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Pubertät ist, wenn man die eigenen Kinder nicht wiedererkennt. Eben noch hat man sie in den Schlaf gewiegt, und auf einmal darf man ihr Zimmer nicht mehr betreten und die ganze Familie kommuniziert überwiegend per Kurznachricht. Claudia Herrmann hat gleich zwei Teenager zu Hause. Sie nimmt's mit Humor und erzählt in ihrem Buch vom Haarkult ihres Sohnes, veganen Ambitionen ihrer Tochter, Versetzungsgefahr, ersten Freunden und warum fast alles, was sie als Mutter dazu zu sagen hat, «voll ungechillt» ist. Und ihr Mann? Der sorgt sich vor allem wegen der Wasserrechnung angesichts des Duschverhaltens der beiden Chiller. Ein Buch über den alltäglichen Wahnsinn im Zusammenleben mit Teenagern und ein Muss für alle Eltern pubertierender Kinder – irre komisch und sehr, sehr wahr.
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Seitenzahl: 240
Veröffentlichungsjahr: 2016
Claudia Herrmann
Wie ich die Pubertät meiner Kinder überlebte
Pubertät ist, wenn man die eigenen Kinder nicht wiedererkennt. Eben noch hat man sie in den Schlaf gewiegt, und auf einmal darf man ihr Zimmer nicht mehr betreten und die ganze Familie kommuniziert überwiegend per Kurznachricht. Claudia Herrmann hat gleich zwei Teenager zu Hause. Sie nimmt's mit Humor und erzählt in ihrem Buch vom Haarkult ihres Sohnes, veganen Ambitionen ihrer Tochter, Versetzungsgefahr, ersten Freunden und warum fast alles, was sie als Mutter dazu zu sagen hat, «voll ungechillt» ist. Und ihr Mann? Der sorgt sich vor allem wegen der Wasserrechnung angesichts des Duschverhaltens der beiden Chiller. <br/><br/>Ein Buch über den alltäglichen Wahnsinn im Zusammenleben mit Teenagern und ein Muss für alle Eltern pubertierender Kinder – irre komisch und sehr, sehr wahr.
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Mai 2016
Copyright © 2016 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Umschlaggestaltung ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung FinePic, München
ISBN 978-3-644-56381-0
Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation
Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp
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Für Thomas – meine ...
«Wer kein Kind ...
Kleine Monster
Wünsch dir was
Im Büro
Abends
Sozialkritisches Fernsehen
Einmalige Gelegenheit
Im Büro
Abends
Frühstücksharmonie
Frühstück
Der Traum vom Fischen
Im Büro
Plötzlich Vegetarierin
Abends
Geschwisterliebe
Abendessen
Im Büro
Kleine Revoluzzer
Im Büro
Frühstück
Klarsichtfolie am Kopf
Frühstück
Mittag
Abendessen
22 Uhr
Nächster Morgen
Elternecke
Im Büro
Mangelhaft
Im Büro
Im Büro
Die Lieblingshose
Montag
Dienstag
Mittwoch
Im Büro
Lebe deinen Traum
Abendessen
Im Büro
Die kleinen Monster spinnen!
Im Büro
Der kapiert das noch!
Abendessen
Im Büro
Abends
Die Kinder verbünden sich
Im Büro
Nach dem Abendessen
Im Büro
Abends
Sehr geehrtes Homie
Im Büro
Frühstück
Im Büro
Abendessen
Frühstück
Im Büro
Zum Geburtstag ein Kühlschrank
Abendessen
Frühstück
Abends
Maximilians Geburtstag
Wir wollen WLAN!
Im Büro
Abends
Ein Generationenproblem
Im Büro
Im Büro
Steh jetzt auf!
Frühstück
Abendessen
Frühstück
Die schärfste Chili der Welt
Im Büro
Abends
Später
Frühstück
Im Büro
Abends
Nächster Tag, abends
Später
Abendessen nächster Tag
Rein platonisch!
Im Büro
Abends
Frühstück
Urlaub mit Chillern
Nächster Tag
Ein paar Abende später
Alles halb so wild
Im Büro
Abendessen
Später
Frühstück
Später
Im Büro
Abends
Frühstück
Später
Hoffentlich ist jetzt keine schwanger!
Im Büro
Abends
Frühstück
Abends
Frühstück
Abends
Später
Hannahs Welt
Abendessen
Im Büro
Samstag, 17 Uhr
Frühstück
Wegen jedem Scheiß einen Verweis
Im Büro
Abendessen
Nachts
Hannahs Schlüpftag
Am nächsten Tag
Im Büro
Abendessen
Später
Frühstück
Im Büro
Die Schani
Abendessen
Frühstück
Im Büro
Koa Bier trotz Weihnachten
Im Büro
Abends
Weihnachten
Die Sache mit dem schlechten Gewissen
Frühstück
Abendessen
Frühstück
Schlecht angezogen im Golfclub
Samstagabend
Im Büro
Manchmal hilft nur Alkohol
Im Büro
Abends
Nächster Tag, im Büro
Abends
Später
Kluge Ratschläge
Abendessen
Nächster Abend
Da bahnt sich was an …
Im Büro
Abendessen
Frühstück
Abends
Ganz extrem ungechillt
Frühstück
Abends
Was haben wir nur falsch gemacht?
Nachts
Nächster Tag, Frühstück
Später
Noch später
Muhzmuhz
Im Büro
Für Thomas – meine große Liebe.
Der in guten und schlechten Momenten
immer bei mir steht.
Ich danke dir dafür!
«Wer kein Kind hat, hat kein Licht in seinen Augen.»
Persisches Sprichwort
Woran man eindeutig erkennt, dass die eigenen Kinder in die Pubertät kommen, ist der Geruch. Ich meine nicht die frühe Pubertät, in der der Körper langsam anfängt, sich zu verändern, sondern die richtige, echte Pubertät, in der die Kinder unaufhaltsam zu kleinen Monstern mutieren. Zu einem fremden Monster. Irgendwann erkennt man nämlich seine eigenen Kinder nicht wieder. Wenn sie anfangen zu riechen, wird’s ernst. Wobei, riechen ist eigentlich noch zu niedlich formuliert. Wie die stinken können! Ich hätte das nie für möglich gehalten.
Wenn mein Sohn Maxi seine Schuhe im Haus hat, rieche ich das in dem Moment, in dem ich die Haustür aufsperre. Egal, wo im Haus die Schuhe sind – ich rieche sie sofort. Maxi hätte theoretisch fünf Paar Schuhe zur Auswahl, trägt aber kategorisch von Oktober bis April immer das eine Paar. Das erschwert das Problem natürlich. Der Geruch wird quasi verdichtet. Die restlichen Monate trägt er Flip-Flops.
Die Schuhe riechen also so stark, dass sie immerzu draußen gelagert werden müssen, wo sie jetzt als Marderschreck fungieren. Und im Winter ist das natürlich nicht immer angenehm, morgens in die eiskalten Schuhe steigen zu müssen.
Ich hab mal im Keller, in unserer Waschküche, ein Wäschehäuflein entdeckt, von dem ich nicht wusste, ob die Sachen gewaschen oder ungewaschen waren. Also hab ich mir ein T-Shirt geschnappt und an Mund und Nase gehalten, um daran zu riechen. Holla, die Waldfee!
So was hab ich noch nie in der Intensität gerochen! Ich war wirklich kurz davor, mich mitten in die Waschküche zu übergeben. Dass etwas so stinken kann. Unglaublich! Eigentlich erstaunlich, dass man den Geruch überhaupt noch rausbekommt aus der Wäsche. Aber nach dem Waschen riechen die Klamotten alle wieder gut. Der Miele-Waschmaschine sei Dank. Wobei mein Mann schon darum gebeten hat, ich möchte doch seine Sachen bitte nicht mit denen von Maxi zusammen waschen.
Was meinen Sohn und meine Tochter unterscheidet: Ihr ist es peinlich, wenn sie müffelt. Meinem Sohn überhaupt nicht. Ich glaube, der ist sogar stolz darauf. Als ich ihn neulich zum Kieferorthopäden gefahren habe und trotz 12 Grad Außentemperatur das Fenster aufmachen musste, hat er mich nur breit und durchaus zufrieden angegrinst.
Wenn ich meine sechzehnjährige Tochter damit konfrontiere, dass sie grad ein bisschen müffelt, kontert Hannah nur: «Das Deo ist scheiße! Ich darf ja wegen dir keins mit Aluminiumoxid verwenden!», und geht. Darauf, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass sie ihr Lieblings-T-Shirt seit drei Tagen anhat, kommt sie nicht.
Wenn man allerdings die Geruchsbelästigung der beiden in einem Balkendiagramm darstellen müsste, wäre sein Balken sicherlich zehnmal so lang wie ihrer.
Bei beiden aber hat mit dem veränderten Körpergeruch die Phase angefangen, in der man sich denkt: Ist das noch mein Kind? Wenn ich daran denke, wie die Hannah gerochen hat, als sie ein Baby war. Das war so ein unvergleichlicher Geruch! Nichts anderes in der Welt hat so gut gerochen wie mein Baby! Man sagt ja, wenn andere Frauen an einem Neugeborenen riechen, löst das eine Hormonreaktion aus, und sie bekommen einen Kinderwunsch. Kann ich verstehen. Ich weiß noch genau, dass ich ununterbrochen an meinem Kind gerochen hab. Ich konnte mich schlichtweg nicht sattriechen! Tja, das hat sich jetzt irgendwie geändert.
Überhaupt haben sich unsere Kinder im letzten Jahr derart verändert, ich komme einfach nicht klar damit. Auf einmal ist alles anders. Jeden Tag kommt wieder irgendeine neue Veränderung. Beide mutieren in einer derartigen Geschwindigkeit von den netten Kindern, die ich hatte, zu völlig anderen Menschen! Und in der gleichen Geschwindigkeit entwickelt sich ihr Gehirn zurück, habe ich den Eindruck. Wo zum Teufel sind meine lieben Kinder geblieben, die sich gefreut haben, wenn ich etwas mit ihnen unternommen habe? Heute sind jegliche Aktivitäten mit mir zusammen für sie Höchststrafe. Früher konnten wir uns stundenlang unterhalten. Ich wusste selbst über Kleinigkeiten bestens Bescheid. Jetzt muss ich um Informationen betteln! Und alles, was mit mir zu tun hat, ist irgendwie peinlich. Früher fanden sie mich toll. Wir haben so viel zusammen gelacht. Heute werde ich als extrem ungechillt eingestuft. Wie konnte sich das alles so schnell ändern?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es mit dem veränderten Geruch angefangen hat.
Im Moment ist es auf jeden Fall so, dass Maxi sich mitunter auch mit Mädels trifft, und die finden das mit der Stinkerei auch nicht so prickelnd. Ein normaler Mensch würde sich nun öfters duschen und darauf achten, jeden Tag ein frisches T-Shirt anzuziehen. Aber unser Jungtier ist kein normaler Mensch. Der hat das Problem so gelöst, dass er sich jetzt mit Unmengen an Deo und Parfüm einsprüht, bevor er das Haus verlässt. Das Parfüm hat so eine eklige Moschusnote, dass er riecht wie ein brunftiger Hirsch (aber das ist er ja im Grunde genommen auch). Das Angebot zu einem «normalen Deo», das die Geruchsbildung grundsätzlich verhindert, lehnt Maximilian völlig ab. Er braucht ein Deo, das seinen Geruch überdeckt! Sonst wirkt es seiner Meinung nach nicht. Wenn ich also momentan nach Hause komme und schnuppere, dann riecht’s wie im Puff! Na ja, wenn ich die Wahl habe zwischen muffigen Schuhen und Puff – dann lieber Puff.
Von: Hannah
Betreff: Glätteisen
Hi! Brauche Glätteisen
http:www.amazon.de/Glätteisen/anit-statik-Schutz/Kermaik-turmalin-Beschichtung/dp/B0798745=Hair-9870860
Von: Mama
Betreff: Re: Glätteisen
Nein. Du hast doch glatte Haare. Das kostet 49 €!
Von: Hannah
Betreff: Re: Re: Glätteisen
Das Glätteisen ist notwendig! Meine Haare sehen in der früh voll explodiert aus. Haarspray langt da nich! Wenn draußen ein Wind geht oder es regnet oder ich ne Mütze aufhatte, dann bin ich ein Bobtail!! Willst du etwa einen Bobtail in der Familie???? Muhz!
Das is total sinnvoll!
Verteidige deinen Ruf als coole Mutter!
Pleeeeeeeeeeeeeeeaaaaaaase!! Ich brauch das!!!!!!!!!!
Muhz, Muhz Over and out
Von: Mama
Betreff: Re: Re: Re: Glätteisen
Ich denk drüber nach …
Von: Maximilian
Betreff: Bett
Hallo,
Hab mal überlegt, so ein Doppelbett ist echt cool. Hab sogar ein günstiges gefunden.
www.http://Bed-online-black_543-Edition/8978/Kinder/Documents/doppelbett.htm
Is voll cool, besonders das schwarze. Kannst mal überlegen.
Bis später
von Maxi
Für was braucht der Chiller bitte ein Doppelbett? Geht’s noch? Das ist ja ein schwarzes Bett mit Leder-Kopfteil à la Basic Instinct! Maximilian ist 14! Will der jetzt seine Chicas hier flachlegen, oder was? Tsss, bekommt der nie im Leben von mir … Was kommt als Nächstes? Ein paar Handschellen? Eine Shisha? Rote Puffbeleuchtung? Na ja, das würde zumindest zum Geruch passen. Ich hab mein erstes Doppelbett zusammen mit meinem Mann gekauft! Ich will gar nicht drüber nachdenken, dass der eines von seinen Mädels mitbringt, und wir sitzen unten und wissen nicht, was die oben treiben. Nein, nein, ich glaube, ich würde wahlweise die ganze Zeit im Dreieck hüpfen oder ununterbrochen an der Tür lauschen.
Wie kommt der denn jetzt gerade auf die Idee? Das hat doch einen Grund. Hat der eine Freundin? Wieso weiß ich nichts davon? Oder es bahnt sich gerade etwas an. Oh Mann, der erzählt mir echt gar nichts mehr! Vor einem Jahr hat er mir noch alles erzählt. Und ich war so cool und verständnisvoll. Egal, ob es um den Lehrer ging oder seinen besten Freund. Er hat mir immer alles erzählt, und ich hab ihm kleine Tipps gegeben oder bin auch mal zum Lehrer gegangen, wenn es für Maxi okay war. Und ich dachte, ich bin so eine gute Mutter, dass mein Sohn alles so offen mit mir besprechen kann! Bin so tierisch verständnisvoll und cool und mache das viel besser als die anderen Mütter. Tja, Pustekuchen. Jetzt erzählt er überhaupt nichts mehr.
Auf Fragen wie «Und, wie geht’s?», «Wie war’s in der Schule?», «Was macht der Marco so?», «Alles klar bei dir?» höre ich immer die gleiche Antwort: «Ja, passt schon.» Das war’s. Nicht mehr und nicht weniger. Immer. Egal welche Frage und welche Tageszeit. Nur wenn er was will, wird die männliche Brut auf einmal gesprächiger. So wie jetzt. Allein schon die Formulierung: «Hab mal überlegt, so ein Doppelbett ist echt cool.»
Ja, besonders cool wäre, es auch selbst zu bezahlen. Das Bett, das er mir geschickt hat, kostet 350 Mücken! Meine kleine Leuchte hat aber nicht bedacht, dass ja dann noch zwei Lattenroste und zwei Matratzen dazukommen, sodass der ganze Spaß locker über 1000 Euro kostet. Was glaubt der? Dass ich sage: «Ja, stimmt. In Schwarz find ich’s auch besser. Bestell mal»?
Von: Mama
Betreff: Re: Bett
Hi Maximilian,
ich versteh ja, wenn du dir ein neues Bett wünschst und dir dein altes zu kindisch ist. Aber es muss ja nicht gleich ein Doppelbett sein!
Da muss man ja noch die Lattenroste und die Matratzen dazurechnen, das wird eh schon ganz schön teuer. Und bei einem Doppelbett geht das ja dann mal zwei. Such dir doch ein günstiges, schönes Einzelbett (vielleicht bei Ikea?) aus und schick mir den Link, dann schau ich’s mir an. Zu deiner Firmung bekommst du sicher Geld geschenkt, und wir legen vielleicht auch noch was obendrauf. Was meinst du? Ist das ein Vorschlag?
The Mothership
Von: Maximilian
Betreff: Re: Re: Bett
Hi Mama!
Vergiss den ersten Link, das hier ist viel cooler
www.http://d-online-black_black-Edition/4478/Adult/Documents/doppelbett.htm
Lass dich nicht stressen
Das Haupt-Maxi
«Das Haupt-Maxi» – wie mich das schon aufregt! Das Doppelbett hat jetzt noch mehr Leder. Außerdem hat es in den Seiten Mulden, um Gläser abstellen zu können. Und es kostet 50 Euro mehr. Hat ja super funktioniert, dass ich alles so gut erklärt habe …
Maximilian erklärt uns bereits seit 15 Minuten eindringlich, warum er ohne ein Doppelbett nicht mehr weiterleben kann und es ganz und gar keine Alternative gibt, obwohl das Doppelbett gar nicht in sein Zimmer passt und dann der Schreibtisch rausmüsste, an dem er in seinem ganzen Leben noch nie Hausaufgaben gemacht hat. Da erzählt uns Hannah plötzlich, sie möchte sich gern ein Gerät (Bananen oder Spiralen) und die dazu passenden Ohrringe bestellen, mit denen man das Ohrloch mit der Zeit immer mehr weitet, bis irgendwann ein münzgroßes Ohrloch entsteht, in das man dann ein Plastikdings (Plugs) steckt. Ob das okay sei?
«Auf gar keinen Fall!», sage ich entsetzt.
«Warum nicht?»
«Nein!»
«Oh Mann! Warum denn nicht? «
Hannah wird schon leicht bockig.
«Weil die Ohrlöcher nie wieder klein werden und du dann völlig entstellt bist!»
«Das haben so viele!»
«Nein. Das kann man mit 16 nicht einschätzen. Später findest du das dann furchtbar, wenn du so große Ohrlappen hast! Das kann man nicht mehr rückgängig machen! Ich wollte mich in deinem Alter auch tätowieren lassen, und heute bin ich froh, dass ich’s nicht gemacht habe.»
«Ja, du vielleicht. Ach, komm schon. Bitte!»
«Nein.»
«Ich mach’s auch nur ganz klein!», sagt Hannah flehend.
«Hannah, nein!»
«Aber die Kathi darf wahrscheinlich auch!»
«NEIN!»
«Boahhhh.»
Sie verdreht die Augen, sodass man das Weiße sieht, steht auf und geht.
Hannah wird jetzt vermutlich den ganzen Abend nicht mehr runter kommen. Morgen in der Früh tut sie so, als ob nichts gewesen wäre. Das kann ich aussitzen.
Anders bei Maximilian. Der ist hartnäckiger. Der verfolgt die Nervtaktik, und ich befürchte, das mit dem Bett dauert noch länger.
Mein Mann kommt zu mir und will mich kurz sprechen, er macht sich Sorgen. Hannah ist seit über einer Stunde im Bad. Er hört aber kein Wasser laufen. Ich solle doch mal mit ihr reden, ob es denn vielleicht ein «Frauenproblem» gäbe.
«Nee, nee, das passt schon. Die glättet sich die Haare. Das dauert immer über eine Stunde.»
«Die macht was?»
«Glättet sich die Haare. Mit dem Glätteisen, das ich bei Amazon für sie bestellt hab und das du bezahlt hast.»
«Warum? Sie hat doch gar keine Locken.»
Mein Mann sieht mich stirnrunzelnd an.
«Nein, aber sie will die Haare halt glatter.»
«Schatz, sie HAT glatte Haare. Was soll da noch glatter werden?»
Er schüttelt den Kopf.
«Ja … halt irgendwie noch glatter.»
Mein Mann möchte immer verstehen, wie bestimmte Dinge funktionieren. Und er hinterfragt auch sehr genau, wenn er etwas nicht versteht. Er ist nämlich ein richtig kluges Kerlchen. Aber ich kann ihm leider auch nicht erklären, wie seine Tochter tickt. Weil ich’s selber auch nicht kapier. Zumindest nicht mehr.
«Frag sie halt mal, warum sie das macht!», schlage ich ihm vor.
15 Minuten später läuft Hannah an uns vorbei auf dem Weg zur Waschküche im Keller, um ihr Lieblings-T-Shirt zu holen. (Das Lieblings-T-Shirt/die Lieblingsjeans/der Lieblingspulli kann nämlich keine ein oder zwei Tage in der Wäsche verbringen. Das wird abends ausgezogen und im Kurz-Programm gewaschen und später getrocknet, damit man es am nächsten Tag wieder anziehen kann, weil man nicht einen einzigen Tag darauf verzichten kann, obwohl noch ganz viele andere Klamotten zur Verfügung stünden.)
«Warum glättest du dir eigentlich die Haare? Du hast doch gar keine Locken?», fragt also mein Mann Hannah.
Die stutzt kurz. «Na, weil ich sonst aussehe wie ein Bobtail.»
Er sieht mich fragend an.
«Siehst du. Jetzt weißt du es», sag ich und grinse.
Das Essverhalten meiner Kinder ist mir ein Rätsel. Über Wochen werden ausschließlich Kellogg’s Frosties akzeptiert. Und dann plötzlich, von einem Tag auf den anderen, teilt mir meine Tochter mit, dass Frosties scheiße schmecken und sie Kellogg’s Smacks möchte. Aber die Originalen, weil die von Penny schmecken scheiße. Wochenlang wird das dann als einzig mögliche Frühstücksoption akzeptiert. Wenn einmal keine Kellogg’s der Wunschsorte vorrätig sind, wird, um das Muttertier zu bestrafen, gar nicht gefrühstückt. Nach dem Motto: Tja, bist selber schuld, Mama. Hättest du dran gedacht beim Einkaufen, würde ich jetzt auch was frühstücken. So geh ich halt hungrig aus dem Haus. Und das Schlimme ist: Es funktioniert! Ich hab dann ein sehr schlechtes Gewissen und denk mir: Mensch, die Arme. Jetzt sitzt sie hungrig in der Schule und kann sich nicht konzentrieren …
So erziehen mich meine Kinder. Deswegen schau ich immer schön, dass das gewünschte Frühstück auch im Haus ist. Einmal bin ich um halb acht abends total fertig und voll bepackt mit Einkaufstüten heimgekommen, um erschrocken festzustellen: Ich hab den Toast vergessen! Das war während der Marmeladentoast-Periode. Also bin ich um Viertel vor acht noch schnell zum Supermarkt gespurtet, um Toastbrot zu besorgen.
Interessant ist auch: Die Kinder sind sich in absolut keiner Sache einig. Nicht beim Musikgeschmack, nicht beim Kleidungsstil, nicht beim Freundeskreis und nicht, was politische Ansichten und die Grundeinstellung allgemein angeht. Wenn Hannah A sagt, sagt Maximilian B. Und umgekehrt. Aus Prinzip. Außer beim Frühstück! Wenn einer das aktuelle Frühstück satthat und etwas anderes favorisiert, zieht der andere sofort nach. Wie durch Zauberhand – ohne Absprache. Ich würde auch zwei verschiedene Frühstücke zubereiten, aber das ist die einzige Sache auf der ganzen Welt, in der sie sich ungefragt einig sind!
Gerade haben wir die Erdnussbuttertoast-Periode. Die hat die Milchreis-Zeit abgelöst. Während ich also den Frühstückstisch decke, sagt Maximilian zu mir:
«Mama, ich brauch übrigens Schneeschuhe.»
«Was brauchst du?»
«Schneeschuhe. Wenn ich in die Schule gehe, kann ich über ein Feld abkürzen. Aber wenn da, wie jetzt im Winter, Schnee liegt, dann sink ich immer ein und hab dann nasse Schuhe. Schneeschuhe kann man so dranschnallen, und dann sinkt man nicht ein!»
Er strahlt mich an, als hätte er einen ganz komplizierten Sachverhalt verstanden.
«Ja, dann geh halt außen rum!», schlage ich vor.
«Nee, Mama. Übers Feld ist kürzer!», sagt Max in einem Tonfall, als wäre ich sehr, sehr dumm, könnte aber nix dafür. Diskussionen mit meinem Sohn in der Früh sind echt anstrengend.
«Schreib mir eine E-Mail ins Büro. Ich muss jetzt los.»
Immer wird alles furchtbar verkompliziert. Wir haben unseren Sohn auf einer sehr guten Schule untergebracht, die auch eine ordentliche Stange Geld kostet. Die Schule bietet unglaublich viele Wahlmöglichkeiten für Sportkurse. Es gibt Kurse für Basketball, Reiten, Klettern, Badminton, Fußball, sogar ein Surfkurs wurde mal angeboten. Wollte der Maximilian aber alles nicht. Der Maximilian wollte fischen! Angeln!
Mein Mann und ich können nicht fischen. Ich kenn auch niemanden, der fischt. Was soll das? Warum will der dann so was? Wir haben ihm gesagt, er soll sich bitte aus den tausend Möglichkeiten, die die Schule anbietet, eine aussuchen. Nein. Maximilian war stur. Er will fischen. Sonst nix.
Angeln! Das ist doch kein Sport. Das machen alte Männer, die morgens um 10 Uhr schon Bier trinken und über Regionalpolitik reden. Ich kapier’s einfach nicht!
Unser Maxi-Jungtier hat bisher bei praktisch keiner Sache in seinem Leben Biss gezeigt. Aber jetzt! Bei dem größten Unsinn, den ich mir vorstellen kann. Wir hatten die Fußball-Periode. Maximilian kam heim und verkündete selbstbewusst, dass er ab jetzt Fußball spielen wolle und ihm die ganze Sache sehr ernst sei. Danach kam die Reit-Periode (aber nur weil sein Kumpel das gemacht hat), und als wir Reithose, Reitkappe, Gerte, Stiefel und Handschuhe zusammenhatten, war das Interesse wieder weg. Dann kam Karate, und dann kam … Er hat nichts länger als fünf Wochen durchgezogen.
Sonst können fünfe grundsätzlich grade sein, und er geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Aber jetzt ist keine andere Lösung möglich als fischen! Na toll.
Um angeln zu dürfen, muss man einen Angelschein machen. Dafür sind 30 Ausbildungsstunden notwendig, die Maxi aktuell an den Wochenenden absolviert. Abschließend wird eine Prüfung geschrieben, für die man wirklich büffeln muss. Ich hab mir mal den Ordner durchgesehen, dessen Stoff er können muss, und ich war echt überrascht. Das hat Ausmaße wie die theoretische Führerscheinprüfung. Von den Fischarten über das Laichverhalten, die Ökologie, Schonzeit bis hin zu zig Dutzend Vorschriften. Das muss er alles können. Bin ja mal gespannt, wie unser kleiner Ich-komme-in-der-Schule-auch-ohne-lernen-Durch das hinbekommen will.
Von: Maximilian
Betreff: Schneeschuhe
Schneeschuhe damit man nicht einsinkt und die Eier kalt werden und du nachher keine Enkelkinder bekommst
http:/www.ebay.de/itm/ALASKA-Schneeschuhe-Snowshoe-Silber_71cm-/769549597608pt=Schnee-Schlitten/
Von: Mama
Betreff: Re: Schneeschuhe
Die kosten 119 €! Geh AUSSEN RUM!
Beim Abendessen erklärt uns Hannah eine wichtige Entscheidung, die sie getroffen hat.
«Ich bin übrigens ab jetzt Vegetarier!»
Kurzes Schweigen am Tisch.
«Echt? Hast du dir das überlegt? Warum denn?», frage ich vorsichtig nach.
«Ich finde das echt voll schlimm mit den ganzen Tieren und so, und dann ist das auch eklig!»
Mein Mann und ich tauschen kurz einen Blick aus.
«Ja, okay, Hannah, wenn du dir das gut überlegt hast und das wirklich willst, dann respektieren wir deine Entscheidung natürlich.»
«Ja, Mama, schön! Aber das heißt konkret für dich, dass du ab jetzt ein Essen für die Familie kochst und eins für mich.»
«Ah soooo …»
«Und bei mir darf natürlich kein Fleisch und Fisch drin sein. Und natürlich auch keine Brühe. Und du musst bei allen Joghurts und Puddings, bei Gebäck, Cremes, Kuchen, eigentlich bei allen Lebensmitteln immer prüfen, ob da Gelatine drin ist.»
«Aha.»
«Und kauf Gummibärchen ohne Gelatine, die gibt’s.»
«Okay …»
Jetzt muss man wissen, dass unsere Kinder jegliche Art von Obst und Gemüse verweigern. Hannah macht bei Tomaten und Erdbeeren manchmal eine Ausnahme. Bei Maximilian gibt’s keine Ausnahmen. Das passt halt mit dem Vegetariersein nicht so richtig zusammen und schränkt die Möglichkeiten, das Kind zu ernähren, doch sehr ein.
