblematik

So finden beispielsweise die Problemanalyse (PA) und Zielanalyse (ZA) jeweils in der ersten Sitzung statt. Bei Paaren ohne spezifische Problematik (z. B. Untreue oder Gewalt) wird auch das Oral History Interview (OHI) bereits während des Erstgesprächs durchgeführt, um einen Kontrapunkt zur aktuellen Negativität zu setzen und frühere Ressourcen zu aktivieren. Das Reziprozitätstraining (RT) schließt sich an, um durch die Erhöhung der Positivität im Paar die Grundlage für die Verbesserung der Beziehung zu schaffen. Erst danach wird in der Regel das Kommunikationstraining (KT) durchgeführt.

Bei hochproblematischen Paaren (z. B. bei denen Gewalt auftritt oder eine Außenbeziehung bekannt wurde) ist häufig ein „klassischer Ablauf“ nicht möglich. Häufig steht in der ersten Sitzung die Krisenintervention im Vordergrund, weshalb in diesem Manual für diese beiden Fälle ein anderer Ablauf vorgeschlagen wird. Meist kommen dann später im Verlauf der Therapie die anderen Module ebenfalls noch zum Einsatz, sodass es sich bei diesen Problemkonstellationen meist um eine Frage der Reihenfolge und des richtigen Zeitpunkts und nicht komplett andere Interventionen handelt, außer denjenigen, die sich direkt auf die Problematik beziehen (z. B. wird bei Gewalt die SENF-Methode angewandt oder bei Untreue diesbezügliche Interventionen).

Bei starken emotionalen Verletzungen, dem Gefühl, dass man in der Beziehung nie fair behandelt wurde, und bei starken Gefühlen von Groll, Hader oder Bitterkeit ist beispielsweise das Reziprozitätstraining nicht durchführbar, bevor nicht diese negativen Gefühle und damit assoziierte Kognitionen (Einschätzungen, Attributionen) mittels kognitiv-emotionaler Methoden abgebaut und verändert werden. Man hat keine Motivation, dem anderen etwas zuliebe zu tun, wenn man überzeugt ist, dass man über Jahre zu kurz kam und nun hofft, dass endlich der andere in die Pflicht genommen wird.

Andererseits werden Module wie beispielsweise Versöhnungsarbeit (VA) nicht nur bei Gewalterfahrungen oder Untreue eingesetzt, sondern sehr viel breiter, da die Kumulation vieler kleiner Verletzungen, Versagungen oder Unterlassungen seitens des Partners oder der Partnerin genauso aufgearbeitet und verziehen werden müssen, um der Beziehung wieder eine Perspektive zu geben, wie bei schwerwiegenden Verletzungen.

Die kognitiv-emotionalen Methoden werden je nach Problemstellung zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Paartherapie angewendet, meist jedoch nach dem Aufbau von Kompetenzen mittels des Kommunikationstrainings (KT), damit ein konstruktiver Kommunikationsstil dafür genutzt werden kann. Sie können auch ergänzend zu anderen Interventionen punktuell ins Spiel gebracht werden (z. B. nach einem Kommunikationstraining das Reattributionstraining oder nach der 3-Phasen-Methode die Umarmungsmeditation).

Die 3-Phasen-Methode (3-Ph-M) stellt eine genuin von uns entwickelte Methode dar, bei der das Paar über paarexterne Stressoren spricht, die nichts mit der Beziehung oder dem Partner oder der Partnerin zu tun haben. Ziel ist es, die stressbezogene emotionale Selbstöffnung zu fördern und die Gelegenheit zu erhalten, die Ursachen für die heftige und nachhallende Stressreaktion zu ergründen (Herausarbeiten persönlicher Schemata), das empathische Zuhören sowie das gegenseitige Verständnis für die in der Persönlichkeit liegenden Gründe für das starke Stresserleben zu schaffen. Dadurch werden Intimität, Verbundenheit und das „Wir-Gefühl“ des Paares gestärkt sowie das dyadische Copingrepertoire und die Passung zwischen den Bedürfnissen und dem dyadischen Coping verbessert. In der Regel wird die 3-Phasen-Methode nach dem Kommunikationstraining angewendet, damit die Paare die Kommunikationsregeln bereits weitgehend beherrschen und 18der/die Therapeut:in sich vor allem auf das Prompting beider Partner:innen – im Hinblick auf die Freilegung der Schemata und der damit assoziierten tiefen, schmerzhaften Gefühle seitens der sprechenden Person und das emotionale Mitgehen seitens der zuhörenden Person – konzentrieren kann.

Während sich viele Methoden sehr gut bei hochkonfliktreichen Paaren einsetzen lassen (z. B. Kommunikationstraining, Problemlösetraining, 3-Phasen-Methode), eignen sich andere, wie beispielsweise die Q-Sort-Technik der Beziehungspyramide (B-PYR), auch hervorragend bei Paaren, die unter emotionaler Entfremdung, Verstärkererosion und Beziehungs-Burnout leiden. Bei dieser Zielgruppe geht es häufig darum, die langweilig gewordene Partnerschaft neu zu definieren und eine neue Perspektive als Paar zu finden. Begleitend dazu werden häufig Interventionen zur Revitalisierung der Sexualität angewendet.

Die Akzeptanzarbeit stellt eine Möglichkeit dar, sich davon zu verabschieden, den/die Partner:in um jeden Preis verändern zu wollen. Zusammen mit dem Therapeuten/der Therapeutin wird mehr gegenseitige Toleranz, Großzügigkeit und Verständnis für den anderen aufgebaut. Dabei kommen oft unterschiedliche Methoden kombiniert zum Einsatz, z. B. die erste Phase der 3-Phasen-Methode zur Schaffung des wechselseitigen Verstehens, die Akzeptanzarbeit zum Aufbau größerer gegenseitiger Toleranz und das Reattributionstraining zur veränderten kognitiven Einordnung des Verhaltens des Partners/der Partnerin.

Interventionen zur Kapitalization sind beispielsweise bei Paaren indiziert, die wenig am Leben des anderen teilhaben, bei denen Gefühle von Eifersucht und Neid dominieren und wenig Raum für die persönliche Entwicklung des anderen gelassen wird.

Zusammen bilden die verschiedenen Methoden eine solide Basis für erfolgreiche Interventionen bei Paaren, die nun nachfolgend anhand der Fallbeispiele und den differenzialtherapeutischen Entscheidungsbäumen illustriert und im Therapieverlauf verortet werden.

19Zunehmende Unzufriedenheit

Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum

Abbildung 3:  Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum bei zunehmender Unzufriedenheit

20Merke

Dies ist eine idealtypische Abfolge. Es gilt, die Abfolge der Interventionen bei jedem Paar gemäß Problemanalyse und spezifischen Bedürfnissen des Paares maßgeschneidert festzulegen. Wird im Verlauf der Therapie eine Untreueproblematik thematisiert, erfolgen die Interventionen gemäß Entscheidungsbaum Untreueproblematik.

Fallbeispiel

Herr und Frau L. sind seit 17 Jahren verheiratet. Sie haben zwei Töchter (15 Jahre und 13 Jahre alt). Herr L. (42 Jahre alt) ist Inhaber einer Reinigungsfirma, Frau L. (40 Jahre alt) arbeitet bei ihm in der Buchhaltung. Sie kümmern sich beide um die Erziehung der beiden Töchter.

In der Problemanalyse gibt Frau L. vor allem Kommunikationsprobleme an. Sie fühle sich von ihrem Mann unverstanden und nicht gesehen. Er rede kaum mit ihr, und wenn doch, dann seien es Gespräche über die Firma oder die Kinder. Persönliches werde seit längerem nicht mehr ausgetauscht, auch erhalte sie keine Komplimente von ihm, kein Lob oder positive Rückmeldungen zu ihrer Arbeit oder ihrer Rolle als Mutter. Wenn sie etwas störe und dies anspreche, höre er gar nicht richtig hin, grummle und ziehe sich zurück. Sie rufe ihm dann hinterher und werde laut, manchmal gehe sie ihm auch nach, dränge ihn, Stellung zu beziehen, doch ohne Erfolg. Schließlich sei Kommunikation wichtig, ohne gelingende Kommunikation würde die Beziehung zugrunde gehen.

Herr L. gibt an, dass ihn die Kommunikation mit seiner Frau ebenfalls störe. Es herrsche ein Mangel an gegenseitigem Interesse, Konflikte würden immer gleich eskalieren. Sie werde immer gleich emotional, schreie herum und mache ihn klein. Besonders wenn seine Frau müde sei, eskaliere die Situation schnell. Er höre auch nichts Positives mehr von ihr. Früher hätten sie sich viele nette Dinge gesagt, auch Kosenamen verwendet, davon sei nichts mehr übrig.

Sex hätten sie zwar noch, doch nicht mehr so viel wie früher, je nach Situation vielleicht ein- bis zweimal pro Monat. Zu Beginn habe Sexualität eine große Rolle in ihrer Beziehung gespielt, beide hätten sehr gern Sex gehabt. Doch mit zunehmender Entfremdung habe auch die Häufigkeit sexueller Handlungen abgenommen. Zärtlich zueinander sei man nur noch selten. Wenn sie sich voneinander distanziert fühlen würden, entstünde auch keine erotische Spannung. In den Ferien, wo sie meist entspannt seien, hätten sie es nach wie vor sehr gut zusammen, da käme es auch mehrmals pro Woche zu Sex. Es sei dann alles entspannt und locker.

Beide stimmen darin überein, dass sie zu wenig Zeit miteinander verbringen würden, die Firma und die Kinder sie stark absorbieren würden und es eigentlich für die Beziehung nicht förderlich sei, dass sie beide im selben Betrieb arbeiten. So hätten sie auch wenig Außenimpulse und würden sich ständig sehen.

Als weiteres Problem schildern sie die Unterschiedlichkeit bezüglich ihrer Erziehungsvorstellungen. Während Herr L. findet, dass man den bald erwachsenen Töchtern längere Zügel lassen und sie auf die Unabhängigkeit vorbereiten sollte, indem man ihnen mehr zutraut und sie weniger kontrolliert, sieht Frau L. das anders. Eben jetzt in dieser sensiblen Phase würden die Töchter die Eltern stärker als je benötigen und es sei wichtig, ihnen weiterhin klare Strukturen vorzugeben.

Nach der Problem- und Zielanalyse (PA-ZA) führt die Therapeutin das Oral History Interview (OHI) durch. Die beiden hätten sich bereits in der Oberstufe kennengelernt und seien kurz als Paar in dieser Zeit zusammen gewesen. Nach einem halben Jahr hätten sie die „Schwärmerei“ beendet und er sei für die Berufslehre in eine andere Stadt gezogen. Sie habe eine kaufmännische Lehre im gleichen Dorf absolviert. In dieser Zeit hätten sie sich aus den Augen verloren. Auf einem Dorffest Jahre später hätten sie sich zufällig wieder getroffen und da sei der Funke definitiv gesprungen. Sie hätten in derselben Nacht miteinander geschlafen, alles sei wild und aufregend gewesen. Kurz darauf hätten sie sich verlobt und zwei Jahre später geheiratet. Dann seien die Kinder gekommen – eine glückliche Zeit. Mit der Firmengründung sei alles hektischer geworden, doch auch diese Phase sei letztlich schön gewesen, selbständig zu sein, sich selbst organisieren zu können, zusammen im Betrieb zu sein und sich häufig zu sehen, während andere Paare den ganzen Tag voneinander getrennt sind.

Am Ende dieser Sitzung wird das Reziprozitätstraining (RT) mit einer ersten Hausaufgabe eingeführt zur Frage: „Was kann ich tun, um meinem Partner/meiner Partnerin eine Freude zu machen und damit es ihm/ihr gut geht?“ Beide notieren eine Reihe von Vorschlägen und sind motiviert, diese im Alltag umzusetzen.

In der dritten Sitzung spürt man, dass das RT dem Paar guttut, dass diese verstärkenden Momente sie wieder einander näherbringen. Es wird mehr gelacht und Zuneigung wird wieder spürbar. Die Therapeutin führt ins Kommunikationstraining (KT) ein und nimmt das 10-minütige Konfliktgespräch auf, das sie in der nächsten Sitzung mit dem Paar analysiert.

Beim Konfliktgespräch wird das typische Demand-Withdraw-Muster erkennbar. Frau L. wird schnell laut und fordernd, doch bewahrt sie Respekt und Achtung vor ihrem Partner. Dieser zeigt viel Defensivität, gefolgt von Rückzug. Beide gehen nicht auf Möglichkeiten ein, um dem Gespräch eine konstruktive Dynamik zu geben.

Nach dem Kommunikationstraining wird rasch zur 3-Phasen-Methode (3-Ph-M) übergeleitet, die in 3 Sitzungen durchgeführt wird. Im Zuge dieser Gespräche nähern sich beide erheblich aneinander an, es entsteht eine tiefe Intimität und herzliche Nähe und ein gegenseitiges Verständnis für das Erleben des anderen. So erkennt Frau L., dass sein Rück21zugsverhalten mit seiner Grundüberzeugung zusammenhängt, dass er für andere uninteressant sei. Er fühlt sich von ihr emotional abgelehnt, wenn sie ihn kritisiert, und zieht sich in der Folge zurück. Sie wiederum hat die Grundüberzeugung, dass sie für alles die Verantwortung übernehmen müsse, was sie stark unter Druck setzt. Wenn sie ihn kritisiert, dann vor allem, um Dinge zu verändern oder zu verbessern, für die sie sich verantwortlich fühlt.

Um die Ressourcen des Paares weiter zu stärken, werden in einer darauffolgenden Sitzung Interventionen zur Kapitalization (IK) durchgeführt. In diesem Rahmen wird herausgearbeitet, welche Stärken beide haben und wie diese im Alltag vom anderen vermehrt validiert werden können. Sie entdecken einige Gelegenheiten, wo dies umsetzbar ist, und möchten auch als Eltern Kapitalization gegenüber ihren Töchtern vermehrt anwenden.

Interventionen zur Verbesserung der Sexualität erübrigen sich schließlich, da das Paar aufgrund der merklichen Verbesserung ihrer Beziehung eine neue Grundlage der einfühlsamen, aneinander interessierten Begegnung gefunden hat, die die Tür zu Zärtlichkeit, körperlicher Nähe und Interesse am Sex wieder aufgestoßen hat.

In Bezug auf die unterschiedlichen Einstellungen zur Erziehung der Töchter erarbeitet die Therapeutin mit dem Paar eine gemeinsame Haltung und streicht die Bedeutung von Co-Parenting heraus, wonach beide am gleichen Strick ziehen und sich auf eine gemeinsame Grundhaltung einigen sollten. Zu diesem Zweck wird die Beziehungspyramide (B-PYR) angepasst und Kärtchen mit wichtigen Aspekten der Erziehung beschriftet, die mit dem Paar gemeinsam gefunden werden (z. B. Sicherheit geben; Autonomie gewähren; klare Zeiten, wann man nach Hause kommt; wissen, mit wem Tochter unterwegs ist; finanzielle Freiheiten). Das Paar legt schließlich gemeinsam eine Pyramide in Bezug auf Aspekte, die ihnen in der Erziehung besonders wichtig sind.

Als letzter Punkt wird die Berufstätigkeit im selben Betrieb angesprochen. Frau L. meint, dass sie mit ihrem Mann nun wieder eine ausreichend gute Beziehungsgrundlage gefunden habe, in der das bisherige Arbeitsmodell für sie weiterhin passend sei. Die Therapeutin regt das Paar an, dennoch auch neue Impulse in die Partnerschaft hineinzubringen, welche durch Selbstpflege und externe Hobbys im Sinne der Akzeptanzarbeit (AA) erarbeitet werden.

22Emotionale Entfremdung

Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum

Abbildung 4:  Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum bei emotionaler Entfremdung

23Merke

Dies ist eine idealtypische Abfolge. Es gilt, die Abfolge der Interventionen bei jedem Paar gemäß Problemanalyse und spezifischen Bedürfnissen des Paares maßgeschneidert festzulegen. Falls Anzeichen von beginnender oder bereits existierender Untreue vorhanden sind, erfolgen Interventionen gemäß Entscheidungsbaum Untreueproblematik, bei sexuellen Problemen, Interventionen gemäß Entscheidungsbaum sexuelle Probleme.

Fallbeispiel

Karin (51 Jahre alt) und Birgit (45 Jahre alt) sind seit 11 Jahren zusammen. Karin ist freischaffende Fotografin und berufsbedingt viel unterwegs. Je nach Auftrag ist sie teils mehrere Wochen im Ausland. Birgit ist im Kulturbereich tätig, sie organisiert Ausstellungen und amtet als Kuratorin. Sie haben sich damals bei einer Fotovernissage eines Bekannten von Karin kennengelernt.

Beide hatten vor dieser Beziehung mehrere kürzere und längere Partnerschaften, die jedoch immer enttäuschend zu Ende gingen. Birgit hatte anfangs auch zwei heterosexuelle Beziehungen, bis sie merkte, dass sie lesbisch ist. Karin hatte dies schon in der Pubertät realisiert und sich früh geoutet und war ausschließlich mit Frauen zusammen gewesen.

Die Zeit für die Partnerschaft ist rar, da häufig Sitzungen am Abend anstehen und Birgit auch im Gemeinderat tätig ist. Sie hat abends häufig Vernissagen und Kulturanlässe oder politische Sitzungen und Veranstaltungen.

Karin begleite sie ungern zu diesen Events, da sie ihre Ruhe brauche und tagsüber bereits genug Leute gesehen habe oder von den Auslandsreisen ausgelaugt sei. Beide verbarrikadieren sich abends in ihren Zimmern und arbeiten bis spät in die Nacht.

Wenn sie Zeit füreinander haben, dann verläuft diese meist latent gereizt und endet in schwelenden Konflikten. Birgit wirft Karin häufig vor, dass ihr die Karriere wichtiger sei als ihre Partnerschaft. Wie es ihr gehe, sei ihr egal, sie liebe sie nicht mehr, das spüre sie ganz deutlich. Birgit weint dann bitterlich und schließt sich in ihrem Arbeitszimmer ein, wo sie die Nacht verbringt und anschließend über mehrere Tage Karin aus dem Weg geht (einmal länger als eine ganze Woche). Karin leidet stark unter diesem „Liebesentzug“, auch sie erlebt diese schleichende Entfremdung und Abkühlung der Gefühle als ein Hauptproblem ihrer Beziehung, wünscht sich jedoch auch eine klarere Kommunikation und einen Verzicht von Birgit auf solche „Spielchen“. Sie ist genervt von diesen „infantilen Schmollattacken“.

Beide fühlen sich hilflos und sind unzufrieden. „Wir haben uns verloren“, denkt Karin immer häufiger wehmütig und hadert. Ihr ist es besonders wichtig, einen stabilen, sicheren Hafen zu haben, da sie erste Anzeichen der Menopause verspürt und nicht wieder neu auf Partnerinnensuche gehen möchte.

In der Problemanalyse (PA) werden die folgenden Probleme festgehalten:

Kaum Zeit füreinander und wenig gemeinsame Aktivitäten

Emotionale Entfremdung und Verlust der Liebe

Wenig Zärtlichkeit und Sex

Unbefriedigende Kommunikation (schwelende Konfliktaustragung)

Als Ziel legen beide in der Zielanalyse (ZA) die Klärung fest. Sie möchten prüfen, ob diese Beziehung eine Zukunft hat und sie diese fortführen oder beenden sollen.

Anschließend führt die Therapeutin ein OHI durch, das viele schöne gemeinsame Erlebnisse zutage fördert, auch wenn die ganz große Liebe zu Beginn nicht vorhanden war. Birgit hatte Karin als Fotografin toll gefunden, sie bewundert für ihre Unkonventionalität, ihren Nonkonformismus und dafür, dass sie so selbstverständlich zu ihrer Homosexualität stehen konnte. Karin hatte das Klare, Strukturierte und Häusliche bei Birgit gefallen, sie fühlte sich bei ihr sicher und aufgehoben, meinte, sie habe „das Zuhause gefunden“, das ihr bei den vielen Reisen und der starken Außenorientierung, die mit ihrem Beruf einhergeht, gefehlt habe. Obgleich beide nicht dem Idealpartnerinnenbild entsprachen und sehr unterschiedlich sind (außer der Kultur verband sie zu Beginn wenig), gewannen sie sich lieb und gingen die Beziehung ein. Beide sehnten sich nach etwas Stabilem und Längerfristigem. Sie schilderten, dass sie zu Beginn (die ersten zwei Jahre) eine sehr gute und intensive Zeit verbracht hätten, mit stimulierenden Besichtigungen von Kirchen, Museen, historischen Bauten und Kunstausstellungen, wo sie sich gegenseitig viele neue Perspektiven eröffneten. An der Biennale für Kunst in Venedig gaben sie sich dann vor neun Jahren feierlich das Versprechen, zusammenbleiben zu wollen und ihre Partnerschaft offiziell zu machen, auch wenn eine Heirat für Birgit nicht infrage kam.

Danach werden Zeitinseln für das Paar vereinbart: mindestens ein fix festgelegter Paarabend pro Woche, freies gemeinsames Wochenende zweimal pro Monat. Diese werden in einem Kalender notiert, der am Kühlschrank in der Küche angebracht werden sollte. Das Reziprozitätstraining (RT) erfolgt im Anschluss und zeigt gute Erfolge. Beide sind motiviert, sich Gutes zu tun, und planen wechselseitig gemeinsame Aktivitäten, die sie gerne unternahmen (Wanderungen, Spaziergänge, Radtouren), sowie mehr gemeinsame kulturelle Erlebnisse ein (Theaterbesuche, Museen, Kulturwochenende in Deutschland, Italien und Frankreich). Sie nennen vor allem gemeinsame Verstärker, da sie sich mehr Zeit miteinander wünschen.

Als nächstes wird das Kommunikationstraining (KT) eingesetzt. Beide lernen, ihre Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, anstatt Konflikte schwelend auszutragen. Birgit bekundet zu Beginn Mühe damit, da sie im Elternhaus nie 24einen Streit der Eltern erlebt hatte und keine Modelle für eine funktionale Konfliktkommunikation vorgelebt bekommen hatte.

Um die emotionale Nähe und Intimität zu stärken, wird die 3-Phasen-Methode (3-Ph-M) durchgeführt. Dabei werden kleinere und größere Verletzungen aufgearbeitet und das Verständnis füreinander gefördert. Karin kann ihre Ängste in Bezug auf eine drohende Trennung äußern. Birgit öffnet sich ihrerseits emotional und schildert tiefe Unsicherheiten in Bezug auf ihren Selbstwert und wie wichtig ihr das politische Amt und ihre Berufstätigkeit sei, um diesen zu stabilisieren. Sie versuche, sich mit der vielen Arbeit und ihrem Status etwas zu beweisen und hoffe innerlich, dass Karin sie toll findet. Das Paar erlebt nach drei 3-Ph-M eine starke Annäherung. Die Gründe für die gegenseitigen Verletzungen zu verstehen, erweist sich für beide als hilfreich.

Die Therapeutin sondiert im Anschluss an die Übungen, ob sie Bedarf an Versöhnungsarbeit (VA) haben oder eine Umarmungsmeditation (UM) durchführen möchten. Das Paar entscheidet sich für Letzteres. Die Umarmung erfolgt im Anschluss an die dritte Phase der 3-Ph-M nach einer tiefen emotionalen Selbstöffnung von Birgit und wird von beiden als äußerst innig beschrieben. Beide weinen während der Umarmung und halten sich lange in den Armen, eng umschlungen.

Inzwischen hat eine emotionale Annäherung stattgefunden, die auch in einem weicheren Gesichtsausdruck bei Karin, häufigerem entspanntem Lachen und zärtlichem Körperkontakt (Berührungen während der Therapie, näher sitzen etc.) sichtbar wird. Die Frage, ob sie zusammenbleiben sollten, ist indes noch nicht restlos geklärt, es müssten sich weitere Aspekte verbessern.

Um diese herauszuarbeiten, schlägt die Therapeutin die Beziehungspyramide (B-PYR) vor und lässt beide unabhängig voneinander eine Real-Pyramide („Wie erleben Sie die Partnerschaft aktuell?“) und eine Ideal-Pyramide legen („Wie sollte die Partnerschaft künftig aussehen?“). Die vier Pyramiden werden miteinander verglichen und Punkte herausgearbeitet, die für die Zukunft des Paares von Bedeutung sind. Dabei zeigt sich, dass beide das Kärtchen „emotionale Nähe/Sicherheit“ zuoberst in der Idealpyramide gelegt haben, gefolgt von „Kommunikation“ und „Sexualität“ bei Birgit respektive „Gemeinsamkeiten“ und „Treue“ bei Karin. Darunter dann die jeweiligen Kärtchen, die die Partnerin eine Zeile höher gelegt haben.

Die beiden realisieren, dass ihre Ideal-Pyramiden nicht fundamental unterschiedlich sind und sie gemeinsame Werte und Bedürfnisse verbinden. Birgit kann den Wunsch von Karin nach Treue und Verbindlichkeit nachvollziehen und meint, dass ihr dies auch sehr wichtig sei. Sie spüre wieder sehr viel deutlicher, wie sehr sie Karin möge, und wolle die Beziehung fortführen. Karin ist erleichtert und meint auch, dass ihre Pyramiden nicht so unterschiedlich seien. Diese Visualisierung ist für beide sehr hilfreich.

Die Therapeutin fragt das Paar, wo es weiteren Behandlungsbedarf sehe und ob die Sexualität (Reanimation der Sexualität und Regelmäßigkeit von Sex) oder Interventionen zur Kapitalization (IK) als nächstes Therapieelement sinnvoll seien. Das Paar entscheidet sich für die sexualitätsorientierten Interventionen und erarbeitet mit der Therapeutin Möglichkeiten, ihre Sexualität wieder in Schwung zu bringen (Modul „SEX1“). Trotz ersten Anzeichen der Menopause bei Karin äußert diese (ähnlich wie Birgit) einen starken Wunsch nach körperlicher Zärtlichkeit und Intimität, äußert in der Trichtermethode jedoch auch Ängste in Bezug auf den Altersunterschied und dass Birgit sie sexuell nicht mehr attraktiv finden könnte. Schließlich werden regelmäßige Sextermine festgelegt.

Zum Schluss wird das Thema Konkurrenz und Neid angesprochen, das schwelend immer wieder in den Therapiesitzungen aufkommt. Aufbauend auf den Erfahrungen von gegenseitigem Verständnis, warum beiden der Erfolg so wichtig ist, und der erlebten Intimität und Nähe während der 3-Ph-M, wird von der Therapeutin die Intervention zur Kapitalization vorgeschlagen. Das Paar spricht gut darauf an und erlebt es als befreiend, sich am Erfolg des anderen zu freuen, statt ihn einander zu missgönnen.

25Sexualitätsprobleme

Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum

Abbildung 5:  Differenzialtherapeutischer Entscheidungsbaum bei Sexualitätsproblemen

26Merke

Bei Paaren mit einer sexuellen Problematik gilt es, zuerst die Trennungsabsicht zu klären. Danach werden die sexuellen Probleme exploriert (vgl. auch funktionale Bedingungsanalyse SORCK). Bei einer fehlenden oder sehr geringen sexuellen Aktivität werden Interventionen zur Verbesserung der Sexualität eingesetzt, bei sexuellen Problemen Interventionen bei sexuellen Störungen. Wenn Untreue und Gewalt ein Thema sind, werden zudem diese Themen bearbeitet. Zudem gilt es zu klären, ob eine individuelle Psychotherapie angesagt ist.

Fallbeispiel

Frau K. und Frau M. sind seit sieben Jahren ein Paar. Sie haben einen Sohn (4 Jahre alt). Frau K. (39 Jahre alt) ist Ärztin, Frau M. (35 Jahre alt) arbeitete vor der Geburt ihres Sohnes als Fachfrau Gesundheit. Nach der Geburt machte sie eine einjährige Mutterschaftszeit, da der Sohn große Schwierigkeiten mit dem Schlafen hatte. Sie hatten versucht, mit dem Spital auszuhandeln, dass sie beide abwechselnd je ein halbes Jahr zuhause die Familienarbeit übernehmen könnten. Die Anfrage wurde negativ beantwortet und es frustrierte beide sehr.

So begann Frau M. nach einem Jahr wieder mit 40 % in Teilzeit zu arbeiten. Durch die Kombination der Erwerbs- und Familienarbeit wurde für beide Eltern alles sehr stressig. Frau K. gelangte nochmals an die ärztliche Direktion mit der dringenden Bitte um Reduktion auf 60 %, aber aufgrund des Fachkräftemangels wurde ihr Gesuch abgelehnt. Darauf kündigte sie ihre Stelle, denn die aktuelle Situation war für beide langfristig zu hektisch und gesundheitsschädigend. In diese Zeit fiel das verlockende Angebot für Frau K., in einem anderen Landesteil zu arbeiten. Sie entschieden gemeinsam, das Angebot anzunehmen und dass Frau M. sich vorerst hauptsächlich um ihren gemeinsamen Sohn kümmert, bis er in das zweite Kindergartenjahr kommt. Danach würden sie die Rollen tauschen. Doch bald realisierten beide, dass die Infrastruktur (Kita, Tagesschulen) begrenzt vorhanden und sehr teuer war.

In der Problem- und Zielanalyse (PA-ZA) gibt Frau M. an, dass sie sehr damit hadere, dass sie umgezogen seien. Sie fühle sich isoliert und ihr fehlten ihre Freundinnen und immer mehr auch ihr Beruf. Auch finde sie es manchmal unfair, wie finanziell schlecht abgesichert sie bei der aktuellen Aufteilung eigentlich sei. Zusätzlich sei ihre Partnerin beruflich sehr engagiert und arbeite oft sehr lange und unregelmäßig, sodass sie sich kaum sehen würden. So habe sie sich ihr Familienleben nicht vorgestellt. Auch die Kommunikation leidet immer mehr, Frau M. macht ihrer Partnerin zunehmend Vorwürfe, weil sie wenig im Haushalt und der Kindererziehung mithilft. Frau K. findet die Anschuldigungen ungerecht, denn sie leiste ja ihren Beitrag mit der Erwerbsarbeit auch. Sie empfindet ihre Vorwürfe als ungerecht und geht Frau M. deshalb abends oft aus dem Weg. Sie haben oft Streit, es eskaliert leicht, Lösungen finden sie selten.

Durch die dauernde Angespanntheit findet die Sexualität nur noch selten statt und wird von M. als schmerzhaft erlebt. Beiden fehle Sex, darin stimmen sie überein. Zeit füreinander ist ein weiteres Thema. Seit zwei Jahren fokussiert sich Frau K. vor allem auf ihren Job und Frau M. auf den gemeinsamen Sohn. Es sei sicher ein Jahr her, dass sie zusammen einen Tag nur für sich Zeit hatten.

Nach der Problem- und Zielanalyse (PA-ZA) wird das Oral History Interview (OHI) durchgeführt. Das Paar hatte sich an einem Weihnachtsessen des Spitals, an dem sie beide arbeiteten, kennengelernt. Sie waren sich schon vorher positiv aufgefallen. Beide fanden die jeweils andere sehr hübsch und attraktiv, und beim Weihnachtsessen ergab sich die Gelegenheit, miteinander anzustoßen und ins Gespräch zu kommen. Sie entdeckten, dass sie beide ihren Beruf mit Leidenschaft ausübten, sich für Politik interessierten, gerne reisten und Freundschaften ihnen viel bedeuteten. Frau K. sprach schon damals an, dass sie ihre langjährigen Freundinnen sehr vermisse, da sie zu weit weg wohnen würden, um sie an Wochenenden und zusätzlich bei den unregelmäßigen Arbeitszeiten besuchen zu können. Sie wussten schon nach diesem Abend, dass sie sich nicht mehr aus den Augen verlieren wollten, und begannen, sich jeweils in der Mittagspause zu treffen.

Frau K. wurde initiativ und lud Frau M. nach zwei Monaten zu einem Date ein. Frau M. war sehr nervös und freute sich unglaublich über die Einladung. Beide fühlten sich sehr wohl und hatten einen sehr angeregten, lustigen Abend zusammen. Dann lud Frau K. Frau M. zu sich nach Hause ein, und es war für beide stimmig, als sie danach auch Sex miteinander hatten. Beide waren genauso leidenschaftlich, wie sie das von der anderen vermutet hatten. Am Tag danach war für beide klar, dass sie sich ineinander verliebt hatten und dass sie zusammen eine Beziehung beginnen wollten.

Sie sprachen oft miteinander über ihre Zukunftsvorstellungen und über ihren Kinderwunsch. So war es für beide nur folgerichtig, dass sie zusammen auch eine Familie gründen wollten. Aufgrund ihrer Ausbildungen wollten beide mindestens noch zwei Jahre warten und sich auch besser kennenlernen.

Sie hatten zwar im Alltag nicht viel Zeit zusammen, aber sie genossen zwei längere Reisen ins Ausland. Zusammen waren sie ein gutes Team, beide brachten sich ein und waren neugierig unterwegs. Gesprächsstoff gab es immer. In die zwei Jahre fiel dann die definitive Entscheidung, den Wunsch nach einer gemeinsamen Familie nicht länger hinauszuzögern. Als Frau M. schwanger wurde, war die Freude bei beiden groß.

Es war eine schwierige Geburt und danach änderte sich ihr Leben komplett, was sie so nicht erwartet hatten. Beide fanden oftmals keinen Schlaf, und da Frau K. in Vollzeit er27werbstätig war, zog sie zum Schlafen jeweils in ein anderes Zimmer, um genügend Schlaf zu finden und ihren anspruchsvollen Beruf angemessen ausüben zu können.

In der Therapie wird das OHI eingesetzt. Gegen Ende der Sitzung werden beide nachdenklich und betrübt, da sie realisieren, wie lieblos und gehässig sie mittlerweile miteinander umgehen, nachdem alles so schön begonnen hatte. Sie spüren, dass sie ihrer Partnerschaft wieder eine größere Priorität einräumen wollen. Nach dem OHI wird die erste Hausaufgabe im Rahmen des Reziprozitätstrainings (RT) aufgegeben: Beide sollen für sich überlegen, was sie schon lange nicht mehr tun, von dem sie wissen, dass es der Partnerin Freude bereiten würde.

In der zweiten Sitzung werden die jeweiligen Ideen beider Partnerinnen besprochen. Beide hatten sich viel Zeit für die Aufgabe genommen und bringen sich engagiert ein. Auch bei der Umsetzung des RT sind beide motiviert und notieren sich abends zusätzlich kurz, was sie tagsüber seitens der Partnerin gefreut hat. In der nächsten Sitzung erzählen beide, dass ihnen das OHI und das RT verdeutlicht haben, dass sie sich immer sehr geliebt haben und immer noch lieben, dass aber einfach die Motivation nicht mehr da gewesen ist, dies einander aktiv zu zeigen.

Nach der Einführung zum Kommunikationstraining (KT) zeigt die Analyse des 10-minütigen Konfliktgesprächs auf, dass sich beide laufend Vorwürfe machen, sich wiederholt unterbrechen und kein einziges Mal nachfragen. Generalisierende Kritik oder verächtliche Kommunikation sind nicht vorhanden. Beide sind dominant im Gespräch und lassen einander nicht ausreden. So kämpfen beide um ihre Redezeit und schweigen irgendwann resigniert. Als die Therapeutin zurückkehrte, sind beide etwas ratlos. Beide sind betroffen, als sie im Video erkennen, wie jede am eskalierenden Verlauf beteiligt ist, beide egozentrisch und defensiv sind, während sie es im Alltag vor allem so wahrnehmen, dass nur die Partnerin unterbricht und laut wird. Die Therapeutin arbeitet mit ihnen die Dynamik zwischen ihnen heraus, die Dominanz löst sich ab, beide sind nur bei sich, hören einander nicht zu und machen sich gegenseitig Vorwürfe. Es wird deutlich, dass beide zum negativen Verlauf beitragen.

Da das Paar selbst zu keiner Lösung bezüglich des Wohn- und Arbeitsorts gelangen kann, wird im anschließenden Problemlösetraining (PL) dieses Thema bearbeitet.

Die Klärung und gemeinsame Problemlösung ergibt, dass sie sich auf den gemeinsamen Wohn- und Arbeitsort einigen können, was für beide Partnerinnen eine große Erleichterung ist. Erstaunlicherweise sind es mehrere Aspekte am neuen Ort, die für beide im Vergleich zum früheren Ort doch deutlich mehr Pluspunkte erhalten, kurz- wie auch langfristig.

Nachdem sich das Paar zusammen entscheiden kann, definitiv am neuen Wohnort zu bleiben, rücken die weiteren paarinternen Konfliktthemen ins Zentrum: die Ungleichheit im Paar bezüglich Erwerbs- und Familienarbeitsaufteilung, die fehlende Unterstützung, die Isolation und die nicht mehr vorhandene Sexualität.

In mehreren Gesprächen unter Anwendung der Trichtermethode (3-Ph-M) lernen sich beide besser verstehen, indem sie sich tiefer öffnen und das Gespräch weg kommt von Vorwürfen, sondern substanzieller und intimer wird.

Sie finden Möglichkeiten, dass sich Frau K. mehr in der Familie engagiert und dass sich Frau M. nun auch wieder auf Stellen bewirbt. Frau K. hat ihrerseits auf ihr Gesuch im Spital die Erlaubnis erhalten, dass sie auf Anfang des neuen Jahres auf 50 % reduzieren kann, was ein Lichtblick für Frau M. ist. Frau K. sieht ein, dass es nun an der Zeit ist, dass sie sich mehr in der Familienarbeit und für die Partnerschaft engagiert und dass ihre Partnerin beruflich wieder mehr zum Zug kommen sollte.

Die Beziehung verbessert sich deutlich, aber die sexuellen Probleme (Lustlosigkeit, Schmerzen) bleiben weiterhin ein Thema. Deshalb wird eine differenziertere Anamnese zur Sexualität erhoben (PA bezüglich Sexualität).

Es zeigt sich, dass Sexualität zu Beginn und in den ersten zwei Jahren leidenschaftlich und für beide erfüllend gewesen war. Nach der Schwangerschaft und Geburt begann sich die Sexualität zu verändern. Sie hatten noch gelegentlich Sex, aber mehr zärtlich, weniger leidenschaftlich. Nach der Geburt und den zunehmenden Problemen im Paar schlief die Sexualität langsam ein, aber sie hatten danach nie wirklich den Mut gefunden, darüber offen miteinander zu sprechen. Über ihre Wünsche zu reden, schien ihnen beiden auch zu technisch, und es war ihnen beiden auch peinlich.