Venedig - fünfzig Schritte abseits - Siegfried Reinecke - E-Book

Venedig - fünfzig Schritte abseits E-Book

Siegfried Reinecke

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Venedig kennt man - und man kennt es doch nicht. Die Serenissima ist viel mehr als die Piazza San Marco und die Rialtobrücke. Das Buch führt zu Orten abseits des Mainstream, in diejenigen sestiere und Inseln, die nicht im Mittelpunkt des Besucherinteresses stehen. Manchmal sind sie nur fünfzig Schritte entfernt. Fotos und literarische Stadteindrücke zeichnen ein Bild Venedigs, wie es nur diejenigen kennenlernen, die es nicht bei einem einzigen flüchtigen Rendezvous belassen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Siegfried Reinecke

Venedig – fünfzig Schritte abseits

Siegfried Reinecke

Venedig – fünfzig Schritte abseits

© 2023 Siegfried Reinecke

Umschlaggestaltung: Siegfried Reinecke

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN Paperback: 978-3-347-87271-4

ISBN Hardcover: 978-3-347-87279-0

ISBN E-Book: 978-3-347-87285-1

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhalt

Cover

Halber Titel

Titelblatt

Urheberrechte

Fünfzig Schritte abseits

Sich einen Überblick verschaffen

Von Santa Lucia zum Ghetto Nuovo

Nicht in weiter Ferne, sondern sehr nah

Zattere – Longhi – Giudecca

Salon der Stadt und Verdis Wirkungsstätte

Regatta, Tiepolo, Goldoni, Rialto

Vom Piazzale zu den Campi

Ruhe und Frieden und Glas-Rummel

Bunt mit Aussicht auf Kitsch

Der Anfang von allem

Einsam in Venedig

Film und Fernsicht

Und damit: auf Immerwiedersehen!

Text- und Bild-Nachweise

Venedig - fünfzig Schritte abseits

Cover

Titelblatt

Urheberrechte

Fünfzig Schritte abseits

Und damit: auf Immerwiedersehen!

Venedig - fünfzig Schritte abseits

Cover

1

2

3

4

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

40

41

42

43

44

45

46

47

48

50

49

51

53

52

54

55

56

57

58

59

60

62

61

63

64

65

66

67

68

69

70

71

72

73

74

75

76

77

78

79

80

82

81

83

85

84

86

87

88

89

90

91

92

93

94

96

95

97

98

99

100

101

102

103

104

105

106

107

108

109

110

111

112

113

114

115

116

117

118

119

120

121

122

123

124

125

126

127

128

129

130

131

132

133

134

135

136

137

138

139

140

141

142

143

144

145

146

147

148

149

150

151

152

Willkommen zurück!

Schön, wieder bei Ihnen zu sein, liebe Venezianer!

Wiedersehen mit der amphibischenHauptstadt: Venezia, Canal Grande

Fünfzig Schritte abseits

Über die Autobahnen des gemeinen Tourismus zu eilen, das kann jeder. Das tun auch die meisten. Und viele wiederum wollen es doch auch nicht, sondern suchen nach Wegen abseits des Mainstreams. Nun gibt es in Venedig Straßen im üblichen Sinne gar nicht; beziehungsweise nur unbrauchbare, wie es in Billy Wilders Berlin-Komödie One, Two, Three so treffend heißt: „Was soll man mit Rollschuhen in Venedig? Alle Straßen stehen unter Wasser!“

Deshalb also: Niemand steht im Abseits, und es ist erst recht keine abseitige Idee, wenn man sich nur einige wenige Meter von den großen Routen fernhält, die ohnehin in pandemiefreien Zeiten nur durch die einher stolpernden Scharen von anscheinend oder doch nur scheinbar unvermeidlichen Kreuzfahrtausflüglern verstopft sind. Nicht einmal verlaufen kann man sich dort! Und dabei ist das doch gerade das Schöne an Venedig: Dass man im Labyrinth der engen calli nie weiß, wo man ‚rauskommt. Im Zweifel ist es eine Sackgasse – im Fall, man stößt auf einen Kanal. Dann gibt es nur einen Weg: den der Umkehr.

Einkehr, oder besser Kontemplation, wird jedenfalls niemand finden auf den Rennstrecken Ferrovia – San Marco / San Marco – Ferrovia (die ubiquitären gelben Hinweistafeln gibt es längst auch auf T-Shirts zu kaufen); um so mehr auf den Spuren der Geschichte der Stadt und ihrer mehr oder minder berühmten Bewohner auf den Fondamente, den liste, den rive oder eben den calli. Es gibt nur eine einzige breite Straße (die Strada Nova in Cannaregio), und die stellt mehr oder minder eine Einkaufsstraße dar. Muss man also auch nicht unbedingt haben. Drei breitere vie ergänzen die Wegeinfrastruktur.

Allerdings ist dieses Buch kein klassischer Reisebegleiter der Art „Was sie in acht Stunden so alles wegbesuchen können“, auch kein Guide zu den geheimen Orten Venedigs und den Inseln der Lagune. Zum einen, weil es Heimlichkeiten in dieser überschaubaren Region kaum mehr gibt, zum anderen, weil man diese ohnehin niemals anderen verrät. Der Wissende schweigt. Genießen tut dieses Buch aber jeder, der in ihm ein Brevier für Wiederholungstäter sieht. Das Delikt heißt: Venedig-Vernarrtheit.

Diese Stadt ist nichts für Liebhaber des touristischen One-Day-Stands. Schließlich bleiben die nicht einmal über Nacht. Dafür empfiehlt sich inzwischen der auch ökologisch angemessenere Besuch im Miniaturwunderland in Hamburg. Dort gibt es seit 2019 eine ganz großartig gelungene Venedig-Abteilung, so detailreich und liebevoll gestaltet, dass die Gondeln dort sogar sehr viel anmutiger schaukeln, als sie es am Originalschauplatz jemals könnten.

Venedigs Liebreiz, seine Anmut, seine Kraft und Macht wird nur demjenigen wirklich zuteil, der sich auf eine längere Beziehung einlässt. Jedoch dem bzw. der Wiederkehrenden erschließt sich ihre ganze Schönheit – die man bekanntlich immer bestaunen, aber nicht mitnehmen kann, wie der Dichter weiß: „Wenn man sie lange angeschaut hat, muss man wieder gehen. Wenn man sehr viel Schönheit auf einmal gesehen hat (zum Beispiel Venedig oder den lieblichen Vordertaunus) und dann mit leeren Händen verschwinden muss, wird der Mensch ein wenig schwermütig.“ (Wilhelm Genazino: Wenn wir Tiere wären. Über den Vordertaunus zu urteilen ist hier nicht der Ort.)

Deshalb gerade muss man am Ende immer zurückkehren, und oft ist das Wiedersehen viel schöner – zumindest aber ganz anders – als die Erstbegegnung. Nur weil es dem guten Goethe nicht so gegangen ist: Alle anderen entdecken immer neue Aspekte im geliebten Gegenüber, und irgendwann steckt man ganz tief drin in einer Affäre, zu der man nicht mehr nein sagen kann. Die Rede ist natürlich allein von der Serenissima.

Die Orte, die wir für diesen Band aufgesucht haben, dokumentieren wir mit eigenen Beschreibungen, orientieren uns mit literarischen Beobachtungen und Reflexionen anderer Besucher aus jüngerer Zeit sowie auch fotografisch. Weder die Piazza San Marco, noch Rialto oder die Ponte d‘Accademia wurden von uns ausgewählt, nur um sie mit den immergleichen Perspektiven wie in all den anderen Reisebegleitern vorzuführen. Zwar klingt das Versprechen ambitioniert, Venedigs weniger bekannte und doch lohnende Ecken zu zeigen. Aber wenn dieser Band die Wahrnehmung der Stadt noch einmal um ein Weniges erweitern kann, dann wollen wir zufrieden sein.

Dazu ist die Form eines „Hybrids“ gewählt worden; das klingt schon mal modern und meint zum einen, dass es neben dem Wegweiser zu lohnenswerten Orten – weniger besuchte, aber nicht solche minderer Güte – außerdem literarische Stimmen neueren Datums das Gesehene möglichst originell und erhellend einordnen. Dazu ist man u.a. bei Donna Leon, Cees Nooteboom, Hanns-Josef Ortheil und Toni Sepeda sehr gut aufgehoben. Dazu kommen zuweilen historische Kontexte sowie vereinzelt Miniaturen von Erlebnissen mit Menschen der Stadt und einige gastronomische Empfehlungen.

So viel an Reiseführer-Konvention soll immerhin schon sein: Um dem Ganzen eine Struktur zu geben, orientiert sich dieses Buch an der gondola, der klassischen venezianischen. Mit gutem Grund, denn ihr Metallschweif (ferro di prua) an ihrem Bug ist voller Bedeutung. Seine sieben großen Zacken symbolisieren die sestieri, die sechs Bezirke der Stadt – Cannaregio, Castello, Dorsoduro, San Marco, San Polo, Santa Croce, der nach hinten weisende steht für die Giudecca – und in die drei Zwischenräume würden passen die bedeutendsten Inseln in der Lagune – Burano, Murano, Torcello. Wir haben noch die Friedhofsinsel San Michele und den Lido sowie zwei nun wirklich sehr abseitige Orte zusätzlich aufgenommen: Sant‘Erasmo und Pellestrina. Von ihnen ist sonst selten die Rede, aber ohne sie ist es eben auch nicht Venedig.

Als erfahrene Reisebegleiter versichern wir uns an allen Orten einiger Herrschaften, die ebenfalls nicht von der Serenissima lassen können. Sie haben meist besonders gute Argumente, die sie noch dazu auch besonders schön ausdrücken können. Das ist schließlich der Beritt jener fast durchweg zeitgenössischen Autoren, mit denen das Flanieren durch die Altstadt und über die Inseln eine helle Freude ist. So beredt sie sind, noch mehr sind es die Bilder.

Sich einen Überblick verschaffen

Ein Cappuccino, ein frisch gepresster Orangensaft – macht ein kleines Vermögen. Das ist Venedig. Sagt man. Kann passieren, muss aber nicht passieren. Auf und in der Nähe der Piazza San Marco muss man mit solchen Preisen rechnen, auch wenn die Gäste auf einen Trick hereinfielen: Das Personal hatte sie gebeten, an einem Tisch Platz zu nehmen, weil der Konsum an der Bar wegen der Hygieneregeln nur eingeschränkt möglich sei. So wurden für einem Milchkaffee statt drei erstaunliche neun und für den Saft statt fünf zwölf Euro fällig, so berichtet es der Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er beobachtet den ersten Tag, an dem nach den Einreisebeschränkungen Venedig im Juni 2020 wieder für Besucher geöffnet hat.

Ein wenig verlogen sind die Klagen über die unsägliche Preisgestaltung an Hotspots schon, der Kunde König (oder king oder roi oder re), kann sich auch einmal einige Schritte weiter bequemen, da gibt es preislich wenig auszusetzen. Das gilt für Venedig nicht anders als für viele Städte auf der Welt. Und nicht allein wegen der Ersparnis lebt es sich an abseitigen Orten erheblich entspannter.

Doch dieser Donnerstag im Frühsommer „nach Corona“ kommt zwei anderen tedeschi noch viel teurer zu stehen: Sie nehmen ein Bad im Canal Grande ganz in der Nähe der Ponte Rialto. Der Eintritt war noch kostenlos, als sie wieder herauskommen, ist jeder von ihnen um 500 Euro ärmer. Es gibt Regeln, die einen gewissen Sinn ergeben und die sogar durchgesetzt oder zumindest sanktioniert werden. Insgesamt also: nichts Neues unter der Sonne der Serenissima nach dem Neustart.

Dabei waren die Einwohner von dem Besuchs-Zirkus schon vor dem Lockdown genervt. Stellvertretend hatte es sich der bedeutendste Kriminalist der Lagune, Donna Leons Commissario Guido Brunetti, so schön ausgemalt, wenn Venedig einmal wieder ganz den Venezianern überlassen wäre. Auch er und seine Frau kommen zuweilen nicht umhin, den Großen Kanal zu überqueren, und da bleibt ihnen manchmal nur der Weg über die stets überfüllte Brücke von Rialto:

„Ich ertrage das nicht länger“, sagte Paola und verbarg ihr Gesicht an seiner Schulter. „Könnte der Gazzentino nicht mal die Meldung verbreiten, hier in der Stadt sei die Cholera ausgebrochen oder die Pest?“

Brunetti gab ihr einen Kuss aufs Haar. „Man könnte auch um einen Tsunami beten“, flachste der Commissario.

Er spürte Paolas Kichern. Schließlich löste sie sich von ihm und meinte gleichmütig: „Nein, ich möchte nicht, dass den Gebäuden etwas passiert.“ Stille Wasser

Immerhin, was dann kam, war tatsächlich eine Art moderne Pest. Die Immobilien stehen deshalb noch, und die wenigen Bewohner haben ihre Lagunenstadt eine Zeitlang wieder ganz für sich gehabt, ja sie sogar neu entdecken können. Allein: Die Menschen aus der Ferne machen da weiter, wo sie aufgehört haben und benehmen sich im Schutz der Massen daneben, oder sie verhalten sich einfach ganz autark auffällig. Geübte und selbstverständlich verantwortungsbewusste Reisende hingegen trachten danach, ihrem Aufenthaltsort nicht zu schaden oder ihn gar zu demolieren.

So schwer ist es gar nicht, den Einheimischen nicht auf die Nerven zu gehen und in relativer Ungestörtheit seine Erkundungen zu machen. Nicht nur, weil man von Auto- und Radfahrern und Benutzern neumodischer elektrischer Fortbewegungsmittel gänzlich unbeeinträchtigt flanieren kann; auch mal einen überraschenden Schritt zur Seite tun, ohne gleich über den sprichwörtlichen Haufen gefahren zu werden. Redet nicht jeder, der Venedig nicht kennt oder dessen Aufenthalt länger zurückliegt, davon, dass ihm die Stadt viel zu überlaufen sei?

Wir wissen es besser und sagen: In wenigen Großstädten auf der Welt geht es so entspannt zu wie ausgerechnet in Venedig. Wenn man denn den rechten Weg findet und sich zu benehmen weiß.

Die Venezianer geben sich schließlich auch Mühe, ihren Gäste schon bei Ankunft zu gefallen und sie z.B. mit allen – vielleicht auch mit gar nicht notwendigen – Informationen zu versorgen. So wurde ein Flug aus – das gab es mal – Berlin-Tegel, der infolge eines Notfalls an Bord in München hatte zwischenlanden müssen und deshalb erst mit drei Stunden Verspätung am Flughafen Marco Polo eintraf, sogar mit dem Zwangs-Stopover annonciert.

Erst einmal angekommen – mit dem Zug in Santa Lucia, dem Auto am Piazzale Roma, mit Wassertaxi oder Bus von den Flughäfen Marco Polo oder Treviso –, verschafft man sich am besten erst einmal einen Überblick. Das hat sich bewährt, schon die Reisenden der vorindustriellen Zeit pflegten eine Stadt kennenzulernen, indem man ihr aufs Dach stieg. Dazu erklomm man den ortsüblichen Kirchturm. An solchen herrscht in der Lagunenstadt wahrlich kein Mangel. Suchen Sie sich Ihren Lieblingscampanile, einige von ihnen darf man immerhin besteigen, wie den sehr zu empfehlenden der Chiesa San Giorgio Maggiore. Oder schließen sie sich ausnahmsweise den Vielen an und buchen Sie online den Eintritt auf das Dach des Fondaco dei Tedeschi, direkt an der Brücke von Rialto.

Dieser Blick hinab auf die Serenissima ist exklusiv: Rücksturz auf Venedig im Flugsimulator Berlin.

Dann aber wieder einmal hinein in die Unvergleichliche, auf die Gefahr hin, dass nicht alles, was zur Sprache kommt, gänzlich neu ist. Aber wer wollte Henry James‘ Wort bestreiten, über Venedig sei „nichts Neues mehr zu sagen, doch das Alte, was man sagen kann, ist besser als alle Neuigkeiten der Welt“. Also: es sei!