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In diesem spannenden Buch geht es nicht um die Lehre des Apostels Paulus, sondern um die abenteuerlichen Reisen, zuerst noch unter dem Namen Saulus nach Damaskus, wo er sein Erlebnis hatte, das ihn auf einen Schlag zum Christusglauben bekehrte. Der Autor bedient sich einer fiktiven Person, eines Gefährten von Paulus, namens Jonas, der die Geschichte lebensnah erzählt. Dadurch gewinnen die handelnden Personen neues Leben und die Erzählung an farbiger Intensität. Der Leser lernt die historischen Orte wie Cäsarea, Ephesus, Korinth usw. kennen, als befände er sich mittendrin. Wir erleben die Auseinandersetzung des Paulus mit Petrus, der es missbilligt, dass Paulus zum Christentum bekehrte Griechen nicht beschneidet, und wir erfahren, wie Paulus mit Frauen wie Priscilla und Lydia zusammenarbeitet. Mit Jonas erleben wir auch den dramatischen Schiffbruch vor der Küste der Insel Malta und das Todesurteil, das an Paulus in Rom vollzogen wird.
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Seitenzahl: 267
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Martin Renold
Von Jerusalem bis Rom
Die Geschichte des Apostels Paulus erzählt von seinem Gefährten Jonas
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Inhaltsverzeichnis
Titel
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
Das Hohelied der Liebe
Impressum neobooks
Mein Name ist Jonas. Ich bin der Sohn eines reichen Jerusalemer Kaufmanns. Unter Herodes Agrippa hatte ich eine strenge militärische Ausbildung genossen und war zum Hauptmann befördert worden. Als jüdische Truppe waren uns vor allem Wächteraufgaben im Palast des Herodes, in Gefängnissen und auf dem Tempelberg übertragen. Unser Ansehen bei den jüdischen Mitbürgern war nicht gut, obwohl wir mit der römischen Besatzungsmacht kaum etwas zu tun hatten. Man betrachtete uns dennoch als Mitläufer oder gar Landesverräter. Rein militärische Aufgaben waren jedoch den römischen Truppen vorbehalten. Ich war aber als Vertreter des Hohen Rates und, wie gesagt wurde, des jüdischen Volkes, dabei, als Jesus, den ich damals auch noch als Irrlehrer betrachtete, gekreuzigt wurde. Ich ging neben ihm, als er zur Richtstätte geführt wurde und unter der Last des Kreuzesbalkens in die Knie sank. Er tat mir leid. Denn er war sanftmütig und ließ alles über sich ergehen. Ich hatte von seinen Predigten und Wundertaten gehört und konnte eigentlich nichts Schlechtes daran sehen. Aber die Rabbiner behaupteten, er lege die Schriften der Väter falsch aus und bezeichne sich als den Messias der Juden. Ich habe ihnen geglaubt. Was verstand ich schon von der Schrift! Dazu sind ja eben die Schriftkundigen da, und die werden es schon wissen – dachte ich. Ich hab damals einen Bauern, den ich auf einem nahen Acker sah, herbeigerufen und ihn gebeten, Jesus den Kreuzesbalken zu tragen. Das brachte mir allerdings einen heftigen Rüffel des römischen Hauptmanns ein, der auf der anderen Seite von Jesus ging. Als ich dem zum Tode Verurteilten den Balken losband, sah er mir in die Augen, und mich durchfuhr ein eigenartiges Gefühl, das ich nicht beschreiben kann. Er hätte mich doch hassen müssen, denn ich hatte zugesehen, wie meine Soldaten ihn gegeißelt hatten. Doch sein Blick war voll Liebe.
Als er dann am Kreuz hing und die Soldaten um seinen Mantel würfelten, nahm ich diesen, als sie ihn in Stücke schneiden wollten, weg und übergab ihn dem römischen Hauptmann, er solle ihn dem Pontius Pilatus, der Jesus verurteilt hatte, zurückgeben.
Kurze Zeit schon nach der Kreuzigung konnte man in Jerusalem hören, dass die Jünger von Jesus die Nachricht verbreiteten, der Gekreuzigte sei auferstanden und ihnen erschienen. Natürlich konnte ich dies nicht glauben.
Einige Zeit später war Unglaubliches geschehen. Männer, die behaupteten, Jünger jenes Jesus gewesen zu sein, hatten auf einem Platz in der Stadt viel Volk um sich versammelt und gepredigt. Nun waren die meisten Zuhörer Juden, aber viele von ihnen waren aus den verschiedensten Ländern, aus Kleinasien, aus Phrygien, aus Ägypten nach Jerusalem gekommen, auch ehemalige Heiden, die sich zum Judentum bekehrt hatten, aus Rom und aus Kreta, aus dem Zweistromland, aus Arabien und andern fernen Orten.
Da nun so viele Menschen zusammenliefen und ich mit einigen meiner Leute in der Nähe war, ging ich hin, um notfalls für Ordnung zu sorgen. Doch die Menschen verhielten sich einigermaßen ruhig. Wir brauchten nicht einzugreifen.
Die Männer hatten von Jesus, dem Gekreuzigten, gesprochen, welcher der Christus, der Sohn Gottes sei, den Gott habe auferstehen lassen. Vierzig Tage lang nach seiner Auferstehung sei er noch unter ihnen gewesen, habe sie gelehrt und sei dann zum Himmel, zu Gott, seinem Vater, hinaufgeschwebt und vor ihren Augen von der Erde entrückt worden.
Jeder dieser Jesus-Jünger hatte um sich eine große Schar versammelt. Das Erstaunlichste aber war, dass alle Zuhörer, ob Araber, Römer, Grieche oder Syrer, den Mann in seiner Sprache, in Latein, Arabisch, Griechisch, Ägyptisch, reden hörten, obwohl alle diese Männer offenbar jeder in einer Sprache mit seltsamen Lauten redete, die bisher noch niemand gehört hatte.
Einige, die offenbar nur ein komisches Lallen hörten, spotteten und glaubten, die Männer hätten zu viel Wein getrunken. Doch einer von ihnen, der sich Petrus nannte, erhob nun laut seine Stimme und rief:
»Hört, ihr Juden, es ist nicht so, wie einige glauben. Wir sind nicht betrunken. Es ist ja noch früh am Morgen.«
Und er erklärte ihnen, was durch den Propheten Joel vorausgesagt worden sei, dass Gott, wenn die Zeit gekommen wäre, seinen Geist ausgießen werde. Und er redete noch lange zu ihnen von Jesus und seinen Wundertaten und dass er gestorben und auferstanden sei, damit die Menschen von ihrer Sünde erlöst würden.
»Was sollen wir tun?«, riefen viele, als sie das gehört hatten.
Petrus antwortete ihnen: »Lasst euch taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden.«
Später erfuhren wir, dass sich an die dreitausend von ihnen taufen ließen.
Die folgenden Tage waren in Jerusalem, vor allem auf dem Tempelberg, weiter von Aufruhr und großer Hektik geprägt. Nicht nur wegen der sommerlichen Hitze herrschte in Jerusalem eine aufgeheizte Stimmung. Die Köpfe der Hohepriester und der Rabbiner glühten. Ihnen gefiel nicht, was ihnen zugetragen wurde. Sie hatten nach der Kreuzigung Jesu geglaubt, es sei nun Ruhe eingekehrt. Seine Jünger waren von der Bildfläche verschwunden. Sie hatten wohl aus Angst die Stadt verlassen. Aber dann hieß es auf einmal, der Gekreuzigte sei von den Toten auferstanden. So ein Unsinn! Da und dort waren die Männer gesehen worden, einmal am Toten Meer, dann wieder in Galiläa, vor kurzem nun auch in Jerusalem.
»Sie verführen das Volk«, sprachen sie untereinander. »Viele lassen sich betören und verkaufen alles, was sie haben, ihre Häuser, ihre Äcker und bringen das Geld diesen Verführern.«
Viele der führenden Juden fürchteten, dass eine jüdische Sekte entstehe. Als gesetzestreuer Jude konnte ich eine solche Abspaltung nicht gutheißen. Mein heimliches Mitgefühl für den armen Gekreuzigten war das eine, aber dass seine Anhänger nun einen solchen Aufruhr verursachten und ihren Irrglauben verbreiten und den jüdischen Glauben verfälschen wollten, verurteilte ich. Das war nichts für mich. Da musste ich unseren Rabbinern Recht geben.
Ich erfuhr später, dass die Apostel das Geld verteilten und jedem davon gaben, was er nötig hatte, oder Nahrung davon kauften, um damit die Elendesten zu speisen.
Die Zahl der Anhänger dieser Sekte aber schien nun von Tag zu Tag zu steigen.
Ich war die ganze Zeit mit ein paar Männern in Bereitschaft, um jederzeit einzugreifen, wenn vom Hohen Rat der Befehl dazu kommen würde.
Eines Tages gingen Petrus und Johannes zum Tempel hinauf.
»Jesus hat mir einmal gesagt, ich würde ein Menschenfischer werden«, sagte Petrus zu Johannes. »Als Jesus noch unter uns weilte, liefen uns die Leute von selbst zu, wenn er auftrat und zu ihnen predigte. Manche ließen sich taufen, andere hörten interessiert zu, aber dann hörten wir nichts mehr von ihnen. Erst jetzt, seit der Heilige Geist über uns gekommen ist, weiß ich, was Jesus gemeint hat, als er sagte, ich werde Menschen fischen. Ich und wir alle müssen nun unaufhörlich von ihm reden und seine Lehre unter den Juden verbreiten, bis alle an den Auferstandenen glauben.«
»Du hast recht«, antwortete Johannes, »wir dürfen nicht warten, bis die Leute zu uns kommen. Wir sind schon eine große Gemeinschaft. Wir müssen zu den Menschen gehen und ihnen die frohe Botschaft Jesu bringen. Wir haben den Auferstandenen gesehen und müssen Zeugnis ablegen davon, damit alle es glauben. Und wenn ganz Jerusalem unsere Botschaft angenommen hat, dann sollten wir uns trennen und im ganzen Land verteilen und die Menschen lehren, bis jeder Jude weiß und glaubt, dass Jesus der Messias ist.«
So miteinander redend, erreichten sie den Tempelplatz.
Am Schönen Tor saß wie jeden Tag ein Lahmer und bettelte. Auch den beiden Jüngern streckte er bittend seine Arme entgegen. Doch Petrus sagte zu ihm: »Gold und Silber habe ich nicht, aber was ich habe, das will ich dir geben.«
Er fasste den Lahmen an den Händen und sagte zu ihm: »Im Namen Jesu Christi aus Nazareth steh auf und geh umher!«
Als die Umherstehenden sahen, wie der Lahme, den sie schon seit undenklichen Zeiten hier betteln gesehen hatten, sich erhob und in den Tempel hineinging, um Gott zu preisen, wunderten sie sich.
Petrus sprach nun auch zu ihnen und verkündete ihnen das Evangelium von Jesus Christus. Und auch Johannes sprach mit den Menschen.
Am folgenden Tag riefen mich die Ältesten und die Rabbiner, die von der Wundertat erfahren hatten, zu sich. Sie erteilten mir den Befehl, diese zwei Irrlehrer Petrus und Johannes zu ihnen zu bringen. Ich ging mit drei von meinen Leuten in die Stadt hinab, um die beiden zu suchen. Da und dort trafen wir auf kleinere Gruppen, die wir als Anhänger dieser jüdischen Sekte ansahen. Wir fragten nach Petrus und Johannes, aber niemand konnte oder wollte uns sagen, wo wir sie finden könnten. Schließlich stießen wir auf eine größere Schar von Menschen, die einige Männer umringten, von denen wir, nachdem wir eine Weile zugehört hatten, annehmen mussten, dass sie Jünger von jenem Jesus seien.
Ich ging auf einen von ihnen zu und fragte: »Bist du Johannes?«
»Was willst du von ihm?«, fragte er zurück.
»Wenn du Johannes bist, muss ich dich und Petrus mitnehmen«, antwortete ich.
»Nein, ich bin nicht Johannes«, gab er zurück.
»Ich bin Johannes«, sagte nun ein anderer, der uns gehört hatte. »Was wollt ihr von uns?«
»Ihr müsst mit uns zum Tempel gehen. Die Rabbiner wollen euch sprechen.«
Ich war darauf gefasst, dass er sich widersetzen würde, und hatte zwei meiner Begleiter neben ihm postiert. Doch er schien sich nicht wehren zu wollen, sondern rief einem andern zu: »Petrus, komm, die Rabbiner wollen mit uns reden.«
Dieser Johannes war noch ein sehr junger Mann, beinahe ein Jüngling. Der andere, der nun zu uns trat, war älter, ein kräftiger Mann. Doch auch er kam widerstandslos mit.
Wir führten sie nun zum Tempel. Da waren Pharisäer und Sadduzäer versammelt. Die befragten die beiden Apostel, mussten sie jedoch schon bald wieder laufen lassen, da sie nichts Unrechtes an ihnen finden konnten. Sie verboten ihnen aber bei Strafe, weiterhin im Namen Jesu zu den Leuten zu reden. Doch Petrus und Johannes sagten: »Sollen wir euch denn mehr gehorchen als Gott?«
Ich dachte: »Ist das Mut oder Frechheit oder vielleicht einfach Dummheit? Sich so den Gelehrten und Hütern des Gesetzes Mose zu widersetzen.«
Aber schließlich ging mich das ja auch nichts an. Ich führte die beiden hinaus und ließ sie laufen. Sie hielten sich jedoch nicht an das Verbot. Und durch sie und die andern Jesus-Jünger geschahen weiterhin viele Wunder.
Nun bekam ich den Befehl vom Hohenpriester selbst, alle diese Unruhestifter gefangen zu nehmen und sie ins Gefängnis zu bringen. Dafür musste ich natürlich Verstärkung mitnehmen. Man sagte mir, in welchem Haus ich diese Männer finden würde. Einer der ganz radikalen Pharisäer, Saul, hatte sie schon vor einiger Zeit ausfindig gemacht.
Wir fanden tatsächlich alle in dem Haus. Es waren auch Frauen bei ihnen, von denen einige in ein Wehgeschrei ausbrachen. Doch sie wurden von den Männern beruhigt. Es würde ihnen nichts geschehen, der Herr sei doch mit ihnen.
Dann ließen sie sich abführen.
Es war bereits später Nachmittag. Wir brachten sie ins Gefängnis und schlossen sie ein.
»Bewacht sie gut!«, mahnte uns noch jener Saul, der mit uns gekommen war, um alles zu überwachen.
Ich überprüfte alle Schlösser und teilte die Wachen ein. Um Mitternacht wurde die erste Wache abgelöst, nach fünf Stunden die zweite. Jede Wache bestand aus zwei Mann. Ich war die ganze Nacht anwesend.
Als ich nach Tagesanbruch den Befehl gab, die Türen vorsichtig aufzuschließen und den Gefangenen Wasser und Brot zu bringen, waren die zwei Zellen, in denen ich sie untergebracht hatte, leer.
Ich konnte das nicht verstehen. Es musste während der zweiten Wache geschehen sein. Denn als ich alle Wächter fragte, stellte sich heraus, dass zu einer bestimmten Zeit alle Wächter, die vor den Zellen wie auch jene vor dem Hauptportal, kurz eingenickt waren. Alle gaben es auf mein Drängen zu, aber jeder behauptete, in der kurzen Zeit ihres Einnickens könnten die Männer unmöglich aus dem Gefängnis ausgebrochen sein. Es war auch tatsächlich nichts zu sehen, das auf einen Ausbruch hingedeutet hätte. Die Schlösser waren, als ich das Frühstück bringen ließ, vollständig verriegelt, so wie wir sie am Abend zuvor verschlossen hatten.
Am nächsten Tag gingen die Apostel, so nannten sie sich, wieder in den Tempel, um zu predigen.
Einerseits bewunderte ich ihren Mut. Ausgerechnet im Tempel, unter den Augen der Gesetzeslehrer und Priester, verkündeten sie ihre Botschaft von diesem Christus. Anderseits hielt ich dies aber auch für eine unerhörte Frechheit. Ganz persönlich fühlte ich mich zudem gedemütigt, denn ich war für die Sicherheit verantwortlich gewesen. Natürlich fürchtete ich auch, wenn nicht gerade um meinen Kopf, so doch um meine Stellung.
Ich ahnte nichts Gutes, als jener Saul mich aufsuchte. Ich spürte seinen Zorn. Doch er beherrschte sich, wenigstens vorläufig noch, denn er wollte von mir genau wissen, wie dies geschehen konnte.
Selbstverständlich glaubte er mir nicht, sondern hielt es für eine billige Ausrede. Ich konnte es ja selber kaum glauben. Er sah jedoch ein, dass es nicht meine Schuld war.
»Das kann aber noch Folgen für dich haben«, sagte er zum Schluss und ging davon.
Als die Priester und die Pharisäer die aus dem Gefängnis Entflohenen im Tempel sahen, entbrannte ihr Zorn von neuem. Sie riefen den Hohen Rat zusammen. Ich wurde mit den Gerichtsdienern und einigen Soldaten geschickt, sie vor den Hohen Rat zu führen. Doch die hohen Herren wusste nicht, was sie mit ihnen machen sollten. Denn sie fürchteten, das Volk würde aufbegehren, wenn man sie töten würde. Darum ließ man sie wieder laufen.
Als ich sie aus dem Saal entlassen hatte, kam gerade Saul herzu. Gleichzeitig trat auch Gamaliel heraus. Er war ein Gesetzeslehrer, und er war es gewesen, der den Rat gegeben hatte, sie freizulassen
Saul aber war ein Schüler von Gamaliel gewesen.
»Meister«, sagte Saul zu ihm, »warum habt ihr diese Sektierer nicht töten lassen?«
Saul hätte diese Irrlehrer am liebsten umgebracht oder zumindest im tiefsten Verlies in Ketten gelegt, so dass sie nicht mehr fliehen könnten. Sie hatten so viel Unruhe in die Stadt und in den Tempel gebracht. Das konnte doch nicht sein, dass der Hohenpriester, die Pharisäer, zu denen auch er gehörte, und der Hohe Rat so machtlos waren.
»Wollt ihr euch denn von ihnen noch länger auf der Nase herumtanzen lassen?«, fragte er. Und Gamaliel sah den Zorn rot in seinem Gesicht aufsteigen.
»Saul, mäßige dich!«, antwortete er ihm. »Ich hatte gute Gründe. Es gab schon zweimal Männer, zu einer Zeit als du noch bei deinen Eltern in Tarsus wohntest, die Hunderte von Anhängern hatten. Sie wurden getötet, und ihre Mitläufer zerstreuten sich, und es verlief alles im Sand. Warum sollten wir uns die Hände schmutzig machen mit diesen Leuten und das Volk gegen uns aufreizen, wenn wir sie töten oder einkerkern? Du wirst sehen, auch dieser Aufruhr legt sich wieder, und es wird nichts geschehen.«
Saul war anderer Meinung. Er achtete das Gesetz und die Ordnung. Man hätte mit aller Härte vorgehen sollen. Diese Irrlehrer hatten schon zu viele auf ihre Seite gebracht, und nachdem sie sich bisher nie an das Verbot des Hohen Rates gehalten hatten, würden sie sicher auch in Zukunft sich nicht an das Gesetz halten und nicht schweigen, sondern weiterhin das Volk verführen und die reine jüdische Lehre verfälschen. Seinem Lehrer und Meister Gamaliel versprach er, alles zu tun, um diese Irrlehre auszurotten, wenn dieser Petrus, der doch nur ein Fischer gewesen sei, und dieser junge Johannes, der auch nichts anderes als ein einfacher Fischer sei, und all ihre Anhänger nicht Ruhe gäben. Er, Gamaliel, und der Hohe Rat sollten sich an seine Worte erinnern, wenn es so weit wäre. Er stände jederzeit zur Verfügung.
Saul, Sohn von jüdischen Eltern, hatte seine Jugendzeit in der Hafenstadt Tarsus verlebt. Dort hatte er das Handwerk eines Zeltmachers erlernt. Da er schon dort in der Synagoge großes Interesse an den Schriften und den jüdischen Gesetzen gezeigt hatte, schickten ihn die Rabbiner zur religiösen Weiterbildung nach Jerusalem, wo er ein Schüler des weisen Gamaliel wurde. Doch von dessen zu Mäßigung und Vermittlung neigendem Sinn, hatte Saul kaum etwas gelernt.
Gamaliel achtete Saul. Keiner seiner Schüler hatte so eifrig wie er die Schriften studiert. Er war ein kluger Kopf, doch oft brauste er auf, vor allem, wenn es um die Anhänger dieses Jesus ging. Saul wütete nicht blindlings gegen diese Leute. Er hatte sich sagen lassen, was Jesus gelehrt und an Wundern getan hatte. Es waren schöne Worte, die dieser gepredigt hatte: Liebe, Barmherzigkeit, Sündenvergebung. Aber es waren auch gefährliche Worte. Vor allem jene von der Sündenvergebung. Jesus selbst hatte Sünden vergeben, was doch nur Gott zustand. Und dass er der Christus, der Gesalbte, der Messias sei, war Blasphemie, gleichgültig, ob er es selber so gesagt hatte oder ob seine Jünger dies behaupteten. Und nun wollten sie dies noch damit beweisen, dass sie überall erzählten, dieser Jesus sei von den Toten auferstanden. Das war unmöglich. Ja, Elia war auch von der Erde entrückt worden. Aber er war nicht gestorben und dann wieder lebendig geworden. So etwas hatte es noch nie gegeben. Und darum war es eine Lüge, was diese Apostel, wie sie sich nannten, verbreiteten. Das musste mit allen Mitteln unterbunden werden.
Saul trat nun auf mich zu, als er sich von Gamaliel verabschiedet hatte, und sagte: »Du hast gehört, was ich zu Gamaliel gesagt habe. Auch dir sind diese Leute auf der Nase herumgetrampelt. Du musst doch eine große Wut auf sie haben. Ich habe gehört, dass du bei den Oberen in Ungnade gefallen bist und dass man dich von deinem Posten absetzen will. Aber ich werde ein gutes Wort für dich einlegen. Denn ich brauche solche Männer wie dich. Dir mag es vielleicht gleich sein, welche Lehren diese sogenannten Apostel verbreiten. Aber ich weiß, dass du diese Schmach, die sie dir angetan haben, nicht auf dir sitzen lassen kannst. Wir müssen diese Leute vernichten. Diese Irrlehre muss ausgerottet werden. Ich kann dir nicht versprechen, dass du deine Stellung als Hauptmann behalten wirst, aber ich werde dafür sorgen, dass du mir bei der Verfolgung dieser Sektierer helfen kannst.«
Maria, die Mutter von Jesus, Maria Magdalena und die andern Frauen buken jeden Tag Brot und kochten warme Speisen für die Armen. Viele Bedürftige kamen, aber unter ihnen waren auch viele, die ihr Hab und Gut verkauft hatten und sich hatten taufen lassen.
Die Apostel trugen die Speisen aber auch zu jenen hinaus, die nicht kamen, jenen, die alt waren und nicht gut zu Fuß, oder die krank, lahm oder blind waren und deshalb nicht zu dem Haus der Apostel kommen konnten.
Eines Tages sagte Johannes zu Petrus: »Es ist schon richtig, dass die Armen gespeist werden, aber es nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass wir unsere Aufgabe, die Botschaft Jesu zu verkündigen, vernachlässigen. Wir müssen etwas unternehmen, damit wir unsern Auftrag, den uns der Herr übertragen hat, besser erfüllen können.«
Petrus war einverstanden, es musste etwas geschehen. Als einer nach dem andern zurückkam, nachdem sie die Speisen ausgetragen hatten, wurde ihnen gesagt, sie alle sollten am Abend zu einer bestimmten Stunde zusammenkommen.
Als es so weit war, berieten sie sich und kamen zum Schluss, dass sie sich Helfer aus dem Kreis jener wählen sollten, die jeden Tag zu ihnen zur Speisung kamen. So rief man denn auch diese zusammen. Unter ihnen waren viele griechischsprachige Juden. Die beklagten sich, denn sie meinten, die Apostel würden fast nur zu den aramäischsprachigen Witwen und Kranken gehen und die andern vernachlässigen.
Petrus bestätigte dies mit großem Bedauern. Darum hätte man sie ja zusammengerufen, damit sie nun diese Aufgabe übernehmen sollten. Denn sie selber hätten keine Zeit, die stark anwachsende Gemeinde mit leiblicher und geistiger Nahrung zu versorgen.
So wählten sie sieben von jenen Hellenisten. Wenn sie aber die Speisen zu den Alten und Kranken bringen, sollten sie nicht vergessen, ihnen das Wort Gottes zu verkünden.
Die sieben Männer nahmen ihre neue Aufgabe dankbar an. Sie gingen von einem Apostel zum andern und dankten ihnen. Jeder der Apostel legte ihnen die Hand aufs Haupt, damit sie den Heiligen Geist empfingen.
Unter den sieben war einer mit Namen Stephanus. Er war wie die andern sechs Grieche, hatte sich zum Judentum bekannt, war beschnitten und hatte der Synagoge der hellenistischen Juden angehört, bevor er sich hatte taufen lassen.
Da er sehr fromm war, ging er seiner Aufgabe, die Speisen auszutragen, gerne und gewissenhaft nach. Doch er besuchte nicht nur seine Glaubensbrüder und -schwestern, sondern versuchte mit großem Eifer auch in der Synagoge, wo die griechischen Juden sich versammelten und die noch nie von Jesus, dem Messias der Juden, gehört hatten, zu bekehren. Er erzählte ihnen wie die Apostel vom Leben Jesu und von seiner Lehre und den Wundertaten, die er vollbracht hatte. So gewann auch er viele Juden.
Doch dies gefiel nicht allen. Manche wollten gar nicht hinhören und fühlten sich belästigt, andere verwickelten Stephanus in Diskussionen. Der aber war so von seinem Glauben an Christus erfüllt und redete so wortgewandt, dass sie ihm nichts entgegensetzen konnten. Doch glauben wollten sie ihm nicht. Was er da von Christus erzählte, dass er von den Toten auferstanden sei, hatte er ja nicht selber gesehen.
»Kommt mit mir«, forderte er sie auf, »ich werde euch die Männer zeigen, die Jesus gesehen haben, als er noch lebte, und denen er begegnet ist nach seiner Auferstehung. Sie können alles bezeugen.«
Doch sie folgten ihm nicht. Sie sagten: »Suche dir Dümmere, die deine Märchen glauben. Unsere Schriftkundigen und Priester haben uns gesagt, dass dieser Jesus ein Irrlehrer war. Er ist nicht der Messias, der Gesalbte, den wir erwarten. Geh, du gehörst nicht mehr zu uns!«
Doch Stephanus ließ nicht locker. Er kehrte immer wieder zurück, so oft er Zeit dafür fand. Er wollte nicht verstehen, dass seine früheren Freunde nichts von Jesus wissen und sich nicht von ihren Sünden und ihrer Verstocktheit erlösen lassen wollten.
»Ihr seid halsstarrig«, warf er ihnen vor. »Ihr seid zwar beschnitten am Fleisch, aber unbeschnitten an euren Herzen, und eure Ohren sind taub.«
Als er nicht aufhören wollte, auf sie einzureden, gingen sie zornentbrannt auf ihn los. Er aber schaute zum Himmel hoch und sagte: »Ich sehe den Himmel geöffnet und den Messias zur Rechten Gottes stehen.«
»Das ist Gotteslästerung«, riefen sie und hielten ihn fest. Sie schickten einen zu Saul, von dem sie gehört hatten, dass er diese abtrünnigen Juden verfolge.
Saul schickte sofort auch jemand zu mir, ich solle unverzüglich zur Synagoge der Griechen gehen. Ich machte mich auf den Weg. Wir kamen gleichzeitig dort an. Wir sahen sofort, dass die Männer heftig auf einen einredeten, den sie festhielten, und ihn beschimpften. Saul fragte sie, was sie mit dem Mann vorhätten.
»Er ist des Todes schuldig«, sagten sie. »Er hat Gott gelästert.«
»Ist er einer von denen, die der Sekte jenes Jesus angehören, der gekreuzigt wurde?«, fragte er.
Als sie bejahten, gingen wir mit ihnen hinaus.
»Er hat nichts anderes verdient,«, sagte Saul zu mir.
Draußen vor der Mauer zogen sie Stephanus die Kleider ab und legten sie Saul vor die Füße. Dann hoben sie Steine auf und warfen sie auf Stephanus.
»Warum wirfst du nicht auch Steine auf ihn?« fragte mich Saul, als ich wie er nur zuschaute. »Als Hauptmann warst du doch wohl auch nicht so zimperlich.«
Ich glaube, er wollte mich prüfen, ob ich für sein Vorhaben, diese Sektierer zu vernichten, geeignet sei.
Also nahm ich auch einen Stein und warf ihn auf Stephanus.
Unaufhörlich prasselten die Steine auf ihn. Er war schon längst auf die Knie gesunken und konnte den Geschossen nicht mehr ausweichen.
Stephanus rief laut: »Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!« Und schwer am Kopf getroffen, fiel er zu Boden.
Wir hörten, wie er sagte: »Herr, laste ihnen diese Sünde nicht an.«
Weiter flogen Steine auf ihn, selbst dann noch, als er bereits tot war.
Saul hatte regungslos zugeschaut.
»Recht ist ihm geschehen«, sagte er zu mir. »Allen sollte es so ergehen, die Gott lästern.«
Als wir die Stätte dieser Hinrichtung verließen, musste ich an die letzten Worte des Gesteinigten zurückdenken. Wie war das möglich, dass einer, der so hingerichtet wird, für seine Mörder um Verzeihung bittet? War sein Glaube so groß oder war er einfach verblendet? So weit also trieben es diese Apostel mit ihrer Irrlehre, dass die Menschen sich blindlings ins Verderben stürzten.
Dachte auch Saul so?
Auf jeden Fall, so durfte es nicht weitergehen. Dieses Übel musste an der Wurzel ausgerottet werden. Wir wollten dafür sorgen, dass diese Sekte restlos vernichtet würde.
In der Nacht darauf hatten einige fromme Männer den toten Körper des Stephanus an einen geheimen Ort gebracht und beerdigt.
Einige Tage später saßen die Apostel des Abends beisammen hinter verschlossenen Türen. Sie waren beunruhigt über das, was sie gehört hatten. Drei der sechs Mitarbeiter von Stephanus, die wie jener versuchten, die Juden zum Glauben an Christus zu bewegen, wurden bedroht und waren aus Jerusalem geflohen.
Saul, so wurde bekannt, habe eine Schar junger Leute um sich gesammelt, die nun unter seiner Führung Juden, die sich hatten taufen lassen, aus ihren Wohnungen schleppten und sie ins Gefängnis brachten, wo sie geschlagen worden seien. Es hieß, einige seien im Gefängnis gestorben und andere, die sich gewehrt hätten, seien auf der Straße erschlagen worden.
Angst hatte sich breit gemacht. Wer konnte, der floh aus Jerusalem.
»Und was sollen wir tun?«, fragten einige der Apostel.
»Wir bleiben in Jerusalem«, antwortete Petrus. »Doch wir müssen vorsichtig sein. Wir wollen Saul in den nächsten Tagen keinen Anlass geben, um auch uns gefangen zu nehmen.«
»Ich bin gleicher Meinung wie Petrus«, sagte Johannes. »Beten wir zum Herrn, er wird uns schützen und uns weisen, was wir tun sollen. Vertrauen wir auf ihn. Er hat uns aus dem Gefängnis errettet. Er wird auch weiterhin dafür sorgen, dass uns nichts geschieht.«
»Jesus hat uns vorausgesagt, dass wir verfolgt und um seinetwillen getötet werden«, warf Jakobus ein. »Wäre es nicht besser, doch auch aus Jerusalem zu fliehen?«
Petrus antwortete ihm: »Er wird uns nicht sterben lassen, ehe wir seinen Auftrag erfüllt und allen Juden seine frohe Botschaft verkündet haben.«
Auch Maria, die Mutter von Jesus, und die andern Frauen glaubten, es wäre das Beste, vorerst in Jerusalem zu bleiben und abzuwarten, was der Herr mit ihnen vorhabe.
Unter jenen, die fliehen wollten, wählten die Apostel sieben Männer als Evangelisten.
»Verlasst Judäa und geht nach Samarien und Galiläa oder nach Syrien«, hatten ihnen die Apostel geraten. Dort sollten sie die Botschaft Jesu weiter verbreiten.
Unter ihnen war auch einer mit Namen Philippus. Er sagte:
»Ich werde nach Samaria gehen. Viele unserer Freunde sind nach Samarien geflohen. Ich möchte bei ihnen sein. Ich fühle es, es ist meine Aufgabe, sie dort zusammenzuführen und mit ihnen eine Gemeinde aufzubauen.«
»So geh und tu, was du tun musst. Der Heilige Geist ist mit dir«, sagte Petrus.
Am nächsten Morgen, ehe es Tag wurde, verließ Philippus die Apostel und machte sich mit dem Segen aller auf den Weg.
In der Stadt Samaria angekommen, suchte Philippus zuerst jene zusammen, die aus Jerusalem geflohen waren. Dann begann er zu predigen, und die Menschen liefen herzu, wenn er von Jesus als dem Messias sprach, und lauschten seinen Worten. Viele ließen sich taufen. Und Philippus heilte viele Lahme und Blinde und von bösen Geistern Besessene.
Saul hatte sein Versprechen gehalten. Ich verlor allerdings meine Stellung als Hauptmann, aber ich sollte sein militärischer Berater werden. Die Soldaten, die ihm zur Verfügung gestellt wurden, standen unter seinem Befehl.
Vom Hohenpriester hatte Saul die Vollmacht erhalten, gegen die Anhänger der Sekte rücksichtslos vorzugehen und sie vor Gericht zu bringen. Wo wir sie fanden, drangen wir in die Häuser ein, nahmen sie, wenn nötig mit Gewalt, gefangen und führten sie vor die Richter.
Gerne hätte Saul auch die Apostel gefangen genommen. Aber Gamaliel, den Saul hoch achtete, hatte ihn gewarnt. Man habe die Apostel auf seinen Rat hin laufen lassen, und er wolle nicht, dass man ihm Wortbruch vorwerfen könne. Wie er ihm bereits erklärt habe, regle sich die Sache nach einiger Zeit von selbst.
Saul respektierte das, obwohl er meinte, man müsse das Übel mitsamt den Wurzeln ausreißen, und die Wurzeln seien schließlich die Apostel.
Umso leidenschaftlicher ging Saul gegen die andern vor, und ich tat es ihm gleich. Wir wussten, dass viele dem Tod überantwortet wurden.
Als die meisten geflohen waren und wir kaum mehr jemand gefangen nehmen konnten, gingen wir zum Hohenpriester.
»Wir haben unsere Arbeit in Jerusalem getan, so gut wir konnten«, sagte Saul. »Aber viele sind geflohen. Wir wissen nicht, wohin sie gegangen sind. Es scheint, dass die meisten nach Norden gezogen sind. Wir nehmen an, dass sie unser Land verlassen haben.«
Saul glaubte nicht, dass sie sich in Samaria oder Galiläa aufhielten. So weit reichte nämlich die jüdische Gerichtsbarkeit.
»In Damaskus gibt es eine große jüdische Gemeinde«, fuhr Saul fort. »Es ist wahrscheinlich, dass sie dort Zuflucht suchen. Ich bitte darum, dass Ihr mir Briefe an die Synagogen mitgebt, in denen Ihr bittet, Männer und Frauen, die der neuen, verderblichen Lehre anhangen, nicht aufzunehmen, sondern mir zu übergeben, damit ich sie gefesselt nach Jerusalem zurückbringen kann, wo sie dann abgeurteilt werden können.«
Der Hohenpriester war einverstanden, ließ Briefe an die Vorsteher der Synagogen in Damaskus aufsetzen und überreichte sie Saul.
Wir rüsteten uns für den weiten Weg. Außer Saul und mir waren noch fünf berittene Soldaten, die Ketten und Seile mitführten, um die Gefangenen sicher nach Jerusalem zurückschleppen zu können. Wir zogen in Betracht, in Damaskus Wagen zu kaufen, auf denen wir sie dann anketten würden. So verließen wir Jerusalem und zogen hinab gegen Jericho. Von dort ging es weiter im Jordantal hinauf zum See Genezareth.
An der Grenze zu Syrien wurden wir kurz aufgehalten. Syrische Zöllner und römische Grenzwächter kontrollierten uns. Da Saul von seinen Vorfahren her römischer Bürger war und weil die uns begleitenden Soldaten nicht als solche zu erkennen waren, gab es keine Schwierigkeiten.
Wir ritten durch enge Täler, in denen die Hitze manchmal fast unerträglich war. Auch die Pferde schwitzten. Wir waren froh, als wir die Berge hinter uns hatten, zur Linken den gewaltigen Hermon, und vor uns bereits die Stadtmauern von Damaskus sahen.
Zwei unserer Begleiter ritten ein Stück vor uns, die drei andern hinter uns.
Saul hatte mir unterwegs einiges aus seinem Leben erzählt, wie er im Elternhaus mit seinen Schwestern aufgewachsen sei und einen Beruf erlernt habe. In Jerusalem habe er sich zum Rabbi ausbilden lassen. Als Pharisäer habe er mit scharfen Augen beobachtet, was dieser Jesus gelehrt und an Wundern getan habe. Als er gekreuzigt worden sei, habe er geglaubt, nun sei die Gefahr, dass sich diese Irrlehre weiterverbreite, vorbei. Als es aber hieß, er sei auferstanden und behaupte, der Messias zu sein, und als diese Sekte entstand und immer größer geworden sei, habe er nicht länger zusehen können. Als gesetzestreuer Jude könne er nicht zulassen, dass die Thora derart missachtet werde.
Ich versprach Saul, ihm, so lange er es wünsche, zur Seite zu stehen und ihm bei der Vernichtung dieser schädlichen Lehre und ihrer Anhänger zu helfen
Jetzt, im Anblick der Mauern von Damaskus, besprachen wir noch einmal unser Vorgehen.
