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Hast du die volle Kontrolle über dein Leben? In einer Welt, die immer schneller und chaotischer wird, suchen wir nach Beständigkeit und Freiheit. Genau hier kommen Bitcoin und der Stoizismus ins Spiel. Dieses Buch zeigt dir, wie du durch die Prinzipien von Bitcoin und die Philosophie des Stoizismus innere Gelassenheit und äußere Unabhängigkeit erlangst. Bitcoin ist mehr als nur eine digitale Währung – es ist ein Symbol für Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung. Gemeinsam mit den zeitlosen Lehren der Stoiker, die uns Weisheit, Mut und Gelassenheit lehren, bietet Bitcoin eine neue Perspektive auf das, was es bedeutet, ein erfülltes Leben zu führen. Lerne, wie du deine Unabhängigkeit mit Bitcoin erreichst und gleichzeitig deine mentale Stärke mit stoischer Ruhe aufbaust. Dieses Buch gibt dir die Werkzeuge an die Hand, um souverän mit Unsicherheiten umzugehen, kluge Entscheidungen zu treffen und in einer unruhigen Welt standhaft zu bleiben. Bist du bereit, die Kontrolle zu übernehmen und dein Leben nach deinen eigenen Regeln zu gestalten?
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Seitenzahl: 198
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Virtus Digitalis: Mit Stoizismus und Bitcoin zu Tugend und Souveränität
Copyright © 2025 Alexander Best. Alle Rechte vorbehalten.
Copyright © 2025Aprycot Media. Alle Rechte vorbehalten.
Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch wurde von Aprycot Media – Held & Tröndle GbR unter Lizenz des Autors veröffentlicht.
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ISBN 978-3-949098-62-8 (Print)
ISBN 978-3-949098-63-5 (ePub)
Korrektorat/Lektorat: David Hollmer - Der letzte Schliff
Cover Design: Michi Nussbaumer
Layout & Satz: Michi Nussbaumer
Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck
Verlag: Aprycot Media - Held & Tröndle GbR, Muldenweg 8, 79618 Rheinfelden, [email protected]
1. Auflage 2025
Aprycot Media – Der Bitcoin Verlag – www.aprycot.media
X & Instagram: @aprycotmedia
Alexander Best
mit Vorwort von Niko Jilch
Vorwort
Wenn Mathematik auf Philosophie trifft
Stoizismus – Die Kunst der Gelassenheit
Alles VUCA VUCA?
Stoiker sind gefühllose Pessimisten
Ursprünge des Stoizismus
Zeiten der Krise
Bitcoin. Das Geld der Philosophen
Bitcoin ist führungslos
Bitcoin ist Geld
Puzzeln ist auch Arbeit
Neues Geld ist nichts Neues
Das Haus der Philosophen
Eudaimonie – das innere Glück
Die Hausordnung:
Die Kunst des tugendhaften Lebens
Tugend par ordre de mufti
Die vier Kardinaltugenden
Weisheit
Gerechtigkeit
Mäßigung
Tapferkeit
Übungen für den Geist: Praktische Schritte zur stoischen Gelassenheit
Aus Kontrolle wird Freiheit
Eine gute Reise
Was ist ein gutes Leben? Und was müssen wir tun, um so ein gutes Leben zu leben? Fragen, die sich jeder irgendwann stellt. Heute, gestern – und vorvorgestern.
Solche Fragen sind so alt wie die Menschheit selbst. Und manch Antwort ist so gut, dass sie den “Test der Zeit” überstanden hat. Über hunderte, tausende Jahre.
Die Antworten des Stoizismus zum Beispiel. Die Stoiker sagen uns, wie wir besser leben können. Mehr Erfüllung, mehr Selbstsicherheit. Weniger Zweifel, weniger Sorgen. Aber sie sagen auch: Es ist Arbeit. Und Einsicht. Die Arbeit an uns selbst. Und die Einsicht, dass wir vieles nicht ändern können. Dass wir nur dort Macht besitzen, wo die Verantwortung in unseren Händen liegt.
Macht es Sinn, sich über das Wetter zu beschweren? Über die Temperaturen? Nein, denn es liegt nicht in unserer Macht. Die Stoiker sagen: Alles, was wir kontrollieren können, ist unsere Reaktion. Unsere Einstellung zu unverrückbaren Tatsachen. Das zu lesen, zu bejahen, ist aber zu wenig. Jede Philosophie ist nur so hilfreich wie ihre praktische Anwendung. Das ist die Arbeit. Wer gut leben will, muss etwas dafür tun. Seine Einstellungen, Reaktionen und Gefühle unter Kontrolle haben. Nicht jederzeit – das ist unmöglich. Aber immer öfter. Wer die Prinzipien des Stoizismus verinnerlicht, übernimmt Verantwortung. Eigenverantwortung.
Womit wir beim zweiten Teil des Puzzles sind, das dieses Buch zusammenfügt. Bitcoin. Dieses Geld ist zwar neu. Aber die Suche nach Stabilität im Wirtschaftsleben ist mindestens so alt wie die nach dem Sinn im Leben. Manche, die Bitcoin für sich entdeckt haben, fühlen sich erst jetzt überhaupt bereit, einen Blick auf die anderen Bereiche ihres Lebens zu werfen.
Andere haben die Verantwortung schon lange übernommen und setzen ihren Weg mit Bitcoin fort. In jedem Fall tun sie etwas, das vor Bitcoin kaum möglich war: Sie entscheiden selbst, welches Geld sie nutzen, um die Früchte ihrer Arbeit zu speichern. Es ist ein radikaler Schritt in die Verantwortung. Einer, der schon viele aus dem Hamsterrad der Inflation befreit hat.
Dieses Buch ist für alle. Für die, die der Stoizismus zu Bitcoin geführt hat. Für jene, die Bitcoin zur Philosophie gebracht hat. Und sogar für alle, die keine Ahnung haben, was ich hier schreibe.
Vor zwei Jahren schon, hatte ich die Idee, ein Buch zu schreiben mit dem Titel “Der stoische Bitcoiner”. Das ist nicht mehr nötig, denn Alexander Best hat es bereits getan. Ich danke ihm dafür und wünsche allen Lesern eine genussvolle Lektüre. Eines kann ich versprechen: Wer einmal in den Kaninchenbau von Stoizismus und Bitcoin gestiegen ist, wird so schnell nicht mehr hinaus wollen.
Alles Liebe, Niko Jilch
„Aus großer Macht folgt große Verantwortung“
Ben Parker, Spider-Man (2002)
In einer Welt voller Unsicherheiten, in der sowohl politische als auch wirtschaftliche Systeme ins Wanken geraten, suchen wir nach Stabilität und Orientierung. Der Stoizismus, eine Philosophie der inneren Ruhe und Tugend, bietet uns zeitlose Prinzipien, um mit Chaos und Wandel umzugehen. Bitcoin, als ein unabhängiges und globales Finanzsystem, haben viele schon als Antwort auf die Unsicherheiten des staatlichen Geldsystems angenommen. Doch steckt noch mehr dahinter? Welche Auswirkungen hat Bitcoin auf die Gesellschaft und jeden einzelnen Menschen? Finden wir sogar eine Verbindung zwischen dem digitalen Bitcoin und dem philosophischen Stoizismus? Dieses Buch erkundet die tiefen philosophischen Verbindungen zwischen Stoizismus und Bitcoin und zeigt, wie die Prinzipien der Tugend und Selbstbeherrschung in beiden Welten eine zentrale Rolle spielen.
Virtus Digitalis – Tugend durch das Digitale. Wie kann Tugend aus dem digitalen Raum kommen? Das Digitale ist das Leben der Maschinen: seelenlos, emotionslos, deterministisch, bestehend aus 0 und 1. Die Mathematik haucht diesen Maschinen Leben ein. Die Mathematik ist unabhängig von Staat, Religion und Kultur. Sie ist global, unmissverständlich und für jeden zugänglich. Vires in numeris – Stärke aus den Zahlen. Die Zahlen geben Kraft und Macht – vor allem demjenigen, der sie versteht und zu nutzen weiß.
Ein Beispiel hierfür ist die Kryptographie. Sie verleiht dem Individuum Macht, aber nicht die Macht, andere zu beherrschen, sondern die Macht über das eigene Leben. Eric Hughes beschrieb bereits 1993 in seinem Cypherpunk-Manifest die Kryptographie als eine Schutzzone für Privatsphäre und freie Rede. Die Kryptographie gibt uns schon seit Jahrzehnten die Möglichkeit, private Gespräche privat zu lassen und gleichzeitig unser Recht auf Redefreiheit zu wahren, indem wir Informationen frei äußern können und dabei trotzdem anonym bleiben. Doch bis 2009 gab es eine Hürde, wenn auch Werte (Geld) anonym oder privat getauscht werden sollten. Das staatliche Geldsystem bietet keine Anonymität oder Privatsphäre. Alternative Lösungen für freies oder digitales Geld benötigten immer einen Mittelsmann. Bitcoin hat diese Lücke geschlossen. Wir werden später genauer darauf eingehen, wie Bitcoin das macht, aber in aller Kürze: Bitcoin ist auch Mathematik. Mathematik gibt uns Werkzeuge, die wir in der äußeren, physischen Welt einsetzen können. Sie bietet Sicherheit und Struktur in einer oft chaotischen Realität. Mit ihrer Hilfe können wir Vertrauen schaffen, wo sonst Unsicherheit herrscht, und Kontrolle zurückgewinnen, ohne vertrauen zu müssen.
Doch was geschieht, wenn diese äußere Ordnung auf unsere innere Welt trifft? Da wir keine Maschinen, sondern Menschen sind, agieren und reagieren wir nicht mit mathematischer Präzision. Wir Menschen sind durch Bilder, Geschichten und Emotionen beeinflussbar. Zum Guten und zum Schlechten. Genau an diesem Schnittpunkt setzen philosophische Fragen an, die weit über die reine Mathematik hinausgehen. Es ist unsere tägliche Herausforderung, die Freiheit unserer Gedanken vor externen Angriffen zu schützen. Wenn unsere innere Einstellung und die äußere Welt zusammentreffen, nennen wir das Philosophie – die Einstellung zum Leben. Der Stoizismus ist eine alte Philosophieschule, die uns zeitlose Lehren bietet, um sowohl innere als auch äußere Herausforderungen zu bewältigen.
Stoizismus ist eine Philosophie, die ihren Ursprung in der Antike hat und bis heute in verschiedenen Formen weiterlebt. Die Stoiker sind der Ansicht, dass die Vernunft der Schlüssel zu einem erfüllten Leben ist und dass man innere Ruhe und Gelassenheit erlangt, indem man das akzeptiert, was man nicht ändern kann. Sie betonen die Tugendhaftigkeit und die Selbstdisziplin als wichtige Werte, um ein Leben in Übereinstimmung mit der Natur und dem Kosmos zu führen. Die Unterscheidung zwischen Dingen, die wir kontrollieren können, und Dingen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, ist dabei einer der wichtigsten Grundsätze. Wir sollten uns immer auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können, und uns nicht über Dinge ärgern, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Auf diese Weise können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und unser Leben in Einklang mit unseren Werten und Prinzipien führen.
Der Stoizismus ist nicht als allwissende Religion oder beherrschende Ideologie zu verstehen, er ist eine Denkschule, die eine bestimmte intellektuelle Tradition teilt. Ähnlich wie bei anderen Denkschulen gibt es im Stoizismus keine festgelegten Regeln oder Gebote, sondern eine gemeinsame intellektuelle Basis, auf der die Mitglieder ihre eigenen Schlüsse und Überzeugungen ziehen können. Der Fokus liegt dabei auf der individuellen Entwicklung und Verantwortung.
„Philosophie ist kein Kunststück für die Bühne. Sie befasst sich nicht mit Worten, sondern mit Fakten. Sie wird nicht für irgendeine Freude benutzt, die uns den heutigen Tag versüßen soll, oder um unser Gefühl derUnruhe zu lindern, das wir in ruhigen Stunden entwickeln. Sie formt die Seele und baut sie auf, sie gibt dem Leben eine Ordnung, sie lenkt unser Handeln, zeigt uns, was getan werden sollte und was nicht – sie sitzt am Ruder und steuert, während wir vonUnsicherheiten hin und her getrieben werden. Ohne sie kann niemand angstfrei oder sorglos leben. UnzähligeDinge ereignen sich zu jeder Stunde, für die wir Rat brauchen, und diesen Rat finden wir in der Philosophie.“
Seneca, moralische Briefe
Die Philosophie ist keineswegs ein theoretisches Konstrukt, das lediglich einen Leitfaden für das Funktionieren des Lebens bietet. Die alten Philosophen betrachteten die Philosophie als klare Handlungsanweisungen für einen bestimmten Lebensstil, als praktische Anleitungen, um das Leben konkret zu gestalten und umzusetzen. Es geht hierbei nicht um bloße Theorie, sondern um einfache, aber praktische Hinweise und Übungen. Sie sollen uns befähigen, trotz widriger Umstände, tiefen Einschnitten und harten Rückschlägen ruhig und gelassen zu bleiben. Die Philosophie vermittelt die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die nicht von unseren Emotionen bestimmt werden, sondern von unserer bewussten Wahl.
Der Stoizismus ist eine Philosophie der persönlichen Verantwortung, der Selbstdisziplin und der Vernunft, die helfen kann, den täglichen Herausforderungen des modernen Lebens zu begegnen. Aber ist eine solche Philosophie heute noch relevant?
Die Welt ist heute mehr denn je geprägt von schnellen Veränderungen, Unsicherheiten, künstlichem Wachstum, Inflation und Profitstreben. Technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz, Automatisierung und Digitalisierung verändern die Arbeitswelt und die Wirtschaft in einem bisher nie dagewesenen Tempo und schaffen damit sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Die politische Landschaft ist ebenfalls sehr unbeständig geworden, mit schnell wechselnden Allianzen und geopolitischen Spannungen. Um diesen Zustand in ein Wort zu fassen, sprechen wir von einer „VUCA“-Welt, die durch hohe Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit gekennzeichnet ist.
Volatility (Volatilität): beschreibt die schnellen und unvorhersehbaren Veränderungen, die in der Welt und unserer Gesellschaft auftreten können.
Uncertainty (Unsicherheit): Es wird immer schwieriger, Vorhersagen über die Zukunft zu treffen und Entscheidungen zu treffen, wenn es so viele ungewisse Faktoren gibt.
Complexity (Komplexität): Die Welt und ihre Entwicklung werden zunehmend komplex, was die Entscheidungsfindung erschwert.
Ambiguity (Mehrdeutigkeit): bezieht sich auf die Tatsache, dass es oft schwierig ist, klare Bedeutungen und Ursache-Wirkungs-Beziehungen in einer sich schnell verändernden und komplexen Umgebung zu identifizieren.
Diese VUCA-Welt hat erhebliche Auswirkungen auf uns Menschen. Eine der offensichtlichen Auswirkungen ist Stress und Unsicherheit. Die schnellen Veränderungen und die ständige Notwendigkeit, sich anzupassen, können bei Menschen zu einem Gefühl der Überforderung führen. Unternehmen und Einzelpersonen stehen unter ständigem Innovationsdruck. Neben dem natürlichen Wettbewerbsdruck eines freien Marktes kommen immer mehr Regularien und Verordnungen von politischer Seite hinzu. Besonders kleine Unternehmen können diesem regulatorischen Druck kaum noch standhalten. Diejenigen, die sich nicht schnell genug anpassen können, werden von den Veränderungen der VUCA-Welt überrollt.
Die VUCA-Welt fordert von uns, dass wir schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren. Wir müssen bereit sein, unsere Herangehensweise und Strategie anzupassen. Wenn wir uns nicht schnell genug anpassen, drohen wir, von der Welt abgehängt zu werden.
Doch diese Kräfte sind nur ein Teil dessen, was unseren Seelenfrieden täglich stört. Wir erleben auch aktive, teils aggressive Angriffe auf unsere Psyche. Angriffe über Softpower-Techniken.
Was ist Softpower? Softpower lässt sich am leichtesten mit dem Gegenspieler „Hardpower“ erklären. Hardpower ist der Einsatz von physischer Energie und Gewalt zur Erreichung seiner Ziele. Der Einsatz von Fäusten und Waffen ist Hardpower. Gespräche, Verhandlungen, Diplomatie sind Softpower. Aber wie können uns Verhandlungen und Diplomatie schaden? Sind sie nichts Gutes und sollten wir diese nicht stets dem Einsatz von Gewalt und Waffen vorziehen? Vordergründig ja. Aber zu Softpower gehört nicht nur Verhandlung und Diplomatie, sondern auch Manipulation und Propaganda. Softpower setzt keine physische Gewalt, sondern psychische Gewalt ein. Das Perfide dabei ist, dass man ihren Einsatz als Laie nicht erkennt. Während wir Hardpower sehen und fühlen können, werden auch Techniken der Softpower eingesetzt, die wir nicht sehen, hören oder spüren können. Häufig bunt verpackt erkennen wir den Angriff, die Manipulation nicht.
Sehen wir uns zunächst ein Beispiel für Hardpower und dann eines für Softpower an, um den Unterschied besser zu verstehen:
Um Geld von einer anderen Person zu bekommen, könnte man sie einfach mit einer Waffe bedrohen. Das würde vermutlich im ersten Moment auch funktionieren, man müsste allerdings mit Widerstand oder nachträglichen Konsequenzen rechnen. Die Person hat nämlich keine Mühe, diesen offenen Angriff als solchen zu erkennen, und auch andere Menschen erkennen diesen sofort. Menschen können sich vor dem Angreifer schützen, sodass dessen Erfolg womöglich bereits bei der ersten Person endet, sollte diese beispielsweise Karate können.
Unter dem Einsatz von Softpower würde man jedoch anders vorgehen. Man könnte sich als Mitglied eines Tierschutzbundes ausgeben und einer tierlieben Person ein Bild von einem Hundewelpen zeigen und um eine Spende für notleidende Tiere bitten. In diesem Fall ist die Bereitschaft der Person, mir Geld zu geben, deutlich höher. Die Person macht die Spende höchstwahrscheinlich gerne, in dem Glauben, etwas Gutes zu tun. Sie würde eventuell sogar zu ihren Freunden und Nachbarn gehen und von meinem Tierschutzprojekt erzählen. Sie wäre somit ohne weiteren Aufwand des Softpower-Nutzers zur Botschafterin für die Tiere geworden und würde für dessen Zwecke Geld einsammeln.
Während man den Einsatz der Hardpower-Technik nur auf einen Menschen gleichzeitig anwenden kann, kann man zur Verstärkung der Softpower auch Medien wie Zeitung, Radio, Fernsehen und soziale Medien einsetzen. Der existente oder eben womöglich auch nur auf dem Papier existierende Tierschutzverein kann somit viel Geld einsammeln, ohne dass ein Spender jemals einen echten Hund gesehen hat.
Dass dieses System in der Realität kein reines Gedankenspiel ist und auch nicht auf Marketingtricks aus der Wirtschaft beschränkt ist, sehen wir darin, dass Militärbündnisse wie die NATO1ganz offen darüber diskutieren, wie sie Hard- und Softpower kombinieren können, um ihre Interessen durchzusetzen. Man spricht von „kognitiver Kriegsführung“. Es geht dabei um die Bildung von Allianzen und die Manipulation der öffentlichen Meinung.
„Der Sieg wird eher dadurch definiert, das Psycho-Kulturelle als das geografische Terrain zu erobern.Verständnis und Empathie werden wichtige Waffen imKrieg sein“,
sagt Generalmajor Robert H. Scales (im Ruhestand), Ph.D., ehemaliger Kommandant des U.S. Army War College.
„Wenn wir den Menschen einmal hacken – indem wir die biologischen und algorithmischen Mechanismen entschlüsseln, die unsere Entscheidungen und Emotionen steuern – dann werden Unternehmen und Regierungen möglicherweise in der Lage sein, unsere Gedanken und Handlungen zu manipulieren und zu kontrollieren“,
Yuval Noah Harari –
Weltwirtschaftsforums (WEF) 2020.
Wir gehen mal davon aus, dass dies ausschließlich dem Frieden dient …
Kann uns der Stoizismus vor diesen Angriffen schützen? Jein. Wir müssen uns diesen Angriffen bewusst sein. Dann haben wir eine Chance, sie zu erkennen. Softpower dient nicht nur der Werbung und der Manipulation, sondern auch der Propaganda und der Indoktrination. Es ist psychische Gewalt, vor der wir uns genauso in Acht nehmen sollten wie vor physischer Gewalt.
Das klingt nun alles sehr düster, aber wo Risiken und Unsicherheiten sind, sind auch immer Chancen für Erkenntnis, Wachstum und Entwicklung. Neue Allianzen werden geschmiedet, neue Geschäftsmodelle können entstehen und innovative Lösungen für komplexe Probleme werden gesucht. Es ist wichtig, dass wir unsere Fähigkeiten zur Anpassung und Innovationsfähigkeit stärken, um erfolgreich in dieser Welt zu sein.
Für die Bewältigung dieser täglichen Herausforderungen bringt der Stoizismus einige Werkzeuge mit, die uns auf dem Weg in ein glückliches Leben helfen können, wenn wir sie annehmen und aktiv einsetzen.
Stressbewältigung: Ein bedeutender Teil des Stoizismus ist die Kontrolle über unsere Emotionen und Gedanken. Indem wir lernen, unsere Reaktionen auf Ereignisse zu kontrollieren, sind wir weniger anfällig für Stress. Wir können uns auf das Wesentliche konzentrieren und bleiben fokussierter.
Resilienz: Der Stoizismus ermutigt uns, uns schwierigen Situationen zu stellen, anstatt vor ihnen wegzulaufen. Indem wir uns mit Schwierigkeiten konfrontieren und durch sie hindurchgehen, können wir Resilienz aufbauen und uns besser auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten.
Persönlichkeitsentwicklung: Selbsterkenntnis und Selbstverbesserung sind ein Teil der Persönlichkeitsentwicklung im Stoizismus. Indem wir uns mit unseren eigenen Werten, Überzeugungen und Verhaltensweisen auseinandersetzen, können wir uns auf den Weg machen, eine bessere Version unserer selbst zu werden.
Beziehungen: Der Stoizismus betont die Bedeutung von Mitgefühl, Vergebung und Einfühlungsvermögen, was dazu beitragen kann, zwischenmenschliche Beziehungen zu verbessern. Indem wir lernen, uns in andere hineinzuversetzen und Mitgefühl zu zeigen, können wir bessere Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen.
Die stoische Philosophie lehrt uns, dass wir die Kontrolle über unsere Gedanken und Einstellungen haben und uns auf das konzentrieren sollten, was wir beeinflussen können.
In einer Welt, die von ständigem Wandel und Unsicherheit geprägt ist, bieten die stoische Perspektive Klarheit und Stabilität. Durch das Bemühen, das größere Bild zu erkennen und Erfahrungen sowie Entscheidungen in einen umfassenderen Kontext zu stellen, gewinnen wir ein besseres Verständnis für das, was wirklich von Bedeutung ist. Der Stoizismus zielt darauf ab, mehr Freiheit und Glück im Leben zu finden, ohne sich an materiellen Besitz oder Wohlstand zu klammern. Stattdessen betont er die Reduktion und Entbehrlichkeit von materiellen Gütern.
Man muss kein praktizierender Stoiker sein, um von diesen Perspektiven zu profitieren. Sie bieten wertvolle Einsichten und können dazu beitragen, unser Denken und Handeln zu verbessern, unabhängig von unseren individuellen Überzeugungen und Lebensstilen.
Der Stoizismus hat immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen. Eines der häufigsten Vorurteile ist, dass stoische Menschen keine Emotionen haben oder sie nicht zeigen dürfen. Wer die Redensart „etwas stoisch ertragen“ kennt, wird sie wohl mit „etwas emotionslos ertragen“ gleichsetzen. Da mag es überraschen, aber auch bei Stoikern ist das limbische System für die Emotionen verantwortlich, und es ist voll intakt! Stoiker sind nicht emotionslos, sie sind emotionsbewusst.
Stoizismus ist die Lehre über ein gefühlsbewusstes Leben.
Stoiker sind sich bewusst, dass Emotionen ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens sind. Sie glauben jedoch daran, dass man lernen kann, Emotionen wahrzunehmen, sie aktiv aufzunehmen und zu bewerten, bevor man sich von ihnen kontrollieren lässt. Sie streben danach, in jedem Moment rational zu handeln, auch wenn sie von starken Emotionen wie Wut oder Trauer überwältigt werden. Im Gegensatz zur Unterdrückung von Emotionen geht es beim Stoizismus darum, eine bewusste Entscheidung darüber zu treffen, wie man auf Emotionen reagiert und sie kontrolliert zulassen kann.
Der Stoizismus ist eine lebensbejahende Philosophie, die sich darauf konzentriert, wie man sein Leben und das der anderen besser gestalten kann. Dabei geht es nicht darum, mehr materielle Güter anzuhäufen oder den höchsten Status in der Gesellschaft zu erreichen. Stattdessen geht es um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und die Schaffung von Glück durch die Kontrolle unserer Gedanken und Emotionen.
Der Stoizismus ist eine praktische Philosophie, die den Austausch und das Miteinander fördert und zur aktiven Handlung ermutigt. Sie ist nicht nur eine trockene Theorie, sondern hat konkrete Anwendungen im täglichen Leben. Der Stoiker soll seine innere Ruhe und Stärke nutzen, um anderen Menschen zu helfen und die Gesellschaft zu verbessern. Auch wenn in stoischen Übungen negative Gedanken eine große Rolle spielen, sind diese nur ein Werkzeug. Sie lassen uns negative Emotionen frühzeitig erfahren, um im Fall ihres Eintretens nicht von ihnen übermannt zu werden und gleichzeitig das Positive und Lebendige in den Vordergrund zu rücken.
Der Stoizismus ist eine antike Philosophie, die im 3. Jahrhundert v. Chr. von Zenon von Kition in Athen gegründet wurde. Zenon studierte bei verschiedenen Philosophen wie Kynikern, Megarikern und Platonikern, bevor er schließlich seine eigene Philosophie entwickelte, die sich aus diesen verschiedenen Einflüssen zusammensetzte. Eine der bekanntesten Anekdoten des Stoizismus ist die von Zenons Schiffsunglück.2Zenon (Sohn eines wohlhabenden Kaufmannes) war auf einer Handelsreise von Phönizien nach Griechenland unterwegs, als sein Schiff in einem Sturm sank und er als einziger Überlebender an die Küste der Stadt Athen gespült wurde. Am Hafen von Athen angekommen, hatte er nichts mehr außer der Kleidung, die er am Leib trug. Während er durch die Stadt wanderte, stieß er auf eine Buchhandlung und beschloss, hineinzugehen, um Bücher zu lesen. Er las das Buch des Xenophon „Die Erinnerungen des Sokrates“ und war so fasziniert von Sokrates’ Philosophie, dass er beschloss, sich selbst der Philosophie zu widmen. Die Legende besagt, dass Zenon beim Verlassen der Buchhandlung in einen Brunnen stürzte und laut rief: „Gib mir doch einen Freund, der mich führt, wie es Sokrates bei seinen Freunden tat!“ Der Philosoph Krates von Theben hörte Zenons Ruf und wurde schließlich sein Lehrer und Mentor.
Diese Geschichte zeigt, wie Zenon trotz seines Schiffbruchs und seiner Verluste die Chance ergriff, seine Lebensphilosophie zu verändern und sich auf die Suche nach Weisheit zu machen.
Zenon studierte die Philosophie unterschiedlicher Lehrer, zog mit der Zeit seine eigenen Schlüsse und begründete seine eigene Denkschule. Er kann nicht als Erfinder der unterschiedlichen Denkansätze verstanden werden, wohl aber als Gründer dieser Denkschule, da er die Synthese zum heute bekannten Stoizismus vollzog. Zenon war überzeugt von seinen Ideen und Gedanken und wollte diese mit anderen teilen. Die Besonderheit von Zenon ist, dass er seine Lehren nicht in geschlossenen Hörsälen verbreitete, sondern in aller Öffentlichkeit. Zenon nutzte dafür eine Vorhalle des Stoa Poikile-Gebäudes, das nach den bemalten Säulen (Stoa) benannt wurde. Dieser Ort war für Menschen jeder Gesellschaftsschicht zugänglich. Später wurde auch seine Philosophie nach diesem Ort benannt. Die Wahl dieses Ortes (ob beabsichtigt oder aus Mangel an Alternativen) führte dazu, dass die Stoa oder der Stoizismus in vielen Gesellschaftsteilen Anklang fand und sich später auch im Römischen Reich verbreitete.3Obwohl Zenon als Begründer der stoischen Philosophie gilt, sind heute keine schriftlichen Werke überliefert, die direkt auf ihn zurückzuführen sind. Es wird angenommen, dass Zenon vor allem mündlich unterrichtet hat und dass seine Schriften entweder verloren gegangen oder nie niedergeschrieben wurden. Stattdessen sind uns seine Ideen und Lehren durch Berichte und Aufzeichnungen anderer Stoiker, wie z. B. Seneca, Epiktet und Marcus Aurelius, bekannt. Diese haben die Philosophie von Zenon und anderen Stoikern in ihren eigenen Schriften weiterentwickelt und verbreitet.
Die Verbreitung der Stoa in die römische Antike können wir spätestens an ihren Vertretern erkennen, deren Werke heute am bekanntesten und teilweise oder vollständig überliefert sind. Die römischen Vertreter sind im Wesentlichen auch die großen bekannten Namen des Stoizismus. Die Bandbreite ihrer Herkunft und gesellschaftlichen Stellung zeigt die große und tiefe Durchdringung des Stoizismus. Ihre Werke sind auch heute noch sehr lesenswert.
Lucius Annaeus Seneca (auch Seneca der Jüngere genannt) war ein römischer Philosoph, Dramatiker, Staatsmann und Berater des römischen Kaisers Nero. Er wurde im Jahr 4 v. Chr. in Spanien geboren und verbrachte einen Großteil seines Lebens in Rom. Als junger Mann studierte er Rhetorik und Philosophie in Rom und Alexandria. Als Schriftsteller verfasste er zahlreiche philosophische Werke, darunter Essays über Ethik, Politik und Naturphilosophie sowie Tragödien und Satiren. Er starb im Jahr 65 n. Chr. durch Selbstmord auf Anordnung des Kaisers Nero.
Seneca verfasste zahlreiche Schriften und Briefe, von denen viele bis heute erhalten geblieben sind. Einige seiner bekanntesten Werke sind:
Briefe an Lucilius: Eine Sammlung von 124 Briefen, die Seneca an seinen Freund Lucilius schrieb. In diesen Briefen setzt er sich mit verschiedenen Themen auseinander, wie zum Beispiel Glück, Tugend, Tod und Moral.
