Traumzeit - Peter Zöls - E-Book

Traumzeit E-Book

Peter Zöls

0,0

Beschreibung

Der Autor hat jahrzehntelang seine Träume Nacht für Nacht akribisch aufgeschrieben. Später fiel ihm dann auf, dass sich das alles eher wie ein Tagebuch liest, nicht wie ein Traumbuch. Allerdings zeitlich versetzt. Irgendwie scheinen wir in der Traumwelt andere zeitliche und räumliche Bezüge herzustellen, in denen wir uns selbst entwerfen. In diesem Buch werden daher zunächst die Traumphänomene philosophiegeschichtlich beleuchtet und im nächsten Schritt den eigenen empirischen Erfahrungen gegenübergestellt. Da Peter Zöls die Erfahrung gemacht hat, dass solche Erlebnisse nicht allein prosaisch beschrieben werden können, hat er dazu noch zusätzlich einen eigenen Gedichtband unter dem Thema „Traumspiegel“ veröffentlicht.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 270

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Einleitung

Psychologisches

Verschiedene Traumebenen

philosophische Träume

Philosophie der Träume

Die gemeinsame Welt der Wachenden

Neuere Positionen

Theodicee

Die Welt als Theater

Präkognitionen

Orakel

Zukunft

Schicksal

Ort

Zwiespalt

Wiederkehr

Horizonte

Nachtodliche Kontakte

Reinkarnationen

Endzeit

Schuld

Pilot

Sturm und Drang

Italien

Ägypten

Sum qui Sum

Apokalypse

Nullzeit

Monade

Schicksalsänderung

Kontakt

Phänomene

Seti

Vogelperspektive

Zukunftsvisionen

Einleitung

Dies ist eine Auswertung einiger Traumerlebnisse, die ich stolze 50 Jahre lang aufgezeichnet habe. Dabei erlebte ich so einige Überraschungen, die mein bisher eher naturwissenschaftliches Weltbild leicht ins Wanken brachte.

Bei der Bearbeitung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sich ein Teil unserer nächtlichen Planungen losgelöst vom Zeitfaktor realisiert und daher nur schwer in unser dreidimensionales Tagesbewusstsein einzuordnen ist. Diese Tatsache hat offenbar auch viele Philosophen davon abgehalten, sich näher mit dem Phänomen zu beschäftigen, da auf dieser Ebene mit der üblichen Wahrnehmungskriterien kaum tiefere Erkenntnisse möglich erscheinen. Es fehlt den Träumen aus diesem Sichtwinkel der Zusammenhang mit der als real empfundenen Lebenswelt, wie es bereits Descartes tiefsinnig bemerkte.

Meine Erfahrungen zeigen jedoch , dass wir unsere Traumzeit besser verstehen lernen, wenn wir berücksichtigen, dass Träume größtenteils außerhalb des normalen zeitlichen und räumlichen Rahmens agieren und sich in ganz verschiedenen Zeitszenarien realisieren, sei es in der Vergangenheit, der Gegenwart aber auch in der Zukunft.

In dieser Ebene wird die Zeit ganz anders verarbeitet, als wir es vom Wachzustand her kennen. Diese Tatsache taugt als Arbeitsgrundlage, weil sie nicht erst bewiesen werden muss , da unbestritten ist, dass wir im Schlaf das Zeit-und Raumbewusstsein weitgehend verlassen.

Bei intensiven Träumen und Visionen sind wir allerdings aber gelegentlich „sprachlos“ weil sich die Erlebnisse in dieser vorbewussten Bildersprache oft nicht verbal befriedigend ausdrücken lassen.

Vorworte

„Wir schlummern wachend mehr, als schlafend. Unsere Weisheit ist nicht so weise, als die Torheit. Unsere Träume sind mehr wert, als unsere Vernunftschlüsse. Wir sind nirgends schlimmer daran, als wenn wir bei uns sind.“1

„Freiheit lebt nur in dem Reich der Träume!2

„An sich ist sich ja der wache Mensch nur durch das starre und regelmäßige Begriffsgespinst darüber im klaren, dass er wache, und komme eben deshalb mitunter in den Glauben, er träume, wenn jenes Begriffsgespinst einmal durch die Kunst zerrissen wird.“3

„Aber weil die Träume alle verschieden sind und wechseln, so macht das, was wir in ihnen sehen, viel weniger Eindruck auf uns, als was wir wachend sehen, da dieses ununterbrochen anhält. Freilich ist es nicht so anhaltend und gleich, das es nicht auch wechsele, aber das geschieht doch weniger rasch, außer in seltenen Fällen, wie wenn man reist und dann sagt man: „Mir ist als träume ich.“ Denn das Leben ist ein Traum, nur etwas weniger unbeständig.4

1 [Montaigne: Schutzschrift für Raimond von Sebonde,

2 [Stirner: Der Einzige und sein Eigentum,

3 [Pascal: Gedanken über die Religion,

4 [Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn,

Psychologisches

Über die Bedeutung des Schlafes und des Traums haben sich seit Sigmund Freud die Psychologen und Psychiater ausführlich ausgelassen aber oft wird bei dieser Sichtweise unsere unschuldige nächtliche Geistestätigkeit nur als Kompensativ einer unterdrückten oder kranken Natur betrachtet. Eher als eine Art von Mülleimer, in dem es gelegentlich gärt. Jeder scheint dabei mit seiner eigenen persönlichen Sichtweise an dieses Thema heranzugehen und bekommt wohl auch die entsprechende Reaktionen. Wer nicht an den Sinn seiner Träume glaubt, wird vielleicht auch nichts träumen oder nur "Unsinn" Und wer an die „Verdrängung“ glaubt, wird sicher von phallischen oder vaginalen Objekten heimgesucht werden und am Ende vielleicht meinen, dass eine Symphonie von Beethoven in verdrängen Sexualphantasien begründet ist. Aber alle diesbezüglichen Phänomene auf nur ein einziges Grundmuster zu reduzieren wäre wohl zu "einfach" Sicher treten bei einer solchen Sichtweise auch Ängste auf, die uns daran hindern, uns mit dieser Art vor vorbewusster Bildsprache näher auseinander zu setzen.

Dagegen habe ich dem Denkansatz von C.G. Jung sehr viel zu verdanken, der ein sogenanntes „Kollektives Unbewusste“ postuliert, ein von ihm geprägter Begriff für eine unbewusste psychische 'Grundstruktur' des Menschen und ein Basiskonzept der analytischen Philosophie , in der er die menschliche Psyche mit den Schichten einer Zwiebel vergleicht , einem persönlich-Unbewussten und seinem kollektiven Gegenpart, der in den tieferen Schichten nicht mehr bewusst gemacht werden kann und somit Ähnlichkeiten mit der von Leibniz kreierten Monade aufweist. Dadurch habe ich gelernt, meine nächtliche Traumarbeit als eine eigene Realität anzuerkennen und darin einen Sinn zu suchen. Ich war aber bemüht, meine Arbeit nicht zu sehr einseitig zu psychologisieren, und habe mich daher ausschließlich auf die Auswertung meiner eigenen Traumaufzeichnungen und deren rein philosophische Würdigung beschränkt und dabei alles gesammelt, was ich diesbezüglich dazu finden konnte.

Verschiedene Traumebenen

Das, was wir nächtlich im Traum erleben und erarbeiten ist weitaus komplexer als wir überhaupt ahnen. Zu diesem Schluss bin ich gekommen, nachdem ich selbst so lange meine eigene Traumwelt erforscht habe. Schließlich verbringen wir ein Großteil unseres Lebens im Schlaf und im Traum und ich habe den Eindruck , dass dieses Thema bisher nicht angemessen gewürdigt worden ist. Die Fragen, die ich mir dabei gestellt habe, liegen aber überwiegend im philosophischen Bereich und meine Untersuchung ist rein empirisch, sie wird sich nicht darauf einlassen, einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu erheben, so wenig wie eine Einzelexistenz "allgemein" sein kann Ich stütze ich mich aber als Grundlage meiner Arbeit auf mein jahrzehntelang geführtes Traumbuch.

Die Auswertung dieses Materials hat mich zu dem Ergebnis geführt, dass wir in unserer Traumarbeit den Raum-Zeitrahmen des Tagesbewusstseins verlassen und dabei auch entsprechende Bezüge herstellen. Dadurch erklären sich auch die scheinbar willkürlichen gewählten, wechselnden Szenarien, in die wir uns dabei versetzt sehen. Es scheint in dieser Ebene eine ganz andere Verarbeitung der "Zeit", wie wir sie im Wachzustand erleben, stattzufinden. Bei der Auswertung ist es allerdings schwierig zu unterscheiden, auf welche Zeitebene sich das Phänomen bezieht. Die Sinn, bzw. Bedeutungsebene erschließt sich oft erst Jahre später. Dann liest sich das aber nicht mehr wie ein Traumbuch, eher wie ein Tagebuch, allerdings angereichert mit Hintergrundinformationen.

Es wird aber darauf hingewiesen, dass dieses Werk trotz des umfangreichen Materials nur die Spitze des Eisbergs aufzeigen kann. Wir träumen ständig, manchmal sogar am Tage, erinnern uns aber in der Regel nur an einen Bruchteil des Geschehens und schon allein deshalb muss uns das alles ziemlich konfus vorkommen. Hinzu kommt, dass wir in der Regel Unangenehmes verdrängen und nur das annehmen, was in unser Tagesbewusstsein passt, abgesehen von den besonders eindringlichen Träumen. Davon gibt es aber wiederum ganz verschiedene Arten, einige sind spekulativ andere kompensativ, andere stellen Metapher her und gelegentlich scheint sich ein Zeitfenster zu öffnen. Aber selbst das haben wir in der Regel nach ein paar Tagen alles wieder vergessen.

Wenn es möglich ist, wie in meinem Arbeitsmaterial dargelegt, dass manche Träume exakt unsere Zukunft beschreiben, ohne dass dieses Wissen aus unserem Erfahrungshorizont abgeleitet werden kann, dann verdient auch das andere Traummaterial eine stärkere Wertschätzung. Das ist kein Gaukelspiel mehr und sind auch keine zufälligen Phantasmen.

Wir scheinen gelegentlich unsere Existenz im Traum aus der Vogelperspektive zu betrachten. Unter diesem Aspekt ist es mir gelungen, einen Großteil meiner Aufzeichnungen zu entschlüsseln, indem ich sie verschiedenen möglichen Zeitszenarien zugeordnet habe.

Möglicherweise könnten diese Entdeckungen der archimedische Punkt sein, von dem aus wir uns selbst besser erkennen lernen. Im Tagesbewusstsein sind wir zu sehr den zirkulierenden Gedankenspielen verhaftet , ohne dass wir eine Chance haben, uns aus diesem Spinnennetz herauszuwinden.

Ich stelle zunächst einmal einige der verstreuten philosophischen Aussagen aus dieser Traumebene vor, auf die ich im weiteren Verlauf immer wieder zurückkehre.

Philosophische Träume

Ich gehe dann zu einer Vorlesung in der Uni. Der Professor erklärt etwas an der Tafel. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass im Gegensatz zu anderen Disziplinen die Philosophie kein Lernfach sei, weil das Denken sich dabei selbst im Wege stünde. Nur durch eine Sicht außerhalb des Denkens könne Philosophie betrieben werden.

Bin Mitglied einer philosophischen Gesellschaft mit einer eigenen Philosophie, bzw. mit einer selbst zu entwickelnden. Es ist möglich, mit einem beliebigen Standpunkt anzufangen, wichtig ist jedoch, wohin man mit den weitergedachten Positionen gerät.

Irgendetwas scheint mit den jetzigen Inkarnationen nicht zu stimmen, wahrscheinlich ist ein technischer Fehler aufgetreten. Werden deshalb nur Minderbegabte geboren? Unklar bleibt mir, ob nur die jetzigen Reinkarnationen gemeint sind oder das ganze menschliche Geschlecht und in welchen zeitlichen Dimensionen sich dieser Fehler auswirkt. Im letzteren Fall müsste es zuvor begabtere Menschen gegeben haben.

Schreibe ein Referat über Platons Umfahrtmythos. Der Begriff Zeit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wer den falschen Begriff davon hat, sinkt von der großen Umlaufbahn ab, in eine niedrigere er irrt gleichsam von der großen Linie ab.

Befinde mich oben auf einem riesigen Holzregal. Die Menschen hausen dort wie die Hühner in regalähnlichen Kästen. Die meisten kommen nie dort heraus. Ich klettere vorsichtig dort herunter, an einigen attraktiven Frauen vorbei. Ich will da raus.

Habe beim Einschlafen irgendwelche Herzprobleme. Mental kommt jedoch jemand zur Hilfe. Wahrscheinlich eine Frau. . Mir kommt diese Ebene wie eine Spielzeug - Plastik - Welt vor aber gegen Morgen muss ich erkennen, dass ich tatsächlich darin verhaftet bin.

Ein Philosophieprofessor hält unter anderem eine Vorlesung über Hegel. Er zitiert eine Textstelle: Wir sind schon immer das gewesen, was wir jetzt sind. (sinngemäß ) Ich will ihn daraufhin fragen, wo denn da noch für den einzelnen die freie Entscheidung bleibt.

Befinde mich mit Kollegen auf einem Betriebsausflug und habe innerhalb dieses Traumes einen weiteren Traum: Bin in einem zoologischen Garten in dem sich viele seltene Tiere tummeln.

Meditierend gewinne ich die Erkenntnis, dass wir Menschen unser Schicksal durch unsere Vorstellungen selbst bestimmen. Durch sie stellen wir auch den Kontakt zu anderen Welten her, sei er positiv oder negativ. In meinem Fall sehe ich den Dämon Eros beteiligt, der mir als göttlich in einer bestimmten Begegnung erscheint.

Die Verbindung zwischen dem Menschen und dem Göttlichen, bzw. der Anderswelt funktioniert im Prinzip wie beim Betrieb eines Radiogerätes. Da bei Emotionen starke Energiewellen freigesetzt werden, können sie durch geeignete Empfänger aufgefangen und modifiziert mit der zu sendenden Botschaft wieder ausgestrahlt werden.

Befinde mich irgendwie auf einer Reise und habe als Handgepäck ein verschnürtes Bündel dabei, das ich etwas achtlos auf den Boden gelegt habe. Ich sollte besser darauf achten, denn es handelt sich dabei um meine Rückerinnerungen aus den letzten Leben. Ohne dieses Gepäck dürfte es mir sehr schwer fallen, meine Identität über diese Existenz hinaus zu wahren.

Kann mich als Geistwesen ganz frei bewegen, auch in Zeit und Raum. Mir ist es auch möglich meine kreativen Entwürfe vom Leben zu realisieren.

Der kleine Mann beschäftigt sich mit der Philosophie des Mannes, der mittlere mit der der Männer und der höhere mit der seines Vertrauten.

Scheine das Zentrum der mentalen Macht erkannt zu haben. Auch für mich scheint es eine Überraschung zu sein. Es ist jemand aus der Mitte eines fünfköpfigen Gremiums. Es leuchtet (die Mitte)

Nach Meditation. Die Schlangenkraft bahnt sich von unten explosiv ihren Weg. Stoße mental einen gewaltigen Urschrei aus. Dämonische Kräfte werden frei. Habe aber keine Angst. Ich soll jetzt erst etwas essen, am besten einen Apfel, sonst seien die Götter beleidigt. Werde wach und finde in der Küche noch einen Apfel.

Kairos: ein besonderer Moment ersetzt den vorausgegangenen Moment.......

Es gibt ein universelles Buch << ein universelles Traumbuch, in dem man alles nachlesen kann.

Bei einer Überschwemmung haben es vier Managertypen mit ihrem Daimler eilig zu ihrem Zielort zu gelangen. Das Fahrzeug versinkt jedoch und die Insassen ertrinken. Dies ist eine Metapher für die Leute, die glauben, selbst die Natur richte sich nach ihnen. Wenn sie dann in eine derartige Situation geraten versagen sie.

Ich sitze an zwei Schwimmbecken und meditiere darüber, warum die große Liebe oft nicht die Erfüllung bringt. überlege, in welches Bassin ich mich begeben soll. Eins befindet sich im Freien mit grünem Wasser, das andere ist überdacht mit blauem.

Habe mit einigen Freunden gute Gespräche. Befinde mich dann in einem leeren Zimmer (alte Wohnung?) und sehe den schwarzen Tod die Treppe heraufkommen. Der ernste und ungespässige Geselle tritt auch tatsächlich herein. Ich bin aber ganz vergnügt und fliege durch das Zimmer an ihm vorbei. Ich stoße dabei übermütige Freudenrufe aus Hui...Huiii......

Ich treffe beim Hinausgehen einen mir unbekannten Mann, der mich sehr durchdringend ansieht und mir den Rat gibt, sehen zu lernen. Die Wirklichkeit, die ich nun gerade erlebe, sei nur das Vorstadium zu den Ebenen, die dahinter liegen würden. Um auch sie zu erleben, müsse ich eben endlich meine Augen aufschlagen.

Aus diesen verstreuten Aussagen geht hervor, dass wir in unserer Traumarbeit auch philosophieren und dabei zu Schlüssen kommen, die uns und unsere Existenz betreffen. Mit einer Sichtweise die nicht unbedingt auf das Tagesbewusstsein fixiert zu sein scheint. Für meine rein philosophische Arbeit gibt es daher ideale Voraussetzungen, weil ich mich mit dem vorhandenen Traummaterial auf eine Position außerhalb der sonst üblichen Denkgebäude stützen kann.

Diesen Visionen lässt sich entnehmen, dass etwas mit uns und unserer Vorstellung von Zeit nicht zu stimmen scheint. Und mit unserem rein sprachlich orientierten Denken und der daraus resultierenden Wahrnehmung

Philosophie der Träume

Zunächst stelle ich einige Philosophen und ihre Sichtweise zu dem Thema Träume vor, um dann mit einer Auswertung der eigenen Texte zu beginnen. (Sokrates, Kant, Heraklit, Empedokles, Leibnitz, Nietzsche, Goethe, Stirner , Hartmann, Descartes, Hobbes, Stirner, Montaigne, Pascal)

Sokrates

Hiervon nun bin ich selbst meinesteils ein Liebhaber, o Phaidros, von diesen Teilungen und Zusammenfassungen nämlich, um sowohl reden als auch denken zu können: und wenn ich von irgend einem anderen der Ansicht bin, dass er das zur Einheit und zur Vielheit sich Bestimmende einzusehen vermöge, dem gehe ich nach, auf dem Fuß ihm folgend als einem der Götter, ob ich jedoch diejenigen, die es zu leisten vermögen, richtig bezeichne oder nicht, das weiß ein Gott: ich nenne sie aber bis jetzt Dialektiker.

Sokrates hatte die Bedeutung der Orakel und der Träume erkannt und sich in seiner Verteidigungsrede auf sie berufen:

Aber weshalb halten sich wohl einige so gern seit langer Zeit zu mir? Das habt ihr gehört, Athener, ich habe euch die ganze Wahrheit gesagt, dass sie nämlich diejenigen gern mögen ausforschen hören, welche sich dünken, weise zu sein, und es nicht sind. Denn es ist nicht unerfreulich. Mir aber ist dieses, wie ich behaupte, von dem Gotte auferlegt zu tun durch Orakel und Träume und auf jede Weise, wie nur je göttliche Schickung einem Menschen etwas auferlegt hat zu tun.“ 5

Leibniz

Und wie Sophisma eigentlich eine Weisheitsübung bedeutet, so bezeichnet Enthusiasmus, dass eine Gottheit in uns walte. „Est Deus in nobis „ (In uns waltet ein Gott). Sokrates behauptete auch, dass ihm ein Gott oder Dämon innere Kundgebungen mache, so dass Enthusiasmus ein göttlicher Instinkt wäre 6

Leibniz sieht zwar zwischen sinnlichen Empfindungen und den Phantasiebildern der Träume einen Unterschied aber das Mehr oder Weniger würde dabei im Wesentlichen nichts ändern Obgleich die sinnlichen Empfindungen lebhafter als die Phantasiebilder seien, so gäbe es doch Fälle , bei denen Personen von starker Einbildungskraft durch ihre Phantasiebilder ebenso oder vielleicht mehr als ein anderer durch die Wirklichkeit gefesselt würden. Leibniz sieht daher für das wahre Kriterium hinsichtlich der Sinnengegenstände den Zusammenhang der Erscheinungen, d.h. die Verknüpfung dessen, was an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten und in der Erfahrung der verschiedenen Menschen vor sich gehe, welche in dieser Hinsicht einander selbst sehr wichtige Erscheinungen seien. Die Verbindung der Erscheinungen aber, welche die tatsächlichen Wahrheiten in Hinsicht der sinnlichen Dinge außer uns verbürgt, wird demnach mittels der Vernunftwahrheiten bewährt, wie die Erscheinungen der Optik durch die Geometrie ihre Aufklärung erhielten.

Allerdings müsste man zugeben, dass diese ganze Gewissheit nicht eine des höchsten Grades sei. Denn es sei , metaphysisch gesprochen, nicht unmöglich, dass es einen so konsequenten und lang andauernden Traum geben könne, wie das Leben eines Menschen; aber das sei etwas so Vernunftwidriges, als wenn man sich ein Buch denken wollte, das durch Zufall gebildet würde, indem man die Drucklettern bunt durcheinander wirft.

Wenn die Erscheinungen nur verbunden seien, wäre wirklich auch nicht daran gelegen, ob man sie Träume nennt oder nicht, weil die Erfahrung zeige, dass man sich in den um der Erscheinungen willen genommenen Maßregeln nicht täusche, wenn sie nach Maßgabe der Vernunftwahrheiten genommen würden.

Diese These bei Leibniz können wir unter der Voraussetzung einer Geometrie des Raumes und Zeit, zu verschiedenen Zeiten und zu verschiedenen Orten, die wir im Wachzustand erfahren, Gültigkeit haben, doch außerhalb dieses Systems könnten sie sehr wohl durch eine außer zeitlich wirkende "Vernunft" verbunden sein, die wir allerdings nicht vollständig erfassen können. Es ist Tatsache, dass wir im Zustand des Schlafes den zeitlichen und räumlichen Bezug weitgehend verlieren und die Träume diese Dimension zu überschreiten scheinen. Was als Traum behalten wird, ist nur das, was am Zensor des Tagesbewusstseins vorbei gemogelt werden kann. Dabei kommt es aber auch entscheidend darauf an, wie offen wir für solche Erfahrungen sind.

Wenn wir unsere Träume dokumentieren, sind wir aber durchaus in der Lage, sie nach Maßgabe der Vernunft hinsichtlich Sinn und Inhalt zu ordnen und zeitliche und räumliche Querverbindungen herzustellen.

Es können Tagesreste verarbeitet worden sein aber auch weit zurückliegende Ereignisse beleuchtet und darüber hinaus auch zukünftige Prognosen erarbeitet werden. In luziden Träumen können sich die Ebenen sogar miteinander vermischen. Es scheint unzählig verschiedene Arten von Träumen zu geben, bis hin zur Vision. Wir verarbeiten diese Phänomene in der Regel nur in unserem engen Erfahrungshorizont im Wachzustand, in dem wir gezwungen sind, auf ganz bestimmte festgelegte Bedingungen in Zeit und Raum zu reagieren, Das zwingt uns dazu, nur einen Bruchteil unserer geistigen Möglichkeiten zu realisieren, die sich auf Raum und Zeit und damit auf streng determinierte Gegebenheiten beziehen. Es darf aber als evident angesehen werden, dass wir im Schlaf weitgehend das Gefühl für Zeit und Raum verlieren, unsere Geistestätigkeit sich aber in dieser Zeit ununterbrochen fortsetzt. Wir nutzen unsere diesbezüglichen Fähigkeiten wahrscheinlich zu wenig, denn auch ein Großteil meiner eigenen Träume scheint dem Tagesbewusstsein verhaftet zu sein, während die bedeutenden Träume wohl eher dann auftreten, wenn sich diese „Verhaftungen“ lösen oder lockern. Oder wenn Konflikte auftreten.

Das gibt unserem Geisteshaushalt nicht nur die Chance sich zu stabilisieren und Daten zu verarbeiten, sondern die Datenpakete nicht allein aus der Struktur, sondern vom auch Inhalt und der Bedeutung her zu bewerten und ordnen. Diese Daten sind im Unbewussten viel effizienter und viel kompakter gespeichert , als im Bewusstsein. Das liegt ganz einfach daran, dass sie hier nicht erst sprachlich umgesetzt werden müssen, sondern Erinnerung, Bild, Gefühl und Wille bilden hier noch eine Einheit, die am ehesten in Form von Metaphern oder einer Art von Bildersprache herübergebracht werden können.

Wahrnehmen und Verstehen ist in dieser Ebene noch nicht streng getrennt. Das haben wir in unserem Tagesbewusstsein weitgehend verlernt und deshalb fällt es uns so schwer, uns damit auseinander zu setzen, denn unser Lebensraum im Wachzustand wird wesentlich durch die Sprache und ihre Definitionen bestimmt. Und die verlangt fortwährende Analyse der Gegebenheiten, streng nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten, nicht nur jene nach Zeit und Raum geordneten, sondern auch um Bedürfnisse der anderen menschlichen Spezies zu erfüllen oder nicht zu erfüllen, die sprachlich an uns herangetragen werden.

Nun hat die Sprache, die durch das Elternhaus vermittelt wird und durch Strukturen wie Schule Universität und Gesetzgebung verfeinert, auch eindeutig administrativen Charakter, wie es schon Heraklit bemerkt hat:

5[Platon: Des Sokrates Verteidigung, S. 34. Digitale Bibliothek Band 2:Philosophie, S. 284 (vgl. Platon-SW Bd. 1, S. 26)

6 [Leibniz: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand, S. 938.Digitale Bibliothek Band 2: Philosophie, S. 19096 (vgl. Leibniz-Abh., S.562)]

Die gemeinsame Welt der Wachenden

80. Man soll aber wissen, dass der Krieg das Gemeinsame ist und das Recht der Streit, und das alles durch Streit und Notwendigkeit zum Leben kommt.

81. [Die rednerische Unterweisung zielt mit all ihren Lehrsätzen auf diesen Punkt und ist ] Führer zur Abschlachtung.

88. Und es ist immer ein und dasselbe was in uns wohnt: Lebendes und Totes und das Wache und das Schlafende und Jung und Alt. Wenn es umschlägt, ist dieses jenes und jenes wiederum, wenn es umschlägt, dieses.

89. Die Wachenden haben eine gemeinsame Welt, [doch im Schlummer wendet sich jeder von dieser ab an seine eigene.] 7

Wenn ein und das dasselbe in uns wohnt, lässt sich daraus die These ableiten, dass das Tagesbewusstsein auch nichts weiter als ein kollektiver Traum ist. Was uns im Wachzustand begegnet ist im wesentlichen auch Selbstbehauptung, tatsächlich so eine Art von Krieg, in dem wir gezwungen sind unsere eigenen Ansprüche durchzusetzen. Das geschieht hauptsächlich über das Medium der Sprache in der wir auch denken. Wir leben in einer sprachlich definierten Welt.

Ich gehe im folgenden Kapitel deshalb näher auf die Sprache ein, um aufzuzeigen, wo die Grenzen dieser Kommunikationsform in der gemeinsamen Welt der Wachenden liegen um daraus vielleicht deutlich zu machen, dass darüber hinaus alternative Informationsquellen in unserer eigenen Welt des Schlummers und der Träume vorhanden sind.

Die Ansprüche, die die sprachlich orientierte Administration an uns stellt, sind solche, die sich im wesentlich an Normen der Ethik orientieren, also denen des gedeihlichen Zusammenlebens solcher Individuen, die sich notgedrungen im Spannungsverhältnis zu anderen gesetzt sehen. Dabei bedeutet ein Mehr an Sprache immer auch ein Mehr an Selbstbehauptung, dies gilt besonders für die Bereiche, die komplexe sprachlich-begriffliche Systeme entwickelt haben und letzthin in solche der Staatsführung münden.

Es sollte aber nicht vergessen werden, dass der Glaube an die magische Kraft der Worte, in die unsere Sprache noch hinabreicht ,stets hinterfragt werden sollte. Noch heute hat jedes Ding sein Geschlecht und ich frage mich manchmal , warum der beispielsweise der Stuhl oder der Mond männlich sein soll. Und die Begriffe? Begreifen kann man nur etwas mit der Hand, nicht allein mit dem Kopf oder mit Worten. Das zeigt, dass die Sprache schon in sich selbst widersprüchlich. ist.

Wenn ich Baum sage, meine ich den Baum, weiß aber auch, dass dieses Wort allein nicht die gesamte Existenz des Baum-Seins erfassen kann und dass es dem Baum völlig gleichgültig sein kann , wie ich ihn nennen will. Einen Bezug könnte ich nur mit ihm herstellen, wenn ich ihm auf sinnliche Weise begegne, d.h. dass ich ihn sehen und fühlen kann. Diese Erfahrung sollte ich nicht weiter hinterfragen. Das Wort Baum allein ist auch nicht mehr als ein Traum, weil es in uns Assoziationsketten und entsprechende Bilder erzeugt, die nicht unbedingt streng an den sinnlichen Bezug gebunden sein müssen. (z.B. als Metapher) .Es ist eine sprachliche Information, ein Zeichen, nicht mehr. Den Rest träumen wir dazu.

Ähnlich geht es mit dem Stimmengewirr und den widersprüchlichen nicht verifizierbaren Begriffen vieler Politiker, rednerische Unterweisungen die nach Heraklit der Abschlachtung dienen können. Wer ist überhaupt noch in der Lage auf die Fülle der Begriffsgespenster in der Grauzone zu reagieren, die alle auf sprachlichen Setzungen beruhen, die das einzelne Individuum nicht mehr nachvollziehen kann. Was wir von all dem "begreifen" können , ist vielleicht nur die Tatsache, dass der Brotkorb immer höher gehängt wird und alles teurer wird. Begriffe lassen uns kalt, wenn wir das Gefühl haben, dass sie uns nicht mehr erreichen. Tatsache ist, dass sich einige mittels ihrer überlegenen suggestiven Sprache die Taschen voll stopfen. Das ist in Wahrheit der Krieg der Systeme, so überzeugend Sprache auch immer daherkommen mag, die sich aber beim Näheren hinsehen oft als Täuschung entlarvt. So tötet man ja am wirkungsvollsten mit der Intrige, d.h. mit absichtlich falschen sprachlichen Informationen, nicht nur einzelne Individuen, sondern auch unbequeme Randgruppen. Die Sprache scheint zu einer "Waffe" herunter-gekommen zu sein, und dient weniger als Kommunikationsmittel, das sie eigentlich ursprünglich gewesen zu sein scheint.

So gehen die Worte oft aneinander vorbei besonders wenn es um die Durchsetzung unsere eigenen Bedürfnisse geht, man denke in diesem Zusammenhang an die manchmal so sinnlose Juristerei, an die spitzfindigen Advokaten, die oft endlose Prozesse mit Aktenbergen die keiner mehr liest und bei denen man am Ende glaubt, den Verstand verloren zu haben. Am Ende gewinnt aber immer der Stärkere und zwar der, der am meisten Geld hat. Sprache kann auch ideologisch oder fachwissenschaftlich manipuliert werden, wenn man z.B. an die linke Geschichtsforschung denkt, oder an die braune. Forschung scheint immer auch irgendwie subjektiv getönt zu sein. Man führe sich in diesem Zusammenhang nur die Sprach-Demagogen im sogenannten 3. Reich vor Augen, die frei nach Heraklit tatsächlich ihrem Führer der Abschlachtung gefolgt sind.

Darüber hinaus haben wir auch ein existenzielles Bedürfnis nach der Nähe anderer, können aber dieses Bedürfnis nicht immer realisieren , weil uns ständig einschränkende verbale Tag-Traum-Denkraster nach den Begriffen Alter, Stand, Beruf, Rechenpfennigen, Rentenloch, Staat, Gesellschaft, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, geschönte Statistiken, Parteien, Fortschrittssonstige Glaubenssysteme, Religionen und diffuse Begriffsgespenster im Wege sind. Alles im Gleichklang mit dieser pervertierten Werbetrommel, die uns ihren unreflektierten Geschmack von Schönheit ,Jugend und Gewalt einhämmern will, die selbst vor unseren Kindern nicht halt macht. Das haben wir wohl inzwischen so weit verinnerlicht, dass wir dieses Denken in der Sprache nicht mehr abstellen können, zum Teil hohle Träume, die wir im Wachzustand über uns ergehen lassen müssen,

die aber mit unserer inneren Realität und unseren eigentlichen Bedürfnissen keinen Zusammenhang mehr haben. Solche Realität tritt uns nicht allein entgegen als solche in Zeit und Raum, sondern auch als Unterwerfung unter fremden Willen. Damit haben wir uns ein rotierendes Denken eingehandelt, das sich immer nur um seine spezifischen Inhalte dreht, allerdings ohne Sinnvermittlung und ohne Energiezufuhr. Die ziehen uns diejenigen ab, die unsere Aufmerksamkeit fordern, manchmal mit Einschüchterung, manchmal mit Gewalt. Zugang zu unserem eigenen Potenzial erfahren wir nur im Schlaf oder in der Meditation, in der wir uns von der gemeinsamen Welt der Wachenden abwenden und uns in unsere eigene begeben.

Diese Problematik unserer Kommunikationsform scheint auch Heraklit bereits erkannt zu haben:

„Mit dem Worte, mit dem sie doch am meisten beständig zu verkehren haben, [dem Lenker des Alls, entzweien sie sich, und die Dinge, auf die sie täglich stoßen, scheinen ihnen fremd.8 Für dies Wort [Weltgesetz] aber, ob es gleich ewig ist, gewinnen die Menschen kein Verständnis, weder ehe sie es vernommen noch sobald sie es vernommen. Alles geschieht nach diesem Wort, und doch gebärden sie sich wie Unerprobte, so oft sie es probieren mit solchen Worten und Werken, wie ich sie künde, ein jegliches nach seiner Natur zerlegend und deutend, wie sich's damit verhält. Die anderen Menschen wissen freilich nicht, was sie im Wachen tun,

wie sie ja auch vergessen, was sie im Schlafe [tun9 2[Die Schlafenden nennt, glaub' ich, Heraklit] Arbeiter und Mitwirker an den Weltereignissen.“

Dieses Wort, das immer an den Anfang gestellt wird, scheint bisher noch nicht ausreichend hinterfragt worden zu sein. Kaum vorstellbar, dass ein Schöpfer Worte in unserer Sprache artikuliert, um das Universum zu erschaffen. Zum wem? Es scheint sich hier eher um eine Metapher zu handeln . "Weltgesetz" als positive Energieform bzw. Schwingung (Liebe) oder Urklang würde da genauer hineinpassen. Dieses "Wort" ist sicher in solchen Lettern geschrieben, die wir nur ahnen können, aber nicht artikulieren. Eher ganzheitlich fühlen. Da scheint es aber einige zu geben, die sich auf das Wort berufen und vorgeben, es verstanden zu haben und von uns verlangen, dass wir ihre Interpretation wörtlich nehmen. Eine absolute Vermessenheit (Der Glaube an die Grammatik) Das ist der Beginn unserer tiefen Spaltung, die Vertreibung aus dem Paradies. Von diesem polemischen und zu oft auch heißen Kriegslärm verscheucht , haben sich unsere ursprünglichen geistigen Anlagen zurück-gezogen in die Welt des Schlummers und der Träume.

Auch die neuere oder postanalytische Philosophie vertritt nach Lyotard, ähnlich wie Nietzsche, und die moderne Wissenschaftstheorie und die Hermeneutik die Auffassung, dass „wir auf beweglichen Fundamenten und gleichsam auf fließendem Wasser operieren müssen. Das sei im analytischen Kontext eine Konsequenz daraus , dass die Rede von einer Wirklichkeit an sich prinzipiell sinnleer sei, weil es Wirklichkeit immer nur als „ Wirklichkeit unter einer Beschreibung“ gebe, dass wir bei allem, was beschrieben werde, auf Beschreibungsweisen beschränkt seien. Demnach könnten wir von Wirklichkeit immer nur im Horizont prinzipiell problematischer (nie letzt begründbarer) Prämissen und stets nur von einer Wirklichkeitsversion neben anderen sprechen.“

Eine davon wäre dann die vor bewusste Bildwelt unserer Traumlandschaften.

Leider sind von den Werken Heraklits nur Fragmente erhalten, vielleicht erfahren wir deshalb nur wenig, wie er zur Liebe steht, denn im Gegensatz zum Krieg ist die Liebe, gleich wie wir sie nennen wollen, gerade auch die körperliche ( daran sollte eigentlich nichts Unreines kleben) , das verbindende Element, die unzweifelhaft neben der Selbstbehauptung zu den Eckpfeilern unserer Existenz gehört. Für Heraklit ist es das Spiel der Gegensätze, das zur Vereinigung führt.

Die Liebe lässt sich allerdings nur fühlen aber nicht diskutieren. In diesem Fall wäre sie sinn- und fruchtlos. Diese unumstrittene Tatsache ist ein unwiderlegbarer Hinweis dafür, dass der Werkzeugcharakter der Sprache und somit unseres Denkens unsere elementaren Bedürfnisse nur zum Teil mit Sinn erfüllen kann. Das Gemüt aber ist der verbindende Faktor zwischen Tag - und Traumwelt. Wie ich feststellen musste, gibt darüber hinaus in uns auch ein Denken bzw. eine Intuition jenseits dieses "Fliegengesumms" , das uns am ehesten in unseren Träumen begegnet. Unzweifelhaft ist wohl auch, dass uns die Existenz trägt wir aber nicht die Existenz. Das Denken allein trägt uns nicht. Unsere Wurzeln und unsere Mitte liegen daher sehr viel tiefer als die verbale Sprache uns vermitteln kann. Wenn wir Gottes Ebenbild sind, sollten wir uns auch zu unserer Göttlichkeit bekennen, damit bewahren wir in diesem, von Kants Rechtslehre geprägtem Umfeld, in der das Eigentum das höchste Gut ist, auch unsere Würde. Schließlich bringen wir die ganze Menschheitsentwicklung samt unseren vorgeburtlichen Erfahrungen schon mit auf die Welt. Das ist unser persönliches mentales Eigentum, das es mit gleichem Nachdruck zu schützen gilt, ohne uns von dem Mammon entwürdigen zu lassen. Wir haben in uns ein gewaltiges Wissen gespeichert und setzen uns ständig in unserer Traumarbeit damit auseinander, ohne dass wir davon etwas zu ahnen scheinen.

Die »Vernunft« in der Sprache: o was für eine alte betrügerische Weibsperson! Ich fürchte, wir werden Gott nicht los, weil wir noch an die Grammatik glauben.10

Aber damit wird Heraklit ewig recht behalten, dass das Sein eine leere Fiktion ist. Die »scheinbare« Welt ist die einzige: die »wahre Welt« ist nur hinzu gelogen...11

Die Fragmente von Empedokles, um bei den Vorsokratikern zu bleiben, vermitteln uns ein ergänzendes Bild. Hier wird auf die Wechselwirkung von Streit und Liebe näher eingegangen Wohl auf den einzelnen bezogen aber auch auf Gemeinschaften anwendbar. Allerdings eher auf den Bezug des einzelnen zu dieser Gemeinschaft. Da wird es naturgemäß unscharf. Aber in der Mitte, in dem Einen wohnt die Liebe, der Streit ist abgesondert von den Elementen. Der scheint später dazu getreten zu sein, denn im sogenannten goldenen Zeitalter kam man ohne ihn aus, weil es da wohl auch größere Achtung vor dem Leben anderer gab. Da scheint dann aber eine Spaltung eingetreten zu sein.

Empedokles

Bald wächst nämlich Eines zu einem einzigen Sein aus Mehrerem zusammen, bald scheidet es sich auch wieder, aus Einem Mehreres zu sein: Feuer, Wasser, Erde und der Luft unendliche Höhe, sodann gesondert von diesen [Elementen] der verderbliche Streit, der überallgleich wuchtige, und in ihrer Mitte die Liebe, an Länge und Breite gleich.12

128. Und bei jenen [Menschen des goldenen Zeitalters] gab es noch keinen Gott des Krieges und Schlachtgetümmels, keinen König Zeus oder Kronos oder Poseidon, sondern nur eine Königin, die Liebe. Diese freilich suchten sie mit frommen Weihegaben zu versöhnen, mit gemalten[Opfer]tieren und köstlich duftenden Salben, mit Spenden von lauterer Myrrhe und duftendem Weihrauch und aus den braunen Waben schütteten sie Weihgrüße auf den Boden. Doch mit lauterem [?] Stierblut ward kein Altar benetzt, sondern dies galt bei den Menschen als größter Frevel, Leben zu rauben und edle Glieder hineinzuschlingen.13

Denn nur diese [vier Elemente] gibt es: durcheinanderlaufend werden sie zu Menschen und anderer Tiere Geschlechtern; bald vereinigen sich alle zu einer Ordnung in Liebe, bald auch trennen sich wieder die einzelnen [Elemente] im Hasse des Streites, bis sie, kaum zum All-Einen zusammengewachsen, [wieder] unterliegen. Insofern nun auf diese Weise Eines aus Mehrerem zu entstehen pflegt und Mehreres wiederum aus dem Zerfall des Einen entsprosst, insofern findet eine Entstehung statt, und ihr Leben bleibt nicht unverändert; sofern aber ihre ständige Veränderung nimmer aufhört, insofern bleiben sie während des Kreislaufes stets unerschütterte [Götter]14

16. Denn wie [diese beiden Kräfte (Streit und Liebe)] vordem waren, so werden sie auch [fürder] sein, und ich glaube, nimmer wird die unendliche Ewigkeit dieser beiden beraubt sein.15