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Der oder auch die Perverse ist ja auch nur ein Mensch. Und wie es verschiedene Bienen und Blumen gibt, sind auch die Vorlieben der Menschen äußerst vielfältig. Genau wie diese Anthologie, die mal humorvoll, mal erotisch die Welt des Abseitigen erforscht. Berühmte Dominas, Journalisten, Drehbuch- und (Erotik)autoren und viele andere verwöhnen die Liebes- und Lachmuskeln mit allem, was Herz und Unterleib begehren. Mit dabei (in alphabetischer Reihenfolge): Alana Abendroth Alexander 'Lex' Wohnhaas Axel Hildebrand Callie Wellenstein Carmen Rivera Cosette David Gray Katelyn Faith Leonie Varrett Luci van Org Manuela Ausserhofer Till Burgwächter Ulf Torreck Woschofius
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Seitenzahl: 198
Veröffentlichungsjahr: 2017
1. Auflage Dezember 2016
Titelbild: Agnieszka Szuba www.tbwcreative.com
©opyright by SALAX & den jeweiligen Autoren
eBook-Konvertierung: nimatypografik
eISBN: 978-3-944154-47-3
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TILL BURGWÄCHTER Schnappschildkröten auf Granufink
Wem das eigene Leben zu mausgrau wirkt, zu sehr nach Wartebereich im Straßenverkehrsamt müffelt, wer sich in der Realität fortwährend wie ein Zuschauer bei einem Heimspiel des Vfl Wolfsburg fühlt, der kann sein Dasein durch die aufregende Welt der Fetische ein wenig aufpeppen. Entweder als faszinierter Beobachter oder, bei entsprechender Neigung, als Aktiver. Schon richtig, einen Fetisch sucht man sich in den seltensten Fällen aus, der ist einfach da oder eben nicht. Manche Fetische entstehen schon sehr früh im Leben, andere bilden sich erst später aus. Woher die Fetische kommen, warum sie erst ins Hirn und dann in den Unterleib dringen, weiß niemand so genau, es ist halt einfach so. Wobei es natürlich Unterschiede gibt, vor allem hinsichtlich der Durchführbarkeit.
Die gängigsten Formen des Fetischismus konzentrieren sich auf unbelebte Objekte oder (bisweilen) belebte Körperteile. Unbelebte Objekte sind in der Regel Stoffe wie zum Beispiel Lack, Leder, Pelz, Latex oder Gummi. Aber auch ganz bestimmte Kleidungsstücke wie Socken, Strumpfhosen, Regenmäntel oder Birkenstock-Sandalen sind hoch im Trend. Noch spezieller wird es, wenn sich der Fetisch auf die Bekleidung einer bestimmten Berufsgruppe konzentriert. Polizisten, Krankenschwestern, Piloten oder Feuerwehrmänner sind häufig anzutreffen, der graue Hausmeisterkittel, seltener, aber durchaus auch. Ob beim Rollenspiel mit diesem Utensil Sätze wie «Los Herr Krause, wechsle mir die Glühbirne im Flur, die flackert schon seit zwei Wochen», fallen, ist dem Verfasser dieser Zeilen leider nicht bekannt. Vereinzelt treten auch Liebhaber der so genannten Schamkapsel auf. Diese war allerdings schon vor über 500 Jahren en vogue und hatte ursprünglich eine durchaus sinnvolle Aufgabe zu erfüllen. Denn während der Körper und der Kopf der tapferen Rittersleute geschützt waren, konnte der Gegner ausgerechnet im Genitalbereich mit Lanze, Spieß oder Pike zustechen, was beim Angegriffenen, das dürfen wir mal als gegeben ansehen, selten für Begeisterung sorgte. Deshalb wurde die Schamkapsel entwickelt, anfangs nur eine einfache Erweiterung der Rüstung. Die Herren der Schöpfung kamen aber schnell dahinter, dass sich mit diesem Ding im wahrsten Sinne des Wortes prächtig einer auf dicke Hose machen ließ. Und so wurde die Schamkapsel unverhältnismäßig vergrößert und verziert. Manche gaben ihr gar die Form einer Gurke. Logisch, dass da die anderen Männer, die beruflich anderweitig orientiert waren, nachziehen mussten. Und so gab es bald auch Stoffhosen mit massiver Rohrverstärkung. Ende des 16. Jahrhunderts verschwand der Blickfang aus der Mode und ward nie wieder gesehen. Deshalb müssen heute lebende Anhänger dieser Fetisches auch ziemlich kreativ werden (oder sich einfach einen Porsche kaufen). Sollten Sie, liebe Leser, mal einen Mann in Ritterrüstung durch die Innenstadt stapfen sehen, loben Sie ihn bitte unbedingt für seine mächtige Schamkapsel. Das macht ihn sicher glücklich.
Die Fokussierung auf bestimmte Körperteile wie Beine, Füße, Brüste, Achselhöhlen, Hüftknochen, Hinterteile oder Ohren erklärt sich hingegen von selbst. Na ja, vielleicht nicht so ganz. Psychologen streiten bis heute darum, wie speziell diese Sehnsucht nach ausgewählten Regionen des Körpers zustande kommt. Eine beliebte Theorie ist jene, die besagt, dass dem Fetischisten sein Ziel aller Träume als Kind zu früh entrissen wurde. Bei der Brust durchaus nachvollziehbar, bei Achselhöhlen bedarf es allerdings schon eines gewissen Maßes an Fantasie. Und wer leidet schon Höllenqualen, weil Mama ihre Ohren immer hinter ihrer blonden Mähne versteckt hat? Und vor allem, was kann man mit den Lauschlappen schon groß anstellen? Obwohl, das wollen wir vielleicht lieber gar nicht so genau wissen.
Manch ein Menschenkind konzentriert sich lieber auf den handwerklichen Bereich, wo damit nicht unbedingt die Sado-Maso-Schiene gemeint ist. Vielmehr lieben diese Exemplare bestimmte Stoffe, die gemeinhin eher im Werkunterricht zu vermuten sind. Zum Beispiel Holz, ein wirklicher schöner Rohstoff, der bei manchen Mitbürgern allerdings erotische Synapsen zum Vibrieren bringt. Die Ausgestaltung ist auch hier mannigfaltig, manche fühlen sich bei einem simplen Waldspaziergang wie im Mittelpunkt einer römischen Orgie. Andere wiederum brauchen das Holz möglichst nah an ihrem Körper. Zu diesem Zwecke begeben sie sich in die Garage oder in den Bastelraum und sägen sich mal eben das passende zurecht. Unterhosen und Strümpfe dürften selbst für geschickte Bastler ein wenig schwierig werden, aber andere Accessoires wie Krawatten, Broschen oder Knöpfe sind machbar. Apropos Knöpfe, es gibt wohl auch eine kleine Gruppe von Männern, die darauf steht, sich Knöpfe unter die Vorhaut zu schieben, um dann zu onanieren. Wunder der Evolution!
Ein weiterer beliebter Werkstoff ist Gips. Wo andere Menschen froh sind, die Notaufnahme nur aus der Entfernung sehen zu müssen, schmieren sich diese Kandidaten mit Wonne mit diesem Mineralstoff ein, lassen ihn aushärten und marschieren damit in der Öffentlichkeit umher, damit sie geil werden. Andere wiederum lieben nur das Gefühl des feuchten Gipses an ihren Händen oder unterhalb der Gürtellinie und schütten sich regelmäßig eine Portion in den Schritt. Ob das Aushärten und Abziehen dabei ebenfalls Lust erzeugt, wird wieder von Einzelfall zu Einzelfall entschieden. Zumindest wäre es mal interessant zu erfahren, wie viele solcher Gips-Fetischisten wirklich Ärzte oder Krankenschwestern geworden sind. Oder Stuckateure.
Ein bisschen schwieriger gestaltet sich das Leben für Menschen, die sich selbst als «Amelos» bezeichnen, wobei der Klang dieses Wortes skurrilerweise schon in die richtige Richtung deutet. Und nein, es handelt sich dabei nicht um die Pazifisten (auf die Betonung achten), sondern um Damen und Herren, deren sexuelle Präferenz es ist, sich zu gehandicapten Personen hingezogen zu fühlen. Und zwar solchen, denen Gliedmaße fehlen. Deshalb wird diese Neigung auch Amputationsfetischismus genannt. Nun gibt es auf der Welt leider (oder gottlob, je nach Sichtweise) eine ganze Menge Menschen, denen eine Hand, ein Arm, ein Bein oder noch mehr abhanden gekommen ist. Aber viele dieser Amputierten finden es irgendwie gar nicht schmeichelhaft, wenn sie und ihre sexuelle Anziehungskraft ausschließlich auf etwas reduziert werden, was gar nicht (mehr) da ist. Deshalb kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen «Amelos» und Gehandicapten, auch wenn es auf der anderen Seite durchaus erfüllte Kooperationen und/oder Beziehungen gibt. Wer keine Geduld oder keinen Mut hat, sich auf dem Markt der Kriegsversehrten oder in der Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses umzuschauen und jetzt sofort ganz dringend eine Amputation benötigt, der greift mal eben zur Laubsäge und erledigt das an sich selbst. Ja, auch diese Fälle sind bekannt. Der Nachteil an dieser Methode: Wer auf gekappte Hände oder Füße steht, hat maximal vier glückliche Momente, danach geht das Material aus. Und da Menschen keine Eidechsen sind, deren Schwanz nach Abwurf von alleine nachwächst, war es das dann für immer. Eine ziemlich anstrengende Präferenz mit nicht zu unterschätzendem Schmerzpotenzial.
Dann doch lieber einen nachhaltigen Rohstoff zu seiner Gottheit erklären, wie wäre es zum Beispiel mit Schweiß? Was kann es Heißeres geben, als im Hochsommer mit Skiunterwäsche, in Daunenjacke und gefütterten Stiefeln durch die Altstadt zu latschen und sich an der eigenen Marinade zu erfreuen? Für die meisten Menschen eine ganze Menge, aber auch der Wärmefetisch hat seine Anhänger. Wenn sich der Nachbar eine Sauna ins Bad einbauen lässt, muss das also nicht zwangsläufig etwas mit einem Gesundheitsfimmel zu tun haben. Vielleicht möchte er oder sie auch einfach nur durchgehend vor sich hin saften. Selbiges geht natürlich auch in der überfüllten U-Bahn, wobei wir uns dann schon wieder im Bereich zweier anderer Fetische bewegen. Der Toucheurist liebt es, Fremde zu berühren, die ihre Einwilligung dazu nicht gegeben haben. Wer sich dem Frotteurismus hingibt, geht noch einen Schritt weiter. Hier geht es darum, den eigenen Körper an den erogenen Zonen des Gegenübers zu reiben, sich quasi in den siebten Himmel zu schubbern. Allerdings auch ohne Genehmigung des Reibesubjektes. Eine ganz schön gefährliche Neigung, denn gerade in der U-Bahn oder im ausverkauften Stadion ist nicht immer zu erkennen, ob der 150-Kilo-Klops neben der ausgewählten Dame nicht doch zufällig ihr Lover ist, der es minder unterhaltsam findet, wenn dahergelaufene Frotteuristen sein Schätzchen als Rubbellos missbrauchen. Ein Besuch im Zoo erscheint da doch schon viel entspannter. Obwohl das auch nicht für jeden Menschen gilt. Gewisse Gruppen werden an diesem Ort, wo die Paviane ihre nackten Hintern präsentieren als wären sie Tapferkeitsmedaillen aus dem Afrikafeldzug oder die frechen kleinen (vierbeinigen) Luder aus dem Streichelzoo keck durch das Gatter lugen, ganz hibbelig und wollen den Viechern ans Fell. Zoophilie oder Sodomie ist per Definition streng genommen kein Fetisch, sondern eine Paraphilie, wobei die Grenzen da mittlerweile verschwimmen. So oder so, die Leberwurst im Schritt, damit Hasso schwanzwedelnd beigeht, ist ganz schön harter Tobak. Deshalb hat die erfindungsreiche Sextoy-Industrie da ein paar Angebote. Wer will, kann sich eine aus Gummi nachgebildete Wildschweinschnauze in der richtigen Höhe an die Innenwand seiner Duschkabine pappen. Ganz mutige wählen das Modell «Rüssel des afrikanischen Elefanten» und erleben einfach mal nach, wie sich Dönerfleisch am Spieß fühlen muss. So genannte «Petplayer» wiederum benötigen keinen sexuellen Kontakt zu Tieren, sie wären einfach nur selber gerne Pferd, Hund oder Ameisenbär und (ver)kleiden sich entsprechend. Ernst wird es nur bei denen, die unbedingt ein Schlachtschwein sein wollen und sich bei ihren Sessions extreme Wunden zufügen lassen, um sich möglichst authentisch in die Welt des Fleischgroßhandels einfühlen zu können. Ob diese Menschen alle vegetarisch oder vegan leben, ist nicht belegt. Aber es wäre zumindest nachvollziehbar.
Der Verfasser dieser Zeilen hält von alledem im Übrigen nichts, sondern präferiert den simplen, gewöhnlichen Sex. Immer sonntags ziehe ich mir mein Robbenkostüm aus Naturfell über, füttere meine Schnappschildkröten mit Granufink (die wollen das doch auch) und lasse mich dann von meinem asexuellen Nachbarn in gebrauchte Frischhaltefolie einwickeln, während im Fernsehen zwingend ein alter Film mit Theo Lingen laufen muss. Ach ja, Normalität kann so entspannend sein.
COSETTE Die Beobachterin
Es war schwül im Kleinen Wiener Café an diesem Samstagnachmittag. Die Sonne strahlte durch die Fensterfront in den Raum und erhitzte die kaffeegetränkte Luft. Zigarrenduft schwebte träge zu Elfie, die wie immer am ersten Tisch neben der Eingangstür saß. Die anderen standen einfach zu eng beieinander, so dass die Stühle der jungen Frau den Weg versperrten.
«Guten Tag», sagte die Kellnerin lächelnd. «Einen Moccachino?»
Elfie nickte. «Ja, danke, Vera.» Moccachino war zurzeit ihr Lieblingskaffee. Der starke Geschmack des Moccas bildete mit der milden aufgeschäumten Milch einfach die perfekte Kombination, fand sie.
Plötzlich holte Vera ein Schild aus ihrer Kellnerschürze und tauschte es gegen das Reserviert-Schild aus.
«Reserviert für Elfie Gantner», las Elfie. Sofort schoss ihr das Blut in die Wangen. «Oh, wie nett», stammelte sie und sah der Kellnerin nach, die zur Theke ging und den Moccachino holte. Nun wusste jeder im Café ihren Namen. Das war ihr gar nicht recht, aber diese freundliche Geste konnte sie kaum abwehren.
Vera kam zurück und stellte den Moccachino auf den Tisch. «Sie kommen schon so lange zu uns. Da haben Sie ein eigenes Schild verdient.»
«Danke», brachte Elfie mit unsicherer Stimme hervor. Eigentlich wollte sie lieber anonym bleiben, doch dies war der einzige Tisch im Café, an dem sie sitzen konnte, und so war sie froh, dass die Kellner ihn jeden Samstag um 16 Uhr für sie reservierten.
Um die peinliche Situation zu überspielen, löffelte sie Zucker in ihren Kaffee und trank einen Schluck. Herrlich warm floss er ihre Kehle hinunter. Der starke Geschmack blieb auf ihrer Zunge haften, wie ein Nachglühen. Elfie empfand dies fast als sinnlich. Zufrieden lehnte sie sich zurück und beobachtete erleichtert, wie Vera sich um andere Gäste kümmerte.
Das Café war recht leer. Die meisten der kleinen, runden Caféhaustische standen verwaist. Am Fenster saß ein Mann mit Nickelbrille, vertieft in eine Tageszeitung. Zwei ältere Damen hatten auf Hockern an der Theke Platz genommen und plauschten angeregt. Fast gegenüber von Elfie saßen ein Mann und eine Frau. Ein hübsches Paar, doch irgendetwas war seltsam an ihnen.
Nie hatte Elfie einen besser angezogenen Mann gesehen. Er trug einen dunkelgrauen Anzug, mit passendem anthrazitfarbenem Hemd, keine Kravatte, dafür stand der oberste Knopf offen, so dass Elfie seinen braungebrannten, schlanken Hals sehen konnte. Sie ertappte sich dabei, wie sie sich vorstellte, ihre Nase gegen seine warme Haut zu drücken. Ob er gut roch?
Die brünette Frau dagegen trug eine weiße Bluse, deren erste Knöpfe einladen offen standen. Ihre prallen Brüste boten sich wollüstig an. Sie wurden durch einen BH hochgepusht, dessen weiße Spitze durch den Stoff schimmerte. Offensichtlich umschloss der BH den Busen nur zur Hälfte, denn die Brustwarzen zeichneten sich deutlich auf der Bluse ab. Auch ihr Rock war sehr knapp bemessen. Er umspielte in dunkelblauen Falten die schlanken Oberschenkel der Frau. Elfie erinnerte das Auftreten der jungen Frau an ein Schulmädchen, obwohl sie viel zu alt war, um noch die Schulbank zu drücken. Doch sie besaß das gleiche schüchtern-verschmitzte Lächeln, das Teenager trugen, wenn sie in ihrer Selbstfindungsphase hin und her gerissen waren zwischen keckem Auftreten und scheuer Zurückhaltung. Elfie konnte sich mit der Brünetten identifizieren! Sie fand die Fremde jedoch viel hübscher als sich selbst und beneidete sie um ihre Kurven, doch sie war unpassend gekleidet für einen Café-Besuch. Was mochte sie hierher führen?
Während ihr Begleiter für sie mitbestellte, senkte die Frau immer wieder verlegen den Blick. Elfie wunderte sich. Konnte sie nicht sprechen? Doch, offensichtlich schon, denn der Mann sagte etwas zu ihr und sie schaute ihn daraufhin flehend an und schien ihn leise anzubetteln.
Da raunte er so laut, dass Elfie es hören konnte: «Spreiz die Beine, Serva!»
Elfie blieb fast das Herz stehen. Hatte sie richtig gehört? Einige Sekunden lang trafen sich Elfies und Servas Blicke. Elfie lief blutrot an, doch Serva lächelte plötzlich verschmitzt und zwinkerte ihr zu.
Schließlich senkte die Brünette demütig den Blick und öffnete die Schenkel. «Wie Ihr wünscht, Herr.»
Elfe sah, dass die Lippen der Frau genauso prall und rot waren, die die ihres Mundes. Ihre Scham war rasiert, entblößt. Elfie fand, sie sah schutzlos aus, ja, diese Bezeichnung traf es genau.
Nun sah auch der Mann zu Elfie hinüber. Sein Blick war verklärt, fast geheimnisvoll, dann lächelte er mit einem Mal. Elfie hatte das Gefühl, als wüsste er um die Erregung, die langsam in ihr aufstieg. Seltsamerweise ließ sie das wohlig erschaudern. Gleichzeitig fühlte sie sich dem Fremden ausgeliefert. Sie mochte es nicht, durchschaut zu werden. Daher versuchte sie, ihr Interesse zu bremsen und rührte krampfhaft in ihrem Moccachino. Sie trank einen Schluck und spürte, wie der starke Kaffeegeschmack mit der aufgeschäumten Milch auf ihrer Zunge verschmolz und dann warm ihre Kehle hinunterfloss. Selbst das hatte etwas Sinnliches in diesem Augenblick. ‹Was ist nur mit mir los?›, fragte sich Elfie und erschrak. Sie schaute auf die Stöckelschuhe von Serva, bereit ihren schlanken Beinen nach oben zu folgen, um... Nein! Sie durfte fremde Menschen nicht beobachten, die etwas Intimes taten. Aber wollten der Fremde und Serva das nicht sogar? Weshalb sonst taten sie solch ungewöhnliche Dinge an einem öffentlichen Ort?
Elfie zuckte zusammen, als Vera an ihren Tisch trat. «Der Herr dort drüben am Tisch lädt Sie zu einem zweiten Moccachino ein», sagte die Kellnerin und stellte die neue Tasse ab. «Ist das nicht nett?» Dann verschwand Vera wieder hinter der Theke, um Gläser zu polieren.
Elfie leerte ihre erste Tasse und bemerkte, dass ihre Hand leicht zitterte. Sie war hin und her gerissen zwischen Wut und Dankbarkeit. Sollte der Moccachino etwa ein Mitleidsgeschenk sein? Ihre Hand umgriff den Rand der Tischplatte und Elfie blickte zu ihrem Gönner hinüber.
Aber der geheimnisvolle Mann nickte oder lächelte nicht. Er sah Elfie nur durchdringend an. Dann rührte er langsam, ja, fast erhaben, mit dem Löffel in seiner Tasse und widmete sich ganz dieser Bewegung, als gäbe es nichts Wichtigeres auf dieser Welt. Elfie vermutete, dass es ebenfalls ein Moccachino war. Seiner Gespielin hatte er rein gar nichts bestellt.
Der Fremde zog etwas aus der Servas Umhängetasche. Es war eine Tube. Wärme-Salbe stand mit großen Buchstaben darauf. Verwirrt beobachtete Elfie, wie er den Verschluss abdrehte. Serva dagegen schien zu ahnen, was auf sie zukommen würde, denn sie rutschte unruhig auf ihrem Platz nach vorne und wieder zurück. Immer wieder flüsterte sie ihrem Herrn etwas mit ängstlicher Miene zu, doch er ignorierte sie einfach. Anstatt zu antworten, nahm er eine Serviette und presste einen Salbenstrang darauf. Seine Augen funkelten, als er die Serviette in die Hand nahm und seinen Handrücken unter dem Tisch auf Servas entblößtem Oberschenkel ablegte. Er schaute für einen Moment Elfie an. Sie versuchte seine Gedanken, die Gefühle von seinem Gesicht abzulesen, doch das war unmöglich. Er sah emotionslos, fast hart aus. Aber genau diese Kühle brachte Elfie zum Schwitzen. Sie nahm ihre Serviette und wischte sich über die Stirn. Mitten in der Bewegung hielt sie inne. Sie hielten beide eine Serviette in der Hand. Sie tranken beide Moccachino. War der Kaffee eine Einladung gewesen, das Spiel zu beobachten? Indem sie die Serviette genommen hatte, hatte sie ihm gezeigt, dass sie dem Spiel folgte, sehr aufmerksam, und innerlich mitspielte.
Der Fremde löste sich von Elfie und blickte Serva tief in die Augen. Diese schaute zuerst ängstlich zurück und senkte dann demütig den Blick. Dann rieb der Mann die Wärme-Salbe auf ihre äußeren Schamlippen, ohne Serva aus den Augen zu lassen.
Elfie war fasziniert und angewidert zugleich. Sie wollte schreien: «Schau hin, was du tust, sonst reibst du ihr die Salbe auf die Klit und sie wird das Café zusammen schreien vor Schmerzen», doch sie brachte keinen Ton heraus. Stattdessen beobachtete sie, wie Servas Scham binnen weniger Sekunden leuchtend rot wurde. Die Wärme-Salbe pumpte Blut in Servas Unterleib. Die Gespielin krallte mittlerweile ihre Hände in den Faltenrock. Dann lehnte sie sich ruckartig nach vorne, halb über den Tisch, so dass ihre prallen Brüste fast aus der Bluse hüpften und stöhnte leise. Sie biss sich auf den Zeigefinger. Tränen füllten ihre Augen. Mit Mühe sprach sie: «Ich danke Ihnen, Herr, dass Sie mir die Großzügigkeit Ihrer Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.»
Elfie war schockiert. Der Fremde weidete sich an Servas Qualen. Warum ließ die junge Frau sich freiwillig quälen? Wieso ordnete sie sich ihm unter? Verdammt, weshalb schlug sie ihm nicht ins Gesicht, sondern bedankte sich auch noch? Aber noch mehr entrüstet war Elfie über ihre eigene Reaktion. Sie fühlte sich so sehr zu dem mysteriösen Mann hingezogen, wie noch nie zu einem Menschen! Sie spürte eine ungeahnt starke sexuelle Faszination, wie Elfie sie bisher nicht gekannt hatte!
In Gedanken verschmolz Elfie mit Serva. So viele Jahre war sie nur Beobachterin gewesen, dass sie das Beobachten perfektioniert hatte. Und nun genoss sie es, mit weit gespreizten Schenkeln in einem Café zu sitzen und die Zähne zusammenzubeißen, weil ihre Scham brannte, wie Feuer. Welch bittersüße Illusion!
Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte Elfie, wie der Mann am Fenstertisch auf Serva aufmerksam wurde. Er starrte ihr pralles Dekolletè an. Nervös kratzte er sich an der Nase, rückte die Nickelbrille zurecht. Dann verschwand seine Hand unter dem Tisch und Elfie hörte Stoff rascheln. Wahrscheinlich vernahm sie es als Einzige, denn sie war nicht nur eine gute Beobachterin, sondern auch Zuhörerin. Wenn man selbst nichts erlebt, von dem es zu erzählen lohnt...
Angewidert drehte sich Elfie fort. Was für ein schmieriger Kerl! Doch seltsamerweise erregte sie der Gedanke auch, Spielball der Männer zu sein und Lustobjekt. Die meisten Männer ignorierten Elfie, als wäre sie keine Frau, sondern ein Ding, unwichtig. Dabei wünschte sie sich nichts Sehnlicheres, als mit ihrer ganzen Weiblichkeit wahrgenommen zu werden.
‹Das ist alles nur dieser Makel Schuld›, dachte Elfie tieftraurig, während der Mann am Fenster sich erhob und auf Toilette eilte.
Servas Herr legte ihr sanft eine Hand auf den Rücken.
Schon richtete sich die Brünette auf.
‹Sie hat das Zeichen verstanden›, ging es Elfie durch den Kopf, ‹gut dressiert›. Sie war sich immer noch nicht klar, ob sie das Spiel abstoßend finden sollte oder sich in Wahrheit danach sehnte, mit der jungen Frau zu tauschen. Aber Letzteres würde eh nie wahr werden. Elfie wollte keine Hoffnung in sich aufkeimen lassen.
Eine Träne rann über Servas Wange. Ihr Herr lächelte und nahm den Löffel. Mit beiden Händen spreizte er ihre Beine, so weit es ging, und strich dann, ohne zu zögern, mit dem Löffel zwischen Servas kleinen Schamlippen hindurch, von hinten nach vorne. Zufrieden grinsend tauchte er den glitzernden Löffel in den Moccachino und hielt ihn danach an Servas Lippen. Die Brünette schüttelte kaum merklich den Kopf.
Auch Elfie war schockiert über das, was sie sah. «Er verlangt zu viel», wisperte sie zu sich selbst, «zu viel.»
Der Mann strich mit der freien Hand über Servas Scham. Kurz verschwand sein Mittelfinger in ihrer Scheide. Er zog ihn heraus und strich die Flüssigkeit auf Servas Wangen, Stirn und Kinn, so dass ihr Gesicht feucht glänzte. Die Frau lief hochrot an. Sie wagte nicht den Blick zu heben, sah weder ihren Herrn, noch Elfie an. Doch die Erniedrigung war nicht genug, um sie dazu zu bringen, ihren eigenen Saft vom Löffel zu lecken.
Elfie schaute zu Vera, die hinter der Theke stand und laut zu telefonieren begonnen hatte. Welch ein Wunder, dass sie nicht mitbekam, was hier vor sich ging! Auch die älteren Damen am Tresen waren zu sehr in ihr Gespräch vertieft, um Servas Qual zu bemerken. Dabei hatte Elfie das Gefühl, als würde der Duft der Schönen das gesamte Café durchströmen, wie die kaffeegetränkte Luft.
Der Fremde säuselte: «Du hast es nicht anders gewollt. Wenn du meine Befehle missachtest, wirst du noch mehr leiden müssen. Ich bestrafe dich nun und ich werde es genießen, dich leiden zu sehen.»
Er holte zwei Dinge aus Servas Handtasche. Dann hielt er eins vor ihre Augen, öffnete es und ließ die Zähnchen aufeinander schnappen.
Klammern! Elfie riss die Augen auf. Ihre Gedanken rasten durcheinander. Was mochte er mit damit vorhaben? Würde er die beiden Klammern an den Schamlippen ansetzen? Würde er damit ihre Vulva auseinander halten, wie ein Vorhang? Oder war gar ihre Klit das Ziel seiner gefährlichen Lust?
Die Brünette sog hörbar Luft ein. Flehend schaute sie ihren Herrn an und sah dabei aus, wie ein kleines Mädchen, das wusste, nun würde eine Tracht Prügel folgen, weil sie unartig gewesen war. Ängstlich blickte sie zu den anderen Gästen und der Kellnerin hinüber. «Bitte, ich flehe Sie an, nehmen Sie die Klammern runter», bettelte sie. «Die anderen könnten sie sehen. Sie könnten uns entdecken. Bitte, das wäre mir zu peinlich. Herr...»
«Dir wäre es peinlich», wiederholte er und zog eine Augenbraue hoch. «Seid wann ist es wichtig, was du willst? Allein mein Wille zählt. Ich kann tun und lassen mit dir, was ich möchte. Du hast meinem Befehl nicht Folge geleistet, also bestrafe ich dich. Aber wenn du die Klammern nicht magst, kann ich dich auch hier und jetzt übers Knie legen und deinen blanken Hintern versohlen oder ich hole die Gerte aus dem Kofferraum.» Schon erhob er sich, um zum Auto zu gehen.
Serva hielt ihn sanft am Arm zurück. «Ich entschuldige mich in aller Form. Es tut mir unendlich Leid. Bitte, Herr, verzeiht mir. Ich habe meine Stellung vergessen. Natürlich, ich gehöre Euch. Ihr könnt mit mir tun, was Ihr wollt. Habt Geduld mit mir. Ich werde mich bessern. Bitte.» Ihre Augen sahen aus, wie die eines scheuen Rehs, so verletzlich, hilflos, so voller Furcht, ihn verlieren zu können.
Er zögerte. Sein Gesicht war wie versteinert. Er rümpfte die Nase, und Elfie hatte Angst, dass er auf seine kleine Sklavin hinunter spucken würde. Ja, eine Sklavin war sie, abhängig, freiwillig hörig, und er ihr Herr.
