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Üblicherweise bringt ein Autounfall nur Ärger, Leid und Scherereien, doch für Komtess Irena Hammerstein erweist er sich als Glücksfall. Wird sie doch von Graf Stefan Rädern gerettet. Er bringt die verletzte Frau auf sein Schloss, wo er sie pflegt und umsorgt. Dort entdecken beide recht bald ihre gegenseitige Sympathie.
Baron von Rauenstein, der sich selbst Chancen bei der Komtess ausgerechnet hat, nimmt den Kampf um ihre Gunst auf – auf Teufel komm raus! Denn für ihn geht es um mehr als nur um die Liebe. Und in seinem Kampf kennt er keine Grenze …
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Daniela Behrens
Um mehr als nur Liebe
Ein Schicksalsroman
Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv
Cover: © by Steve Mayer nach Motiven mit Kerstin Peschel, 2022
Korrektorat: Roland Heller
Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Alle Rechte vorbehalten
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Das Buch
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Üblicherweise bringt ein Autounfall nur Ärger, Leid und Scherereien, doch für Komtess Irena Hammerstein erweist er sich als Glücksfall. Wird sie doch von Graf Stefan Rädern gerettet. Er bringt die verletzte Frau auf sein Schloss, wo er sie pflegt und umsorgt. Dort entdecken beide recht bald ihre gegenseitige Sympathie.
Baron von Rauenstein, der sich selbst Chancen bei der Komtess ausgerechnet hat, nimmt den Kampf um ihre Gunst auf – auf Teufel komm raus! Denn für ihn geht es um mehr als nur um die Liebe. Und in seinem Kampf kennt er keine Grenze…
***
Hoher Schnee türmt sich auf der Straße. Der Wind fegt ihn zusammen und macht sich einen Spaß daraus, plötzliche Schneeverwehungen mitten auf der Straße aufzubauen.
Plötzlich sieht man in der Ferne Lichter aufblinken. Ganz schwach zuerst – wie Glühwürmchen, die im Sommer hin und her gaukeln. Aber sie werden größer. Man erkennt zwei davon, die immer heller werden und das Dunkel durchdringen.
Es sind die Lichter eines großen Wagens, dessen Motor ruhig und gleichmäßig brummt. Die Chromteile blitzen im Licht des Mondes auf wie Kristall im Kerzenlicht.
Jetzt nähert sich der Wagen einer der hohen Schneewehen. Die Fahrerin erkennt erst im letzten Augenblick die Gefahr, reißt das Lenkrad herum und tut etwas, das grundverkehrt ist, sie tritt mit aller Kraft auf die Bremse.
Die Reifen stocken, gleiten, rutschen kreuz und quer. Der Wagen schlingert. Die Fahrerin kann ihn mit ihren kleinen Händen nicht mehr halten und schlägt sie schützend vor das Gesicht.
Als der Wagen das Holzgeländer durchbricht und die zehn Meter tiefe Böschung hinabstürzt, hört man durch das Poltern einen schrillen und entsetzten Schrei.
Ächzend fährt der Wind durch die schneebeladenen Äste der Bäume und lässt sie über die losgerissenen Holzbalken des Geländers schwanken.
Vorsichtig schaltet Stefan von Rädern in den kleinen Gang, als es zu schneien beginnt. Dann schaltet er das Radio an. Wie lange hat es nicht mehr so sehr geschneit wie ausgerechnet in diesem Jahr! Und das Wetter muss bald umschlagen, denn das Frühjahr müsste eigentlich schon längst vor der Tür stehen. Aber jeden Morgen, wenn man hinausschaut, weiß man, dass sich noch neue Schneelasten auf das stille Land legen werden.
Je später die Frühjahrsarbeiten beginnen, desto später kann man auch die Ernte einbringen.
Er zerdrückt einen Fluch zwischen den Zähnen und nimmt das Gas weg, als er sieht, dass die Geländer der hohen Böschung beschädigt sind. Sieht frisch aus, denkt er, während er die Stablampe aus dem Handschuhfach holt und dann ärgerlich und missmutig die Autotür öffnet. Er muss hinaus in die Kälte.
Im Innern des Wagens ist es herrlich und gemütlich warm – aber der Wind, der hier draußen herrscht, ist schneidend kalt.
Es ist verrückt, dass ich aussteige! Wahrscheinlich ist nichts weiter geschehen, als dass ein Fahrer dort das Geländer beschädigt hat und noch einmal mit dem Schrecken davongekommen ist.
Aber so sehr er sich auch nach der Wärme seines Wagens sehnt – er geht weiter, leuchtet die Böschung ab und spürt dann, wie ihm der Atem stocken will. Da liegt ein Wagen – oder doch wenigstens das Wrack eines Wagens.
Nun hält ihn nichts mehr – er denkt nicht mehr an die Wärme in seinem Auto und daran, dass er jetzt sehr gern auf Rädernburg wäre und einen heißen Grog trinken möchte. Er denkt nur voller Schrecken an die Insassen des Wagens, der dort unten liegt.
Wenn sie noch leben, müssen sie ganz hübsch zugerichtet sein. Während er mehr schlittert als hinabgeht, überlegt er, ob es nicht ratsamer sei, zuerst die Polizei und den Krankenwagen zu benachrichtigen. Aber dann schüttelt er energisch den Kopf.
Zuerst muss er feststellen, wie dringend Hilfe benötigt wird.
Er gleitet aus und stößt sich den Kopf unsanft an einem Baum. Fluchend richtet er sich empor und hebt die Lampe, die ihm entfallen ist, wieder auf. Dann leuchtet er in das Innere des verunglückten Wagens.
Zuerst kann er nicht viel erkennen. Das Lenkrad ist noch heil. Aber das ist auch – außer den Sitzen – eigentlich alles.
Die Sitze sind mit Glassplittern bedeckt, und die Polster zeigen große Löcher. Schon will er sich abwenden, als der Strahl der Lampe auf einen kleinen Fuß im eleganten Krokodillederschuh fällt.
»Himmel! Eine Frau!«, entfährt es ihm. Und dann reißt er an der Tür, die zu seinem größten Erstaunen sich mühelos öffnen lässt.
Er kriecht in das Innere des Wagens und hält die Lampe mit den Zähnen fest. Ächzend greift er unter die Achseln der Zusammengesunkenen und betet dabei immer wieder, ohne dass es ihm zu Bewusstsein kommt, dass sie um Himmels willen nicht aufwachen möge, denn er geht nicht gerade sanft mit ihr um.
Es ist ein schweres Stück Arbeit, ehe er die schlanke, leichte Gestalt auf den Schnee legen kann. Nun leuchtet er ihr ins Gesicht, legt den Kopf auf ihre Brust und nickt seufzend, als er den leisen Herzschlag fühlt.
Noch einmal holt er tief Atem. Dann beugt er sich wieder zu ihr hinab und nimmt sie hoch. Ich werde bestimmt nicht mehr auf die Straße zurückkommen, denkt er schwitzend und keucht nach wenigen Schritten vor Anstrengung. Aber Stefan ist zäh und kräftig. Er erreicht die Straße taumelnd mit der ohnmächtigen Frau auf seinen Armen. Er geht auf den Wagen zu, legt sie auf den Hintersitz und setzt sich selber hinter das Steuer.
Armes Ding! Aber es hat keinen Zweck, zu überlegen. Er muss jetzt zusehen, dass er schnell und heil Rädernburg erreicht und dann den Doktor heraustrommelt.
Seufzend startet er und fährt langsam an. Nun hätte er auch am liebsten den Fuß auf das Gaspedal gesetzt und es durchgetreten. Aber es ist viel zu gefährlich bei diesem Schneesturm.
Als er die Lichter von Rädernburg aufleuchten sieht, stöhnt er erleichtert auf. Die Nervosität hat sich förmlich in ihm aufgespeichert, sodass er das Gefühl hat, es nicht mehr länger zu ertragen.
Ganz gegen seine Gewohnheit fährt er am Portal vorbei, hupt dreimal laut und gellend und anhaltend, bis der alte Peter mit der Sturmlaterne erscheint, und steigt dann mit weichen Knien aus.
»Da war ein Unfall! Ich habe die verletzte Frau mit hierhergebracht. Wir müssen sie ins Fremdenzimmer schaffen und sofort den Doktor anrufen, Peter.«
Der Alte gibt nur einen erschreckten Laut von sich. Dann reißt er das Portal weit auf, sodass sich die tröstende Helligkeit über den weiten Schlosshof förmlich ergießt, und fasst behutsam mit an, um die verletzte Frau nach oben zu bringen.
»Ich glaube, wir sagen Berta, dass sie bei ihr bleibt«, murmelt Graf Rädern dann unschlüssig und starrt auf die Verletzte hinab.
»Sie versteht eine ganze Menge von Krankenpflege«, erwidert Peter und eilt schon hinab.
Unsicher blickt Graf Stefan, ehe er durch die Verbindungstür in sein eigenes Zimmer tritt, um sich. Dann alarmiert er den Doktor und den Landpolizisten.
Als er das getan hat, schiebt er den Kopf durch die Tür und nickt beruhigt und erleichtert, als er die behäbige Gestalt von Berta aus der Schlossküche am Bett sitzen sieht.
Er zieht sich zurück, um ein heißes Bad zu nehmen, das er, seiner Meinung nach, dringend nötig hat.
Berta sitzt ganz stumm am Bett, bevor sie sich sagt, dass man das Mädchen, das da vor ihr liegt, vielleicht ein bisschen waschen sollte. Sie geht zum Waschbecken, taucht ein sauberes Tuch hinein und beginnt das blutverschmierte Gesichtchen behutsam abzutupfen. Eine solch zarte Hand hätte man der robusten Frau eigentlich gar nicht zugetraut.
Und siehe da – es kommt ein Gesichtchen von unbeschreiblichem Liebreiz zum Vorschein. Blass – aber doch so schön und edel, dass es einem direkt fromm und andächtig zu Mute werden kann.
Das Haar ist zerzaust – aber von einer herrlichen, dunklen Kastanienfarbe. Die Locken bauschen sich wild um das schmale Gesichtchen. Und nun sieht man auch, dass das Mädchen nur einen Riss an der Schläfe hat. Berta hütet sich, ihn auch nur zu berühren.
Zufrieden legt sie das blutverschmierte Handtuch beiseite und setzt sich wieder hin. Nun kann man doch wenigstens etwas von ihrem Gesicht sehen, denkt sie.
Als Stefan das Krankenzimmer wieder betritt, nachdem er sein heißes Bad genommen hat, bleibt er überrascht und tiefbeeindruckt stehen, um das Mädchen anzustarren.
»Ich habe gedacht, ich solle ihr das Gesicht ein bisschen waschen«, meint Berta gemütlich und sieht ihn aus verschmitzten Augen von unten herauf an.
»Sie ist unbeschreiblich schön«, stammelt er und kann sich von dem liebreizenden Gesicht kaum losreißen.
Berta nickt, als sei die Unbekannte ihre ureigenste Schöpfung, auf die sie obendrein noch stolz zu sein hat.
»Der Doktor wird gleich kommen«, sagt Stefan und starrt immer noch auf die braunen Locken hinab. »Ich sollte in ihrer Tasche nachsehen, ob man nicht erfahren kann, wer sie ist.«
Er reißt sich vom Anblick des Mädchens gewaltsam los und wendet sich ab. Der Mantel, den sie angehabt hat, liegt über einer Sessellehne. Ein kleines, elegantes Portemonnaie, ein Taschentuch mit gesticktem »Irena« und ein kleiner Schlüssel sind die Ausbeute.
»Nichts!«, schüttelt Stefan den Kopf. »Ich kann nicht verstehen, dass sie sonst nichts bei sich haben sollte. Haben Damen denn nicht immer eine Handtasche bei sich, Berta? Ich kann mich aber nicht erinnern, eine Handtasche in ihrem Wagen gefunden zu haben. Ich habe ihn ganz genau abgeleuchtet. Nein, ich bin meiner Sache ganz sicher – es war keine Handtasche darin.«
»Dann warten wir besser, bis die Polizei gekommen ist. Sie wird schon feststellen, wer sie ist. Man muss doch die Angehörigen benachrichtigen! Gewiss machen sie sich große Sorgen um sie.«
Stefan lauscht und verlässt eilig das Zimmer. In der Halle trifft er mit Doktor Sachs zusammen. Hastig, während er neben ihm die Treppe emporsteigt, erzählt er ihm, was sich seiner Meinung nach ereignet hat und wo er das unbekannte Mädchen gefunden hat. Dann steht er herzklopfend und allein vor der Tür zum Gästezimmer, in dem das fremde Mädchen liegt.
Berta gesellt sich zu ihm. Schweigend warten sie, bis Doktor Sachs zurückkehrt.
»Die Wunde an der Schläfe ist nicht schlimm. Ich habe sie gesäubert und ein
Pflaster darauf geklebt. Am linken Knöchel ist eine Verstauchung. Am rechten Oberarm ein Bluterguss. Sonst ist weiter nichts festzustellen. Sie scheint keine inneren Verletzungen davongetragen zu haben. Erstaunlich, wenn man bedenkt, wie Sie sie gefunden haben, Graf Rädern. Ich glaube, dass sie durchaus transportfähig ist. Sicher ist sie nur durch den Schock, den sie erlitten hat, ohnmächtig geworden. Ich werde das Krankenhaus benachrichtigen und sie abholen lassen.«
»Sie muss nicht ins Krankenhaus. Ich – ich würde sie gern hierbehalten, wenn Sie meinen, dass das richtiger wäre.«
Stefan fürchtet, der Doktor könnte ihm widersprechen oder sonst irgendetwas dagegen haben, das Mädchen auf Rädernburg zu lassen. Aber nichts dergleichen geschieht. Im Gegenteil – der Doktor nickt, als sei er mit dieser Lösung nicht nur durchaus einverstanden, sondern sogar erleichtert.
»Man kann nie wissen«, sagt er leichthin. »Solche jungen, zarten Geschöpfe sind oft recht sensibel und bekommen noch einen weiteren Schock, wenn sie merken, dass sie in irgendeinem Krankenhaus aufwachen. Ich werde dann gleich morgen früh wieder herkommen.«
Zufrieden nickt Stefan. Irgendwie ist ihm freudig zumute, denn er hätte das schöne Mädchen wirklich nicht gern wieder gehen lassen.
Vielleicht ist es ganz gut, dass er das verständnisinnige Lächeln Bertas nicht sieht. Berta weiß Bescheid. Sie war auch einmal hübsch und schlank. Sie weiß auch, was Liebe ist.
Wer weiß, denkt sie prophetisch, was sich ihnen noch alles in den Weg stellen wird! Da können sie es ruhig gebrauchen, wenn man sie jetzt in Ruhe lässt.
Dass der Graf und dieses schöne, unbekannte Mädchen, von dem man nur weiß, dass es wahrscheinlich Irena heißt, einmal ein Paar werden, daran zweifelt die gute Berta jedenfalls nicht.
Fritz Baron von Rauenstein ist mehr als ungeduldig und verärgert, als er Hammerstein wieder verlässt.
Zum Teufel auch! Wie kann Irena nur so unzuverlässig sein? Heute Morgen hatte er es raffiniert angestellt, hatte sie geküsst, um ihr ein zögerndes Ja zu entlocken auf seinen Heiratsantrag.
Wie hatte er sich davor gefürchtet, dass sie vielleicht wissen könnte, wie es in Wahrheit um Rauenstein bestellt war.
