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Zum einen Sachbuch und andererseits eine wahre Geschichte: Zwei Brüder gründen zum Thema Corona eine gemeinnützige Internetseite. Daraus entwickelt sich wiederum eine eigenwillige Eventreihe. Die realen Geschehnisse wechseln sich hier mit spannenden wissenschaftlichen, philosophischen wie auch spirituellen Einsichten zum neuen Corona Zeitalter ab.
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Seitenzahl: 333
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Prolepse
Facebook Germany
Die Anfänge
Der Marktstand. Oder wie alles begann
Germany
Bhagwan und Ganzkörperkondome
Auf der Suche
Silvester in Ischgl
Und dann begann plötzlich das Corona Zeitalter
Telefon
Piefke oder nicht
Ein österreichischer Nachtisch
Graf Dracula & Corona
Vampirfledermäuse
Eckhart Tolle. Und was das Virus spirituell bedeutet
Die Sache mit den Bezeichnungen
Gegenwärtige Erkenntnisse und Theorien
Viren und Bakterien
Unser Immunsystem im Detail
Viren – in Fledermäusen und Flugzeugen
Eine chinesische Züchtung?
Warum wir alle bald Fledermäuse essen werden
Virusübersprünge auf den Menschen
Forschung am Institut von Christian Drosten
Die SARS-CoV-1 Pandemie 2002/2003
Der erste Corona-Infizierte & Aspirin
Was geschah im zeitlichen Zwischenraum?
Das kurze Leben des Herrn Wenliang
Der chinesische Chefvirologe George Fu Gao und die vorläufige Zufriedenheit Donald Trumps
Start der Entwicklung von Gegenmitteln
18. Januar 2020
Keine neue chinesische Mauer
Kunst & Coronation
Die Hälfte der Welt wird sich anstecken
Ein erster europäischer Fehler?
China und die Welt
Corona Future
Warum reagierte der Westen weniger dynamisch?
Ein Onkologe plappert nach
Rechenkünste einer Kanzlerin
Der erste Fall in Deutschland
Südkorea handelt im Januar 2020 erfolgreich
Apps in europäischen Staaten
21 Million Lights. Wie alles begann
Kollektives
Zwei Telefonate
Die Idee an sich und eine Eventagentur
Italien stellt Direktfüge nach China ein
Eine italienische Krankheit: die Krankenhäuser?
Frühjahr 2020 – die Katastrophe erobert den Westen
Italien, ausgestorbene Plätze und Schamanismus
März 2020 in einer Arztpraxis in Deutschland
New York, März 2020
Die bleibende Ungewissheit
Schwarze Schwäne
Hot spot: Karneval in Gangelt
Wochenlanges Planen
Eine Zusatzidee? Nein, gleich zwei
Ein unverhoffter Anruf
Schnupfen und so …
Über die Grippe
China als Ursprungsland der Asiatischen Grippe
Zwei Donalds und eine USA
Die WHO
Mächtige Grüße aus China
China und seine neue Geostrategie
Macht ohne Glanz
Indien? Indien!
Umstritten: AstraZeneca
A, B oder C?
Karneval 2020 in Köln. Und Düsseldorf gewinnt
Und der Zoch? Kütt noch ein letzte Mal
Deutschland 2020? Bestens vorbereitet
Elbphilharmonie
Blasen? Können zerplatzen
Fronleichnam Ende Mai 2020 – in Holland
Die Internetseite
Holland im Juni
Warum Masken?
Ein Wochenstart
Sonne in Köln
Die Corona-Warn-App und Georg Orwell
Datenfreigabe
Gut und Böse
Das liebe Vieh. Oder doch eine himmlische Strafe?
Die Wirtschaft: Deutschlands ganzer Stolz
Disney Cat
Gin-Tasting. Oder wie man sich heutzutage begrüßt
Die Gaia-Hypothese der Selbstregulierung
Latour, frei interpretiert
Menschen & Tiere
Unbemerkte Veränderungen der Finanzen in der Pandemie
Corona und der Fehlalarm
Doch ein Killervirus?
Ein etwas anderer Corona-Fall
Krebs & Viren
Harari. Halbgötter. Und Götter
Abschiedsfahrt und Tulpen
Holländisch
Wo ist denn Ihre Maske?
Auf der Suche nach dem perfekten Ort
Vor dem Start
Jair Bolsonaro, Madonna und Verschwörungstheoretiker
Regen. Und eine Schwangerschaft
Viele Kinder
Ein Spiel für ältere Semester
Mitte 2020: die weltweite Pandemiesituation
Social Media
Geschehnisse und Einbildungen an einem Vormittag
Der Vormittag eines jungen Wilden
Ein Berg aus Zucker
Der Prozess
Männlich und weiblich
Sonnenschein & Wirtschaftssorgen
Verspätetes Glück. Die Bahn plant
Geheime Gedanken eines Arztes
Gedankenschweigen
Juli 2020, Kurzurlaub in der eigenen Stadt
Nachurlaub
Die Menschheit
Schwarze Löcher & Zeitreisen & Ende
61,23 Euro
Interview
Die Zahl in 21 Million Lights
Datenanalyse
Wie wird im 21. Jahrhundert ein Impfstoff entwickelt?
Dieter & Impfung
Flugzeuge über Deutschland
Ein durchwachsenes Weinjahr
Das Sterben der großen Vögel
Postcorona oder ein neues goldenes Zeitalter?
Deutschland erkrankt – normal
Hohe Berge & Meditation
August 2020
Trinkgeld
1.500 Höhenmeter und ein Physiker
Begegnungen
Und Jesus kam doch
Ein Paddelbot und ein Event
Ziemlich hell
Potente Prominenz
Lastenausgleich
Liquiditätsprobleme
Italien
Das berühmte Café Florian am Markusplatz
Eine kleine Trattoria
Die Pest
Yersinia pestis
Franz von Assisi
Eine gläubige Schlange
Trasimenisch
Eine E-Mail
Montepulciano
Das Ende der Wurst
Kein Geschmack mehr
Afterwork
Es spricht die deutsche Kanzlerin
Fridays for Future
Sex sells? War gestern
Praxis-Alltag im Herbst 2020 und hohe Berge
Schon wieder gefüllte Krankenhäuser
Über Sprungversuche
Ein Plan wird ignoriert
Ideenfinder
Chormusiker
China 2.0
China lädt zum Tee
Blankenese
Von Biosphären und dem Weltall
Das Raumschiff Erde bewohnbar halten
Telefonieren
Durch den Regen
22.10.2020
Start
Tiere mit Corona
Impfungen mit Problemen
Haustiere und Corona
Der Buddha an der Zapfsäule
Ganz praktische Tipps
Kurz vor Weihnachten 2020
Ein Virus menschlich gesehen
Weihnachtsevent
Eine kleine Weihnachtsgeschichte
Ein passendes Weihnachtslied
Die Sache mit Facebook, die muss doch zu klären sein, schließlich hat Michael doch nichts verbrochen. Ach so, wer sich damit nicht auskennt und bisher keine Probleme hatte: Man kann nicht ohne weiteres an Facebook eine E-Mail schreiben, geschweige denn dort anrufen. All diese Social-Media-Unternehmen haben die Philosophie, dass solche Prozesse sich von selbst beziehungsweise mittels KI, sprich künstlicher Intelligenz, regeln.
Was also tun, wenn man meint, falsch behandelt worden zu sein und niemand dafür zuständig ist. Ein Blick aus dem Fenster reicht und Michael stellt fest: Die Welt gibt es, zumal draußen die Sonne scheint. Ja, er setzt sich jetzt gleich aufs Fahrrad und wird selbst zu Facebook radeln, denn er hat den deutschen Hauptsitz des Unternehmens herausgefunden – und siehe da, der liegt nur einen Katzensprung entfernt. Also, vielleicht gibt es ja Katzen, die 300 Meter weit springen.
Innerlich hört er die Fanfaren, überlegt noch, ob er seinen Ausweis dabei hat, vielleicht muss er sich identifizieren, als der Macher einer tollen Idee, welcher Facebook gerade den Hahn abgedreht hat. Zuerst aber wirkt an diesem Tag die Stadt, das Draußen, sehr freundlich. Da ist auch schon dieses moderne Gebäude, in dem das „German Headquarter Facebook“ seinen Sitz hat.
Das Fahrrad bremst. Niemand schaut nach Michael. Extra hat er sich in einer Mischung aus seriös und Hipster gekleidet. Er fällt nicht auf, hier, neben dem gut besetzten Mittagstisch-Café. Es ist Mittagszeit und an den Bänken im Freien sitzen sie, die speisenden, hippen oder nicht hippen Medienleute. Michael schließt sein Rad ab, er schaut sich um, nach einem möglichen Mitarbeiter von Facebook sieht hier niemand aus. Aber er weiß auch nicht, wie man sich diese vorstellen kann. Auf jeden Fall dringen keine Geräuschfetzen herüber, die auf das Unternehmen schließen lassen. Und nein, auch wenn er es sich fast schon wünscht, jetzt, wo er das Fahrrad abgeschlossen hat, es schaut niemand zu ihm und genauso wenig will man ihn hier wahrnehmen, wissen, wer er ist und was sein Verstand oder seine Seele gerade beschäftien.
Noch einmal mustert er diese halbwegs kultivierten Menschen da auf den Holzbänken des Mittagstisch-Cafés. Nicht wirklich glücklich schauen sie drein. Sympathische Menschen? Keine Ahnung, zumindest sind sie fast alle über dreißig und irgendwie unter vierzig. Sie wirken gut ausgebildet und erscheinen dazu „bewusst lässig“ gepflegt.
Die Nummer stimmt, das Haus ist das richtige. Nur wo steht der Name Facebook? Keine schöne Orientierungstafel, designt in Pastellfarben, hilft dem Suchenden, geschweige denn, dass überhaupt irgendein Hinweis einen potenziellen Besucher zu einem der wichtigsten Unternehmen dieser Welt leitet. Ob damals Kanzler Schröder oder war es schon Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel oder wenigstens der Hamburger Bürgermeister zur Einweihung gekommen ist? Nein, das scheint nicht so gewesen zu sein. Man will hier keinen Besuch, erst recht keinen von echten Menschen, erst recht keinen von Prominenten. Michael fällt in die Kategorie „echter Mensch“.
Jetzt aber ist es soweit, wird diese schwarze Kiste gefunden und die Knöpfe darauf zum Drücken verstanden. Michael betätigt ohne langes Zögern den weißen Knopf neben einem kleinen Schild mit der Beschriftung „Facebook“. Dann steht er da, wartend, abwartend und nichts mehr denkend.
Manchmal ist das Schöne an der Zeit an sich, dass sie voranschreitet. Dem ist hier so, denn endlich ist Schluss mit warten und es meldet sich eine Stimme. Nicht wie erwartet, eine weibliche. Nicht wie erwartet, eine klare deutsche oder englische. Nein, es ist eine Stimme, die Deutsch mit einem starken Akzent spricht. Osteuropäisch oder asiatisch? Nun, das ist ganz genau noch nicht aus dem „Guten Tag. Was du wollen?“ herauszuhören.
Eine Sekunde vergeht und dann noch ein paar mehr. Zehn Meter entfernt sitzen die Halbhippen an Tischen und verzehren weiterhin irgendwas Halbhippes. Michael hat sich endlich gefangen, sagt seinen Namen und schiebt nach, dass er eine soziale Organisation leite. Zögern. Ja, das tut er doch auch! Oder nicht? Doch, ja! Jetzt hört er sich reden, es kann sein, dass er Englisch redet, er weiß es nicht, zumindest sagt er, dass ihm der Account gesperrt worden sei, die Sache sei sehr wichtig, daher wäre er hier.
Die Stimme, der Akzent scheint doch eher chinesisch zu sein, und nein, nicht unfreundlich, eher ungeübt, aber auch nicht richtig freundlich. Es geht der Stimme darum, keinen Ärger zu bekommen, das sagt die Stimme nicht, aber man spürt es. Die Stimme sagt, Michael „können seinen Brief in den Briefkasten werfen“. Das hat er ganz vergessen, dass er vor zwanzig Sekunden erwähnte, einen wohlformulierten Brief dabei zu haben. Danke Stimme, du bist sehr aufmerksam. Nur wo ist dieser Briefkasten und wo ist dieses Gebäude, in welchem das wichtigste Unternehmen der Welt seinen Deutschlandsitz hat? Fragen über Fragen, die er sich gar nicht mehr traut, der Stimme zu stellen. Man weiß einfach nicht, wieweit sie einen versteht.
Die Stimme sagt, dass sie die Tür öffnet. Michael geht ein paar Meter zu einer Tür, die sich nun öffnen lässt. Er betritt ein ganz normales Gebäude mit ganz normalen Briefkästen. Jener von Facebook Deutschland kommt ihm kleiner vor wie seiner eigener. Er dreht sich noch einmal um, aber kann keine Überwachungskamera entdecken. Dann lässt er seinen Brief los und die Sache ist damit „im Kasten“.
Die Erde dreht sich, die Sonne scheint wie immer durch das All und damit auch auf unseren Planeten. Und sonst? Ist am 20. Dezember 2019 alles wie immer. Chinesische Händler wie Chen Qingbo, Corona Patient Nummer 1, so recherchiert es bald schon der Chinakorrespondent des deutschen Spiegel, bauen bereits um 5 Uhr morgens ihre Marktstände auf und ähnliches geschieht ebenso auf der ganzen Welt. Gut, hier und da halt zeitversetzt.
Seit Jahrtausenden begeben sich Menschen auf Märkte. Die Sache ist einfach praktisch, man kann dort all das erwerben oder tauschen, was sich alleine weder jagen, anbauen oder herstellen lässt. Und weil dem so ist, macht sich nicht nur Chen Qingbo im fernen China, sondern eben auch Dieter im Rheinland, das liegt in Deutschland, recht früh am 20. Dezember auf, um ebenso einen Markt zu besuchen. Dies allerdings nicht als Händler, sondern als Kunde. Und sein Bruder Michael? Der geht meist nicht vor 2 Uhr nachts ins Bett und befindet sich somit gerade in einer Tiefschlafphase.
Zurück nach China auf den Huanan-Markt in der Nähe des Hauptbahnhofs von Wuhan. Hier stehen die Händler täglich und verkaufen Fische, Meeresfrüchte, Schweine und andere Haustiere bis hin zu lebendigen Vögeln, Reptilien, Amphibien oder Insekten. Und wem das nicht reicht, der findet auch ganz Exotisches wie Zibetkatzen, Sikahirsche oder sogar malaiische Schuppentiere. Letztere sind echsenartig, werden bis 40 Kilogramm schwer und existieren bereits seit 80 Millionen Jahren auf unserer Erde. Damit sind sie als Gemeinschaft etwa 79,97 Millionen Jahre länger als der Homo Sapiens auf „unserem“ Planeten. Und noch etwas: Jene malaiischen Schuppentiere werden nach wie vor als mögliche Quelle für das SARS-COV-2-Virus diskutiert.
Dieter, seines Zeichens Internist und Onkologe, weiß zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts von einem Ausbruch eines Virus im fernen Wuhan. Auch ist das Corona-Virus in Deutschland noch vollkommen unbekannt. Dafür sind ihm jedoch die rheinischen Marktstände umso bekannter, zumal es dort auch exotische Sachen gibt – wie etwa Camembert aus der Normandie, geräucherte Edelsalami mit Rotwein und Trüffeln aus Spanien bis hin zu grünen Oliven gefüllt mit Mandeln aus Griechenland. Und neben Bio-Bäckereien oder Tee-Ständen gibt es hin und wieder auch einen Marktstand mit poetischem Spielzeug.
Einmal hat Dieter da einen seltsamen Papier-Papagei Lieder singen gehört, während rotgrüne Aufziehechsen sich dazu tanzend im Kreis drehten. Solche Szenerien mag er, denn sie erinnern ihn an die eigene Kindheit und damit an das Staunen über diese Welt. Aber ein malaiisches Schuppentier oder eine rumänische Fledermaus, so etwas hat er hier noch nie gesehen. Will er auch gar nicht. Ja, was er denn eigentlich will? Nichts Besonderes, würde er auf die Frage antworten, einfach jeden Freitag auf diesen Markt kommen will er, um hier einzukaufen. Denn dieses morgendliche Herumflanieren, das ist seine ganz persönliche Meditation.
„May he live in interesting times.“ Es war Robert F. Kennedy, der das alte chinesische Sprichwort auch im Westen bekannt machte. Übersetzen muss man es nicht, sollte aber vielleicht verstehen, dass es auch als Verfluchung angesehen wird.
Also gut, das Sprichwort findet sich nicht am letzten Tag des Jahres 2019 auf der Internetseite der WHO, stattdessen war da zu diesem Zeitpunkt folgendes nachzulesen: „Am 31. Dezember 2019 wurde die WHO über Fälle von Lungenentzündung mit unbekannter Ursache in der chinesischen Stadt Wuhan informiert. Daraufhin identifizierten die chinesischen Behörden am 7. Januar 2020 als Ursache ein neuartiges Coronavirus, welches dann vorläufig als „2019-nCoV“ bezeichnet wurde.
Nun ja, der letzte Tag des Jahres ist immer ein besonderer. Man schaut etwas länger als sonst zurück wie auch intensiver nach vorne in die nahe oder weite Zukunft. Allerdings dürften weltweit die allermeisten Menschen von jener Nachricht aus China gar nichts mitbekommen haben und wenn doch, dann war es an diesem Tag nur eine Meldung von vielen. Ein Virus anzukündigen, das kann vorkommen und bedeutet erst einmal nicht den Untergang der Menschheit. Wäre dem so, dann gäbe es uns ja schon lange nicht mehr. Daneben veröffentlicht die WHO solche Meldungen zwar nicht am laufenden Band, aber doch gelegentlich. Und nur selten entsteht daraus dann wirklich „das ganz dicke Ding“.
So gesehen dürfte es irgendwo außerhalb von China ein paar Sorgenfalten mehr gegeben haben und dann war schon Silvester, flogen in Paris, New York, Berlin, Tokyo und Sydney die Sektkorken in luftige Höhen. Nur, ganz so leicht und frohsinnig ging es da schon nicht mehr in jener Stadt namens Wuhan zu. Damals kannte diese in westlichen Ländern kaum jemand, heute kennt sie weltweit jedes Kind.
Michael kann sich nur noch unpräzise an jenes Gefühl entsinnen, als er ein paar Wochen später von der Nachricht aus Wuhan bezüglich einer Epidemie aus den Radionachrichten erfuhr.
In diesem Moment erinnerte er sich an die 80er-Jahre. Damals war in einer Nachrichtensendung zu hören, dass ein gewisser Bhagwan vor AIDS warnte und seine Jünger ab sofort nur noch Sex in Ganzkörperkondomen verrichten durften. Dies sorgte für ein Lachen, denn die Sendung kam über die Lautsprecheranlage eines Reisebusses, welcher Abiturienten nach Frankreich fuhr. Es war eine Abitur-Abschlussfahrt – und ja, es war eine schöne. Michael lachte auch, aber leiser, denn er kannte diese Bhagwans von einigen Diskothekenbesuchen. Man konnte ihnen alles Mögliche vorwerfen, nur nicht, dass sie eine total verwirrte Sekte waren, sondern eben eine mit Verstand und Lebensfreude. Wenn sich also deren Anführer entschloss, ab sofort Schluss mit dem triebhaften Leben zu machen, dann hatte dies etwas zu bedeuten. Und so war es dann ja auch.
Zurück ins Jahr 2020: So ähnlich wie auf der Abschlussfahrt nach Frankreich erlebte Michael nun diese Nachricht aus China. Es klang nicht gut, nein, überhaupt nicht. Denn: Wenn sich eine noch in der weiten Ferne befindliche Krankheit epidemisch auf Menschen übertrug und dies den deutschen Nachrichten eine Meldung wert war, dann wäre es ziemlich logisch, dass wir diese Epidemie auch bald in Deutschland erwarten können. Und er dachte weiter, erkennend, dass es in Europa keinen indischen Guru gibt, der allen sagt: „Trage Ganzkörperkondome, wenn du einkaufen gehst.“ Und irgendwann dachte er nochmals weiter – an einen mittlerweile in die Jahre gekommenen Hit, mit dem einprägsamen Titel „Gekommen, um zu bleiben“. Wie ging nur die Melodie noch gleich?
Und was macht sein Bruder Dieter zu diesem winterlichen Zeitpunkt? Er durchsucht besorgt das Internet und je mehr er findet, desto ernster wirkt er. „Das sieht aber gar nicht gut aus“, murmelt er vor sich hin.
Schnell wird aus dunkler Ahnung unerwünschte Gewissheit: Da draußen, da irgendwo in den Weiten des fernen Chinas hat sich etwas zusammengebraut, etwas, was man auch einen schwarzen Schwan nennen kann. In diesem Fall heißt der Schwan „SARSCoV-2 Virus“ und die dazugehörige Krankheit nennt sich medizinisch formuliert Covid-19. Wie gesagt, oder noch nicht gesagt, der Dieter ist Onkologe. Er versteht die Informationen über besagtes Virus schnell zu werten und einzuordnen. Das macht er dann auch mehrmals und jedes Mal endet es gleich: nämlich besorgniserregend!
Aber als wissenschaftlich geschulter Mensch ist er es gewohnt, sich eine Situation genau anzuschauen. Jetzt entdeckt er in den Tiefen des Internets ein Video. Nach drei Sekunden ist er bereits elektrisiert: Es handelt sich um ein mit dem Handy erstelltes Video, welches überfüllte Krankenhausflure zeigt. Angeblich spielen sich die Szenen in Wuhan ab, einer Stadt in China. Kranke sind zu sehen, auf dem Boden liegend, an Wände gelehnt, stets den Kopf gesenkt haltend. Eine riesige Menschenschlange steht in einer anderen Sequenz vor einem Hospital.
Dazu kommentiert eine Sprecherstimme in Englisch mit chinesischem Akzent die Szenen. Demnach handelt es sich bei diesen Menschen um Corona-Opfer und deren Angehörige. Am Ende des Films ist ein überfüllter und chaotisch anmutender Krankenhausflur mit Kranken in aneinander gereihten Betten zu sehen. Aber das ist gar nicht mal das Schlimmste, sondern der Umstand, dass sich der Film am nächsten Abend nicht mehr im Internet auffinden lässt.
Da war also mehr als ein ungutes Gefühl. Vielmehr standen die Nackenhaare auf Höchststand und diese Unruhe stieg an, also diese uralte menschliche Angst vor dem Säbelzahntiger. Denn: Wenn das alles echt und halt nicht ein schlechter Scherz von chinesischen Filmstudenten war, dann müssten doch die westlichen Geheimdienste diesen Film bereits an Politiker geleitet haben. Oder etwa nicht?
Ja, das werden sie vielleicht auch getan haben, aber was sollen Politiker jetzt schon machen, außer sich zu beraten? Und was ist mit den Presseagenturen wie der stolzen DPA? Die müssten doch davon etwas mitbekommen haben und die Bürger dieser Welt jetzt anständig informieren? Oder sind auch die Kunden dieser Agentur, also die vielen Tageszeitungen und Magazine, schon so regierungsnah? So nah, dass man dort erst einmal abwartet, was Washington, Paris, Tokyo oder Berlin als westliche Doktrin herausgeben? Keine Ahnung! PR, Marketing und Propaganda stehen nicht auf dem Lehrplan eines Mediziners.
Was wir aber alle wissen, ist, wie die Geschichte weiterging: Wenige Tage später waren im deutschen Fernsehen auf allen Sendern Filmsequenzen zu sehen, auf denen Bulldozer mit dem Bau eines riesigen Krankenhauses begannen. Spätestens diese Bilder machten die aufkommende Gefahr bewusst und dass da unten am anderen Ende der Welt, in China, ein seuchenhafter Wirbelsturm ausgebrochen war, einer, der sich in kürzester Zeit über die gesamte Welt ausbreiten konnte.
Es dauerte dann auch nur noch sieben oder acht Wochen und ähnlich dramatische Bilder erreichten uns aus Italien. Das war noch einmal etwas anderes, denn das war aus deutscher Sicht der Nachbar vom Nachbarn – und somit extrem nah.
Ja, er hat eher begrenzte Fähigkeiten, zumindest aus Sicht eines Skiprofis: Dieter ist halt nicht der beste Skifahrer. Und nein, das würde er auch gar nicht von sich behaupten. Aber bei einem zweiten Blick auf seine winterliche Kunst erkennt man noch anderes, etwas, was er mit den Besten der Besten teilt: Es macht ihm einen Heidenspaß. So geschah es, wie schon oftmals traditionell zuvor, dass Dieters Familie sich im Winter 2019 gen Süden per Auto begab. Na gut, das was sich da in Marsch setzte, ist für moderne Menschen schon eher eine Großfamilie, weil Dieter zweimal geheiratet hat und somit mehrfach Vater wie auch Stiefvater ist. Diesmal hieß das winterliche Ziel Ischgl. Ja genau, jenes berühmte Ischgl, an dessen Bars man sich im Februar 2020 zu Wodka-Cola gleich den Corona-Virus mitbestellte.
In einem so großen Skigebiet war aber Dieters Reisegruppe noch nie zuvor gewesen. Macht aber nix, denn Dieter, das ist so seine Art, hatte natürlich schon für alles vorgesorgt: Ein altes, einfaches Bauernhaus war bereits preisgünstig angemietet und würde für die Unterbringung von neun Menschen in Kappel, dem Nachbarort von Ischgl, reichen.
Am Abend kommt man im Dunkeln an und die Stimmung ist bestens. Aussteigen, Arme dehnen, Beine stretchen und nicht vergessen: einatmen und ausatmen. Die Luft fühlt sich da oben in den Alpen so gesund an, meint da auch Dieters Ehefrau Maria.
Schon am nächsten Morgen beginnt der Skispaß. Genauer gesagt, geht es mit dem Wagen gen Ischgl und am dortigen Ortseingang in die Tiefgarage. Aussteigen, auspacken und los. Erst einmal zu Fuß, aber eben nicht sehr weit, denn schon steht man auf einer Rolltreppe, welche durch einen supermodernen Glasbau zur sogenannten Pardatschgratbahn führt. Das seltsame Wort lässt es nicht vermuten, aber es handelt sich hierbei um eine Kabinenbahn der Superlative. „Tolllll“, oder „Ehhh, suuuuper“ oder „Nää, entfährt es da den beeindruckten Rheinländern.
High-Tech, riesige rote Kabinen, futuristisch runde Formen – das ist Ischgl. Daneben geschieht die Fahrt fast so geräuschlos wie in einem Segelflugzeug. Neun Minuten später befindet sich die Gruppe am Ziel und damit 1.200 Meter höher. Das Begrüßungskomitee ist auch schon da: Kaiserwetter. Nein, das ist kein Dessert, sondern so nennt man hier oben den majestätischen Sonnenschein inklusive Ausblick über verschneite Alpen. Dieter überlegt noch, ob die Österreicher das auch schon können, also „so technisch am Wetter was drehen“. Und ja, auf 2.600 Meter Höhe geht der Blick tatsächlich schon mal in die Tiefe und in diesem Fall zur „Idalp“. Oder halt weiter nach oben und da wäre der „Birkelkopf “ zu nennen, ein waschechter Dreitausender.
Was man noch wissen sollte? Klar, da sind bestens präpariert die breiten Skipisten – und mit 240 Kilometern Gesamtlänge gehört das alles zur Weltspitze. Nur, das alles hat nicht die Natur oder der liebe Gott einfach so hingestellt. „Nein“, denkt Dieter, „es wirkt unnatürlich“. Aber der kleine kritische Schub an dieser „schönen neuen Welt“ ist nur eine Momentaufnahme, die sich bald aufgrund bester Pistenverhältnisse und allerschönster Abfahrten in klarer Winterluft auflöst.
Wenn es am schönsten ist, soll man gehen. Oder halt die Pardatschgratgondel nehmen, um sich abwärts tragen zu lassen. Das machen dann auch Dieter und Maria. Und die Kids? Sind genau genommen alle längst erwachsen und tummeln sich noch oben in der Bergwelt. Unten angekommen muss man nicht lange suchen, um die Schatzibar zu entdecken, zumal sich bereits am frühen Nachmittag davor ein Menschenpulk befindet. Die Stimmung ist bereits draußen ausgelassen, in der Bar möglicherweise noch etwas „heißer“. Schließlich soll es im „Schatzi“ unter anderem „Tanz oben ohne an der Stange“ geben. Stattdessen geht es aber ins jugendfreie Kitzloch. Richtig, jenes Lokal, welches in den nächsten Wochen und Monaten in Österreich und Deutschland für „die“ Verbreitung des Corona-Virus stehen wird.
Und das Gebäude selbst? Okay, es ist zugegebenermaßen mitsamt seinem Tiroler Stil wunderschön. Da ist zum einen das weiß gekalkte Parterre und darauf setzen sehr gelungen drei Stockwerke aus Holz auf. Die sich vor dem Gebäude befindliche Außenbar wird von Heizstrahlern erwärmt. Hocker und eine lange Holzbank laden zum Verweilen ein und schon wird bestellt: Aperol-Spritz. Hochpreisig. Was soll es. Macht schließlich Spaß, das Dasein hier oben an der gesunden Luft. Nebenbei ist zu erfahren, dass es drinnen Après-Ski bereits ab fünfzehn Uhr mit DJ Boris gibt. Nein, nicht der Wimbledon-Sieger. Darüber hinaus zählen seit zwanzig Jahren hier die Spareribs zu den Klassikern. Warum das jetzt wichtig ist? Gute Frage, Dieter hat es vergessen, aber er hat sich das halt gemerkt.
Er und seine Frau werden, dies sei verraten, an den nächsten drei Nachmittagen an genau der gleichen Stelle den Abend beginnen, und ja, richtig mitgedacht, dies ebenfalls mit Aperol-Spritz. So lässt es sich leben und eben auch gut warten: Also auf die eigenen Kinder, die nicht nur da oben recht sicher auf den Skiern stehen – sondern eben auch sonst im eigenen Leben.
Trotzdem, hier werden diese wieder zu jenen Jugendlichen, die sie ja auch einmal waren, und die rasen jetzt die Hänge herunter bis offiziell Pistenschluss ist. So ist die Jugend, auch die fortgeschrittene. „Gut so“, denkt sich Dieter und ordert noch eine Runde Aperol-Spritz.
Telefonieren mit dem Bruder. Es ist Ende Februar 2020, genauer gesagt der einundzwanzigste. Und ja, die Kindheit liegt lange zurück und der Kontakt war seit Jahrzehnten nicht richtig dicke. Nach einem Geplänkel über das Wetter und das Leben an sich kommt der Ältere zur Sache: Er kann nicht so gut schlafen. „Dieses Virus.“ Und ja, man müsse „was unternehmen“. Das stimmt schon, nur was? Man redet, man diskutiert. Ja, dieses „was“, das sollte etwas Gutes sein. Immerhin, da kommen Ideen und man hat ja auch Erfahrungen im Leben sammeln können.
Das vorläufige Ergebnis des einstündigen Telefonats klingt vielversprechend: Eine Internetseite, die allen von der Pandemie betroffenen Menschen in Deutschland mit Rat und Tat hilft. Es stimmt schon, also aus heutiger Sicht, knapp ein Jahr später hört sich das alles naiv an, nein, fast schon größenwahnsinnig. Eine Schnapsidee? Möglicherweise. Aber, so beteuern die beiden Brüder rückblickend, bei dem Telefonat waren sie gar nicht betrunken. Nein, weder Wein noch Bier. Und Schnaps? Nein, den trinken beide nie. So gesehen war es schon doch eine richtige Idee.
Im Kitzloch kamen dann alle Mitarbeiter nach dem 7. März in Quarantäne. Franz Hörl, der Betreiber, ließ aber nach kurzer Unterbrechung das Kitzloch mit neuer Mannschaft weiterlaufen. Zu diesem Zeitpunkt waren in China 60 Millionen Menschen in Quarantäne und diese schien erst der Anfang zu sein.
Übrigens befindet sich ganz in der Nähe des Kitzlochs ein weiteres sehr großes Lokal vom Hörl. Die Rede ist vom „Kuhstall“. Auch dieses blieb zunächst offen, solange bis es nicht mehr ging und alles behördlich geschlossen wurde. Wie sich herausstellte, waren fünfzehn Kollegen des 36-jährigen Barkeepers im Kitzloch positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Erst am 13. März 2020 wurde dann der gesamte Ort Ischgl mit allem Drum und Dran überstürzt geschlossen – und auch die bereits Infizierten schmiss man einfach raus. Nein, das war nicht unmenschlich, man ließ sie schließlich nach Hause reisen – all die Piefkes.
Ischgl ist bereits in die deutsche und österreichische Geschichte des 21. Jahrhunderts eingegangen. Sölden, der zweite Skiballermann Österreichs, kam PR-technisch besser davon. Man schloss dort zwar später, aber dafür dezenter und leiser.
Sebastian Kurz, der junge und stets geschniegelte österreichische Kanzler, äußerte sich in einem Interview im Mai 2020 zu den Vorkommnissen rund ums Kitzloch erstaunlich weise: „Mein Eindruck ist, dass dieses Blame-game, dieses sich gegenseitig beschuldigen, nichts bringt. Wenn sie in Ischgl jemanden beschuldigen „ihr seid schuld“, dann werden die wahrscheinlich zu Recht antworten, dass es in Tirol die Italiener eingeschleppt haben und die Italiener werden den Chinesen die Schuld geben“.
Übrigens gab es am 15. Mai noch eine offizielle Mitteilung der Behörden in Ischgl: Der Ort, also Ischgl, sei wieder frei vom Corona-Virus. Ja, Herrgott. Die Infizierten waren ja ausgewiesen, einige sogar bereits verstorben. Aus Ischgl selbst ist seitdem zu hören, dass man der in Sachen Viren sicherste Skiort des Landes werden will. Das ist auch wünschenswert.
Als Michael in Aachen Student war, pflegte er nachts in einem Park zu joggen. Das Problem waren die vielen Fledermäuse. Diese begleiteten ihn da immer wieder gerne und es waren sogar schon mal kleinere Gruppen. Das Gefühl war mulmig, aber das war den Tieren sicherlich egal. Diesen ging es um die Jagd nach Mücken, welche sich da nachts dem Jogger nähern wollten. Es dauerte, bis Michael das verstand, änderte aber nichts an dem unwohligen Gefühl. Gut, das ist lange her und seitdem kamen in seinem Leben Fledermäuse nicht mehr vor – auch nicht als Überträger von Covid-19. Letzteres ist aber ein Verdacht der Wissenschaft, also dass die Fledermäuse für die Verbreitung des Virus verantwortlich sind.
Andererseits nimmt das Tier kulturell eine besondere Stellung ein, da es selbst als gruselig angesehen wird. Plötzlich im neuen Jahrtausend steht die kleine Fledermaus also nicht nur im anhaltenden medialen Interesse, sondern eben auch im wissenschaftlichen. Daneben befinden wir uns auch kulturwissenschaftlich bei diesem Thema inmitten einer modernen Mythologie rund um Dracula, Vampire, Unsterblichkeit und halt die besagte Fledermaus.
Zuerst aber fällt einmal das seltsame Aussehen der Tiere auf. Dank ihrer lederartigen schwarzen Flügel erscheinen diese eher wie zu kleine, bösartige Engel. Solche nennt man landläufig auch Dämonen. Daneben ist an ihnen fast alles in Schwarz gehalten, was wiederum mit ihrer Tarnung in der Nacht und ihrem Ausruhen an geschützten Stellen wie Höhlen zu tun hat.
Wenn man so will, ist das ein uraltes „Form follows Function“, wobei die Form halt auch Farben mit einschließt. Betrachtet man diese Aspekte also genauer, dann verlieren die Tiere ihren Nimbus als sogenannte „Ausgeburten der Hölle“.
Zum Teil kamen Fledermäuse wohl zu diesem unangenehmen Ruf, weil das Dunkle für uns Menschen das Ungewisse darstellt. Wir können uns im Dunkeln nicht sicher bewegen und das macht halt Angst. Wer sich dunkel kleidet, drückt Macht über andere aus. Denn jener, der das Schwarze trägt, der beherrscht zugleich das Ungewisse an sich. Somit ist ein solcher der Mächtigere. Aber es gibt da einen banalen und recht günstigen „Zaubertrick“, um sich hier aus der dunklen Affäre zu ziehen: Man kleide sich ebenfalls in Schwarz.
Eine Vampirfledermaus? Nein, das ist keine Maus, sondern eine Fledermausgattung, die lediglich auf dem amerikanischen Kontinent vorkommt. Übrigens lautet der Fachbegriff „Desmodontinae“. Da diese Vampirfledermäuse keine Insekten fressen, verfügen sie lediglich über scharfe Vorderzähne, womit sie hervorragend die Haut ihrer Opfer durchbeißen können, um darauf deren Blut herauszusaugen. Letzteres geschieht in Maßen, weshalb so manches Opfer weiterleben kann.
Das ist dann fast schon eine gute Sache, könnte man jetzt denken. Leider ist dem nicht ganz so, denn prinzipiell tummeln sich in Fledermäusen jede Menge Viren. Oft kommt es daher vor, dass diese Krankheiten wie Tollwut übertragen. Beobachtungen dieser Art mögen auch dafür verantwortlich sein, warum der moderne Kult um Dracula und Vampire so eng mit den kleinen Flugtieren verbunden ist.
Andererseits war dies nicht immer so. Bereits die alten Ägypter versahen ihre Gräber mit Fledermausdarstellungen. Um Dämonen und böse Geister abzuwehren, war es etwas später bei den alten Römern dann Brauch, die Tiere an die Stalltüren zu nageln. Warum auch immer, dieser Brauch verschwindet mit dem Untergang des Reichs und es kommt darauf im Mittelalter zu einer Neudeutung: Ab da verkörpert in Europa die Fledermaus das Unreine oder Böse.
Ganz anders ist es bis heute in Asien, so werden die Tiere auf Bali als Gottheiten verehrt und in China stehen diese für Glück und ein langes Leben. Letzteres erklärt dann auch den Umstand ein wenig mehr, warum die glücksbesessenen Chinesen vom Handel mit und dem Verzehr von diesen Tieren nicht lassen können.
Eckhart Tolle? Wie der Name schon sagt, dieser Mann stammt aus Deutschland. Und was der Name nicht besagt? Jener Tolle lebt heute in Kanada. Hört man einen Vortrag von ihm in englischer Sprache, dann versteht man die lange Einleitung, denn das Deutsche kommt mehr als deutlich durch, besser gesagt, der Mann spricht eigentlich seine Muttersprache und übersetzt sie in der allerletzten Millisekunde gerade noch ins Englische. Wer es nicht glaubt, höre sich Vorträge von Eckhart Tolle, er ist eine Art spiritueller Lehrer, im Internet an. Berühmt wurde er übrigens durch ein Buch mit dem bestimmt nicht zufälligen Titel „Jetzt“. Denn letztlich kreist seine Lehre sehr stark um unsere Gegenwart und wie wir Menschen zu dieser stehen – also meist falsch.
Kommen wir zur Sache: Was hat uns jener Tolle zum Thema Corona zu sagen? Zuerst stellt er klar: „Wir kommentieren und bewerten ständig. Aber das, was passiert, ist erst einmal das, was passiert.“ Richtig, das hat schon wieder etwas mit dem Wort „Jetzt“ zu tun, denn würde man in der Gegenwart leben, würde man nicht ständig von dieser abweichen.
Tolle erklärt dazu, dass der Mensch ein Wesen mit viel Angst ist. Und diese entsteht, wenn wir die Gegenwart beständig mit Vergangenheit und Zukunft vermischen. Anders gesagt, wir denken uns Schreckensszenarien aus und transportieren diese über Bilder und Gedanken in die Gegenwart. Dann, inmitten von diesem „Jetzt“ erleben wir Angst und Schrecken vor etwas, das gar nicht eingetreten oder existent ist.
Aber es muss ja auch einen Ausweg geben. Tolle weist auf einen solchen in Zeiten von Corona hin und empfiehlt die klassische Achtsamkeitsmethode. Diese wurde von Buddha hinterlassen und funktioniert erstaunlich einfach: Man beobachte einfach konzentriert seinen Atem – und zähle für jedes Ein- und Ausatmen mit, bis man die Zahl 21 erreicht hat. Darauf wiederholt man das solange, wie man will. Das ist alles. Klingt erst einmal einfach, ist dann aber erstaunlich schwer. Jedoch wird es bei einiger Übung mit der Zeit einfacher. Versprochen. Ach so, diese Methode kann ein jeder ausführen, ganz egal welcher Religion er angehört und ja, auch Atheisten dürfen mitmachen.
Eckhart Tolle erklärt, dass private Krisen wie auch kollektive (wie etwa die Pandemie) dazu da sind, uns an unsere tiefen Ängste zu führen. Der Grund ist klar, wir sollen diese auflösen. Er erwähnt hierzu eine Parabel von Jesus, in der die Grundzüge eines soliden Hausbaus erläutert werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Fundament, welches möglichst direkt auf Stein gründen sollte. Jedoch, so betont Tolle in seiner Interpretation, bauen viele Menschen ihr Haus leider nicht auf festen Stein, sondern auf Sand.
Man muss nun verstehen, dass hier mit dem Haus das Leben selbst gemeint ist. Kommt es zu Stürmen, dann brechen jene auf Sand gebauten Häuser und damit das eigene Leben in sich zusammen. Wiederum ist mit dem Fundament auf festem Stein das Vertrauen in das eigene Dasein im Moment der Gegenwart gemeint. Ist dieses vorhanden, verschwindet jegliche Angst. Spätestens „jetzt“ dürfte erkennbar sein, warum Eckhart Tolle Eingang in dieses Buch gefunden hat. Der Verweis auf die Pandemie und die stürmische Unruhe, welche diese in unser Leben bringt, liegen schließlich sehr nah beieinander.
Michael machte sich in der Schule ein paar Mal einen Spickzettel. Er kann sich „nichts“ gut merken und unter Stress wird es noch schlimmer. Wiederum waren diese Zettel raffiniert, fast erinnerten sie an eine Programmiersprache. Dies aus einem originellen Grund: Nur er selbst konnte den Spickzettel lesen. Der Witz war tatsächlich der, dass er die meisten Wörter einfach mit Anfangsbuchstaben schrieb und nicht mehr. Wenn er die einzelnen Buchstaben dann las, erinnerte er sich an alles Weitere und das war der Sinn des Spickzettels. Ja, so kommt man auch durch das Leben. Fast schon so wie die US-Amerikaner, denn diese lieben ebenfalls sprachliche Abkürzungen. Zum Beispiel spricht man dort zumeist von Cov-19 oder ähnlich.
In Deutschland wiederum hat man gerne eingängige Namen – und daher sagt man hier zur SARS-CoV-2-Pandemie einfach nur Corona. Nur fachlich richtig ist das nicht. Daher hier einmal die offizielle Erklärung der korrekten Benennungen: Die Lungenkrankheit, welche das neue Corona-Virus (SARS-CoV-2) auslöst, wird zunächst „Covid-19“ genannt. Der Name setzt sich zusammen aus „CO“ für „Corona“, „VI“ für „Virus“ und „D“ für „disease“, also dem englischen Wort für Krankheit. Wiederum steht die Ziffer 19 für das Jahr, in welchem die Krankheit ausgebrochen ist – daher 2019. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang der Hinweis interessant, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verantwortlich für die Vergabe von Krankheitsnamen ist und so geschah dies dann auch im Fall Covid-19.
Aber Achtung: Bis hierhin haben wir lediglich den Namen der Krankheit besprochen. Der Auslöser von dieser, das neue Virus, trägt den offiziellen Namen „Sars-CoV-2“. Es gehört zur Familie der Corona-Viren, die schon seit den 1960er Jahren bekannt sind. Daher hieß es anfangs auch in den Nachrichten das „neue“ oder „neuartige“ Corona-Virus.
Dieses neue Corona-Virus ist eng mit dem Sars-Corona-Virus verwandt, das in den Jahren 2002 und 2003 in Erscheinung trat und an dem mehrere Hundert Menschen verstarben. SARS steht als Abkürzung für „Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom“. Und noch etwas: Die Richtlinien zur Vergabe von Namen für Viren kommen vom International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV). Zu Deutsch bedeutet letzteres in etwa: internationales Komitee für die Taxonomie von Viren.
Und die Biermarke Corona? Nun ja, hinter dieser steht die mexikanische Brauerei AB InBev, welche das Bier namens Corona in 180 Ländern anbietet. Es handelt sich um eines der umsatzstärksten Biere der Welt. Tatsächlich leidet der betreffende Umsatz seit der Pandemie. Nach Umfragen von Mitte 2020 meiden dieses Getränk zunehmend mehr Menschen.
Kommen wir zurück zu den Fledermäusen, genauer gesagt zu den Hufeisennasen. Denn in diesen Fledertieren, aus einer Höhle 900 Kilometer entfernt von Wuhan stammend, soll im Oktober 2019 das SARS-CoV-2 Virus von chinesischen Wissenschaftlern nachgewiesen worden sein. Genauere Erbgutvergleiche zeigten die nahe Verwandtschaft des neuen Virus mit jenem aus der Fledermaus. Dem muss man noch hinzufügen, dass bei natürlichen Mutationswegen dieser mögliche Vorläufer noch Hunderte von Mutationen durchlaufen müsste, bis er dann SARS-CoV-2 Virus genannt werden könnte.
Es mag überraschen, aber Fledermäuse sind von Virologen sehr gründlich untersuchte Wildtiere. Dies liegt nicht am anhaltenden Vampir-Kult der jüngeren Vergangenheit, sondern an den medizinischen Vorkommnissen: Die Tiere tragen ein großes Reservoir an Viren in sich und sind damit für Wissenschaftler eine wahre Fundgrube. Dabei fasziniert die Fachwelt unter anderem ihr besonders gut funktionierendes Immunsystem. Dieses hat sich wiederum über die letzten 50 Millionen Jahre und damit seit Anbeginn der Existenz von Fledermäusen den jeweiligen „viralen Herausforderungen“ hervorragend angepasst.
Auch zeigen Computermodelle über das besagte Immunsystem der Tiere bei sehr hoher Viruslast einen bestens funktionierenden Schutz. In den Tieren wird von körpereigenen Immunzellen ein sogenanntes Alpha-Interferon gebildet, dieses hemmt die Virusvermehrung, aktiviert das weitere Immunsystem und ist kontinuierlich an der Kontrolle der Viren beteiligt. Und jetzt sind wir an einen wichtigen Punkt angelangt: Eben dieses Interferon erzeugt in der Fledermaus definitiv keine solch starke Entzündungsreaktion wie bei anderen Tieren – eingeschlossen uns Menschen. Möglicherweise ist also die hohe Interferonmenge das Geheimnis für den guten Virusschutz der Fledertiere.
Und noch etwas: Auch Kinder weisen einen verhältnismäßig hohen Interferonspiegel auf und damit einen höheren Infektionsschutz. Dies könnte auch einer der Gründe sein, warum sich unsere Kleinsten mit SARS-CoV-2 seltener infizieren und selbst bei einer Infektion oftmals asymptomatisch bleiben.
Schön und gut, aber was ist nun mit uns Erwachsenen? Der ausgewachsene Mensch verfügt über hohe Mengen an sogenannten Gedächtniszellen, das sind spezielle T-Lymphozyten. Diese können noch nach vielen Jahren ein bestimmtes Antigen wie etwa einen Virus wiedererkennen. Anders gesagt: Die Immunabwehr eines Erwachsenen setzt nicht so sehr auf Flexibilität, sondern auf bereits erlangte Anlagen, was letztlich auch effizient ist. Dieser Umstand erklärt auch, warum es Kinder so viel leichter mit SARS-CoV-2 aufnehmen können als etwa ihre Eltern und Großeltern.
Viren sind keine Bakterien. Ein gravierender Unterschied besteht bereits aufgrund der Größe, denn Bakterien haben einen Durchmesser von bis zu einem Mikrometer. Damit sind diese durchschnittlich bis zu hundert Mal größer als Viren, welche eine Größe von 20 bis 300 Nanometer aufweisen. Auch kann man unter einem Lichtmikroskop Bakterien noch gut erkennen, während man für Viren schon ein modernes Elektronenmikroskop benötigt.
Nur damit es hier einmal gesagt ist: Influenzaviren können eine Größe von bis zu 120 Nanometer aufweisen und für Coronaviren gilt eine Größe von bis zu 160 Nanometer. Daneben fliegen die Viren gar nicht vereinzelt durch die Luft, sondern sind in größere Tröpfchen eingeschlossen, deren Namen mittlerweile jeder schon einmal gehört hat: Die Rede ist von den sogenannten Aerosolen.
Und noch etwas: In einem menschlichen Atemzug können 1.000 bis 50.000 von besagten Tröpfchen enthalten sein. Daneben gibt es noch ein einfacheres Bild bezüglich dieser Viren, wonach alle SARS-CoV-2-Viren dieser Welt, Stand Februar 2021, in eine Colabüchse passen.