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Wisst Ihr noch damals in den Neunzigern? Als wir Bravo Hits auf dem Discman hörten und die ersten SMS mit dem Nokia 3210 verschickten? Raider hieß plötzlich Twix (sonst änderte sich nichts) und Bum Bum-Eis durfte an keinem Kiosk fehlen. Als Mädchen trugen wir Tattooketten, Miss Sixty-Jeans und Buffalos, Jungs griffen zu Baggy Pants, G-Shock und Nike Airs. Wir waren neugierig, konsumfreudig und unbeschwert, und die Zeit verging irgendwie langsamer. Jetzt sind die Neunziger zurück! Von Arschgeweih bis Zackenhaarband sind in diesem Buch 99 Dinge versammelt, die uns damals begeistert oder auch genervt haben. Für alle, die Sätze wie „Geh aus dem Internet, ich will telefonieren“ noch im Ohr haben und gerne in Erinnerungen schwelgen.
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Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2017
Johannes Engelke | Karin Weber
Jacob Thomas | Maren Ziegler
WIR KINDERDER 90ER
Alles, was wir damals liebten
(und was uns heute peinlich ist)
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1. Auflage Originalausgabe Copyright © 2017 Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München Umschlag: Uno Werbeagentur, München Umschlagmotiv: FinePic®, München Layout: Anja Laukemper Kö · Herstellung: CB
ISBN 978-3-641-21706-8V001
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Geht es Euch auch manchmal so, dass Ihr Euch mit Freunden zufällig über die Neunzigerjahre unterhaltet und dabei total die Zeit aus dem Blick verliert? So war es auch bei uns. Unzählige gemeinsame Kaffee-, Zigaretten- und Mittagspausen haben wir mit Schulgeschichten und Kindheitserinnerungen verbracht, und dabei abwechselnd geschmunzelt, gelacht oder den Kopf geschüttelt.
Wir vier sind zwischen 1978 und 1986 geboren, und das prägende Jahrzehnt unserer Kindheit und Jugend waren damit die Jahre zwischen dem Mauerfall und der Einführung des Euro. Solange wir zurückdenken konnten, gab es nur Kanzler Kohl, Privatfernsehen war das Nonplusultra, und die beginnende Digitalisierung der Welt nahm langsam an Fahrt auf. Wir kennen beides: sowohl das Gefühl, zum Telefonieren mit Freunden bis zum Abend warten zu müssen, wenn die Minutenpreise endlich günstiger waren, als auch die Freiheit der ersten Handys. Wir trugen Neonzöpfe oder Bandanas, Radlerhose oder Baggypants, unser Lauschgift waren Nirvana, Blümchen, die Fugees, Dr. Alban, Freundeskreis, Scooter oder der Wu-Tang-Clan, und wir aßen im Freibad BumBum und Erdbeerschnüre.
Irgendwann sagten wir uns alle »Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein«, und suchten uns die passenden Trends dieser wilden und ganz und gar nicht langweiligen Dekade aus. Als Kinder des »Jahrzehnts des Individualismus« mussten wir uns ständig abgrenzen und irgendwie besonders sein. Das begleitet uns (und viele von Euch sicherlich auch) teilweise bis heute. Und so kamen bei unseren Gesprächen auch einige ganz typische Neunziger-Grundsatzdebatten wieder auf: Lamy oder Pelikan?, Skateboard oder Inlineskates?, Kelly Family oder Michael Jackson?
Es entstand die Idee, ein Buch über die Neunzigerjahre zu schreiben, ein Sammelsurium von 99 Dingen aus »unserem Jahrzehnt« – für uns und alle anderen »Kinder der Neunziger«.
Als wir die Liste mit unseren Highlights fertig hatten und bestimmen mussten, wer welchen Text schreibt, gab es oft nur ein Entscheidungsverfahren: Schnick-Schnack-Schnuck. Als wir uns später unsere Texte gegenseitig zu lesen gaben, wurde es spannend, wie unterschiedlich wir die Dinge und das gemeinsame Jahrzehnt erlebt hatten – sogar bei so etwas Banalem wie einem Füllfederhalter.
Und auf diese Weise ist ein buntes Durcheinander entstanden, das nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sondern einfach zum gemeinsamen Ein- und Abtauchen in die Neunziger einlädt. Vielleicht findet ihr euch, wie wir uns, in ein paar der folgenden Dinge wieder …
Viel Vergnügen,
Karin, Jacob, Johannes und Maren
* Ein Buch über die Neunziger muss zwangsläufig mit dieser Grußformel beginnen!
Und das digitale Spiel begann …
Von Nintendo 1989 entwickelt, erlangte er seinen Durchbruch Anfang der Neunziger mit den legendären Spielen Tetris, Super Mario und Zelda: der Game Boy. Wir huldigten unserem Alltagsbegleiter mit dem willigen Verprassen unseres Taschengeldes für Spiele (Darkwing Duck, Spider-Man, Batman, später Pokemon) und Accessoires (Hartplastik-Tragetasche, Lichtlupe für nachts unter der Bettdecke, Kamera und Pixelprinter) und widmeten ihm endlose Nachmittage, sonntägliche Oma-und-Opa-Fahrten aufs Land und natürlich lange Sommerurlaube. Die Abhängigkeit von ihm wurde für manche von uns obsessiv und zuweilen sogar destruktiv. Wer mit einem leichten Hang zum Jähzorn ausgestattet war, wurde von einigen Spielen in seiner inneren Balance stark herausgefordert (man denke an diese eine große Schlucht bei Batman). Aber man kam einfach nicht vom Game Boy los.
Der Soundtrack unserer Kindheit klang so: Zuerst das Klicken, wenn die Spielkassette im Schlitz einrastete, dann – klack! – der Startknopf und das Knistern des Bildschirms, gefolgt vom Sound des Nintendo-Logos und schließlich das Erklingen der Spielmusik. Legendär ist der Tetris-Soundtrack, den bis heute immer dann jemand anstimmt, wenn es gilt, einen Umzugswagen mit vielen unterschiedlich großen Kisten zu bepacken.
Mit dem Game Boy zog es uns zum ersten Mal in die Welt der digitalen Spiele, und was in der Pubertät mit LAN-Partys, PC- und Online-Games weiterging, nahm mit dem Game Boy seinen Anfang. Pling.
Das verrückteste Eis, das es je gab
Wenn man nicht schon mit dem ersten Ferientag in Richtung Adria fuhr, war der Ort der größtmöglichen Freiheit das Freibad. Es roch nach fettigen Pommes, Sonnencreme und einem Hauch Chlor. Nackte Füße flatschten über den Beton zwischen dem Springerbecken und der Wasserrutsche. Nochmal rutschen? Oder in den Arschbombencontest einsteigen, der sich am Dreimeterbrett ankündigt? Egal. Weil jeder mal eine Pause brauchte, rannten wir noch klatschnass zum Kiosk. 85 Pfennige kostete es, das verrückteste Eis, das es je gab.
Die durchsichtige Plastikhülle knisterte herrlich beim Aufreißen und endlich hielten wir es in der Hand: das BumBum. Wir mussten aufpassen, dass es uns nicht aus der Hand rutschte, denn der kleine blaue Plastikstiel konnte das Eisungeheuer kaum halten, das uns so herrlich knallrot anlachte. Ein paar Bissen von diesem pappsüßen Etwas und der Zucker explodierte in unserem Mund. Lippen und Zunge glänzten danach in sattem, künstlichem Rot. Doch damit nicht genug: Die blaue, klebrig-glitschige, aber immer hartnäckige Plastikfolie musste vom Stiel abgezogen werden, damit wir den noch halb gefrorenen Kaugummi mit einem Knacken anbeißen konnten. Der verlor zwar schon nach spätestens zehn Sekunden den Geschmack und fühlte sich beim Kauen an wie Gummi, aber das machte gar nix.
Wir wussten damals natürlich noch nicht, dass diese coolste Ikone der Neunziger ihren Namen dem Wimbledon-Doppelerfolg von Boris »Bum-Bum« Becker verdankte und einem Tennisschläger nachempfunden worden war. Es wäre uns auch egal gewesen, denn Tennis war etwas für Erwachsene, die weiße Socken in Sandalen trugen. Doch dieses Eis – dieses Eis war für uns!
Der wohl wertvollste Besitz eines jeden Zehnjährigen
Wir hüteten es wie einen Schatz. Wer protzen wollte, besaß die Version in Din A4, die Stilsicheren unter uns zeigten mit einem kleineren Album Geschmack. Außerdem galt: Je bunter das Heft, desto cooler der Besitzer. Arm dran war, wer von seiner Großmutter ein einfarbiges Exemplar geschenkt bekommen hatte.
Im Gegensatz zum Sammelalbum für Panini-Aufkleber besaß das Stickeralbum eine Kunststoffoberfläche, die es erlaubte, die farbigen Klebebildchen wieder abzuziehen und zu verhökern oder, in den meisten Fällen, zu tauschen.
Wir dealten unter der Sitzbank oder in der Fünfminutenpause, in der sich das Klassenzimmer in einen Schwarzmarkt der Kioskmafia verwandelte. Wer den besten Stoff hatte, war der King. Wortwörtlich: Denn die mit Stoff überzogenen Sticker, auch »Stoffis« genannt, waren selten und daher unsere beste Tauschware. Für einen Stoffi konnten wir problemlos bis zu drei Glitzersticker eintauschen. Wer sich mit seiner Ware nicht auskannte, wurde gnadenlos über den Tisch gezogen. Es konnte vorkommen, dass ein ahnungsloser Tropf einen kostbaren kleinen Fellsticker gegen einen profanen großen Werbeaufkleber tauschte. Dabei wussten wir damals schon alle: Auf die Größe kommt es wirklich nicht an!
»Wer sich mit seinerWare nicht auskannte,wurde gnadenlos überden Tisch gezogen.«
Das perfekte Outfit für den Sommer
Gewagte Farbkombinationen, auffällige Muster und natürlich enganliegend – die Radlerhose. Was mittlerweile in viel dezenterer Ausführung nur noch Hobbysportlern und Radprofis vorbehalten ist, war in den Neunzigern allgegenwärtig. Jeder hatte sie. Ob mit bunten geometrischen Formen oder romantischen Blumenmotiven – die Radlerhose schmückte Kinder-, Frauen- und Männerbeine. Und das längst nicht nur zum Fahrradfahren.
Sobald es wärmer wurde, begleitete uns die kurze elastische Hose mit Gummibund in der Taille überallhin. Ganz egal, ob es in die Schule, in den Park oder zu Oma ging. Die Radlerhose war einfach das perfekte Outfit für jede Gelegenheit: viel Beinfreiheit, kein überflüssiger Stoff und schön luftig. Noch dazu konnten wir durch die fantasievollen und farbenfrohen Muster ein modisches Statement machen.
Unbegreiflich, dass dieses überaus funktionale und zugleich modische Kleidungsstück einfach sang- und klanglos aus unseren Kleiderschränken verschwand, um viel langweiligeren Sommerhosen Platz zu machen. Aber wer weiß – ihre langbeinige Schwester, die Leggins, feierte ja auch schon ein triumphales Comeback …
Der einzig wahre Füller
Uns war schon immer klar: Besitzer eines Füllers, der nach einem Vogel benannt war, hatten offensichtlich selbst einen solchen. Wer wollte schon mit einem Pelikano, diesem altmodisch wirkenden Ding, schreiben, wenn er stattdessen zum Lamy greifen konnte? Wer nicht spätestens in der dritten Klasse den eklatanten Kauffehler seiner Eltern erkannte und durch sanftes, aber beständiges Quengeln korrigierte, hatte den Schuss nicht gehört.
Ein Lamy Safari war nicht nur unglaublich formschön, er eröffnete uns auch Möglichkeiten, langweilige Mathestunden zu überstehen. Wir konnten ihn wunderbar hüpfen lassen. Dazu stellten wir ihn aufrecht und tippten ihn ganz sanft mit den Fingern an. Schon vollführte der einen phänomenalen Salto über den Clip an seinem Deckel. Einfach unbeschreiblich!
Obwohl bereits Anfang der Achtziger entworfen, trat der Lamy Safari seinen Siegeszug erst an, als er in verschiedenen Farben erhältlich wurde. Wie sollten wir uns aber zwischen all den schönen Farben entscheiden? Mussten wir gar nicht. Wer einen Lamy besaß, war Teil einer großen Tauschgesellschaft. Frei nach dem Motto »Sharing heißt Caring« tauschten wir die abschraubbaren Teile untereinander und hatten fortan nicht nur bunte Füller, sondern auch Erinnerungen an unsere besten Freunde. Ein Lamy war kein einfacher Füller, er war ein Freundschaftsfüller. Und deswegen war er der einzig wahre!
Der Minimalist unter den Lernschreibfüllern
Spätestens in der 2. Klasse wurde es schnörkelig: Schreibschrift stand auf dem Stundenplan – und damit das Ganze auch nach etwas aussah, musste ein Füller besorgt werden. Leichter gesagt als getan. Denn die Auswahl war zwar begrenzt, doch die Entscheidung unserer Eltern zwischen Geha, Lamy oder Pelikan führte zu heftiger Lagerbildung im Klassenzimmer. Der »abc« von Lamy war ein grobschlächtiges Ding aus Holz mit kratzender Feder und einem völlig funktionslosen Würfel am einen und einer überdimensionierten Kappe aus Plastik am anderen Ende. Die Gehas mit ihren blöden klecksenden Patronen hatte nur, wer diesen »Pelikano für Arme« von seinen großen Geschwistern geerbt hatte. Der Original-Pelikano war hingegen so etwas wie der VW-Käfer unter den Schreibgeräten. Wegen der metallenen Schutzkappe lag er schwerer in der Hand (besonders, wenn man die Kappe hinten auf den Füller steckte), hatte in den Farbvarianten Blau und Rot eine goldene (wow!) und in den Trendfarben Mint, Pink und Grün eine schwarze (iiih!) Feder sowie ein praktisches Fensterchen im Plastikschaft, um sehen zu können, wann die Tinte alle war. Geschrieben werden durfte allerdings nur in Blau. Spätestens mit dem Wechsel auf die Haupt- oder Realschule oder aufs Gymnasium war dann allerdings der Modernisierungsdruck zu groß: Fast alle von uns besorgten sich dann die Modelle »Joy« oder »Safari« von Lamy. Schade eigentlich, denn an den Pelikano kamen die nicht heran.
Von Ranglisten, Freibädern und Susi und Strolch
Jedes Kind hat eine persönliche Rangliste von Süßigkeiten. Sie wird unter strenger Bewertung unterschiedlicher Qualitätskriterien aufgestellt und ist maßgeblich für das psychologische Glücksgefühl von Heranwachsenden. Die Kriterien dieser Liste sind folgende:
• Geschmack (a)
• Form (b)
• Farbe (c) und
• Preis (d)
Zu vernachlässigen sind Zuckergehalt, Elternempfehlung sowie Tages- und Jahreszeit.
