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"Wir haben verlernt, die Augen auf etwas ruhen zu lassen. Deshalb erkennen wir so wenig." (Jean Giono, † 9.10.1970) Der Autor möchte dies aufgreifen und dem Zeitgeist mit einer Prise Humor begegnen. ... Zwei Ratten trafen sich im Untergrund. Die eine hiess Amira, was auf Arabisch «Prinzessin» bedeutet, die andere nannte sich «Okami» oder auf Japanisch Wolf. Wie sie zueinander gefunden hatten, blieb schleierhaft, war nun aber mal so. Und schon bald kamen die beiden ins Gespräch. «Du Okami, was denkst du ist wichtiger: natürliche oder künstliche Intelligenz?» «Ist doch ganz klar: KI!» So die Antwort von Okami. «Und wie kommst du darauf?» Dies die Folgefrage von Amira. «Weil heutzutage doch alles künstlich ist. Sieh dir doch nur die Menschen an. Bald alle lassen an sich rumschnipseln, sei dies durch Liften oder Aufspritzen oder dann lassen sie ihre schlaffen Muskeln mit Anabolika aufpeppen. Alles Eisenfresser, sag ich dir.» «Eisenfresser?» «Ja klar. Alles aufgeblasene Wichtigtuer.» «Wow, das tönt aber ganz schön hart.» «Ja, aber es ist so.» Okami hatte sich ganz schön in Rage geredet und Amira konnte nur noch staunen. So kannte sie Okami gar nicht. Irgend etwas musste vorgefallen sein, und sie wusste nicht was. Sie überlegte hin und her, kam auf keinen grünen Zweig, worauf sie Okami fragte, weshalb er denn so aufgebracht sei. Dieser zückte sein iPhone, das er vor kurzem in einem Senkloch gefunden hatte, und er zeigte ihr den Inhalt einer Rezension, wie sie vom Copiloten von Microsoft zusammengestellt wurde. – Jetzt lies mal das …
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Seitenzahl: 57
Veröffentlichungsjahr: 2025
Peter Baumgartner
Unerchannt
Vademecum
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Parabel
Binär oder Non-binär
Un uomo
Mensch oder Hund
IQ oder EQ
NI oder KI
Sein oder Schein
Über mich
Impressum neobooks
apropos
Albert Einstein soll einmal gesagt haben: «Schwache Menschen streben nach Rache, starke Menschen vergeben, intelligente Menschen ignorieren.»
und
Martin Luther King soll einmal gesagt haben: «Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde.»
und
« … Gut, sagte er leise, wenn du glaubst, dass man seine Pflicht tun muss, dann sage ich dir das Gegenteil: man muss etwas tun, das gegen die Pflicht verstösst. Pflicht, das ist für mich nur blinde Anmassung. Es ist unvermeidlich, dass man etwas tut, was sie nicht
verlangt.»
Siegfried Lenz: Deutschstunde – Jubiläumsausgabe, 2018, S. 215 © 1968 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
Impressum
Texte: © 2025 Copyright by Peter Baumgartner
Umschlag: © 2025 Copyright by Peter Baumgartner
Verantwortlich
für den Inhalt: Peter Baumgartner
«Es ist nicht leicht, das Richtige zu tun. Manchmal hat es fatale Folgen, und manchmal ist es vielleicht unmöglich. - Viel schwerer und viel fataler aber ist es, das Falsche richtig tun zu wollen.»
Ulrich Baron in https://www.welt.de/welt_print/kultur/article4864735/Es-ist-nicht-leicht-das-Richtige-zu-tun.html «Botschaft» von Siegfried Lenz (1926 - 2014)
I
Tag für Tag sass Würmli in seiner Schreibstube und dachte darüber nach, wie er berühmt werden konnte. Er überlegte sich hin und her, wo seine Fähigkeiten liegen könnten und er erkannte sie nirgendwo. Er konnte weder musizieren, noch war er sportlich, noch erkannte er anderswo sein Talent. Jeder hatte irgendetwas, das ihn von anderen unterscheidet oder gar abhebt, also musste dies auch für ihn gelten, dachte er. Er fand die Lösung nicht.
Vielleicht war er falsch geboren worden und hätte eigentlich eine Maus, ein Huhn oder eine Katze sein sollen. Nein, eine Katze wollte er nicht sein. Katzen waren ihm unsympathisch: zu rechthaberisch und zu stur. So hatte er es auf jeden Fall bis anhin wahrgenommen; vielleicht mit einer kleinen Ausnahme mit dem Namen «Mikesch». – Mikesch war eine besondere Katze und die mochte er. Eine Maus wollte er auch nicht sein. Also blieb nur das Huhn übrig.
Warum nicht ein Huhn sein, dachte er und er stellte sich im Folgenden vor als Huhn zu leben: Den ganzen Tag fressen, ab und zu ein Ei legen, den Mist im Garten oder Stall aufkratzen, eine Delle zum Liegen graben und einfach nur der Natur zuhören. Das konnte es sein, dachte Würmli. Er schloss die Augen und er wünschte sich ein Huhn zu sein.
II
Aus irgendeinem Grund ging sein Wunsch in Erfüllung, und Würmli wurde ein Huhn. Ein graues, leicht geschecktes Huhn mit roten Ohrläppchen. Also würde er braune Eier legen, dachte Würmli. Er war ja schliesslich reinrassig, also musste es braune und nicht weisse Eier geben. Aber warum gab es eigentlich keine anderen Farben als braun und weiss bei den Hühnern? Zu Ostern konnte man solche zuhauf sehen, sonst aber selten oder gar nicht. Würmli wusste die Antwort nicht. Vielleicht hing es mit dem Geschlecht zusammen, dachte er. Wenn man männlich war, war man vielleicht farbiger oder farbenfroher. Nein, das konnte es nicht sein. Hierfür musste es andere Gründe geben. Würmli wollte dem später auf den Grund gehen. Und sowieso, ein Hahn war er nicht und er wollte auch kein Hahn sein. Die waren ihm suspekt. Er wollte ein reinrassiges Huhn sein und dies auch bleiben. - Basta!
III
Würmli erfreute sich an seinem Leben. Eines jedoch beschäftigte ihn. Weshalb bestimmten immer die Menschen, was es zu essen gab und dann erst noch, wieviel er davon bekommen sollte. Eigentlich hatte er dauernd Hunger, bekam aber meistens nicht genug, so dass er andauernd im Boden scharen musste, um allenfalls einen Wurm, ein Insekt oder sonst irgendetwas Essbares zu finden.
IV
Irgendwann einmal begegnete Würmli ‘Leo’. Leo war ein Frosch und er hatte sich in einem nahen gelegenen Tümpel breit bemacht. Jedes Mal, wenn Würmli Wasser trinken ging, begegnete er ihm. Leo war eigentlich ein ganz schlaues Kerlchen, wenngleich Würmli ihm nicht voll vertraute. Er schnappte ihm immer wieder die Fliegen weg, wenn er denn endlich eine gefangen hatte.
«Würmli», sagte er und er wurde ernst. «Ab jetzt sieht das Ganze anders aus. Ihr Hühner müsst das Zepter in die Hand nehmen und den Menschen sagen, wo’s lang geht.» Würmli hörte Leo zu, was er zu sagen hatte und dies gab ihm schon zu denken.
V
«Die Menschen sind Egoisten, die schauen nur für sich. Schau dir doch einmal an, wie sie mit den Hühnern umgehen.» «Da produziert jedes Huhn jeden Tag ein Ei, manchmal auch mal zwei und was ist der Dank dafür? … ‘Kentucky Fried Chicken’, muss ich noch mehr sagen?» - Würmli wurde ganz schlecht und er hätte sich am liebsten übergeben. Aber irgendwie hatte Leo recht. Von KFC hatte er schon gehört und das tönte ganz und gar nicht gut.
«Ja, was willst du denn damit sagen?», so sein Kommentar. «Dass wir, sprich Du und Deine Artgenossen, die Herrschaft übernehmen solltet.» «Ja, aber wie denn?» «Indem Ihr, statt ‘KFC’, ‘BFM’ macht», so einfach ist das. So die Antwort von Leo. «BFM?» «BFM steht für ‘Bernese Fried Human’. Alles klar?» - Würmli schluckte tief.
VI
Er entfernte sich von Leo und er musste sich zuerst einmal sammeln. ‘Bernese Fried Human’? Er kannte nur den ‘Bernese Mountain Dog’ – den Berner Sennenhund, und der war ihm eigentlich recht sympathisch. Die Nachbarn hatten einen solchen, und sie hiess ‘Lucy’. Sie war zwar ein wenig übergewichtig, aber ansonsten ganz in Ordnung.
Was meinte Leo wohl damit, dass wir das Zepter übernehmen sollten, und Würmli fing an zu überlegen. Eigentlich waren die Hühner den Menschen deutlich überlegen, dachte er. Sie konnten 100 verschiedene Stimmen auseinanderhalten, mit den Krallen den Boden umgraben, im Sommer wie im Winter mit dem gleichen Kleid ins Freie gehen und jegliches unnütze Zeugs fressen, das den Menschen nur schwer im Magen liegen würde. – Also, was konnten die Menschen denn besser als die Hühner? Würmli fiel nichts ein. Offensichtlich hatte Leo recht: die Hühner mussten das Zepter übernehmen. Aber wie? Er wollte Emma und Erna fragen, die zusammen mit ihm lebten. Beide waren aber schon so alt und eingefahren, dass sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden hatten und ihm keine grosse Hilfe waren. Also musste er selber weiterschauen.
VII
Würmli würde eine Armee brauchen, um sich den Menschen entgegen stellen zu können. Also müsste man junge Küken züchten und dazu brauchte es einen Gockel. Nein, bloss keinen Mann, das bringt Ungemach. Die sind immer so überheblich, arrogant und selbstgefällig. Das brauchte Würmli nicht. Aber wie kam man sonst an junge Hennen? Künstliche Besamung, das war das Stichwort! – Man musste dem Hahn den Samen abluchsen und ihn gezielt einsetzen. Das sollte es sein, dachte Würmli.
