Vertrauen nach Fehlgeburt - Rosa Koppelmann - E-Book

Vertrauen nach Fehlgeburt E-Book

Rosa Koppelmann

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Beschreibung

Der Kraft spendende Ratgeber für die Zeit während und nach einer Fehlgeburt von Rosa Koppelmann Eine Fehlgeburt - der Tod eines ungeborenen Babys - trifft Frauen oft unerwartet. Plötzlich ist er da, dieser jäh zerplatzte Traum. Frauen und ihre Familien stehen nicht selten ganz allein da mit der eigenen Trauer, ihrer Ohnmacht und dem Schmerz. Dieses Buch zeigt dir, wie du in dieser herausfordernden Zeit selbstbestimmt deinen Weg gehen, wichtige Entscheidungen bewusst treffen und deine innere Heilung fördern kannst. Die Autorin Rosa Koppelmann gibt einfühlsam Einblick in ihre eigene Geschichte, die durch fünf Schwangerschaften geprägt ist - darunter auch zwei Kleine Geburten. Das Buch enthält außerdem zahlreiche Erfahrungsberichte betroffener Frauen, Interviews und ein großes Kapitel rund um hilfreiche Tools, die dich dabei unterstützen, während und nach einer Fehlgeburt im Vertrauen und deiner weiblichen Kraft zu bleiben. Denn auch mit einer Fehlgeburt bist und bleibst du: eine wunderbare und wertvolle Frau! Für die 2. Auflage hat Rosa Koppelmann das Buch vollständig überarbeitet und aktualisiert. Neben einem neuen Kapitel über Sternengroßeltern, einem ausführlichen Kapitel zum Thema Totgeburten und einer Checkliste für akut Betroffene hat die Autorin ihre umfangreichen Erfahrungen aus den letzten Jahren der 1:1 Begleitung von Frauen nach Fehlgeburt und ihrer Arbeit mit Hebammen eingebracht.

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Seitenzahl: 418

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Für Nila und ihre Geschwister

Wichtiger Hinweis: Alle Behandlungsvorschläge, Hinweise, Ratschläge und Übungen in diesem Buch sind von der Autorin sorgfältig geprüft worden. Sie ersetzen jedoch nicht die persönliche Begleitung und Abklärung durch behandelnde Ärzt:innen, Hebammen und Entbindungspfleger. Bitte wende dich bei allen medizinischen Auffälligkeiten oder unklaren Symptomen direkt an deine Ärzt:innen, Hebammen und Entbindungspfleger. Eine Haftung vonseiten der Autorin oder des Verlags wird ausdrücklich ausgeschlossen.

Inhalt

Einleitung zur Neuauflage

Teil 1: Fehlgeburt erleben

Was ist eine „Fehl“-Geburt?

Die Warum-Frage

Fehlgeburt selbstbestimmt erleben

Tipps für die selbstbestimmte Fehlgeburt

Meine Fehlgeburten

Tagebuch meiner ersten Fehlgeburt 2017

Gedanken nach meiner zweiten Fehlgeburt 2018

Erfahrungsberichte

Von Anna

Von Jasmin

Von Mimi

Von Eva

Von Lisa

Von Caro

Von Maria

Von Dana – ein Brief an mein Kind

Betreuung durch Hebamme und Doula

Was übernimmt die Krankenkasse?

Das Wochenbett

Interview mit zwei Hebammen

Partnerschaft und Fehlgeburt

Angst bei Männern – Angst bei Frauen

Tipps und Tools für eine erfüllte Beziehung nach einer Fehlgeburt

Aus der Papa-Perspektive: Interview mit Jan

Sternengroßeltern

Zum Thema Totgeburt

Totgeburten – Von Ann-Christin Schmitt-Rogalla

Bestattung & Abschied nehmen

Mein Erfahrungsbericht

Interview mit Pascal

Erfahrungsbericht von Nora – Totgeburt in der 18. Schwangerschaftswoche

Interview mit Lars – Totgeburt in der 32. Schwangerschaftswoche

Abschiedsrituale

Teil 2: Zurück zum Vertrauen

Tools

1. Meditation und Fantasiereisen

2. Mantras

3. Affirmationen

4. Aromatherapie

5. Schreiben

6. Stimme/Gesang

7. Mutter Natur

Meine vier Schritte, um kraftvoll durch die Fehlgeburts-Erfahrung zu gehen

Nachwort

Zum Weiterlesen

Danksagung

Über die Autorin

Über den Verlag

Einleitung zur Neuauflage

Hallo, liebe Sternenmama! Schön, dass du da bist!

Ich weiß, wie du dich fühlst. Ich kenne deinen Schmerz. 2017 hat mir meine erste Fehlgeburt den Boden unter den Füßen weggerissen und mir mein immer präsentes, positives Gemüt und mein Urvertrauen mit einem ordentlichen Knacks versehen. Mein Weltbild und mein Vertrauen sind in sich zusammengebrochen. Bis dahin war ich überzeugt, dass ich alles schaffen kann, was ich will – allein, aber insbesondere zusammen mit meinem Mann. Doch dann ging gefühlt etwas ganz und gar schief. 2018 jedoch hat mich meine zweite Fehlgeburt von dem Trauma der ersten Fehlgeburt geheilt. Es fühlte sich an, als dürfe ich die Geburt noch einmal auf die schönstmögliche Art und Weise erleben, um den Schmerz der ersten Fehlgeburt zu transformieren – in die Liebe und die Dankbarkeit, die ich bei der zweiten Stillen Geburt fühlen durfte.

Beide Stille Geburten haben mir im Nachhinein sehr viel mehr gegeben, als sie mir genommen haben. Und wenn ich heute an diese beiden Geburten zurückdenke, spüre ich nichts als Dankbarkeit für die Erfahrungen, die ich machen durfte. Negative Gefühle habe ich keine mehr, da ich heute davon überzeugt bin, dass alles genau richtig war, so wie es war. Dieses Gefühl von Frieden in Bezug auf eine Fehlgeburt wünsche ich jeder Frau1 – und daher habe ich dieses Buch geschrieben.

Im Zuge meiner persönlichen Erfahrungen habe ich mich viel mit anderen Frauen ausgetauscht, die ebenfalls die Erfahrung einer Stillen Geburt gemacht haben. Die Gespräche, die oft von Trauer und Bedauern überschattet waren, haben mich nachdenklich gemacht. Der frühe Tod eines Kindes ist nichts Ungewöhnliches, aber in unserer Gesellschaft ist er dermaßen tabuisiert, dass man als Frau schnell das Gefühl hat, ein Fehler zu sein, wenn einem das winzige Baby im Bauch stirbt. Das macht mich traurig. Wir Frauen sind wundervolle, kraftvolle Wesen – und daran ändert auch eine Fehlgeburt nichts.

Nach meinen eigenen Erfahrungen war es mir zunehmend ein Anliegen, mit anderen Frauen zu teilen, dass sie kein Fehler sind, wenn sie ein Baby verloren haben – und ihnen das Vertrauen in ihre weibliche Kraft zurückzugeben. Aus meinen Gesprächen mit anderen Frauen, mit Hebammen und mit betroffenen Männern ist dieses Buch entstanden. Hier teile ich Erfahrungen von mir und anderen, aber auch Tools, die mir geholfen haben, wieder ins Vertrauen zu finden. Insbesondere als ich nach meinen Fehlgeburten wieder schwanger war, war ich oft nervös und angespannt. Ich wünschte mir aber sehr, die Schwangerschaft unbeschwert genießen zu können. Also fing ich an, verschiedene Techniken auszuprobieren: Meditation, Mantras und Affirmationen sind einige ganz konkrete Hilfsmittel, die jede:r ohne Vorkenntnisse anwenden kann. Andere Dinge, die mir geholfen haben und die ich in diesem Buch teilen möchte, sind der enge Kontakt zu einer Hebamme oder Doula und die heilende Kraft der Natur.

Dies ist bereits die zweite Auflage meines Buches „Vertrauen nach Fehlgeburt“– seit der ersten Auflage im Jahr 2020 hat sich mein Leben komplett verändert. Mittlerweile begleite ich Frauen nach Fehlgeburt in 1:1 Sitzungen zurück in ihr Vertrauen und in ihre Kraft, ich gebe Fortbildungen für Hebammen, um sie für den Umgang mit Frauen nach Kindsverlust zu sensibilisieren, und ich bilde Frauen fort, die selbst eine Fehlgeburt hatten, damit sie wiederrum anderen Familien zur Seite stehen können. Auf vertrauen-nach-fehlgeburt.de haben wir eine Plattform entwickelt, in der Frauen nach Kindsverlust gratis Ressourcen finden können, die ihnen helfen, zurück in ihre Kraft zu kommen.

Nach all den neuen Erfahrungen, die ich seit der Veröffentlichung der ersten Auflage machen durfte, war eine Überarbeitung und Neuauflage für mich eine logische Konsequenz, über die ich mich nun sehr freue!

In diesem Buch teile ich auf der einen Seite meine eigene Geschichte und lasse andere Frauen mit ihren vielfältigen Erfahrungen zu Wort kommen. Ich gebe Impulse zum Thema Partnerschaft, Abschiedsrituale und in dieser Neuauflage auch zu Sternengroßeltern mit. Außerdem teile ich verschiedene Interviews: mit zwei Hebammen, mit Expertinnen auf den Gebieten der Aromatherapie und der Stimmarbeit sowie mit Männern – denn auch der Mann verliert ein Baby. Das wird nur allzu häufig vergessen. Nicht zuletzt stelle ich ganz konkrete Tools vor und erkläre, wie Meditation und Co. helfen können, wieder ins Vertrauen zu finden.

Ich hoffe, mit diesem Buch viele Frauen zu erreichen, die sich nach einer Fehlgeburt allein fühlen und sich danach sehnen, verstanden und gesehen zu werden. Jeder einzelnen von ihnen möchte ich sagen:

Du bist wertvoll! Du bist wertvoll und eine wunderbare, kraftvolle Frau!

Ich hoffe, dieses Buch ist dir eine Unterstützung!

1 An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich alle Menschen mit Gebärmutter meine, wann immer ich in diesem Buch von „Frauen“ spreche.

TEIL 1

FEHLGEURT ERLEBEN

Teil 1: Fehlgeburt erleben

Im nachfolgenden ersten Teil dieses Buches möchte ich darauf eingehen, was Fehlgeburten eigentlich sind, warum das Wort „Fehlgeburt“ für einige eine schwierige Wahl ist, warum Kinder so häufig so früh wieder sterben und wie unterschiedlich wir die Geburten dieser Sternenkinder erleben können. Neben einigen allgemeinen Fakten und meinen Gedanken dazu teile ich meine eigenen Erfahrungen und lasse andere Frauen und Männer zu Wort kommen. Außerdem erkläre ich in diesem Teil des Buches, warum ich es so wichtig finde, eine Hebamme als kompetente Stütze an der Seite zu haben – sowohl in der Schwangerschaft als auch während und nach der Geburt. Um diesen Punkt zu vertiefen, habe ich auch zwei Hebammen interviewt. Schließlich gibt es noch ein Kapitel zum Thema Partnerschaft und Fehlgeburt sowie ein Kapitel zum Thema Sternengroßeltern. Denn nicht nur die Mama verliert ihr Kind, sondern auch die Oma und der Opa verlieren ihr Enkelkind. Den Einfluss, den ein früher Kindsverlust auf die Partnerschaft und die Beziehung zu den eigenen Eltern, insbesondere der eigenen Mutter, haben kann, ist nicht unerheblich. Am Ende des ersten Teils dieses Buches habe ich zudem ein Kapitel über Abschiedsrituale gesetzt, welche allein oder zusammen mit Partner:in oder Familie vollzogen werden können. Nach dem Abschied geht es dann im zweiten Teil damit weiter, wie du, liebe Sternenmama, nach einer Fehlgeburt ganz konkret wieder ins Vertrauen finden kannst.

Was ist eine „Fehl“-Geburt?

Was ist das überhaupt, eine „Fehl“geburt? Ein Fehler? Nicht unbedingt! In diesem Kapitel möchte ich dir erklären, was eine Fehlgeburt ist, welche Formen es gibt und warum ich denke, dass eine Fehlgeburt gar kein Fehler ist. Außerdem möchte ich darauf eingehen, dass eine Fehlgeburt sehr viel mehr ist als der Verlust eines geliebten Kindes und warum dies in unserer Gesellschaft nicht immer von allen Menschen verstanden wird.

Allgemein spricht man von einer Fehlgeburt, wenn ein Baby in der Frühschwangerschaft verstirbt. Um nicht von vornherein davon auszugehen, dass jede Fehlgeburt ein Fehler ist, kann man auch die Formulierungen „Stille Geburt“ oder „Kleine Geburt“ verwenden – still, da das Kind in diesem Leben nicht dazu kam, einen Laut von sich zu geben, klein, weil es eben noch sehr klein war. Ich persönlich bevorzuge diese Formulierung, da ich meine Fehlgeburten nicht als Fehler ansehe. Alternativ oder zusätzlich kannst du anstatt das „Fehl“ von Fehlgeburt als „Fehler“ zu interpretieren daraus auch ein „Fehlen“ machen: So wird aus der Fehlgeburt eine Geburt, bei der etwas fehlt, nämlich das lebende Kind. Mit dieser Interpretation im Kopf kann ich mich sehr viel besser anfreunden. In der Frauenarztpraxis hört man dagegen häufig Fachbegriffe wie „Abort“ beziehungsweise „Spontanabort“ für die spontane Fehlgeburt oder „Missed Abortion“ für eine sogenannte „Verhaltene Fehlgeburt“. „Verhalten“ deswegen, weil die Schwangere selbst zunächst gar nicht merkt, dass ihr Kind nicht mehr lebt. Diese Form der Fehlgeburt wird meist zufällig bei einer der Ultraschall-Routineuntersuchungen in der Arztpraxis festgestellt. Manchmal ist es ja so, dass eine Frau merkt, dass etwas mit ihrer Schwangerschaft nicht stimmt, weil sie zum Beispiel plötzlich Wehen bekommt und/oder anfängt, besonders stark zu bluten (Blutungen können in der Frühschwangerschaft normal sein, aber starke Blutungen zusammen mit Wehen deuten häufig auf eine Kleine Geburt hin). So eine spontan einsetzende Geburt nennt man dann in der Fachsprache einen „Spontanabort“. Sehr viele Frauen merken aber zunächst gar nicht, dass das winzige Baby im Bauch nicht mehr lebt. Bei einer verhaltenen Fehlgeburt bleibt der tote Embryo zunächst noch in der Gebärmutter und erst, wenn die Schwangere in der Frauenarztpraxis die Diagnose „Missed Abortion“ bekommt, erfährt sie davon, dass ihr Baby nicht mehr lebt.

Die Vorgehensweise ist bei einer Missed Abortion vielerorts immer noch die, dass die Schwangere von ihrer Frauenarztpraxis nach der Diagnose routinemäßig ins Krankenhaus überwiesen wird. Dort wird ihre Gebärmutter dann in der Regel ambulant ausgeschabt (die sogenannte „Curettage“). Über viele Jahre war dieser Vorgang der allgemein gängige, aber in immer mehr Krankenhäusern (und auch gynäkologischen Praxen) findet langsam, ganz langsam, ein sehr wichtiges Umdenken statt. Alternativ zur Ausschabung hat eine Schwangere nämlich noch zwei weitere Möglichkeiten: Sie kann ein Medikament einnehmen, welches das Abstoßen des Fötus’ veranlasst (dies ist zum Beispiel die gängige Vorgehensweise in Schweden, wo Ausschabungen fast gar nicht mehr vorgenommen werden). Die Schwangere kann aber genauso gut einfach erst einmal abwarten und gar nichts tun. Diese Option wird ihr allerdings leider nicht immer von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt vorgeschlagen. Das hat auf der einen Seite damit zu tun, dass ein natürlicher Abgang nicht so leicht kontrolliert werden kann wie beispielsweise eine Ausschabung (und alles, was nicht kontrolliert werden kann, macht uns Menschen ja häufig erst einmal Angst). Auf der anderen Seite verdient ein Krankenhaus mit einer Ausschabung mehr, als wenn es untätig bliebe. Hier sind nach meinem Wissensstand für eine Ausschabung schnell mehrere hundert Euro abrechenbar. Auch für einfühlsame Gespräche und eine kontinuierliche Begleitung, wie sie bei einem natürlichen Abgang nötig sein kann, ist einfach auch wenig Budget vorhanden. Wie du diese Informationen im Kopf hin und her bewegen möchtest, überlasse ich dir. Ich möchte keine Unterstellungen machen, aber dennoch gerne zum kritischen Denken anregen.

Was mir wichtig ist: Die allgemeine Vorgehensweise ist nicht immer die Beste. Viele Ärzt:innen haben keine Erfahrungen mit natürlichen Abgängen. Viele haben nicht einmal Erfahrung mit medikamentös eingeleiteten Abgängen. Da sie keine Erfahrung haben, machen sie, was sie immer gemacht haben: zur Ausschabung überweisen. Die Risiken, die damit verbunden sind, kennen sie zwar, aber weil dies vielerorts eben die allgemeine Vorgehensweise ist, wird so weitergemacht. So muss es aber nicht bleiben! Seit der ersten Auflage dieses Buches hat sich bereits viel bewegt und es wird sich auch in Zukunft noch mehr bewegen. Mit jeder Frau, die um ihre Rechte weiß, ein wenig mehr. Daher erfährst du im Kapitel „Fehlgeburt selbstbestimmt erleben“ mehr über deine Möglichkeiten und Rechte – damit du selbstbestimmt für dich und dein Baby einstehen kannst und genau die Geburt erleben kannst, die du dir wünschst.

Allgemein spricht man in Deutschland übrigens bei Babys, die ab einem Gewicht von 500 Gramm tot geboren werden, über eine „Totgeburt“. Und nur bei den frühen Abgängen, die unter 500 Gramm wiegen und tot zur Welt kommen, wird der Begriff „Fehlgeburt“ verwendet. Diese Grenze ist natürlich ziemlich willkürlich, aber dennoch ist ein Baby mit 490 Gramm nicht bestattungspflichtig, während ein Kind mit 10 Gramm mehr in den meisten Bundesländern durchaus bestattungspflichtig ist. Auch darüber später mehr.

Kinder, die tot auf die Welt kommen (oder kurz nach der Geburt sterben), werden auch „Sternenkinder“ genannt. So kann der Eindruck vermieden werden, dass es sich um einen Fehler handelt, und der Gedanke, dass die kleine Seele wieder bei den Sternen ist, ist ja irgendwie auch einfach sehr schön. Und so bist du, wundervolle Frau, eine Sternenmama!

Obwohl medizinisch nur die Geburten „fehlerfrei“ sind, bei denen am Ende ein gesundes, properes Baby auf die Welt kommt, sind Fehlgeburten meiner Meinung nach alles andere als Fehler – im Gegenteil! Die allermeisten Fehlgeburten passieren, wenn der weibliche Körper versteht, dass das kleine Körperchen im Bauch nicht lebensfähig wäre oder seine Zeit einfach noch nicht gekommen ist, und daher dafür sorgt, dass der winzige Organismus den Mutterkörper wieder verlässt. Ich finde, das ist alles andere als ein Fehler, sondern ein Wunder! Wie wunderbar, dass unser Körper so gut darauf achtet, nur die Babys auf die Welt zu bringen, die im Mutterleib gut versorgt werden können, die bereit sind und sich später den Herausforderungen des Lebens stellen können.

Und bevor du dich jetzt fragst, warum ausgerechnet dein Körper die kleine Seele wieder losgelassen hat, möchte ich dir gleich sagen: Du bist nicht allein! Ganz und gar nicht! Fehlgeburten sind sehr viel eher die Norm als die Ausnahme: Einige Expert:innen gehen davon aus, dass auf jede Geburt eine Stille Geburt kommt, andere gehen immerhin noch von einem Anteil von 25 Prozent aus. Egal, wer von den Expert:innen recht hat, feststeht: Mindestens ein Viertel aller Schwangerschaften endet in einer Stillen Geburt!

Und wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die regelmäßig Fehlgeburten erleben: Katzen haben zum Beispiel in jeder Schwangerschaft auch Kätzchen, die im Bauch sterben. Da Katzen nur von vornherein mehrere Babys im Bauch haben, fällt das nicht so auf. Und dass bei Katzen nur einige der Kätzchen zur Welt kommen, liegt nicht daran, dass die Katzenmamas zu viel Stress haben, auch nicht daran, dass sich die Katze falsch ernährt hat und auch nicht daran, dass die Katze noch nicht bereit ist für ihre Mutterrolle. Es passiert einfach auf Grund von genetischen Ursachen, die niemand so genau erklären kann. Und das ist bei den meisten Frauen gar nicht anders. Fehlgeburten sind so gesehen also völlig normal – was sie aber natürlich nicht weniger traurig macht!

Kindsverlust in unserer Gesellschaft

Trotzdem werden Kleine Geburten in unserer Gesellschaft immer noch stark tabuisiert. Heute reden viele Frauen immerhin mit ihren Partner:innen und manchmal auch mit ihren engen Freund:innen über ihre Erfahrungen. Somit sind wir schon sehr viel weiter als vor 50 Jahren, als eine Frau die Stille Geburt meistens wortwörtlich still und heimlich durchgemacht und niemandem davon erzählt hat. Insofern sind wir schon auf einem guten Weg, aber dennoch bin ich der Meinung, dass wir noch viel offener über Stille Geburten sprechen sollten. Die „Regel“, dass man erst ab der zwölften Woche von der Schwangerschaft erzählen sollte, wurde ja auch eingeführt, damit man aus der „Risikozeit“ raus ist, bevor man über die Schwangerschaft spricht – denn die meisten Fehlgeburten (circa 80%) passieren in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft. Und na klar, wenn wir von vornherein niemandem erzählen, dass wir schwanger sind, so erzählen wir dann in der achten Schwangerschaftswoche auch nicht plötzlich, dass wir schwanger waren, aber es nun nicht mehr sind. Ein offenerer Umgang wäre hier für betroffene Familien sehr hilfreich.

Wenn wir die große Freude über die Frühschwangerschaft bereits mit unseren Nahestehenden teilen würden, so könnten wir uns in dieser sehr intensiven Phase der Schwangerschaft auch mehr Unterstützung holen. Denn gerade in den ersten zwölf Wochen leiden viele Frauen ganz besonders stark an Übelkeit und Müdigkeit. Wenn wir aber niemandem erzählen, dass wir schwanger sind, stehen wir ganz allein da: mit unserer Übelkeit, mit unserer Abgeschlagenheit und im Zweifelsfall dann auch mit unserer Stillen Geburt.

Für den Fall, dass man als Paar noch nicht über die Frühschwangerschaft sprechen möchte – denn manchmal gibt es dafür natürlich auch sehr gute Gründe, wie zum Beispiel ein familiäres Umfeld, das nicht besonders unterstützend ist oder ein Freundeskreis, der schnell Sorgen und Panik verbreitet – dann ist es umso wichtiger, sich direkt mit dem positiven Schwangerschaftstest um eine Hebamme zu bemühen.

Tatsächlich ist es mein großer Wunsch, dass es für jede Frau zur Norm wird, sich mit dem Beginn der Schwangerschaft schnellstmöglich eine Hebamme zu suchen. Eine Hebamme ist insbesondere in der Frühschwangerschaft unerlässlich und so wichtig, unter anderem um im Zweifelsfall bei einer Kleinen Geburt nicht allein dazustehen. Über deine Ansprüche auf Hebammenbetreuung erfährst du im Kapitel „Betreuung durch Hebamme und Doula“ noch mehr. Ich halte es für sehr wichtig, dass man in der Frühschwangerschaft jemanden an seiner Seite hat, dem man vertraut – eine Hebamme, eine Doula, eine beste Freundin, den Partner oder die Partnerin, die Mama … oder alle zusammen. Wenn man innerhalb der ersten zwölf Wochen eine Fehlgeburt erlebt oder vom Frauenarzt diagnostiziert bekommt, so ist es einfach so unendlich wertvoll, eine kompetente Person an der Seite zu wissen, die weiß, wie sie mit der Situation umzugehen hat und nicht kopflos ins nächste Krankenhaus rast, um die Verantwortung an die Männer und Frauen in den weißen Kitteln abzugeben. Nicht, dass Krankenhäuser immer schlecht sind. Absolut nicht! Aber bitte, lasst uns Frauen wieder selbst Verantwortung für unsere Körper übernehmen und mit kompetenten Menschen an unserer Seite die Entscheidungen treffen, die für uns in so einer traurigen Situation die richtigen sind! Lasst uns Frauen wieder für uns selbst, unsere Körper und vor allem unsere Babys einstehen. Niemand weiß so gut wie du, was für dein Baby und dich das Beste ist: Vielleicht ist die Fahrt ins Krankenhaus die richtige Entscheidung, vielleicht ist aber auch die Hausgeburt zusammen mit einer Hebamme oder mit deinem Partner oder deiner Partnerin das Richtige. Vielleicht (meistens) ist es auch das Richtige, einfach noch ein paar Tage abzuwarten und die Dinge sacken zu lassen und dabei erst einmal alles rauszuweinen, was es rauszuweinen gibt. In der Situation, in der man gerade erfahren hat, dass man das eigene Kind verloren hat, ist es meist nicht so leicht, die Ruhe für eine Entscheidung zu finden, die zu einem passt. Aus einer Schock- Situation heraus werden selten die besten Entscheidungen getroffen und daher ist eine kompetente Stütze an unserer Seite so wichtig, um uns zu Halt, Zeit und Ruhe zu verhelfen.

Nicht nur für das Körperliche, sondern auch für das Emotionale ist es wertvoll, ein Auffangnetz um sich zu haben (zum Beispiel durch die Hebamme). Denn eine Fehlgeburt ist immer unendlich traurig. Und das ist etwas, was nicht immer alle nachvollziehen können. Für uns als Mutter macht es erst einmal keinen großen Unterschied, ob wir unser Kind sechs Wochen oder 20 Wochen unter unserem Herzen getragen haben. Wir lieben unser Kind und haben es bereits seit dem positiven Schwangerschaftstest geliebt; und wir haben uns darauf gefreut. Wir haben angefangen zu träumen, uns Dinge vorzustellen, die wir mit unserem Kind machen werden, wir haben Visionen erschaffen. Die Dauer der Schwangerschaft ändert nicht unbedingt etwas an dem Verlustgefühl, das wir nach einem Kindsverlust spüren. Das ist Punkt eins, den Menschen, die selbst noch keinen Verlust dieser Art erlitten haben, häufig nicht nachvollziehen können. Punkt zwei ist, dass wir Frauen bei einer Fehlgeburt tatsächlich noch viel mehr verlieren, als nur einen Menschen, zu dem wir bereits eine innige Beziehung aufgebaut haben und der in uns die schönsten Visionen erweckt hat. Wir erleben auch, dass unser Körper etwas tut, was wir nicht von ihm wollen. Während wir im Alltag unseren Körper kontrollieren und mit gesunder Ernährung und Sport darauf achten, dass er sich so verhält, wie wir es gerne mögen (gesund bleibt, Ausdauer hat, …), so müssen wir bei einer Fehlgeburt erleben, dass unser Körper einfach komplett über uns hinweg eine Entscheidung getroffen hat. Eine Entscheidung, die uns unglaublich traurig macht. Die Entscheidung, uns etwas wegzunehmen, das wir lieben. Diese Erfahrung ist für viele Frauen auch eine neue Art von Verlust: ein Vertrauensverlust in den eigenen Körper. Im Moment einer Fehlgeburt fühlen sich viele Frauen von ihrem Körper im Stich gelassen. Er hat schließlich nicht das gemacht, was er sollte! Er hat dieses Baby nicht wachsen, sondern sterben lassen! Ganz abgesehen davon, dass es durchaus etwas sehr Positives ist, dass unser Körper ein nicht lebensfähiges Kind schon in der Frühschwangerschaft wieder abstößt, sehen wir uns mit der Tatsache konfrontiert, dass er in Eigenregie gehandelt hat und dass wir keine Kontrolle hatten. So haben wir nach einer Fehlgeburt nicht nur mit dem Verlust des Babys zu kämpfen, sondern auch mit dem Vertrauensverlust in unseren weiblichen Körper und mit dem Verlust der Kontrolle, an der wir uns im Alltag so gerne festhalten. All das zusammen ist eine große Herausforderung! Und das ist sehr viel mehr, als Außenstehende im ersten Moment sehen können. Wenn also die leider typischen Sprüche wie: „Ach, das Baby war doch noch so klein.“ oder „Besser so früh als später.“ oder „Passiert doch so vielen …“ nach einer Fehlgeburt auf dich niederprasseln, dann mache dir bewusst, dass deine Lieben, die so etwas sagen, es nicht böse meinen. Sie wissen nicht, wie viele Verluste du gerade gleichzeitig erlitten hast: dein Baby, dein Körpervertrauen, deine Kontrolle! Sie wissen nicht, dass du bereits eine Beziehung zu deinem Kind aufgebaut hast, sie können es einfach nicht nachvollziehen, weil sie selbst diese Erfahrung noch nicht gemacht haben. Oder aber sie haben sie gemacht und sie war so schmerzhaft für sie, dass sie sie als „unwichtig“ abgetan und verdrängt haben und sich nun selbst schützen möchten, indem sie emotionalen Abstand halten. Beides ist möglich und beides ist für uns als betroffene Frau sehr verletzend. Dass dadurch innerhalb einer Beziehung Konflikte entstehen können, ist nicht ausgeschlossen. Auch darauf werde ich später eingehen.

Nun möchte ich aber zunächst noch mehr über Kleine Geburten erzählen und auch Erfahrungsberichte von anderen betroffenen Frauen mit dir teilen. Denn für den Fall, dass du gerade selbst ein totes Baby im Bauch hast, dein Baby bereits tot geboren hast oder einmal eine Fehlgeburt erleben solltest, so ist es mir ein Anliegen, dass du selbstbewusst und selbstbestimmt in diese Erfahrung gehst und das Beste daraus mitnimmst! Denn wie immer im Leben liegen in jedem Schicksalsschlag auch Chancen: Chancen zur positiven Veränderung von Lebensbereichen, die vielleicht nicht ganz konform mit deinen Zielen sind, Chancen zur positiven Veränderung innerhalb der Beziehung zu deine:r Partner:in und Chancen zur positiven Veränderung in der Beziehung zu dir selbst!

Mein Wunsch ist es, dass du nach der Lektüre dieses Buches nicht nur das Gefühl hast, wertvoll zu sein, genau so wie du bist und egal, ob mit oder ohne Baby, sondern dass du auch so weit gestärkt bist, dass du das Leben mit allem, was kommt, wieder umarmen kannst.

Die Warum-Frage

Warum stirbt ein Baby? Warum passiert mir das? Warum? Diese Frage stellen sich die meisten von uns früher oder später. Und manche von uns treibt sie in den Wahnsinn. Ich habe Frauen kennengelernt, die mit Mitte 20 eine Fehlgeburt hatten und mit Mitte 60 immer noch über das Warum nachdenken. Ganze Leben werden von dieser Frage bestimmt. Eine Frage, auf die die meisten von uns niemals eine Antwort bekommen werden.

Nach meiner ersten Fehlgeburt habe ich mir diese Frage auch gestellt und zwar, weil alle mich danach gefragt haben! „Was glaubst du, warum ist das passiert? Weil du so viel Stress hattest/Weil du dich vegan ernährst/Weil du noch nicht wieder bereit bist/Weil etwas mit deinen Hormonen nicht stimmt?“ Nach meiner ersten Fehlgeburt habe ich all diese Fragen noch ernst genommen und mich immer wieder gefragt: „Was stimmt nicht mit mir? Was habe ich falsch gemacht?“, und das Fragen und Kopfzerbrechen hat mich immer tiefer in meinen Frust hineingezogen. Bei meiner zweiten Fehlgeburt kam meine Hebamme zur Geburt zu mir nach Hause. Als ich ihr die Tür öffnete (weinend und mit Wehen) nahm sie mich in den Arm und das erste, das sie sagte, war: „Es gibt keinen Grund!“ Mit diesem einen Satz ist so unendlich viel Last von mir abgefallen. Es gibt keinen Grund. Es ist einfach. Es ist einfach, wie es ist. Es ist normal. Es passiert. Mit diesem Satz, den sie mir sagte, fiel alles von mir ab.

Ich möchte dir hier einige Infos mitgeben, warum Fehlgeburten passieren können – denn natürlich gibt es auch tatsächliche Gründe. Aber vor allem möchte ich dir mitgeben, dass die Warum-Frage uns auf dem Weg zur Heilung, auf dem Weg zurück ins Vertrauen und in unsere Kraft, nicht immer hilfreich ist.

Aber ich weiß, wir Menschen, wir wollen gerne wissen, wir wollen verstehen, wir wollen Erklärungen. Ich bin da nicht anders als alle anderen auch: Erklärungen geben uns ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit. Wenn wir wissen, warum etwas passiert ist, können wir ja beim nächsten Mal etwas anders machen. Idealerweise eine Wunderpille schlucken, die dafür sorgt, dass genau das nicht noch einmal passiert. Erklärungen passen einfach in unser System. Ich sage dir allerdings: Es gibt zwischen Himmel und Erde mehr als das, was wir sehen und verstehen können.

Dennoch: Warum sterben Kinder? Wie viele andere Frauen auch, habe ich nach meinen Fehlgeburten im Internet geschaut und recherchiert; und vielleicht hast du das auch bereits gemacht? Im Internet wirst du lesen, dass bei frühen Fehlgeburten in 60 bis 80 Prozent der Fälle von genetischen Ursachen ausgegangen wird. Die Erbgutinformation liegt auf den Chromosomen im Zellkern und die kommt jeweils zur Hälfte von der Mutter und zur Hälfte vom Vater. Treten Abweichungen in Anzahl oder Form dieser Chromosomen auf, kann das zu Fehlanlagen beim Embryo führen. Infolgedessen ist die Lebensfähigkeit eingeschränkt oder gar nicht erst gegeben. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass deine Fehlgeburt ebenfalls genetische Ursachen hat. Hilft dir diese Tatsache, dich von deinen möglichen Schuldgefühlen zu befreien? Wenn nicht, dann lies das Obige erneut: 50 Prozent der Chromosomen im Zellkern kommen gar nicht von dir! Das bedeutet, dass selbst, wenn du alles „richtig“ machen würdest, was man nur richtig machen kann (Und was ist das schon? Was ist „perfekt“ leben?), dann hast du trotzdem nur die (vermeintliche) Kontrolle über deine 50% der Chromosomen. Wofür kannst du dich da verurteilen, welche vermeintlichen Fehler kannst du da bei dir suchen? Was ich damit sagen möchte: Du trägst keine Schuld an dem frühen Tod deines Sternenkindes! Und wahrscheinlich gibt es auch keinen Grund für die Fehlgeburt, den du jemals herausfinden wirst.

Diese Überlegung reicht dir noch nicht und du recherchierst im Internet lieber trotzdem noch ein wenig weiter, was denn mit den übrigen 20 bis 40 Prozent der Fehlgeburten ist? Dann wirst du vielleicht darauf stoßen, dass Arztbesuche ein Risikofaktor sein können: Seien es starke Strahlungen wie bei einer Computertomografie oder Medikamente oder Impfungen – ja, all das kann die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt erhöhen. Auch Methoden zur Erkennung von Fehlbildungen des Kindes wie eine Untersuchung des Fruchtwassers (Amniozentese) oder des Mutterkuchens erhöhen das Abortrisiko – schließlich wird hier die Ruhe des Kindes in der Gebärmutter gestört. Aber wieder stellt sich die Frage: Bringt dich das weiter? Es sind Wahrscheinlichkeiten, Prozente, aber mit Sicherheit sagen, dass hier die Ursache liegt, das kann dir niemand (außer in seltenen Ausnahmefällen). Wie viele Frauen nehmen Medikamente und bekommen trotzdem gesunde Kinder? Wie viele Frauen lassen ihr Fruchtwasser untersuchen und bekommen trotzdem gesunde Kinder? Viele! Sehr viele! Dr. Bartholomeus Maris hat zu diesem Thema einmal sehr schön gesagt: „Körperliche, seelische sowie auch geistige Faktoren spielen [bei Kindsverlust] eine Rolle. Manche Kinder scheinen sich durchsetzen zu können und zu wollen, auch wenn die Umstände alles andere als optimal sind. Andere schrecken vielleicht zurück oder hatten unter Umständen vielleicht gar nicht vor, länger als nur eben für diesen kurzen Besuch zu bleiben.“

Wenn dich die Überlegungen zu den oben genannten Risiken inspirieren, auf Naturheilkunde anstatt vorschnell genommene, herkömmliche Medikamente zurückzugreifen oder Strahlungen (zum Beispiel durch das Handy oder überdurchschnittlich viele Ultraschalluntersuchungen) während der Schwangerschaft zu reduzieren, dann ist das wunderbar – aber verurteile dich nicht, weil du während der Frühschwangerschaft eine Aspirin genommen hast. Einem gesunden und intakten Embryo macht das nichts aus.

In einigen Fällen können Infektionen und andere gesundheitliche Gründe zu einer Stillen Geburt führen, aber auch das wirst du sehr wahrscheinlich nicht genau nachvollziehen können. Es gibt Frauen, die eine schwere Grippe in der Frühschwangerschaft haben und trotzdem neun Monate später ein gesundes Kind auf die Welt bringen. Es ist einfach nicht auszumachen. Weitere Faktoren, die angeblich zu einer Fehlgeburt führen können und die man immer mal wieder hört, sind Stress oder auch schweres Heben. Tatsache ist allerdings, dass laut Expert:innen weder Stress (in vertretbarem Ausmaß, hier ist keine tiefe Traumatisierung gemeint) oder einmaliges schweres Heben nicht verantwortlich für den frühzeitigen Tod eines Babys sind!

Dann gibt es verschiedene „Krankheitsbilder“, die für einen frühzeitigen Kindstod verantwortlich sein können. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, dir aber dennoch einige generelle Informationen mitgeben. Zum einen zum Thema Blutarmut und Gerinnungsstörungen als Ursache, zum anderen zu Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen.

Blutarmut tritt häufig durch Eisenmangel auf und es kann dadurch zu einer Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff kommen. Außerdem kann es sein, dass der Mutterkuchen zu klein ist, was ebenfalls zu einer Mangelversorgung des Babys führen kann. Der Eisenhaushalt einer Frau wird in der Schwangerschaft daher ständig kontrolliert und so ist dieses Thema meistens recht gut beleuchtet. Eine Untersuchung auf Gerinnungsstörungen ist häufig eine der ersten „Nachforschungs-Untersuchungen“, die Ärzt:innen empfehlen, wenn eine Frau zwei oder mehr Fehlgeburten hatte. Denn ja, die Ärzt:innen bieten in der Regel an, nach Ursachen zu suchen, allerdings erst nach zwei oder mehr Fehlgeburten, weil eine einzige Fehlgeburt eben statistisch gesehen „normal“ ist. Da ich mehrere Fehlgeburten hatte, wurde mir das auch angeboten und so sollte ich mich unter anderem auf Gerinnungsstörungen untersuchen lassen. Ich gebe hier gerne zu: Ich habe mir pflichtbewusst meine Termine für die Untersuchungen gemacht und sie dann – als ich in Ruhe in mich hineinspüren konnte und mich gefragt habe: Möchte ich das wirklich? – wieder abgesagt. Auch den Termin im Genlabor habe ich wieder abgesagt, denn plötzlich fragte ich mich: Was würde es mir gerade nützen, wenn ich nun herausfinden würde, dass vielleicht ein Chromosom von meinem Mann mit einer Wahrscheinlich von 28% mit einem Chromosom von mir kollidiert und einfach nicht zusammenpasst? Was für einen Nutzen im Hier und Jetzt hätte ich dadurch? Mir fiel keiner ein, und so sagte ich die Termine wieder ab. Ich hätte mir keinen anderen Mann gesucht, so viel steht fest. Und ich hätte auch nicht angefangen, Medikamente zu nehmen, wenn ich beispielsweise ein Gerinnungsproblem gehabt hätte – denn Medikamente können schließlich ebenfalls Fehlgeburten auslösen und haben natürlich auch noch viele andere Nebenwirkungen. Für mich stand also fest: Ich kann gerade keinen Nutzen für mich oder mein Baby darin finden, von einer Arztpraxis zur nächsten zu rennen. Im Gegenteil, in dem Moment hat die Vorstellung in mir sehr viel eher ein Gefühl von Stress und Sorgen ausgelöst. Und Stress und Sorgen wollte ich in jedem Fall gerne vermeiden.

Das ist natürlich meine sehr individuelle Entscheidung und jede Frau sollte genau den Weg gehen, der sich für sie richtig anfühlt. Auch meinen Klientinnen sage ich immer wieder: Fühl in dich hinein und schau, welche Gefühle die Vorstellung der Arztbesuche und Untersuchungen in dir auslöst. Fühlt es sich gut an, nach Sicherheit und Geborgenheit und nach Schutz? Dann ist es genau das Richtige, loszugehen! Fühlt es sich nach Stress, Unbehagen und Angst an? Dann ist es gerade nicht das Richtige. Und wie es sich anfühlt, kann sich natürlich immer wieder ändern – und wenn du spürst, dass es sich nach einigen Wochen anders anfühlt, dann go for it!

Gegen das Risiko Eisenmangel und Blutarmut kann man übrigens auch unabhängig von Arztbesuchen etwas tun. Eine gut geschulte Heilpraktiker:innen-Praxis ist hier häufig die bessere Adresse. Auch eine gut geschulte Ernährungsberatung kann hilfreich sein. Bei einer Heilpraktikerin oder einem Ernährungsberater wird dann auch direkt der Vitamin B3 (Niacin) Status geprüft. Laut einigen Quellen kann nämlich auch ein Mangel an Vitamin B3 mit dafür verantwortlich sein, dass sich Kinder im Mutterleib nicht weiterentwickeln. Niacin ist insbesondere in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Cashewkernen und Trockenobst enthalten. Ich kenne viele Frauen, die nach Jahren des Kinderwunsches plötzlich schwanger wurden, als sie auf eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung umstiegen, Fleisch sowie insbesondere Milchprodukte (die neben Antibiotika-Rückständen ja auch einen hohen Anteil an Hormonen beinhalten) aus ihrem Speiseplan strichen und gegen mehr Hülsenfrüchte, Nüsse und Gemüse eintauschten.

Generell bin ich eine Befürworterin der Selbstverantwortung. Damit meine ich, dass man sich selbst in die Verantwortung nimmt und gut zu sich selbst ist. Sich selbst liebevoll pflegt, den Alltag angenehm gestaltet und sich nährstoffreich, bewusst und reichhaltig ernährt. Bevor man sich dank vorschnell verschriebener Präparate oder Medikamente auf der sicheren Seite wähnt, lohnt es sich erst einmal zu schauen, wo man eigentlich gerade steht: Bist du glücklich in deinem Alltag? Hast du viel Stress? Wann hast du diesen Stress? Wann fühlst dich so richtig wohl und wie viele von diesen Momenten hast du pro Woche? Und tracke auch gerne deine Ernährung für eine Weile, zum Beispiel mit einer App auf dem Smartphone (zum Beispiel Cronometer). So kannst du auch ohne Heilpraktiker:in und Co. ein Gefühl dafür bekommen, wie viele Nährwerte die Nahrungsmittel haben, die du zu dir nimmst.

Die Schulmedizin ist darauf ausgelegt, schnelle Lösungen zu präsentieren. Das ist auch nicht immer verkehrt und kann sehr nützlich sein; wenn man beispielsweise einen wichtigen Vortrag halten soll und Kopfschmerzen hat, dann kann eine schnell wirkende Aspirin im Zweifelsfall vielleicht die Karriere retten – und das ist großartig. Aber wir dürfen uns auch immer wieder daran erinnern, dass wir ganzheitliche Wesen sind. Unser Körper bekommt Kopfschmerzen, weil irgendetwas nicht stimmt. Vielleicht sind wir verspannt, weil wir gestresst sind und der Kopfschmerz ist letztlich einfach die Reaktion auf den Stress. Da hilft eine Aspirin zwar gegen den Schmerz, aber nicht gegen den Stress – der den Schmerz verursacht hat. Ähnlich ist es auch bei anderen Themen. Wenn wir uns nährstoffarm ernähren und dauerhaft gestresst sind, leiden wir beispielsweise früher oder später an Schilddrüsen-Problemen. Die Schulmedizin verschreibt dann ein Schilddrüsen-Medikament, welches zwar hilft, die Schilddrüse milde zu stimmen, so dass sie ihre Arbeit wieder macht – aber das Medikament hilft nicht gegen den Stress und die Ernährung, die überhaupt erst zu dem Problem geführt haben. Was ich damit sagen will: Schnelle Lösungen, wie die Schulmedizin sie gerne bewirbt, können zwar zum Erfolg führen, tun es aber häufig auch nicht. Eine ganzheitliche Betrachtung deiner individuellen Gesundheit ist meistens zielführender.

Gerade das Thema Ernährung und Fehlgeburten finde ich spannend. Zum einen, weil ich ausgebildete Ernährungsberaterin bin und mir das Thema generell sehr am Herzen liegt, zum anderen, weil ich da einfach schon einige schockierende Erfahrungen auf diesem Gebiet machen dufte. Ärzt:innen haben (leider!) keine Ausbildung im Bereich Ernährung und das, obwohl unsere Ernährung zusammen mit unserem Lebensstil den größten Einfluss auf unsere Gesundheit (und die unserer Kinder) hat. Ich erinnere mich an einen Frauenarztbesuch in meiner Frühschwangerschaft: Meine Ärztin fragte mich, ob ich Jod nehme. Ich antwortete wahrheitsgetreu, dass ich jeden Tag eine Kapsel Kelp-Alge nehme. Da guckte sie mich mit zusammengezogenen Augenbrauen an und fragte: „Und was haben Algen mit Jod zu tun?“ Ich starrte sie einfach mit offenem Mund an und konnte gar nichts antworten, weil ich schockiert war. Eine sonst sicherlich sehr kompetente Ärztin wusste nicht, wo Jod in der Natur überhaupt vorkommt! Und um die Frage zu beantworten: Algen enthalten sehr viel Jod, je nach Alge unterschiedlich viel. Im Handel gibt es Kapseln und Tabletten mit einem sicheren Jod-Gehalt, der zu 100 Prozent aus Algen (in meinem Fall Kelp-Alge) kommt und dadurch komplett natürlich ist.

Meinen Klientinnen wird immer wieder von ihren Ärzt:innen eine Masse an Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen, häufig mit dem Hinweis: Schaden kann es ja nicht, probieren Sie es einfach aus. Auch da fällt mir jedes Mal auf ’s Neue die Kinnlade herunter. Wenn eine Frau, die sowieso schon eine Schwermetall-Last auf Grund von minderwertiger Ernährung in ihrem System hat, dann noch – die sehr, sehr häufig empfohlenen – Fischölkapseln zu sich nimmt, dann kann das durchaus schaden. Fischöl-Kapseln sind nämlich besonders stark mit giftigen Schwermetallen belastet (unter anderem deswegen sollte man in der Schwangerschaft ja auch keinen Fisch essen – und außerhalb der Schwangerschaft am besten auch nicht). Natürlich ist Omega-3 sinnvoll und auch ich würde jeder Frau zu Omega-3 Kapseln raten. Aber bitte ohne den Umweg über die schwer belasteten Fische, sondern direkt aus der Alge, wo es seinen Ursprung hat (denn nein: Omega 3 wächst nicht in Fischen, sondern kommt aus Algen, die von Fischen gegessen werden, die wiederum von größeren Fischen gefressen werden usw.). Algenölkapseln sind zwar etwas kostspieliger, aber dafür garantiert schadstofffrei und auch frei von Antibiotika- oder Hormon-Rückständen.

So, nun bin ich abgeschweift, denn eigentlich wollte ich dir noch mehr über mögliche Ursachen von Fehlgeburten erzählen.

Wie war es das noch gleich mit der Schilddrüse? Häufig wird eine Schilddrüsenüberfunktion als mögliche Ursache für eine Fehlgeburt genannt. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann die Gelbkörperfunktion beeinträchtigen oder dazu führen, dass der Mutterkuchen sich durch Gefäßschäden nicht richtig entwickeln kann. Wenn hingegen die Nebenschilddrüsen ungenügend arbeiten, fällt der Kalziumgehalt des Blutes. Das kann zu übermäßigen Krämpfen des Uterus führen und damit eine Fehlgeburt verursachen. Aber auch hier gilt wieder: Alles kann, nichts muss! Wir sprechen über Wahrscheinlichkeiten und Prozentsätze. Keine Sicherheiten. Unser Körper ist ein Wunder und kann die unglaublichsten Dinge tun. Manchmal macht er Dinge, die uns traurig machen oder die uns inspirieren, sich besser um ihn zu kümmern. Manchmal macht er wunderbare Dinge, die uns mehr Freude und Liebe ins Leben bringen, als wir es je für möglich gehalten haben. Bei Diabetes ist es ähnlich; eine suboptimale Blutglukosekonzentration (insbesondere in Zusammenhang mit einem Folsäuremangel) kann zu Fehlgeburten führen. Tut es aber nicht in jedem Fall.

Auch wenn ich nun noch weitere Krankheitsbilder aufzählen könnte, bleibt es am Ende dabei: Es kann sein, es muss aber nicht der Grund für den Kindsverlust sein. Es hilft uns in der Regel nicht weiter, uns nach dem Warum zu fragen, wenn ein Baby in unserem Bauch stirbt. Aber diejenigen von uns, die das Gefühl haben, sie leben ihr Leben nicht so, wie sie es gerne würden, die sich nicht so ernähren, wie sie es gerne würden, die sich im Alltag schlapp und ausgelaugt fühlen, die sich in ihrem sozialen Umfeld nicht wohlfühlen, die mit ihrer Arbeit unglücklich sind, oder etwas ganz anderes, diejenigen dürfen – wenn sie das möchten – ihre Fehlgeburt als Weckruf ansehen und ihr Leben in eine Richtung verändern: eine Richtung, die sie glücklich macht. Das gilt übrigens für Männer genauso, denn eine gesunde, vollwertige Ernährung und ein Alltag, der glücklich macht, wirkt sich natürlich auch auf die Spermienqualität aus; und zu einer Schwangerschaft gehören immer zwei. Überlegt euch als Paar, wie ihr gesünder und glücklicher leben könnt!

Übrigens kann man auch Diabetes- und Schilddrüsenbezogene Beschwerden mit einer vollwertigen, pflanzenbasierten Ernährung in den Griff bekommen oder zumindest deutlich reduzieren. Auch hierfür kenne ich persönlich viele Beispiele, zusätzlich habe ich dir aber auch am Ende dieses Buches einige Buchempfehlungen zusammengestellt für den Fall, dass du dich tiefer mit diesem Thema auseinandersetzen möchtest.

Wie geht es dir jetzt mit deinen möglichen Schuldgefühlen? Konnte ich dir einige nehmen? Gerne möchte ich dir zur Sicherheit noch einmal deutlich sagen: Du trägst keine Schuld!

Und ich möchte der Vollständigkeit halber an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass es natürlich auch Fälle gibt, in denen ein ganz konkreter Grund vorliegt und bei dem es sein wertvoll sein kann, medizinisch zu intervenieren. Außerdem möchte ich auch darauf hinweisen, dass ein fürsorglicher Umgang mit dir selbst in der Schwangerschaft nicht zu vernachlässigen ist und dass insbesondere Alkoholkonsum und Drogen jeglicher Art (also auch Zigaretten) zu schweren Entwicklungsstörungen oder Fehlbildungen des Embryos führen können. Ich denke, das versteht sich von selbst.

Aber selbst, wenn du nun Alkohol oder Drogen konsumiert hast oder nicht: Du wirst nicht genau nachvollziehen können, ob deine Fehlgeburt daher rührt. Egal, ob du einen gesunden Lebensstil ohne Drogen und Alkohol und mit einer ausgewogenen Ernährung hast oder in der Schwangerschaft ein paar Bier getrunken hast, du darfst jetzt die Verantwortung für das, was in der Vergangenheit liegt, loslassen. Du kannst nicht mehr ändern, was war. So verurteile dich jetzt nicht dafür, was war, sondern sieh deine Erfahrungen als Möglichkeit, zu wachsen und dich weiterzuentwickeln. Vielleicht möchtest du deinen Lebensstil nun so ändern, dass er dich erfüllt und dir Freude bringt. Und ja, sogar, wenn du dich in deiner Schwangerschaft so verhalten hast, dass einige behaupten würden, es war „unverantwortlich“, so möchte ich dir dennoch sagen, dass alles gut ist und dass du ein wunderbarer und wertvoller Mensch bist. Du hast Erfahrungen gemacht, die dich traurig gemacht haben und dich schmerzen, aber du hast die Möglichkeit, aus diesem Erfahrungsschatz zu schöpfen und dir anhand deiner Erfahrungen zu überlegen, wer du in Zukunft sein möchtest und welches Leben du leben willst. Die Erfahrung, die du gemacht hast, ist deine Chance, einem erfüllten Leben näher zu kommen, dir selbst näher zu kommen. Danke dieser Erfahrung und verurteile sie nicht. Danke dir für diesen Weckruf und verurteile dich nicht.

Du möchtest noch tiefer gehen? Du bist bereit, deine Erfahrung als Möglichkeit zu sehen, dich selbst besser kennenzulernen, deine Bedürfnisse besser wahrzunehmen und in deinem Leben noch mehr für dich loszugehen? Dann möchte ich mit dir noch eine Beobachtung aus meinen 1:1 Sitzungen mit meinen Klientinnen teilen. Auch in meinen Sitzungen wird mir sehr häufig die Frage nach dem „Warum“ gestellt und manchmal schaue ich gemeinsam mit meiner Klientin auch in Richtung der Ursachen auf ganz anderer Ebene: Tatsächlich stelle ich nämlich immer wieder fest, dass all die oben aufgeführten Punkte, die man findet, wenn man nach der Ursache für Fehlgeburten sucht, zwar natürlich wichtig und interessant sind, dass aber ein wichtiger Punkt von der Schulmedizin komplett außer Acht gelassen wird: unsere Herkunftsfamilie. Vielleicht hast du schon mal von der Epigenetik gehört? Extremer Stress und somit hohe Konzentrationen an Stresshormon (wie beispielsweise in einer traumatischen Situation) bewirken eine sogenannte epigenetische Veränderung: Von der DNA wird an einer Stelle eine Methylgruppe abgespalten, die DNA verändert sich und diese veränderte DNA wird weitervererbt. Das bedeutet, dass wenn ein Trauma in unserer Herkunftsfamilie passiert, wenn also beispielsweise unsere Oma oder Uroma Kinder verliert, dann ist es möglich, dass das ihre DNA verändert und diese veränderte DNA weitervererbt wird. Letztendlich ist es dann das Trauma unserer Vorfahrinnen (meistens mütterlicherseits, wie ich bisher in meinen Sitzungen herausfinden konnte), was die Ursache für unsere eigenen Fehlgeburten sein kann – und wieder: nicht muss! Und die körperlichen Aspekte wie der Eisenmangel oder die Schilddrüse sind lediglich die Symptome für etwas, was eigentlich ganz woanders herrührt. Nach dieser Theorie wären deine Fehlgeburten also praktisch die Wiederholung der ungeheilten Traumata deiner Vorfahrinnen. Diese Beobachtungen habe ich in den letzten zwei Jahren immer wieder gemacht, kann hier aber noch nicht von einer Statistik oder eine Studie sprechen, es ist lediglich eine Beobachtung. Ich freue mich darauf, in den nächsten Jahren weiter in diesem Bereich zu forschen und zu entdecken und dir vielleicht in der dritten oder vierten Ausgabe dieses Buches bereits mehr berichten zu können. Bis dahin schau gerne einmal in deine Herkunftsfamilie und frage deine Mutter oder Oma, ob es bekannt ist, dass ihr Kinder verstorben sind, oder ob zum Beispiel Krankheiten wie ein Gebärmutterkrebs bekannt sind. Frage gerne auch, wie es den Vorfahrinnen mit ihren Erfahrungen geht, ob sie sie aufgearbeitet haben oder ob sie eher totgeschwiegen worden. Vielleicht hilft dir diese kleine Reise in die Vergangenheit auch schon für deine eigene Aufarbeitung. Vielleicht gibt es etwas in deiner Familiengeschichte, was geheilt werden möchte und dein Sternenkind ist der Wegbereiter für diese Heilung. Vielleicht räsoniert all dies aber auch gar kein bisschen mit dir – und dann ist das auch völlig in Ordnung. Gehe stets den Weg deiner Intuition und tu das, was sich für dich gut und richtig anfühlt. Niemand weiß so gut, was für dich das Beste ist, wie du!

Eine Fehlgeburt ist immer eine traurige Angelegenheit: Wir freuen uns auf ein kleines Baby, auf einen neuen Menschen, auf ein Familienmitglied, auf unsere neue Rolle als Mutter, auf alles, was wir gemeinsam mit diesem Menschen erleben werden – und dann wird uns all das wieder genommen. Das ist sehr traurig. Und es ist richtig und wichtig, darüber zu trauern. Aber wir brauchen uns nicht noch mehr herunterzuziehen, indem wir mit aller Kraft einen Schuldigen (ein Warum) suchen. Manchmal gibt es ganz einfach keinen Grund und alles, was uns bleibt, ist es, anzunehmen und zu akzeptieren, was ist. Die Suche nach einem Schuldigen feuert unser Leid mitunter immer weiter an. Anstatt dass wir es annehmen und somit irgendwann auch wieder loslassen können, stochern wir weiter und weiter in der Wunde, so dass sie niemals verheilen kann. Sie eitert jahrelang vor sich hin und blutet sogar immer mal wieder, jedes Mal, wenn wir uns fragen: „Lag es daran, dass ich diese schwere Kiste getragen habe?“ Nein, es lag nicht an der schweren Kiste, aber auch ganz abgesehen davon: Du kannst es nicht mehr ändern. Es gibt zwischen Himmel und Erde mehr als das, was wir sehen können – und wir können einfach nicht immer alles erklären. Manchmal bleibt uns nichts anderes übrig, als es einfach anzunehmen, so wie es ist.

Fest steht: Du trägst keine Schuld! Übrigens für nichts und rein gar nichts in deinem Leben. Auch unabhängig von der Fehgeburt. Das Schuldkonzept fällt in sich zusammen, wenn man es genauer betrachtet. Denn wie können wir denn schuldig sein: Du denkst vielleicht, du hast dich nicht gut genug ernährt und trägst dafür die Schuld? Aber trägst du dafür wirklich Schuld? Du wusstest es doch gar nicht besser – du hast doch stets so gehandelt, wie es in deinem Ermessen richtig war. Wer ist dann Schuld? Vielleicht deine Eltern, weil sie dir als Kind nicht mitgegeben haben, wie man sich gesund ernährt? Weil sie dir kein Gefühl davon mitgegeben haben, was dein Körper braucht? Aber was können sie dafür, wenn sie es doch selbst nicht besser wussten? Sollten wir dann die Schuld bei den Großeltern suchen? Aber die wussten es doch auch nicht besser oder hatten vielleicht gar nicht die Möglichkeiten, sich mit der Thematik überhaupt auseinanderzusetzen. Wir könnten noch weiter zurückgehen … aber vielleicht erkennst du bereits, was hier passiert!? Es ist unmöglich, einen „Schuldigen“ zu finden. Wir alle Menschen, wir handeln stets so, wie wir es eben gerade können. Wenn wir etwas nicht wissen – zum Beispiel, dass Milchprodukte uns krank machen können – dann werden wir weiter Milchprodukte konsumieren, weil wir gelernt haben, dass sie gesund sind, weil dort angeblich wertvolles Calcium drin ist. Wir tragen dann keine Schuld dafür, dass wir unseren Körper über viele Jahre hinweg mit Substanzen gefüttert haben, die ihm nicht gut tun; wir haben einfach so gehandelt, wie wir dachten, dass es gut wäre. Wir brauchen uns für unser Verhalten nicht zu verurteilen. Wenn wir müde sind, dann reagieren wir vielleicht manchmal gereizter als wir es gerne möchten. Aber nicht, weil wir bewusst entschieden haben, gereizt zu reagieren, sondern weil wir es in dem Moment nicht anders können. Auch hier tragen wir keine Schuld für unser Verhalten. Denn, noch einmal zur Wiederholung: Es gibt keine Schuld. Was es gibt, ist Verantwortung. Und die können wir jederzeit übernehmen. Aber Verantwortung ist etwas völlig anderes als Schuld. Verantwortung ist, wenn du erkennst, dass – zum Beispiel – es dir nicht gut tut, wenn dein Chef dich mobbt und du daraufhin handelst. Wenn du dich dann – zum Beispiel – aus dem Job löst. Verantwortung ist, wenn du erkennst, dass du seit drei Wochen kein Gemüse gegessen hast und dann daraufhin handelst und dir Gemüse kaufst. Verantwortung ist, wenn du erkennst, dass du jeden Tag müde bist und daraufhin handelst und auf Ursachen-Forschung gehst. Aber Schuld für das Verhalten bis dahin – Schuld daran, dass dein Chef dich gemobbt hat, du kein Gemüse gegessen hast oder immer müde warst – hast du keine. Du hast es einfach eine Zeit lang nicht erkannt, nicht gesehen. Und in dem Moment, wo du es erkennst, greift die Verantwortung und fordert dich auf, etwas zu ändern – für dich! Und für dein Baby!

Für sich selbst einzustehen, sich selbst in die Verantwortung zu nehmen, aus Liebe zu uns selbst, das wünsche ich mir für jede von uns! Damit wir unser Leben zu dem schönstmöglichen für uns und unsere Kinder machen.

Es gibt neben der Verantwortung noch etwas in Bezug auf das Thema der Warum-Frage und der Schuld. Ein Thema, was mir sehr, sehr am Herzen liegt: die Vergebung.

Ich fasse das Obige noch einmal kurz zusammen und halte fest, wo wir gerade stehen: Wir haben bisher herausgefunden, dass wir die Zeit nicht zurückdrehen können und dass wir uns von Schuldgefühlen frei machen dürfen, da das Konzept der Schuld nicht funktioniert, keine Basis hat. Was wir aber können, ist folgendes: jeden Tag neu beginnen!

Du kannst dein Leben jeden Tag weiter nach deinen Vorstellungen gestalten und es mit Freude füllen – auch dann, wenn du traurige Erfahrungen gemacht hast. Dass dies möglich ist, haben mir in den letzten Jahren Hunderte von Frauen bewiesen. Und der schnellste Weg dorthin geht über die Vergebung. Vergib dir selbst – und dann vergib dir noch einmal und dann noch einmal. Du trägst keine Schuld. Dein Partner oder deine Partnerin trägt keine Schuld. Es gibt keine Schuld. Vergib dir selbst, vergib der Person an deiner Seite und vor allem: Vergib deinem Baby!