7,49 €
Die Gründungen von erfolgversprechenden Start-ups sind aufgrund ihrer gesamtwirtschaftlichen Bedeutung von großem Interesse. Die Einwerbung von Finanzmitteln gilt für diese Unternehmen als wichtiges Erfolgskriterium, aber auch als große Herausforderung. Im Fokus dieses Buches steht die Betrachtung des Finanzierungsprozesses aus Sicht der jungen, innovativen Wachstumsunternehmen in Deutschland. Für Gründerinnen und Gründer ist das Verständnis von Venture-Capital- Gesellschaften und die Funktionsweise ihrer Geschäftsmodelle sehr relevant. Daher wird der Beteiligungsprozess theoretisch fundiert und praxisnah erläutert. Dieser Prozess ist vielschichtig und geprägt von einigen sehr spezifischen Aspekten zur Findung von Investitionsentscheidungen, da die unterschiedlichen Interessenslagen der beteiligten Akteure berücksichtigt werden müssen. Für Venture-Capital-Nehmer werden Erfolgsfaktoren aufgezeigt und ein Prozessmodell erarbeitet, welches als Hilfestellung für Planung und Umsetzung einer Wagniskapitalfinanzierung geeignet ist.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 140
Veröffentlichungsjahr: 2021
Die vorliegende Masterarbeit wurde von mir im Juni 2016 im Fachbereich 3 – Wirtschaft und Recht an der Frankfurt University of Applied Science eingereicht, und auch im Jahr 2021 sind die Inhalte dieser Arbeit weiterhin aktuell. Zwar reflektiert das verwendete Datenmaterial1 den Stand des Start-up-Ökosystems zum Ende des Jahres 2015, die Zahlen heute weisen jedoch einen ungebrochenen Aufwärtstrend bei der Anzahl der Finanzierungen auf.2 Weiterhin ist eine zunehmende Bedeutung der Start-ups für das wirtschaftliche Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland zu verzeichnen, und innerhalb des Start-up Ökosystems hat die Bedeutung von Venture-Capital-Gesellschaften und Business Angels als bevorzugte Kapitalquelle zugenommen. Trotz der stetigen Zunahme von verfügbarem Geld von Wagniskapitalgebern, bleibt es weiterhin eine der größten Herausforderungen für Gründerinnen und Gründer, externes Kapital einzuwerben.3
Die Intention dieser Arbeit ist es, Gründerinnen und Gründern die Gestaltung einer Wagniskapitalfinanzierung zu skizzieren. Dabei werden die relevanten Aspekte aus einer akademischen Perspektive beleuchtet und gleichzeitig praktische Hinweise für die Umsetzung gegeben. Zudem geht es um grundlegende Fragestellungen, welche Ziele mit der Gründung eines Unternehmens verfolgt werden und mit welchen Mitteln und Ressourcen diese Ziele erreicht werden sollen. Dabei spielen vor allem die Grundprobleme der Prinzipal-Agent-Theorie bei der Investorensuche eine wesentliche Rolle, die mit der individuellen Zielsetzung und dem Wertesystem jeder Gründungspersönlichkeit in Einklang gebracht werden sollten. Aufgrund der Gesamtkomplexität eines Finanzierungsprozesses können hier die Herausforderungen, die einem Gründerteam bei der Investorensuche begegnen, nicht im Detail beschrieben werden; „Hacks“ oder einfache Checklisten zur Lösung bietet die vorliegende Arbeit nicht an. Der erfolgreiche Abschluss einer Finanzierungsrunde bedeutet in den meisten Fällen lange, harte Arbeit, weshalb es empfehlenswert ist, sich weitere relevante Wissensressourcen zu erschließen. Diese können u.a. die aufgeführte Literatur, Internetquellen, Blogs, Podcasts, etc. sein, aber vor allem auch der Austausch mit anderen Gründern, Investoren, Dienstleistern und sonstigen Aktiven im Start-up-Ökosystem. Ganz nach dem Motto: „It takes a Region to raise a Start-up!“4
Mein herzlicher Dank geht an Frau Prof. Dr. Andrea Ruppert und Herrn Prof. Dr. Jörg Kupjetz für die Annahme und Betreuung dieser Arbeit. Zudem danke ich Herrn Prof. Dr. Cord Siemon, stellvertretend für das Institut für Entrepreneurship, für die Aufnahme dieser Arbeit in die Schriftenreihe des IFE und besonders für die vielen anregenden Diskussionen.
Offenbach am Main, 2021
Daniel v. Wedel
„Your deal, my terms.“
Joseph W. Bartlett5
1 Sperrvermerk: die erhobenen Daten der eigenen Befragung der Marktteilnehmer unterliegen der Vertraulichkeit und werden deshalb hier nicht im Detail veröffentlicht; sie liegen jedoch dem Prüfungsamt im Rahmen der Gesamtarbeit vor.
2 EY - Start-up-Barometer, Januar 2021
3 Deutscher Start-up-Monitor 2020, S. 46
4https://ittakesacity.de/startupregionfrankfurt/
5https://vcexperts.com/buzz_articles/502
I. Abkürzungsverzeichnis
II. Abbildungsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hintergrund für die Arbeit und Bedeutung von Wagniskapital
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Gang der Untersuchung
2 Wagniskapital und die beteiligten Akteure
2.1 Finanzierung durch Wagniskapitalgeber
2.1.1 Definition Wagniskapital – Venture Capital
2.1.2 Ursprünge und Entwicklung von Venture Capital in den USA
2.1.3 Entwicklung von Venture Capital in Deutschland
2.2 Venture Capital-Gesellschaften
2.2.1 Organisation und Struktur von Venture Capital-Gesellschaften
2.2.2 Geschäftsmodell von Venture Capital-Gesellschaften
2.3 Junge, innovative Wachstumsunternehmen
2.3.1 Gründer und Gründungsunternehmen
2.3.2 Innovation und Wachstumspotential
3 Wagniskapitalfinanzierung
3.1 Allgemeiner Ablauf eines Venture Capital-Beteiligungsprozesses aus der Sicht des Venture Capital-Nehmers
3.1.1 Wachstum und Wachstumsmodelle
3.1.2 Finanzierungsphasen
3.1.3 Venture Capital-Finanzierung aus Sicht des Venture Capital-Nehmers
3.2 Allgemeiner Ablauf eines Venture Capital-Beteiligungsprozesses aus Sicht des Venture Capital-Gebers
3.2.1 Beteiligungsakquisition
3.2.2 Beteiligungswürdigkeitsprüfung
3.2.3 Beteiligungsverhandlung
3.2.4 Managementunterstützung und Zusatzleistungen
3.2.5 Desinvestition
4 Investitionsentscheidungsfindung von Venture Capital-Gesellschaften
4.1 Erfolgsfaktoren und Kriterien der Beteiligungsprüfung
4.1.1 Kriterien der Beteiligungswürdigkeitsprüfung
4.1.2 Zusammenfassung und kritische Würdigung der Studien
4.1.3 Ergebnisse der eigenen Befragung von Venture Capital-Gesellschaften
4.2 Entscheidungsprozess bei der Venture Capital-Finanzierung
4.3 Finanzierungstheoretische Betrachtung der Wagniskapitalfinanzierung
4.3.1 Vorvertragliches Identifikationsproblem
4.3.2 Typische Vertragsklauseln einer Venture Capital-Finanzierung
5 Prozess der Wagniskapitalfinanzierung aus Sicht des Venture Capital-Nehmers
5.1 Unterschiedliche Interessenslage
5.2 Detailbetrachtung der wesentlichen Kriterien der Beteiligungswürdigkeitsprüfung
5.3 Vorbereitung und Durchführung des Finanzierungsprozesses aus Sicht des Venture Capital-Nehmers
5.3.1 geeignete Finanzierungsform bestimmen
5.3.2 Finanzierungsprozess planen
5.3.3 Venture Capital-Gesellschaft identifizieren
5.3.4 Unterlagen erstellen
5.3.5 Venture Capital-Gesellschaft ansprechen und überzeugen
5.3.6 Due Diligence organisieren
5.3.7 Vertrag verhandeln
5.3.8 Finanzierung abschließen
6 Fazit
6.1 Erfolgsfaktoren einer Venture Capital-Finanzierung
6.2 Venture Capital-Finanzierung als letzte Zuflucht
III. Literatur- und Quellenverzeichnis
A. Literatur
B. Internetquellen (Texte)
C. Internetquellen (Linkliste)
Abb. – Abbildung
AIFM-RL – Richtlinie für Alternative Investment Fund Managers
BMWi – Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (vormals Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie)
Bspw. – beispielsweise
BVK – Bundesverband der Kapitalbeteiligungsgesellschaften
Bzw. – beziehungsweise
Ca. – circa
CEO – Chief Executive Officer
Corp. – Corporation
Etc. – et cetera
EuVECA-VO – Verordnung über Europäische Risikokapitalfonds
EY – Ernst & Young
f. – folgende
ff. – die folgenden
F&E – Forschung und Entwicklung
ggf. – gegebenenfalls
GP – General Partner
HBR – Harvard Business Review
Hrsg. – Herausgeber
HTGF – High-Tech Gründerfonds
Inc. – Incorporated
inkl. – inklusive
IPO – Initial Public Offering
IT – Informationstechnologie
KAGB – Kapitalanlagegesetzbuch
KfW – Kreditanstalt für Wiederaufbau
KMU – kleine und mittlere Unternehmen
KPI – Key Performance Indicator
MBG – Mittelständische Beteiligungsgesellschaft
Mio – Millionen
MVP – Minimum Viable Product
MW – Mittelwert
NVCA – National Venture Capital Association
PR – Public Relations
PwC – PricewaterhouseCooper
SE – Societas Europaea
S. – Seite
USA – Vereinigte Staaten von Amerika
vgl. – vergleiche
VC – Venture Capital
VCG – Venture Capital-Gesellschaft
v. – von
z.B. – zum Beispiel
Abbildung 1 - EY Start-up-Barometer 2016 - Risikokapitalinvestitionen 2015
Abbildung 2 - Grundstruktur eines Venture Capital-Unternehmens am Beispiel
von Capnamic Ventures
Abbildung 3 - Anzahl der Gründer
Abbildung 4 - Vollerwerbsgründer schaffen überproportional mehr Beschäftigung
Abbildung 5 - Finanzierungsalternativen für Gründungsunternehmen und deren Beurteilung
Abbildung 6 - disruptiver und inkrementeller Innovationsverlauf
Abbildung 7 - Wachstumsmodell von Pümpin/Prange
Abbildung 8 - Frühphase
Abbildung 9 - Wachstumsphase
Abbildung 10 - Spätphase
Abbildung 11 - Darstellung verschiedener Phasenmodelle in der Literatur
Abbildung 12 - Verfahren der Unternehmensbewertung
Abbildung 13 - Übersicht der Studien zur Venture Capital-Entscheidungsfindung
Abbildung 14 - Kriterien der Beteiligungswürdigkeitsprüfung
Abbildung 15 - Finanzierungsprozess aus Sicht des Venture Capital-Nehmers
Abbildung 16 - die vier Grundaspekte des Harvard-Konzepts
Abbildung 17 - detaillierter Finanzierungsprozess aus Sicht des Venture Capital-Nehmers
Weltweit wird von einer Explosion von unternehmerischer Aktivität mit digitalen Geschäftsmodellen gesprochen, die mit der kambrischen Artenexplosion verglichen wird.6 Diese Explosion von Startups begründet Steve Blank, einer der bedeutendsten Autoren und Lehrenden zum Thema Entrepreneurship,7 mit den gesunkenen Kosten bei einer Unternehmensgründung und Technologieentwicklung, einer breiteren Kundenbasis aufgrund des vereinfachten Zugangs über das Internet und somit einem geringeren Risiko für Kapitalgeber durch niedrige Investitionssummen. Hinzu kommt eine zunehmend intensive Betrachtung der Besonderheiten des Unternehmertums durch die Wissenschaft, die neue Erkenntnisse und praktische Leitfäden in den Jahren nach der Dotcom-Blase hervorgebracht hat.8 Auch die deutsche Gründerszene profitiert von diesen Entwicklungen und erfuhr in den letzten Jahren eine steigende Aufmerksamkeit bei potentiellen Kapitalgebern. Ein Indikator dafür ist die Gesamtsumme an Risikokapitalinvestitionen, die von 650 Millionen Euro im Jahr 2013 auf über 3 Milliarden Euro im Jahr 2015 gestiegen ist.9
Die Besonderheit von Wagniskapital (Venture Capital) hierzulande wird bei Betrachtung des gesamtwirtschaftlichen Zusammenhangs erkennbar und lässt sich in einen Finanzierungs- und in einen Performanceeffekt von Venture Capital unterscheiden. Innovationen10 haben eine große Bedeutung für die Entwicklung von
Volkswirtschaften. Insbesondere die in der vorliegenden Arbeit betrachteten jungen, innovativen Wachstumsunternehmen haben einen positiven Effekt auf die Wachstums- und Beschäftigungsdynamik einer entwickelten Volkswirtschaft, wie sich 2015 durch einen gestiegenen direkten Bruttobeschäftigungseffekt in Deutschland aufgrund von Gründungsaktivitäten bestätigte.11 Die innovationsbasierte Wachstumsstrategie ermöglicht es somit führenden Volkswirtschaften (Leader), durch Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen auch weiterhin ihren technologischen Vorsprung gegenüber aufholenden Volkswirtschaften (Follower) beizubehalten und aufgrund von zusätzlichen Absatzmöglichkeiten neue Wachstums- und Beschäftigungsimpulse zu setzen. Aufgrund kürzer werdender Produktlebenszyklen und der immer schnelleren und kostengünstigeren Imitation von Produkten und Technologien durch aufholende Länder müssen die führenden Länder eine kontinuierliche Innovationsleistung in den dort ansässigen Unternehmen ermöglichen.12 Jungen, innovativen Wachstumsunternehmen wird ein hohes Maß an disruptiver Innovation zugesprochen und somit ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung unterstrichen. Jedoch ermöglichen die Mechanismen des Kapitalmarkts für diese Unternehmen keine zufriedenstellende Versorgung bei der Finanzierung. Durch die Restriktionen im Fremdkapitalmarkt aufgrund der Vorschriften zur Regulierung von Banken (Basel III) sind die Anforderungen und die damit verbundenen Aufgaben der Fremdkapitalnehmer für junge, innovative Wachstumsunternehmen zum Teil nicht oder nur mit hohem Aufwand zu erfüllen, so dass die Aufnahme von Fremdkapital dem Kriterium einer effizienten Finanzierung nicht gerecht werden kann.13 Es muss in diesem Zusammenhang festgehalten werden, dass sich die Entwicklungen des Fremdkapitalmarkts „auf die Innovations-, Wachstums- und Beschäftigungsperformance der Volkswirtschaft negativ auswirken (können).“14 Hier wird die besondere Bedeutung von Venture Capital deutlich: junge, innovative Wachstumsunternehmen können aufgrund der Venture Capital-Finanzierung die Finanzierungslücke, das sogenannte Equity Gap, schließen.15 Dies wird als der Finanzierungseffekt von Venture Capital bezeichnet.16 Bereits Anfang der 2000er Jahre wurde in Deutschland Venture Capital als Lösungsansatz für die Eigenkapitaldefizite von mittelständischen Unternehmen diskutiert, wobei schon damals auf die notwendigen Veränderungsprozesse insbesondere in der Regulierung hingewiesen wurde.17 Aufgrund der Innovationsaktivitäten der Venture Capital-finanzierten Unternehmen wird die Wachstums- und Beschäftigungsdynamik einer Volkswirtschaft positiv beeinflusst. Dabei entfalten die intensiven Kontroll- und Unterstützungsleistungen von Venture Capital-Gesellschaften eine zusätzliche Wirkung auf die wachstumsrelevanten Aspekte, so dass in diesem Zusammenhang von einem Performanceeffekt von Venture Capital gesprochen wird.18 Dieser Performanceeffekt in Bezug auf Innovation, Wachstum und Beschäftigung kann im Vergleich zu traditionell finanzierten Unternehmen höher ausfallen.19
Erfolgreichen Gründungsunternehmen kommt nicht nur eine gesamtwirtschaftliche Bedeutung zu, sondern sie bieten darüber hinaus vielen Menschen attraktive Karrierechancen, sei es als Angestellter oder als Gründer. Für diese Arbeit sind vor allem die Chancengründer interessant, also diejenigen Gründer, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen, um ein konkretes Geschäftsmodell umzusetzen. Aus der in den letzten Jahren zunehmenden Zahl der Chancengründer lässt sich eine höhere Qualität im Gründungsgeschehen ableiten.20 Eine steigende Zahl an qualitativ höherwertigen Gründungsunternehmen bedeutet aber auch, dass der Wettbewerb im Rahmen der Beteiligungswürdigkeitsprüfung zunimmt und die Wahrscheinlichkeit einer Wachstumsfinanzierung durch ein Venture Capital-Unternehmen mit den damit einhergehenden positiven Effekten für das Gründungsunternehmen sinkt. Zudem spielen im Rahmen der Investitionsentscheidung neben den reinen Kriterien der Beteiligungsprüfung weitere Aspekte eine wesentliche Rolle. Ziel dieser Arbeit ist es, die Erfolgsfaktoren für eine Wagniskapitalfinanzierung darzustellen und ein Prozessmodell herauszuarbeiten, das den Gründern eine strukturierte Vorgehensweise ermöglicht. Eine Befragung von Venture Capital-Gesellschaften soll die in vorangegangenen Studien gewonnenen Erkenntnisse in Bezug auf die Kriterien der Beteiligungswürdigkeitsprüfung überprüfen und den praktischen Bezug dieser Arbeit gewährleisten. Im Idealfall ermöglicht dies, den Ablauf einer Venture Capital-Finanzierung für alle Seiten gewinnbringend in das Wachstumsbestreben eines Gründungsunternehmens zu integrieren.
In Kapitel 2 wird zunächst der Begriff Wagniskapital definiert, seine Ursprünge in den USA und die Entwicklung in Deutschland aufgezeigt. Anschließend werden Venture Capital-Gesellschaften und junge, innovative Wachstumsunternehmen beschrieben. Kapitel 3 gibt einen detaillierten Einblick in den Ablauf einer Wagniskapitalfinanzierung, wobei sowohl die Perspektive des Venture Capital-Nehmers als auch die des Venture Capital-Gebers betrachtet wird. Die Aspekte der Investitionsentscheidungsfindung, bestehend aus den Kriterien der Beteiligungswürdigkeitsprüfung, dem Entscheidungsprozess von Venture Capital-Gesellschaften und finanzierungstheoretischen Grundlagen, werden in Kapitel 4 erläutert. Dies beinhaltet auch die Vorstellung der Ergebnisse der durchgeführten Befragung bei Venture Capital-Gesellschaften. Die erarbeiteten Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln werden in Kapitel 5 zusammengefasst und bilden die Grundlage für den detailliert beschriebenen Finanzierungsprozess aus Sicht eines Venture Capital-Nehmers. Das Fazit in Kapitel 6 schließt die Arbeit mit einer knappen Darstellung der Erfolgsfaktoren einer Venture Capital-Finanzierung ab.
6 Siegele, Ludwig (2014): A Cambrian Moment
7https://explorecourses.stanford.edu/instructor/sblank
8 The Global Startup Ecosystem Ranking 2015, S. 13f
9 EY – Start-up-Barometer Deustchland (2016)
10 Der Innovationsbegriff wird in Kapitel 2.3.2 erläutert.
11 Vgl. auch: KfW-Research (2015), S. 1 & KfW-Gründungsmonitor 2015, S. 4
12 Schaal, Andreas (2009): Die Relevanz von Venture Capital für Innovation und Beschäftigung, S. 26ff, 36ff, 152ff
13 Schaal, Andreas (2009), S. 90 & 153
14 Schaal, Andreas (2009), S. 90
15 Schaal, Andreas (2009), S. 109, Weitnauer, Wolfgang (2016): Handbuch Venture Capital – Von der Innovation zum Börsengang, S. 4
16 Schaal, Andreas (2009), S. 257 & 262
17 Achleitner, Ann-Kristin; Fingerle, Christian H. (2003): Venture Capital und Private Equity als Lösungsansatz für Eigenkapitaldefizite in der Wirtschaft – Einführende Überlegungen, S. 16
18 Schaal, Andreas (2009), S. 257
19 Schaal, Andreas (2009), S. 265
20 KfW-Gründungsmonitor 2015, S. 5
In diesem Kapitel werden die beteiligten Akteure einer Wagniskapitalfinanzierung beschrieben. Zunächst bedarf es einer Definition von Venture Capital in Form einer Abgrenzung der relevanten Merkmale, anschließend erfolgt eine kurze Darstellung der Entwicklung in den USA und Deutschland, bevor auf Venture Capital-Gesellschaften und junge, innovative Wachstumsunternehmen eingegangen wird.
Der englische Begriff Venture Capital wird meist mit Chancen-, Wagnis- oder Risikokapital übersetzt21 und bringt den unsicheren Charakter hinsichtlich der Erfolgsaussichten einer neuen Unternehmung zum Ausdruck.22 In der deutschen Fachliteratur werden weitere Begriffe wie Beteiligungskapital und Private Equity synonym verwendet. Während Beteiligungskapital als Begriff lediglich zur allgemeinen Abgrenzung gegenüber Fremdkapital hilfreich ist, zählen zum Private Equity alle vor- oder außerbörslichen Beteiligungen an Unternehmen. Venture Capital wird somit als Teil von Private Equity angesehen.23 Im engeren Sinne wird Private Equity jedoch auch als Finanzierung von reiferen Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial und vermeintlich niedrigerem Risiko verstanden. Demgegenüber steht bei der Venture Capital-Finanzierung ein hohes Maß an Unsicherheit.24 Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass jede Geschäftstätigkeit ein gewisses Risiko beinhaltet, jedoch soll die Betonung des Wagnisses in diesem Zusammenhang auch die hohen Chancen herausstellen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Höhe der Investmentsumme, die bei Private Equity grundsätzlich deutlich höher ausfällt als bei Venture Capital.25
In der Forschungsliteratur und auch in der deutschen Gründerszene sind die deutschen Übersetzungen von Venture Capital kaum gebräuchlich, hier hat sich der englische Ausdruck durchgesetzt.26 Dennoch ist aufgrund des heterogenen Verständnisses eine Abgrenzung des Begriffs durch die Eigenschaften dieser Form der Finanzierung erforderlich. Dabei werden andere Definitionsansätze, beispielsweise nach der Investitionsphase, der Branche oder den Leistungen für das Portfolio-Unternehmen, wie sie in der Literatur zu finden sind, außer Acht gelassen.27
Für die vorliegende Arbeit wird eine Finanzierung durch Venture Capital mit den folgenden Merkmalen charakterisiert:
Außenfinanzierung in Form von Eigenkapital oder eigenkapitalähnlichen Mitteln inkl. Haftungsfunktion des bereitgestellten Kapitals
28
Minderheitsbeteiligung mit umfangreichen Kontroll- und Mitspracherechten
29
keine Rückzahlungs- bzw. Verzinsungspflicht; Erzielung einer Rendite durch Kapitalgewinne
30
aktive Managementunterstützung durch den Kapitalgeber
31
Bereitstellung des Kapitals für einen langfristigen, jedoch begrenzten Zeitraum
32
Frühphasenfinanzierung bei Unternehmen mit überdurchschnittlichem Innovationsgrad und großem Wachstumspotential
33
Der Begriff Wagniskapital wird in dieser Arbeit mit der vorgenannten Charakterisierung von Venture Capital gleichgesetzt und im Weiteren synonym verwendet.
In den USA entwickelte sich Venture Capital bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. American Research and Development Corporation (ARDC), gegründet 1946, gilt als die erste Venture Capital-Gesellschaft, auch wenn die Kapitalstruktur noch nicht der heutiger Venture Capital-Gesellschaften entsprach. ARDC investierte in Unternehmen, die im militärischen Umfeld tätig waren, und fusionierte später mit Textron Inc., das heute ein bedeutendes US-amerikanisches Industriekonglomerat mit über 13 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr ist.34 Weitere Venture Capital-Gesellschaften wurden in der Folgezeit gegründet, wie beispielsweise Greylock Partners, die 2013 bereits ihren 14. Fonds erfolgreich aufgesetzt haben, oder Draper, Gaither and Anderson, die zum ersten Mal die Limited Partnership für die Fondsgestaltung verwendeten. Bis dahin waren Venture Capital-Gesellschaften in Form von geschlossenen Investmentfonds finanziert worden.35 Die Schöpfung des Begriffs Venture Capital wird Arthur Rock zugeschrieben, der namhafte Firmen wie Fairchild Semiconductors, Intel Corp. und Apple Inc. entweder mitgründete oder in einer sehr frühen Phase in diese investierte.36
Wesentliche Erfolgstreiber des US-amerikanischen Venture Capital-Marktes waren das allgemeine unternehmerische Klima, die besondere Gesetzgebung in Bezug auf Steuern und Deregulierung, die wissenschaftliche Clusterbildung und der relativ einfache Zugang zum Kapitalmarkt als Exitkanal. Dies begünstigte eine starke Zunahme der Fondsgröße von Venture Capital-Gesellschaften in den 1980er Jahren und der damit einhergehenden Venture Capital-Investments. Dann stagnierte das Fondsvolumen aufgrund der nicht erfüllten Renditeerwartungen vieler Investoren in den Jahren 1987 bis 1991, um anschließend wiederum auf ein Rekordniveau zum Jahrtausendwechsel hin zu steigen. Im Jahr 2000 erreichten die Venture Capital-Investments 103 Milliarden US-Dollar und markierten die Hochzeit der New-Economy. Daraufhin folgte das Platzen der sogenannten Dotcom-Blase, so dass die Investitionssummen bis zur Finanzkrise 2008/2009 auf einem niedrigen Niveau verblieben und erst in den letzten drei Jahren wieder ein deutliches Wachstum erfuhren.37