Totmotiviert? - Steffen Kirchner - E-Book + Hörbuch

Totmotiviert? E-Book und Hörbuch

Steffen Kirchner

4,5

Beschreibung

Der Motivationshype ist allgegenwärtig. Kaum eine Postkarte kommt ohne Motivationsspruch aus. Jeder arbeitet heute an der eigenen Motivation oder der anderer, ohne im Grunde etwas davon zu verstehen. Dass dabei viel Halbwissen in die Welt hinausposaunt wird, wundert nicht. Es ist Steffen Kirchner ein Anliegen, zu zeigen, warum die Motivationsversprechen der Tschakka-alles-ist-möglich-Bewegung eine tickende Zeitbombe sind und oftmals deutlich mehr Schaden anrichten als Nutzen bieten. Vereinzelt rechnet Kirchner in Totmotiviert?? mit denjenigen Personen ab, die die gefährlichen Motivationslügen verbreiten. Seine Intention ist es jedoch nicht, die Motivationsbranche zu beschimpfen, sondern Grundlagen und Wahrheiten zu liefern, um die Tschakka-Spreu vom Weizen zu trennen. Gleichzeitig gibt er dem Leser konkrete Alternativen und Lösungsansätze an die Hand, die dazu dienen, die persönliche Leistungsfreude tatsächlich positiv zu beeinflussen. Steffen Kirchner übt schonungslose Kritik an den gängigen Motivationslügen im Privatleben, in der Wirtschaft, im Beruf, im Leistungssport, in der Partnerschaft und in der Erziehung. Da jedoch in jeder Lüge meist ein wahrer Kern steckt, beleuchtet er auch die Wahrheiten hinter den Motivationslügen und gibt Handlungsempfehlungen und praktisches Wissen darüber, wie Motivation wirklich funktioniert. Kirchner schreibt mit scharfzüngiger Ehrlichkeit, erfrischender Leichtigkeit und Humor.

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Seitenzahl: 513

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Zeit:13 Std. 41 min

Sprecher:Heiko Grauel

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Inhaltsverzeichnis
Vorwort von den Huberbuam
Einleitung
TEIL 1: Motivation zwischen Mythos und Mystik – Zeit für Aufklärung
Tschüss, Tschakka! Das Ende der Motivationsscharlatane
Manipulationsspiele – wie Motivation missbraucht wird
Motivationskunst – was Menschen wirklich antreibt
TEIL 2: Motivationslügen und Lebensirrtümer
MOTIVATIONSLÜGE 1: »Sie können alles schaffen, woran Sie glauben.«
Die Lüge vom positiven Denken
MOTIVATIONSLÜGE 2: »Man kann sich nur selbst motivieren.«
Die Lüge vom Allheilmittel Selbstmotivation
MOTIVATIONSLÜGE 3: »Programmieren Sie sich auf Erfolg.«
Die Lüge von der Planbarkeit des Lebens
MOTIVATIONSLÜGE 4: »Selbstbewusstsein ist Voraussetzung für Erfolg.«
Die Lüge vom geborenen Siegertypen
MOTIVATIONSLÜGE 5: »Harte Arbeit ist der Schlüssel zum Erfolg.«
Die Lüge vom Überschreiten persönlicher Leistungsgrenzen und der Macht der Disziplin
MOTIVATIONSLÜGE 6: »Behalten Sie stets Ihr Ziel vor Augen.«
Die Lüge von der Zielorientierung
MOTIVATIONSLÜGE 7: »Erfolg macht glücklich.«
Die Lüge vom Glück
MOTIVATIONSLÜGE 8: »Geben Sie niemals auf!«
Die Lüge vom Durchhalten
TEIL 3: Spezielle Motivationslügen in Beruf, Schule und Leistungssport
MOTIVATIONSLÜGE 9: »Loben und belohnen Sie mehr.«
Die Lüge von der Sucht nach Anerkennung
MOTIVATIONSLÜGE 10: »Geld motiviert nicht.«
Die Lüge über die Wirkungslosigkeit finanzieller Anreize
MOTIVATIONSLÜGE 11: »Trennen Sie Arbeit und Privatleben.«
Die Lüge von der Work-Life-Balance
MOTIVATIONSLÜGE 12: »Suchen Sie sich einen Beruf, der Ihnen vor allem Spaß macht.«
Die Lüge vom Spaßfaktor im Job
MOTIVATIONSLÜGE 13: »Stärken stärken, Schwächen ignorieren.«
Die Lüge von den schwachen Schwächen
TEIL 4: No rain, no rainbow – über Sonnen- und Schattenseiten
Was können Sie von Rednern, Trainern und Coaches erwarten?
Die fünf größten Vorurteile gegen Motivationscoaches und Referenten
Seriöse Coaches, Trainer und Redner – woran man sie erkennt und wie man sie findet
Anhang
DANKE
Über den Autor
Impressum

Vorwort von den Huberbuam

Erfolg ist unser Ziel, die Motivation ist der Weg!

Aber Motivation ist kein Produkt, das man sich mühelos an jeder Straßenecke besorgen kann, um erfolgreich zu sein.

Um die 1000 Meter hohe Granitwand am El Capitan in Rekordzeit zu durchsteigen, gehört mehr dazu als die bloße Wunschvorstellung, der Beste zu sein, irgendwelche Motivationsmantras zu verinnerlichen und sich den Erfolg über Motivation, Motivation und noch eine Packung Motivation herbeizureden.

Die Herausforderung scheint unlösbar zu sein: Ein gut eingespieltes Team braucht drei Tage durch die Wand, der Rekord liegt bei 2 Stunden und 48 Minuten, aufgestellt von Hans Florine aus den USA und Yuji Hirayama aus Japan. Jeder wusste, das ist ein Rekord für die Ewigkeit. Aber genau in dieser Unmöglichkeit, die Grenze erneut zu verschieben, steckt die Essenz der Motivation. Es ist diese kindliche Neugierde, die das Feuer der Leidenschaft entzündet.

Diese aus dir selbst entstehende Motivation lässt dich Grenzen sprengen und hat Substanz. Nicht die Ernte, der Erfolg, das Ziel steht im Fokus, sondern ein langer und harter Weg zum Berg beschreibt erst mal den nächsten Schritt. Wir erleben einen Grenzgang in der Vorbereitung, im detaillierten, zielgerichteten Training, in perfekter Teamarbeit, im Überwinden vieler Probleme. Am Berg selbst zählt vor allem auch die Fähigkeit, im richtigen Moment »Nein!« zum weiteren Aufstieg sagen zu können. In der »Motivationsbranche« wird hingegen oft das Gefühl vermittelt, es müsse immer nur nach oben gehen, ohne Pause, ohne Reflexion.

Immer schneller, immer höher, immer weiter! Doch oft ist dieser geradlinige, zielorientierte Weg eine Sackgasse. Manchmal muss man ein paar Schritte zurückgehen oder den Aufstieg sogar abbrechen und auf den richtigen Zeitpunkt warten! Andernfalls wird die Gefahr für das eigene Leben unkalkulierbar. Dieses »Nein« wurde am Ende unser Schlüssel zum Erfolg: Weil wir immer wussten, warum wir gescheitert sind, haben wir den Glauben an unser Team nie verloren und sind mental und körperlich immer stärker geworden. Die Interaktionen im Team haben sich automatisiert. Wir spürten, der richtige Zeitpunkt ist nah.

Wir stehen wieder am Einstieg des El Capitan. Dieses Mal ist alles anders. Die Luft ist kühl, es sind keine Teams in der Wand unterwegs, die unsere Performance beeinträchtigen könnten. Wir sind fokussiert auf den Moment. Alexander zählt mich an, drei, zwei, eins, go! Wir starten und tauchen als Team in ein System ein, das im Moment kein anderer verstehen kann.

Kommandos, Kletterzüge, der Fels rast an uns vorbei, wir denken nicht mehr, sind im absoluten senkrechten Flow unterwegs.

Am Gipfel wird die Zeit gestoppt. Die Uhr bleibt bei 2 Stunden 45 Minuten und 45 Sekunden stehen. Ein neuer Rekord!

Es gibt in diesem Moment nichts mehr, was über uns steht. Es ist der Moment, der unser Leben jetzt bestimmt. Dieser Moment trägt den Namen »Erfolg« – oder anders übersetzt und viel schöner: Es ist eine innerliche Freude, es ist Glück.

Dieses Buch von Steffen Kirchner ist ein Augenöffner, um die Zusammenhänge echter Lebensqualität und Spitzenleistung ganzheitlicher zu betrachten. Zu oft werden die Faktoren für Erfolg und Glück zu einseitig dargestellt. Natürlich kann jeder Mensch seine Grenzen sprengen und ungeahnte Leistungen vollbringen. Entscheidend ist dabei aber auch, sich selbst bei der Jagd nach immer neuen Gipfeln nicht zu vergessen, da man sonst auch bei ihrer Erreichung keine Begeisterung mehr empfindet. Es ist Zeit für mehr Weitblick und eine neue Betrachtung eines alten Themas. Denn am Ende geht es nur um eines: die Reise des Lebens mit allen Höhen und Tiefen bewusst wahrzunehmen, sich an großen und kleinen Dingen zu erfreuen und das Glück zu leben!!!

Wir schicken euch allen ein Augenzwinkern und Lachen!

Thomas und Alexander Huber

Einleitung

Es war im Herbst 2009, als ich bei einem großen Weiterbildungsevent in Stuttgart saß und zusammen mit rund 4000 weiteren Zuhörern andächtig den Anekdoten und Tipps großer Trainerpersönlichkeiten lauschte. Ich war noch ein Neuling in der Branche der »Motivational Speaker«, doch die Geschichten und Botschaften, die ich an diesem Tag hörte, machten mich stutzig. Hier ein Beispiel:

Es war einmal ein Bauer, der ein Adlerei fand. Er legte es in das Nest seiner Hennen im Hühnerhof. Der Adler wurde zusammen mit den Hühnerküken ausgebrütet und wuchs gemeinsam mit ihnen auf. Er lebte auf der Hühnerfarm und hielt sich auch selbst für ein Huhn. Er gackerte und benahm sich genauso wie die anderen Hühner. So verging Jahr um Jahr und der Adler wurde älter und älter. Eines Tages, als er wieder einen Spaziergang über den Hühnerhof machte, entdeckte er hoch am Himmel oben einen großen, prächtigen Vogel, der majestätisch seine Kreise zog. Bewundernd beobachtete er die elegante Flugshow.

»Wer ist das?«, fragte er schließlich ein Huhn.

»Das ist ein Adler, der König der Lüfte«, antwortete das Huhn.

»Wäre es nicht herrlich, wenn wir auch so hoch am Himmel kreisen könnten?«, sagte der alte Adler.

»Vergiss es«, entgegnete das Huhn. »Wir sind nur Hühner und wir können nicht fliegen.«

So besann sich der alte Adler wieder auf sein bodenständiges, eintöniges Schicksal und starb eines Tages in dem festen Glauben, ein Huhn gewesen zu sein.

Ende der Story – es gibt kein Happy End.

Und die Moral von der Geschicht? »Schauen Sie in den Spiegel, und erkennen Sie, dass auch Sie ein Adler sind!« Tschakka!

Viele Trainer, Coaches und Autoren benutzen diese Story bis heute, um den Menschen ihre Selbstbegrenzung bildhaft vor Augen zu führen. Das Problem ist nur: Die Botschaft der Geschichte ist kompletter Unsinn. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie zahlreiche Motivationsversuche, die sicher gut gemeint sind, in ganz falsche Richtungen führen. Denn nicht jeder Mensch ist dazu geboren, ein Adler zu sein und fliegen zu können. Nicht jeder kann alles schaffen und auch nicht in jedem steckt das Potenzial zur Nummer eins. Es ist wie in der Tierwelt: Ein Pinguin ist auf dem Land ein unbeholfener Tollpatsch, im Wasser jedoch ein Spitzenathlet. Jeder sollte sein Element finden – das muss nicht die Luft sein, und dann muss man auch nicht fliegen lernen. Doch es entspricht dem Zeitgeist der Gleichmacherei, dass für unterschiedliche Menschen gleiche Standards und Erfolgsleitsätze definiert werden. Weltweit lauten die Botschaften der meisten Motivationspäpste: »Wagen Sie mehr; gehen Sie das Risiko ein!«, »Versuchen Sie das Unmögliche!«, »Werden Sie reich!«. Dass diese pauschalen Empfehlungen nicht zu jeder Persönlichkeit passen, interessiert dabei offensichtlich wenig. Nirgends wird so hemmungslos gelogen wie beim Versuch, anderen Menschen zu sagen, wie sie ihr Leben führen und glücklich werden sollen.

Ich möchte gleich zu Beginn eine wichtige Sache klarstellen: Das Ziel meines Buches ist es nicht, mit einzelnen Personen oder gar einer ganzen Branche abzurechnen. Ganz im Gegenteil, mir liegen Coaches, Trainer und Redner, die im Bereich von Motivation und Persönlichkeitsentwicklung arbeiten, sehr am Herzen. Zahlreiche hervorragende und ehrliche Experten bewirken hier Tag für Tag viel Gutes für den Lebenserfolg und das Lebensgefühl zahlreicher Menschen. Leider werden die Stimmen dieser guten Fachleute jedoch häufig durch das Geschrei von Gurus übertönt, die mit verlockenden Täuschungen mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aus diesem Grund möchte ich mit diesem Buch meine Stimme erheben und eine klarere Trennung von Wahrheiten und Lügen erreichen. Es geht mir darum, ohne viel Fachchinesisch, aber mit Praxisbezug und Einfachheit ein neues Bewusstsein für die Funktionsweisen menschlicher Motivation zu schaffen. Denn ich bin davon überzeugt, dass Menschen sich selbst wie auch andere erst dann auf sinnvolle Weise in eine positive Richtung entwickeln können, wenn bestimmte Zusammenhänge darüber, was uns wirklich wichtig ist, verstanden werden. Ich bin kein Freund von Feindbildern und werde daher auch keines aufbauen. Es ist sinnlos, Schuldige zu suchen und sie wie eine Sau durchs Dorf zu treiben. Es geht vielmehr darum, über ein Thema aufzuklären, das uns alle betrifft, und dabei deutlich zu machen, aus welchem Grund manche Motivationsirrtümer bis heute Bestand haben.

Mir ist es auch wichtig zu betonen, dass die meisten der in diesem Buch beschriebenen fehlerhaften Motivierungsansätze nicht aus böswilligen oder manipulativen Absichten heraus entstehen. Häufig fehlen ganz einfach das Know-how und ein Verständnis der wahren Zusammenhänge. In der Schule haben wir schließlich kaum etwas über Motivation gelernt – außer dass wir sie haben sollten. Das hilft im Lebensalltag jedoch nicht viel weiter, und die negativen Auswirkungen dieser Bildungslücke erkennt man nicht zuletzt daran, wie manche Menschen ihre Unternehmen, Mitarbeiter, Kinder und auch ihr eigenes Leben führen. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, Ihre Sensibilität für dieses wichtige Thema mit diesem Buch zu unterstützen. Motivation ist keine Kunst, die man nur schwer erlernen könnte, sondern ein Prinzip, das es zu verstehen gilt. Nur durch Bildung und Aufklärung wird man immun gegen Lügen – auch gegen Motivationslügen.

Dieses Buch verfolgt in jedem Kapitel im Grunde drei Ziele. Erstens werden natürlich alte Irrtümer und Motivationslügen entlarvt. Zweitens will ich Ihnen die Wahrheit hinter diesen Lügen erklären, denn in jeder großen Lüge steckt zumeist auch ein wahrer Kern. Drittens lasse ich Sie mit diesen Erkenntnissen dann nicht alleine, sondern werde Ihnen gezielte Vorschläge und Handlungsempfehlungen anbieten, die praxiserprobt sind und Ihnen bei der Umsetzung neuer Erkenntnisse helfen werden. Sie sehen: Ich plane auf den nächsten Seiten keinen blinden Rundumschlag gegen die Gilde der Motivationstrainer, sondern werde Ihnen, neben all meiner deutlichen Kritik, vor allem neue Sichtweisen und Hilfestellungen vermitteln, die Sie sowohl in Ihrem Berufsleben als auch in Ihrem Privatleben nutzen können.

Dieses Buch habe ich außerdem für die vielen seriösen und ehrlichen Trainer, Speaker und Coaches geschrieben, die hervorragende Arbeit leisten und zu Unrecht in bestimmte Schubladen gesteckt werden. Viele Könner im Markt sind dabei eher stille und unauffällige Arbeiter. Da die Vertreter der Tschakka-Fraktion deutlich lauter auf die Pauke hauen, gewinnen diese jedoch meist eine deutlich größere Anhängerschaft. Es ist keine Neuheit, dass sich Egomanie oftmals vor inhaltlicher Qualität durchsetzt. Ich erinnere mich beispielsweise noch mit Schaudern an einen vor Selbstverliebtheit nur so strotzenden Vortrag von Carsten Maschmeyer bei einem großen Weiterbildungsevent. Die einstündige Rede glich einer Diashow mit Fotos von Maschmeyer mit seinen mächtigen Kumpeln. Maschmeyer mit Klitschko, Maschmeyer mit Gottschalk, Maschmeyer mit Schröder. Nur das Foto von Maschmeyer mit Gott fehlte – aber den wollte er auf der Bühne ja selbst spielen. Als inhaltlichen Höhepunkt präsentierte er den Zuhörern das Motto: »Erfolg ist machbar, wenn man nur weiß, wie.« Versuchen Sie erst gar nicht, den tieferen Sinn dieser Aussage zu ergründen – es gibt keinen. Verstehen Sie mich bitte richtig: Ich bin beileibe kein Gegner von Unterhaltung auf der Bühne. Spaß, starke Bilder, auflockernde Präsentationen und gut erzählte Geschichten sind das Salz in der Suppe eines guten Vortrags. Jedoch sollten sie niemals stellvertretend, sondern lediglich unterstützend für inhaltliche Qualität und Tiefe sein. Ich habe ab dem Punkt ein Problem, wenn Unterhaltung dazu benutzt wird, um wichtige Informationen bewusst »unten zu halten« und zu verdecken. Ganz gleich, ob es um die mühelose Erfolgsbestellung beim Universum geht oder um die ständige Phrasendrescherei, angefangen bei »Du kannst alles schaffen« bis hin zu »›Geht nicht‹ gibt’s nicht«: Nach anfänglicher Euphorie erkennt früher oder später jeder die ernüchternde Wahrheit, dass diese Leitsätze zwar knackig klingen, aber dennoch falsch sind.

Mir ist es ein persönliches Anliegen, Menschen mehr praktisches Wissen zum Thema Motivation zu vermitteln, das sich auf konkrete Beispiele im Lebens- und Unternehmensalltag bezieht. Ich habe in den letzten Jahren beobachtet, dass Leute keine theoretischen Konzepte brauchen, sondern neue Sichtweisen in praktischen Situationen, in denen alte Motivationsphilosophien – teils unbemerkt – zu unguten Ergebnissen führen. Beispielsweise ist es bis heute im Leistungssport gang und gäbe, dass Trainer ihre Schützlinge zum Ziel der Leistungssteigerung laut anschreien beziehungsweise anfeuern, damit diese schneller sprinten, härter verteidigen oder besser schlagen können. Wie auf www.sciencedaily.com zu lesen war, haben Wissenschaftler der Michigan State University jedoch vor einigen Jahren herausgefunden, dass diese Maßnahmen bei vielen Athleten nicht zu Leistungssteigerungen führen, sondern häufig zum Gegenteil. Hier wird deutlich: Es mangelt oft nicht am Willen, sondern am Wissen über die Sinnhaftigkeit bestimmter Motivierungsmethoden.

Dieses Wissensdefizit offenbart das wahre Problem: Häufig fehlt es weniger an Motivation und Wille als an Beziehung. Wir beschäftigen uns zu wenig damit, was uns selbst und andere wirklich antreibt. Manchmal werde ich von Firmenbossen gefragt: »Aber, Herr Kirchner, wissen Sie, wie viel Zeit das kostet, wenn ich mich jetzt mit allen meinen Mitarbeitern beschäftigen soll?« Ja, das weiß ich. Ich weiß aber auch, was die zentrale Aufgabe einer jeden Führungskraft ist: Führung! Und Führung ist ausschließlich Beziehung. Wer ehrlich ist, muss zugeben, dass dafür nicht die Zeit fehlt, sondern das Bewusstsein für diese hohe Priorität. Zeit fehlt nie, man verschwendet sie höchstens mit anderen Dingen. Der legendäre Fernsehmoderator Robert Lemke sagte einmal sehr schön: »Kein Mensch ist so beschäftigt, dass er nicht die Zeit hat, überall zu erzählen, wie beschäftigt er ist.« Mancherorts habe ich in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass neben klaren Prioritäten auch einfach das ehrliche Interesse am Menschen fehlt. Wie oft habe ich schon auf Firmen-Websites den Spruch gelesen: »Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt.« Schön! Aber dieses Motto hatten die Kannibalen auch schon.

Ich persönlich mag Lebensweisheiten und Motivationssprüche. Doch sie sind schnell dahingesagt. Die Frage bei einem Lebensmotto ist: Zu wie viel Prozent ist es unser Leben und zu wie viel Prozent nur Motto?

Aufmerksamkeit ist das Wichtigste, was Sie einem Menschen schenken können. Und ich freue mich sehr darüber, dass Sie nun mir und diesem Buch Ihre Aufmerksamkeit schenken. Ich habe es mir lange und reiflich überlegt, ob ich dieses Buch in dieser Form schreiben soll. So manchem werden meine Ausführungen womöglich an der ein oder anderen Stelle sauer aufstoßen. Doch die Motivationspfuscherei in gravierendem Ausmaß muss endlich ein Ende haben. Wir dürfen unsere Leistungsfreude nicht prostituieren, indem wir uns zur schnellen Nummer von Motivationszuhältern machen, die unseren Geist vergiften durch den Aufruf zur Jagd nach dem grenzenlosen Erfolg. Es gilt Verantwortung zu übernehmen für ein Thema, das für jeden wichtig ist. Sinnvolle Erfolgsstrategien und Motivation sind das Fundament jeder Kindererziehung und Partnerschaft ebenso wie der Mitarbeiter- und Lebensführung. Dieses Fundament darf nicht aus Lügen und Irrtümern bestehen, da sonst alles, was wir in der Folge darauf aufbauen, zum Einsturz verdammt wäre.

Lassen Sie uns nun den Nebel der Verschleierung so gut wie möglich lüften, damit wir gemeinsam mehr Klarheit gewinnen über ein Thema, das nicht so eindimensional ist, wie es oft dargestellt wird. Ich habe mich dafür entschieden, mich im schillernden Motivationszirkus nicht wie ein Stier am Nasenring durch die Manege ziehen zu lassen. Ich möchte, dass Sie auf den folgenden Seiten Freude haben, aber ich möchte Sie nicht unterhalten. Ich werde alte Glaubenssätze und Handlungsmuster hinterfragen und Sie womöglich manchmal nicht im bisherigen Denken bestätigen. Die Menschheit braucht keine weiteren Entertainer oder Gurus, sondern Aufklärer, die sich trauen, Wahrheiten auszusprechen. Diese Rolle nehme ich gerne an. Ich würde mir wünschen, dass Sie dieses Buch dazu nutzen, um auf eine neue Weise auf altbekannte Themen zu schauen. Es ist an der Zeit, manch altes Paradigma durch ein neues zu ersetzen. Prüfen Sie, in welchen Bereichen Sie sich darauf einlassen möchten. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Veränderung. Oder wie es Grönemeyer so schön auf den Punkt bringt: Zeit, dass sich was dreht.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Ihr

TEIL 1: Motivation zwischen Mythos und Mystik – Zeit für Aufklärung

Tschüss, Tschakka! Das Ende der Motivationsscharlatane

Vor nicht allzu langer Zeit wurde ich von einem großen Unternehmen für ein Mitarbeitercoaching gebucht, an das ich mich wohl für immer erinnern werde. Die Firma hatte wenige Tage zuvor für ihre Jahres-Kick-off-Veranstaltung einen bekannten Rednerkollegen gebucht, der für sein recht extrovertiertes Auftreten bekannt ist und auch während des Vortrags nicht an Selbstlob sparte. Er sollte als Höhepunkt der Veranstaltung auftreten und der Belegschaft einige seiner Motivations- und Erfolgstipps vermitteln. Da die Geschäftsleitung dann aber von Inhalt und Methodik des Vortrags eher weniger begeistert war, hatte man mich nun engagiert, um die »Problemfälle« der Firma in Form von persönlichen Einzelcoachings zu bearbeiten.

Auf meinem Tagesplan stand ein Gesprächstermin mit Robert, einem der ehemals erfolgreichsten Verkäufer der Firma. Ich betrat sein Büro und setzte mich ihm gegenüber an den Tisch. Er würdigte mich keines Blickes und versteckte seinen Kopf hinter dem Computerbildschirm. Nach einer andächtigen Schweigeminute ergriff ich das Wort und sagte: »Hallo, Robert, wie geht es Ihnen? Wir haben heute einen Gesprächstermin. Wissen Sie darüber Bescheid?« Robert schwieg ein paar weitere Sekunden, bewegte dann seinen Kopf am Bildschirm vorbei, schaute mir in die Augen und sagte mit zischender Stimme: »Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Schneemann und mir?« Ich schüttelte etwas verdutzt den Kopf. Robert: »Den Schneemann können Sie nur im Winter am Arsch lecken.«

Spontan musste ich lachen, denn ich bin wirklich nicht zart besaitet und dieser freche Spruch gefiel mir. Mein Lachen blieb mir aber schnell im Halse stecken, als Robert von seinem Stuhl aufstand, mir die Bürotür aufhielt und mit scharfem Ton anfügte: »Verlassen Sie mein Büro. Sofort!« Ich war geschockt. Der Typ meinte den Spruch tatsächlich ernst und wollte mich rausschmeißen! So was war mir in meinem ganzen Leben noch nicht passiert. Ich bat Robert darum, mir wenigstens die Chance zu geben, zu erfahren, was der Grund für seine ablehnende Haltung war. Nach kurzer Diskussion gab er nach und setzte sich mit mir an den Tisch. Er erzählte mir von seinen nahezu traumatischen Erlebnissen wenige Tage zuvor beim Auftritt meines Kollegen. Wie Robert berichtete, mussten die Zuhörer auf Anweisung des Motivationstrainers aufstehen, sich auf die Brust trommeln und mehrere dämliche Erfolgsfloskeln unzählige Male hintereinander herausbrüllen. »Ich bin das größte Geschenk für die Welt! Ich schaffe alles, was ich will! Jeder findet mich attraktiv und sexy!« Mehrere Minuten muss dieses Theater angedauert haben. Danach sollte jeder der Anwesenden seine Grenzen überwinden, indem er nach vorne auf die Bühne kommen musste, um zu lauter Musik öffentlich zu tanzen. Während der Tanzeinlage war das Publikum dazu angehalten, den Tänzer johlend anzufeuern, wobei die grölende Menge immer kleiner wurde, da rund 50 Prozent der Belegschaft nach und nach den Saal verließen. »Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, schicken die mir jetzt so einen Motivationsterroristen auch noch direkt ins Büro«, sagte Robert und sah mich wütend an. »Ich will von euch allen nichts mehr hören und sehen. Wenn Sie den Grund für meine schlechten Leistungen wissen wollen, dann gehen Sie mal rüber ins Büro und reden Sie mit meinem Chef. Der müsste die Antwort darauf wissen.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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