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Vier heiße Männer, ein Schneesturm und ich mittendrin. Die Reportage über die angesagteste Whisky-Destillerie Schottlands ist ein Coup für mich als Journalistin. Doch nichts läuft wie geplant, als ich kurz vor Weihnachten dort ankomme. Die Eigentümer erwarten keine Frau. Ich erwarte nicht, dass mir die vier so unter die Haut gehen. Und mit dem Schneesturm, der alle Straßen blockiert, hat erst recht niemand von uns gerechnet. Eingeschneit mit Sebastian, Kieran, Tyler und Jamie, hat sich Santa dieses Jahr etwas ganz Besonderes für mich ausgedacht. Darf ich dieses Geschenk annehmen oder riskiere ich zu viel, wenn ich meinen spicy Fantasien nachgebe? Viermal Santa ist eine lockere und humorvolle Why-Choose-Romance vollgepackt mit Spice und heißen Szenen unter dem Weihnachtsbaum.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Eine Why-Choose Weihnachtsgeschichte
Von
Vivi Parker
Impressum
1. Ausgabe Dezember 2023
© Vivi Parker 2023
Alle Rechte vorbehalten.
Covergestaltung: Umschlaggestaltung: Sabine Albrecht, www.benisa-werbung.de
Unter Verwendung von:
©Depositphotos.com/magann
©Depositphotos.com/[email protected]
©Depositphotos.com/kamenuka
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©Depositphotos.com/subarashii21
©Freepik/pikisuperstar
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©Freepik/BiZkettE1 Korrektorat: Margaux Navara
Herausgeberin:
Vivi Parker
c/o WirFinden.Es
Naß und Hellie GbR
Kirchgasse 19
65817 [email protected]
Warnung!
Dieser Roman ist eine süße Weihnachtsgeschichte mit Keksen, Schneeballschlacht und Happy End. Es ist aber auch ein Buch voller megaspicy Episoden, in denen es ganz schön zur Sache geht. Explizite Szenen mit expliziter Sprache erwarten Euch.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 Robin4
Kapitel 2 Sebastian9
Kapitel 3 Robin13
Kapitel 4 Kieran18
Kapitel 5 Robin21
Kapitel 6 Jamie26
Kapitel 7 Robin30
Kapitel 8 Tyler35
Kapitel 9 Robin38
Kapitel 10 Kieran44
Kapitel 11 Robin47
Kapitel 12 Tyler52
Kapitel 13 Robin56
Kapitel 14 Jamie62
Kapitel 15 Robin65
Kapitel 16 Sebastian72
Kapitel 17 Robin75
Kapitel 18 Robin81
Kapitel 19 Kieran85
Kapitel 20 Robin89
Kapitel 21 Robin93
Kapitel 22 Epilog99
Kapitel 1 Robin
22. Dezember – irgendwo in den Highlands
„Lucy, hey, was gibt es?“
Eines der besten Features meines Wagens ist die Freisprechanlage. Ich drücke nur kurz auf ‚Annehmen‘ und kann mit meiner besten – und einzigen – Freundin sprechen, während ich mich über die gefühlt schmalste Straße Schottlands quäle.
„Kannst du für Weihnachten Whisky besorgen?“
Lucy ist so durchschaubar, dass ich mir ein Grinsen verkneife. „Natürlich werde ich dir etwas vom heißesten Scheiß der Saison mitbringen und auch die Flasche für deine Eltern nicht vergessen. Wie wir es in den letzten Tagen circa drölfzig Mal besprochen haben.“ Der Ballochry Single Malt ist nicht umsonst gerade in aller Munde. Ha! Wortspiel in meinen Gedanken. Aber es lenkt mich von dem ab, was Lucy wirklich will.
Ich weiß genau, was das ist, aber ich kann es ihr nicht geben. Vielleicht später unter vier Augen. Denn so verrückt mein Privatleben auch manchmal läuft, ich liebe meinen Job und bin stolz auf meine Professionalität als Journalistin. In diesem Fall geht der Job vor.
„Bist du schon da?“, nähert sich Lucy mit ihren Fragen dem Kern des Themas an.
Ich navigiere durch ein Dorf, das außer einem Pub und einem Co-op nur ein paar unscheinbare Häuser zu bieten hat. Im diffusen Licht, das durch die grauen Wolken dringt, wirkt es ein wenig trostlos. Das Navi zeigt, dass mein Ziel dahinter liegt.
„In ein paar Minuten habe ich es geschafft und, Lucy, ich melde mich danach, wenn ich auf dem Weg ins Hotel bin. Falls du anrufst, während ich arbeite, werde ich dich ignorieren. Und falls du es mehrmals tust, trinke ich den Whisky alleine.“
In gespielter Verzweiflung heult sie durch die Leitung. „Och, Bobbiee, meine liebste Bobbie, nur ein paar Bilder von ihnen nur für mich!“
„Nope. Du bekommst, was alle bekommen. Ich verspiele mein hart erkämpftes Image als seriöse Reporterin nicht, indem ich Interviewpartner bitte, mit freiem Oberkörper zu posieren.“
Der Weg hier hinauf ist nur geschottert, weshalb ich ihn als Entschuldigung nutze. „Sorry, Luce, ich muss auflegen. Habe mein Ziel erreicht.“
„Viel Spaß, Bobbie! Und bis später. Ich sitze hier und kaue an meinen Nägeln!“
Der Anruf verstummt und ich biege um die letzte Kurve. Da ist sie. Die Destillerie Ballochry, über die jeder schreiben möchte. Genau genommen über ihre vier Besitzer – zwei schottische Cousins und ihre englischen Freunde.
Ich bin die glückliche Journalistin, deren Anfrage akzeptiert wurde. Ich parke mein Auto vor dem großen Gebäude mit dem Scheunentor links von der Auffahrt und atme tief durch. Die Fahrt von York hier herauf in die schottischen Highlands war lang und anstrengend. Mein Magen knurrt. Da niemand zu sehen ist, reiße ich das Papier von einem Proteinriegel und schlinge ihn hinunter.
Gerade als ich nach meiner Wasserflasche greife, klopft jemand an die Scheibe und ich drehe mich herum. Durch das Fenster meines Wagens sieht mich ein blonder Hüne an.
Vor Schreck verschlucke ich mich an dem klebrigen Riegel und fange an zu husten.
Fuck!
Die Tränen schießen mir in die Augen. Als er die Autotür öffnet und sich über mich beugt, um mir auf den Rücken zu klopfen, kann ich nichts dagegen tun, außer innerlich zu fluchen und weiter zu husten. Hoffentlich verliere ich dabei keine Überreste des Riegels. Das ist so peinlich!
Endlich bekomme ich wieder Luft.
„Alles okay? Geht es wieder?“ Kieran Campbells Stimme dringt zu mir durch. Tief und warm. Er kniet in der Hocke neben dem Fahrersitz und wartet auf eine Antwort von mir. Ich nicke und finde endlich meine Wasserflasche. Nach ein paar Schlucken geht es mir besser. Die Zeit brauche ich, um seinen Anblick zu verdauen.
Verdammt, ist der riesig! Aber das hätte ich erwarten sollen, nicht wahr, wenn ich aufbreche, um unter anderem Ex-Elitesoldaten zu interviewen?
Fotos und Berichte haben mich nicht auf seine Präsenz vorbereitet. Die breiten Schultern verdecken mir die Sicht. Mein Auto kommt mir viel kleiner vor als sonst. Er hat seine langen blonden Haare zu einem Man-Bun gebunden und um seine lächelnden Lippen wächst ein Fünftagebart, den ich ziemlich sexy finde. Ein Highlander, wie er im Buche steht.
Ja, es gibt einen Grund dafür, dass meine beste Freundin wegen dieses Auftrags ausgeflippt ist.
Aber nun sollte ich mich ganz schnell wieder in den Griff kriegen.
„Danke. Bitte entschuldigen Sie.“
Ich will mich eben vorstellen, doch er ist schneller. „Haben Sie sich verfahren?“
„Verfahren?“ Ich greife nach meiner Tasche und halte erstaunt inne. „Nein, ich bin Robin Jennings und habe einen Termin, um einen Bericht über Ihre Destillerie zu schreiben.“
„Sie sind Robin Jennings?“ Er steht auf und ich bin plötzlich mit seinem wirklich unglaublich imposanten, kleiderschrankbreiten Oberkörper konfrontiert. Mein Unterleib tanzt Tango, aber ich verbiete mir, über so etwas auch nur nachzudenken, und folge ihm, indem ich auf wackligen Beinen aus dem Wagen steige. „Es tut mir leid, Mr Campbell …“
Er schenkt mir ein Grinsen, das direkt in mein Höschen fährt. Das hier wird schwieriger als gedacht. „Kieran, bitte. Mr Campbell war mein Großvater und er war furchterregend.“
„Okay, Kieran, ich bin, wie gesagt, Robin. Ich möchte mich für den kleinen Anfall von eben entschuldigen. Wenn mich nicht gerade ein Proteinriegel zu töten versucht, habe ich durchaus Manieren.“
Er mustert mich von Kopf bis Fuß, noch immer lächelnd. „Manieren, Robin, können dich hier sehr weit bringen.“ Dann streckt er mir die Hand hin und ich ergreife sie. Ein Händedruck wie ein guter Whisky, warm und stark.
Es hat nur diese paar Minuten gebraucht und ich verstehe, warum sämtliche Frauen- und Lifestylemagazine einen Bericht über Harry und Meghan für eine exklusive Story über diese Destillerie in den Müll werfen würden. Kieran Campbell ist heiß. Falls die anderen drei Besitzer in persona auch so viel besser sind als auf dem Papier, dann fürchte ich zum ersten Mal im Leben, meine Professionalität nicht wahren zu können.
Ist es überhaupt erlaubt, so verdammt sexy zu sein?
Dieser Mann wirkt wie der fleischgewordene Held eines kitschigen Highlanderromans. Außer, dass er Jeans statt Kilt trägt, aber, who cares, wenn solche Schenkel drin stecken? Hinter ihm, zwischen dem Gebäude, das ich für die Brennerei halte, und einem großen, grauen Steinhaus steht ein alter Turm, so moosbewachsen und schief, als habe er schon zur Zeit von Culloden dort gestanden.
„Herzlich willkommen in Ballochry, Robin! Ich freue mich sehr, dass du über unser Projekt berichten wirst. Für welches Magazin schreibst du?“
Ich schließe die Tür des Wagens und will ihm folgen, meine Tasche in der Hand. Der Wind ist kalt und bevor ich antworte, hole ich meine Jacke von der Rückbank. Er mag ja ein Highlander sein, der nicht mehr als einen dunkelblauen Pullover benötigt, um seine breiten Schultern und den massiven Oberkörper zu wärmen, aber ich bin eine verfrorene Engländerin und brauche in dieser Gegend und Jahreszeit eine Daunenjacke, die bis zum Kinn geschlossen werden kann. Heißer Kerl hin oder her.
Er erwartet mich an dem großen Scheunentor. „Bisschen frisch, was? Aber Schnee soll erst in der Nacht kommen.“
„Diese Nacht?“
Er nickt. „Die Vorhersagen meiner Mum stimmen immer.“
„Na, dann lass uns mal loslegen, damit ich rechtzeitig ins Hotel komme.“
Während ich durch die Tür gehe, die er mir offen hält, komme ich zurück auf seine Frage. „Ich schreibe nicht für eine spezielle Publikation, sondern bin freiberuflich tätig. Meine Artikel spezialisieren sich auf neuartige, kreative Projekte und Start-ups. Damit war ich schon in den meisten Kulturmagazinen, aber auch in vielen Wirtschaftspublikationen vertreten.“ Diese Informationen hatte ich alle vorab gesendet. Hat Sebastian Kennington, der Geschäftsführer, mit dem ich per E-Mail diesen Termin vereinbart habe, denn seinen Miteigentümern nichts erzählt? In journalistischen Kreisen ist es ein offenes Geheimnis, dass die vier keine Berichterstattung wollen. Meine Anfrage war nur ein Schnellschuss gewesen, um es wenigstens versucht zu haben, aber aus irgendeinem Grund hat Mr Kennington mich hierher eingeladen.
Natürlich lasse ich mir nichts anmerken von meiner Verwunderung. Stattdessen reiße ich mich vom Anblick Kierans los und sehe mich um. Riesige Pot Stills, die aussehen wie glänzende Zwergenmützen, reihen sich am hinteren Ende der Halle aneinander. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und den Prozess der Whiskydestillation recherchiert. Aber noch bevor ich meine erste Frage abfeuern kann, öffnet sich rechts eine Tür und Mr Kennington kommt mit gerunzelter Stirn auf uns zu.
Er trägt Hemd und Anzughose, aber keine Krawatte. Alles an ihm schreit britische Upper Class. Dieser Typ Mann ist das Ergebnis von Privatschulen und Hauspartys. Sein Oberklassenakzent ist unüberhörbar. „Was soll das? Wir haben eine Vereinbarung, Kieran. Keine Frauen im Betrieb.“
Angepisste, englische Oberklasse. Und zu hübsch, um wahr zu sein. Auch in diesem Fall wird die Klatschpresse nicht dem Mann gerecht. Doch nicht mal sein perfektes Gesicht kann die Unhöflichkeit wettmachen.
Ich strecke ihm die Hand hin und stelle mich mit dem zuckersüßesten Lächeln, das ich fertig bringe, vor. „Robin Jennings. Freut mich, Sie endlich persönlich kennenzulernen, Mr Kennington. Oder soll ich Sir Sebastian sagen?“ Einen verfickten Titel hat der Kerl auch. Wie gesagt, ich recherchiere gründlich.
Kennington bleibt stehen, schüttelt meine Hand. Ich kann sehen, wie sein Adamsapfel arbeitet. Aus der Nähe ist er noch schöner. Ja, ich verstehe die Anziehungskraft des arroganten Aristokraten mit dem perfekten Gesicht.
„Sie sind Robin Jennings?“ Kieran hat mich vorhin auch gemustert, aber auf eine bewundernde Art. Dieser Mann dagegen sieht mich an, als würde er mich entweder rausschmeißen oder … vögeln wollen. Nein, das ist nur meine Libido, die seit der Trennung von Matt in den Winterschlaf geschickt wurde. Wieso wacht sie gerade jetzt auf und wieso macht mich dieser überhebliche Kerl so an?
Geschockt entziehe ich ihm meine Hand und suche in der Tasche nach dem Aufnahmegerät.
„Richtig, die bin ich und wir haben eine Verabredung. Ich hoffe, Sie haben Ihre Meinung nicht geändert, nachdem ich gerade über sechs Stunden Fahrt hinter mich gebracht habe, um hierher zu gelangen.“
Mit vor der Brust gekreuzten Armen steht er da. Kierans Lachen ist es, was mich davon abhält, auf Kennington loszugehen. Er ist angepisst? Der kann was erleben, wenn ich jetzt unverrichteter Dinge wieder fahren soll. Der Ärger ist definitiv besser als die Lust, sage ich mir und konzentriere meine Energie darauf.
Aber mein Schotte – huch wo kommt das Possessivpronomen denn jetzt her – erklärt mir die Situation. „Seb dachte, dass du ein Mann bist, Robin. So wie in Robin Hood. Frauen lassen wir nicht mehr hier herein.“
Wie bitte? Ich hätte die Eigentümer von Ballochry nicht für Sexisten gehalten, aber vermutlich muss so viel maskuline Sexyness irgendwo auch einen Haken haben. „Was hat mein Geschlecht mit dieser Reportage zu tun?“
„Oh, nur dass wir ganz sicher keinen weiteren Bericht brauchen über unseren Beziehungsstatus garniert mit Bildern, in denen Jamie mit freiem Oberkörper Gerstensäcke schleppt und Kieran einen Kilt tragen soll!“ Kennington verzieht seinen schönen Mund zu einem süffisanten Lächeln.
Es dauert einen Augenblick, bis ich verstehe. „Oh, also waren schon weibliche Journalisten hier und die …“ Ich erinnere mich an die Hysterie unter den Kolleginnen auf einer Tagung. „Sie haben nicht wirklich …?“
„Gefragt, ob sie ein Foto von Kierans Oberkörper, über den sie Whisky träufeln, haben können?“
Himmel, ich verschlucke mich beinahe wieder, weil der Mann mit dieser beeindruckenden Brust direkt neben mir steht und das Bild in meinem Kopf so verdammt heiß ist, dass mein gesamtes Blut in meinem Unterleib zusammenläuft. Schluss damit.
„Ich schreibe keine solchen Berichte, Mr Kennington.“ Ich stelle mich den grauen Augen, die aussehen, als wüssten sie ganz genau, woran ich gerade gedacht habe. „Deshalb habe ich Ihnen Arbeitsproben geschickt, die beweisen, dass meine Berichterstattung über junge Unternehmen fundiert und sachlich ist. Deshalb haben Sie mir den Job doch gegeben, nicht wahr?“
„In Ordnung, dann folgen Sie mir mal.“ Er sieht auf eine Armbanduhr, die aussieht, als koste sie mehr als mein Auto und schnalzt ungeduldig mit der Zunge. „Zehn Minuten der vereinbarten Zeit sind bereits um.“
Immerhin schickt er mich nicht weg. Ich atme tief aus und folge ihm.
„Bis später, Robin. Sobald Seb mit dir fertig ist, kommt doch rüber ins Haus, dann kannst du die anderen kennenlernen.“
Sobald Seb mit mir fertig ist … Diese Worte verursachen auf meiner Haut einen Schauder.
Worauf habe ich mich hier bloß eingelassen?
Kapitel 2 Sebastian
Von allen möglichen Journalistinnen, deren Namen man für den eines Mannes halten kann, muss Robin Jennings die heißeste sein.
Ich traute meinen Augen kaum, als ich meinen Freund im Hof mit einer derart aufregenden Frau sah. Vom Fenster des Büros im oberen Stockwerk habe ich gesehen, wie Kieran ihr aus dem Auto geholfen hat. Ich habe beobachtet, wie sie ihr langes Haar über die Schultern geworfen hat und wie ihr roter Pulli sich über den Brüsten spannte, bevor sie den Mantel anzog. Und ich war sauer gewesen, weil ich einen Termin mit einem Reporter hatte, statt mir Kierans neue Freundin anzuschauen.
Die der Reporter ist.
Die Reporterin.
Scheiße. Von allen Journalistinnen, die uns hier schon überfallen haben, ist sie diejenige, für die ich mein Hemd liebend gern ausziehen würde.
Aber ich trenne Job und Vergnügen.
Robin tritt durch die geöffnete Tür in unseren Showroom, der wie eine Art Keller aussieht. Früher war das ein Stall. Fensterlos, wie so viele Zweckgebäude hier in den Highlands. Das habe ich gelernt, seit ich meinen Freunden hierher gefolgt bin, um die hipste und erfolgreichste Whiskybrennerei Schottlands aufzubauen.
Mein Blick fällt auf die Frau vor mir. Sie hat sich von meiner Unhöflichkeit nicht einschüchtern lassen und mir Kontra gegeben. Ich mag das, wenn eine Frau nicht schleimt und mit den Wimpern klimpert, um zu erhalten, was sie will. Robin hat da ein paar verflucht gute Artikel geschrieben, genau in der Art, wie ich mir PR für uns vorstelle. Deshalb habe ich keinen größeren Check ihres Hintergrunds gemacht, deshalb wollte ich sie. Und weil ich sie für einen Mann hielt.
„Bitte nehmen Sie Platz!“
Sie erschrickt, als ich plötzlich spreche, und setzt sich, ihre Tasche fest umschlungen auf einen der lederbezogenen Barhocker an unserem Showtresen aus naturbelassenem Eichenholz. Trotz des Selbstbewusstseins, das sie in der Halle an den Tag gelegt hat, scheint sie ein wenig verkrampft.
Ich bringe den Tresen zwischen uns und biete ihr ein Glas an. „Hier, das ist unser bester Single Malt. Den hat noch Kierans Großvater eingelagert.“
Sie zögert und nippt dann daran. „Mhm, bei dem Wetter täte ein ganzes Glas gut, aber ich muss noch fahren. Außerdem bin ich keine Kennerin von Whisky, Mr Kennington. Mein Spezialgebiet sind kleine Unternehmen mit Potenzial. Ich hoffe, ich enttäusche Sie nicht.“ Dabei sieht sie mir in die Augen.
Ich bin beeindruckt, sie hat ihren Spirit wiedergefunden und fordert mich heraus. Lady, du ahnst nicht, wie mich das anmacht. Zum Glück stehe ich hinter dem Tresen und sie sieht nicht, wie mein Schwanz gegen die Hose drückt. Nicht nur absolut heiß anzusehen, sondern auch noch intelligent und selbstbewusst! Als hätte ich sie in einem Wunschzettel an Santa beschrieben.
„Nein, Ms Jennings, Sie enttäuschen mich keineswegs. Enttäuscht wäre ich gewesen, wenn Sie den Schwanz eingezogen hätten.“ Ich darf das Wort ‚Schwanz‘ nicht mehr im Zusammenhang mit ihr benutzen, sonst wird dieses Interview im Chaos enden.
Ist das ein Lächeln, was um ihre sinnlichen Lippen spielt? „Das liegt nicht in meiner Natur, Mr Kennington.“
Bevor ich anfange, sie über ihre Natur und Vorlieben auszufragen, trinke ich einen Schluck und deute ihr anzufangen. „Schießen Sie los!“
Sie schlägt ihr Notizbuch auf und legt los.
Ich lag absolut richtig, als ich Robin Jennings unsere Geschichte anvertraut habe. Sie stellt die richtigen Fragen. Intelligente Fragen. Und sie ist charmant. Je mehr wir unser Gespräch vertiefen, je tiefer sie in ihrer Arbeit steckt, desto lockerer wird sie. Ich mag ihr Lachen und wie sie die Lippen spitzt, wenn sie sich konzentriert. Dieser Gedanke erzeugt Bilder in mir, wie man diese Lippen auch nutzen könnte. Um mich abzulenken, werfe ich einen Blick auf die Uhr.
„Verflixt!“
„Wie bitte? Stimmt was nicht?“ Sie schaut vom Stapel ihrer Notizen auf. Eine Haarsträhne fällt ihr ins Gesicht und ich fasse instinktiv danach, rieche daran und schiebe sie zurück hinter ihr Ohr. Wow!
Ein Hauch von einer Zitrusfrucht, aber keine Zitrone. Jamie wüsste sofort, wonach sie duftet.
Langsam ziehe ich meine Hand zurück, ohne ihrem Blick auszuweichen. Diese Augen! Ob sie auch so angetörnt ist? Sie leckt über ihre Lippen. Nur ganz kurz und nur mit der kleinen, dunkelrosa Spitze ihrer Zunge.
Flirte ich gerade mit einer Journalistin? Ich muss den Verstand verloren haben. „Wir sitzen schon über zwei Stunden hier.“
Sie hebt den Kopf und schüttelt sich, als müsse sie sich von etwas befreien. „Die Zeit verging wie im Flug. Und ich habe noch so viele Fragen.“ Letzteres scheint sie wieder auf den Boden zu holen. Die sinnliche Frau, die ich fast geküsst hätte, weicht der Journalistin in ihr. Sie greift nach ihrer Tasche. „Darf ich Fotos machen? Dann würde ich Ihnen die restlichen Fragen per E-Mail senden? Und, wenn möglich, würde ich gerne noch kurz die anderen Eigentümer kennenlernen.“ Dabei wird sie rot. Warum? Ob sie auf meine Kumpels gespannt ist? Oder ist es ihr peinlich, was ihre Kolleginnen mit uns abgezogen haben?
Mir ist das egal. Ich ertappe mich bei der Frage, ob sie wohl am ganzen Körper errötet.
Das ist gar nicht gut. Robin Jennings ist hier, um einen Bericht über unsere Brennerei zu verfassen. Alles andere gefährdet dieses Projekt.
Deshalb führe ich sie in den Keller, wo die Fässer lagern. Ich führe sie zuerst zu den alten von Kierans Großvater, der hier früher gearbeitet hat. „Das ist der traditionelle Ballochry Whisky. Den hat Kierans und Jamies Großvater noch produziert.“
„Sie haben ihn jedoch zu einer Marke gemacht!“
Ich nicke. „Das ist unser Kapitel. Ein hervorragender alter Whisky traditionell hergestellt. Er hat es verdient, bekannter zu sein. Ballochry hat schon immer einen exzellenten Tropfen produziert, aber man hatte sich nicht um den Verkauf und das Marketing gekümmert. Wir arbeiten auch weiterhin so wie der alte Herr vor uns, aber es wird zukünftig weitere Sorten geben. Nachhaltig und biologisch hergestellt. Die sehen Sie hier drüben!“ Ich deute zu den neuen Fässern.
Eine Reporterin eines Klatschblattes hat mir hier mal aufgelauert. Wenn allerdings Robin diesen Moment nutzen würde, um ihren Pullover hochzuziehen und mir ihre Brüste zu zeigen, würde ich nicht Nein sagen. Verdammte Scheiße! Diese Kombination aus sexy Weiblichkeit, Intelligenz und Professionalität ist das Heißeste, was mir seit Langem untergekommen ist.
Ich sehe mich mit einem Glas in der Hand beobachten, wie die Fantasie-Robin eine Hand an eine der hölzernen Streben legt und lasziv den Hintern schwingt. Noch besser, die Jungs leisten uns Gesellschaft und sehen auch zu. Diese Frau dazu zu bringen, dass sie für uns tanzt, uns vier heißmacht, und danach …
Fuuuuuuuuck!
Das ist eine Jobsache hier – und hat rein gar nichts mit unseren Kinks zu tun! Hatte ich Angst, dass ein weiblicher Journalist die professionelle Distanz nicht wahren kann? Scheiße, ich bin es, der sich kaum unter Kontrolle hat.
„Haben Sie genug Bilder?“ Ich scheuche sie nach oben, als sie nickt. Immer zwei Schritte hinter ihr mit zusammengepresstem Kiefer. Für jemanden, der sich seiner Kontrolle so rühmt wie ich, bin ich heute ziemlich daneben drauf. „Dann können Sie noch oben fotografieren, während ich die Jungs rufe.“
In der Halle kniet sie mit der Kamera in der Hand vor den glänzenden Pots Stills, während ich mein Handy rausziehe und drüben im Haus anrufe.
„Hey, Seb, das wurde aber Zeit! Hast du …“
Ich unterbreche Tyler, weil ich jetzt keine Lust auf seine Sticheleien habe. „Könnt ihr kurz rüberkommen für ein Gruppenbild?“
„Mann, lass mich ausreden! Hast du mal aus dem Fenster gesehen?“
„Was? Nein, ich war beschäftigt und würde diese Sache jetzt gerne schnellstens beenden!“ Ich bin lauter geworden als beabsichtigt. Im Augenwinkel sehe ich, wie Robin zusammenzuckt und hastig nach ihrer Tasche greift. Scheiße! Ich trete bei ihr aber auch in jedes Fettnäpfchen. Sie muss mich für ein kolossales Arschloch halten. Warum mich das stört? Weil ich lieber in ihr Arschloch will, als dass sie mich für eines hält.
„Seb? Bist du noch dran? Der Schneesturm hat begonnen.“
Endlich raffe ich mich auf und gehe zum Tor. Der Anblick ist ein Schock. Das sind nicht einfach dunkle Wolken wie bisher, sondern es rieseln dicke Schneeflocken herab. Dazu bläst ein eisiger Wind.
„Wir kommen rüber“, antworte ich Tyler knapp, bevor ich die Tür schließe und mich zu Robin drehe.
„Ms Jennings, es tut mir leid.“
Sie hat ihre Kamera verstaut und den Mantel wieder angezogen. Jetzt kommt sie auf mich zu. „Schon gut, ich habe verstanden, Sie möchten mich loswerden. Aber ich kann Ihnen sagen, dass es nicht besonders gut ankommen wird, wenn nur Sie auf den Bildern sind. Haben Sie ein Problem mit Ihren Co-Eigentümern? Sind Sie eifersüchtig, dass Sie sich das alles teilen müssen?“
Dabei macht sie eine ausholende Geste um ihren Körper herum.
Oh Robin, wenn du wüsstest, wie gerne ich teile!
Kapitel 3 Robin
Dieser arrogante Mistkerl will mich loswerden? Er versucht, seine Co-Eigentümer unter den Teppich zu kehren? Ich habe gehört, wie er gesagt hat, dass er schnellstens fertig werden möchte. Wie er seinen Kumpel am Telefon angeschnauzt hat! Und das nach diesem unglaublich tollen Interview, währenddessen ich meine Meinung über ihn recht schnell geändert habe! Zu schnell, wie es aussieht. Ich hatte Sebastian Kennington, bis wir den Keller voller Fässer besichtigten, längst seine Arroganz verziehen.
Vermutlich nur, weil ich so auf seine Oberklasse-Art abfahre. Ich muss nach den Feiertagen dringend den Club besuchen. Ganz offensichtlich brauche ich Sex, wenn ich schon während der Arbeit beginne zu fantasieren. Und meine Fantasien sind wie meine Vorlieben ziemlich unanständig. Jedenfalls haben sie hier nichts zu suchen.
„Robin!“
Jetzt will er mich beim Vornamen nennen? Nicht mit mir!
Ich stürme an ihm vorbei, reiße das Tor auf und rutsche aus.
Verdammte Scheiße! Was ist das?
Ich wappne mich für eine harte, nasse Landung im Schnee.
Schnee? Wo kommt der denn jetzt her?
Aber ich falle nicht tief, lande nicht im Matsch. Stattdessen fangen mich zwei Arme auf und ich werde an die breite Brust des Mannes gedrückt, den ich soeben beschuldigt habe, seine Freunde zu hintergehen.
