Uneigentlichkeit - Paul Sailer-Wlasits - E-Book

Uneigentlichkeit E-Book

Paul Sailer-Wlasits

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Beschreibung

Uneigentlichkeit ist nicht Inhalt, sondern Form des sich vollziehenden dritten Jahrtausends. Wie ein unsichtbarer Bedeutungsraum, der sich über ein Territorium spannt. Quer über die Fläche hinweg sind zahlreiche Begrenzungspunkte miteinander verbunden. Nahe der Schnittpunkte dieser Verbindungslinien entfaltet sich die Uneigentlichkeit. Sie gründet in der Eigenart der sich ständig aufs Neue konstituierenden Relationen. In der gegenwärtigen Welt drohen geistesgeschichtliche Spuren verloren zu gehen. Als Fährten stellen diese besondere Formen des Sichtbarmachens und des Verweisens dar, da sie sowohl zu einem Ursprung zurück, als auch von dieser Anfängnis emporführen. Derjenige, der vom Anfang weiß, kann Zeugnis ablegen. Doch ein aus Zeugnissen gewonnenes Wissen ist uneigentlich, es ist nicht durch autonomes Denken zustande gekommen, sondern verkörpert Wissen durch die Worte anderer. Vor diesem Hintergrund wird das Geheimnis des Ursprungs einer neuen Lektüre unterzogen und im Kontext des Spurenhaften und Auratischen diskutiert. In seinem philosophischen Essay lotet der Autor zahlreiche Grenzen zwischen Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit aus. Jene der Parrhesia, des Wahrsprechens, und jene der Parerga, der begrenzenden Rahmen. Grenzen sind als Phänomene uneigentlich, weder Teil des einen noch des anderen, wie flüchtige Un-Orte zwischen Stillstand und Geschwindigkeit.

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Seitenzahl: 197

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Paul Sailer-Wlasits

Uneigentlichkeit

Paul Sailer-Wlasits, geboren 1964, ist Sprachphilosoph und Politikwissenschaftler in Wien. Forschungsgebiete: Sprachphilosophie, Hermeneutik, Metaphorologie, Diskursanalyse, Ästhetik, Philosophie der Mythologie und vorsokratische Philosophie. Monografien: Minimale Moral. Streitschrift zu Politik, Gesellschaft und Sprache (2016). Verbalradikalismus. Kritische Geistesgeschichte eines soziopolitisch-sprachphilosophischen Phänomens (2012). Hermeneutik des Mythos. Philosophie der Mythologie zwischen Logos und Lexis (2007). Die Rückseite der Sprache. Philosophie der Metapher (2003).

Paul Sailer-Wlasits

Uneigentlichkeit

Philosophische Besichtigungen zwischen Metapher, Zeugenschaft und Wahrsprechen

Ein Essay

Königshausen & Neumann

Für David

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 2020

Gedruckt auf säurefreiem, alterungsbeständigem Papier

Umschlag: skh-softics / coverart

Alle Rechte vorbehalten

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Printed in Germany

ISBN 978-3-8260-8040-1

www.koenigshausen-neumann.de

www.libri.de

www.buchhandel.de

www.buchkatalog.de

Inhaltsverzeichnis

Vorrede

1. Spurenlesen: Der drohende Verlust des Ursprungs

2. Zeugenschaft: Das Vertrauen in die Worte anderer

3. Wahrsprechen: Parrhesia, Rhetorik und Metaphorik

4. Grenzen: Zur Phänomenologie der Parergonalität

5. Anbruch: Zwischen Stillstand und Geschwindigkeit

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Personenindex

Vorrede

Uneigentlichkeit entzieht sich ebenso wie das Wahrsprechen und die Zeugenschaft einer einfachen Definition. Anhand verschiedener Phänomene und Gegenstände wird die Uneigentlichkeit umkreist, um diese freizulegen und entstehen zu lassen, wie einen Differenzbestand des Sagens. Uneigentlichkeit ist als eine Art Territorium vorstellbar, dessen Fläche begrenzt, sichtbar abgesteckt ist. Die jeweiligen Begrenzungspunkte sind quer über die Fläche hinweg miteinander verbunden und entsprechen jeweils Bedrängnissen der uns umgebenden Lebenswirklichkeit. An den Schnittpunkten der Verbindungslinien entsteht Uneigentlichkeit. Diese ist jedoch nicht als Punkt oder Schnittfläche vorzustellen, sondern als Funktion des Verbundenseins jener Linien, die fortlaufend zutage treten und sich ständig aufs Neue konstituieren.

Um die Uneigentlichkeit zu erkunden, erfolgt auf diesem Territorium der erste Hinblick auf die Spur, auf das Suchen nach Verbindungslinien. Fährten und Spuren in die Vergangenheit versprechen Halt, indem sie Sicherheit hinsichtlich des Ursprünglichen vermitteln, wie Zeugen, die von einem Anfang und einer Herkunft berichten. In der unaufhaltsamen Beschleunigung der Welt zu Beginn des dritten Jahrtausends drohen diese außergewöhnlichen Verbindungslinien zum Ursprung verloren zu gehen. Spuren stellen besondere Arten des Verweisens dar, wertvolle, seltener werdende Formen des Sichtbarmachens. Sie führen zu einem Ursprung zurück und weisen gleichzeitig den Weg von diesem empor in unsere Gegenwart. Das Geheimnisvolle des Ursprungs, dessen Ferne und Einzigartigkeit ist daher auch im Kontext der Aura und des Auratischen einer neuen Lektüre zu unterziehen.

Spuren nehmen ihren Ausgang von einem Anbeginn, der stets wesentlich mehr enthält, als bloß temporäres Beginnen. Daher sind Spuren in ihrem Fortgang entlang von Verläufen zu profilieren, in deren Verzweigungen jedoch immer wieder die Gefahr droht, dass ihre Verbindungslinien verwischt oder ausgelöscht werden. Ihr Verweisen endet in solchen Fällen, sodass Bezugnahmen auf Abwesendes nicht mehr erfolgen können, um in eine vorstellende Gegenwart geholt zu werden. Das Festhalten an Spuren, deren Nicht-Verwischen verleiht Sicherheit, da es einer gefährlichen Leerstelle, einem drohenden Verlust des Ursprungs entgegenwirkt. Vielfach können die stabilen Rückbindungen an die Anfängnis, jene teils unermesslichen Abstände, mittels Narrationen von hoher ikonischer Haltbarkeit überbrückt werden. Auf letzteren gründet das Zeugnis.

Derjenige, der vom Anfang weiß, kann Zeugnis ablegen. Die Aussagen von Zeugen sind stets deren Wissen, das wir im Annehmen zu unserem eigenen Wissen transformieren. Um Zeugenwissen annehmen zu können, müssen wir den Zeugen Vertrauen entgegenbringen. Im Schenken von Vertrauen, einer Vorleistung, die wir dialogisch und vielfach auch unsprachlich erbringen, erachten wir die Zeugen als jene, die Wahres mitteilen. Jene Wahrheit, von der wir, ohne „dabei gewesen“ zu sein, beipflichten können. Zeugnisse ermöglichen, dass Vergangenes beliebig oft rekonstruiert und zu einem annehmbaren Wissensbestand werden kann. Zeugenschaft besitzt höheres Gewicht und enthält wesentlich mehr Substanz als Botenberichte, denn Botschafter überbringen die Kunde von Dritten. Durch den Zeugen jedoch sind Inhalte hindurchgegangen.

Dennoch stellt Zeugniswissen uneigentliches Wissen dar, da es nicht Kraft unseres eigenen Denkens zustande gekommen ist, sondern auf Erkenntnissen anderer beruht. Die meisten unserer historisch gewachsenen Wissensbestände basieren auf Quellen, die als verlässliche Erkenntnisquellen anerkannt sind, obwohl wir den größten Teil des übernommenen Wissens weder einzeln noch im Detail überprüft haben, und auch kaum Aussicht besteht, diesen jemals zur Gänze prüfen zu können. In diesem Zwischenraum spannt sich Uneigentlichkeit auf, als Differenzbestand zwischen Wissen und wahrer Meinung, zwischen Erkenntnis und Erfahrung, zwischen Wahrheit und dem Fürwahrhalten sowie der Annahme von Bezeugtem. In Zeiten der digitalen Beschleunigung, der Technisierung und Ökonomisierung von Gewissheitsansprüchen prallen diese Verhältnisse aneinander.

Die Gefahr wächst, dass zeugenloses, digital austauschbares Ereignen auf dem Vormarsch sein könnte. Der Uneigentlichkeit entgegenwirkend wird das fatale, finale und auch irreversible Szenario einer vollständigen Abwesenheit von Zeugen diskutiert, als Bedrohung, die aus dem Abwesen moralischer Zeugenschaft erwächst. Im Sprechakt des Bezeugens liegt jene Verantwortung, die für die prekär werdenden Bereiche wachsender ubiquitärer Verfügbarkeit von Information von höchster Relevanz ist. Aus diesem Kontinuum ist auch künftig die Kulturgeschichte zu speisen, damit nicht die Uneigentlichkeit raumgreifend wird, sondern der Wert des Bezeugens, der in seinem Versprechen liegt, nicht untergeht. Sämtliche der in der Gegenwart entstehenden Zeugnisse werden einst als spurenartige Verbindungslinien in die Vergangenheit reichen, wie Rückbindungen an ein längst vorübergegangenes je eigenes Dasein.

Die gegenwärtige Erkenntnispraxis wird vor dem Hintergrund der philosophischen testimony-Debatte analysiert, einem Diskurs, der vielgestaltig und von schier unüberbrückbaren kulturellen Bruchlinien durchzogen ist. Positionen Zeugnis Gebender und Empfangender stehen einander vor dem Hintergrund der Gleichberechtigung von Mitteilungen gegenüber. Zwischen Ursprüngen, Glaubensbezeugungen und Sprechakten spannen sich die sprachlichen Bedeutungsräume auf. Die Betroffenheit durch Zeugnisse Überlebender und die Angst vor einer zunehmenden Abwesenheit von Zeugen erhöhen die Bedeutung von Spuren. Fragestellungen im Nahebereich von Selbstmitteilungen und Gewissheitsforderungen stehen in Verhältnissen des Verbundenseins zueinander, in einer Gegenwart, die uns alle zu Zeugen macht.

Das Wahrsprechen, die Parrhesie, stellt jenes sprachliche Nachleuchten dar, das sich im Diskurs zur Wahrheit verdichtet. In Zeiten zunehmender Erosion von Bedeutung und vermehrtem rhetorischem Austausch des Inhalts durch die Form wird das Wahrsprechen wieder überlebenswichtig. Parrhesie ist ein vielgestaltiger Begriff, der an kulturellen Sprachgrenzen beheimatet ist, zwischen free speech und franc-parler, zwischen ungezügelter Redefreiheit und der Begnügungstendenz respektvollen Insinuierens. Im Aufstehen der antiken Demokratie und der damit verbundenen Umverteilung von Macht gelangten Bezeichnungen im Umfeld des Begriffes Gleichheit sprachlich in Umlauf. Das freie Sprechen unter Gleichen, als Möglichkeit zu freier Rede, ebenso wie das auf den offenen Diskurs ausgerichtete Wahrsprechen.

Parrhesía, das freie, zwanglose, offene Wort, siedelt auch gegenwärtig in einem Bereich, in dem die Grenzen zum Anderen vielfach berührt, übertreten und eingerissen werden. Doch darüber hinaus stellt das Wahrsprechen auch sicher, dass zwischen den Sprechenden und Hörenden ein Verhältnis des Vertrauens entsteht. Nicht nur in der Antike, sondern auch für die Gegenwart bietet die Parrhesie daher eine Grundlage dafür, dass in einem gesellschaftlichen Klima des Vertrauens theoretisch jegliche Form der Gewaltherrschaft verhindert werden kann. Mit diesem Ansatz gerät das offene Wort des Wahrsprechens jedoch auf Kollisionskurs mit der uneigentlichen Redeweise. Die Parrhesie befindet sich seit der Antike auf sprachlichem Kampfboden, in offener Gegnerschaft zur Rhetorik und deren sprachlicher Macht. Um den verbalen Bereich des Uneigentlichen auszuloten, wird das Wahrsprechen der Rhetorik als zweckorientierter Sprachgewalt gegenübergestellt. Trotz aller ihrer Beteuerungen war und bleibt die Rhetorik selten der Wahrheit, häufig jedoch dem Glaubenerwecken verpflichtet. Der Wahrscheinlichkeit nachspürend wird die Parrhesie auch mit der Metapher kontrastiert, jenem seit der Antike diskutierten Umgang mit uneigentlichen Bedeutungen.

In Uneigentlichkeit verstrickt, zwischen dem offenen Wort und dem Sagen von Wahrem oszillierend, verkündeten die in der Geschichte allgegenwärtigen Seher oftmals Verheißungsvolles. Als Wahrsager sprachen diese jedoch auch Warnungen aus, angesiedelt zwischen Metaphorik, Rhetorik und Wahrheit. Sie sprachen nicht nur hinsichtlich der Vergangenheit wahr, sondern auch im Bezug auf die herannahende Zukunft, denn sie besaßen dazu sowohl die gesellschaftliche Legitimation als auch die Verpflichtung. Im gegenwärtigen soziopolitischen Kontext hat sich die Metapher im textuellen Spielraum zwischen Wahrheit und Lüge eingenistet. Einerseits als verführerisches Agens des Uneigentlichen an der Rede, andererseits, um als Bindeglied die unüberbrückbare Differenz zwischen Gesagtem und Gemeintem provisorisch zu kitten.

Wahrsprechen ist auch jenes offene Wort, das von Rhetorik befreit, eine unversehrte Redeweise darstellt und Mitteilungen hinsichtlich des Eigentlichen und Unverborgenen beinhaltet. In Verbindung mit Anerkennung rückt die Parrhesie damit näher an die Wahrheit heran und kann, mit gewissen Vorbehalten hinsichtlich der Angemessenheit des Ausdrucks, zu den Voraussetzungen des Zustandekommens von Zeugenschaft gezählt werden. Dichtung und Malerei liefern Beispiele dafür, wie durch Sprache und Bildtexte Künstler zu wahrsprechenden Zeugen jener Daseinsschau werden, die Menschen umgibt und besorgt.

Auf den Spuren des Vergangenen wandeln im vorliegenden Essay nicht nur Künstler, sondern auch der Typus des Flaneurs. Diese Figur des beobachtenden Stadtästhetikers, der zwischen Zeugen und Boten oszilliert, ist mit hoher „Ursprungsverlust-Kompensationskompetenz“ ausgestattet. Als Wahrsprechender hinsichtlich des Vergangenen tritt der Flaneur in unterschiedlichem Kontext auf und fügt zu Parrhesie und Zeugenschaft exquisite Beobachtungen, exaltierte Reflexionen sowie verzierungsartige, nicht alltägliche Aspekte des Visuellen hinzu.

Zierrat, Beiwerk, Bildrahmen und rhetorische Verzierungen, Parerga genannt, besitzen wichtige Funktionen. Obwohl sie in der Wahrnehmung der Besucher von Gemäldegalerien oftmals in die Uneigentlichkeit herabsinken, sind sie als Träger der Bilder und in ihrer Bestimmung des Begrenzens von Bildinhalten anerkannt, nicht marginalisiert. Bildrahmen grenzen Gemälde ein und nach außen ab, ebenso wie sie einen Abstand setzen zwischen dem Bildtext des Malers und dessen interpretierende Lektüre durch den Betrachter. Doch Grenzen sind auch materielle Kennzeichnungen der Ein- und Umgrenzung, des Ausgrenzens, sie markieren Ränder und Enden. Sie sind geologisch vorhandene oder künstlich gezogene Trennlinien und können sowohl defensive als auch offensive Ausrichtungen besitzen. Phänomene wie Freiheit gründen auf der Überwindung von Barrieren. Dennoch bleiben Begrenzungen vielfach bestehen, sichtbare und auch unsichtbare, wie jene zwischen sozialen Gruppen. Grenzen sind auch flüchtige Punkte der Übergabe, doch häufig sind sie uneigentlich, weder Teil des einen noch des anderen, ähnlich wie das zwischen Demarkationslinien liegende Niemandsland.

Räumlich fassbaren Grenzmauern stehen zahllose uneigentliche Trennlinien, Nicht-Orte des Begrenzens, gegenüber. Vorstellungen von Unbegrenztem, welches in seiner verheißungsvollen Grenzenlosigkeit unmittelbar hinter dem Limes beginnt, wechseln ab mit der antiken Vorstellung, dass Grenzen nicht jenes sind, wo etwas endet, sondern woher etwas beginnt. Die Ursprünglichkeit des Anbeginns, von dem aus ein Fortgang erfolgt, zählt zu den schwierig fassbaren Grenzbereichen. Auch die Gegenwart als verbindende und gleichzeitig trennende Grenzlinie zwischen Vergangenheit und Zukunft zählt zu jenen Phänomenen, die schwierig zu lokalisierende Grenzverläufe sind. Wie unörtliche, ausdehnungslose Zeitspannen fallen diese Trennlinien innerhalb eines Kontinuums deckungsgleich ineinander. Barrieren und Schranken sind allgegenwärtig, daher sind die Übergänge von einem Territorium zum nächsten und von einem Zustand zum jeweils anderen von eminenter Bedeutung. Jenseits der sichtbaren und vielfach unsichtbaren Grenzzäune sind oftmals wertvolle Gegenorte auffindbar.

Prozesse des gestatteten Übertretens von Grenzen und Schwellen wurden im Laufe des Zivilisationsprozesses nicht beseitigt, sondern nur transformiert. Gegenwärtig werden digitale Zugänge erteilt und führen zeremoniell an Zentren heran. Doch scharfe soziale Kanten von access trennen künftig Inneres vom marginalisierten Außerhalb, dessen Chancen im Abseits limitiert bleiben. Grenzen verlaufen auch entlang der Innen- und Außenwahrnehmung. Zwischen dem sinnerfüllten Selbst und der dieses in Sorge versetzenden Lebenswelt, jener Umgebung, zu der sich der Mensch stets als das Andere verhalten und in Bezug setzen muss. Die Etymologie des Grenzbegriffes verweist auf zahllose Frontstellungen und errichtete Befestigungswälle. Deren Bedeutung und physische Präsenz sind vielfach geschwunden, deren Wirkung als transparente Trennwände, als gläserne Decken, blieb hingegen unerbittlich.

Als Phänomen des Abgrenzens nach innen und gegen ein Außen haftet Grenzen Uneigentlichkeit an. Oftmals weder Teil des einen noch des anderen, ergeben sie sich als Folge aufeinandertreffender Enden, an die Menschen plötzlich stoßen. Als Phänomen bleibt das unörtliche Ausgrenzen sowohl körperlich, als auch zeitlich flüchtig. Es oszilliert zwischen Stillstand und Geschwindigkeit. Wie ein verklingender Ton, der vom retentionalen Immernoch in sein erinnertes Nicht-mehr herabsinkt. Wie ein Unterbrechen von Spuren, aufgrund dessen die Verbindungslinien zur Anfängnis leichtfertig riskiert werden. Spuren sind nicht nur Zeichen, die auf Vorübergegangenes verweisen, sondern werden selbst zu Übergängen und Passagen, zu konkreten Fährten und Pfaden, die ein Hinübergehen als Überschreiten von Zeithorizonten sicherstellen.

Uneigentlichkeit ist kein Inhalt, sondern die Form des sich vollziehenden dritten Jahrtausends. Paradigmenwechsel zogen im Laufe der Weltgeschichte stets eine Zunahme von Geschwindigkeit nach sich. Der gegenwärtig im Entstehen begriffene digitale Veränderungsprozess und die exorbitante Zunahme von technologischer und ökonomischer Geschwindigkeit sind mit politischer Macht verknüpft. Diese Beschleunigung erfordert aller Voraussicht nach umfassendste Anpassungsleistungen und eine nahezu vollständige Selbstüberantwortung des Individuums an die Veränderung. Die Beseitigung räumlicher und zeitlicher Distanzen durch die Zunahme von Geschwindigkeit ist nur ein Mittel zum Zweck. Ein Nebenprodukt auf dem Weg disproportionaler Beschleunigung mit dem Ziel ubiquitäre Verfügbarkeit von Information in realtime zu erzwingen. Die Verkürzung der Zeithorizonte, die Konditionierung großer Bevölkerungsteile auf immer kürzere time-frames stellt kein Phänomen dar, sondern ist Symptom jener globalen Geschwindigkeitszunahme, die sich weitgehend unbegleitet, ungehindert und ohne nennenswerte ethische Rahmenbedingungen weiter fortsetzt.

Dieser Paradigmenwechsel zwischen Stillstand und Raserei könnte fortschreiten, bis kulturelle Differenziertheit kein anerkanntes Ziel mehr darstellt, sondern nur noch als Behinderung des raschen digitalen Vorankommens wahrgenommen wird. Hochgradig konformes Verhalten in der digitalen Welt könnte zu einem gesellschaftlichen Wert umcodiert und durch Geschwindigkeit im digitalen Vorwärtskommen belohnt werden. Die Verkürzung der time-frames birgt überdies die Gefahr, dass sich Menschen aufgrund ihres zunehmend in realtime ablaufenden Lebens künftig noch weitaus mehr in die Sklaverei des Jetzt begeben. Uneigentlichkeit als Form des dritten Jahrtausends wird sich im Unterschied zur kopernikanischen Wende nahezu unsichtbar, schleichend und unentrinnbar vollziehen. Spuren drohen in der digitalisierten Informationswelt verloren zu gehen, milliardenfach überschrieben und zu beliebigen Anfängen degradiert zu werden.

Das menschliche Leben droht künftig im Dazwischen zu verlaufen, in einem schmalen Grenzstreifen zwischen Stillstand und Geschwindigkeit. Durch die Beschleunigung werden Distanzen annulliert, doch durch die Verringerung des Abstandes entsteht keine Nähe. Der Uneigentlichkeit ist nicht mit Furcht zu begegnen. Denn das Fürchten ist stets auf innerweltlich Konkretes gerichtet, das uns Furcht bereitet. Uneigentlichkeit sollte hingegen ängstigen, denn sie rekurriert auf jenes Unbestimmte, das uns in unserer Lebenswirklichkeit besorgt. Uneigentlichkeit wird sich der Menschen bemächtigen, nur wenige werden der Entindividualisierung widerstehen.

An die Verbleibenden!

Wien, im Herbst 2019P.S.-W.

1. Spurenlesen:Der drohende Verlust des Ursprungs

„Jedem Worte klingt

Der Ursprung nach, wo es sich her bedingt.“1

Goethe

Sobald das Ursprüngliche zur Sprache gelangt, beginnt der Sprechende Schutz bei Metaphern zu suchen. Die Bedeutung des als Ursprung Bezeichneten entzieht sich zunächst jeglichem verbalen Zugriff. Die vermeintliche Ein- Deutigkeit wird brüchig und muss stets aufs Neue eingeholt und sprachlich behutsam umgrenzt werden, um nicht durch vorschnelle Grenzziehungen eine Schmälerung seines unvergleichlichen, einmaligen Bedeutungsfeldes zu erfahren. Der Ursprung nimmt als Phänomen eine ausgezeichnete Position ein, er ist als Beginn einer Abfolge unvergleichbar, ein einzigartiger Anfang. Sowohl der Zeitpunkt, als auch das Wie des Ursprungs erscheinen gleichermaßen fern, kaum erreichbar zu sein. Demgemäß bezieht sich das Denken sowohl auf den Inhalt als auch auf die Form der Genese, auf die Art und Weise des anfänglichen Anhebens, dem Aspekte des zeitlich konnotierenden Vorstellens innewohnen. Das Ursprüngliche ist als erstes Einsetzen dessen denkbar, von dem sich alles Weitere herschreibt, gleichzeitig jedoch auch als das Wie des Anbeginns, auf das sich alles Erinnern bezieht.2 Die Retrospektion als erinnernde Bezugnahme ist stets von besonderer Art, denn das Rekurrieren erfolgt entlang von Spuren, die sich der Anfänglichkeit des Ursprungs nähern, um an das Beginnen heranzureichen und dieses sogar zu berühren. Spuren sind in einem solchen Kontext von eminentem Wert, denn ohne diese droht die Fühlung zum Ursprung verloren zu gehen, das autonome Wissen um die je eigene Herkunft in Gefahr zu geraten. Physischen Fährten gleich repräsentieren Spuren jene Verbindungslinien, die sicherstellen, dass ein tragfähiges Bewusstsein individueller Identität bestehen bleibt. Sie versichern und bezeugen, dass ein Anbeginn statthatte und nicht immerzu neue Gründungen unablässig Anfang mit Anfang überschrieben.

Vita brevis – Gespräche in Saïs

Das Leben ist kurz, verglichen mit den langen Zeiträumen, welche der Rückblick durchmisst. Kritias, der gleichnamige Großvater des platonischen Kritias – aus dessen Dialog Timaios – erzählte als Greis von nahezu 90 Jahren seinem erst zehnjährigen Enkel von einem solchen anfänglichen Anfang. In seinen Ausführungen erinnerte der hochbejahrte Kritias an seinen eigenen Vater, Dropides, den Urgroßvater des platonischen Kritias. Letzterer war ein Freund Solons gewesen, jenes frühen gesellschaftsphilosophischen Staatsmannes und antiken Berichten zufolge bedeutendsten der Sieben Weisen Griechenlands. Solon erzählte dereinst von einer seiner Begegnungen mit ägyptischen Priestern, in der Stadt Saïs im damaligen Nildelta. Seine Gespräche mit den Geistlichen hatten unter anderem die ältesten Zeiten zum Inhalt, waren doch beide Städte, Saïs und Athen, den Mythen zufolge Gründungen derselben Göttin Neïth, die den griechischen Namen Athene trug.3

In ihrem Gespräch über den Ursprung und die ferne Geschichte entdeckte Solon, dass er im Vergleich zu den ägyptischen Priestern nur fragmentarische Kenntnisse hinsichtlich der eigenen griechischen historischen und kulturgeschichtlichen Ursprünge besaß. Die Ägypter konnten hingegen auf schriftliche Zeugnisse Bezug nehmen und ohne Schwierigkeiten – entlang von Spuren, gleichsam mit sicherem Geleit – zu den weit zurückliegenden Anfängen schreiten; nicht nur zu deren eigenen, sondern auch zu jenen der Hellenen. Die Griechen hingegen wären gezwungen gewesen, so der Befund der Ägypter, die Lücken in ihrem Geschichtswissen mit Narrationen zu füllen, um die Leerstellen zu vervollständigen. Kriege und Naturkatastrophen hätten die Spuren in die Vergangenheit vielfach unterbrochen. Mythen müssten daher den Griechen als Substitute für beschädigte Spuren dienen; als Narrationen, die eine durchgängige Erzählung von den Ursprüngen her, und sohin die je eigene Identität reproduzierend, sicherstellen sollten. Einer der hochbetagten ägyptischen Priester meinte, an Solon gewandt:

„Solon, Solon, ihr Hellenen bleibt doch immer Kinder, ... ihr seid alle jung an Geiste, denn ihr tragt in ihm keine Anschauung, welche aus alter Überlieferung stammt, und kein mit der Zeit ergrautes Wissen. ... Zahlreich und mannigfaltiger Art sind die vernichtenden Verheerungen, die über das Menschengeschlecht hereingebrochen sind und hereinbrechen werden, die gewaltigsten durch Feuer und Wasser, andere geringere durch tausenderlei andere Ursachen.“4

Kaum sei die hellenische Kultur bis zur Herausbildung des Schriftwesens emporentwickelt worden, so der Ägypter zu Solon, sei jedes Mal aufs Neue eine Katastrophe hereingebrochen und hätte meist nur jene Robusten überleben lassen, die von Bildung und Schriftwesen keine Ahnung gehabt hätten:

„So kommt es, dass ihr immer wieder gleichsam von Neuem jung werdet, ohne jede Kunde von dem, was sich in alten Zeiten, sei es hier bei uns oder sei es bei euch ereignet hat.“5

Zahllose versehrte und unterbrochene, jedoch auch unbeschädigte, vollständige Spuren kennzeichnen die Retrospektion, als Rückweg zu jenem Ursprung, an dem das Anheben als Anfänglichkeit des Anfangs stattfand. Und auch diese Anfänglichkeit des Anfangs entzieht sich dem phänomenologischen Zugriff. „Chōra“6 lautet die platonische Metapher für jene dritte Dimension der Anfänglichkeit, zu der es keinen direkten Sprachweg des Bezeichnens gibt. In ihrem Dialog stellen Timaios und Sokrates hinsichtlich des Ursprungs zunächst zwei Dimensionen fest: das immer Werdende, das prozesshaft zu denken ist und daher mit Notwendigkeit einen Ursprung zur Voraussetzung haben muss sowie das „immer Seiende, welches kein Werden zulässt“7. Chōra ist eine dritte Entität, zu der keine sprachlichen Denotationen führen, sondern nur Spuren und verweisende Metaphern. Dieses Dritte bezeichnet als immaterielle Entität nicht den Ursprung selbst, sondern dessen Ursprünglich-Werden. Ein Begriff, in dessen Bedeutungsraum die Möglichkeit und der Grund für das überhaupt Ursprünglich-Sein des Anfangs enthalten sind. Dies umfasst jene Vorstellung einer Möglichkeit, die den Grund dafür legt, dass sich ein Ursprung hinsichtlich seiner Anfänglichkeit zu entfalten vermag. Chōra ist bei Platon ein metaphorisches tertium, je nach Übersetzung auch Aufnehmerin bzw. Empfängerin und „Amme alles Werdens“ genannt. Um sich diesem tertium begrifflich anzunähern, lässt Platon daher auch Timaios eine dritte Gattung, tríton génos, dialogisch ins Spiel bringen.8 Indem sich die Anfänglichkeit des Ursprungs jedoch einem bezeichnenden Zugriff widersetzt, bleiben auch die bildlichen Annäherungen an eine dritte Gattung nur Versuche, die Aspekte der Bedeutung des Nomens Anfänglichkeit des Ursprungs hinüberzutragen, metaphérein, um diese dem Verstehen zuzuführen.9 Die Amme alles Werdens ist demzufolge eine die „Anfängnis des Anfangs“10 sprachlich ermöglichende Entität. Sie erfüllt zudem die Rolle jener verbalen Substitute, die in die unterbrochenen Stellen der retrospektiven Erzählung, zwischen dem Urbild und dessen Abbildern, narrativ eingefügt werden. Als überschreibender Neubeginn, der in die Lücken des diskontinuierlichen, unvollständigen Rückblicks auf die eigene Geschichte eingefügt wurde, wie der ägyptische Priester einst dem Solon vorwarf.

Spuren konstituieren jeweils einen Rückweg unter vielen möglichen Fährten. Sie sind daher stets entlang jener Verläufe zu profilieren, die von einem Anfang ihren Fortgang nahmen. Da jedoch das Fortschreiten aufgrund seines Entwurfcharakters niemals festgelegt ist, sondern eine von zahlreichen Möglichkeiten darstellt, die im Ursprung ihren Ausgang nahmen, sind auch Spuren jeweils nur einer von vielen rückblickenden Verweisen auf die Anfängnis des Anfangs. Den Ursprung demnach nur auf ein temporäres Beginnen festzulegen, käme einer unzulässigen Reduktion gleich, denn das Ausgezeichnete des Anfangs besteht im einzigartigen Möglich-Werden, das gleichzeitig auch eine Einfachheit des Anfänglichen darstellt. Alles weitere Werden und Geschehen ist zwar im Ursprung angelegt, doch nur Weniges, wie beispielsweise das Wesen der Kunst, ist dem Ursprung selbst zugehörig, von dem aus es sich wachsend ereignet. Spuren sind demzufolge weder Teil des Anfangs, noch entspringen sie aus diesem, sie führen jedoch zum sich Ereignenden des Ursprungs zurück und an diesen heran. Die Gewissheit, die sich mit dem Sichtbarmachen und Vor-Augen-Führen des ersten Ereignens einstellt, entspricht einer Sicherheit im Range der Unumstößlichkeit hinsichtlich des anfänglichen „so war es“.

Das Verwischen von Spuren als Verlust der Aura

Gerade deshalb, weil „das Bedeuten der Spur darin besteht, zu bedeuten, ohne in die Erscheinung zu rufen“11 entzieht sich diese dem phänomenologischen Zugriff. Die Spur ist – metaphorisch gewendet – gegen jeglichen phänomenologischen Zugriff imprägniert; der Zugang zum Begriff der Spur gründet geradezu auf deren Nicht-Zuordenbarkeit zur Phänomenologie. In gleichem Maße, wie sich ihr Verbergen nahezu lückenlos vollzieht, bleibt die Funktion ihres Bezeichnens erhalten; doch nicht als herkömmliches, sondern als besonderes, als ausgezeichnetes Denotieren, das einer verweisenden Bezugnahme-auf entspricht. Spuren begünstigen das Entstehen von Relationen; ihr Rekurrieren-auf ähnelt jener Funktion, die auch Metaphern erfüllen, indem sie sich sprachlich auf Aspekte eines anderen, fremden Nomens beziehen.12 Kraft ihrer hinweisgebenden Funktion stellen Spuren Verbindungen her, Anspielungen auf jenes Dritte, dem E. Lévinas, einen Neologismus zu Hilfe nehmend, „Illeität“13 attestiert.

Doch Spuren sind auch in der Lage zu verunsichern und zu erschüttern, denn im Unterschied zu den Zeichen im Sinne von C.S. Peirce, die sowohl Abwesendes als auch Anwesendes repräsentieren, verweisen Spuren auf eine andere Qualität des Abwesens. Diesem unvergleichlichen Fernsein haften Aspekte jenes endgültigen, absoluten Abwesens an, zu dem Spuren wie vorgestellte Verbindungslinien oder unauflösbare Verschränkungen führen. Im Unterschied zu herkömmlichen Zeichen pragmatischer Provenienz stellen Spuren intentionsloses Repräsentieren dar.14 Während das Zeichen nicht ohne Bedeutungsintention vorstellbar ist, bedeutet die Spur intentionslos, losgelöst von Interesse, per effectum. Ihr Bedeuten geht hervor, es ergibt sich als ein zu Stande Kommen von Vorstellungen, als Gegenstehen vor einem denkenden Anschauen. Doch trotz ihrer grundlegenden Intentionslosigkeit fordern Spuren als Indizien von Vorübergegangenem implizit dazu auf, den gedanklichen Weg zum Abwesenden keinesfalls zu verlassen und dieses zumindest als Schema oder als „Simulacrum eines Anwesens“15 vorzustellen. Erst eine Synthese von Gedächtnis und Vorstellung bringt es zuwege, in eine Spur des Abwesenden hineinzugelangen und sich fortan in dieser zu halten. Die Leistungsfähigkeit der Spur zeigt sich in ihrer nahezu mühelos-intentionslosen Weise zu bedeuten, in ihrem gleichsam unaufdringlichen Anbieten von Bedeutung, um auf das Abwesende, das Vergangene oder die Ferne des Ursprungs hinzuweisen.

Im komplexen Geflecht von W. Benjamins Passagenwerk sind direkte materielle aber auch indirekte Verweise auf Spuren zu finden, die über den Begriff der Spur hinaus auch Aspekte der Aura und des Auratischen anbieten und assoziierbar machen. Neben jenen Assoziationen und Fragmenten, denen im Kontext des physischen Interieurs als materielle Etuis und Futerale die Eigenschaft des Abhaltens von Spuren attestiert werden, diskutiert Benjamin den Begriff Aura auf vielfältige Weise.16 Es erscheint lohnend, die Bedeutung dieser Bezeichnung einer neuerlichen Lektüre zu unterziehen, mit der drohenden Zertrümmerung von Spuren zu kontextualisieren, und mit dieser Strategie die einzelnen übereinandergeschichteten Ebenen hinsichtlich ihrer Differenzbestände sichtbar zu machen.

In seiner kulturhistorischen Analyse Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit17 geht W. Benjamin von einer grundsätzlichen, immer schon bestehenden Reproduzierbarkeit von Kunstwerken aus. Die technische