Was wirklich zählt - Hellmuth Sitte - E-Book

Was wirklich zählt E-Book

Hellmuth Sitte

0,0

Beschreibung

Was wirklich zählt. Gedanken eines unverbesserlichen Optimisten.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 396

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über den Autor

1928 wurde Hellmuth Sitte in Innsbruck (Tirol) geboren. Noch während seiner Schulausbildung wurde er 1944 zur Wehrmacht eingezogen und 1945 nach kurzem Fronteinsatz schwer verwundet. Während seines Studiums an der Heimatuniversität Innsbruck wurde ihm als besten Studenten des Jahres die Leitung des modernsten Labors der Universität mit einem Siemens-Elektronenmikroskop angeboten. Er ergriff diese Chance zusammen mit seinem Bruder Peter. Die wissenschaftlichen Arbeiten der „Sitte-youngsters“ waren so erfolgreich, dass sie noch in ihren Studentenjahren zahlreiche Angebote aus dem Ausland erhielten. Hellmuth Sitte erhielt unter anderem ein Angebot der Harvard-Universität, sowie der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Schließlich übernahm er eine gut ausgestattete Abteilung für Elektronenmikroskopie und Ultrastrukturforschung an der Universität des Saarlandes, die ihn 1968 im Krisenjahr der Studentenunruhen zum Rektor wählte (Rektorat 1968-1973). Nach dem schweren Unfall am TMI-Atomreaktor bei Harrisburg nahm er mehrfach öffentlich Stellung gegen einen weiteren Einsatz dieser Risiko-Technologie. Darüber hinaus engagierte er sich in zahlreichen anderen Problemzonen der menschlichen Gesellschaft. Hellmuth Sitte ist gläubiger Christ und sieht keinerlei Problem zwischen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit und seinem Glauben.

INHALT

VORWORT

WICHTIGES KURZ VORAB

MACHT UND GELD

ADAM, EVA UND DIE FOLGEN

DES LEBENS LAUF

BILDUNG – KUNST -KULTUR

GLANZ UND ELEND DER HOHEN SCHULEN

UNSER EUROPA

GESUND ODER KRANK

KLIMA UND UMWELT

DIE AKW-STORY BIS 2013

DIE ENERGIEWENDE

MOBILITÄT 2013 FF

DAS GESTÖRTE GLEICHGEWICHT

DER WACHSTUMSWAHN

KRIEG, TERROR UND…

VOM RASSENWAHN ZUM HOLOCAUST

MIGRATION

SOZIALE VERANTWORTUNG (SV)

MENSCHHEITSKATASTROPHEN

RELIGION UND GLAUBE

MEIN EIGENER GLAUBE

NACHWORT UND DANK

ANHANG

PERSONENREGISTER

SACHREGISTER

KOMPLETTER INHALT

KOMPLETTER INHALT

Ich habe mich bemüht den Text in möglichst kleine Abschnitte zu gliedern, die jeweils ohne Kenntnis des vorangehenden Textes verständlich sind. Ich hoffe, dass mir das weitgehend gelungen ist. Wenn man diese Abschnitte in den einzelnen Kapiteln komplett in einem Inhaltsverzeichnis aufführt, erhält der Inhalt einen Umfang, der unüblich lang ist. Ich möchte trotzdem auf die Wiedergabe dieses kompletten Inhaltes nicht verzichten, weil es dem interessierten Leser die Möglichkeit gibt, einzelne Themen, die ihn interessieren, herauszupicken und zu lesen. Ein „Schmökern“ wird dadurch begünstigt. Ich bitte daher um Verständnis, für dieses sicher unkonventionelle Vorgehen.

INHALT

VORWORT

WICHTIGES KURZ VORAB

W

AS WIRKLICH ZÄHLT

„G

EDANKEN

SIND KEIN

E

VANGELIUM

E

IN

„O

PTIMIST

IM

J

AHR

2013?

G

ELASSENHEIT

W

ISSENSCHAFT

, W

IRTSCHAFT

, P

OLITIK UND

M

EDIEN

G

LAUBEN

, R

ELIGION UND

F

UNDAMENTALISMUS

P

ROGNOSEN BEDÜRFEN DER

F

ORTSCHREIBUNG

P

RINZIP

„N

ACHHALTIGKEIT

T

RÄUME UND

V

ISIONEN

E

S KÖNNTE UNS ALLEN BESSER GEHEN

NATIONAL WIE GLOBAL

W

OHIN GEHT UNSERE

L

ESEREISE IN DEN FOLGENDEN

K

APITELN

?

MEINE KRITIK…. IHRE KRITIK

MACHT UND GELD

I

N MEMORIAM

S

TÉPHANE

HESSEL

E

MPÖRUNG

W

IDERSTAND

R

EFORMEN

G

EWISSENSERFORSCHUNG VORAB

D

IE BEIDEN

S

EITEN EINER

M

EDAILLE

R

IGHT OR WRONG

MY MONEY

D

AS FEHLENDE

U

NRECHTSBEWUSSTSEIN

D

IE

L

ISTE DER

130 000 S

TEUERSÜNDER

A

DAM

SMITH –

DER

S

ÄULENHEILIGE DER

N

EOLIBERALEN

D

AS

B

ANKGEHEIMNIS

A

RBEIT OHNE

G

ELD

G

ELD OHNE

A

RBEIT

H

EDGE

-F

ONDS

, L

ANDRAUB UND

C

O

.

„P

OLITISCH

L

IED

D

IE

A

LTERNATIVE LINKS

D

IE

A

LTERNATIVE RECHTS

NGO

S UND

E

HRENÄMTER

K

EINE

A

NGST

ES TUT NICHT WEH

CONCLUSIO

N

ACHTRAG

S

EPTEMBER

2013

P

OST SCRIPTUM

W

EIHNACHTEN

2013

ADAM, EVA UND DIE FOLGEN

E

VA

W

ANN ENDLICH

?

N

OTLÖSUNG

Q

UOTENFRAU

F

RAUEN ZURÜCK AN DEN

H

ERD

„K

INDER STATT

I

NDER

W

EIBLICHE

R

EIZE

P

ROBLEME DA

…. P

ROBLEME DORT

E

INE

S

OZIALVERSICHERUNG DER

P

REMIUMKLASSE

CONCLUSIO

DES LEBENS LAUF

A

LLES ÄNDERT SICH

1:0

FÜR DIE

J

UGEND

„F

RÜH GEFREIT HAT NIE GEREUT

F

RANKREICH IST DAS

V

ORBILD

Z

U VIEL

F

AKTENWISSEN

ZU WENIG

V

ERSTÄNDNIS

ZU WENIG

S

PAß

W

ICHTIG

: E

INE GEDIEGENE

K

ERN

-A

USBILDUNG

L

EBENSLANGES

L

ERNEN

E

IN UNNÖTIGER

S

TREIT

: D

AS

R

ENTENEINTRITTSALTER

BILDUNG – KUNST -KULTUR

„K

ULTIVIERT

“… W

AS UND WOZU

?

S

PRACHEN

G

ESCHICHTE UND

G

EOGRAPHIE

K

UNST

M

USIK UND

D

ICHTKUNST

M

ALEREI UND BILDENDE

K

UNST

B

AUKUNST

K

ULTIVIERT

E

SSEN UND

T

RINKEN

E

RZIEHUNG ZUM

KULTIVIERTEN

“ Z

EITGENOSSEN

CONCLUSIO

GLANZ UND ELEND DER HOHEN SCHULEN

40 J

AHRE

EINE ZU LANGE

Z

EIT

?

„B

RAIN

-D

RAIN

“ [16

]

A

UTONOMIE ODER

5

X

5% -

VIELLEICHT EINE

H

ILFE

?

CONCLUSIO

UNSER EUROPA

D

IE DENKWÜRDIGE

R

EDE VON

S

IR

W

INSTON

CHURCHILL

IN

Z

ÜRICH

„U

LTRA POSSE NEMO TENETUR

I

CH LIEBE

E

UROPA

CONCLUSIO

GESUND ODER KRANK

SSKM

M

EDIZIN HEUTE

GUT ODER SCHLECHT

?

V

ORBEUGEN

(P

ROPHYLAXE

)

S

EGENSREICHE

S

ELBSTHILFEGRUPPEN

H

OMÖOPATHIE

J

UGENDWAHN

D

AS

R

EICH DER

S

ÜCHTE

A

LKOHOL UND

N

IKOTIN

ENGELS’ K

OLUMNE ZUR

D

ROGENPOLITIK

M

ARIHUANA UND

O

PIATE

K

OKAIN

: D

ROGE DER

Ä

RMSTEN UND

R

EICHEN

W

AS GIBT ES SONST IM

B

EREICH DER

D

ROGENSZENE

?

D

AS

S

TERBEN ALS

T

ABU

-Z

ONE

H

OSPIZ UND PERFEKTE

P

ALLIATIV

-M

EDIZIN ANSTATT AKTIVER

S

TERBEHILFE

CONCLUSIO

KLIMA UND UMWELT

D

AS

K

LIMA PRÄGT UNSERE

U

MWELT

W

AS WISSEN WIR DENN EIGENTLICH ÜBER UNSER

K

LIMA

?

„E

S IST JETZT FÜNF

M

INUTEN VOR ZWÖLF

K

LIMAWANDEL

: S

CHRECKGESPENST ODER

R

EALITÄT

?

W

AS TUN

?

R

AUBBAU FAST ÜBERALL

L

EBENSELIXIER

W

ASSER

I

NDUSTRIELLE

M

ETHODEN IM

B

IO

-B

EREICH

W

O BLEIBEN DIE SCHÖNEN

S

CHMETTERLINGE

?

CONCLUSIO

DIE AKW-STORY BIS 2013

A

NFÄNGE

, AKW

ODER

KKW, G

AU ODER

S

UPER

-G

AU

?

M

ENSCHLICH VERSTÄNDLICH

EIN

V

ERBRECHEN

?

AKW-R

ISIKOPROGNOSE UND

TMI-U

NFALL

28. M

ÄRZ

1979

1986 GAU

IM

AKW TSCHERNOBYL –

IST JETZT ALLES KLAR

?

2006: U

M

H

AARESBREITE AM

GAU

VORBEI

2012: GAU

IN

FUKUSHIMA

W

UNSCHTRAUM

„E

NDLAGER FÜR HOCHRADIOAKTIVEN

A

TOMMÜLL

A

SSE

: E

IN

L

EHRSTÜCK ZUR

E

NDLAGERUNG IN

S

ALZSTÖCKEN

M

EIN

V

ORSCHLAG ZUR

L

AGERUNG DES

A

TOMMÜLLS

W

ER KASSIERT UND WER BEZAHLT

?

CONCLUSIO

DIE ENERGIEWENDE

E

NERGIEWENDE

2012

IN

D

EUTSCHLAND

M

EIN

V

ORSCHLAG ZUR

E

NERGIEWENDE

EWN 1: E

INBINDUNG DER DEUTSCHEN

B

EVÖLKERUNG

EWN 2: Z

ENTRUM FÜR

P

LANUNG

, K

ONTROLLE UND

I

NFORMATION

EWN 3: S

TROMERZEUGER

- S

TROMVERBRAUCHER

EWN 4: „S

TROMTRASSEN

EWN5: E

NERGIESPEICHERUNG

EWN6: F

INANZIERUNG UND

S

TROMPREIS

EWN7: V

OLKSBEFRAGUNG

,

WEITERES

V

ORGEHEN UND

P

ROJEKTZIELE

CONCLUSIO

MOBILITÄT 2013 FF

1958 – 2013: 55 J

AHRE

P

E

K

A

W

E

: V

ERNUNFT ADE

!

E

INE SERIÖSE

ÖKO-B

ILANZ KANN VIELLEICHT HELFEN

„F

REIE

F

AHRT FÜR FREIE

B

ÜRGER

K

ALIFORNIEN ALS

M

ODELLFALL

KFZ-L

ICHT AUCH AM

T

AG

W

ASSERSTOFF

-, E

LEKTRO

-

UND

H

YBRIDANTRIEB FÜR

K

RAFTFAHRZEUGE

A

LTERNATIVEN IM UND ZUM

KRAFTFAHRZEUGVERKEHR

BBT: D

AS

M

ILLIARDENGRAB IN

T

IROL

TRANSRAPID: E

INE VERPASSTE

/

VERPATZTE

C

HANCE

CONCLUSIO

DAS GESTÖRTE GLEICHGEWICHT

W

AS IST EIN

F

LIEßGLEICHGEWICHT

?

D

AS

G

LEICHGEWICHT IN UNSERER

A

TMOSPHÄRE

G

UTE ODER SCHLECHTE

A

RGUMENTE GEGEN EINE

Ä

NDERUNG DER

S

ITUATION

?

E

RNEUERBARE

E

NERGIEN KONTRA

A

TOMENERGIE

M

EER

….. L

EER

….

EIN

A

LBTRAUM

G

RÜNE

G

ENTECHNIK

: W

ARUM NICHT

?

DDT

ALS

M

ODELLFALL

E

INE UNRÜHMLICHE

E

INFLUSSNAHME DER

AGRO-I

NDUSTRIE AUF DIE WISSENSCHAFTLICHE

FORSCHUNG

G

RÜNE

G

ENTECHNIK IM

P

RAXIS

-E

INSATZ

CONCLUSIO

DER WACHSTUMSWAHN

W

ACHSTUM

: „F

ETISCH

VON

I

NDUSTRIE UND

W

IRTSCHAFT

W

ACHSTUM DURCH

W

EGWERFEN

LE CHATELIER

UND DAS

W

ACHSEN VON

B

ÄUMEN UND

B

AKTERIEN

N

OBELPREISE UND DER

„CLUB OF ROME“

K

ONTRASTPROGRAMM

: D

IÄT IM

T

REND

?

„W

ACHSTUM

UND

„S

CHRUMPFEN

GLOBAL BETRACHTET

CONCLUSIO

KRIEG, TERROR UND …

E

INES IST SO SCHEUßLICH WIE DAS ANDERE

W

AFFEN SIND ZUM

T

ÖTEN DA

!

D

IE

G

ENE DER

M

ENSCHEN LASSEN SICH NICHT ÄNDERN

T

ERRORISMUS

CONCLUSIO

VOM RASSENWAHN ZUM HOLOCAUST

H

ITLERS

H

IRNGESPINST

R

ASSISMUS FAST ÜBERALL

WARUM

?

H

OLOCAUST

– V

ERNICHTUNG MIT

V

ORANKÜNDIGUNG

CONCLUSIO

MIGRATION

K

EIN

R

UHMESBLATT

W

ER

,

WESHALB UND WOHER

?

W

AS SAGT UNS DAS

W

IENER

T

ELEFONBUCH

?

A

LTERNATIVEN ZUM HEUTIGEN

P

ROZEDERE

F

REIE

W

OHNORTWAHL INNERHALB DER

E

UROPÄISCHEN

G

EMEINSCHAFT

CONCLUSIO

SOZIALE VERANTWORTUNG (SV)

SV

NUR ALS

„H

IGHLIGHT

FÜR

S

ONNTAGSREDEN BRAUCHBAR

?

SV

IST KEINE

E

INBAHNSTRAßE

SV

FUNKTIONIERT NUR AUF FREIWILLIGER

B

ASIS

SV

ENDET NICHT AN

L

ANDESGRENZEN

SV

BEDEUTET

S

EHEN

, H

ÖREN UND

A

NTEILNAHME

SV

VERHINDERT

R

EVOLUTIONEN UND

B

ÜRGERKRIEGE

SV

IN MEINEM EIGENEN

L

EBEN

G

ERECHTE

E

NTLOHNUNG UND

R

ENTE FÜR

SV-B

ERUFE

CONCLUSIO

MENSCHHEITSKATASTROPHEN

I

ST DER

UNVERBESSERLICHE

O

PTIMIST

TOTAL BLIND

?

„E

RSTENS KOMMT ES ANDERS

ZWEITENS ALS MAN DENKT

!“

K

ATASTROPHENSZENARIEN GEFÄLLIG

?

V

IELLEICHT HAUSGEMACHT

: D

IE WAHRSCHEINLICHSTE

G

EFAHR

!

„A

LLES SCHON EINMAL DA GEWESEN

!“

CONCLUSIO

RELIGION UND GLAUBE

I

CH BIN KEIN

T

HEOLOGE

E

NTSCHEIDEND

: W

ER

,

WO UND WANN

?

F

UNDAMENTALER

I

RRTUM

!

G

LAUBENSKRIEGE EINST UND JETZT

S

IND

A

NGST UND

H

ASS WIRKLICH HILFREICH

?

E

THIK ALS

A

LTERNATIVE

?

CONCLUSIO

MEIN EIGENER GLAUBE

J

A

,

ICH GLAUBE AN

JESUS CHRISTUS

Z

WEI VERSPERRTE

K

AMMERN UND EIN

S

CHLÜSSEL

„G

ENÜGT NICHT EINE DER BEIDEN

K

AMMERN

?“

W

O BLEIBT MEIN FREIER

W

ILLE

?

M

EIN

B

EKENNTNIS ZU

JESUS CHRISTUS

M

EINE PRIVATE

H

EILIGEN

-G

ALERIE

E

IN

R

UNDGANG DURCH MEINE

G

ALERIE

W

OZU

?

U

LTIMA RATIO

: E

IN

G

EBET

QUINTA ESSENTIA

NACHWORT UND DANK

ANHANG

Der Author

Vorwort

Als junger Naturwissenschaftler war für mich die Kernenergie eine viel versprechende Option. Endlich war man befreit von dem Zwang, die begrenzten Reserven fossiler Brennstoffe zu verheizen. Die Reaktorunfälle von HARRISBURG (TMI 1979) und Tschernobyl (1986) zwangen jedoch zum Umdenken: Die Kernenergie war für uns und unsere Nachkommen eindeutig ein unvertretbar hohes Risiko.

Mein offenes Eintreten gegen die äußerst lukrative Atomkraft hatte Folgen: Freundschaften zerbrachen – man diffamierte mich als Lügner und Ignorant. So reifte vor vielen Jahren der Plan, meine Ansichten in einem Buch allgemein verständlich zu begründen. Als unverbesserlicher Optimist wollte ich dabei bessere Alternativen aufzeigen. Schließlich gab es da noch eine Reihe weiterer Probleme, die mir am Herzen lagen. So etwa unsere Umwelt und das Klima, die sich stetig weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich und das widerwärtige neoliberale Finanzkasino.

Die Arbeit an meinem Buchprojekt begann ernsthaft mit dem Ende meiner beruflichen Tätigkeit als Universitätsprofessor im Jahr 1996. Sie wurde immer wieder durch äußere Zwänge – teilweise über mehrere Jahre – unterbrochen. Dass mein Buch nun endlich im Druck vorliegt, grenzt an ein Wunder und stimmt mich froh. Wenn es darüber hinaus in dieser oder jener Weise zu einer besseren Welt beitragen würde, wäre ich sehr glücklich.

Seefeld in Tirol, AD 2014

Postskriptum (5. April 2016): Das Manuskript für das vorliegende Buch wurde im wesentlichen Mitte 2014 abgeschlossen. Ereignisse der nachfolgenden Zeit sind daher im gegenständlichen Text nicht erfasst. Ich habe mich bemüht hierauf in einer Publikation einzugehen, welche demnächst druckfertig vorliegen sollte (H. Sitte, Reichtum und Armut – Meine Abrechnung mit den Auswüchsen des neoliberalen Kapitalismus, 2016/17)

1. WICHTIGES KURZ VORAB

Was wirklich zählt

Es mag in den sechziger Jahren gewesen sein. Der junge Udo JÜRGENS landete mit seinem „Immer wieder geht die Sonne auf“ einen Mega-Hit. Er passte zum Optimismus des Wirtschaftswunders und lief über alle Rundfunkanstalten deutscher Sprache. Etwas im Schatten dieses Ohrwurms stand ein anderer Song, der mich auch heute noch sehr berührt und nachdenklich stimmt. Der Refrain lautet [1]1:

„Was wirklich zählt auf dieser Welt bekommst du nicht für Geld“

Die ersten Worte dieses Refrains habe ich als Titel für mein Buch gewählt, als Kontrapunkt zu dem heute gültigen Slogan „Geld regiert die Welt“, dem ich meine Gedanken entgegensetzen möchte. Vielleicht gelingt es, der scham- und skrupellosen Jagd nach Geld Einhalt zu gebieten, bevor diese unser globales System und unsere Umwelt definitiv zerstört.

„Gedanken“ sind kein Evangelium

Meine im Untertitel des Buches angesprochenen „Gedanken“ sollen im Wesentlichen zum Nachdenken anregen. Nachdenken kostet nichts und ist nach neuesten medizinischen Erkenntnissen gesund – die beste Prophylaxe gegen Alzheimer und Demenz im Alter.

Es stört mich in keiner Weise, wenn dieses eigene Nachdenken zu einem Widerspruch und einer fundierten Kritik führt. Der alte Spruch „Quot capitae, tot sententiae“ (wie viele Köpfe, so viele Meinungen) trifft den Nagel auf den Kopf. Begründete Kritik ist mir immer willkommen!

Bei meinen Überlegungen habe ich nie einen kompletten Überblick über alle Probleme unserer Gesellschaft angestrebt. Meine „Gedanken“ beziehen sich auf Probleme, die ich für wichtig halte und in denen ich mich halbwegs kompetent und zu einem Urteil befugt fühle.

Ein „Optimist“ im Jahr 2013?

Noch dazu ein „unverbesserlicher Optimist“… Absurd!

Ein kurzer Blick in eine beliebige Tageszeitung, das Hören von Nachrichten im Rundfunk oder am Abend ein Blick in den Fernseher belehrt uns doch sofort: Pessimismus ist angesagt. Eine Krise nach der anderen – Banken… Wirtschaft… Euro. Korruption ohne Ende in allen Etagen. Das Klima kippt. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. Rezession und zunehmende Arbeitslosigkeit in vormals wohlhabenden Staaten. Wer will da noch hoffen?

Ich bleibe trotzdem ein „unverbesserlicher Optimist“. Meine Gründe: Auf der einen Seite bewirken Dauerkrisen und Brüche in der Entwicklung automatisch eine Sensibilisierung breiter Schichten der Bevölkerung. Andererseits werden Entwicklungen in Gang gesetzt, die letztendlich zu einer Besserung der Lage führen. Entwicklungen dieser Art brauchen ihre Zeit. Nichts geschieht von heute auf morgen und keine Veränderungen verlaufen ohne Fehler.

Sehr wesentlich erscheint mir eine große Zahl von Publikationen, welche die Probleme in kritischer Weise beleuchten. Beispielsweise die kleinen Büchlein, welche von Hugo PORTISCH [2] und Stéphane HESSEL [3] herausgegeben wurden. Beide wurden sofort zu Bestsellern. Die Schriften von HESSEL wurden sogar international bekannt und selbst ins Chinesische übersetzt. Das zeigt deutlich das Interesse, das für Probleme dieser Art existiert.

Zusätzlich stimmen mich die Arbeiten von zahlreichen NGOs [4] optimistisch, welche einen erheblichen Druck auf Politik und Wirtschaft ausüben. Sie bewirken allesamt eine langsame Änderung der Politik. Erstmals und etwas zögernd werden die Banken und die Steueroasen ins Blickfeld gerückt. Das zeigt bereits erste Erfolge. Es ist zu hoffen und erscheint realistisch, dass den Spekulanten an Börsen und Banken und den Steuersündern ihr schmutziges Handwerk gelegt wird. Es gibt also durchaus Grund zum Optimismus, dass sich unsere Lage langsam wieder bessert und dass wir der Zukunft mit Vertrauen entgegen sehen können.

Gelassenheit

Friedrich OETINGER (1702-1782) hat ein Gebet formuliert, das mir oft geholfen hat und mir auch bei der Abfassung dieses Textes hilft. Es lautet:

Gott gebe mir die Gelassenheit,

Dinge hinzunehmen,

die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich

ändern kann, und

die Weisheit, das eine vom anderen zu

unterscheiden.

Das gilt sowohl für die eigene Person als auch für die Gesellschaft. Nicht alles kann man selbst ändern. Es ist aber entscheidend, ob man daran glaubt, dass sich Dinge ändern lassen, welche die ganze Gesellschaft betreffen. Ich habe mich bemüht, keine utopischen Änderungen vorzuschlagen. Ohne einen realistischen Grund macht der Versuch, Dinge zu ändern keinen Sinn. Ich glaube, dass sich sehr viel in unserer Gesellschaft national wie global ändern lässt, wenn die Menschen überzeugt sind, dass eine derartige Änderung sinnvoll und notwendig ist.

Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien

Ich selbst bin Naturwissenschaftler und überblicke durch meine wissenschaftliche Laufbahn einigermaßen die Fächer Physik, Chemie, Biologie und Medizin. Ich bin lebenslang Wissenschaftler mit Herz und Seele gewesen und hatte stets große Achtung vor den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die im Laufe der Jahrhunderte gesammelt worden sind. Offensichtlich existiert in der Gesellschaft immer noch eine hohe Wertschätzung der Wissenschaft und für das Wort des Wissenschaftlers, dessen Aussage als feste Tatsache gilt.

Doch Vorsicht: Hier haben wir ein Problem! Wir sollten klar trennen zwischen der Grundlagenwissenschaft, die ich als „reine“ Wissenschaft bezeichnen möchte und der „angewandten“ Wissenschaft. Darunter verstehe ich die wissenschaftliche Arbeit, die vorzugsweise in Wirtschaft und Industrie notwendig und üblich ist. Aber dabei wird Gewinn angestrebt und das hat seine Folgen. Aussagen aus dem Bereich der angewandten Wissenschaft sollten mit größter Vorsicht behandelt werden. Gewinnstreben der Industrie und Wirtschaft spielen dabei nämlich eine wesentliche Rolle und unerwünschte Ergebnisse dürfen nicht veröffentlicht werden. Dies sollte bei der Übernahme derartiger Aussagen immer beachtet werden. Es gilt der alte Spruch „audiatur et altera pars“ (man höre auch die Meinung anderer – insbesondere die Meinung aus dem Bereich der Grundlagenwissenschaft).

Zusätzliche Komplikationen entstehen durch die Einmischung der Politik und insbesondere der Medien in wissenschaftliche Diskussionen. Hier wird oftmals einseitig zitiert und das transportiert was gerade opportun erscheint. Oftmals amüsiert sich der Medienberichterstatter daran, dass verschiedene Wissenschaftler verschiedene Tatsachen als richtig verkaufen. Ich denke da vor allem an die brisanten Bereiche der Energiewirtschaft (Atomenergie), der heftig diskutierten Gentechnik und dem für uns alle äußerst wichtigen Bereich der Klimaforschung. Hier ist Vorsicht geboten!

Glauben, Religion und Fundamentalismus

Weniger Probleme als mit wissenschaftlichen Aussagen habe ich in religiösen Fragen: Entweder glaube ich an etwas, das ich in der Regel nicht beweisen kann oder ich glaube nicht daran. Ein drittes gibt es nicht. Ich möchte auch gleich meine eigene Einstellung voraus schicken: Ich glaube an JESUS CHRISTUS und das, was über ihn im Neuen Testament geschrieben ist. Ich glaube nicht unbedingt an alle Aussagen, die mich aus dem Vatikan erreichen. Ich zahle meinen Kirchenbeitrag unabhängig davon, weil ich der Überzeugung bin, dass er gut eingesetzt wird.

Insgesamt enthalten die großen Weltreligionen viel Gemeinsames. Für mich sehr überzeugend hat dies Hans KÜNG in seinen Schriften über das „Weltethos“ [5] dargelegt. In jedem Fall deckt die Religion vieles ab, was heute von unserer Gesellschaft nicht genügend praktiziert und berücksichtigt wird.

Große Probleme in allen Fragen der Religion führen die so genannten „Fundamentalisten“ ein. Sie sind der (irrigen) Meinung, dass man die Aussagen des Glaubensgründers bzw. Propheten wortwörtlich umsetzen müsste, obwohl sie für eine ganz andere Zeit gesprochen und aufgezeichnet wurden, was eine große Konfusion zur Folge hat. Noch schlimmer sind die Auswirkungen auf die heutige politische Lage. Ich denke dabei vorzugsweise an die verschiedenen Auslegungen des Korans, aber auch an katholische fundamentalistische Strömungen.

Prognosen bedürfen der Fortschreibung

Ein Spaßvogel prägte einmal den Satz „Vor Prognosen hüte man sich, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“. Es könnte durchaus Mark TWAIN gewesen sein. Etwas Wahres ist daran, weil die zukünftige Entwicklung sich oftmals nicht linear sondern sprunghaft verändert und so Prognosen nicht genau zutreffen oder gerade in das Gegenteil verkehrt werden.

Als Beispiel möchte ich die meines Erachtens hervorragende Einschätzung von Dennis MEADOWS in der Publikation des Club of Rome „Grenzen des Wachstums“ [6] anführen. Hier wurde genau das versäumt, was eine Prognose vor dem Absturz retten könnte, nämlich ausdrücklich darauf hinzuweisen, in welchem Zeitrahmen sie zu sehen ist. Zwar wurden in Neuauflagen veränderte Rahmenbedingungen angegeben, aber nicht in einem klaren Zusammenhang mit der Erstpublikation.

Die Folge: Man bemerkte hämisch (z.B. „Club of Rome… go home“), dass Treibstoffe nicht zu Ende gehen und dass auch sonst in vielen Bereichen die Prognosen nicht zutreffen. In neuerer Zeit greift man wieder auf fossile Brennstoffe zurück mit sehr riskanten Verfahren, die zur Zeit der Original- publikation von MEADOWS gar nicht bekannt waren (Tiefseebohrungen, Bohrungen in vormals vereisten Gebieten im Norden sowie Fracking). Dadurch hat sich alles verschoben. Meine Empfehlung: Man möge darauf hinweisen, dass die Prognosen in vertretbaren Zeiträumen (alle 5 oder 10 Jahre) zu überprüfen sind und dass solche Überprüfungen auch geplant sind.

Prinzip „Nachhaltigkeit“

Bis vor kurzem war der Begriff der „Nachhaltigkeit“ noch nicht allgemein bekannt und akzeptiert. Ich möchte kurz ein Beispiel anführen: Nachhaltig ist eine Holzwirtschaft, bei der in bestimmten Zeitabständen nur so viel abgeholzt und der industriellen oder wirtschaftlichen Nutzung zugeführt wird, wie in dem selben Zeitraum an anderer Stelle nachwächst. Auf diese Weise bleibt immer der Bestand an Holz erhalten. Ein ähnliches Beispiel wäre die Fischerei: Es sollte nicht mehr aus den Weltmeeren herausgefischt werden, als im Wege der normalen Reproduktion durch Jungfische wieder nachwächst. Auch hier bliebe der Fischbestand im Wesentlichen gleich, so dass auch zukünftige Generationen ebenso auf die Ressourcen Fisch zurückgreifen könnten wie wir heute.

Es ist bekannt, dass dieses Prinzip heute praktisch generell missachtet wird. Es wird Raubbau betrieben, der in vielen Bereichen nur mit großem Einsatz korrigiert und wieder gut gemacht werden kann, in anderen Bereichen überhaupt nicht mehr zu reparieren ist.

Es soll an dieser Stelle vorausgreifend festgestellt werden, dass das Prinzip der „Nachhaltigkeit“ sich nicht auf die Ressourcen der Erde beschränkt, sondern in vielen anderen Bereichen ebenso greift. Man kann durchaus von nachhaltigen politischen Systemen sprechen, wobei Diktaturen und korrupte Regierungen nicht als nachhaltig bezeichnet werden können, weil sie auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten sind.

Träume und Visionen

Man sagt „Träume sind Schäume“. Da ist viel Wahres dran. Träume dieser Art zerplatzen wie schillernde Seifenblasen und haben nach meiner persönlichen Meinung keine besondere Aussagekraft. Ich hoffe, dass ich dabei alle Traumdeuterinnen und Traumdeuter nicht furchtbar verletze. Ich erinnere mich an einen Standardtraum, den ich als Jugendlicher sehr häufig hatte: Ich war, von meinem Großvater angeleitet, begeisterter Briefmarkensammler und träumte immer wieder, dass ich eine Reihe wertvoller und vor allem schöner, bunter Briefmarken in meine Sammlung bekommen hatte. Nach dem Aufwachen war der Traum geplatzt.

Es gibt aber auch eine andere Art von Träumen: Träume bei hellem Bewusstsein sind oftmals tragfähige Visionen

. Ich denke an den schwarzen Baptistenpfarrer und Bürgerrechtler Martin Luther KING. Er hatte stets den Willen, die Gleichheit der Rassen in den Vereinigten Staaten mit friedlichen Mitteln wie Mahatma GANDHI durchzusetzen. Sein größter Auftritt war der Marsch auf Washington D.C., bei dem er am 28.August 1963 seine berühmte Rede „I have a dream“ („Ich habe einen Traum“) vor 250.000 Zuhörern hielt. Wer hätte gedacht, dass diese Vision innerhalb eines halben Jahrhunderts die Lage in den USA komplett verändern würde. Die Wahl von Barack OBAMA im Jahr 2009 ist der beste Beleg dafür.

Auch ich gestatte mir im vorgerückten Alter von 85 Jahren meine persönlichen „Träume“ beziehungsweise „Visionen“, die ich für realisierbar halte. Auch diese Visionen werden nicht von heute auf morgen erfüllt. Ich werde ihre Realisierung sicher nicht mehr erleben. An erster Stelle würde ich mir in meinen Träumen wünschen, dass die Raffgier des neoliberalen Raubtierkapitalismus durch eine eher christliche Ethik abgelöst wird. Das würde den Zustand unserer globalen Gesellschaft nachhaltig verbessern.

Als zweite Vision sehe ich die Gleichstellung der Frauen mit den Männern. Sie wurde in den letzten zweitausend bis fünftausend Jahren nicht erreicht und ist heute bei weitem nicht Realität. Als dritte brandaktuelle Vision würde ich wünschen, dass der Klimawandel auf das heute noch mögliche Minimum beschränkt wird. Hier sind am ehesten Bedenken anzumelden, weil der Prozess der Veränderung schon sehr weit fortgeschritten ist. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Es könnte uns allen besser gehen – national wie global

Für eine Besserung der Verhältnisse unserer Gesellschaft gibt es prinzipiell zwei Wege. Der elegantere wäre eine moralische Aufrüstung, mit anderen Worten ein Ersatz des Eigennutzes durch den Gemeinnutz. Das könnte auf der Basis christlicher Werte oder einer religionsfreien Ethik erreicht werden. Leider halte ich diesen Weg für nicht gangbar in der heutigen Situation, weil der Eigennutz beim Geldsammeln ein Ausmaß erreicht hat, das man nicht ohne weiteres tilgen kann. Die Geldsammler werden ihre Tätigkeit sicher nicht der Moral opfern.

Einfacher und sicher wirksamer auch unter den heutigen Bedingungen wäre eine bessere Teilnahme der breiten Bevölkerungsschichten an der Politik. Im Moment hat es die repräsentative Demokratie soweit gebracht, dass alle wesentlichen Beschlüsse hinter verschlossenen Türen von einem kleinen Kreis vollzogen werden. Es ist keine Rede davon, dass dabei die Bevölkerung vorher gefragt oder nachträglich in wesentlichen Punkten beteiligt wird. Man vergisst vollkommen, dass hier über 90% (vermutlich 99%) der Bevölkerung von der Entscheidungsfindung ausgeschlossen werden.

Ich gebe dazu gerne einige Beispiele: Es ist für mich unverständlich, dass man Banken, die das Geld verspielt haben, das bei ihnen angelegt wurde, mit Beträgen in dreistelliger Euromilliardenhöhe rettet, ohne die Zustimmung der Bevölkerung einzuholen. Letztlich werden dabei meiner Ansicht nach die Aktionäre bedient, die sonst durch die Zockerei der Bankmanager ihr Geld verloren hätten. Wer bezahlt? Zweifellos ausschließlich der Steuerzahler. So etwas halte ich für unseriös. Für ebenso unseriös halte ich die aus wirtschaftlicher Sicht völlig falsche Atompolitik der Regierungen. Eine genaue Berechnung würde sehr rasch zeigen, dass hierdurch lediglich einige Großkonzerne horrende Summen verdienen. Mit den Schulden werden wir und unsere Nachkommen belastet.

Würde man alle derartigen Exzesse auf null zurückfahren, so wäre genügend Geld vorhanden, um die Nöte der Gesellschaft zu beseitigen. Die „Kollateralschäden“ dieser Politik sind immens. Es dreht sich nicht nur um die Bezahlung der eingegangen Schulden, sondern vor allem auch um die Folgekosten einer extremen und unsinnigen Sparpolitik. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Lebenshaltungskosten steigen. Die Belastung der einzelnen Arbeitnehmer steigt – „Burnout“ wird immer mehr zur Regel. Man könnte alles das vermeiden.

Wohin geht unsere Lesereise in den folgenden Kapiteln?

Es ist immer die Frage, mit welchen Themen man zunächst beginnt und welche Themen den Abschluss bilden. Sozusagen die Frage nach dem Alpha und dem Omega eines Buches. Wenn es nach meinen Anschauungen ginge, würde ich als Anfang ein Kapitel über Religionen setzen, weil ich das für das Wesentliche halte. Ich muss von diesem Wunsch abweichen, weil ich solche Gedanken kurzfristig nicht für umsetzbar halte.

Da unser Leben sehr wesentlich von der Qualität der Politik und den Wünschen des Kapitals beeinflusst wird, beginne ich den Text mit dem Kapitel.

1. MACHT UND GELD.

Ich gebe zu, dass sich meine Feder bei der Diskussion dieses Themas des Öfteren sehr gesträubt hat. Wir müssen aber die Einflüsse dieses Komplexes genau diskutieren, weil eine Änderung hier dringend Not tut.

Daran schließt sich ein Kapitel an, das sich vor allem mit der Situation der Frauen in der Welt und auch in unserem nationalen Bereich befasst. Es lautet

2. ADAM, EVA UND DIE FOLGEN.

Im Anschluss daran in bunter Reihe die weiteren Kapitel. Wie bereits oben angesprochen, kommen die mir wesentlichen zum Schluss. Es sind dies die Kapitel

20. RELIGION UND GLAUBE

sowie mir das wesentlichste Kapitel

21. MEIN EIGENER GLAUBE.

Es mag sein, dass einzelne Kapitel oder Abschnitte nicht interessieren oder den Eindruck erwecken, dass dem Wissenschaftler SITTE der „Gaul durchgegangen ist“. Ich habe daher beim Abfassen des Textes darauf geachtet, dass möglichst kleine Einzelabschnitte für sich verständlich sind. Es macht also durchaus Sinn, sich einzelne Kapitel oder Abschnitte des Buches gesondert zum Lesen vorzunehmen. Dabei sollten keine Schwierigkeiten entstehen. Ich gehe nicht davon aus, dass jeder Leser an allen angebotenen Themen interessiert ist. Sehr gelegen wäre mir allerdings, wenn die beiden abschließenden Kapitel gelesen würden. Ich hoffe, dass dies nicht zu viel verlangt ist. Vergleiche auch komplette Zusammenstellung des Inhaltes auf Seiten → bis ….

MEINE KRITIK…. IHRE KRITIK

Genauer: „Meine Kritik“ an den gesellschaftlichen Um- und Zuständen ist für mich als Autor entscheidend notwendig. „Ihre Kritik“ an meinem Text ist das Gegenstück. Meine Kritik fällt notgedrungen relativ deftig aus, weil die Zustände im nationalen wie globalen Bereich dies erfordern. Es mag sein, dass ich dabei in Einzelfällen zynisch und etwas überzogen reagiere. Merkwürdig mag erscheinen, dass ein Optimist so viel kritisiert.

Die Kritik ist leider der einzige Weg und die einzige Basis für meinen Optimismus. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine berechtigte Kritik vom Leser akzeptiert wird und das einzige Vehikel dafür ist, dass sich die Zustände in unserem System ändern. Ich muss dabei um Entschuldigung bitten, wenn ich einige Leute zu Unrecht beleidige. In allen Bereichen der Gesellschaft habe ich gute Freunde und Bekannte, denen ich nichts vorzuwerfen habe. Sie mögen mir verzeihen. Meine Bitte an sie: Bitte versuchen Sie, die „schwarzen Schafe“ in Ihrem Bereich auszugrenzen, bevor sie gesellschaftsfähig werden.

Nun zu „Ihrer Kritik als Leser“: Wie bereits festgestellt, bin ich für jede konstruktive und fundierte Kritik sehr dankbar. Meine einzige Bitte geht dahin, dass Sie diese Kritik in Briefform mir zur Kenntnis bringen (A-6100 Seefeld in Tirol, 166). Ich bitte es meinem Alter zuzuschreiben, dass ich ein Internet-Muffel bin und weder über Facebook oder Twitter korrespondieren möchte. Für alle Hinweise auf Fehler oder Ergänzungen bei Zitaten bin ich sehr dankbar. Ich werde sie in nachfolgenden Auflagen, soweit ich diese noch erlebe, entsprechend berücksichtigen.

1 Anmerkungen zum Text: siehe „Anhang“

2. MACHT UND GELD

In memoriam Stéphane HESSEL (1917 – 2013)

Im Jahr 2013 ist Stéphane HESSEL in Paris gestorben. Er war ein ganz besonderer Mensch. Er hatte keinen Nobelpreis und, soweit ich informiert bin, keinen akademischen Grad – Professor, Doktor oder Magister. Trotzdem schätze ich ihn wesentlich höher ein, als die meisten meiner Kollegen von den Universitäten, ja höher als viele Nobelpreisträger. Warum?

Meine Verehrung beruht auf einem kleinen Büchlein mit dem provokativen Titel „Empört euch“. Auf 25 Seiten in Kleinformat hat Stéphane HESSEL seine Lebenserfahrung und seine Einschätzung zur heutigen Lage zusammengefasst. Seine Streitschrift wurde sofort zum globalen Bestseller. Sie wurde in alle gängigen Weltsprachen übersetzt. Ich bin sicher, dass seine Worte sehr viel in der Welt bewirken werden. Als Ergänzung hat er eine zweite Publikation „Engagiert euch“ sowie mit seinem Freund Edgar MORIN eine kleine Publikation „Wege der Hoffnung“ [7] herausgegeben. Alle Druckschriften stammen aus seinem letzten Lebensjahr und wurden geschrieben in der Erkenntnis, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, diese Gedanken niederzulegen und publik zu machen.

Betrachtet man den Lebensweg von Stéphane HESSEL, so wird sofort deutlich, dass er sehr geradlinig immer seine Meinung vertreten hat und dafür auch mit seinem Leben eingestanden ist. Im Jahr 1924 übersiedelte die Familie HESSEL nach Paris. 1937 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft. Im Krieg trat er der französischen Widerstandsbewegung gegen das Naziregime bei. Er hatte Kontakte zu Charles DE GAULLE. Nach der Verhaftung durch die GESTAPO wurde er in das KZ Buchenwald deportiert. Zweimal entging er knapp einer Hinrichtung. Mit Hilfe seines Freundes Edgar MORIN gelang ihm die Flucht aus dem KZ. Nach dem Krieg trat er in den diplomatischen Dienst Frankreichs ein und wirkte lange Jahre als Botschafter bei der UNO in New York, für die er viele Missionen absolvierte. Wesentlichen Anteil hatte HESSEL an der „UNO-Charta der Menschenrechte“.

Ich gestehe offen, dass mir sein Beispiel bei der Abfassung des vorliegenden Buches sehr hilfreich war. Schließlich sollte es möglich sein, dass ich als um 10 Jahre jüngerer auch noch ein Manuskript zu Ende bringen kann. Ich danke ihm dafür sehr!

EmpörungWiderstandReformen…

Gewissenserforschung vorab

Stéphane HESSEL hat vollkommen Recht: Nur die Empörung über missliche Zustände in unserer Gesellschaft und der daraus resultierende Widerstand breiterer Volksschichten hat Reformen zur Folge. Ohne diese Sequenz überwiegt die Trägheit und es wird sich nichts zum Besseren wenden. Aber: Genügen Empörung und Widerstand oder sollte man dabei auch noch anderes berücksichtigen? Ich halte eine seriöse „Gewissenserforschung“ wie vor einer Beichte für notwendig. Wenn wir unseren begreiflichen Zorn, unseren Frust und unsere Wut ohne diese Überlegung hinauslassen, werden wir Schiffbruch erleiden. Was ist damit gemeint?

Mir kommt ein altes Sprichwort in den Sinn: „Wer selbst im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“. Mit anderen Worten: Wir sollten reiflich überlegen, was wir selber zu der jetzt entstandenen Situation beigetragen haben, bevor wir den Staat oder die Regierung in die Zange nehmen. Ich werde diese Art des Vorgehens auch bei anderen Themen bevorzugen. Überall sind wir zum Teil mitschuldig.

Im vorliegenden Fall hat eine Reihe von Wirtschaftswunderjahren dazu geführt, dass wir ohne es zu merken den Boden unter unseren Füßen verloren haben. Wir haben unsere Ansprüche entsprechend den wachsenden Möglichkeiten immer mehr gesteigert. Ich denke dabei unter anderem an unsere Autos, unsere elektronischen Geräte (PC, TV, Handys), unser sicherlich schönes Mobiliar in Wohnung und Küche sowie an unsere Essensgewohnheiten und Urlaubswünsche. Beispiele gefällig? Hier sind sie:

Es macht doch überhaupt keinen Sinn, rasante Sport- und Geländewagen zu kaufen, die wir niemals ausnutzen können. Ein einfacher DACIA für 10.000,- Euro täte es genauso. Er entspräche den Automobilen der Jahre um 1960 bei einer wesentlich verbesserten Fertigung. Auch ist es absolut unnotwendig, jeweils nach wenigen Jahren das Mobiliar zu wechseln, weil es noch tollere und ausgefeiltere Küchen und Wohnzimmer gibt. Vom Essen ganz zu schweigen: Müssen wir wirklich Erdbeeren zu Weihnachten und Spargel das ganze Jahr über zur Verfügung haben? Muss täglich Fleisch auf den Teller? Ein Urlaub in den Bergen oder in einem deutschen oder österreichischen Ferienort wäre vielleicht sinnvoller als der Flug in die Karibik oder auf die Malediven. Die Zahl der Beispiele ließe sich mühelos auf mehrere Hundert vermehren. Entscheidend ist, dass wir endlich zu einer vernünftigeren Lebensführung zurückfinden.

Ich höre in diesem Zusammenhang bereits die Klage, dass eine derartige Rückkehr zu einem einfacheren Leben vielen in unserem Land wie auch in Entwicklungsländern ihre Einnahmen beschneiden würden. Keine Sorge! Ich nehme nicht an, dass ich die Einstellung der breiten Masse von heute auf morgen ändern kann. Wir sollten aber im Auge behalten, dass wir hier in vielen Bereichen sinn- und nutzlos Geld zum Fenster hinauswerfen und dabei zusätzlich unsere Umwelt schädigen. Eine Umkehr brächte ein „Win-Win-Erlebnis“.

Die beiden Seiten einer Medaille

Macht und Geld sind untrennbar miteinander verbunden, wie die beiden Seiten einer Medaille oder Münze. Die Begriffe sind weitgehend gegeneinander auswechselbar. Wer die Macht hat, kann sich Geld beschaffen. Wer Geld hat, übt damit automatisch eine gewisse Macht aus. Wenn ich von Macht spreche, so denke ich an die Staatsgewalt. Wenn über Geld in diesem Zusammenhang gesprochen wird, meine ich das große Kapital, das in den Banken akkumuliert ist. Die Staatsgewalt sollte die einzige Macht im Staat sein, der sich auch das Kapital unterzuordnen hätte. Ich bezweifle, dass diese Unterordnung in der realen Wirklichkeit funktioniert. Die Macht des Staates wird bekanntlich von der Regierung als Exekutive ausgeübt. Die Basis für die Ausübung dieser Macht ist im Budget, also in den Geldmitteln verankert, die der Regierung durch ihre Einnahmen (Steuern etc.) zur Verfügung stehen. Das Budget muss von der Volksvertretung – dem Parlament – gebilligt werden. Der Umfang ist bekannt und in den Zeitungen nachzulesen. Frage: Ist der Staat also die wirkliche Gewalt? Die Frage ist sehr schwer zu beantworten.

Die in den Banken vorhandenen Geldmittel übertreffen vermutlich den Umfang des staatlichen Budgets bei weitem. Ich kann das als Laie nicht beurteilen, nehme aber diesen Umstand als ziemlich sicher an. Daraus entsteht ein Problem. Automatisch kann durch diese Geldmittel Druck ausgeübt werden, dessen Auswirkungen in der bevorzugten Behandlung dieses Kapitals durch die Regierungen zu sehen sind. Wie wäre es sonst zu erklären, dass die Politik die Reichen und Superreichen stets bevorzugt und die Interessen der ärmeren Bevölkerung ignoriert. Beispiele hierfür gibt es zur Genüge. Das geschilderte Vorgehen der Regierungen erstaunt, nachdem wir offiziell in Demokratien leben. Dabei umfasst die Zahl der Reichen und Superreichen höchstens einige Prozent der Gesellschaft, wogegen alle anderen Gruppen den Rest mit über 90% repräsentieren. Es wäre also in einem wirklich demokratischen System zu erwarten, dass diese Mehrheit von über 90% das „Sagen“ hat und im wesentlichen darüber entscheidet, wie vorzugehen ist.

Die Realität sieht anders aus: Ein krasses Beispiel stellt meines Erachtens die Rettung der Banken im jüngst vergangenen Zeitraum dar. Hier wurde mit teilweise 3-stelligen Milliarden-Euro-Beträgen das Kapital gerettet, das vorher im „Finanz-Casino“ verspielt worden war. Die kleinen Sparer werden in Geiselhaft genommen und angeblich vor der Pleite gerettet, die sie nicht verursacht haben. Im Wesentlichen geht es dabei nach meiner Ansicht um das große Geld der Reichen. Ähnlich verhält es sich in vielen anderen Fällen. Die „Empörung“ von Stéphane HESSEL ist daher gerechtfertigt.

Right or wrong – my money

Einem englischen General wird der Satz „right or wrong – my country“ (Recht oder Unrecht – mein Vaterland) zugeschrieben. Die Befolgung dieses Prinzips ist noch einigermaßen verständlich, weil dabei die Liebe zum eigenen Land im Vordergrund steht. Unheil hat die Befolgung dieses Prinzips zur Genüge angerichtet: Millionen und Abermillionen im Krieg gefallener Soldaten sprechen dafür – ganz abgesehen von den Gräueln der Naziherrschaft. Im neoliberalen Kapitalismus zählt das im Titel dieses Abschnittes angeführte „right or wrong – my money“ als Leitdevise.

Die Folgen sind nicht minder verheerend. In dem Moment wo es um das große Geld geht, scheint im Reich des neoliberalen Kapitalismus alles erlaubt. Man kann ungestraft dem Untergebenen das Geld vorenthalten, das er eigentlich für seine Arbeit verdienen würde. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang nur, dass ein vorhandenes Kapital die größtmöglichen Zinsen oder Dividenden innerhalb der kürzest möglichen Zeit abwirft. Den Vorgang nennt man pseudowissenschaftlich „Profitmaximierung“. Hier ist alles erlaubt. Man sollte dabei keine Skrupel haben – der größte Schurke macht den besten Profit. Ich gebe dazu in den folgenden Abschnitten einige Beispiele.

Das fehlende Unrechtsbewusstsein

Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass jedes normal denkfähige Wesen in unserer Gesellschaft genau weiß, wann es richtig handelt und wann es ein Unrecht begeht. Dieses Gefühl für das Unrecht scheint partiell abhanden gekommen zu sein. Schlimm ist, dass nicht einmal die Befolgung geltenden Rechtes Gültigkeit behält. Das fängt bei der Tätigkeit unserer Regierungen an. Nur allzu oft wird bestehendes Recht gebrochen.

Es ist erstaunlich, dass selbst bestehende Vorschriften und Gesetze gebrochen werden, ohne dass die Rechtsbrecher zur Rechenschaft gezogen werden. Ein krasses Beispiel dafür ist die Verfolgung von Steuersündern. Des Öfteren werden den Behörden Disketten mit der Angabe von Steuerpflichtigen zugespielt. Es ist schwer verständlich, dass hierbei zunächst einmal häufig die Diskussion aufkommt, ob man berechtigt sei, derartige Informationen überhaupt zu verwenden.

Das Ganze wird noch obskurer, wenn die deutsche Regierung den Versuch unternimmt, ein Steuerabkommen mit der Schweiz abzuschließen, welches darauf hinausläuft, dass die Schweizer Bank ohne Angabe des Namens und Wohnsitzes des Steuerpflichtigen die Steuer in der üblichen Höhe an den deutschen Fiskus abführt. Bei genauer Überlegung läuft das darauf hinaus, dass der Steuerpflichtige keinerlei Risiko eingeht: Das Schlimmste, das ihm passieren kann, ist die Besteuerung durch die Schweizer Bank. Absurd! Es ist die Aufforderung, weiterhin zu probieren, ob man unerkannt durchkommt oder ob man bei dieser Handlung erwischt wird.

Die Liste der 130 000 Steuersünder

Am 4. April 2013 platzte die Bombe: Eine Gruppe seriöser Journalisten hat in aufwändigen Recherchen die Adressen und Steueroasen von 130.000 Reichen und Superreichen ermittelt und publiziert. Man darf mit Spannung erwarten, was sich daraus ergibt. Es wird für die betroffenen Regierungen schwer sein, diese Liste, die sich teilweise wie ein „Who’s who“ der Elite liest, zu ignorieren. Ich kann mir nicht verkneifen, dazu einige Vorschläge und Gedanken zu Papier zu bringen:

Es dreht sich nicht um Bagatellfälle, es dreht sich um einen zweistelligen Billionen-Euro-Betrag, der von dieser elitären Gruppe dem Staat vorenthalten wurde. Zur Klarstellung: Eine Billion entspricht 1000 Milliarden Euro. Eine unvorstellbare Summe an Steuermitteln, mit der man fast die Probleme aller Industriestaaten dieser Welt lösen könnte. Was tun spricht Zeus. Ich betrachte das Hinterziehen derartiger Beträge als groben Diebstahl und empfehle, zumindest so zu verfahren, wie dies bei einfachen Diebstahlsdelikten in heimischen Gerichten üblich ist.

Das würde bedeuten, dass je nach Höhe des Betrages eine mehr oder weniger saftige Strafe vorgesehen wird. Nachdem es sich hier um größere Beträge handelt, sollte man beachten, dass man nicht kleine Sünder in der täglichen Gerichtspraxis mit Strafen belegen kann und große Fische ruhig entkommen lässt. Ich würde sogar sagen, dass in solchen Extremfällen der Diebstahl an Budgetmittel des Staates strenger geahndet wird und dass dabei auch der Grundsatz „wie dem Stehler, so dem Hehler“ beachtet wird. Dies hieße, dass man auch die nun bekannten Steueroasen trocken legt. Es würde mich nicht stören, wenn dabei einige der cleveren Steuerhinterzieher und ihre Helfer in den Banken hinter Gitter kommen.

Die Unterbringung in den Gefängnissen würde in diesem Fall von dem Rest der auf die Seite geschafften Mittel locker gedeckt und ich würde auch anmerken, dass man dabei nach den allgemeinen Richtlinien verfährt. Ich weiß aus meiner Zusammenarbeit mit der American Optical Company, dass die USA in solchen Belangen sehr rigoros vorgehen. Ein Präsident dieses Unternehmens wurde trotz seiner hohen Reputation kurzerhand für den Rest seines Lebens in eine einfache Zelle gesperrt, weil er ein Gesetz missachtet und die Inkorporation eines kleinen Unternehmens in die Company entgegen den Vorschriften des Anti-Trust-Gesetzes vollzogen hatte.

Ich kann mir gut vorstellen, dass bei den anstehenden Gerichtsverfahren die Herren und Damen dieses Klüngels auf „unschuldig“ plädieren. Mir kämen dabei die Tränen. Ich halte die Steuerflucht für eines der schwersten Vergehen. Das Argument, dass der Staat mit dem Geld ohnehin nichts Vernünftiges leiste, würde ich nicht gelten lassen. Es steht außer Zweifel, dass manche Investitionen des Staates nicht gerade besonders geschickt durchgeführt werden. Man denke nur an den Stuttgarter Hauptbahnhof oder den neuen Berliner Flughafen. Insgesamt bin ich aber der Meinung, dass das Staatsgeld in großen Bereichen gut angelegt wird für Soziales, Bildung, Gesundheit, etc. Es ist also ein Diebstahl an Gütern, die uns alle betreffen.

Adam SMITH – der Säulenheilige der Neoliberalen

Es ist immer schön, wenn man einen bekannten Namen einer neuer Idee voranstellen kann. In diesem Fall handelt es sich um den schottischen Gelehrten Adam SMITH (1723 – 1790), der sich durch eine Reihe brillanter Publikationen Weltruhm erarbeitet hat. Er hatte in anschaulicher Weise beschrieben, dass es das Beste wäre, in das Geschehen des freien Marktes nicht durch Vorschriften und Gesetze einzugreifen. Man bezeichnet dieses Vorgehen als „Deregulierung“. Eine „unsichtbare Hand“ würde dafür sorgen, dass der Handel sich von selbst optimal einstellt.

Genau das wollen auch die Neoliberalen. Nichts hassen sie mehr, als Eingriffe des Staates in die freie Marktwirtschaft. Es ist klar, dass diesen Wissenschaftlern und Geschäftsleuten die Ideen von Adam SMITH und seine „unsichtbare Hand“ wunderbar in das Konzept passen. Sie übersehen dabei, dass in der Zeit des Internets, der ultraschnellen Computer, des skrupellosen Profitstrebens die Verhältnisse ganz andere sind als zur Zeit des braven Adam SMITH. Ganz abgesehen davon könnte ich mir auch vorstellen, dass selbst in früheren Zeiten Absprachen zu Gunsten der Geschäftsleute und zum Schaden der Käufer möglich gewesen wären. Aber das alles ist eine mehr oder weniger rhetorische Frage. Wesentlich ist, dass sich das neoliberale Konzept des vollkommen deregulierten Marktes nicht bewährt hat. Die meisten Auswüchse, die wir heute beobachten, sind auf diese Deregulierung zurückzuführen.

Um nicht missverstanden zu werden, möchte ich ausdrücklich feststellen, dass ich von einer restlosen Regulierung nichts halte. Man muss hier vorsichtig vorgehen und zwischen verschiedenen Bereichen klar trennen. Selbst der Nobelpreisträger Friedrich August von HAYEK hat einmal festgestellt, dass es ohne eine grundsätzliche Regulation durch den Staat nicht funktioniert. Eine völlige Deregulierung entspräche einem Fußballspiel ohne Schiedsrichter. Ich glaube, dass sich jeder vorstellen kann, was dabei herauskommen würde.

Es ist merkwürdig, dass zugleich mit der weitgehenden Deregulierung des Marktes die Vorstellung grassiert, man könne durch extremes Sparen den Staatshaushalt sanieren. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die Unterschiede zwischen BWL (Betriebswirtschaftslehre) und VWL (Volkswirtschaftslehre) hinweisen. Die Euro-Krise gibt ein anschauliches Beispiel, was man nicht tun sollte. Es hat sich schon in früheren Jahren gezeigt, dass extreme Sparverordnungen in Südostasien wie in Chile und Argentinien nicht den erwünschten Erfolg erbracht haben. In diesem Fall muss darauf hingewiesen werden, dass ein Industriebetrieb, dem der Absturz in die Pleite droht, durch extreme Sparmaßnahmen (Entlassen von Personal, Einstellung sämtlicher Entwicklungsvorhaben etc) in der Tat gerettet werden kann. Dies ist eine betriebswirtschaftliche Maßnahme die man nicht in eine Volkswirtschaft umsetzen sollte.

In der Volkswirtschaft führen gleiche Maßnahmen in die Katastrophe: Man kann nicht massenweise Leute entlassen, ohne dass das gesamte Staatsgefüge Schaden leidet oder gänzlich zusammenbricht. Anscheinend hat man aus den negativen Erfahrungen nichts gelernt. Besonders schlimm ist, dass damit das Vertrauen zwischen der größten europäischen Volkswirtschaft (Deutschland) und den anderen EU-Mitgliedsstaaten nachhaltig getrübt wird. Es ist zu hoffen, dass noch rechtzeitig eine Umkehr eingeleitet wird.

Das Bankgeheimnis

Die „Liste der 130.000 Steuersünder“ hat natürlich zwangsläufig die bereits früher in vielen Fällen heftig geführte Diskussion über das Bankgeheimnis neuerlich in Gang gesetzt. Ich darf in Erinnerung rufen: Die Banken, die Steuersünder und diverse Andere sind am Bankgeheimnis aus zwei Gründen interessiert: Der Grund der Banken ist eine wesentliche Aufstockung ihrer Barmittel, mit denen sie einiges in Bewegung setzen können. Sie können diese Mittel beispielsweise als Kredite vergeben und dafür kassieren. Auf der anderen Seite sind natürlich alle jene Personen und Institutionen, denen an einer Anonymität aus nahe liegenden Gründen gelegen ist, daran interessiert, dass jeder Zugriff zu den Bankdaten unmöglich gemacht wird.

Meine persönliche Einstellung gegen das Bankgeheimnis ist einfach zu erklären: Es unterstützt nur kriminelle Machenschaften. Ob es sich dabei um Mafiageld, Drogen-Millionen, Schwarzgeld, Zahlungen im Bereich der Korruption, oder letztlich eben um unversteuertes Geld aus dem Ausland handelt, ist gleichgültig. Interessiert ist der Staat nur an der eben genannten Gruppe. Keinerlei Sorgen müssen einfache Sparer oder sonstige Bankkunden, die ein laufendes Konto bei dieser Institution unterhalten, haben. Sie bleiben vollkommen unberührt, weil keinerlei Interesse an diesen Daten besteht. Es ist mir unverständlich, was an der Aufhebung des Bankgeheimnisses schlecht sein soll.

Fast heiter stimmt mich, wenn ich beispielsweise von österreichischen Gutachtern oder Vertretern des Finanzministeriums höre, dass das Bankgeheimnis ein traditionell in Österreich verankertes Recht sei. Das ist lächerlich. Das Interesse ausländischer Staaten ist lediglich durch kriminelle Machenschaften begründet, welche durch das Bankgeheimnis gedeckt werden. Ich denke dabei auch an die großen Summen, die Diktatoren für ihren Lebensabend in wohlbehüteten Banken deponieren.

Es bleibt noch festzuhalten, dass das Bankgeheimnis jetzt wohl in den letzten verbliebenen EU-Steueroasen Österreich und Luxemburg im Sinne der EU gelockert wird. Das Beharren der Schweiz und Liechtensteins ist mir sehr gut verständlich, sollte aber in der kommenden Zeit nicht weiter hingenommen werden. Gott sei Dank wurde der Entwurf, der durch den deutschen Finanzminister SCHÄUBLE und die Schweizer Banken und den Schweizer Staat ausgehandelt wurde, durch die Opposition blockiert. Ich halte das Verfahren der Anonymisierung dieser Geheimkonten für verderblich. Man wird sich wundern, was bei einer Auflösung des Bankgeheimnisses alles an das Tageslicht kommt. Schlechte Zeiten für Mafia, Drogenhandel, Steuersünder und Co!

Arbeit ohne Geld