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Das Buch "Wave - (Paradise)" von Peter Michel erzählt eine teils autobiografische Geschichte, die sich um die Erinnerungen, Erlebnisse, Emotionen des Erzählers dreht. Es behandelt zentrale Themen wie: - Zwischenmenschliche Beziehungen : Die komplexen Verbindungen des Erzählers zu den verschiedenen Personen, insbesondere zu "Wave", einer zentralen Figur in seinem Leben, werden beleuchtet. - Vergänglichkeit und Erinnerung: Der Erzähler setzt sich intensiv mit vergangenen Ereignissen auseinander und reflektiert, wie diese seine Gegenwart und sein Verständnis von sich selbst beeinflussen. - Selbstfindung und Identität: Über weite Strecken wirkt die Geschichte wie ein innerer Monolog, in dem der Protagonist versucht, seinen Platz in der Welt zu finden und seine Entscheidungen zu rechtfertigen. - Liebe, Verlust und Nostalgie: Viele Passagen sind von einer tiefen Sehnsucht nach vergangenen Zeiten und Beziehungen geprägt. Das Buch kombiniert philosophische Überlegungen, Alltagsbeobachtungen und persönliche Anekdoten, wobei die Erzählung oft introspektiv und emotional tiefgründig ist. Die teils chaotische Struktur spiegelt den inneren Zustand des Protagonisten wider. Es scheint sich um eine Reise durch die Gedankenwelt des Erzählers zu handeln, die sowohl Licht- als auch Schattenseiten seines Lebens zeigt.
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Seitenzahl: 896
Veröffentlichungsjahr: 2025
Wave - (Paradise)
von Peter Michel
Buchbeschreibung:
Dies ist der zweite Teil einer einzigartigen Reihe, die Fiktion, autobiografische Elemente und philosophische Reflexionen meisterhaft miteinander verwebt. Der Autor Peter Michel entführt uns in eine teilwahre Geschichte, die sich tief in die menschliche Psyche gräbt und existenzielle Fragen aufwirft.
Die Erzählung setzt direkt an die Ereignisse des ersten Bandes, "Wave – (Hello)", an und führt den Leser in ein Netz aus Beziehungen, Erinnerungen und inneren Konflikten. Im Mittelpunkt steht die komplexe Beziehung des Protagonisten zu "Wave", einer faszinierenden, vielschichtigen Figur, die sowohl real als auch metaphorisch verstanden werden kann. Während der Protagonist sich an ihre gemeinsame Vergangenheit klammert, kämpft er gleichzeitig mit der Realität, in der Wave mehr Abstraktion als Person zu sein scheint. Diese Dualität spiegelt sich in den zahlreichen emotionalen und philosophischen Passagen wider, die den Leser dazu einladen, über Liebe, Verlust und die Vergänglichkeit nachzudenken.
Der Text zeichnet sich durch eine poetische Sprache und schonungslose Ehrlichkeit aus. Michel scheut nicht davor zurück, persönliche Schwächen und gesellschaftliche Missstände zu thematisieren, was dem Werk eine authentische und tiefgründige Note verleiht. Gleichzeitig finden sich humorvolle und selbstironische Einschübe, die die Schwere der Themen ausbalancieren.
Die Kapitel sind thematisch vielfältig und decken einen breiten Spannungsbogen ab – von jugendlichen Eskapaden und emotionalen Höhenflügen bis hin zu den dunklen Momenten des Zweifels und der Selbstreflexion. Ob intime Begegnungen oder philosophische Monologe – jedes Kapitel trägt zur Gesamtkomposition des Werkes bei.
"Wave – (Paradise)" ist mehr als nur eine Fortsetzung; es ist eine Einladung, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das Buch richtet sich an Leser, die bereit sind, tief in die Abgründe menschlicher Erfahrungen einzutauchen und sich auf eine Reise zu begeben, die keine einfachen Antworten liefert, dafür aber umso reichhaltigere Fragen.
Über den Autor:
Peter Michel, geboren neunzehnhunderteinundsiebzig in der Studentenmetropole Marburg, aufgewachsen in seinem eigenen Dorf, Michelbach, wurde besonders geprägt durch seine erlebnisreiche Jugendzeit Ende der späten achtziger Jahre, des vergangenen Jahrhunderts. Mittlerweile bezeichnet er sich selbst gerne als einen alten, griesgrämigen, versoffenen und verfressenen Sack.
Was ihn aber nicht davon abhält, sich lebhaft an seine Jugend zu erinnern und darüber zu berichten, dass auch früher nicht alles gut, aber dennoch einiges besser war, als heute.
Die Tage und Nächte waren damals länger. Das hatte diverse Gründe. Wobei sich nicht pauschal feststellen lässt, ob dies nun eher ein Vorteil oder ein Nachteil war.
Wer persönlichen Kontakt haben mag, wird in der Regel nicht gebissen werden und Aufmerksamkeit erlangen. Doch den Weg müsst Ihr schon selbst finden. Ich vermag Denkanstöße zu geben, aber nicht sämtliche Gedankengänge zu übernehmen und zu beenden.
In diesem Sinn: Vielen Dank für das Interesse! Lebt Euer Leben und habt Spaß daran, möglichst ohne, dass Ihr dabei anderen Wesen schadet!
Herzlichen Dank an alle Beteiligten, Unterstützer, Interessierte und Involvierte und an andere Personen, Organisationen und Wesen, welche in irgendeiner Art mit dieser Geschichte und mir jemals zu tun hatten. Und an Alle, auf die vorherige Zeilen nicht zutreffen,
Info zum Cover:
Das Buchcover wurde per KI erstellt. Es kommt der Realität recht nahe. Doch selbst die intelligentesten Tools stoßen (glücklicherweise (noch)) an ihre Grenzen. Möge dieser Zustand lange anhalten!
Bisherige Publikationen:
- Krimi-Erzählung „Die Tote hinter dem Kirchberg“
(Mitautor, 2013) – ohne ISBN – Auflage: 100
- vergriffen -
- Fahrrad-Reisebericht „Heiteres Hügelballett“
(Mitautor, 2014) – ISBN: 978-3-00-045345-8
Auflage: 100 – verfügbar -
- Fahrrad-Reiseberichte „Dreimal drüber und einmal fast“
(Alleiniger Autor, 2014) - ISBN: 978-3-00-046236-8
Auflage: 100 – verfügbar
- „Wave – (Hello)“ – Eine teilwahre Geschichte
(Alleiniger Autor, 2020) - ISBNs:
978-3-347-13532-1 (Softcover)
978-3-347-13533-8 (Hardcover)
978-3-347-13534-5 (E-Book)
Verfügbar. Beziehbar über www.tredition.com oder überall, wo es Bücher gibt!
Die verfügbaren Publikationen sind (auch) direkt über den Verfasser zu
beziehen. Gerne signiert und mit Widmung - unter:
Wave - (Paradise)
Band 2 einer teilwahren Geschichte
von Peter Michel
1. Auflage, 2025
© 07.06.2025 Peter Michel – alle Rechte vorbehalten.
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig.
Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: Peter Michel, Michelbacher Straße 16, 35041 Marburg, Germany
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind
im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Inhaltsverzeichnis
Erstes Kapitel
Ein Vierteljahrhundert 1
Tor zur Hölle 12
Traurige Zeit 36
Die Sauerstoff-Kellnerin 48
Gene 65
Allrounder 87
Dreist 92
Zweites Kapitel
Zu viele Optionen 104
Aktualisierung 129
Wendungen 155
Das Päckchen 178
Der Veterinär 204
Drittes Kapitel
Wiedervereinigt 208
Glücklich und sonstiges 239
Voll und ganz 253
Vertrautes Muster 275
Verrechnet 296
Endlich 298
Gemütlich 363
Alltag und erste geschlossene Kreise 375
Dress-up (-and-down) 388
Teenie-Geburtstagsparty 400
Das Poltern 421
Finale Worte 439
Der Held im Zelt 457
Oktoberfest im September 480
Ein Vierteljahrhundert
Morgen ist es ein Vierteljahrhundert her, dass ich zu ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag lud. Oder nicht, denn ich entwarf die Einladungen, aber versendete sie nie. Die Entwürfe entstanden ein paar Tage vor dem Ereignis. Ich bat darum, Fragen zu ihr zu stellen, welche ich nach meinen beschränkten Möglichkeiten allesamt gerne beantwortet hätte. Aber selbst wenn ich diese Dokumente zu ihrem Geburtstag gesendet haben würde, wären ohnehin nicht viele Leute erschienen. Für den Fall, dass die Zahl an meiner Gäste zu ihrem Ehrentag sich größer null entwickelt hätte, würde niemand eine Frage gestellt haben, welche ich zu des Wissensuchenden Zufriedenheit beantwortet haben könnte. Ob dies an mangelndem Intellekt des beziehungsweise der Besucher(s) gelegen haben würde oder an nicht tief genug empfundener Empathie meinerseits, kann ich selbst nur mäßig beurteilen. Da es mir, wenn es mich betrifft (was es ohne jeden Zweifel tut) nicht gelingen kann, objektiv zu bleiben. Und eine subjektive Antwort, ist meist keine nutzbringende Information. Doch ich gerate wieder ins Schwafeln und schweife zu weit vom Kern ab. Von ihrem Zentrum. Welches ich aber keinesfalls mit ihrem Geschlecht gleichsetzen mag. Nicht mal, wenn mir nichts Anderes bleibt, als zuzugeben, dass dies für mich eine große Rolle spielte.
Dieser Text, wird erneut mehr Fragen aufwerfen, als Erkenntnisse liefern. Leider handelt es sich dabei meist um sogenannte „Warum-Fragen“. Schlaue Leute brachten mir vor einiger Zeit bei, dass es auf „Warum-Fragen“ kaum befriedigende Antworten gibt. Das habe ich verstanden und halte mich daran. Nur das Entstehen der Fragen, kann ich nicht vermeiden. In erster Linie wird es um ihre Existenz gehen. Niemand wird dies begreifen. Daraus kann ich keine Vorwürfe konstruieren. Denn ich habe Verständnis dafür, dass sich kaum eine Person mit etwas beschäftigen mag, wovon er/sie/es nicht den geringsten Nutzen hat und welches zudem schwer zu begreifen ist. Auch verstehe ich, dass sich niemand mit einer zweiten Denkweise, neben seiner eingefahrenen Normalität und Logik auseinandersetzen möchte. Dies ist schwierig, zeitaufwändig und mitunter gefährlich. Auf ihren Geburtstag bezogen, wird eine der Hauptfragen sein, wieso ich einlud (oder nicht!) und von meinen Besuchern und Gästen berichte (und nicht von ihren und unseren). Weiterhin, weshalb ich Fragen zu ihr beantworte und nicht sie selbst; warum ich es wenigstens versuche.
Keine Angst! Ich werde mich bemühen, dies zu klären. Ausführlich. Die Hoffnung, dass es jemand zu verstehen vermag, trage ich trotzdem nicht. Obwohl es heißt, dass diese zuletzt stirbt, habe ich meine längst begraben. Es wird nichts gut. Das Einzige, was möglich scheint, ist die Folgen etwas abzumildern und sich selbst zu betäuben. Den Blick für die knallharte Realität zu verklären. Vielleicht resultieren meine Bemühungen um sie alle daraus, mich ein wenig vor der Härte und Boshaftigkeit dieser Welt zu schützen oder davon abzulenken. Möglicherweise veranstalte ich ein Schattenspiel mit mir selbst.
Ich kann keinen Beweis für Ihre Existenz erbringen, kaum Belege dafür vorweisen, dass es sie nicht gibt, niemals gab. Nein, das stimmt so nicht. Denn meine Erinnerung an sie ist da. Es handelt sich dabei um lebendige Gedanken. Und ich glaube an sie, für mich gibt es eine Vielzahl an Beweisen. Doch kaum ein Gericht dieser Welt würde die jemals anerkennen. Meine Gedankenwelt hingegen, ist zwar belastbar und stützbar durch teilweise identische Rückblicke anderer Leute. Aber eben nicht in allen Punkten völlig übereinstimmend. Manchmal trügt mich das Gedächtnis. Meine Gedanken vermischen sich mit weiteren Geschehnissen und Ersehntem. Irgendwann werde ich das Alles vergessen haben. Doch bis dahin hege ich den Wunsch, aus dieser Erinnerung zu leben. Denn sie ist wesentlich lebhafter, angenehmer und erstrebenswerter als die Gegenwart. So sind es sicher ihre Gäste gewesen und nicht meine. Das heißt, es hätte sich um ihre gehandelt, sofern jemand erschienen wäre. Nicht ich würde die Fragen beantwortet haben, sondern sie. Aber ich würde dafür Sorge getragen haben, dass man sie versteht. Versucht hätte ich das zumindest. Eine schwere Aufgabe, dabei so vermeintlich leicht.
Wie dem auch sei, werde ich morgen an sie denken. Sicher nicht permanent, aber oft und extrem intensiv. Werde auf sie trinken, mit ihr anstoßen. Wie ich es oft tat. Gemeinsame Zeiten werden wir uns wieder ins Gedächtnis rufen. Zusammen werden wir in unseren Erinnerungen schwelgen, lachen, schmunzeln und weinen. Ich könnte schreiben, ihr Kuss sei kalt wie Eis oder brächte den Tod. Das ist mir eine Spur zu abgedreht. Außerdem stimmt beides nicht, denn ihre Berührungen füllen mich mit Wärme und Energie. Nur eines sind sie wirklich nicht (mehr) – gleichzusetzen mit standardisierten Verbindungen, welche jede(r) kennt. Schon immer war alles von ihr etwas Besonderes, doch seit einer schicksalhaften Nacht vor langer Zeit, trifft das mehr zu, als zuvor. Von jenem Tagesende an, welches wir in Braunschweig verbrachten, habe ich nichts gefunden, was sich, damit im Entferntesten, vergleichen ließe. Natürlich könnte ich sagen, Vergangenes ist nicht mehr gültig und könnte sie verleugnen. Das würde mein Dasein vereinfachen. Doch ich käme mir dabei vor, wie Petrus, welcher Jesus verleugnete. Ja, ein wenig, wie Judas, der dessen Leben verkaufte. Selbst wenn ich vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten bin und die Bibel in vielen Punkten für eine multipel übersetzte alte Schrift halte, welche im Laufe ihrer Existenz leider unterm „Stille-Post-Effekt“ gelitten hat, dann muss ich doch gestehen, dass für mich viele Parallelen sichtbar sind. Nein, es geht mir hier keineswegs darum, Gotteslästerung ausüben oder religiös beleidigend zu erscheinen. Vermutlich wird mir dies schwerlich gelingen, da ich sie stets als himmlisches und göttliches Wesen betrachten und beschreiben kann. Gut, besäße sie allumfassende Macht, in der Form, wie sich die menschliche Allgemeinheit diese vorstellt, müsste nicht ich über sie berichten, sondern sie würde es selbst tun. Andererseits wäre es mit Jesus ähnlich. Nicht die Kirchen oder Theologen würden von seinem Leben und Wirken erzählen, stattdessen er persönlich.
Da dem aber nicht so ist, habe ich kein Problem, zu erwähnen, dass sich das ein oder andere „graue Haar“ eingeschlichen hat. Das ist nichts Schlimmes und tut der jugendlichen Erscheinung kaum Abbruch. Es spiegelt mehr eine gewisse Lebenserfahrung wider. Selbst das kann eine bestimmte Wirkung haben. Da ich das bei mir seit einiger Zeit als „graue Glatze“ bezeichne, wäre es nicht fair, es bei anderen Wesen nicht zu akzeptieren. Medial werden uns zwar immer jugendliche Idealbilder suggeriert und der Spruch: „Das Alter hat nichts Schönes.“ kursiert. Stetig flüssiger geht mir diese Behauptung von der Zunge. Wenn ich darüber nachdenke, muss ich ihn sinnlich relativieren. Sicher bringt das Alter vielerlei vielfältige Probleme mit sich, aber ein paar kleine positive Punkte lassen sich finden. Das ist individuell etwas verschieden. Näher mag ich jetzt und hier nicht darauf eingehen. Viel mehr möchte ich zurück zum eigentlichen Sinn für meine hier niedergeschriebenen Worte. Denn ich mag an den sich abermals jährenden Tag ihrer Geburt am siebten Juni neunzehnhunderteinundsiebzig erinnern und diesen feierlich begehen. So wie ich mich als typischen Widder bezeichne, ist sie ein klassischer Zwilling. Nicht, dass ich großartig an Horoskope und dergleichen glauben würde. Doch ein paar tendenziell sternzeichentypische Eigenarten gibt es. Nicht bei jeder Person gleich intensiv ausgeprägt. Von daher könnte man von Zufall ausgehen.
Wie dem auch sei … Jedenfalls hatte ich scheinbar einen famosen Start in den Tag. Dank chemischer Keule habe ich sagenhaft geschlafen und offenbar bestialisch geschnarcht. So, dass meine aktuelle Partnerin das gemeinsame Nachtlager verlassen hat und stattdessen lieber auf der Couch nächtigte. Es ist so, dass ich seit geraumer Zeit mit Ohrenstöpseln schlafe, um durch ihr Schnarchen nicht gestört zu werden. Von daher glaube ich, wir geben und nehmen uns da nicht viel. Auch ich bin schon ein paar Mal auf die Couch gezogen. Doch zu diesem Thema wollte ich gar nicht. Eher dahin, wo der Unterschied zwischen ihrem fünfundzwanzigsten und ihrem fünfzigsten Geburtstag besteht. Auf das Vierteljahrhundert fieberten wir beide mit freudiger Erwartung Mitternacht entgegen. Um in gemeinsamer vertrauter einsamer Zweisamkeit mit einem Gläschen Sekt miteinander anzustoßen und uns leidenschaftlich gegenseitig zu genießen. Na ja, da haben wir dann doch einen Unterschied zwischen Alter und Jugend gefunden. Was gravierend ist, ist die Tatsache, wie intensiv ich mittlerweile über meine Wortwahl nachdenke. Es gelingt mir zwar dennoch nicht immer, die richtigen oder angebrachten Worte zu finden. Doch früher, mit sechzehn, zwanzig und fünfundzwanzig Jahren, hätte ich mir über solche Dinge weitaus weniger Gedanken gemacht. Damals geschah vieles spontaner, heute steckt etwas mehr Überlegung dahinter. Auch hier, steht es mir nicht zu, ein Urteil zu fällen. Beides hat sowohl positive, wie negative Seiten. Darum wäre es aus meiner Sicht sinnlos, wieder sechzehn oder zwanzig zu sein. Einzig Sinn ergeben könnte dies, wenn ich jetzige Erfahrung und erworbenes Wissen ebenfalls mit auf die Zeitreise nehmen könnte. Zumindest einen Teil davon. Ohne das, würde ich vermutlich fast alles wieder genauso machen, wie bisher. Es gibt nicht viele Dinge, welche ich bereue und bedauere, erledigt zu haben. Ein paar davon existieren, aber wie erwähnt, keine große Zahl. Die Masse der Sachen, jene mich grämen nicht gemacht zu haben, ist gewaltiger. Rückgängig machen kann ich nur weniges. Dafür um Verzeihung und Vergebung bitte ich schon. Das habe ich im Falle einiger Sachen getan und tue es für weitere Dinge. Doch für Anderes gibt es leider keine zweite, dritte oder soundsovielte Chance.
Für manches hat man nur eine einmalige Entscheidungsmöglichkeit, nur einen Anlauf. Hat man es verbockt oder verkackt, ist es immer vermasselt und man ewig gescheitert. Es sagt sich leicht, dass es wichtiger ist, nach dem Scheitern aufzustehen und weiter zu machen. Dies zu tun, ist nicht einfach. Von ihrem Geburtstag habe ich wieder eine gewaltige Distanz. Dabei füllt sich mein Gehirn ständig mit den Gedanken an und über sie. Es findet sich dort kaum Platz für andere Ereignisse. Sie dominiert und kontrolliert. Ohne, dass dies so ist, wie es klingt. In nur wenigen Punkten konnte ich ihr dabei bisher widersprechen. In einer Angelegenheit jedoch deutlich. Das war total neu für sie, das konnte sie nur schwer begreifen und akzeptieren. Doch ich wiederholte meine Aufforderung mehrmals und beabsichtigt überaus klar und unmissverständlich. Ihr blieb in diesem einen Punkt keine andere Wahl, als dem Wunsch, welcher nicht ihrer war, Folge zu leisten. Das tat sie nicht unverzüglich. Das konnte sie nicht. Doch in dieser Sache verstand ich keinerlei Spaß. Eine gewisse Karenzzeit gestand ich ihr zu. Schließlich bin ich kein Unmensch und hätte für sie alles und noch mehr getan. Aber ich bestand darauf, dass sie die Forderung schrittweise erfüllte. Es dauerte etwa ein gutes Jahr, bis ich mit der Ausführung zufrieden war. Nicht, dass ich ihr meinen Körper nicht gerne zur Verfügung gestellt hätte. Nein, nur zu bereitwillig war ich ihr Wirt. Über viele schwere Jahre. Unmengen an Energie investierte ich in sie und es ist keinesfalls so, dass ich ihr mein Potenzial jemals verweigert hätte. Nur die Form musste eine andere werden. Nicht, dass ich ihre Präsenz nicht ertragen könnte. Nein, ihre Nähe war mir stets willkommen und tat wohl. Meist. Nur nicht in diesem einen Punkt. Denn der kostete mich zu viel. Nicht die Intensität, sondern die Direktheit musste sich ändern. Von innen heraus konnte ich sie besser unterstützen, als von außen zum Kern. Das erklärt sich alles so schwer. Doch ebenfalls kompliziert war es ja. Das Schwerste, was ich jemals tat, selbst wenn ich bedenke, dass ich mit dem Tod meines Vaters auch viel Last bekam. Es gibt einige Dinge, mit denen der Umgang im Allgemeinen nicht leicht fällt. Der Tod geliebter Wesen gehört definitiv zu den härtesten Erlebnissen, welchen wir Menschlein begegnen können. Manch einem gelingt der Umgang damit besser, Anderen wiederum gar nicht. Ich kann mit Abschiedsszenen eher nicht umgehen. Was heißt, dass es mich meist arg mitnimmt. Mag ich meinem Namen in einigen Punkten alle Ehre machen und manches eiskalt hinnehmen. Hart wie ein Fels bin ich nicht immer. Eigentlich bin ich ein emotionaler Mensch. Dies wiederum beißt sich oft ein wenig mit der stetigen Nachdenklichkeit. Es gibt Leute, die von mir behaupten, dass ich niemals weine. Das stimmt nicht. Unzählige Tränen habe ich in meinem bisherigen Leben vergossen. Nicht alleine aus Trauer, sondern auch aus Freude und anderen Gefühlsregungen. Viele davon wegen ihr, für und um sie. Aber wovon schreibe ich hier? Es geht um ihren Geburtstag und keinesfalls um mich. Oder? Na, doch … - irgendwie zumindest - da wir eine Art Symbiose eingingen. Dies geschah auf merkwürdigste Weise und aus allerhöchster Not heraus. Wie jedoch sollte ich so etwas jemals selbst erklären? Ich, der es überhaupt nicht verstand. So sehr ich mich mühte. Es ist aber so, dass ein jedes Lebewesen einen Geburtstag hat. Ich bestreite dies nicht. Wie käme ich dazu? Dass ich nicht jeden Geburtstag jedes einzelnen Lebewesens zelebrieren kann und will, versteht sich in jenem Zusammenhang völlig von selbst, denke ich. Es stellt sich die Frage, wie es sich mit Todestagen verhält. Sind diese zu feiern? Und feiert man nach dem ersten Todestag die Geburtstage weiterhin? So makaber diese Fragen erscheinen mögen, so sind sie doch berechtigt. Denn es ist so, dass viele Leute an Geburtstagen und Todestagen verstorbener geliebter Menschen mit Blumen und allerlei Gedöns zum Friedhof eilen. Gut, ist wohl üblich und macht man so. Also besteht keinerlei Grund, sich über meine Zeilen aufzuregen. Es liegt aber in der Natur des Menschen im Allgemeinen, dass einem Teil meine Worte am Allerwertesten vorbei gehen, ein anderer großer Teil wird sich über meine Äußerungen ärgern und nur sehr wenige Leutchen werden mir zustimmen und sagen, „Recht hat er“. Wobei mir dazu wieder ein Spruch einfällt. Nämlich der, dass Recht haben und Recht bekommen zwei grundverschiedene Dinge sind. Nein, natürlich habe ich nicht automatisch Recht, mit allen Behauptungen. Das wäre zwar praktisch für mich, aber auch absolute Perfektion. Davon bin ich dann doch ein ordentliches Stück entfernt. Obwohl dies relativ ist. Je nachdem von welcher Perspektive betrachtet. Für manche Leute bin ich ziemlich perfekt, für andere Personen wiederum ein Häuflein nichts. Für das große Universum bin ich nicht relevant. Für ein paar Wesen möchte ich hingegen ein Universum sein. Oder anders gesagt, für die große Masse spiele ich keine Rolle, für mindestens eine Person bin ich alles. So zumindest könnte es ein Plan sein. Für mehr, als ein Wesen, von umfassender Bedeutung zu sein, wäre eine Übererfüllung, des vorgenannten Vorhabens. King or Hero for just one day. Fool 4 a lifetime. Hell strahlend verglühen, statt siechend vergehen. Ist es nur eine Frage der persönlichen inneren Einstellung oder steckt mehr dahinter? Schwerwiegendes Thema, vor leichtem Hintergrund. Vermeintlich, jedenfalls. Denn alles ist ungewiss.
Vielleicht ist der Sachverhalt nicht so schwer und die Grundlage nicht so leicht. So etwas aber jeweils nur satzweise und der Umstände halber denken zu können, ist eine Art der Folter. Es zu können und zu dürfen, eine Wohltat und eine Tortur gleichermaßen. Denn meine Worte schaffen mir in gewisser Weise eine Art Erleichterung. Doch die Qual besteht darin, dass Gedachte und Geschriebene nicht unbedingt umsetzen zu können. Wobei dies manchmal vor schlimmeren Dingen schützt. All diese Überlegungen führen zu weit. Fort von ihr. Aber was sollte ich denn zu ihr beziehungsweise über sie sagen? Wo ich mir einbilde, bereits ALLES ge- und erklärt zu haben. Tausendfach. Und doch so gut wie gar nicht. Sie war mehr als sie ist und ist mehr als sie war. Sie ist mehr rund, als kantig, mehr zart, als hart, mehr schlank, als fett, mehr jung, als alt, mehr feminin, als maskulin, mehr treu, als polyamorph, mehr schlau, als dumm, mehr klein, als groß, mehr riesig, als winzig, mehr spontan, als verplant, mehr Traum, als greifbarer Raum, mehr vergangen, als verblüht, mehr mehr, als weniger, mehr Schatz, als Last, mehr Partner, als Gegner, mehr mit, als ohne, mehr eins, als entzweit, mehr gespalten, als verhalten, mehr loyal, als royal, mehr unglaublich, als ohne Glauben.
Was ich auf jeden Fall vorwegschicken muss, ist die Erklärung, dass es sich bei dem hier vorliegenden Werk um den zweiten Teil der Wave-Reihe handelt. Textlich knüpft dieser Band direkt an Wave – (Hello), also den ersten Part an. Es macht, meines Erachtens, kaum Sinn, diese Fortsetzung zu lesen, ohne den Anfang zu kennen. Daher würde ich dringend empfehlen mit Wave – (Hello) zu beginnen. Doch dies ist lediglich ein gutgemeinter Hinweis. Letztlich ist jeder Mensch ein stückweit selbst dafür verantwortlich, auf welche Weise er/sie/es/divers glücklich wird. Von daher wünsche ich viel Glück und bannig Spaß!
Ach, doch schon wieder etwas vergessen! Mann wird ja nicht jünger. Es fehlen die verspäteten Worte!
Einsichten kommen meist spät. Gesuche um Verzeihung oft erst, wenn ohnehin nichts mehr zu retten ist. So muss ich mir selbst anlasten, dass ich mich manchmal gnadenlos überschätze. Sofern ich dies auf meine Texte beziehe, komme ich leider nicht umhin, zu gestehen, dass viele davon erschreckend fehlerhaft sind. Auch, was die Zeiten für die Veröffentlichungen angeht, bin ich alles andere, als zufrieden mit mir selbst. Selbstredend bin ich nicht stolz auf Verzögerungen und Unzulänglichkeiten. Es ist in meinem Bewusstsein, dass beides unentschuldbar ist. In gleichem Maße, wie die Kritik an mir selbst. Trotz, dass ich es nicht rechtfertigen kann, versuche ich es dennoch. Die nachfolgende Erklärung soll nicht als Schuldbefreiung dienen, sondern lediglich ein wenig Verständnis erzeugen. Damit ist es dann doch eher wieder eine Entschuldigung. Verzwickt. Aus dieser Nummer komme ich nicht mehr raus. Nicht in diesem Leben und einfach schon gar nicht. Für die Fehler und den schlechten Stil, führe ich ins Feld, dass einem derartige oft erst später und mit dem nötigen Abstand auffallen. Selbst völlig Offensichtliches, wird von der sprichwörtlichen „Betriebsblindheit“ verblendet. Ob man das für möglich hält und wahrhaben mag oder nicht. Es ist so! Leider! Den Vorwurf der Gier und des Geizes, muss ich mir bis zu einem gewissen Grade anlasten lassen. Natürlich gibt es hilfreiche Personen, welche man für solche Belange beauftragen kann. Aber – und hier kommt es zur Schande! – dafür bin ich in der Tat zu geizig. Wie schon oft geschildert, ist es nicht so, dass man vom Bücherschreiben leben könnte. Es sei denn, man gehört zu den wenigen begnadeten Menschen, denen dies gelingt. Das tue ich offensichtlich nicht. Es mangelte mir schon immer an dem Talent, mich selbst zu verkaufen und neu zu erfinden. Wie dieser Text hier, eindrücklich belegt. Um als Autor reich zu werden, muss man große Werke wie beispielsweise die Bibel, einen Harry Potter oder einen Herr der Ringe raushauen. Was den wenigsten Schreibenden vergönnt ist. Das ist zwar einerseits traurig, andererseits aber in Ordnung so.
Was die Kostenfrage betrifft, so muss man, wenn man einen günstigen Anbieter findet, mindestens mit einem Preis von 2,- € pro Seite für ein einigermaßen professionelles Korrektor- und Lektorat rechnen. Das macht bei 540 Seiten über 1.000,- €. Welche man alleine dafür schon mal zu finanzieren hat. Das garantiert kein fehlerfreies und stilistisch perfektes Werk. Dazu einige weitere Kosten, die man nicht außer Achtlassen sollte. Um damit dann schon mal annähernd kostendeckend arbeiten zu können, müsste man mindestens 1.000 Exemplare absetzen. Das mag nicht schwer erscheinen. Allerdings ist es bei Weitem nicht so, dass man der einzige Schreiberling auf der Welt wäre. Es gibt tausende von uns. Täglich werden neue Bücher veröffentlicht. Selbst, wenn man eine begnadete und einzigartige Arbeit abliefert, ist es nicht leicht, diese in größerem Umfang vermarktet zu bekommen. Alleine die finanzielle Seite bildet für mich keinen Reiz fürs Schreiben. Wenn es lediglich danach ginge, würde ich es längst eingestellt haben. Ein weiterer Faktor, ist die Zeit. Nicht, dass mir jemand von außen großen Druck gemacht hätte. Nein, denn nicht viele Personen wussten überhaupt von meinem aktuellen Werk. Aber die Deadlines, welche ich mir selbst setzte, verstrichen aus vielerlei Gründen. Nicht alleine der Faulheit, Ideenlosigkeit und Bequemlichkeit geschuldet, sondern vielen privaten, wie beruflichen Ereignissen, welche sich überwiegend außerhalb des Planbaren befanden. Wie eingangs erwähnt, soll dies keine Entschuldigung oder Rechtfertigung sein. Es tut mir leid und weh. Aber ich kann es nicht ändern. Eine Korrektur wird erfolgen. Doch für einige Leute wird diese zu spät geschehen. Peinlich ist die Realität. Herzlich willkommen im wahren Leben und in meiner Welt.
Ein zusätzlicher Punkt, mag die Buchbeschreibung sein - inklusive Klappen-/Rückseitentext, Inhaltsangabe, Autorenbeschreibung und Weiterem. Was in Wave – (Hello) nicht präzise genug herausgearbeitet wurde, mag das sein, was als „Toms Fazit“ bezeichnet werden kann. Hierzu folgende Stellungnahme: Das, was die Menschheit allgemein als Einhörner bezeichnet, gibt es nicht. Nicht in der Art und Form, wie sie immer wieder dargestellt werden. Ich sage nicht, dass sie gar nicht existent sind oder es sie nie gegeben hat. Denn zumindest in der Phantasie mancher Leute, tauchten und tauchen sie auf. Was Löwen- beziehungsweise Löwinnenmähnen und Wischmopps betrifft, sei hiermit festgehalten, dass diese überaus existent sind. Nicht bloß in der Vorstellung des Autors. Gerne hätte er von beidem mehr gesehen. Ungeachtet der Schreibweise. Aber lieber mit der Protagonistin Wave verknüpft, als mit Putzutensilien oder den auf dem afrikanischen Kontinent herrschenden Raubkatzen. Wäre es alleinig nach mir gegangen, sähen einige Dinge ein wenig anders aus. Die Buchbeschreibung ist nur eins davon. Doch man sieht sich oft genötigt, einen Kompromiss zu finden oder zu schaffen. Mit dem vorliegenden Ergebnis kann ich leben. Es ist noch immer mein geistiges Eigentum und ich habe mich nicht zu sehr dafür verbiegen müssen. Wer sich befähigt und bemüßigt sieht, weitab von materieller Entlohnung helfend und unterstützend eingreifen zu können, wollen oder sollen, mag sich gerne melden. Nach eingehender Prüfung eines solchen Anliegens wird eine Rückmeldung erfolgen. Grundlos zurückgewiesen wird niemand. Kooperationen jeglicher Art und auf Augenhöhe sind ausdrücklich erwünscht und willkommen. Verliert dabei aber bitte niemals aus den Augen, dass viele Dinge für die meisten Menschen nicht so sind, wie sie zu sein scheinen. Weitab großer Illusionen, bleibt nicht immer alles klar und deutlich belegbar. Wer es genauer wissen möchte, darf sich gerne an mich wenden.
Tor zur Hölle
Gesättigt betraten sie die Disco erneut. Glücklicherweise, ohne noch mal Eintritt zu zahlen. Für das Betreten dieses Ortes überhaupt einen Obolus zu verlangen, fand Tom eine Unverschämtheit. Bevor sie reingingen, sahen sie mehr oder weniger bekannte Personen auf der Straße. Einige davon mochte er, zu anderen Menschen gab er, zu deren, wie auch zu seinem Wohle, besser keine Kommentare ab. Die kurvenreiche Schönheit von der flüchtigen Begegnung vor einigen Stunden entdeckte er nicht. Schade. Sein Blick leitete ihn nicht mehr völlig klar. Eher vom Alkohol verklärt, folgte sein Körper der Richtung, welche seine Augen ihm wiesen. Seine Verdauung war intensiv mit zuvor zugeführten Speisen und Getränken beschäftigt. Die Luft in dem Schuppen hatte leider rein gar nichts von der klaren Nachtluft draußen. Ein wahres Brett, welches man direkt vor den Schädel geknallt bekam. Der Mensch war anpassungsfähig, nach ein paar Minuten störte man sich nicht mehr großartig daran. Es gab Dinge an und in dem Laden, die ihn penetranter nervten. Selbst mit Alkohol im Blut. Der übermäßig befüllte Verdauungstrakt befeuerte die Müdigkeit. Drinnen brauchten sie die Freunde nicht zu suchen. Keine Frage, wo sie sein konnten. Sie hielten sich länger an der Theke auf und fest, man sah ihnen an, dass sie mehr als einen Schoppen gesoffen hatten. Dies erschien ihm nicht verwunderlich, denn sie waren, wie etwa fünfzig Prozent der Einwohner ihres damaligen kleinen Heimatortes, echte Kampftrinker. Handelte es sich um Alkoholiker? Der junge Mann, empfand diese Frage als schwer zu beantworten. Möglich, dass eine krankhafte Sucht sie beherrschte. Ebenso konnte man etwas Harmloseres dahinter erkennen. Es kam drauf an, wie und wo man die Grenzen zog oder diesen Begriff definierte. „Gefährdet“, wäre seiner Ansicht nach zutreffender. Sie waren bester Laune und grölten die schmalzigen Schlagertexte mit. Die Songs klangen im Original scheußlich genug, aber die Grölerei seiner Freunde hörte sich noch gruseliger an, unvorstellbar grausig. Das konnte er sich nicht lange freiwillig geben. Entweder musste das abgestellt werden, er sich auf ihr Level begeben – wozu ihm ein paar Liter alkoholischer Getränke fehlten – oder sich von ihnen entfernen. Tom bezweifelte, sich arg mehr befüllen zu können. Schon seit einiger Zeit verspürte er tierischen Druck auf der Blase. Ein Grund, um sich Bewegung zu verschaffen und sich der Quelle und Lautstärke der sogenannten Musik zu entziehen.
Warum er nicht draußen irgendwo hin geschifft hatte, wusste er nicht. Die möglichen Gründe, welche ihm dazu einfielen, waren unter anderem mangelnde Gelegenheit, Scham oder das Gefühl, es länger aushalten zu können. Vorstellbar auch, dass der Alkoholgenuss und das eben Erlebte seine Sinne so weit getrübt hatten, dass er zu keinen rationalen Gedanken mehr fähig war. Er versuchte nicht, dies intensiver zu ergründen. Es nannte sich Schicksal, Karma, Vorsehung. Vielleicht lag es daran, dass sie in Eile waren, um ihre Freunde nicht noch mehr diesen Qualen hier auszusetzen. Wobei jene sich nicht gequält fühlten, sondern problemlos länger ohne sie durchgehalten hätten. Auf dem Discoparkplatz herrschte zu reges Treiben, um irgendwo hin zu pullern. Um es dennoch zu tun, müsste er ein paar Bierchen mehr getrunken haben. Ab einem gewissen Pegel schien alles egal. Diesen hatte er an jenem Abend nicht erreicht. Durch das unangenehme Gedränge und den nervigen Qualm kämpfte Tom sich nach vorne, zur Treppe, denn die Toiletten befanden sich eine Etage tiefer. Nicht ungefährlich, sich in berauschtem Zustand an den Ab- oder Aufstieg begeben zu müssen. Der massive Einsatz von Nebelmaschinen und Trockeneis, wurde als chic empfunden. Auf dieser gefährlich steilen Treppe und unten herrschte geschäftiger Betrieb. Es war heiß, stickig und roch nach Urin. Dies bereits vor den Klos. Eine super Mischung. Sein Magen warnte ihn. Als er das Männerklo betrat, stieg ihm ein noch intensiverer, fast schon beißender, Geruch in die Nase. Heißer fand er es zudem. Hygiene? Nee, später. Jetzt erst mal Umsatz auf Teufel komm raus. Ihm triefte der Schweiß aus seinem Körper. Er hoffte, Wave noch mal zu sehen, gestand sich das aber nicht ein. Denn es hätte ihn gleichwohl gefreut, als auch geschmerzt. Sie beim Toilettengang zu treffen, wäre seltsam. Sich ihr so zu präsentieren, wie er war – angetrunken, verschwitzt, mit Zwiebel-Knoblauch-Atem und Sauceflecken – stellte keine gute Idee dar. Es hätte ihre These gestützt, dass er zu viel soff. Konnte ihm egal sein, denn er war sie los. Völlig Latte konnte es für ihn nicht sein, weil auch sie ihm nicht schnurz war. Selbst dann nicht, wenn er vor wenigen Stunden tatsächlich ihren letzten Kuss genossen haben sollte. Es bewegte ihn, mehr als er sich eingestand. Alkoholisiert oder nicht. Der Alkohol trieb die Gedanken in andere Richtungen. Wege, die einem in nüchternem Zustand verwehrt blieben, da sie zu abstrakt schienen. Der Wirrwarr in seinem Kopf war gigantisch und weder schnell, noch leicht zu verarbeiten. Eher ein zäher, sich nur langsam auflösender Brei. Die äußeren Umstände erschwerten die Sinnesaktivitäten zusätzlich, denn bei dieser Luft, konnten einem die Gedanken schwinden. Alle bis auf den einen nach frischem Sauerstoff und einer reinigenden und erfrischenden Dusche. Er fand es nicht verwunderlich, dass sein Deo endgültig aufgab. Diese vierundzwanzig-, achtundvierzig-, zweiundsiebzig- und sechsundneunzig-Stunden-Geruchsschutzformeln und wie sie alle hießen, mit ihren sämtlichen Versprechungen, waren nicht erfunden oder nicht weit entwickelt. Verbreitet erst recht nicht und wirksam schon gar nicht. Was nicht bedeutete, dass gegenwärtige Pflegeprodukte besser und sinnvoller waren und sind. Er beeilte sich.
Auch die Heimreise kam ihr ewig lange vor. Wenigstens machte das Innere des Wagens einen gepflegten Eindruck. Tobi und sein Kumpel waren übler Stimmung. Wortarm verlief die Fahrt. Dass sie daran nicht unschuldig war, wusste sie. Sie konnte es nicht ändern. Tom ging ihr nicht aus dem Kopf. Schon wieder hatte er nach Bier geschmeckt. Dieser Trottel, wenn er doch nur mehr um sie gekämpft hätte! Er brauchte sich mit Tobi nicht prügeln. Nein, das mochte sie nicht. Aber einen intensiveren Einsatz wünschte sie sich, sofern sie ihm etwas bedeutete. Stattdessen nahm er alles gegeben hin. So als wären die letzten Wochen ohne Sinn, Wert und Bedeutung gewesen. Das konnte er nicht so meinen. Oder doch? Was sollte das dann mit dem Kuss und dem Spruch, dass er sie liebe? Hatte sie sich eingebildet, dass er das gesagt hatte? Es schien so, als wüsste er nicht, was er wollte. Bevor er wieder etwas von ihr wünschte, sollte er sich erst mal genau darüber klar werden. Ihr leuchtete ein, dass sie ihn nicht vor die Wahl stellen konnte, ob er sie mochte oder mit seinen Freunden feiern und saufen. Diese Entscheidung forderte sie niemals von ihm ein. Ein Ultimatum und Verbot, konnte für keine Beziehung förderlich sein. Etwas mehr Anteil an seinem Leben hätte sie gerne gehabt. Was ihre Gefühle für Tobi betraf, war das ähnlich. Der wirkte nett, interessant und an ihr interessiert. Das schien viel. Er agierte höflich und zuvorkommend, trank nicht und tanzte mit Geschick und gerne. Das war eine Menge, doch fehlte etwas. Das spielte eine große Rolle. Es entstand kein Funke oder Kribbeln und null Elektrizität. Auch nicht dieses Vertrautheitsgefühl, welches sie bei Tom gespürt hatte. Tobi strahlte diese Geborgenheit nicht aus. Verdammt war das Leben schwer. Was sollte sie Michi erzählen? Musste sie das überhaupt oder würde Hugo diesen Part übernehmen? Als sie gefühlte Ewigkeiten später endlich vor ihrer Haustür hielten, sagte sie: »Danke!« in Richtung Tobis Freund und Fahrer. Der gab bloß ein mürrisches: »Schon gut!« zurück. An den Tänzer gewandt sprach sie: »Auch Dir vielen Dank für den schönen Abend. Es war sehr nett. Gerne mal wieder. Würde mich freuen! Gute Nacht! Kommt gut nachhause!« Dann gab sie ihm einen Kuss auf die Wange und verschwand im Haus. Tobi wirkte verärgert und stammelte bloß: »Gute Nacht!«
Aaaaah! Tat das gut. Welch eine enorme Erleichterung man durch so simple Dinge doch erfahren konnte. Sexuelle Vergleiche mochte er nicht anstellen. Aber es handelte sich um ein wohltuendes und erleichterndes Gefühl. Viele Leute genossen es. Jede Person dürfte es kennen. Jetzt nix wie raus hier! Mit gewaschenen Händen und wassergekühltem Gesicht verließ er die Toilette. Das kühlende Wasser verstärkte das positive Gefühl. Seine Laune steigerte sich geringfügig. Tücher oder etwas zum Trocknen, gab es nicht (mehr).
Baaaafff! Schneller als er irgendeinen Gedanken fassen konnte, klammerte sich etwas an ihn. Uuuff! Er erschreckte sich, befand sich nahe einem Herzinfarkt und total überrascht. Dass es sich bei diesem Ding um ein Mädchen handelte, erkannte er relativ zügig. Dennoch stand er unter Schock. Was passierte, raffte er gar nicht. Dass es nicht Wave sein konnte, schien sofort klar. Schade! Dass es Ex war, schnallte er erst, nachdem er sich etwas vom Anfangsschock erholt hatte und langsam realisierte, was sich ereignet haben musste. Die Toiletten waren chronisch überlastet und nicht mehr sauber. Umso weniger erwartete man hier solche Überraschungen. Sie hatte ihn angesprungen und sich festgeklammert. Frontal. Er hatte sie reflexartig „gefangen“ und hielt sie fest. Keine gesteuerte Handlung, mehr Urinstinkte. Seltsam, dass sich das Wort „Urinstinkt“ aus „Urin“ und „stinkt“ zusammensetzte. Noch erstaunlicher, dass dies einen tieferen Sinn ergab und es total auf diese Situation passte. Aber über diese Zusammenhänge konnte er erst später nachdenken. Reflexe. Ungeklärtes. Was ihn rückblickend am meisten wunderte, war die Tatsache, dass er bei dieser Aktion nicht umfiel. Zwar stolperte er zurück, aber am Umfallen musste ihn die Wand hinter ihm gehindert haben. Anders konnte er sich das nicht erklären. Doch selbst das ... nun, es wirkte seltsam. Eva war relativ klein, kürzer als Wave und Michaela und somit von geringerem Gewicht. Zu dieser Zeit wog sie mit Sicherheit unter fünfzig Kilogramm. Wie viel darunter, vermochte er nicht zu sagen. Jedenfalls war sie leicht und klein. Mit etwas mehr Größe und geringfügig schwerer, hätte er sie nicht halten können. Es grenzte weiter an ein Wunder, dass sie bei dieser Aktion keine anderen Leute in Mitleidenschaft zogen. Schließlich war der Laden eben noch brechend voll. Sogar hier unten, in wahrscheinlicher Nähe zum Tor zur Hölle. Sie stießen niemanden an oder um, rissen keine Person mit und nicht an den Klamotten. Echt seltsam. Vielleicht hatte er lediglich die Erinnerung daran verdrängt. Eine Verzerrung dieser hielt er für möglich. Oft realisierte man einige Situationen anders, als die Leute um einen herum. Langsam begann er, ruhiger zu atmen und zu realisieren, was hier vor sich ging. Natürlich hatte er Alk in der Blutbahn. Seine Hände hatte er an ihren Oberschenkeln, sie trug einen Mini, diesmal das Kleidungsstück, welches man zu jener Zeit sehr populär und daher recht häufig fand. Auch sonst hatte sie nicht viel an. Als sie begann, ihn zu küssen, bemerkte er, dass sie auffallend stark nach Parfum (nicht so toll, wie das von Wave, aber sie hatte es großzügig angewendet!) und Alkohol roch. Eine seltsame Mischung und keine gelungene, könnte man sagen. Weiterhin ließ sich fast behaupten, sie vergewaltigte ihn. Diese Umschreibung war in nahezu jeder Hinsicht treffend. Ihr Verhalten verwunderte und überraschte ihn, sonderlich nah, vertraut und herzlich, waren sie in ihrem bisherigen Umgang miteinander nie gewesen. Evas Aktion in der Scheune, trug nicht dazu bei, das zu verbessern. Zu seiner weiteren Verwunderung und Verwirrung verhielt sich seine Verdauung ruhig. Es wäre seinen Innereien nicht zu verübeln, wenn sie bei dem Schock und unter diesen widrigen Bedingungen beschlossen hätten, sich des eben erhaltenen Essens wieder zu entledigen. Doch nichts dergleichen geschah. Zufälligerweise traf Ex ihn in der passenden Stimmung und Gefühlsverwirrung, so leistete er kaum Widerstand. Dies widersprach dem Begriff der Vergewaltigung. Warum sollte er sich wehren?
Während er kurz an seine wartenden Kumpel dachte, sprachen sie das Nötigste. Das war nicht viel. Vorsichtig wägte er ab. Ex oder seine Freunde? Natürlich machten die Situation und sie ihn spitz und ihm wurde schnell klar, dass die Jungs warten sollten. Sie hätten es in gleicher Lage nicht anders entschieden. Kerle dachten, nicht immer und nicht ausschließlich, aber oft, mit dem Schwanz. Nicht alle, nicht ständig, doch viele und häufig. Eine hormonell gesteuerte Geschichte, natürlichen und pränatalen Ursprungs. Er war in vielerlei Hinsicht ein durchschnittlicher Junge und bildete keine Ausnahme. Damals schon gar nicht. Eva schien so was von geil auf ihn, dass er es nicht in Worte fassen konnte. Warum auch immer sich dies so verhielt, konnte er nicht begreifen, befand sich aber gerade nicht in der Lage, es überhaupt verstehen zu wollen. Sie hatte irgendetwas an sich, was ihn in ihren Bann zog. Ihr Duft konnte es nicht sein, dann schon eher ihr warmer, jugendlich-weiblicher Körper und ihre Begierde. Begreifen konnte er es nie vollständig. Offenbar hatte er, bei ihrem ersten sexuellen Zusammentreffen einen positiven bleibenden Eindruck hinterlassen. Ihr schien das damals im Heu gefallen zu haben. Wie und warum auch immer. Eventuell war ihre Erinnerung daran eine verklärt-verzerrte. Nüchtern war sie vor einiger Zeit so wenig, wie gerade. Eine erstaunliche Tatsache und Wendung, stellte ihre offenbare Wahrnehmung oder Betrachtungsweise des Geschehens in der Scheune dar. Wirklich bewusst war er sich dessen nicht. Ebenso wenig, wie er diese Situation jetzt richtig realisierte. Ex musste mitbekommen haben, dass Wave und er nicht mehr zusammen waren. Kunststück. Sie waren Freundinnen, selbst wenn ihr Kontakt seit dieser Scheunensache nicht so intensiv gehalten wurde. Ihr gemeinsamer Freundeskreis umfasste einige Personen, sie kamen aus dem gleichen Ort. Da blieben solche Ereignisse nicht verborgen. Erstaunlich der Zufall, dass sie sich, ebenso wie Wave und er, hier her verirrt hatte. Diesbezüglich gab es keinerlei Absprachen. Martina hatte nicht gewusst, wohin es ging. Mit Tobi sprach, mal abgesehen von ihr, ohnehin fast niemand. Tom hatte es nicht an die große Glocke gehangen, wo sein Ziel an jenem Abend sein würde. Zu peinlich, war diese Disco, für den angehenden Metalhead.
Selbst wenn er Widerstand geleistet hätte, wozu er sich nicht im Geringsten veranlasst und befähigt sah, sie ließ ihn nicht ziehen. Um sich energisch zu wehren, fehlte ihm die Kraft, Lust und Motivation. Ein sinnloses Unterfangen. Einen Moment dachte er an Wave. Das hier, sollte sie besser nicht sehen und nichts darüber erfahren. Wenn auch Amanda keine Infos erhalten würde, wäre dies günstig. Aber er und die nördlicher Wohnende waren nie zusammen. Wave und er, waren nicht mehr als Paar unterwegs. Was die Welle mit dem Typen anstellte oder er mit ihr, daran wollte er nicht denken. Besser es nicht zu wissen und sich nicht vorzustellen. In diesem Fall war Ungewissheit leichter zu ertragen, als präzise Infos. Gegen die kleine Ex hätte er sich ernsthaft anstrengen müssen, doch das wollte er nicht. Natürlich fühlte er sich dieser zierlichen Person kräftemäßig überlegen. Aber er befand sich nicht in der Stimmung, seine körperliche Kraft gegen sie einzusetzen. Auf mentale Stärke konnte er nicht zugreifen. Einen Frauenkörper, zog er in diesem Moment, seinen besoffenen Kumpels vor. Wobei, nicht nur damals, sondern meist. Hugo hielt er für nüchtern, nüchterner als sich selbst auf jeden Fall, denn der musste fahren. Die Fahrgelegenheit bereitete Tom etwas Sorge. Was, wenn der Freund und die Anderen ohne ihn fuhren? Nun, es waren zehn Kilometer bis nachhause. Dunkle gefährliche Straßen. Nichts, was er nicht bereits in ähnlicher Form bewältigt hätte. Besser nicht dazu gezwungen zu sein. Dass ihn seine Eltern oder sonst irgendjemand hier abholen würden, war völlig undenkbar. Nichts dergleichen würde geschehen. Im Gegenteil, würde er ein funktionierendes Telefon finden, zuhause anrufen und um eine Heimfahrt bitten, hätte er außer einem tierischen Anschiss und elendem Zoff nichts zu erwarten. Andererseits machte das jetzt keinen großen Unterschied mehr. Die körperliche Anziehungskraft, welche Hugo auf Tom ausübte, tendierte extrem gegen null. Hingegen dürfte Evas Mädchenkörper einen etwas höheren Ausschlag bewirkt haben, sie befand sich unübersehbar auf einem recht besoffenen Level. Keine Ahnung, ob sie weitere Substanzen eingeworfen hatte. Glaubte er nicht, wahrscheinlich zeigte sie sich sehr anfällig gegenüber der Wirkung von Alkohol und vertrug nicht viel.
Einen reizvollen Körper konnte sie vorweisen und sie bot ihm diesen nicht nur an, sie drängte Tom ihren Leib auf. Waves Body und vor allem ihr Geist wären ihm lieber gewesen, aber sie stand ihm im Moment nicht zur Verfügung, würde es bestimmt nie wieder. Es war Schluss. Als logische Konsequenz entzog sie sich ihm. Er brauchte sich keine Gewissensbisse zu machen. Man(n) musste schauen, was man(n) bekam und wo man(n) blieb. Dazu fiel ihm dieser machohafte Spruch ein: „Reden was wahr ist, trinken was klar ist und vögeln was da ist.“ Nun ja, Weisheiten und Reime! Davon ließ sich halten, was man wollte. Auf seine momentane Situation passte es. Er würde niemanden belügen, wenn jemand direkt danach fragte. Es öffentlich zu verkünden, war nicht notwendig. Einen klaren Schnaps, Kümmel, Sambuca, Wodka, lehnte er selten ab. Aber auch ein Mineralwasser hätte den Weg in seinen Körper gefunden. Doch lieber eines mit etwas weniger prickelnder Kohlensäure, denn damit arbeiteten einige Organe in solchen Situationen recht unangenehm. Übel fand er Ex nicht. Sie war geil und einem geschenkten Gaul ...! Wobei der Vergleich mit dem Huftier hinkte, denn etwas Pferdemäßiges hatte sie nicht. Außer, dass sie diese Tiere sicher mochte. Eva gedachte nicht, ihn gehen zu lassen. Sie laberte lauter dumpfsinniges und obszönes Zeug, sagte, dass sie feucht sei und „es“ jetzt wollte und brauchte. Hier, auf der Stelle und sofort. Eine Menge blöden Kram. „Sagte“ war eine nette Formulierung. Es sollte ein Flüstern sein, ein Säuseln. Doch sie brüllte es ihm ins Ohr. Ein wenig musste man hier die Stimme erheben, um gegen Musik und Lärm anzukommen. Aber über eine vernünftige Lautstärke ihres eigenen Organs hatte sie keine Kontrolle mehr. Es war ihr egal, was andere Leute hörten oder verstanden. Sie wähnte sich sicher, denn die Chance stand groß, dass sie hier niemand kannte. Außer die Personen, mit denen sie herkam. Tom hingegen war das nicht egal und peinlich. Völlig besoffen fühlte er sich nicht.
Ihre Eltern waren noch auf. Ob diese auf sie gewartet hatten, wusste und glaubte sie nicht. So arg spät war es nicht. Sie sprach kurz mit ihnen und die schienen froh, dass sie schon, beziehungsweise überpünktlich, zuhause erschien. Alle drei begaben sich bald zu Bett. Die Gedanken ließen das Mädchen nicht zur Ruhe kommen. Tobi war sichtlich nicht zufrieden mit ihr und dem, was sie ihm gegeben und eher verweigert hatte. Natürlich hatte er sich mehr davon versprochen und tat ihr sogar leid. Doch sie war nicht bereit, sich ihm weiter zu öffnen. Noch nicht. Vielleicht war es eine blöde Idee gewesen, die Disco so früh zu verlassen. Wer wusste schon, wann sie wieder dazu kommen würde, mit einem Mann zu tanzen? Mit ihren Mädels war das immer toll, aber mit einem männlichen Tanzpartner, war es anders. Ihren Eltern hatte sie eine Freude bereitet. Das war schön und leicht gewesen. Zu gerne hätte sie gewusst, was Tom so in der Disco tat. Sie hatte ihn dort, nach dem seltsamen Kuss, nicht mehr gesehen. Aber seine Freunde hielten die Theke fest, als sie und Tobi gingen. Da konnte er nicht weit sein. Hugo hatte sie gar nicht erblickt. Es schien ihr logisch, dass dieser gefahren war. Wenn sie Michi über deren Freund berichten könnte, würde diese sich freuen und wäre nicht mehr so seltsam zu ihr. Tom würde in der Disco das tun, was er immer tat: Saufen. Sie hoffte dennoch, dass sie nicht der Anlass und Grund dafür war. Wobei es ihr nicht völlig klar schien, warum sie das wünschte. Tom gehörte ihrer Vergangenheit an und hatte in ihrer Gegenwart und Zukunft nichts verloren. Zumindest nicht diese Version von ihm und eine andere würde es nicht geben. Doch fehlte ihr etwas. Sie vermisste eine Sache, die sie nicht genau definieren konnte. Dieses unbestimmte Vermissen projizierte sie recht schnell auf ihn. Musste es nicht ein Wink des Schicksals sein, dass sie ihn dort traf? Viele Fragen, auf die sie kaum Antworten fand. Konnte das Leben nicht ausnahmsweise mal einen Moment lang unkomliziert und klar sein?
Seine Ohren schmerzten und er hatte keine Ahnung, wo sie das Zeug aufgeschnappt hatte. Von irgendeinem Erotikstreifen vielleicht? Sicher handelte es sich bei ihm nicht um einzigen Menschen weit und breit, der so etwas kannte. Sie sagte Dinge, die er ihr sofort und ohne der Spur eines Zweifels abkaufte. Zum Beispiel, dass sie besoffen sei. Dies hatte er, trotz seines ähnlichen Zustandes, längst bemerkt. Das konnte man nicht übersehen. Hätte sie das Gegenteil behauptet, niemand würde ihr Glauben geschenkt haben. Doch das versuchte sie nicht. Sie sprach die Wahrheit, in diesem Punkt zumindest. Nüchtern wäre ihm das sicher alles am Arsch vorbeigegangen. Er hätte sich zur Wehr gesetzt und angewidert die Flucht angetreten. Aber er fühlte sich in mittlerem Maße alkoholisiert und befand sich nicht mehr mit Wave zusammen. In der Stimmung, Evas Forderungen abzulehnen war er nicht. Das Schicksal beschritt seltsame und nicht selten miese Wege. Noch hatte er Hemmungen. So mochte er nicht auf die Damentoilette gehen. Dieses Problem löste sie schnell und pragmatisch. Sie hatte ihre Beine wieder auf den Boden gebracht und schob ihn zurück in die Herrentoilette. Drängte beide hinein. Nein, sie wollte nicht länger warten. Er fühlte sich bei der ganzen Sache nicht wohl, konnte sich nicht entspannen und völlig fallen lassen. So übernahm sie die Initiative, schloss beide auf dem Scheißhaus, in einer kleinen Box, ein. Ein romantischer Ort. Eine präzise Beschreibung der Örtlichkeit ersparte er sich, denn er meinte, es würde sich Jede(r) vorstellen können.
Kaum hatte sie ihm den direkten Rückweg versperrt, ging sie ihm an beziehungsweise in die Hose. Die Knutscherei lief heftigst ab. Darauf hatte er sich eingelassen, fürchtete aber teilweise um seine Zunge, seine Kauwerkzeuge, Lippen und Haut. Sie ging mächtig ran und ab. Wenn sie vorhatte, ihn außer Gefecht zu setzen, befand sie sich auf dem direkten Weg dazu. Sein Gehör hatte sie bereits unangenehm beansprucht. Nun kamen weitere Partien und Sinne hinzu. Er konnte nicht völlig besoffen sein, denn plötzlich kam ihm der Gedanke an ein Kondom. Ein blitzartiger Einfall. Ein Vernunftsschimmer oder prompte große Angst vor Aids, anderen Krankheiten, einer ungewollten Vaterschaft und körperlichen Schäden? Unsicherheit? Es gelang ihm, sie kurz zu bremsen und er erklärte ihr, dass er nur „mit“ mochte. Sie lallte leise: »Ach, Scheiße, ja, hätte ich ja jetzt beinahe vergessen. Oh Scheiße, das hätte ja jetzt was werden können.« Sie sprach nun nicht laut – oder sein Gehör hatte sich bereits auf den Weg zur Hölle begeben, so dass es ihm leise vorkam. Recht hatte sie! Zuerst klang sie erschreckt und ernst, er meinte sogar, sie erröten zu sehen. Dann gackerte sie albern. Langsam kamen ihm immer mehr Zweifel an dieser Tat. Dass das kein gutes Ende nehmen konnte, war klar. Einen Schimmer, wie er aus dieser Nummer unbeschadet rauskam, hatte er nicht. Er versuchte, es mit Humor zu betrachten, war nun schon mächtig scharf auf sie. Vielleicht fand er sich nur an einem „Happy End“ interessiert. Trotz aller widrigen Umstände hatte die Situation einen erregenden Faktor. Er antwortete: »Und ob! Aber Du hast ja mich! Hahahahahahahahaha- ha ha!« Er musste unter Alkoholeinfluss gestanden haben, wenn er so einen Mist von sich gab. Ähnliche verbale Glanzleistungen hatte er schon nüchtern zustande gebracht, allerdings nicht oft. Langsam verging ihm die Lust. Hier war es eng zu zweit. Er glaubte nicht, dass sie damals bereits die Pille nahm. Für Gedanken ließ sie ihm nicht Spielraum und Zeit. Es fiel schwer, bei ihrem Tempo mithalten zu können. Was hieß gleichauf sein? Er bemühte sich, aber sie überforderte ihn. Völlig und total. Höflicher und besser fand er es, nicht nach Dingen wie der Pille zu fragen. Da er nicht damit rechnete, Sex zu haben, er war nicht in einer Beziehung, hatte er keine Gummis einstecken. Das könnte man natürlich auch gänzlich anders bewerten. Aber damals sah er es eben genau so. Also befreite er sich von ihr, indem er all seine verbliebene Willens- und Körperkraft vereinigte. Zum Glück hing hier ein entsprechender Automat, beschmiert mit Permanent Marker und zugepappt mit Aufklebern und Flyern. Texte und Inhalte mochte er lieber nicht zitieren. Er besaß das nötige Kleingeld. Woher? Er weigerte sich, all seine Quellen offenzulegen. Es war legal. Wogegen er sich bei der ablaufenden Aktion auf der Toilette nicht sicher war, ob diese nicht gegen irgendetwas verstieß und geahndet werden konnte. Hoffentlich erwischte sie keiner. Er dachte über eventuelle Strafen nach. Hausverbot wäre möglich. Spontan musste er laut auflachen. Einen größeren Gefallen könnte man ihm kaum tun. Dabei würde es nicht bleiben, wirkte peinlich und verursachte obendrein einen Riesenärger. Von wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses, Unzucht in der Allgemeinheit oder so. Fehlende Ahnung, wie die genaue Anschuldigung gelautet hätte. Besser schien es, wenn es diese nicht erst geben würde. Gerade befand sich seltsamerweise keiner, außer ihnen, auf dem WC und der Automat funktionierte. Oder er realisierte es abermals falsch. Bald kehrte er wieder zurück zu ihr. Zum Glück kannte er hier nicht viele Leute. Sie verlor keine Zeit und machte direkt dort weiter, wo sie aufgehört hatte. Ihre Hände an und in seiner Hose, ihre Zunge hängte sie ihm wieder in den Hals. Gut, dass er nicht besoffener war, andernfalls hätte er ihr direkt in den Rachen gekotzt. Einerseits waren die Handlungen nicht recht, nicht richtig und nicht gut. Andererseits trotzdem erregend. Was die zuvor aufgestellte Behauptung relativierte. Das Auspacken der Gummis ging, das Überstülpen gestaltete sich schwerer. Die Toilette bot wenig Raum, wirkte eng und ungemütlich. Die warme und stinkende Luft nervte. Aber soweit gelang es ihnen doch. Da stand er nun mit herunterlassenen Hosen und gummiertem Schwanz. Ihr Mini war gefallen, Strumpfhose und geblümter Slip waren aus dem Weg geschafft. Noch immer wusste er nicht, woran es genau gelegen hatte. Ob mehr am Alk oder an der Enge des Raumes. Bestimmt an beidem. Jedenfalls gelang es ihnen nicht, sich geschlechtlich zu vereinigen. Sie war feucht und klein. Ein erhebliches Stück niedriger und bodennäher als er. Es war ihm gelungen, seinen rechten Mittelfinger in ihr zu versenken und etwas zu bewegen. Darauf reagierte sie wohlwollend, aber es handelte sich doch noch nicht ganz um das Richtige. Scheiße! Bald hatten sie ihre Oberkörper von der Kleidung befreit und er streichelte ihre kleinen Brüste. Auch den einen oder anderen Kuss bekamen sie ab. Aus viel mehr, als den steil hervorstehenden Nippeln bestanden sie nicht. Wie jung war sie? Fünfzehn, sechzehn, siebzehn? Egal, Titten, fast gleich welcher Größe, faszinierten ihn, solange sie eine einigermaßen vertretbare Form und Dimension hatten und zum Rest passten. Dieser Fall lag vor. Sie mussten leise sein, wenn sie keinen Ärger wollten, Trouble war das Letzte, was er gebrauchen konnte. Sie änderten die Positionen und versuchten es oft, aber es schien nicht machbar. Mehr als ein wenig, teilweise feuchte und durchaus erregende, Reibung war nicht drin. In nüchternem Zustand hätte ihm das ausgereicht, doch er war nicht nüchtern. Mit diesem aktuellen Status schien intensiveres Handeln nötig, um dem jungen Mann Befriedigung zu verschaffen. Nein, ohne Alkohol wären beide agierenden Personen gar nicht in dieser Situation und gemeinsam in diesen Räumlichkeiten gelandet. Strenggenommen hätten sie sich ohne diese Flüssigkeit nicht mal kennengelernt. Denn auf der Party, vor ein paar Wochen in der großen Stadt, hatte dieser Faktor eine entscheidende Rolle gespielt.
Schließlich saß er auf dem Pott, sie riss ihm das blöde Gummi runter, kniete sich vor ihn ... und den Rest sparte er sich ausführlich zu erklären. In dieser Haltung konnte er sie nur streicheln. Was er tat. Der dreckige Boden, den sie kniend berührte, schien ihr nichts auszumachen. Einen letzten Rest Klopapier hatte sie untergelegt, eine nennenswerte Menge konnte das nicht mehr gewesen sein und bringen. So erreichte er nur ihren Kopf, ihre Haare, Hals, Schultern und mit einiger Mühe einen Teil ihrer Brust. Das war für ihn schon angenehm. Sie bewegte sich hektisch. Er hatte es dem Biergenuss und den miesen Umständen zu verdanken, dass er nicht sofort kam. Es dauerte eine Weile, doch sie handelte ausdauernd, hartnäckig und zielstrebig mechanisch. Sie trieb ihn weit, stoppte dann aber immer wieder abrupt. Das relativierte seinen Genuss. Ein spielerischer Forscherdrang ließ sich in ihrem Handeln erkennen. Was mehr war, als er ihr zugetraut hätte. Sie achtete nicht auf seine Reaktionen, schien daher nicht zu bemerken, wenn er kurz davor war. Durch ihre seltsam gewählten Pausen startete sie mehrmals fast wieder bei null. Er hätte kein Problem damit gehabt, ihr direkt in den Mund zu spritzen. Sie hatte diese Situation schließlich herbeigeführt und er ergab sich jener lediglich. Es machte ihn wahnsinnig, aber so funktionierte das nicht. Er dachte permanent, es könnte gelingen, doch irgendwann musste er sich eingestehen, dass es sinnlos war. Hoffnung beinhaltete nur selten Effizienz. Gegebenenfalls zeichnete sein vorgesetztes Denken dafür verantwortlich, dass es kein zufriedenstellendes Ende nahm. Sie wirkte so erschöpft, wie er sich fühlte. Er bat sie aufzuhören und die Sache abzubrechen.
Er war verwundert, dass sie auf seine Worte hörte. Es hatte weder ihr noch ihm, die ersehnte Befriedigung gebracht. Er war erstaunt, dass sie nicht lauthals fluchte. Sie schien es verstanden zu haben und hinzunehmen. In dieser alkoholischen Verfassung fand er das eine beachtliche Leistung für sie. Auch, wenn er sich etwas ärgerte, dass er sich überhaupt darauf eingelassen hatte. Er vertrat die Auffassung, dass sie ihm keine Wahl gelassen hatte. Vielleicht war sie nicht so betrunken, wie es den Anschein machte. Tom überlegte, ob er es später nicht selbst zu Ende bringen würde. Erregende Bilder befanden sich in seinen Gedanken und vorm geistigen Auge. Aber auch Sachverhalte, über die er intensiv nachdenken musste. Nach seinem Geschmack, hätten sie etwas mehr Sauerei produzieren können, dennoch säuberten sie sich mit ein paar Tempos aus Toms Vorrat. Diese spülten sie weg. Weiteres sauberes Toilettenpapier fand sich keines. Der dreckige Klopapiermatsch vom Boden, folgte den Taschentüchern auf ihrem Weg in die große Welt. In sich wiederholenden Spülgängen. Aus sexueller Hinsicht konnte und mochte er nichts Zusätzliches für sie tun. Seine Finger bemühten sich, aber das empfanden beide nicht das Richtige für sie. Etwas anderes als seinen Schwanz wollte er ihr nicht anbieten. Das eine funktionierte nicht, das zweite nicht wie gewünscht. Sie zeigte sich davon nicht begeistert, aber sie schien es zu verstehen. Sie fand sich damit ab und heute war nicht „alle Tage“. Zumindest ihr erster Anflug von Geilheit war befriedigt worden. Oder eben nicht. Er machte sich keine Gedanken darum. So wie sie ihm relativ am Allerwertesten vorbei ging. Trotz alledem. Für sie empfand er eher mal gar nichts. Das klang hart, kalt und gefühllos. Doch so lief es. Sie saßen eine Weile so da, sie auf seinen Schenkeln. Ein echtes „Fliegengewicht“, warm und klebrig. Schamhaar, Haupthaar, Achselhaar, sonst kaum Körperbehaarung. Recht glatt, die komplette kleine Person. Sie küssten und streichelten sich. Aber mehr mechanisch, als leidenschaftlich oder liebevoll. Mit seiner verflossenen Welle spielte sich das stets anders ab. Bei und mit Wave steckten tiefere und intensivere Emotionen darin. Eine irrsinnig große, innige Liebe und Vertrautheit. Alles, was Ex betraf, lief zweckgesteuert und oberflächlich. Reine emotionslose Mechanik. Jemand bollerte gegen die Tür, zog am Griff und drückte diesen mehrmals kräftig runter, grölte irgendetwas und zog dann wieder fluchend ab. Das Türblatt bebte und mit ihm die komplette Zelle. Nicht nur akustisch wahrnehmbar, sondern auch optisch und deutlich spürbar. Die Insassen verhielten sich still. Seinen, wie vermutlich ihren, Puls trieb das in die Höhe. Ob hier jemand eine Wurst in die Schüssel pressen mochte? Sie pissten nacheinander, unabhängig voneinander und ohne den jeweiligen Vorgängen gegenseitig eine gesteigerte Beachtung zu schenken. Dann richteten sie sich wieder etwas her und zogen sich an. Flüchtig wuschen sie sich die Hände. Schließlich verließen sie behutsam, gemeinsam und doch schleunigst, diesen ungastlichen Ort und betraten erneut die nicht wesentlich einladender wirkende eigentliche Disco.
Sie hatten wieder Glück, denn beim Rausgehen ertappte sie niemand. Aber fast hätte sie ein Typ erwischt. Tom erinnerte sich später bloß an einen kleinen Blonden mit Brille. Ein kurzhaariges Kassengestell
