2,99 €
Die Zimmer werden hier pro Tag vermietet, aber irgendwie geht es zu wie in einem Stundenhotel. Zumindest taucht gleich nach seiner Ankunft diese Frau auf, die offenbar gewisse Dienste anbietet. Dann kann er sich ruhig einmal etwas gönnen, und die Rechnung kommt anscheinend später.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 38
Veröffentlichungsjahr: 2022
Die Zimmer werden hier pro Tag vermietet, aber irgendwie geht es zu wie in einem Stundenhotel. Zumindest taucht gleich nach seiner Ankunft diese Frau auf, die offenbar gewisse Dienste anbietet. Dann kann er sich ruhig einmal etwas gönnen, und die Rechnung kommt anscheinend später.
Ich wusste schon, was die Leute so über eine Frau wie mich redeten. Anscheinend hatte es sich herumgesprochen, besonders unter Männern, die allein reisten. Ja, ich sollte aufpassen, aber diese Nummer lief doch gut. Dann wollte ich einmal nachsehen, wer da gerade angekommen war.
Es musste gleich dort drüben sein, oder sollte ich nochmals an der Rezeption fragen? Ich blieb stehen, fand einen Wegweiser – und das hier war es. Die Tür ließ sich öffnen, und ich stellte mein Gepäck auf diese Ablage. Ja, das sah nach etwas aus, wo ein Mann wie ich ein paar Tage seine Ruhe haben konnte. Ich schob die Vorhänge zur Seite und blickte von den bewaldeten Hügeln bis zu den schroffen Bergen in der Ferne. Ein bisschen wollte ich vielleicht noch die Umgebung erkunden, bevor es zu dämmrig wurde.
Das Badezimmer musste im Raum nebenan sein, zumindest sah die Tür danach aus. Ich wollte nachsehen – und bemerkte ein Räuspern. Da musste jemand am Eingang sein – und klopfte nun dort an. Hatte ich vorhin an der Rezeption etwas vergessen? Bestellt hatte ich auch nichts – noch nicht. Ich ging hinüber und öffnete die Tür. Da stand eine Frau – und sie war nicht so gekleidet wie sonst die Angestellten hier. Sie hielt etwas in der Hand – etwas zu essen?
„Darf ich hereinkommen?“, fragte sie und machte nur einen halben Schritt in meine Richtung.
„Äh, ja.“
Sie trat ein und stellte einige Sachen auf diesem Tisch ab. Einen Becher und einen Teller. Zuerst warf sie mir einen Blick so wie vorhin der Rezeptionist zu – dann lächelte sie kurz und wurde sofort wieder ernst. Sie trug eine Art dunklen Rock – der irgendwie gewagt war. Was trotzdem ihren privaten Bereich verhüllte, sah für mich noch gewagter aus. So ungefähr ging es auch an ihrem Oberkörper weiter.
Sie blieb in der Nähe des Eingangs und spazierte langsam auf und ab. Als ich einen näheren Blick auf die Sachen warf, blieb sie stehen. Sah wie etwas aus, das ich essen würde.
„Das ist nur so zur Begrüßung“, sagte sie, „Apfelkuchen“.
„Oh, danke sehr!“
Außer mit einem neuerlichen kurzen Lächeln reagierte sie nicht darauf, und ich probierte davon. Ich hatte von ganz anderen Dingen gehört, die es hier geben sollte – aber auch gut. Der Kuchen schien nicht viel mehr als geschnittene Äpfel und ein paar Gewürze zu enthalten und schmeckte umso umwerfender. Aber die Art, wie mich diese Frau ansah und wie sie herumlief … da konnte ich schon etwas kribbelig werden. Sie plante offenbar nicht, zu gehen. Noch einen Schritt machte sie auf mich zu und beugte sich zu mir hinab. Meine Atmung wurde irgendwie schneller.
Schnell probierte ich von dem Getränk, das nach klarem Wasser aussah. War das Mineralwasser direkt von der Quelle? Es prickelte stark, fast wie das Gefühl auf meiner Haut. Was war das genau? Zuerst schmeckte es ein bisschen nach Weißwein, dann … ganz anders. Vielleicht noch eine Spezialität der Gegend hier? Ich nahm einen weiteren Bissen, und sie näherte sich weiter.
„Ich bin hier, um Ihnen, wenn Sie das wollen … Gesellschaft zu leisten“, hauchte sie beinahe. „Oder … um dir …“
Sofort verschluckte ich mich, hustete und bekam wieder Luft. Was denn? Trotzdem atmete ich schneller – und warf wieder einen Blick auf sie. Auch ihre Haarfarbe sah sehr spannend aus. Aber war ich hier wirklich in einem Stundenhotel oder etwas in der Richtung gelandet? Ich hatte es für das übliche Gerede gehalten, auch waren die Preise pro Tag angegeben – aber ja, sehr witzig. Oder sollte das ein ernsthaftes Angebot sein? Klar, ihr Honorar stand dann wahrscheinlich auf der Abrechnung. Als ob ich das nötig hätte!
Sie saß nun direkt neben mir auf dieser sehr weich gepolsterten Sitzbank. War sie angespannt oder ich? Wollte sie gerade ihre Hand auf meine Schulter legen oder wartete sie einfach auf eine Reaktion von mir?
„Ja, danke, das ist alles toll und so“, sprach ich sie an und legte eine Hand auf ihre, „aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob das jetzt …“
Fast augenblicklich sprang sie auf, stellte sich wieder zum Ausgang und sah mich an.
„Oh, wirklich?“, klang ihr Hauchen ein wenig anders.
„Ja, ich meine …“
„Wie wäre es ein wenig später?“
Kurz warf sie mir dieses Lächeln entgegen, das ich zu kennen glaubte. Stille lag in der Luft.
„Vielleicht“, antwortete ich und verzerrte sofort das Gesicht.
„Gerne“, kam es von ihr zurück, bevor sie nach draußen verschwand.
