Woman Down - Colleen Hoover - E-Book

Woman Down E-Book

Colleen Hoover

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Beschreibung

Wenn die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt., weiß keiner, was wahr ist und was Fiktion Die neue Colleen Hoover: »Wohl das Düsterste, was ich je geschrieben habe.«  Der Shitstorm um die Verfilmung ihres Romans stürzte Bestsellerautorin Petra Rose in eine Schreibkrise. Sie hat erlebt, wie es sich anfühlt, wenn sich das Internet gegen einen wendet. Nur mithilfe ihrer Kollegin Nora findet sie allmählich zur Normalität zurück: Sie geht wieder live online und mietet eine abgelegene Hütte am See, um endlich ihren nächsten Thriller zu schreiben.  Dann taucht er plötzlich auf. Detective Nathaniel Saint berichtet von einem verstörenden Ereignis in unmittelbarer Nähe. Er ist das Ebenbild des Cops in ihrem Roman – und heizt Petras Kreativität unerwartet an. Nie hat sie sich lebendiger gefühlt, als wenn er sie berührt. Doch das Spiel, auf das sie sich einlässt, ist gefährlich und bedroht ihre Existenz … - Bestsellerautorin Colleen Hoover is back – mit einem grandiosen Romantic Thriller für alle Fans von ›Verity‹ - Ein cleveres, doppelbödiges Spiel um die Grenzen zwischen Fiktion und Realität und die Suche nach Authentizität  - Tropes: Morally Grey, Forced Proximity, Forbidden Romance, Strong Female Character

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 482

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Über das Buch

Wenn die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt, weiß niemand, welcher Teil der Geschichte wahr ist und welcher erfunden

 

Der Shitstorm um die Verfilmung ihres Romans stürzt Bestsellerautorin Petra Rose in eine tiefe Schreibkrise. Die Empörung, die ihr im Internet entgegenschlägt, zwingt sie dazu, sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Nur mithilfe ihrer Freundin Nora, ebenfalls Autorin, findet sie allmählich zur Normalität zurück: Sie traut sich, wieder online zu gehen, und mietet eine abgelegene Hütte am See, um endlich ihren nächsten Thriller zu schreiben.

Dann taucht er plötzlich auf.

Nathaniel, ein Detective, berichtet von einem verstörenden Ereignis in unmittelbarer Nähe. Er ist das Ebenbild ihres Protagonisten – und heizt Petras Kreativität auf ungeahnte Weise an. Mit jeder seiner Berührungen fällt es ihr leichter, die Szenen auch auf dem Papier lebendig werden zu lassen.

Doch je weiter Petra geht, umso größer wird die Gefahr, sich selbst und alles zu verlieren, was ihr noch geblieben ist.

 

Der neue Romantic Thriller von Weltbestsellerautorin Colleen Hoover

 

 

Von Colleen Hoover ist bei dtv außerdem lieferbar:

Weil ich Layken liebe / Weil ich Will liebe / Weil wir uns lieben

Hope Forever / Looking for Hope / Finding Cinderella

Love and Confess

Zurück ins Leben geliebt – Ugly Love

Nächstes Jahr am selben Tag – November 9

Never Never (zusammen mit Tarryn Fisher)

Maybe Someday / Maybe Not / Maybe Now

Die tausend Teile meines Herzens

Was perfekt war

Verity

Finding Perfect

Layla

All das Ungesagte zwischen uns – Regretting you

Für immer ein Teil von dir – Reminders of Him

Summer of Hearts and Souls

Nur noch ein einziges Mal – It ends with us

Nur noch einmal und für immer – It starts with us

Too Late – Wenn Nein sagen zur tödlichen Gefahr wird

Colleen Hoover

Woman Down

Aus dem amerikanischen Englisch von Katarina Ganslandt und Anja Galić

 

 

 

Für Lauren Levine.

Ohne dich wäre da nur nichts

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

manche von euch werden sich vielleicht noch an die Kurzgeschichte Saint erinnern, die vor einigen Jahren in den USA in der Anthologie One More Step (auf Deutsch im Kurzgeschichtenband Nur noch wenige Tage) erschienen ist. Wer sie nicht kennt, hat mit diesem Buch jetzt Gelegenheit, sie eingebettet in eine weitaus umfangreichere Rahmenhandlung zu lesen.

Saint ist am Leben gehalten worden, weil ich immer wieder gefragt wurde, ob ich aus der Ursprungsstory nicht einen längeren Text machen könnte. Natürlich gibt es für mich als Autorin nichts Schöneres, als zu hören, dass ihr noch nicht genug von den Charakteren habt, die ich erschaffen habe. Also habe ich mich darangemacht, ihnen endlich den verdienten Raum zu geben und die Welt weiter auszuschmücken, die ich in Saint nur grob skizziert hatte.

Seit dem Erscheinen meines letzten Romans It Starts with Us sind mittlerweile drei Jahre vergangen. Während dieser Zeit habe ich Saint zu diesem Roman ausgebaut, aber vor allem auch viel Neues ausprobiert, das nichts mit dem Schreiben zu tun hatte. Ehrlich gesagt brauchte ich eine Atempause, weil mich das, was ich immer am allerliebsten getan habe, zunehmend belastet hat.

Das ungute Gefühl war zum Glück sofort verschwunden, als ich wieder in diese Geschichte eingetaucht bin. Woman Down zu schreiben, hat mir genauso viel Spaß gemacht wie damals bei der Kurzgeschichte. Ich habe jede Sekunde dieser neuen Version genossen. Der Titel ist jetzt ein anderer, ich habe Figuren und Orte umbenannt und neu gestaltet, Szenen und Personen hinzugefügt und kleine Wendungen eingebaut, die in der Kurzform keinen Platz hatten. Mir war wichtig, dass diejenigen, die Saint bereits kennen, trotzdem ein in weiten Teilen neues Buch vor sich haben, das gleichzeitig die Stimmung und den Ton der Kurzgeschichte bewahrt.

Natürlich fließen fast unweigerlich auch persönliche Erfahrungen in meine Texte ein, weshalb bestimmte Themen auf euch womöglich wirken, als wären sie direkt aus meinem Leben gegriffen. Bitte macht euch bewusst, dass dieses Buch – selbst wenn es hier und da kleine Parallelen gibt – weder mein eigenes Leben noch meine eigenen Moralvorstellungen und genauso wenig meine Haltung gegenüber Kolleginnen, Kollegen oder der Book Community widerspiegeln. Dieses Buch ist einfach nur eine spannende Reise, auf die meine Figuren mich mitgenommen haben. Bitte sucht darin keine Bezüge zu meinem Privatleben – es gibt keine. Ich bin einfach nur eine Schriftstellerin, die sich eine Geschichte über eine fiktive Autorin ausgedacht hat, die das Verhalten ihrer Figuren deshalb aber weder gutheißt noch verteidigt.

Es hat mir großen Spaß gemacht, Saint einen neuen Dreh zu geben. Euch erwartet eine schwindelerregende Achterbahnfahrt voller Leidenschaft, Spannung, Sinnlichkeit mit einem Hauch von Gänsehaut. Ich hoffe, ihr habt auch Spaß dabei.

 

Mit viel Liebe

Colleen Hoover

1.

»Hey, hey. Kellie hier, eure Literaturtherapeutin mit Hang zu chaotischer Lebensführung. Willkommen zu einer weiteren Folge von And what now, Readers? – dem Podcast, in dem wir eure liebsten Buchdramen zärtlich sezieren und anschließend mit einer Prise Ironie auf kleiner Flamme rösten.«

»Und ich bin Micah, euer Sommelier für süffigen Gossip aus der Bücher- und Filmwelt.«

»Sommelier?« Kellie lacht. »Du trinkst doch gar keinen Wein.«

»Wer braucht schon Alkohol, wenn man sich an Stoffen wie dem berauschen kann, den wir euch heute mitgebracht haben?«

»Oh ja – wir haben heißen Spice für euch, Leute.«

»Mehr als heiß. Verbrannte Erde pur. Bei uns geht es heute nämlich um Petra Rose, Lieblingsautorin sämtlicher Buchplattformen und Mood-Board-Creators, deren Erfolgsstory im letzten Jahr aber buchstäblich in Flammen aufgegangen ist.«

»Falls ihr diese Entwicklung aus irgendeinem Grund verpasst haben solltet, weil ihr zu intensiv in eurem privaten Feed gescrollt oder, keine Ahnung, zu sehr mit Atmen beschäftigt wart – die Book Community hat sich komplett gegen ihre vor Kurzem noch so vergötterte Queen of Thriller-Romance gestellt. Und zwar heftigst. Mit Fackeln und Mistgabeln«, sagt Kellie.

»Ganz genau. Die internationale Bestsellerautorin von A Terrible Thing …«

»… dem wahrscheinlich unglücklichsten Buchtitel aller Zeiten«, wirft Kellie ein.

»Leider wahr«, stimmt Micah zu. »Es ist, als hätte Petra Rose um diesen Shitstorm gebettelt. A Terrible Thing hat unzählige hitzige Diskussionen zwischen #TeamAsh und #TeamCaleb entfacht und das Fandom in eine Massenhysterie feinster Sorte gestürzt – bis … tja … bis alles auf einen Schlag vorbei war. Kellie, möchtest du den kurzen Recap übernehmen, bevor wir unseren Überraschungsgast ankündigen?«

»Mit Vergnügen, auch wenn er sicher nicht kurz wird. Also, hier für alle Nichtwisser: Gemessen an dem, was teilweise auf dem Buchmarkt erscheint, ist A Terrible Thing gar nicht so schrecklich, sondern ein zutiefst emotionales, stellenweise witziges und wirklich schön erzähltes Buch. Protagonistin Elise setzt sich mit der Liebe, ihren traumatischen Erfahrungen und der Suche nach sich selbst auseinander, und man bekommt ein bisschen von allem – nur keinen Drachen oder Zauberer. Umso erstaunlicher, dass es trotzdem so ein gigantischer Erfolg wurde. Aber hier handelt es sich eben auch nicht um seichte Billigware, sondern um einen Roman mit moralischer Komplexität und Figuren, die echte Entwicklungen durchmachen – kurz: Fanfiction GOLD.«

»Botschaft angekommen. Du mochtest das Buch. Und jetzt zum spannenden Teil bitte.«

»Es war nun mal lange mein Lieblingsbuch«, verteidigt sich Kellie.

»Kann es doch auch bleiben.«

»Nicht nach dem, was passiert ist«, seufzt Kellie. »Okay, also: Dreh- und Angelpunkt der Story ist ein Love Triangle – Elise, Ash und Caleb. Wer die letzten fünf Jahre nicht im Amazonasgebiet verschollen war, hat garantiert schon mal ein Ash/Caleb-Meme gesehen. In sämtlichen Fan-Foren wurde das emotionale Tauziehen zwischen den dreien endlos rauf und runter diskutiert. Aber dann kam die Buchverfilmung.«

Micah stöhnt. »In diesem Fall von einer Buchverfilmung zu sprechen, ist schon gewagt.«

»Dabei hatte der Film wirklich Potenzial und ein Riesenbudget«, sagt Kellie. »Im Vorfeld gab es einen massiven Hype, wobei schon verdächtig war, dass sich Studio und Autorin die ganze Zeit über merkwürdig bedeckt hielten. Außer der Besetzung für zwei der Hauptfiguren drang keine Info über den Cast nach draußen. Über unseren ultimativen Book-Crush Caleb war buchstäblich nichts in Erfahrung zu bringen. Zero. Als dann der Trailer rauskam und seine Figur einfach in keiner einzigen Szene auftauchte, schlugen bei TikTok sofort die ersten Alarmglocken, was die beiden Fanlager natürlich in helle Aufregung versetzte. Trotzdem strömten die Leute erst mal in die Kinos.«

»Besorgte Stimmen gab es nicht nur bei TikTok, sondern auch hier im Podcast. Du hast fast täglich über die Sache gesprochen.«

»Ja klar, ich war schließlich Team Caleb«, sagt Kellie. »Aber dann stellte sich heraus, dass sie ihn einfach aus dem Film RAUSGESCHRIEBEN hatten. Komplett. Das gesamte Liebesdreieck war gestrichen. Die Story drehte sich nur noch um Ash und seine Beziehung zu Elise, und das gefiel den Fans gar nicht. Sie tobten. Selbst die Ash-Unterstützer – die rein gar nichts mehr mit ihrem teuer gekauften Merch anfangen konnten. Team Ash wurde durch dieses groteske Machwerk von Verfilmung in die Bedeutungslosigkeit verbannt, weil es ja keine zwei Lager mehr gibt. Was soll ein T-Shirt mit dem Aufdruck #TeamAsh aussagen? Dass man nicht Team Elise ist? Aber wir sind doch alle Team Elise! Wir wurden verraten, Micah. VERRATEN!«

»Ich kann’s dir so gut nachfühlen«, sagt Micah. »Ich sehe dich förmlich vor mir, wie du im strömenden Regen vor dem Kino stehst und dir die Augen aus dem Kopf heulst.«

»Lass uns nicht über diesen Abend reden. Aber ja, ich war ziemlich aufgewühlt.«

Beide lachen.

»Okay, okay«, sagt Kellie. »Wir wissen alle, wie das in Hollywood läuft und dass die meisten Autorinnen und Autoren – bis auf ein paar wenige glückliche Ausnahmen – keinerlei Mitspracherecht haben, wenn es um die Verfilmung ihrer Bücher geht. In der Anfangsphase hat Petra noch auf ›Ich kann nichts dafür‹ gemacht und bei Insta sinngemäß so was gepostet wie: ›Hey, Besties. Ich hatte keine kreative Kontrolle. Ich bin genauso geschockt wie ihr.‹«

»Was wir ihr sogar abgekauft haben«, sagt Micah. »Jedenfalls ungefähr für fünf Sekunden. So lang, bis – dramatischer Trommelwirbel – ein alter Chatverlauf zwischen ihr und einem der Produzenten geleakt wurde. Petra wusste nicht nur von den Änderungen, sie fand sie sogar gut.«

»Was hat sie noch mal genau geschrieben?«, fragt Kellie.

»Ich hab den Text hier und kann ihn vorlesen«, sagt Micah. »›Ihr habt recht, es gibt da draußen eine Menge Leute, die die Figur auch unrealistisch finden. Von mir aus ist es okay, wenn seine Figur gestrichen wird. Vielleicht ist der Film ohne Caleb und das Love Triangle tatsächlich stärker.‹«

»Der Satz, dass der Film ohne Caleb womöglich sogar stärker wird, hat den Leuten da draußen den Rest gegeben. STÄRKER? Hallo? Man schmeißt nicht die komplette Hälfte eines Fandoms auf den Müll und verkauft das Ganze dann als sinnvolle Aufräumaktion!«

»Die Gegenreaktion folgte dann ja auch prompt«, sagt Micah. »TikTok, Reddit, X – früher mal Twitter, aber seien wir ehrlich, immer noch Twitter – sind total explodiert, man sah überall nur noch Hashtags #CancelPetra, #TerribleMovie, #TerribleAuthor. Deswegen noch mal: Das Ding A Terrible Thing zu nennen, war die unglücklichste Titelentscheidung ever. Die perfekte Steilvorlage.«

»Du sagst es.« Kellie schnaubt. »Mittlerweile gibt es Fans, die ihre Ausgabe von dem schrecklichen Ding verbrennen. Und zwar wortwörtlich. Das ist eine echte Meuterei. Die Leserinnen – mich eingeschlossen – fühlen sich persönlich betrogen. Petra hat uns angelogen. Sie hat sich auf die Seite der Bosse geschlagen, hat den finanziellen Gewinn über die Nähe zu ihren Fans gestellt und die Community, die sie überhaupt erst groß gemacht hat, eiskalt fallen lassen. Sie hat alles ausgelöscht, was wir an diesem Buch geliebt haben. Und dann hat sie versucht, das mit ein paar wenigen schlechten Rezensionen zu begründen, denen Hunderttausende von Leserinnen gegenüberstanden, die das Buch gefeiert haben.«

»Wow. Deine kleine leidenschaftliche Ansprache hat fast dieselbe emotionale Wucht wie die von Caleb aus Kapitel achtundzwanzig.«

»Bitte sprich Kapitel achtundzwanzig nicht an, Micah. Sonst fange ich wirklich gleich an zu weinen.«

»Sorry. Aber was er in der Szene rausgehauen hat, war wirklich großes Kino. Das auf der Leinwand zu sehen, wäre … Hey, an alle Hollywood-Leute, die uns gerade zuhören …«

»Uns hören keine Leute aus Hollywood zu, Micah. Wir haben gerade mal zweitausend Abonnenten.«

»Zweitausend loyale Stammhörer, die wir niemals so schändlich verraten würden wie Petra ihre Leser.«

»Du siehst ja, was für sie dabei rausgesprungen ist. Sie hat sich auf die paar wenigen Rezensenten berufen, deren Meinung vollkommen egal war, und dadurch ihre treuesten Unterstützer verloren. Sie hat uns hängen lassen. Ich frage mich, ob Petra Rose eigentlich jemals selbst an ihre Figuren geglaubt hat oder ob sie sich insgeheim für ihre Bücher schämt.«

»Zumindest verhält sie sich auffallend still«, sagt Micah. »Seit fast einem Jahr hat sie nichts mehr auf Social Media gepostet – jedenfalls nicht öffentlich. Nur ein paar Beiträge in der geschlossenen Gruppe ihres Fan-Clubs.«

»Der auch immer weniger Mitglieder hat, wie man hört. Nicht dass ich das verfolgen würde, ich bin schon vor sechs Monaten aus diesem Club ausgetreten«, sagt Kellie.

»Vielleicht ist ihr Schweigen ja ein Zeichen dafür, dass sie sich gerade intensiv damit beschäftigt, endlich zu lernen, eine Storyline zu schreiben, die sie auch selbst glauben kann«, sagt Micah. »Schon irgendwie verrückt, oder? Ich meine, wir sprechen hier von einer Autorin, deren Fans sich Zitate von ihr in die Haut stechen ließen.«

»Ich hab Reels von Leuten gesehen, die sich ihre Petra-Rose-Tattoos wieder entfernen lassen«, sagt Kellie.

»Traurig. Früher haben wir sie zitiert, jetzt … hassen wir sie.«

»Hass ist ein starkes Wort«, sagt Kellie.

»Das hier ist ein ehrlicher Podcast.«

»Okay. Du hast recht. Wir hassen sie. Und zwar so sehr, dass wir eine Million Hebel in Bewegung gesetzt und drei Interviewpartner auf andere Sendeplätze verschoben haben, um euch heute einen ganz besonderen Gast vorstellen zu können. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, warum er sich bereit erklärt hat, unseren kleinen Podcast mit seiner Anwesenheit zu beehren, aber natürlich freuen wir uns riesig. Vielleicht klettert die Zahl unserer Abonnenten danach ja sogar von zweitausend auf stolze zweitausendundeins.«

»Richtig so. Greif nach den Sternen«, sagt Micah lachend. »Aber jetzt zu unserem Gast. Leute, begrüßt mit uns niemand Geringeren als Allister Jones, Produzent von A Terrible Thing.«

»Nicht dass ich ihm diese Verfilmung jemals verzeihen werde, aber immerhin ist er mutig genug, sich einem Gespräch zu stellen. Hallo, Allister!«

»Vielen Dank für die Einladung«, sagt Allister. »Und – wow. Das nenne ich mal einen Recap.«

Fick.

Dich.

Arschloch.

Ich schalte den Podcast ab. Mein Herz hämmert wild gegen meine Rippen, und mein Magen krampft sich zusammen.

Ich muss rechts ranfahren, weil ich das Gefühl habe, dass mir gleich alles hochkommt.

»Gott.« Einen Moment lang sitze ich einfach nur da und umklammere das Lenkrad, dann lasse ich mit zitternden Fingern die Scheibe runterfahren und strecke den Kopf nach draußen. Gierig ziehe ich die nach Kiefern duftende frische Luft in meine Lungen und atme mit geschlossenen Augen so lange ein und aus, bis die Übelkeit allmählich abebbt.

Wie konnte ich ernsthaft glauben, dass eine Konfrontationstherapie mir helfen würde, die Geschichte zu verarbeiten.

Diese paar Minuten Podcast eben waren das Schlimmste, was ich durchgemacht habe, seit meine Chatnachrichten an Allister geleakt wurden.

Ich öffne die Augen wieder, lehne den Kopf an die Nackenstütze, atme ruhig und gleichmäßig weiter und versuche jeden Gedanken daran zu verdrängen, dass Allister jetzt wahrscheinlich sämtliche Podcasts abklappert und reihenweise Interviews gibt. Während ich gezwungen bin, mich in einer schäbigen Waldhütte zu verschanzen und endlich das Buch zu schreiben, an dem ich arbeite, seit diese verfluchte Verfilmung rausgekommen ist. Die Verkaufszahlen meiner Bücher sind danach so rapide abgestürzt, dass ich Gefahr laufe, meinen Kredit nicht mehr bedienen zu können und das noch nicht abbezahlte Haus zu verlieren.

»Du hast nichts falsch gemacht«, sage ich laut zu mir selbst, als ich den Wagen starte und wieder auf den Highway fahre. »Du hast nichts falsch gemacht. Du bist nicht das, wofür die Welt dich hält.«

Nora hat mir das Versprechen abgenommen, mir dieses Mantra mindestens fünfmal am Tag vorzusagen. Aber für mich klingt es, als würde ich mich jedes Mal mit lauter Stimme selbst belügen, und das hilft mir kein bisschen, mich besser zu fühlen und den Tag mit frischem Tatendrang anzugehen.

Seit diesem absoluten Super-GAU schaffe ich es nicht mehr, normal zu funktionieren. Alles, was ich mir aufgebaut habe, ist über mir zusammengestürzt, und jetzt liege ich unter den Trümmern und niemand rührt auch nur einen Finger, um mich auszugraben, weil es die Leute noch nicht mal interessiert, ob ich unter dem ganzen Schutt ersticke oder nicht. Die interessieren sich höchstens noch dafür, wer zu meiner Beerdigung käme, nachdem ich tatsächlich erstickt bin.

Ich frage mich ja selbst, wer kommen würde. Meine engen Freunde und meine Familie natürlich, aber mittlerweile ist mir klar, dass die Freundschaften, die ich im Laufe meiner Jahre als Autorin in der Buch-Community geschlossen habe, in Wirklichkeit nie welche waren. Die Einzige, die noch zu mir hält, ist Nora, alle anderen ghosten mich. Und ich kann es ihnen nicht mal verdenken. Sie sehen, dass meine Bücher nicht mehr gekauft werden, und haben Angst, es könnte ihnen genauso gehen, wenn sie sich öffentlich auf meine Seite stellen und damit womöglich den Zorn der TikToker auf sich ziehen. Bücherschreiben ist anscheinend auch nur ein Beruf wie jeder andere. Sosehr ich mir gewünscht hätte, diese Freundschaften hätten auch jenseits der Branche Bestand gehabt, beginne ich zu begreifen, dass wir letztlich nichts weiter als hart schuftende Arbeitskollegen sind, die ums Überleben kämpfen, bis wir irgendwann ins Altersheim ziehen.

Ich bin jetzt seit zwei Stunden unterwegs, die Fahrbahnmarkierungen des Highways verschwimmen in der Ferne zu einem endlosen weißen Band. Schwer zu sagen, ob ich zu dieser Hütte fahre, weil sie ein Rückzugsort ist, oder ob es mir einfach darum geht, vor dem ganzen Chaos davonzulaufen – egal, wohin. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung. Sicher ist nur, dass ich mich noch nie so sehr danach gesehnt habe, dem wahren Leben zu entfliehen, das Alte abzustreifen und in etwas ganz Neues zu schlüpfen. Ich will mich kopfüber in die Arbeit an meinem Buch stürzen und mich so darin verlieren, dass nichts und niemand aus der Außenwelt die Mauern durchdringen kann, die meine Vorstellungskraft um mich herum errichtet.

Meine innere Anspannung hat den Höchststand erreicht, und Schreiben ist normalerweise das Einzige, was hilft.

Ich hoffe nur, dass es auch diesmal funktioniert. Diese Getriebenheit und die Angst davor, dass es mir womöglich nicht gelingt, mich selbst zu retten, werden erst verschwinden, wenn ich die Hütte erreicht habe und mich ganz auf das Buch konzentrieren kann.

In dem Moment, in dem mein Name zum ersten Mal auch in den Medien auftauchte, die normalerweise nicht über Bücher und Autoren berichten, ist bei mir mental eine Falle zugeschnappt, die eine lähmende Schreibblockade ausgelöst hat. Grausame Ironie des Schicksals, oder? Der große Traum von Erfolg und Popularität erfüllt sich und wird genau dadurch zum Alptraum.

Mein Handy, das im Getränkehalter steckt, summt, und ich zucke zusammen. Als der Hass gegen mich immer größer wurde, habe ich die Benachrichtigungsoptionen sämtlicher Social-Media-Kanäle, auf denen ich unterwegs war, deaktiviert. Das Internet, das für mich so lange ein wunderbares Tool war, um mich mit meiner Community zu verbinden, ist zu einem gnadenlosen Gegenspieler geworden, dem ich nur entkommen kann, indem ich mich ihm komplett entziehe.

Aber der Summton bedeutet immerhin, dass es jemanden gibt, der mit mir sprechen will und nicht über mich.

Ich atme erleichtert auf, als ich Noras Namen auf dem Display sehe, und nehme den Anruf über die Freisprechanlage entgegen.

»Hoffentlich rufst du an, weil du noch eine Packung Ritalin übrig hast, die du mir schicken kannst«, sage ich anstelle einer Begrüßung.

»Erstens«, sagt Nora, »hast du kein ADHS. Sondern ich. Und zweitens brauchst du keine Medikamente, sondern Therapie und guten Sex.« Sie hält kurz inne. »Nicht mit mir. Das war eine Empfehlung, kein Angebot.«

»Beides schade«, seufze ich. »Du rufst trotzdem genau im richtigen Moment an.«

»Was ist los? Hattest du wieder eine Panikattacke?«

»Ich hab gerade in And What Now, Readers? reingehört.«

»Petra! Warum tust du dir das an?«

Ich stöhne. »Ich weiß.«

»Deswegen hab ich dich angerufen. Ich wollte dir sagen, dass du dir die Folge heute auf gar keinen Fall anhören sollst.«

»Aber du hast auch gesagt, dass Konfrontationstherapie mir helfen kann. Ich hab mich meinen Ängsten gestellt.«

»Ich meinte damit doch nur, dass du dich mal wieder in die sozialen Medien wagen und vielleicht was posten könntest. Nicht, dass du dir sämtliche Sendungen reinziehen sollst, in denen irgendwelche Leute Scheiße über dich verbreiten. Gott, echt. Ich bin deine Freundin, nicht Satan.«

»Du hast sie dir also angehört, ja?«

»In dem Moment, in dem sie Allister McFuckity Fuckface als Gast angekündigt haben, musste ich ausschalten.«

»Ja, ich auch. Als ich seine Stimme gehört habe, bin ich auf den Seitenstreifen gefahren und habe erst mal tief durchgeatmet. Ich dachte wirklich kurz, ich müsste kotzen.«

»Oh Mann, das tut mir leid. Hast du es noch weit bis zur Hütte?«

»Nur noch zehn Minuten.«

»Bist du sicher, dass das eine gute Idee war?« Noras Stimme knistert in den Lautsprechern.

»Dass was eine gute Idee war? Mich ganz allein im Wald zu verkriechen und zu versuchen, darüber hinwegzukommen, dass mich das gesamte Internet öffentlich gehäutet hat?« Ich halte den Blick auf die Straße gerichtet. Die Bäume rechts und links von mir fließen nach und nach zu einer einzigen grünen Wand zusammen, die immer größer und dichter wird, bis ich das Gefühl habe, jeden Moment von ihr verschluckt zu werden.

»Nicht vom gesamten Internet«, widerspricht Nora. »Nur von den Schreihälsen, die Klicks zu Geld machen.«

»Ach so, ja, stimmt. Die Leute, die mir Morddrohungen geschickt haben, wurden ja alle von der Polizei überprüft und waren bloß Trolle mit finanziellen Interessen. Hätte ich fast vergessen.« Ich lache bitter.

»Diese Leute kennen dich nicht. Die haben damit gedroht, deinen Hund in kochendes Wasser zu stecken, dabei hast du nicht mal einen Hund.«

»Das ist es ja. Die würden mir wahrscheinlich einen supersüßen Welpen kaufen, ihn mir mit einer roten Schleife um den Hals an die Haustür liefern lassen, abwarten, bis ich mich rettungslos in ihn verliebe, und ihn dann in kochendes Wasser stecken.«

»Du soll…«

Noras Stimme klingt plötzlich roboterhaft verzerrt und bricht dann ganz ab. »Ach, verdammt!« Ich nehme das Handy aus dem Getränkehalter und lege es aufs Armaturenbrett. Als wäre der Empfang dort besser.

»… meine ich ernst.« Ihre Stimme kehrt mitten im Satz wieder. »Du bist deswegen nicht automatisch weg vom Fenster. Also, nicht unbedingt. Du könntest dich auch in den Staub werfen, eine reumütige Erklärung schreiben und sie mit diesen süßen kleinen Herzhändchen und ein, zwei weinenden Emojis auf Insta posten.«

»Ich werde mich ganz bestimmt nicht bei Leuten entschuldigen, die keine Ahnung davon haben, was wirklich abgelaufen ist, aber trotzdem meinen, sich auf eine Seite schlagen zu müssen.«

Nora seufzt. »Wenn du deine Karriere retten willst, musst du früher oder später aus der Deckung kommen und wieder online gehen. Vielleicht in einem Podcast.«

»Ich will mich nicht auf Allisters Niveau herablassen, um meine Karriere zu retten. Deswegen fahre ich in die Hütte. Ich räche mich mit spitzer Feder.«

Es ist kurz still, dann sagt Nora: »Aber du schreibst auf dem Laptop.«

»Spitze Feder klingt bedrohlicher.«

»Du hast recht. Räch dich mit Worten. Schreib die Geschichte auf und veröffentliche sie als fiktionale Story. Das ist eine effektive Methode, um die ganze Verbitterung rauszulassen. Ruf mich an, sobald du in der Hütte bist und ausgepackt hast. Ich hab nämlich eine Idee.«

»Nein. Ich hasse deine Ideen«, sage ich.

»Aber die hier ist echt gut. Ich schwöre.«

»Okay.«

»Und halt dich von Podcasts fern. Hör dir stattdessen lieber ein paar Songs von den Brudi Brothers an oder so. Okay? Umarmung.«

»Umarmung zurück.«

Kaum hat Nora aufgelegt, springt mein Handy automatisch wieder zum Podcast. »Die Zusammenarbeit mit ihr war nicht ganz einfach«, ertönt Allisters Stimme.

Die Worte treffen mich wie kochendes Wasser, das über Eiswürfel gegossen wird. Ich schalte den Podcast wieder ab und konzentriere mich auf die sich windende Straße vor mir. »Die mit dir auch nicht, Allister McFuckity Fuckface.«

Es gibt nicht viele Menschen, die ich hasse, aber Allister steht ganz oben auf dieser Liste. Und ganz unten. Und in der Mitte. Eigentlich besteht die ganze Liste nur aus ihm.

Als mir das Navi sagt, ich soll die nächste Ausfahrt nehmen, drossle ich das Tempo. Irgendwo am Ende dieser Straße wartet die Seehütte, die ich gemietet habe. Und mit ihr ein leerer Bildschirm, sehr viel Ruhe und Stille und hoffentlich das, was von meiner Kreativität noch zu retten ist.

2.

Allerdings weiß ich nicht, ob noch irgendetwas von meiner Kreativität zu retten ist, sollten hier noch mehr Leute wohnen. Wenn ich Unterkünfte zum Schreiben miete, achte ich eigentlich immer darauf, keine unmittelbaren Nachbarn zu haben, aber jetzt entdecke ich plötzlich doch noch ein anderes Haus in der Straße, die zu meiner Hütte führt.

Natürlich habe ich mir die Gegend auf Google Maps angeschaut, bevor ich gebucht habe, um sicherzugehen, dass nicht direkt nebenan noch ein Haus steht. Womöglich eins, in dem eine Familie mit Kindern wohnt, die Tag und Nacht Lärm machen. Dabei ist mir diese andere Hütte nicht aufgefallen. Wahrscheinlich, weil sie so versteckt zwischen den Bäumen liegt.

Zum Glück steht meine Blockhütte ungefähr fünfhundert Meter weiter am Ende der Uferstraße – weit genug weg, um weder von vorbeifahrenden Autos noch von Nachbarn gestört zu werden. Ich lasse mich einfach zu schnell ablenken. Je weniger Menschen ich treffe, mit denen ich mich unterhalten muss, desto besser für meine Konzentration.

Einmal habe ich mir ein Häuschen zum Schreiben gemietet und hatte die Tür noch nicht aufgeschlossen, als ich auch schon meine Nachbarinnen kennengelernt habe – eine fröhliche Frauengruppe, die ein Freundinnenwochenende organisiert hatte. Das Ganze endete damit, dass wir jeden Abend zusammen gefeiert haben und ich tagsüber zu müde war, um etwas Brauchbares zustande zu bringen.

Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen Ablenkung hätte, aber diesmal darf wirklich nichts dazwischenkommen, wenn ich meinen Abgabetermin schaffen will.

Deswegen kann ich auch ein Stöhnen nicht unterdrücken, als ich den Weg hochfahre und einen Menschen sehe. Einen lebenden, atmenden Menschen, der auf der Veranda meiner Hütte steht.

Inzwischen sind wir technologisch doch so weit, dass es wirklich keinerlei Notwendigkeit mehr geben sollte, vom Vermieter persönlich in Empfang genommen zu werden. Aber da steht er. Und obwohl ich ihn nicht mal kenne, weiß ich jetzt schon: Es gibt nichts auf der Welt, das mich aggressiver macht.

Ich korrigiere:

Corgis machen mich auch verdammt aggressiv. Diese Hunde wirken einfach so … unvollendet. Als hätte Gott angefangen, sie zu erschaffen, wäre dann aber mittendrin weggegangen und hätte sie halb fertig zurückgelassen. Ihr Körper ist viel zu lang für ihre Stummelbeine und der Kopf zu groß für den Rest – eigentlich müssten sie bei jedem Schritt auf die Nase fallen. Wenn ich einen Corgi sehe, habe ich immer denselben Gedanken: ein kosmischer Fehler auf vier Beinen.

Zum Glück sitzt zu Füßen des Mannes kein Corgi, sonst würde ich mich ernsthaft fragen, ob ich gestorben und in der Hölle gelandet bin.

Der Mann grinst mich so breit und so viele Zähne zeigend an, dass ich fürchte, es zerreißt ihm gleich das Gesicht. Und als er jetzt auf mich zukommt, bemerke ich seinen leicht federnden Gang, der mich auch sofort aggressiv macht. Es wirkt, als wäre er ein bisschen zu sehr darauf bedacht, sympathisch und vertrauenswürdig rüberzukommen. Als müsste er mir diese Buchung erst noch schmackhaft machen, obwohl ich schon vor Monaten bezahlt habe.

Warum bin ich eigentlich so mies gelaunt?

Ach ja. Der Podcast.

Ich versuche, ein freundlicheres Gesicht zu machen, als ich den Wagen parke, und greife beim Aussteigen nach dem Handy und dem Schlüsselbund, an dem eine kleine Tränengasdose baumelt. Gebraucht habe ich es noch nie, es kommt allerdings auch eher selten vor, dass ich allein mit einem fremden Mann im Wald bin.

Ich streiche mit dem Daumen über das kühle Metall, bevor ich den Schlüsselbund in die Tasche stecke. Sein Gewicht hat etwas Beruhigendes. Hier draußen mitten im Nirgendwo stehen die Bäume so dicht, dass die Straße nur noch zu erahnen ist. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass ich es im Ernstfall mit dem Kerl, der älter ist als mein Vater, aufnehmen könnte, frage ich mich, ob hier jemand meine Hilferufe hören würde, wenn es nötig wäre.

Wo ist der Bär, wenn man ihn braucht?

Im Vermieterprofil der Website habe ich seinen Namen gelesen: Louie Longsetter. Mal ehrlich, was ist das bitte für ein Name? Das klingt nach einer Figur aus einer Sitcom, nicht nach einer realen Person mit Eltern, die dachten: »Das ist es! So soll unser Sohn heißen!«

Kann jemand, der Louie Longsetter heißt, überhaupt gefährlich sein?

Dass es so aussieht, als hätte er hier eine ganze Weile auf mich gewartet, erfüllt mich jedenfalls mit Unbehagen.

Zur Beruhigung versuche ich mir einen fiesen Killer namens Louie Longsetter vorzustellen, was so absurd ist, dass ich darüber fast lachen muss. Trotzdem. Als Frau, die vorhat, mehrere Wochen in dieser Abgeschiedenheit zu verbringen, kann ich den Gedanken, dass er eine Bedrohung darstellen könnte, nicht ganz abschütteln.

»Da sind Sie ja! Und fast auf die Minute pünktlich! Anscheinend haben Sie gut hergefunden«, ruft er mit übertriebener Begeisterung, als wäre ich irgendein Ehrengast und nicht bloß eine ganz normale Mieterin. Schwungvoll joggt er die Verandatreppe herunter und läuft mir strahlend entgegen. Sein Eifer hat etwas Verstörendes.

Ich hasse mich selbst dafür, dass fröhliche Menschen in mir immer sofort Aversionen auslösen. Wahrscheinlich sollte ich daran mal arbeiten. Aber es gibt gerade wichtigere Dinge, an denen ich arbeiten muss.

»Tja, Navis. Wunder der Technik«, murmle ich, gehe um den Wagen herum und reiße den Kofferraum ein bisschen zu energisch auf. Louie Longsetter ist vielleicht kein typischer Name für einen Mörder, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch mal einen Serienkiller gab, der Pitschuschkin hieß. Nichts ist unmöglich.

Louie, der mittlerweile bei mir angekommen ist, beugt sich in den Kofferraum, wuchtet meine beiden Koffer gleichzeitig heraus und lässt sie mit sattem Knirschen auf den Kies der Einfahrt plumpsen.

Ich muss mich beherrschen, ihn nicht anzufahren. Die Koffer sind von Rimowa. Superneu, superschön und superteuer. Ich habe sie vor ein paar Monaten zum Geburtstag bekommen und benutze sie zum ersten Mal, stolz darauf, dass sie noch ohne Kratzer oder Delle sind.

Bis jetzt.

Ich verdränge meine Gereiztheit, bücke mich nach einem Koffer und stelle ihn hochkant auf die Rollen.

Louie, der sich keiner Schuld bewusst ist, stellt den anderen ebenfalls hochkant, zerrt ihn dann aber achtlos durch den Kies hinter sich her, als er zur Veranda geht.

Das Knirschen schmerzt in meinen Ohren wie quietschende Kreide auf einer Tafel, aber ich seufze nur, hebe den anderen Koffer etwas an und schleppe ihn zur Hütte.

»Sie sind die Petra Rose, oder? Die Bücherschreiberin?«, fragt er mich mit einem Blick über die Schulter.

Die Bücherschreiberin?

Ich nicke und ringe mir ein höfliches Lächeln ab. »Ja, genau. Ich hoffe, dass ich hier Inspiration finde«, sage ich und füge vielsagend hinzu: »In der Stille.«

Auf der Rückbank des Wagens liegen Tüten mit Lebensmitteln, die ich auch noch ausladen muss, aber davon braucht Louie nichts zu wissen. Er soll gehen. Er hätte schon gehen sollen, bevor ich überhaupt aufgetaucht bin. Genau für solche Fälle haben Ferienhäuser normalerweise einen Türcode und eine Anleitung, damit Gäste selbst einchecken können.

Als wir die Treppe zur Veranda hochsteigen, achte ich darauf, dass mein Koffer nicht über die Kanten der Stufen schrappt, Louie dagegen schleift den anderen einfach darüber.

»Ich kenne ja leider keins von Ihren Büchern«, sagt er fast entschuldigend. »Aber meine Frau glaubt, dass sie schon mal eins von Ihnen gelesen hat.« Vor der Tür zieht er einen Schlüsselbund aus der Tasche. »Und diese Verfilmung, die haben wir uns beide angeschaut. Als ich meiner Frau gesagt hab, dass Sie die Hütte gemietet haben, musste ich ihr versprechen, Sie zu fragen, warum eine der Figuren im Film nicht vorkam. Keine Ahnung, was sie damit gemeint hat. Ich geb’s nur weiter. Jedenfalls ist mir auf dem Weg hierher ein großartiger Stoff für einen richtig guten Film eingefallen.« Er drückt mir die Schlüssel zur Hütte in die Hand.

Oh Gott. Ich ahne, was gleich kommt.

»Und zwar mein Leben!« Er zieht die Brauen hoch, als müsste mich das wahnsinnig beeindrucken. »Sie müssen nämlich wissen, dass ich ein wirklich total verrücktes Leben gehabt habe. Mit der Story könnten Sie garantiert Millionen verdienen.«

Das bezweifle ich stark.

»Also, falls Sie noch eine Idee brauchen …«, sagt er, obwohl er meinem Gesichtsausdruck eigentlich entnehmen müsste, dass ich kein Interesse habe.

Ich lächle schmal. »Danke, aber Tatsachenromane liegen mir leider nicht. Ich kann nur über frei erfundene Dinge schreiben.«

Irgendwann habe ich den Überblick darüber verloren, wie oft mir Leute angeboten haben, ihre Lebensgeschichte zu erzählen, nachdem sie gehört hatten, dass ich Autorin bin. Alle sind überzeugt davon, dass man aus ihrem Leben den nächsten Bestsellerroman machen könnte.

Vielleicht stimmt das ja sogar. Nur bin ich dafür ganz sicher die Falsche.

»Aber wenn Sie sich meine Lebensgeschichte …«

»Wenn sie so gut ist, sollten Sie sie vielleicht selbst aufschreiben«, sage ich, weil ich nicht komplett unfreundlich sein will. »Niemand kennt Ihr Leben so gut wie Sie. Machen Sie selbst was aus der Idee, statt sie einfach zu verschenken.« Meine Stimme klingt höflich, aber innerlich versuche ich, den Mann mit reiner Willenskraft dazu zu bringen, endlich zu verschwinden.

»Ich bin leider Legastheniker.« Er schüttelt den Kopf, und sein Lächeln verliert etwas an Strahlkraft. »Starker Legastheniker. Vielleicht ist Ihnen das in meinen Mails aufgefallen. Ich sag’s ganz offen: Als ich gesehen hab, dass Sie Bücher schreiben, habe ich mich fast nicht getraut, auf Ihre Mail zu antworten. Ich dachte, Sie lachen vielleicht über meine Fehler.«

»Das würde ich niemals tun. Mein Vater war Legastheniker und der klügste Mann, den ich kenne.«

Louie nickt. »Ja, das macht es nicht leichter. Tut mir sehr leid für Ihre Mutter.«

Ich stutze. Hat er Probleme mit seinem Kurzzeitgedächtnis? Ist er schwerhörig?

Er zwinkert mir zu. »Jetzt hab ich Sie drangekriegt, was? Legasthenikerhumor.«

Ich lächle. »Stimmt. Da stand ich gerade wirklich auf der Leitung.«

»Meine Frau sagt immer, dass an mir ein Schauspieler verloren gegangen ist. Sie ist ja eine. Also, meine Frau. Schauspielerin. Sozusagen. Schwer zu erklären, aber sie spielt manchmal in so Dokumentarfilmen mit, und das ist ja auch eine Art Schauspielerei. Sie …« Er erzählt noch mehr über die schauspielerischen oder eben nicht schauspielerischen Aktivitäten seiner Frau, aber ich bin zu abgelenkt, um richtig zuzuhören, weil ich gerade die Tür aufschließe und … holy shit!

Im Inneren empfängt mich das komplette Gegenprogramm zu dem, was von außen zu sehen ist.

Die Einrichtung ist total modern. Klare Linien, glatte Oberflächen. Wie in einer Fotostrecke aus einem Hochglanzmagazin für Innenarchitektur. Die rustikale Fassade der Hütte täuscht – innen schimmert und glänzt alles.

Ich hatte mit knarrenden Holzdielen gerechnet, mit dem tröstlichen Duft von Baumharz und Kaminfeuer, stattdessen stehe ich in einem hell beleuchteten Raum, der in einem cleanen minimalistischen Stil eingerichtet ist und an ein schickes Loft erinnert. Die Wände sind in kaltem Weiß gestrichen, der Boden ist aus Beton, und überall hängen große, teuer gerahmte, abstrakte Gemälde. Das alles wirkt zu gewollt auf modern gestylt und in einer Blockhütte wie dieser extrem befremdlich.

Traditionelle Hütten haben einfach immer einen ganz eigenen Charme. Rohe Holzwände, ein knisternder Kamin, keine Geräusche außer denen des Waldes und seiner Bewohner. Ich dachte, ich könnte im Schoß der Natur, fernab der Welt, Trost und Frieden finden.

Aber das hier sieht wie ein Ferienhaus für Mitarbeiter eines Tech-Start-ups aus, nicht wie die Einsiedlerklause einer Autorin.

Seufzend schiebe ich meine beiden Koffer in den großen Wohnraum, in dem das Surren der Rollen unnatürlich laut widerhallt. Louie folgt mir mit sichtlichem Stolz, während ich mich umsehe.

»Hier sieht es ganz anders aus als auf den Fotos im Netz«, sage ich.

»Richtig. Unsere Hütte hat gerade eine Komplettsanierung hinter sich«, verkündet er strahlend. »Um genau zu sein, sind Sie unser erster Gast, seit wir hier fertig geworden sind. Die Inneneinrichtung hat größtenteils meine Frau übernommen. Sie hat ein Auge für so was.«

Okay, das erklärt so einiges.

Die Möblierung im Wohnbereich steht offenbar unter dem Motto: kühle Eleganz. Eine niedrige schwarze Ledercouch, die mehr nach einem Showroom-Modell aussieht als nach einem Sofa, in das man sinken will, um gemütlich in einem Buch zu schmökern. Ein Couchtisch mit einer Glasplatte, die das Licht in sämtliche Ecken reflektiert und so scharfe Kanten hat, dass man aufpassen muss, sich daran nicht die Knie aufzuschlitzen.

Anstelle des alten Kamins, von dem ich mir Wärme und Behaglichkeit versprochen hatte, gibt es einen gasbetriebenen Edelstahlofen, dessen mechanisch präzises Flackern meine Sehnsucht nach dem Knistern eines echten Holzfeuers nur noch verstärkt.

Was bin ich nur für ein undankbares Miststück? Andere Leute wären glücklich über ein frisch renoviertes Ferienhaus.

Es ist nur … dieses Haus hier hat überhaupt keinen Charme. Keine Geschichte. Sicher, es ist funktional und bestimmt leicht sauber zu halten, aber gleichzeitig eben … vollkommen uninspirierend. Hier kann man vielleicht arbeiten, aber nicht kreativ sein. Ja, ich wollte Einsamkeit, aber ich wollte auch eine Verbindung zur Natur, zur unberührten Schönheit des Waldes. Stattdessen bin ich in einem Luxus-Airbnb gelandet. Viel zu makellos und aufgeräumt für das wilde kreative Chaos, von dem ich mir vorgestellt hatte, dass meine Ideen darin sprudeln würden.

Meine Schreibblockade setzt mir so zu, dass ich permanent nach Gründen suche, die ich dafür verantwortlich machen kann. Jetzt gebe ich sogar schon im Voraus dieser viel zu perfekt eingerichteten Hütte die Schuld.

Ich seufze wieder. Das hier ist überhaupt nicht das, was ich mir gewünscht hatte, andererseits ist meine Laune auch so im Keller, dass es gerade wahrscheinlich sowieso nichts gibt, mit dem ich zufrieden wäre.

»Wirklich schön geworden«, lobe ich, um Louie nicht komplett zu enttäuschen, auch wenn es bestimmt nur ein Bruchteil von dem ist, was er sich erhofft hat.

»Das Kompliment gebe ich an meine Frau weiter«, sagt er. »Wissen Sie, wir wohnen selbst nur ein paar Hundert Meter entfernt. Wahrscheinlich haben Sie unser Haus auf dem Weg hierher gesehen. Es steht ziemlich am Anfang der Straße und ist das einzige andere hier.« Er sieht mich erwartungsvoll an, als wollte er, dass ich nach weiteren Details frage.

Ich nicke nur und bete, dass er es bei dieser einen Information belässt.

»Ich weiß, dass Sie zum Arbeiten hier sind«, sagt Louie. »Aber wenn Sie nicht allzu beschäftigt sind, kommen Sie die Tage doch mal zum Abendessen bei uns vorbei. Meine Frau würde sich riesig freuen, Sie kennenzulernen. Kann manchmal ein bisschen einsam werden hier draußen, umso schöner ist es, wenn wir Besuch kriegen.« Sein Lächeln wird breiter, und in seinen Augen liegt wieder dieses Funkeln, das ihn so übertrieben bemüht und aufdringlich wirken lässt.

Vielleicht ist das Adjektiv, das ich suche, aber auch verzweifelt.

Oder einfach nur einsam?

Ich versuche, meinen Unwillen hinter einem Lächeln zu verbergen. Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als einen ganzen Abend mit Louie Longsetter und seiner Frau zu verbringen, die glaubt, möglicherweise eines meiner Bücher gelesen zu haben, und Schauspielerin ist, obwohl sie es vielleicht doch nicht ist, aber irgendwie wohl schon. Louies umständliche Erklärung hat mich vorhin schon völlig überfordert, dabei habe ich die Frau noch nicht mal kennengelernt.

»Das ist sehr nett von Ihnen«, sage ich und spüre, wie mein Lächeln mit jeder Sekunde verkrampfter wird. »Ich muss nur wirklich wahnsinnig viel arbeiten. Wie wäre es, wenn ich Ihnen einfach eine Nachricht schicke, falls ich es doch mal einrichten kann?«

In seinen Augen blitzt Enttäuschung auf, aber er hat sich schnell wieder im Griff und nickt. »Natürlich, natürlich. Sie sind ja schließlich hier, um zu schreiben. Ich dachte nur, Sie wissen schon, falls Sie mal eine Pause brauchen oder wir Ihnen …« Er beendet den Satz nicht und hebt zum Abschied die Hand. »Na ja, falls Sie was benötigen … Sie wissen ja, wo Sie mich finden.«

Ich ringe mir ein letztes Lächeln ab. »Genau. Vielen Dank.«

Er winkt noch mal etwas unbeholfen, dann dreht er sich um und geht. Erleichtert drücke ich die Tür hinter ihm zu, lehne mich mit dem Rücken dagegen und lasse den Blick durch den irritierend modernen Innenraum schweifen.

Das Wohnzimmer mit den großen Fenstern zum See liegt nicht nach Westen.

Für meine Schreibphasen suche ich mir eigentlich immer Häuser mit Blick auf den Sonnenuntergang. Nichts entfacht mein kreatives Feuer besser als der Abendhimmel, der ganz allmählich von Orange in Rosa und schließlich in tiefes Violett übergeht. Ich bin von der Schönheit dieses Anblicks jedes Mal wie berauscht und habe sofort ein so intensives Bedürfnis zu schreiben, dass es sich für mich fast überlebensnotwendig anfühlt.

So sollte es jedenfalls sein.

Diesmal habe ich allerdings so spät gebucht, dass ich nur noch diese Hütte mit Ausblick nach Osten bekommen habe. Den Unterschied spüre ich jetzt gerade schmerzlich in jedem Winkel meiner verunsicherten, untalentierten Schriftstellerinnenseele. Sonnenaufgänge sind grell und fordernd. Sie stellen viel zu früh zu viele Erwartungen an mich. Aber genau so werde ich hier in diesem Raum mit den riesigen Ostfenstern jeden Tag beginnen müssen.

Vielleicht kann ich ja in einem der beiden Schlafzimmer arbeiten. Ich werfe einen Blick hinein. Vom Fenster hinter dem Bett aus schaut man zwar nach Westen, nur leider werde ich durch die dicht stehenden Bäume auch hier kaum etwas vom Sonnenuntergang mitbekommen.

»Das hätte ich fast vergessen!«

Ich fahre erschrocken herum und unterdrücke ein genervtes Stöhnen, als ich Louie in der Tür zum Schlafzimmer stehen sehe.

»Hier – das WLAN-Passwort und die Hausregeln.« Er wedelt mit einem Blatt Papier und legt es auf das Sideboard neben der Tür. »Wie gesagt, Sie sind unser erster Gast nach der Sanierung, deswegen gibt es bestimmt noch ein paar Dinge, die ich vergessen habe. Geben Sie mir Bescheid, falls Sie irgendwelche Fragen haben oder eins der Geräte nicht funktioniert oder …«

»Danke«, unterbreche ich ihn scharf. »Ich denke, ich komme klar.«

»Natürlich.« Louie lächelt zwar immer noch, zeigt dabei allerdings nur noch halb so viel von seinen Zähnen, was bei den meisten Menschen als ganz normales Lächeln durchgehen würde, in seinem Fall aber wohl eher einem Stirnrunzeln entspricht. »Hals- und Beinbruch«, sagt er. »Oder was auch immer man bei Schreiberlingen wie Ihnen so sagt.« Er geht zur Haustür. »Stift- und Tastaturbruch?«

Weitere Varianten vor sich hin murmelnd, zieht er die Tür hinter sich zu.

Es stresst mich, dass er so genau weiß, wer ich bin und was ich hier mache. Ich hätte bei der Buchung einen falschen Namen angeben sollen, wobei das wahrscheinlich auch nichts genützt hätte, weil auf dem Kreditkartenbeleg ja mein richtiger steht.

Ich schaffe es weder von mir noch von meinem viel zu bekannten Namen loszukommen und einfach eine andere Identität anzunehmen, nicht mal gegenüber einem alten Zausel, der mitten im Nirgendwo lebt. Egal, wie sehr ich versuche, Petra Rose zu entfliehen, ich bin hier. Ich bin da. Ich bin verdammt noch mal überall. Auf dem Cover des People, bei E!News, TMZ, in Podcasts mit gerade mal zweitausend Abonnenten.

Aber klar, von irgendwas müssen die Leute ja leben. Möglicherweise hätte ich es nicht anders gemacht, wenn es mit dem Bücherschreiben bei mir nicht irgendwann so gut gelaufen wäre.

Vielleicht sollte ich meine Plattform dafür nutzen, mich selbst öffentlich niederzumachen. Gut möglich, dass ich mit Petra-Bashing mehr Geld verdienen würde als damit, Petra zu sein.

Genau davor hatte ich immer Angst. Vor dem Verlust der Anonymität. Aber ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es in so einem Ausmaß passieren würde.

Ich habe aus purer, instinktiver Lust am Schreiben angefangen. Aus einem natürlichen Bedürfnis heraus. Wenn das reale Leben zu stressig wurde, konnte ich mich in meine Geschichten flüchten. Ich hatte Spaß, und die Leute, die meine Sachen gelesen haben, hatten auch Spaß. Ich habe über alles geschrieben, was mir so einfiel: heiße MMA-Kämpfer, Aliens, die die Erde angreifen, attraktive Farmer, die sich in Stadtmädchen verlieben.

Siebzehn Bücher später hatte ich mir einen Namen gemacht, konnte meine Rechnungen bezahlen, und das Leben war gut. Ich war ganz oben.

Unglücklicherweise holt die Schwerkraft jeden irgendwann wieder auf den Boden zurück, und ich hatte wirklich eine verflucht harte Ladung. Es war, als hätte mir jemand ein Loch in den Fallschirm geschnitten und meinen Absturz außerdem live übertragen, damit die ganze Welt dabei zuschauen kann.

Tja, und jetzt sitze ich hier: mit einer Deadline, die eigentlich längst nicht mehr zu schaffen ist, und einem Kredit auf mein Haus, mit dessen Raten ich in Verzug bin.

Und das Tüpfelchen auf dem i?

Schreibblockade.

3.

Schreibblockaden sind die Hölle.

Es ist viel zu dunkel draußen, und ich bin depressiv und nicht einen einzigen Seitenmillimeter vorangekommen. Außerdem habe ich so einen Hunger, dass ich am liebsten laut schreien würde.

In den acht Stunden, die ich jetzt hier bin, habe ich eigentlich nichts anderes gemacht, als schlecht gelaunt vor mich hin zu schimpfen und alles um mich herum zu hassen. Wenn ich mit meinen Texten nicht weiterkomme, werde ich wirklich unausstehlich. Deswegen muss ich mich von anderen fernhalten, wenn ich an einem Buch arbeite. Ich will die Menschen, die ich liebe, vor mir bewahren.

Gott, ich vermisse schon jetzt die Sonnenuntergänge in der Seehütte, die ich sonst immer miete. Den Moment, wenn der Tag sich langsam verabschiedet und die Dämmerung meinen Kopf sanft für neue Ideen und Gedanken öffnet. Aber hier, ohne Sonnenuntergang, ist es, als würde meine sowieso kaum vorhandene Inspiration zusammen mit dem Tageslicht endgültig verschwinden, und zurück bleiben nur diffuse Schatten, die sich jedem Versuch entziehen, sich zu klaren Gedanken formen zu lassen.

Ja, ich gebe der Sonne und ihrem hier nicht sichtbaren Untergang die Schuld daran, dass ich nicht schreiben kann. Genauso wie ich früher auch schon das Wetter dafür verantwortlich gemacht habe oder meine schlechte Verdauung, den rückläufigen Merkur, Koffein, Männer.

Ich reiße mich zusammen, straffe die Schultern und lüge mir selbst etwas vor, indem ich weiter auf die Tastatur einhacke und mein Gehirn davon zu überzeugen versuche, dass ich jeden Preis, den ich verliehen bekommen habe, jede positive Kritik, die über mich geschrieben wurde, und jeden einzelnen Cent, den mir meine Bücher eingebracht haben, wirklich verdient habe.

Aber die Stimme, die mir zuflüstert, dass ich eine Hochstaplerin bin, die lange einfach nur wahnsinniges Glück hatte, war immer schon lauter als alle anderen. Ich leide an einem schweren Fall von Imposter-Syndrom, was dazu führt, dass ich negativen Rezensionen grundsätzlich mehr glaube als positiven. Ich hasse mich dafür, dass ich ernsthaft daran zweifle, ob ich überhaupt in der Lage bin, glaubwürdige Handlungen und Figuren zu entwickeln.

Seufzend schaue ich auf den Laptop und lese noch mal die magere Satzausbeute von heute durch.

Der Geruch im Befragungsraum – eine Mischung aus kaltem Kaffee und abgestandener Luft – trug wenig dazu bei, Reyas wild schlagenden Puls zu beruhigen. Ihr gegenüber saß Detective Miller, der ihr mit tiefer, voller Stimme Fragen zu Sarah stellte, wann und wo Reya sie das letzte Mal gesehen hatte. Jedes Wort fühlte sich an wie ein frischer Schnitt in die Wunde, die der Verlust ihrer besten Freundin in ihrem Herzen hinterlassen hatte. Und doch registrierte ein Teil von ihr – ein zutiefst beunruhigender, unerwünschter Teil –, wie straff sich die Uniform des Detectives über seinen breiten Schultern spannte und wie intensiv sein Blick war, wenn er sie ansah und sich dann Notizen machte. Sie hasste sich für diesen flüchtigen Funken Anziehung, der in ihr aufflackerte. Ein Verrat an Sarah. Wie konnte sie nur solche Gedanken haben, wenn ihre Welt doch gerade in tausend Splitter zerbrochen war? Die Schuld lastete wie ein schwerer Felsbrocken auf ihr – eine zusätzliche Bürde zu der Trauer, von der sie ohnehin kaum wusste, wie sie sie tragen sollte.

Ich starre auf den Absatz, den ich gerade getippt habe, und weiß genau, dass mein zukünftiges Ich – verschlafen und mit einer Tasse lauwarmem Kaffee in der Hand – ihn morgen für Schrott erklären und per Tastendruck eliminieren wird.

Das hier ist weniger ein Buchmanuskript als ein digitaler Friedhof meiner sich verflüchtigenden schriftstellerischen Ambitionen. Jedes Wort auf dieser Seite fühlt sich an wie ein vorübergehender Untermieter, der nur auf die Zwangsräumung wartet.

Ich werde dieses Buch niemals beenden. Wenn das so weitergeht, sitze ich nächstes Jahr noch in dieser Waldhütte-mit-Identitätskrise fest und formuliere verbissen immer wieder dieselben fünf Absätze um, während mich der Cursor anblinkt wie ein winziges, strafendes Orakel. Hätte er eine Stimme, würde er in höhnischem Singsang sagen: »… Versagerin … gib auf … Versagerin … gib auf …«

Nicht, dass ich es als Qual empfinden würde, abgeschnitten von der Welt in dieser Hütte zu sitzen. Ich bin gern allein. Bin es immer schon gewesen. Deswegen miete ich mir alle paar Monate hier in der Gegend eine Hütte und verwandle sie in eine vorübergehende Eremitenhöhle mit Seeblick, wo ich die erdrückende Stadt hinter mir lassen kann. Sacramento fühlt sich – so schön es auch ist – oft an wie eine zu feste Umarmung aus Lärm und Beton, um die ich nie gebeten habe.

Hier dagegen ist es still und friedlich, und die Luft duftet nach Kiefern und sauberem Wasser. Zumindest das ist so, wie ich es wollte.

Ich muss mir dringend positives Denken antrainieren. Mich darauf konzentrieren, dass diese kleinen Fluchten nicht bloß eine Auszeit von der Stadt sind, sondern Therapie.

Ich stehe vom Tisch auf, lasse den Cursor stumm und anklagend weiterblinken und schlendere in den Küchenbereich rüber. Es riecht nach abgestandenem Kaffee, ein Vermächtnis des optimistischeren Beginns meiner Schreibsession, als ich noch davon überzeugt war, Kaffee könnte mich retten. Bis mich der erste Schluck schnell wieder daran erinnert hat, wie sehr ich den Geschmack hasse.

Von der Küche aus gehe ich zur Haustür und öffne sie, um frische Luft zu schnappen. Die Welt draußen ist ein Kaleidoskop aus Braun- und Grüntönen, in der Dunkelheit nehme ich nur schemenhafte Umrisse wahr. Am Seeufer bewegt sich etwas. Ich kneife die Augen zusammen und erstarre, als es sich wieder bewegt.

Eine Silhouette. Ein Mensch.

Das Herz schlägt mir bis zum Hals, kalte Angst läuft mir über den Rücken. Diese Hütte sollte meine Zuflucht sein, mein Rückzugsort. Nicht die Kulisse für einen in der Wildnis spielenden Slasher-Film.

Im nächsten Moment tritt die Gestalt ins Mondlicht, und meine Angst verpufft und verwandelt sich in beschämte Erleichterung. Es ist nur Louie Longsetter.

Er sieht mich in der Tür stehen, hebt die Hand und winkt freundlich.

»Hab einen Waschbären aus der Falle geholt!«, ruft er und hält etwas in die Höhe, das nach einem schlaffen Kadaver aussieht. Sofort steigt Mitgefühl für das arme Tier in mir hoch. »Tut mir leid, falls ich Ihnen Angst gemacht hab.«

Ich bringe ein zittriges Lächeln zustande, winke zurück und gehe schnell wieder ins Haus. Mein immer noch rasendes Herz erholt sich nur langsam von dem Schreck. Der See ist zwar öffentlich zugänglich, trotzdem irritiert es mich, dass Louie sich hier nachts am Ufer rumtreibt, wenn die Hütte vermietet ist. Ich drücke auf den Schalter, der die Jalousien herunterlässt, und als ich mich gerade vom Fenster wegdrehe, lässt mich das Summen meines Handys zusammenzucken. Ich werfe einen Blick aufs Display. Nora.

Shit. Ich habe ganz vergessen, dass ich sie anrufen sollte.

»Hey.« Meiner Stimme ist der Schreck von eben immer noch anzuhören.

»Also: zu meiner Idee.« Nora verliert keine Zeit. Ihre fast manische Energie steht in krassem Gegensatz zu der kleinen Panikattacke, die ich gerade hatte.

»Was ist es diesmal?«, frage ich skeptisch. »Bitte sag mir nicht, dass du wieder in der Makramee-Eulen-Phase bist. Mein Arbeitszimmer ist voll, da passt kein einziges Bastelprojekt von dir mehr rein.«

Nora lacht. Es ist ein fröhliches, unbeschwertes Lachen. »Keine Makramee-Eule, obwohl das eigentlich schade ist. Meine letzten sind richtig gut geworden. Nein, ich habe eine Idee, die dir helfen könnte. Aber du müsstest mir vertrauen.«

Ich seufze. Den Ton kenne ich. Normalerweise kommt dann ein Vorschlag, der entweder absolut genial ist oder so irre, dass man es mit der Angst zu tun kriegt. »Wovon redest du, Nora?«

»Von deiner geschlossenen Fangruppe.« Sie senkt verschwörerisch die Stimme. »Ich hab mir überlegt, dass wir mal wieder einen Livestream machen. Nur wir beide für die paar Tausend Leute, von denen wir immer wussten, dass sie hundertprozentig hinter uns stehen, weil sie an einem unserer Bad-Hair-Days nie – niemals – einen Screenshot von uns ins Netz gestellt hätten.«

»Ein Livestream?« Mir bleibt kurz die Luft weg. »Nora, bist du jetzt komplett übergeschnappt? Ich bin im Netz schon zur Genüge von Leuten traumatisiert worden. Was ist, wenn irgendjemand einen Mitschnitt davon außerhalb der Gruppe verbreitet?«

»Und wenn schon.« Nora wischt meine Ängste mit entschlossener Stimme beiseite. »Im Ernst, Petra. Du musst endlich aufhören, dir ständig so viele Gedanken zu machen. Glaubst du, andere bekannte Autorinnen interessieren sich dafür, was auf Social Media los ist? Glaubst du, die lesen obsessiv jeden Kommentar und jede Beleidigung? Glaubst du, die überlegen sich jedes Wort dreimal für den Fall, dass irgendjemand einen Screenshot davon machen könnte?«

Ich zögere kurz, bevor ich antworte. »Äh. Ja. Genau das glaube ich.«

Nora schnaubt. »Okay, wahrscheinlich hast du recht«, räumt sie ein. »Aber es wird einfach Zeit, Petra. Unser letzter Livestream ist ein Jahr her. Und zwar auf den Tag genau.«

Die Worte hängen bedeutungsschwer in der Luft.

Auf den Tag genau vor einem Jahr.

Meine Gedanken überschlagen sich. Es ist ein Jahr her, dass die Verfilmung meines letzten Romans in die Kinos gekommen ist. Ein Jahr, seit sich die öffentliche Aufmerksamkeit wie eine bleierne Decke über mich gelegt und mir die Luft zum Atmen genommen hat.

Als Konsequenz sitze ich, die ich jahrelang mit spielerischer Leichtigkeit zwei Bücher pro Jahr rausgebracht habe, jetzt schon seit achtzehn Monaten an diesem Projekt, ohne dass ich auch nur einen halbwegs vernünftigen Anfang hinbekommen hätte. Und seit dem letzten Stream, der so katastrophal endete, habe ich es nicht mehr über mich gebracht, mich den Fragen eines Livepublikums zu stellen. Mir ist völlig unbegreiflich, wie mein Verlag es jemals für eine gute Idee halten konnte, einen Tag nach der Filmpremiere ein Live-Video aus dem größten Buchladen New Yorks zu streamen.

Okay, nicht völlig unbegreiflich. Weil es genau das ist, was Verlage tun. Was Autorinnen tun. Was in der PR-Routine der Branche Standard ist. Nur enden solche Events normalerweise nicht damit, dass die Autorin heulend zur Toilette rennt.

Gott, bei dem Gedanken daran will ich immer noch im Boden versinken.

Aber ich habe keine Zeit, die schreckliche Erinnerung länger aufleben zu lassen, weil Nora jetzt auf Facetime umgeschaltet hat. Ihr Gesicht erscheint auf dem Display, und sie sieht mich mit einem Blick an, den ich nicht einordnen kann. Ich weiß nur, dass er mir nicht gefällt.

»Tu es, Petra. Bitte. Ich bin mir ganz sicher, es würde dir neue Kraft und Motivation geben, wenn du siehst, wie viele Leute da draußen immer noch an dich glauben.«

»Die werden mich in der Luft zerreißen, Nora.«

»Ja, kann schon sein, aber das wirst du nicht mitkriegen, weil du dir die Kommentare nicht ansehen wirst. Überlass die Moderation mir, okay?« Sie lächelt aufmunternd. »Ich gehe jetzt live. Du kannst auflegen, wenn du willst, aber ich finde, dass du das nicht tun solltest.«

Ich reagiere so panisch, als hätte sie mich gerade gebeten, eine Leiche für sie verschwinden zu lassen. Nora will einen Livestream mit mir machen. Jetzt! Auf Facebook … Okay, okay, Petra. Ganz ruhig. Tu’s einfach.

Ich fahre mir mit den Zeigefingern noch schnell am unteren Lidrand entlang, um eventuell verschmierte Mascara wegzuwischen. Dabei sind unsere Leserinnen daran gewöhnt, uns in allen Lebenslagen zu sehen – ungeschminkt und meistens spätabends oder nachts, wann immer uns die Inspiration (oder Frustration) überkam. Nora und ich sind früher immer ganz spontan online gegangen, weil unsere jeweilige Fanbase damals sehr viel kleiner – und wohlwollender – war.

Wobei mit zunehmendem Bekanntheitsgrad dann sehr bald auch fiesere Fragen kamen. Und das war noch vor dem Desaster mit den geleakten Chat-Nachrichten.

Unsere Livestreams waren irgendwann eine feste Institution, und wir haben uns wahnsinnig gefreut, als wir damit nach einiger Zeit sogar Geld verdienten und unsere Rechnungen bezahlen konnten. Die Live-Videos kamen bei TikTok erstaunlich gut an, und unsere Followerzahlen schnellten in die Höhe, was sich bald auch in den Buchverkäufen niederschlug. Die Streams brachten mehr als jede andere Marketingstrategie, die wir je ausprobiert hatten. Kolleginnen und Kollegen klinkten sich ein, weil wir ganz offen darüber geredet haben, wie mühselig der Schreibprozess oft ist. Wie unfassbar frustrierend es ist, wenn ein Satz im ersten Moment perfekt klingt und im nächsten so holprig, dass man ihn sofort wieder löschen will. Wir haben ungeschönt von den Phasen erzählt, in denen wir am liebsten alles hingeschmissen hätten. In unseren Erfahrungen konnten sich viele Autoren wiederfinden. Für sie war es tröstlich, dass sie in ihrem täglichen Kampf mit den Wörtern nicht allein waren. Hauptsächlich aber waren es natürlich unsere Fans, die den Stream abonnierten, um lange vor den Veröffentlichungsterminen schon etwas über unsere aktuellen Projekte zu erfahren: eine Passage aus dem Text, ein kurzer Einblick in die Handlung, kleine Andeutungen, die Lust auf mehr machten und Vorfreude weckten.

Unsere Streams waren so eine Art Insider-Zugang – ein Blick hinter die Kulissen, den unsere Follower so nirgendwo sonst bekamen. Sie konnten uns beim Arbeiten über die Schulter schauen und nahmen dafür auch kleinere Spoiler in Kauf.

Vor einem Jahr war für mich dann Schluss damit. Nora geht immer noch live online, macht es mittlerweile aber allein.

»Kein TikTok, versprochen«, sagt sie jetzt. »Nur deine Facebook-Gruppe, und die ist geschlossen. Wer nicht angemeldet ist, kriegt nichts zu sehen.«

Ihre Stimme ist voller Zuversicht, während in mir sofort wieder Panik hochkriecht, als ich den Laptop aus dem Wohnbereich hole und auf die Küchentheke stelle.

»Nora«, sage ich flehend. »Ich glaube nicht, dass ich …«

»Tief durchatmen. Konzentrier dich nur auf mich und die Kamera.« Mit ihrer ruhigen Stimme schafft sie es tatsächlich, meine Nervosität etwas zu dämpfen. »Ich prüfe jede einzelne der eingereichten Fragen, bevor ich sie an dich weitergebe, okay? Sobald wir anfangen, wirst du sofort wieder drin sein und merken, wie leicht und vertraut sich alles anfühlt. Ich bin mir sicher, dass dir der Kontakt zur Basis guttut. Du weißt besser als jeder andere, dass Leserinnen unsere größte Motivationsquelle sind. Und du hast dich schon viel zu lang von ihnen abgeschottet. Der Kontakt mit ihnen wird dir neue Kraft zum Schreiben geben. Versprochen.«

Ich hole tief Luft, streiche mir mit beiden Händen über die Haare und öffne die Seite meiner Facebook-Gruppe. Mit klopfendem Herzen warte ich, während Nora das Live-Video einrichtet. Sekunden später ploppt die Einladung auf.

Sobald mein verschwommenes Gesicht im Fenster erscheint, springe ich auf und mache das Deckenlicht an. Die Lampe flackert kurz, bevor ihr grelles Licht den Raum erleuchtet und lange Schatten an die Wände wirft. Nicht gerade schmeichelhaft, aber es muss reichen.