Werkstatt für Freimaurer - Rolf Appel - E-Book

Werkstatt für Freimaurer E-Book

Rolf Appel

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Beschreibung

Die hier veröffentlichten freimaurerischen Vorträge von Rolf Appel (1920-2019) bilden nur eine kleine Auswahl. Acht Ordner, alle prallvoll mit Manuskripten, enthalten die vielfältige Gedankenwelt des Autors dieser Sammlung. Seinen ersten Vortrag hielt der damals 31-Jährige, als der damalige Großmeister Theodor Vogel zugegen war. In 94 Logen im In- und Ausland war er ein gefragter Redner, darunter auch in Holland, der Schweiz, Österreich, Lettland und Litauen. Bemerkenswert waren seine Festreden zu den Literaturpreisträgern Max Tau, Lew Kopelew, Reiner Kunze und Arno Surminski. Rolf Appel hat etwa 35 Bücher zum Thema Freimaurerei veröffentlicht und erhielt für seine Verdienste zahlreiche Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften.

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Seitenzahl: 227

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Werkstatt für Freimaurer

Vorträge nicht nur für Meister

Rolf Appel

Inhalt

Vor der Arbeit

Die Freimaurer

Bei den Freimaurern muss die Qualitas klaren Vorrang haben vor der Quantitas

Kann die Freimaurerei heute noch etwas bewirken?

Woher stammt die Freimaurerei?

Lessing behauptete: Freimaurerei war immer – ich frage: Seit wann?

Wenn wir uns redlich plagen, sind wir am Abend da.

Freimaurerei – eine wunderbare Kunst

Freimaurerei – eine Universalreligion?

Ist unsere Loge noch eine diskrete Gesellschaft?

Von der Rückkehr zum Eigentlichen der Freimaurerei

Die Politik wieder zur Moral führen

Das WIE unserer Handlungen ist entscheidend

Mehr Vertrauen und mehr Anstand

Toleranz – Spielraum für das Leben

Lessing und seine Freunde – Herder und Mendelssohn

Der Salomonische Tempel

Die Loge verwirklicht sich im Tempel

Das Unaussprechliche und nur Erlebbare in der Freimaurerei

Das Wahre – mit dem Göttlichen identisch – erkennen wir nur im Symbol

Man entgleitet in eine andere Welt – in welche? Vom Erlebnis des Todes

Über die freimaurerische Auffassung vom Vergänglichen und vom Beständigen

Trauerloge

Rolf Appel

eBook EPUB: ISBN 978-3-96285-138-5

Print: ISBN 978-3-939611-97-4

3. Auflage 2017

Copyright © 2014 / 2020 by Salier Verlag Leipzig

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlaggestaltung: Christine Friedrich-Leye, Leipzigunter Verwendung einer Fotografie von Jasper André Friedrich

Satz: W. H. Jürgen Boll, Hamburg

Layout & Herstellung: Salier Verlag, Bosestr. 5, 04109 Leipzig

www.salierverlag.de

Vor der Arbeit

Die hier veröffentlichten Vorträge sind nur eine kleine Auswahl. Acht Ordner, alle prallvoll mit den Manuskripten einmal gehaltener Vorträge, enthalten die vielfältige Gedankenwelt des Autors dieser Sammlung.

Seinen ersten Vortrag hielt der damals 31-Jährige, als der damalige Großmeister Theodor Vogel zugegen war. Nach der Rede lud der Großmeister den jungen Bruder zu sich nach Schweinfurt ein, wo dieser ein Wochenende verbrachte.

Seitdem hat es stets ein enges Zusammenarbeiten gegeben, und der Großmeister vertraute dem jungen Bruder etliche seiner Arbeiten an.

Als Theodor Vogel im Jahre 1977 zu höherer Arbeit abberufen wurde, schrieb der Autor dieser Vorträge das Buch

Theodor Vogel – Der Einiger der deutschen Freimaurerei.

In 94 Logen hat er seine Vorträge gehalten, darüber hinaus auch noch in Holland, der Schweiz, Österreich, Lettland und Litauen.

Bemerkenswert waren seine Festreden zu den Literaturpreisträgern Max Tau, Lew Kopelew, Reiner Kunze und Arno Surminski.

Aber der Autor hielt auch die Festreden zum 250-jährigen Jubiläum erst der Loge „Absalom zu den drei Nesseln“ dann der Loge „St. Georg zur grünenden Fichte“.

Zum 25-jährigen Bestehen der Großloge AFuAM hielt er ebenso die Festrede wie dazu, dass 200 Jahre zuvor in Hamburg das Logenhaus in der Welckerstraße eingeweiht wurde.

W. H. Jürgen Boll

Hamburg, im Sommer 2013

Die Freimaurer

Es ist viel in diesen Männerbund hineingeheimnist worden, woran die Freimaurer selbst nicht ganz unschuldig waren, pflegten sie bei ihren Zusammenkünften doch ein von der Öffentlichkeit abgeschlossenes Eigenleben, was bei den vor allem aus dem nationalistischen Lager kommenden Gegnern zu der Behauptung führte, es handele sich bei den Freimaurern um einen Geheimbund, dessen Macht über die ganze Erde reiche, und der ein Staat über allen Staaten bilde.

Ein Geheimbund hält seine Ziele, seinen Versammlungsort und seine Mitglieder im Verborgenen. Eine Freimaurerloge dagegen ist entweder eingetragener oder rechtsfähiger Verein, der seinen Vorstand und seine Satzung beim Vereinsregister für jedermann offenlegt, und es gibt eine umfangreiche Literatur, die über den allgemeinen Buchhandel zu erwerben ist, und worin Aufgaben und Ziele der Freimaurer dargelegt werden. Eine Freimaurerloge ist also alles andere als ein Geheimbund.

Was ist nun Freimaurerei?

Das Wort selbst ist eine nicht gerade glückliche Lehnübersetzung des englischen Begriffs freemasonry. Obgleich sich letztlich Freimaurerei nicht endgültig definieren lässt, könnte doch eine Erklärung aus einem alten Handbuch akzeptiert werden:

„Freimaurerei ist die Tätigkeit eng verbundener Männer, die unter Anwendung sinnbildlicher, größtenteils dem Maurerhandwerk und der Baukunst entlehnter Formen für das Wohl der Menschheit wirken, indem sie sich und andere sittlich zu veredeln suchen, um dadurch einen allgemeinen Menschheitsbund herbeizuführen, den sie unter sich im kleinen Kreis der Loge bereits darzustellen versuchen.“

Man könnte auch sagen: Symbolkult und Freundschaftspflege bildet die Aufgabe, die allen Logen in der Welt gemeinsam ist.

Gotthold Ephraim Lessing, am 14. Oktober 1771 zu Hamburg zum Freimaurer aufgenommen, schreibt:

„Die Freimaurerei ist nichts Willkürliches, nichts Entbehrliches, sondern etwas Notwendiges, das im Wesen der Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft gegründet ist.“

Franz Carl Endres:

„Die Aufgabe der Freimaurerei ist es, der Gemeinschaft zu zeigen, was sie dem Individuum schuldet, und den Individuen zu zeigen, was sie der Gemeinschaft schulden.“

Freimaurerei ist somit eine international verbreitete Gesellschaft von humanitärer, der Toleranz verschriebener, auf lebendige Bruderschaft abzielender Geisteshaltung.

Die in der brüderlichen Gemeinschaft – der Loge – in sogenannten „Tempelarbeiten“ gewonnene Selbsterkenntnis schärft zugleich Gewissen und Verantwortungsgefühl gegenüber dem Mitmenschen, wie auch gegenüber Staat und Gesellschaft.

Das Ritual

Das Ritual der Freimaurer, das den Ablauf der Tempelarbeiten bestimmt und das in seinen wesentlichen Bestandteilen überall in den Logen der Welt gleichartig ist, wird als ein dynamisches Symbol des kosmischen Geschehens gedeutet. Das an den Tempelarbeiten teilnehmende Logenmitglied ordnet sich mit Hilfe der Symbole und Allegorien bewusst in die Gesetzmäßigkeiten des Universums ein und soll durch die gewonnene Beziehung lernen, sein Leben in immer zunehmenderem Maße aus einem übergeordneten Bewusstsein heraus zu gestalten.

Ein Beispiel mag das verdeutlichen: Eine wie große Vielfalt steckt in einem Orchester! Jede Instrumentengruppe ist scheinbar nur imstande, sich selbst zu hören: die Ersten Geigen, die Zweiten Geigen, die Bratschen, die Violoncelli, die Flöten und Oboen, die Fagotte und die Kontrabässe, die Klarinetten und die Posaunen, die Trommeln und die Tuba, die Kesselpauke, die Hörner, Triangel, Becken und die Harfe. Welche Vielfalt!

Jede Instrumentengruppe spielt allein das Ihre. Wehe aber, wenn sie ihr Spiel nicht in den Zusammenhang der Orchestergemeinschaft zu bringen versteht. Dann entsteht Chaos und Untergang, dann ist auch das großartigste Notenwerk des Komponisten nichts mehr wert, wenn jede Gruppe ihren Part nach eigenem Gutdünken spielt. Soll Harmonie erklingen, dann hat jedes Orchestermitglied getreu der Partitur seinen Part auf die korrekteste und beste Art zu spielen. Keiner hat das Recht, sich zu vermessen, plötzlich langsamer oder schneller als das übrige Orchester zu spielen oder sich in der Lautstärke eigenwillig über das Orchester zu erheben.

Für jeden gilt: Gib dir Mühe, arbeite an dir und dem dir anvertrauten Instrument, sei fleißig, nutze die Zeit, überwinde deine Schwächen und werde ein Könner!

Unabänderlich ist allein das Notenwerk, die Partitur. Diese und nichts anderes gibt Maß und Richtung. So lernt auch der Freimaurer, sich einzufügen nicht nur in die Gemeinschaft der Brüder, sondern vor allem in die geistigen Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Lebens, der Natur rundum und dem außerirdischen Wirken.

In dem Sinne wird bei den Tempelarbeiten die Welt des früheren Bauhandwerks symbolisch ins Geistige erhoben, und das einzelne Mitglied empfindet sich ebenso als ein Baustein der menschlichen Gesellschaft, wie es selber aufgefordert ist, ständig an diesem Baustein zu arbeiten und ihn immer besser geeignet zu machen für den Bau einer humanitären Gesellschaft, den „Tempelbau der Menschheit“, wie die Freimaurer sagen.

Das Brauchtum

Das Brauchtum der Freimaurer stammt großenteils aus den mittelalterlichen Bauhütten. So werden die Arbeiten in den drei Graden des Lehrlings, Gesellen und Meisters abgehalten und umfassen symbolisch das gesamte Leben des Mannes.

Im Lehrlingsgrad erfolgt die Aufnahme zum Freimaurer. Der Kandidat wird dadurch nicht nur Mitglied seiner Loge, sondern zugleich auch Glied des weltweiten Männerbundes, das heißt, er hat dann Zugang zu allen Logen der Welt. Entsprechend ist er auch überall herzlich willkommen.

Diese emotionale Verbundenheit, diese Verbrüderung hat ihre Ursache ebenfalls in den immer wiederholten Tempelarbeiten. In der Rationalität der Gegenwart, wo fast alles von Wissenschaft und Technik bestimmt ist, scheint die Symbolwelt ferngerückt zu sein.

Ein Freimaurer – wie überhaupt jeder Mensch – bedarf aber der Begegnung mit dem Symbol, weil das Unaussprechliche, das mit dem Intellekt allein nicht Begreifbare durch das Symbol erlebbar wird. Ein jeder Freimaurer hat während der Tempelarbeiten seine eigene Begegnung mit dem Symbol, weshalb es in der Freimaurerei auch keine dogmatischen Festlegungen der Symbole gibt, weil diese dem Einzelnen die innere Freiheit des Symbolerlebnisses nehmen würden.

Das schafft die für die Freimaurer typischen emotionalen Bindungen, nennen wir es besser: Freundschaften.

Die feierliche und beeindruckende Aufnahmehandlung stellt in dem Sinne ein Aufgeschlossenwerden in ein erweitertes Bewusstsein dar. Sie bewirkt nichts weiter als eine intensive Bewusstmachung von bisher nur unklaren Vorstellungen und Inhalten.

Der Kandidat erlebt bei seiner Aufnahme ein Fortschreiten vom Dunkel zum Licht, gleichsam eine Geburt zu einem sittlichen Leben. Dabei wird er den verschiedensten Lebensweisheiten gegenübergestellt und findet sich schließlich in der lichtüberstrahlten Kette der Bruderhände.

Der Gesellengrad setzt die Grundkenntnisse der Freimaurerei voraus und stellt das Mitglied sinnbildlich in die Kette der für die menschliche Gesellschaft nach Recht und Gewissen wirkenden Männer.

Bei der Erhebung zum Meister, wie die Freimaurer es nennen, wird der Kandidat mit der Tatsache konfrontiert, dass zu jedermanns Leben auch der Tod gehört, und Goethes Wort vom „Stirb und werde“ steht im Mittelpunkt der allegorischen Handlung.

Immer wieder wird nach Beschreibung dieser Vorgänge gefragt. Aber der Freimaurer schweigt darüber, weil ein derart tiefes und im Innersten aufwühlendes Erlebnis eben nur erlebt und nicht dahergeplaudert werden kann.

Die Freimaurer verwenden besondere Zeichen, die jedoch keinen praktischen, dafür aber einen symbolischen Wert besitzen. Diese sind bereits vor Jahrhunderten eingeführt worden. Besaßen sie Geheimnischarakter, dann hätte man längst neuere eingeführt.

Im Wesen des Menschen liegt es, seelische Vorgänge durch äußere Erscheinung zur Geltung zu bringen. Kleider waren daher von jeher nicht nur ein Schutz gegen äußere Unwirtlichkeit, sie sollten auch den Träger – sein Inneres, sein Wollen und sein Wesen – deutlich machen. Wer die Trachten der Völker unter diesem Gesichtspunkt studiert, gelangt zu überraschenden Ergebnissen. Zumal die Mitglieder von Gemeinschaften immer großen Wert darauf gelegt haben, sich durch besondere Tracht – zumindest durch ein Bundesabzeichen – von den Nichtmitgliedern zu unterscheiden. Das gilt besonders bei den Freimaurern.

Werkleute tragen bei der Arbeit eine Schürze. Das haben Freimaurer übernommen und tragen bei ihren Tempelarbeiten einen Schurz, eine symbolische Kleidung also. Der Schurz als Bekleidungsstück kommt aber in längst vergangenen Zeiten auch ohne Beziehung zum Handwerk vor, zum Beispiel bei den Essäern zur Zeit Christi. Es ist überliefert, dass dem Novizen bei der Aufnahme ein Schurz überreicht wurde.

Dann tragen Freimaurer bei den Tempelarbeiten weiße Handschuhe. Wie Offiziere im Dienst Handschuhe als Zeichen ihrer Würde tragen, so beweisen die Freimaurer mit ihren Handschuhen die Ehrfurcht, wenn sie in ihren Arbeiten eine höhere Welt suchen. Die weiße Farbe ist für europäische Menschen die Farbe festlicher Erhöhung und heiliger Unschuld.

Jedes Mitglied erhält bei seiner Aufnahme das betreffende Zeichen seiner Loge. Es zeigt oft freimaurerische Symbolik oder hat Bezüge zur Geschichte von Stadt und Land, in dem die Loge wirkt.

Eine Loge wird geleitet vom Meister vom Stuhl oder auch Logenmeister. Er gilt als der erste „Beamte“ seiner Loge. Daneben gibt es, wie in jedem Verein, einen Sekretär oder Schriftführer, einen Schatzmeister und einen oder mehrere Kassenprüfer. Für den rituellen Bereich wählt die Mitgliederversammlung noch weitere Beamte, wie die beiden Aufseher, den Zeremonienmeister, den Redner. Sie alle sind daran zu erkennen, dass sie am blauen Band ein besonderes für ihr jeweiliges Amt typisches Abzeichen tragen wie Winkelmaß, Senkblei, Winkelwaage, Buch, gekreuzte Stäbe usw.

Geistige Grundlagen

Die älteste Urkunde stammt bereits aus dem 14. Jahrhundert und verlangt die Anerkennung und Verehrung eines „Großen Baumeisters aller Welten“ oder des Universums, wie auch gesagt wird. Diese Bezeichnung geht auf biblische Ursprünge zurück, z. B. Hebräerbrief 9.10: „Denn er wartete auf eine Stadt, die einen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.“

In der Freimaurerischen Ordnung, das ist die Verfassung der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (AFuAMvD) heißt es in Artikel 3, Abs, 2:

„Sie sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen ein göttliches Wirken voll Weisheit, Stärke und Schönheit. Dieses alles verehrten sie unter dem Sinnbild des ‚Großen Baumeisters aller Welten‘.“

Die andere wichtige Urkunde sind die vom Referent James Anderson im Auftrage der damaligen Großloge von London verfassten Alten Pflichten von 1723, „entnommen alten Aufzeichnungen der Logen in Übersee, in England, Schottland und Irland zum Gebrauch der Logen in London: vorzulesen bei der Aufnahme neuer Brüder oder auf Geheiß des Meisters“.

Diese Alten Pflichten wurden am 28. Februar 1723 in der Londoner Zeitung Postboy als Neuerscheinung angekündigt und zum freien Verkauf gestellt.

Diese Alten Pflichten legen in ihrem I. und II. Hauptstück die Grundlagen der Freimaurerei zur Religion und zum Staat fest und können nach wie vor als allgemeinverbindlich angesehen werden.

Die Mitglieder

Bei der Aufnahme in den Bund werden nur „freie Männer von gutem Ruf“ berücksichtigt, was auch bedeutet, dass die Freimaurerei als reiner Männerbund aufzufassen ist, was auch der von den Bauhütten her übernommenen Bausymbolik entspricht.

Nach dem III. Hauptstück der Alten Pflichten sind Frauen von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. Bünde mit freimaurerischem Charakter, die Frauen aufnehmen, hat es auf dem europäischen Kontinent immer gegeben, und zwar schon seit dem 18. Jahrhundert. Die nach den alten Regeln arbeitenden Logen und Großlogen lassen zu den „Tempelarbeiten“ keine Frauen zu.

Die Organisation

Die Freimaurer besitzen keine über die ganze Erde reichende, zusammenhängende Organisation. Die Logen innerhalb eines Staates sind in einer Großloge zusammengeschlossen. Eine über allen Großlogen der Welt stehende freimaurerische Führungsspitze – Geheime Obere, wie Ludendorff sie genannt hat – gibt es nicht, das würde auch der inneren Verfassung der Freimaurerei widersprechen. Jede Großloge ist im Bereich des jeweiligen Staates völlig souverän und trifft ihre Entscheidungen unabhängig von den Absichten benachbarter Großlogen.

Die Mitglieder der einzelnen Logen wählen in freier und geheimer Wahl ihren Vorsitzenden, den Meister vom Stuhl, sowie die übrigen Mitglieder des Vorstands, und zwar für eine Dauer, wie es in den jeweiligen Vereinssatzungen durch Mitgliederversammlungsbeschluss festgelegt wurde. Meist läuft die Amtszeit über zwei bis drei Jahre. Bei manchen Logen ist Wiederwahl möglich, bei anderen nicht.

Die Meister vom Stuhl als Vertreter ihrer Logen wählen auf dem Großlogentag, der Jahreshauptversammlung, ebenfalls in geheimer Wahl, den Großmeister. Auch die Großlogen sind eingetragene Vereine oder Körperschaften des öffentlichen Rechts.

In der Bundesrepublik Deutschland bestehen zwei der Öffentlichkeit zugängliche Freimaurer-Museen, das eine in Bayreuth, das andere in St. Michaelisdonn/Dithmarschen.

Die umfangreiche freimaurerische Bibliothek des Bayreuther Museums ist übrigens dem öffentlichen Leihverkehr angeschlossen.

Das Freimaurerische Hilfswerk e.V. der Vereinigten Großlogen von Deutschland – Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband – ist auf caritativem Gebiet tätig. Dessen Unterstützungen fließen aber nicht nur unverschuldet in Not geratenen Mitgliedern zu, sondern auch Nichtbundesangehörigen. Eine Satzung regelt die Vergabe.

Bei großen Katastrophen ist das Freimaurerische Hilfswerk aber ebenfalls tätig geworden, so bei den Erdbeben in Guatemala und in Norditalien, wo eine neu errichtete Apotheke gestiftet wurde (in Osoppo).

Als das damals kommunistische Rumänien von einer Überschwemmungskatastrophe heimgesucht wurde und Hilfe nicht geleistet werden konnte, weil in Rumänien die Freimaurerei verboten war, fragte man bei der Katholischen Kirche an, und die erklärte sich bereit, die Spendensumme auf ihr möglichen Wegen in die Notstandsgebiete zu verbringen. Daneben bestehen zahlreiche Wohltätigkeitsvereine und Stiftungen, und es muss erwähnt werden, dass die Freimaurer bei ihren Zusammenkünften stets für in Not Geratene sammeln. In Hamburg existiert seit 1795 ein heute ganz moderndes Freimaurer-Krankenhaus, das seit kurzem zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz betrieben wird, und dann gibt es dort noch das freimaurerische Elisabeth Alten- und Pflegeheim, das in seiner vorzüglichen Einrichtung bundesweit Modellcharakter besitzt.

Die Freimaurerei in Deutschland

Die seit 1376 belegte Bezeichnung „freemason“ entspricht der deutschen Berufsbezeichnung „Steinmetz“, und das deutsche Wort „Loge“ kommt vom englischen „lodge“ und bezeichnet seit 1278 das den Bauhandwerkern als Versammlungsraum und Werkstatt dienende Holzgebäude, eigentlich die Baubude. Seit dem 15. Jahrhundert bezeichnet sich aber auch die Gruppe der Werktätigen als Loge.

Im Jahre 1717 fand in London der Zusammenschluss von vier Logen zu einer Großloge statt, die dann seit 1725 weitere Logen in England und dann auch auf dem Festland gründete, so auch 1737 die erste Loge auf deutschem Boden, die sich später in „Absalom zu den drei Nesseln“ umbenannte und noch heute in Hamburg existiert. Von ihr gingen dann zahlreiche Logengründungen aus.

Die deutsche Freimaurerei erhielt damals einen großen Auftrieb, als sich im Jahre 1738 der damalige Kronprinz von Preußen, der spätere Friedrich der Große, von eben dieser ersten Loge aufnehmen ließ, übrigens ganz ohne Wissen seines gestrengen Vaters, des Königs Friedrich Wilhelm. Teilweise lag dann in der Vielstaaterei in Deutschland der Grund dafür, dass sich etliche Großlogen im Lande etablierten. Im Jahre 1933 gab es deren zehn, dazu kamen noch zwei „irreguläre“ sowie eine Anzahl unabhängiger Logen von teils beträchtlichen Mitgliedsstärken.

Die völkische Bewegung wandte sich gegen die international eingestellte Freimaurerei, und da die Logen Mitglieder aufnahmen ohne Rücksicht auf deren rassische, politische, berufliche oder religiöse Zugehörigkeit, erklärten die Nationalsozialisten die Freimaurer kurzum für staatsfeindlich, zumal in den Logen natürlich auch Juden Mitglieder waren.

Schließlich hatten alle Logen bis zum Sommer 1935 ihre Tätigkeit einzustellen. Die Logenhäuser wurden beschlagnahmt oder abgerissen, die Vermögen eingezogen, Inventar und Bibliotheken weggenommen. Einige Logen stellten ihre Tätigkeit bereits 1933 von selber ein, weil sie in einem nationalsozialstischen Staat keine Möglichkeit für freimaurerische Betätigung sahen. Die Mitglieder des Bundes wurden verhöhnt und beschimpft als „Judenknechte“ und „Vaterlandsverräter“.

Logenseitig hatte man anfangs versucht, die Staatsführung über die wahren Ziele der Freimaurer aufzuklären, was wohl vor allem deshalb unternommen wurde, um die teils großen Vermögenswerte der Logen zu retten, vor allem die sehr wertvollen Logenhäuser und den Grundbesitz. Das misslang aber.

Die nach 1945 wieder auflebenden Logen schlossen sich unter der dynamischen Führung des Großmeisters Dr. Theodor Vogel zu einer Einigung, den Vereinigten Großlogen von Deutschland, zusammen.

Das Verhältnis zur Katholischen Kirche

Von jeher hat die Freimaurerei den Unmut der Katholischen Kirche hervorgerufen, die zwischen 1738 und 1918 in 12 päpstlichen Stellungnahmen Verurteilungen aussprach und katholischen Freimaurern wegen der „antiklerikalen Ziele“ und der „humanitär-deistischen Weltanschauung“ die Exkommunikation androhte.

Ab 1968 kam es zu einem offiziellen Dialog zwischen den Vertretern dieser Kirche und denen der Vereinigten Groß- logen von Deutschland, von jeder Seite vier. Dieser Dialog endete mit der 1972 von allen Teilnehmern unterschriebenen Lichtenauer Erklärung.

Diese, die zunächst der Glaubenskongregation in Rom vorgelegt und von ihr beraten wurde, gab dann den Anstoß, dass im Kirchenrecht die bisher darin enthaltene Exkommunikation gestrichen wurde und der Begriff „Freimaurer“ überhaupt nicht mehr Erwähnung findet.

In autoritär regierten Ländern ist Freimaurerei nicht nur verboten, sondern auch gar nicht lebensfähig, da sie jeglichen Zwang ablehnt und für die Ausübung der freien Meinungsäußerung eintritt.

Bei den Freimaurern muss die Qualitas klaren Vorrang haben vor der Quantitas

Seit längerem macht sich in der Freimaurerei in Deutschland eine Bewegung besonders bemerkbar: Man drängt in die Öffentlichkeit, will sich rechtfertigen, wo noch unangebrachte Vorurteile herrschen, will aber auch aufklären, will mehr Menschlichkeit und Würde in die Mitwelt bringen und – Männer für die Freimaurerei gewinnen.

Bereits gegen Ende des l8. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts war dieser Drang in die Öffentlichkeit etwas Typisches für die Freimaurer. Man denke nur an Lessing, Herder, Wieland, Matthias Claudius und Bluntschli.

Sogar die Staatsverfassungen wurden damals aufs tiefste mitgeformt durch freigesetztes freimaurerisches Gedankengut. Ich nenne nur die Brüder Freiherr von und zum Stein, Carlo Schmid, Thomas Dehler.

Keine 100 Jahre später hörte dieser Dialog mit der Umwelt auf. Man betonte das Gesellschaftliche und war patriotisch gesinnt; schließlich stand ein Kaiser als Protektor an der Spitze der Brüder.

Wer aber ohne Dialog mit der Umwelt ist, der wird wirkungslos, und die Freimaurerei in Deutschland war zu jener Zeit steril geworden, sie hatte sich in diverse Systeme gespalten – es gab neun Großlogen und drei irreguläre, jede mit eigenem Ritual.

Da konnte die Freimaurerei in den Jahren ab 1933 nur sang- und klanglos untergehen. Trotz einer Mitgliederzahl von fast 80.000 war man in ideologische Richtungen gespalten – von betont deutschnationalem Christentum bis hin zum Pazifismus. Fragen bekennenden Deutschtums und der Regularität waren damals wichtiger als die Ausbreitung von Menschenwürde und Sozialbewusstsein.

In welcher Situation befinden wir uns heute?

Aus der Zerrissenheit zu Beginn des NS-Regimes wurde dank des enormen Einsatzes von Großmeister Theodor Vogel eine einige Freimaurerei in unserem Land. Darauf folgte dann eine hochinteressante geistige Entwicklung, nämlich die zurück zu den ethischen Gedanken der Vorväter, vor allem des Lessing, des Herder und des Friedrich Ludwig Schröder.

Man erkannte, dass eine nur einseitige Individuumspflege dem Zweck der Freimaurerei ebenso entgegengesetzt ist wie eine Loge, die sich abseits der weltweiten Bruderkette nur als humane Alleinveranstalterin für ihre Mitglieder auffasst.

Wir fragen heute nach den Aufgaben als einzelne wie als Logen, und ob wir in der Freimaurerei tragbare Werte besitzen, die mithelfen, das Leben menschlicher zu machen und vertrauensvoll in die Zukunft blicken zu lassen.

Fragen wir zunächst: Welche Werte besitzt die heutige Welt nicht?

Wir leben gleichsam in der Qual moderner Bodenlosigkeit. Zwei verheerende Weltkriege bestimmten das vergangene Jahrhundert, und heute ist der Mensch auf dem Wege, seine Welt selbst vernichten zu können. Illusionen scheinen verloren, aber auch die überlieferten Glaubensüberzeugungen brechen weg. Gleichzeitig nimmt die Erkenntnis zu, dass eine rein materialistische Einstellung und das Gieren nach Macht, Einfluss und Vermögen, keine Grundlage für die Gestaltung künftigen Lebens gewährleistet.

Wir sind Zeugen eines phantastischen Anwachsens wissenschaftlicher Errungenschaften – über die Welt des Makro- wie des Mikrokosmos – und fühlen uns im Innern unbehaglich.

Obendrein nimmt die Überzeugung zu, dass jeder sich nur auf sich selbst verlassen dürfe, wenn er sein Leben meistern wolle.

Auf der Gegenseite wächst die Skepsis, ob der Mensch die ins Immense gestiegenen Probleme überhaupt bewältigen könne. Daher träumen viele von der doch so viel schöner gewesenen Vergangenheit – auch die Freimaurer – oder fühlen sich von der verschwommen-gefühligen Welt vorgeführter Esoterik angezogen.

Die Meinung aber, dass alles schlechter geworden sei, stellt einen Trugschluss dar. Die Menschen und ihre Welt sind nicht schlechter geworden, lediglich die Maßstäbe und die Bedingungen, unter denen unser Leben heute gelebt werden muss, haben sich radikal verändert.

Hastender Verkehr, die bis ins Unterbewusstsein vorangetriebene Art der Werbung und der Medien, das wirtschaftliche Verlangen nach unbedingtem Gewinn, der Einfluss von Fernsehen und Internet, die nicht begreifbare Welt der Genmanipulation, die besonders im Vorderen Orient betriebenen fanatisierten Religionen, aber auch der mangelnde Raum für Muße und Stille, das alles und noch viel mehr ergeben ein beständiges Trommelfeuer auf den einzelnen, dem nur bleibt, sich zurückzuziehen oder sich in eine Gruppe zu flüchten.

Der Computer ist der verlässlichste Mitarbeiter, selbst der Arzt stellt nach ihm seine Diagnose. So ist der Mensch dabei, sich selbst aus seiner Arbeitswelt zu verdrängen, oder er wird zu Tätigkeiten geführt, die ihn nicht befriedigen. Die Freude an selbstgeleisteter Arbeit ging weithin verloren und ließ Missmut entstehen und die Forderung an den Staat, für Abhilfe zu sorgen. Aber der erweist sich bei der rasanten Entwicklung immer mehr als gelähmt.

Der Apparat vermag mehr zu leisten als das menschliche Gehirn, das ihn erfand – und das kann in eine totale Kollektivierung führen.

Wenn wir Freimaurer den Forderungen des 21. Jahrhunderts nur mit dem Idealismus des 19. Jahrhunderts begegnen wollen, dann stellen wir uns selbst in Frage und sind den Aufgaben von Gegenwart und Zukunft nicht gewachsen. Hinzu kommt, dass nicht nur der islamistisch bestimmte Mensch seine Tiefendimension weithin verloren hat, auch der westliche Mensch ist stark davon betroffen. Eine Säkularisierung von Recht, Politik und Kultur hat sich vollzogen.

Zwar hat die Trennung geistlicher und weltlicher Gewalten eine dynamische Kraftentfaltung und als Folge eine nicht ungesunde Gärung in der Gesellschaft ausgelöst, aber sie rief zugleich beträchtliche Unsicherheit und Standpunktlosigkeit hervor. Und die Bindung an das Gewissen, die einmal entscheidenden Charakter besaß, ist mehr und mehr am Schwinden.

Wir haben uns zwar die Welt untertan gemacht, aber dem Menschen ist dabei die für ihn nötige Tiefe verlorengegangen, und mit dem Verlust der Tiefendimension ging auch die Welt der Symbole unter.

Während einst die Entscheidungen und die zu bewältigenden Aufgaben im Rahmen von Recht, Gewissen und Gottesfurcht aufgefasst wurden, so besitzen heute die motorische Wirtschaft und die Wissenschaft und auch die Politik längst ihre Eigengesetzlichkeit und lassen sich durch moralische Erwägungen kaum beeinflussen.

Und das alles hat zu Unsicherheit beim einzelnen Menschen geführt, und in der Bewertung von gut und böse, von richtig und falsch ist man zunehmend unsicherer geworden.

Während noch die Väter ein teils recht unerbittliches Maß besaßen für die Dinge dieser Welt, so besitzen wir zwar unabsehbare Möglichkeiten, spüren aber immer mehr den Verlust eines Fundamentes, auf dem sich erst ein sittlich sicherer Standpunkt errichten lässt.

Wenn diese Entwicklung – und sie wird weitergehen – nicht eines Tages zu Chaos, Verzweiflung und Flucht aus der Wirklichkeit führen soll, dann muss der Mensch sein Leben zu einer Einheit innerhalb eines geordneten und befriedigenden Ideensystems zusammenschließen, und dieses Ideensystem, das sich auf die Einsicht in das Wesen des Menschen und seine Beziehungen zur Umwelt gründet, das ist die Humanität. Sie hat in der Freimaurerei und in der recht gehandhabten Logenarbeit ihren Platz.

Wonach verlangt denn die Menschheit um uns her!?

Tragen wir Brüder diese uns anvertrauten Werte in unsere Umwelt! Beweisen wir uns in der Welt als Freimaurer – nicht mit Worten, sondern mit Taten. Die allein sind der Ausweis für unsere Daseinsberechtigung!

Nur durch das Medium großer Künstler erfahren wir unsere Wirklichkeit. Es bedarf gleichsam der Mittler, um zu den Dingen in Beziehung zu treten. Es drängen sich Gedanken und das Wollen zusammen, und sie rufen uns immer erneut und lassen nicht los und werden endlich zum Handlungsmotiv.

Künstler spüren diesen Druck, bis sie sich endlich durch das geschaffene Werk befreien konnten.

So soll es auch bei den die Königliche Kunst betreibenden Brüdern sein, indem sie einfach ausleben müssen, was sie bei den Tempelarbeiten in sich aufnahmen und verarbeiteten. Es geht dabei weniger um die Worte, sondern um die erlebten Symbole und Allegorien, in denen sich unser nicht weitersagbares Geheimnis verbirgt.

So liegt in unserer Königlichen Kunst etwas Prophetisches, weil sie auf etwas hinweist, was sich erst in der Zukunft verwirklichen lassen wird.

Bert Brecht sprengte es seinen Zeitgenossen in die Ohren, dass auch der Geknechtete, der Heruntergekommene ein Mensch sei, und dass ein Schwacher nur schwach ist, weil ein Starker es so will. Auch der Heruntergekommene besitzt ein Recht auf Leben.

Ernest Hemingway verlangte vom Menschen einen Verhaltenskodex, wonach moralisch nur das ist, wenn er sich anschließend innerlich wohlfühlen könne, wobei er aber an sich selbst den strengsten Maßstab anzulegen habe.

Albert Camus erblickte den einzigen Sinn in einer für das menschliche Dasein immer sinnloser werdenden Zeit, wenn man die Humanität wirklich auslebt.

Oder der Freimaurer Georg Büchner, der zum Sturm aufrief, um die Menschen des „vierten Standes“ zur Menschenwürde zu befreien.

Diese vier trugen ja nicht nur Gesellschaftskritik vor, sie boten auch die Lösung an: Ehrfurcht vor dem Leben, denn alles verkündet auf seine Weise von der Kraft des Schöpfers, jenes Ewigen; wir sagen: des „Großen Baumeisters aller Welten“. Ihm und seiner Schöpfung gebührt Ehrfurcht. Das sollte in jeder Tempelarbeit spürbar werden.

Bitte keine Verurteilung eines anderen, bevor man nicht bei sich selbst bemüht war um eigene Erkenntnis. Ehrfurcht vor dem Leben auch gegenüber dem Gegner, dem Unangenehmen, wie es in der Zauberflöte so treffend heißt: „Und ist ein Mensch gefallen, führt Liebe ihn zur Pflicht!“

Solche Einstellung verschafft Mut zum Leben, selbst ein großer Verlust kann durch die Art, wie er getragen wird, zur Würde, zum Sieg der Menschlichkeit werden.

So können unsere Tempel Stätten des Heilens, des Vergebens, des Verbindens sein. Eine Kette von Brüdern braucht solche Kräfte. Erst an sich selbst arbeiten, das ist stets der Anfang. Nicht am anderen, sondern an sich selbst, ja, immer erst an sich selbst! Dann erst können wir wirklich Brüder sein.