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Wie mache ich gestochen scharfe und gut belichtete Fotos meines Hundes? Wie gelingen emotionale Bilder, die den Charakter meines Vierbeiners wiedergeben? Wie schaffe ich es, auch ohne Assistenten, Bilder zu bekommen, die Energie und Lebensfreude ausstrahlen? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Elke Vogelsang in ihrem Ratgeber – so einfach wie möglich, so umfangreich wie notwendig, direkt aus dem Alltag einer Hundefotografin. Von den technischen Grundlagen der Hundefo-tografie bis hin zu 50 Workshops – hier lernen Einsteiger und erfahrene Hobbyfotografen, wie sie Hundepersönlichkeiten in Szene setzen, kreative Bildideen entwickeln und diese optimal und hundegerecht umsetzen können.
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Seitenzahl: 204
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Vorwort
Der Hund
Der Umgang mit dem Hund
Der Welpe
Der übermütige Jungspund
Der alte und kranke Hund
Der Tierschutzhund
Die Aufmerksamkeit des Hundes steuern
Geräusche
Leckerlis
Spielzeug
Arbeiten ohne Assistenten
Die Ausrüstung
Kameras
Sensorgröße
Objektive
Lichtstärke
Brennweiten
Festbrennweite vs. Zoom
Teleobjektive
Weitwinkelobjektive
Normalbrennweite
Studioausrüstung
Blitz
Dauerlicht
Lichtformer
Hintergründe
Stative
Sonstiges
Weiteres Zubehör
Akkus und Batteriegriff
Speicherkarten
Fotorucksack
Nützliches für den Fotografen
Nützliches für den Hund
Die äußeren Bedingungen
Sicherheit
Sicherheit des Hundes
Sicherheit des Menschen
Sicherheit der Ausrüstung
Wetter
Jahreszeiten
Frühjahr
Sommer
Herbst
Winter
Tageszeiten
Licht
Natürliches Licht
Besonderheit Gegenlicht
Weißabgleich
Künstliches Licht
Location
Die Umgebung im Freien
Innenräume
Im Studio
Kulissen bestmöglich nutzen
Einfache Kulissen für zu Hause
Die Aufnahme
Jeder fängt irgendwo an
Kameratechnik
Blende
Tiefenschärfe
Verschlusszeit
ISO-Wert
RAW oder JPG
Schärfe
Fokus-Betriebsarten
Messfeldsteuerung
Augenerkennung
Bildstabilisator
Die richtige Belichtung
Belichtungsmodi
Wahl der Belichtungsmessmethode
Das Histogramm
Sonderfall schwarzes Fell
Sonderfall weißes Fell
Bildaufbau
Formate und Seitenverhältnisse
Formate
Seitenverhältnisse
Perspektive
Wie bekomme ich den Hintergrund unscharf?
Bokeh
Porträts
Die Augen
Ganzkörperporträts
Detailaufnahmen
Bewegungsaufnahmen
Einstellungen für Bewegungsaufnahmen
Ideen für abwechslungsreiche Bewegungsaufnahmen
Mitzieher
Bewegungsbilder ohne Assistenten
Den Charakter des Hundes einfangen
Gruppenbilder
Mehrere Hunde
Hund und Mensch
Ungestellte Szenen
Lifestyle und Reportage
Workshops
Direkter Blickkontakt
Das elegante Porträt
Das lustige Porträt
Ganzkörperporträt
Das unbekannte Wesen
Miteinander
Detailaufnahme
Schwarzer Hund
Weißer Hund
Schlafende Hunde soll man nicht wecken
Das macht der immer so!
Du und ich
Tricks
Fix und fertig
Weitwinkelaufnahme
Teleaufnahme
Herausforderung Brennweite
Im Studio
Blitzen im Freien
Indirektes Blitzen mit Aufsteckblitz
Dauerlicht
Porträt vor Schwarz
In der Luft
Die unscheinbare Kulisse
Ungewöhnliche Perspektiven
Ungewöhnliche Schnitte
Formate und Seitenverhältnisse
Negativer Raum
Eingerahmt
Die goldene Stunde
Zur Mittagszeit
Gegenlichtaufnahme
Schwarz-Weiß
Bewegungsaufnahme
Wasser
Die Spielstunde
Mitzieher
Unscharfer Hintergrund
Bokeh
Fensterporträt
Unter widrigen Umständen
Umgebungsporträt
Arbeitstiere
Die Welt ist bunt
Die Welt der Schatten
Silhouetten
Reflexionen
Requisiten
Minimalismus
Kombination
Reportage
Bilderserien und Projekte
Outtakes
Zum Schluss
Über mich
Dank
Register
Wie sagt man so schön in Hollywood: „Arbeite nie mit Kindern oder Tieren, sie stehlen dir die Show.“ Genau das jedoch genieße ich. Hunde sind Stars ohne Allüren. Ja, sie stellen dich vor Herausforderungen, aber auch die liebe ich, genau wie ihre Vielfalt an Emotionen und Charaktereigenschaften, ihr unberechenbares Wesen, ihren Humor, ihre Ausdruckskraft und Lebensfreude. Hunde sind etwas Wunderbares. Das gilt es in Bildern einzufangen. Nur wie?
Ein unscharfer Schnappschuss unseres Vierbeiners kann uns das liebste Bild der Welt sein, wenn es unabsichtlich gelungen ist, seine Persönlichkeit oder eine lustige oder emotionale Situation einzufangen. Dieses Buch soll dir die Informationen an die Hand geben, die notwendig sind, um solche Bilder technisch einwandfrei und eindrucksvoll zu gestalten und nicht dem Zufall zu überlassen.
Wie mache ich gestochen scharfe, gut belichtete, interessante, emotionale Bilder, die den Charakter des Hundes wiedergeben? Was brauche ich dafür? Wie kann ich es erreichen, dass der Vierbeiner mit Begeisterung dabei ist? Wie schaffe ich es auch ohne Assistenten, Bilder zu bekommen, die Energie und Lebensfreude ausstrahlen? Diese und viele weitere Fragen beantworte ich in diesem Buch. Dabei werden die wichtigen Aspekte für Porträts und Bewegungsaufnahmen besprochen – so einfach wie möglich, so umfangreich wie notwendig, direkt aus dem Alltag einer Hundefotografin.
Das Buch ist für Anfänger gedacht, aber auch erfahrenere Hobbyfotografen werden noch viele Tipps zur Hundefotografie mitnehmen können. Seit über zehn Jahren fotografiere ich hauptsächlich Haustiere. Dabei waren Hunderte unterschiedlicher Hundepersönlichkeiten vor meiner Kamera.
Die Workshops im zweiten Teil des Buches geben dir Gelegenheit, die technischen Grundlagen der Hundefotografie, den Umgang mit dem Hund, die Aufnahmetechniken, aber auch die kreative Ideenfindung mit viel Spaß und immer am Hund orientiert zu üben und deinen eigenen Weg zu finden.
Unter den Fotos stehen die technischen Informationen und ein kurzer Text mit Hintergrundinformationen. Die Daten sind folgendermaßen angegeben:
Brennweite (bezogen auf das Vollformat) | Blende | Verschlusszeit | ISO-Wert | zusätzliche Ausrüstung (falls verwendet, z. B. Blitz)
Beispiel: 50 mm | f/4 | 1/400 s | ISO 200 | Studioblitz
Freu dich auf urige Gesichter und rasante Action und darauf, einzigartige Erinnerungen auf den Sensor zu bannen. Ich hoffe, dass ich dich mit meiner Begeisterung für das Genre anstecken kann.
Viel Spaß!
Deine
Elke Vogelsang
Eine Bande Welpen stürmt das Studio und sorgt für viel Wirbel und Aufwischarbeit. Da ist der abgeklärte Senior Balthasar, der meine seltsamen Geräusche allenfalls mitleidig zu ignorieren scheint. Alma, die ängstliche Tierschutzhündin, muss noch Vertrauen fassen. Der ignorante Dackel Leopold interessiert sich auf der Wiese ausschließlich für andere Hunde. Die Hundefotografie ist schon aufgrund ihrer unterschiedlichen Charaktere ein spannendes Abenteuer. Wir müssen nicht nur die Kamera beherrschen, das Licht vorteilhaft nutzen und eine ansprechende Kulisse auswählen. Mit einem Hund als Modell haben wir noch einen weiteren Faktor, der uns vor diverse Herausforderungen stellen kann. Es steht und fällt damit, ob wir in der Lage sind, diesen mit Fingerspitzengefühl zu motivieren, für die Kamera zu posieren. Wie das gelingt, erfährst du in diesem Kapitel.
Ein Hund könnte sich nicht weniger dafür interessieren, fotografiert zu werden. Das Shooting muss mit etwas Positivem verknüpft werden. Was der Hund hier lernt, ist nicht lebensnotwendig. Es sollte nicht als Gehorsamsübung angesehen werden, sondern als eine bindungsfestigende Beschäftigung. Arbeite nie mit Druck und fotografiere deinen Hund nicht, wenn du selber einen schlechten Tag hast. Egal wie sehr dein Motiv an deinen Nerven zerrt, bedenke, dass Ungeduld und Missmut nicht zum richtigen Ergebnis führen werden. Atme tief durch und lach drüber. Aber auch wenn der Hund bei der Sache ist, gibt es immer noch den kleinen Funken mehr Enthusiasmus, den du ihm entlocken kannst, indem du ihm Spaß und Spannung bereitest. Geduld, Ruhe und tiergerechte Fotografie sind immer oberste Devise!
SEI NICHT LANGWEILIG!
Du solltest die Kamera ohne längeres Hantieren bedienen können, um den Hund nicht zu langweilen. Übe an Gegenständen in Ruhe die verschiedenen Einstellmöglichkeiten deiner Kamera.
Vor dem Shooting sollte der Hund Gelegenheit gehabt haben, sich zu lösen. Ein Hund „unter Druck“ hat andere Sorgen, als für Fotos stillzuhalten. Die Session sollte nicht zu lang sein. Meine Shootings sind nicht länger als anderthalb Stunden. Bei sehr jungen, alten oder kranken Hunden können sie auch kürzer sein. Natürlich ist der ein oder andere Hund länger beanspruchbar, aber nicht nur die körperliche Anstrengung macht müde, sondern auch die Konzentration, die er aufbringen muss.
Schaffe dem Tier eine vertraute und ablenkungsfreie Umgebung. Mach es ihm so angenehm wie möglich. Es gibt sehr unsichere und ängstliche Hunde, insbesondere aus dem Tierschutz, die noch nicht genug Vertrauen in Menschen gefasst haben oder unbekannte Situationen erschreckend finden können. Ist dies der Fall, belohne zunächst das bloße Dulden der Anwesenheit der Kamera. Hebe sie gar nicht erst an, sondern lege sie auf den Boden. Lass den Hund Leckerlis davon fressen. Fasse den Hund nicht an. Sorge für Ruhe und eine entspannte Atmosphäre. Steigere den Schwierigkeitsgrad erst, wenn du merkst, dass der Hund angstfrei bei der Sache ist. Bei besonders ängstlichen Hunden kann dies ein paar Tage, Wochen oder Monate dauern. Mit Geduld ist sehr viel machbar. Freu dich über jeden kleinen Erfolg.
Belohne freigiebig und abwechslungsreich. Dazu gehören verbales Lob, Leckerlis, aber auch Spielrunden. Manch ein Hund liebt schon die Aufmerksamkeit, andere benötigen mehr Überzeugung. Bedenke, dass jeder Hund andere Sachen spannend findet. Quirlige Terrier lasse ich durch mein Studio sausen, um Energie abzubauen. Die Porträts entstehen dann in kurzen Pausen zwischen zwei Sporteinlagen und sehen aufgrund der freudigen Erwartung des Tieres umso aufmerksamer und freundlicher aus, während z. B. der sensible Windhund mehr Ruhe und ein unaufgeregtes Umfeld brauchen kann.
Hat der Hund noch keinen Grundgehorsam oder möchtest du Bewegungsbilder von ihm machen, kann ein Assistent sehr hilfreich sein, der mit dem Hund spielt oder ihn in die gewünschten Positionen lockt. Für Tipps zum Motivieren des Hundes ohne Assistenten siehe den Abschnitt „Bewegungsbilder ohne Assistenten“.
Bei einem fremden Hund ist eine Eingewöhnung wichtig. Wenn ich Besitzer und Hund zum ersten Mal treffe, begrüße ich den Besitzer und ignoriere den Hund. Möchte Letzterer gerne eine Kontaktaufnahme, halte ich ihm freundlich meine Hand zum Beschnüffeln hin. Dafür gehe ich in einem ruhigen, aber nicht zögerlichen Tempo in die Hocke, wobei ich mich leicht abwende. Es ist keinesfalls notwendig, im Zeitlupentempo zu agieren. In der Hundesprache bedeuten sehr langsame Bewegungen ein Lauern oder Drohen. Vor allem bestürme ich ihn nicht gleich mit Liebkosungen. Viele Hunde sind nicht auf Streicheleinheiten aus, insbesondere nicht bei Fremden.
DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG
Scheue dich nicht davor, dich zum Clown zu machen, ob durch Geräusche, ansteckende Freude oder indem du eine schnelle Runde mit dem Hund zusammen läufst. Er wird deine Begeisterung freudig teilen, findet dich spannend und du entlockst ihm fröhliche Gesichter. Der Schlüssel zum Erfolg besteht aus Geduld, Wiederholung, Spaß und viel „Bestechung“.
Häufig ist auch das Gelände neu, auf dem wir uns treffen. Das gilt es zu erkunden. Mein Studio kann sehr aufregend sein, da die meisten Hunde es nicht gewöhnt sind, in fremde Häuser zu spazieren und Aufmerksamkeit zu bekommen – allenfalls beim Tierarzt ist das der Fall, und das bedeutet aus Hundesicht oft nichts Gutes.
35 mm | f/7.1 | 1/1250 s | ISO 250 | Studioblitz – Meine Tierschutzhündin Scout war sehr schüchtern, als ich sie mit wenigen Monaten bekam. Ich habe sie (auch ohne Kamera) vor kleine Herausforderungen gestellt und, wenn sie diese bewältigte, mit Lob überschüttet. Man sah ihr förmlich an, wie sie mutiger wurde. Die Herausforderungen wurden Schritt für Schritt gesteigert. Einfache Aufgaben wurden dann auch nicht mehr überschwänglich belohnt, denn diese waren mittlerweile normal geworden. Größere dagegen erhielten als Antwort immer noch eine „große Partie“. Heute ist sie ein sehr entspannter Hund, insbesondere vor der Kamera.
Im Studio schalte ich zunächst meine Blitze ein. Nach ein paar Minuten der Eingewöhnung, in denen der Hund mein Studio erforschen konnte, feuere ich ein paar Testschüsse mit niedriger Leistung ab. Reagiert er auf den Blitz durch leichte Verunsicherung, ist weiter Vorsicht geboten und ich lasse ihm mehr Zeit. Die allermeisten Hunde haben kein Problem mit Blitzlicht. Wenn ein Hund Angst hat, ist es eher das Geräusch als das Licht. Damit der Blitz möglichst leise auslöst, kann man eine niedrige Leistung wählen. Nach einer Weile teste ich, wie ansprechbar der Hund ist. Wenn er in Ruhe ein paar Übungen mitmacht, gerne Leckerlis annimmt und das Blitzlicht ignoriert, kann ich mit dem Fotografieren beginnen.
Zuletzt erhält der Hund beim Shooting viel Lob und viele Leckerlis oder Spaß durch Spiel. Die meisten Hunde wollen dann gar nicht mehr gehen und scheinen ihr Glück gar nicht fassen zu können.
Alarm, die Welpen kommen! Auch wenn Welpen eine Herausforderung darstellen, da sie noch keinen Gehorsam besitzen, bieten sie den Vorteil, dass sie noch alles spannend finden können. Sie halten zwar zumeist nicht brav still, sind aber von vielen Geräuschen beeindruckt und spielen sehr gern.
Im Alter ab fünf Wochen sind Welpen meiner Meinung nach am spannendsten. Ab der achten Woche siedeln sie vom Züchter in ihr neues Zuhause um. Dann sind sie gänzlich entwickelt, voller Energie, mit allen Sinnen dabei und haben noch ihr niedliches junges Aussehen. Zu dieser Zeit ist die Immunisierung gegen ansteckende Krankheiten noch nicht abgeschlossen. Die empfohlenen Impfungen finden ungefähr in den Wochen acht bis 16 statt. Danach ist der Schutz gegen Krankheiten wie Staupe und Parvovirose gegeben.
Ein Shooting im Freien sollte vorher eher auf der heimischen Wiese und nicht mit Hunden aus anderen Haushalten stattfinden. Fotografierst du fremde Tiere, solltest du vor und nach einem Shooting im Studio die Dinge reinigen, mit denen die Tiere in Berührung kommen. Oberflächen und Utensilien sollten waschbar sein, damit man sie auch in Zukunft noch verwenden kann.
WENN’S LÄUFT, DANN LÄUFT’S
Halte in jedem Fall Wischzeug bereit, denn in der Aufregung kann ein Malheur passieren. Papiertücher zum Abputzen und Aufwischen sowie Reinigungsmittel oder Desinfektionsmittel wirst du sicherlich benötigen.
Welpen müssen alles erkunden und kauen noch alles an. Die Umgebung sollte welpensicher sein und die Bande nicht sich selber überlassen werden. Sie kommen auf die seltsamsten Ideen. Kabel sind außer Reichweite zu bringen. Es sollten keine kleinen Gegenstände, die verschluckt werden können, herumliegen. Schmuck wie Ohrringe werden nur allzu gerne untersucht und angenagt, wenn man nicht aufpasst. Ich lege vor einem Welpenshooting sämtlichen Schmuck ab, damit ich auch einmal kuscheln kann, ohne dass der Kleine meinen Ohrring hinunterschlingt.
Für mehrere Welpen nutze ich gerne einen Sessel, eine Kiste oder einen Korb, damit die Kleinen besser am Platz gehalten werden. Auch daraus werden sie entweichen können, aber man hat ein paar Se kunden, in denen sie erst herausfinden müssen, wie sie aus dem Behälter herauskommen. Ist der Welpe hinausgehüpft, wird er wieder hineingesetzt und bespaßt, damit die Kiste spannend bleibt. Das können anstrengende Minuten werden, aber mit Geduld und Ruhe und Beharrlichkeit können wunderbare Bilder entstehen.
Podeste in verschiedenen Höhen sind vorteilhaft, um Modelle daraufzusetzen. So sind die Welpen örtlich eingeschränkt, und du hast es leichter, mit ihnen auf Augenhöhe zu sein. Bei Welpen ist es ratsam, eine weitere Person direkt daneben zu platzieren, um aufzupassen, dass der Welpe nicht herunterpurzelt. Das Podest sollte dennoch nicht so hoch sein, dass Verletzungen die Folge wären, falls es doch mal geschieht. Legst du den Bereich um das Podest mit weichen Kissen und Decken aus, ist größtmögliche Sicherheit gegeben.
Welpen kann man prima mit Spielzeug bei Laune halten und damit den Blick lenken. Das können alle Gegenstände sein, die knistern oder gejagt werden können. Es muss keinesfalls der teure Plüschtierhase aus dem Zoofachgeschäft sein. Zerknülltes Papier, eine Feder, Stofffetzen usw. reichen schon, um den Kleinen in Spiellaune zu bringen.
Auch wenn Welpen gerne spielen, können sie schnell das Interesse verlieren und sich anderen Dingen zuwenden, denn alles ist spannend, aber häufig nur für kurze Zeit. Versuche, durch Überraschungen, Wegziehen des Spielzeugs, Necken, Änderung der Geschwindigkeit usw. die Spannung aufrechtzuerhalten.
Welpen sind fast immer in Bewegung, daher solltest du deine Kamera auf Sportfotografie mit kontinuierlichem Autofokus und Serienbildfunktion eingestellt haben. Alles zur Fotografie von Hunden in Bewegung gibt es im Kapitel „Bewegungsaufnahmen“.
Welpen sind sehr schnell müde. Man kann nicht damit rechnen, dass sie länger als eine Stunde wach mitmachen. Pausen sind wichtig. Zum Schluss der Session schaue ich immer, ob ich auch noch ein paar Bilder vom schlafenden Welpen erhaschen kann, der sich nun müde gespielt in ein Körbchen gekuschelt hat.
Es werden bei einem Welpenshooting auch einige Bilder entstehen, die nicht den Weg ins Album schaffen, aber auch die Outtakes können wunderbare Erinnerungen sein.
45 mm | f/10 | 1/800 s | ISO 200 | Studioblitz – Eine mit einer Decke ausgeschlagene Kiste kann eine einfache, aber effektive Kulisse für ein Welpenporträt sein. Hier habe ich einfach nur geflüstert, um Bandits Aufmerksamkeit zu bekommen. Für ein paar Sekunden kann das gut klappen.
80 mm | f/13 | 1/200 s | ISO 200 | Studioblitz – Zum Schluss sind alle müde.
Die übermütigen Jungspunde sind mir die liebsten. Je energiegeladener, desto interessanter und ausdrucksvoller können die Bilder werden. Oft haben sie schon Grundgehorsam, bleiben auch mal eine Sekunde lang sitzen und sind häufig mit Eifer und Elan bei der Sache.
Sehr energiegeladene Hunde können zunächst ein wenig Dampf ablassen, indem du sie ein paar Runden laufen lässt. Aber wirklich nur kurz und möglichst ohne Spielzeug, da manch ein Hund danach nur noch Augen für dieses hat.
Dann folgen die Porträts, für die der Hund noch seine volle Konzentration benötigt. Für die Bewegungsaufnahmen zum Schluss lässt du ihn noch mal so richtig Gas geben. Da du deine Porträts im Kasten hast, brauchst du dir dann keine Gedanken mehr um heraushängende Zungen oder mangelnde Konzentration machen.
Für die Rabauken unter den Hunden habe ich meine Studio-Ausrüstung (z. B. Blitz) an der Decke befestigt, sodass auch mal in etwas hineingerannt werden kann, ohne dass es auf den Hund fällt oder auf dem Boden zerschellt.
Die Senioren unter den Hunden faszinieren besonders. Sie können abgeklärt wirken und innere Ruhe ausstrahlen. Sie sind aber zuweilen schwer zu beeindrucken, haben sie doch im Leben schon viel erlebt und gehört. Hier gilt es, die Trickkiste aufzumachen und besonders interessante Prämien und Aufmerksamkeitslenker herauszuholen.
Dann gibt es wiederum die energiegeladenen Senioren, die nicht mitbekommen haben, dass sie in die Jahre gekommen sind. Pass hier besonders auf, dass sie sich nicht überanstrengen, verletzen oder zu schnell müde werden.
Bevor ich einen mir unbekannten Hund fotografiere, erkundige ich mich über das Alter, Allergien und den Gesundheitszustand. Arthrosegeplagte Hunde möchten eventuell nicht gerne sitzen, dann sind Motive für stehende oder liegende Hunde gefragt. So habe ich eine bequeme und fotogene Unterlage, auf die ich das Tier legen kann. Im Freien kann man den Hund darauf ablegen und aus einer sehr niedrigen Perspektive fotografieren, sodass diese (z. B. eine Decke) nicht mehr im Bild zu sehen ist. Im Studio sollte die Unterlage so fotogen wie möglich sein, damit sie ohne Probleme Teil des Bildes sein kann.
TIERGERECHT IST DIE DEVISE
Die Session ist eventuell kürzer, da alte Hunde schneller müde werden können. Längere Pausen können auch angesagt sein. Achte immer darauf, dass es deinem Modell gut geht und es nicht überfordert wird.
Möchtest du actionreiche Bilder vom Senior oder kranken Hund, kannst du ihn nach Leckerlis schnappen lassen. Hierfür kann er an Ort und Stelle sitzen bleiben, denn das erfordert keine zu großen Sprünge oder Laufbewegungen. Oder du kitzelst ihn leicht am Ohr, um ein Kopfschütteln zu provozieren. Das kann wunderbar lustige Bilder geben, ohne dass du den Hund über Stock und Stein scheuchst.
Ist aufgrund des Alters oder der Erkrankung all dies nicht mehr möglich, dann ist ein gemütlicher Spaziergang in schöner Natur bei Abendlicht eine wunderbare Möglichkeit, um Natur und Licht als stimmungsvolle Kulisse zu nutzen und so emotionale Erinnerungen festzuhalten, ohne dass der Hund selber gefordert wird.
75 mm | f/2 | 1/500 s | ISO 250 – Bei einer Senior-Session ist man zuweilen froh, wenn man ein Bild bekommt, wo der Hund wach und fröhlich aussieht. 30 Minuten hatte ich mit diesem hübschen Kerl. Man sollte sich bei einer Senior-Session daher nicht darauf versteifen, viele unterschiedliche Bilder in den Kasten zu bekommen. Zu schnell wird der Hund müde und schaut eher matt.
Dein Tierheim um die Ecke oder private Tierschutzvereine bekommen ständig neue Tiere herein, die ein Zuhause suchen. Vermittlungsfotos zu machen, ist eine wunderbare Chance für dich, deine Hundefotografie zu üben, viele unterschiedliche Hundepersönlichkeiten zu treffen, herausfordernde Situationen meistern zu lernen und dabei auch noch helfen zu können.
Natürlich müssen beide Seiten etwas davon haben. Tierschutzarbeit ist oft anstrengend, häufig ehrenamtlich, zuweilen dreckig und kann auch sehr frustrierend sein. Frage freundlich an, ob deine Hilfe in den Arbeitsalltag integriert werden kann. Wenn ja, wird dir der Verein jemanden zur Verfügung stellen, um dir die Tiere vor die Kamera zu bringen.
Biete deine Dienste nicht an, wenn du deine Kamera noch nicht einwandfrei beherrschst. Frag dich selber, ob du dem Verein einen Mehrwert bieten kannst. Selbstverständlich sollte sein, dass man keine Gefühle verletzt, indem man die fotografischen Fähigkeiten der Mitarbeiter des Vereins kritisiert. Sei ehrlich und sag, dass du gerne helfen würdest, aber auch du durch die Aktion lernen möchtest.
Aus Sicherheitsgründen muss der Hund häufig an der Leine bleiben, wenn der Verein nicht das Risiko eingehen möchte, dass dir oder deiner Ausrüstung etwas passiert. Halte dich an die Bedingungen des Vereins. So lernst du, auch aus schwierigen Situationen das Beste herauszuholen. Sollte die Leine am Hund bleiben müssen, achte darauf, dass Halsband und Leine fotogen und nicht zu auffällig sind. Es sollen Porträts vom Tier werden und keine Produktfotos. Ich habe immer eine schmale Fettlederleine dabei, die ich leicht herausretuschieren kann, wenn es sein muss. Aus fotografischer Sicht ist häufig ein Halsband einem Geschirr vorzuziehen, da dieses am Hund sehr auffällig sein kann.
DU WÄCHST AN DEINEN AUFGABEN
Die Modelle können zuweilen weder „Sitz!“ noch „Platz!“. Ein Tierschutzhund stellt dich vor eine neue Herausforderung und lehrt dich mehr über Hunde und Fotografie als jeder Fotoworkshop.
Wahrscheinlich muss das Shooting auf dem Tierheimgelände stattfinden. Halte Ausschau nach einem möglichst fotogenen Fleckchen. Es sollten fröhliche und aufmunternde Bilder werden. Traurige Gesichter hinter Gittern sorgen für Mitleid, aber das sollte nicht der Motivator für Adoption sein. Potenzielle Adoptionsfamilien suchen nach einem neuen Familienmitglied, das Freude ins Haus mitbringt. Im Idealfall spiegeln deine Bilder den Charakter des jeweiligen Hundes wider und stellen ihn positiv dar, ohne auf die Tränendrüse zu drücken.
Sehr schön ist es, wenn man Bilder in Aktion zeigen kann. Suche dir eine Wiese. Sollte der Hund an der Leine bleiben müssen, sollte diese lang genug sein, damit der Hund ein wenig Bewegungsspielraum hat. So kann er nach Leckerlis springen und schaut begeistert und voller Leben.
Dies können die schwierigeren Bilder sein. Lass dich nicht zu sehr demotivieren, sondern sieh jedes gelungene Bild als Erfolg an und freu dich über die Arbeit mit dem Tier und darüber, dass du helfen kannst. Liefere deine Fotos so schnell wie möglich, damit durch deine Hilfe ein Tier zeitnah ein neues Zuhause finden kann. Wenn du dann eines Tages von einem stolzen neuen Besitzer die Nachricht bekommst, dass man den Hund aufgrund deiner Fotos entdeckt hat, ist das ein wunderbares Gefühl.
135 mm | f/2 | 1/320 s | ISO 1000 – Diese wunderschöne Hündin habe ich auf einem eingezäunten Gelände fotografiert, wo sie ohne Geschirr für Porträts posieren konnte. Da sie keinerlei Grundgehorsam hatte und sehr schüchtern war, musste ich beobachten und schauen, was sie mir bietet. Sie stand die meiste Zeit nur da und schaute fasziniert die Umgebung an. So wartete ich, dass sie etwas beobachtete, das sie dazu verleitete, ihre Ohren ein wenig aufzustellen. Zuweilen ist man froh, wenn man mit einem ansprechenden Standardporträt aufwarten kann. Windhundfreunde wird ihr schönes Profil in den Bann ziehen.
Egal um welche Art von Hundemodell es sich handelt, es soll nicht nur angstfrei und freudig mitmachen, sondern auch aufgeweckt, interessiert, niedlich, ausgeschlafen, neugierig dabei aussehen. Direkter Blickkontakt mit dem Betrachter sorgt für Intimität. Ein niedliches Kopfschieflegen ist ein Plus. Lenke die Aufmerksamkeit des Hundes durch drei Motivationshilfen: Geräusche (Stimme oder Geräuschmacher), Leckerlis und Bewegung.
Lob und Sprache sind nicht nur Belohnung, sondern ziehen auch die Aufmerksamkeit des Hundes an. Möchtest du einen direkten Blick zur Kamera einfangen, ziehe alle Register.
Manche Hunde haben Lieblingswörter. So führt z. B. bei dem ein oder anderen Hund das Wort „Leckerli?“ oder „Katze?“ zu einem aufmerksamen Schieflegen des Kopfes. Werden diese Wörter jedoch nur während des Fotografierens verwendet und folgt keine besondere Aktion darauf, werden sie schnell langweilig. Übe und belohne den Hund auch neben der Fotografie. Meine Hündin Noodles hat ein großes Repertoire an Lieblingswörtern. Frage ich sie „Leckerli?“, schaut sie mich erwartungsvoll an.
Geräusche jeder Art können den Blick des Hundes auf sich ziehen. Es gilt: Weniger ist mehr. Leise Geräusche wecken eher die Neugier. Erschrecke das Tier nicht. Welpen finden häufig noch vieles interessant. Hier kann ein Flüstern schon zu einem tollen Blick führen. Reicht das nicht aus, miepse, fiepse, grunze, quake usw. hinter deiner Kamera. Geräusche hinter der Kamera sind am besten dazu geeignet, tatsächlich einen Kamerablick zu bekommen und nicht den Blick an der Kamera vorbei.
HIER SPIELT DIE MUSIK
Eine Sammlung an „Geräuschmachern“ habe ich immer dabei. Dazu gehören Quietschies, Jagdpfeifen, Kazoos und vieles mehr. Alles, was man in nur einer Hand halten kann, wird hier irgendwann mal ausprobiert. Dabei gibt es viele günstige Alternativen zur teuren Jagdpfeife. Quietschies, die man Plüschtieren einnäht, gibt es im Dutzenderpack im Bastelladen. Man muss nicht die teuren Quietschtiere kaufen, die ohnehin nur den Hund dazu ermuntern, damit spielen zu wollen.
Für den coolen Senior, der schon viel im Leben gesehen und gehört hat, muss man tiefer in diese die Trickkiste greifen. Für solche Fälle habe ich auch ausgefallene Musikinstrumente, die urige Geräusche machen können.
40 mm | f/10 | 1/800 s | ISO 320 | Studioblitz – Hier reagierte die Hündin auf meine seltsamen Geräusche mit einem niedlichen Schieflegen des Kopfes.
75 mm | f/5.6 | 1/125 s | ISO 640 – Ich habe eine ganze Sammlung an Geräuschmachern wie Quietschies und Jagdpfeifen, aber auch kleine Musikinstrumente wie hier ein Kazoo.
Für Leckerlis machen die allermeisten Hunde fast alles. Beginne jedoch zum Austesten nicht gleich mit den aufregendsten Prämien. Dies kann kontraproduktiv sein, wenn der Leckerli-obsessive Labrador keine zwei Sekunden für ein Porträt stillhalten kann, weil du gleich zu Beginn die leckere Fleischwurst rausgeholt hast und er dir nunmehr auf dem Schoß sitzt.
Auch kann ein Sabbern zum Problem werden, insbesondere bei Hunden mit langem Fell an der Schnauze. Hier kann es ratsamer sein, eher mit Lob und Spiel zu arbeiten.
Steigere die Belohnung, bis du denkst, das richtige Maß gefunden zu haben, bei dem das Tier freudig, aber ohne zu überdrehen mitmacht, und wechsle die Art der Prämie, um die Spannung aufrechtzuerhalten.
