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Egal, ob du deinen allerersten Workshop moderierst oder schon lange im Geschäft bist: Es gibt diese kleinen, kniffligen Momente, in denen du dich fragst: "Und jetzt?" - Genau diese Frage soll das E-Book beantworten. In den 55 Mini-Geschichten stecken Tipps aus der Praxis, die nicht in den üblichen Moderationslehrbüchern stehen. Tipps, die du ohne zusätzlichen Aufwand in deine Workshopmoderation einbauen kannst - in Konfliktworkshops, Kreativsessions oder Teammeetings, egal ob online oder in Präsenz. Hier geht es nicht um modische Workshop-Methoden oder Trends, sondern um das Handwerk: Wie du Stille aushältst, Flipcharts clever einsetzt, Räume optimal einrichtest, spontan reagierst und Teilnehmende wirklich aktivierst. Unterhaltsam erzählt, mit einer Prise Humor und vielen Ach-so-Momenten, die dir in Meetings, Besprechungen und Workshops helfen – für Moderator*innen aller Erfahrungsstufen, die mit weniger Stress mehr Wirkung erzielen wollen. Im E-Book findest du auch den Link zum digitalem Bonusbereich "Nachschlag zum Nachschlagen".
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Dieses E-Book hast du meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu verdanken.
Sehr oft gaben sie mir am Ende der Moderationstrainings die Rückmeldung, dass es auch die kleinen Tipps am Rande waren, die für sie die zwei Tage so wertvoll gemacht haben. Solche i-Tüpfelchen hätten sie in keinem noch so dicken Standard-Lehrwerk gefunden und auch in meinen Trainingsunterlagen kamen sie leider nicht vor.
Ich habe mir deshalb angewöhnt, bei der Erwähnung dieser – viel zu einfachen und unsystematischen – Tipps mit Zeige- und Mittelfingern An- und Ausführungszeichen in die Luft zu markieren und auf das „Goldene Handbuch der Workshopmoderation“ zu verweisen, ein Buch aus einer Fantasiewelt, das es in Wirklichkeit nicht gibt.
Erst als ich nach der ISBN für das „Goldene Handbuch …“ gefragt wurde, habe ich angefangen zu schreiben und mich kopfüber in mein erstes Buchprojekt gestürzt.
Nach ein paar Monaten und mehreren Überarbeitungen des Titels ist daraus genau das Buch geworden, von dem du jetzt die E-Book-Version in der Hand hältst. Es kann weder ein gründliches Moderationstraining noch ein Lehrbuch der Workshopmoderation ersetzen. Dafür bietet es eine ganze Palette von Tüpfelchen für das i deiner Moderation. Es ist perfekt geeignet für die Fahrt in der Straßenbahn oder im ICE, vielleicht auf dem Weg zu deinem nächsten Workshop. Es ist leicht zu lesen und kommt ohne festgelegte Reihenfolge aus.
Du kannst es von vorn bis hinten durchlesen, Kapitel überspringen oder mittendrin anfangen. Wenn du nach bestimmten Themen suchst, wie Flipchart oder Online-Moderation, findest du am Ende ein Verzeichnis mit den passenden Tipps.
Als Leser*in steht dir eine exklusive Mediathek zur Verfügung. Dort kannst du zu vielen Geschichten weiterführende Informationen und Anleitungen finden, für die im E-Book kein Platz war. Den digitalen Nachschlag zum Nachschlagen bekommst du mit dem Link und QR-Code auf der letzten Seite.
Die 26 Held*innen (Übersicht) stehen stellvertretend für die vielen Menschen, die immer wieder ihr Bestes geben, um die gemeinsame Zeit in Meetings, Besprechungen und Workshops optimal zu nutzen. Sie moderieren, obwohl es nicht zu ihren Kernaufgaben gehört und das Tagesgeschäft schon anspruchsvoll genug ist.
Auch ich verdanke das E-Book diesen Menschen.
Ob sie will oder nicht: Ihr Publikum beobachtet genau, was Isabel tut.
Ob sie wollen oder nicht, richten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Blick auf sie. Sie schauen hauptsächlich auf ihre Augen (Wie ist sie drauf?), in ihre Blickrichtung (Wo schaut sie hin?) und danach auf ihre Hände (Was tut sie?).
Da sie gerade dabei ist, die Beiträge aufzuschreiben, die sie ihr zurufen, hat sie in der einen Hand den offenen Flipchartmarker und in der anderen Hand die dazugehörige Kappe.
Nachdem die Zurufe zunächst zögerlich eingesetzt hatten und dann wie lebhafte Regentropfen niederprasselten, tritt schließlich Stille ein. Isabel weiß genau: Jetzt wird es wichtig. Eine der wichtigsten Fähigkeiten der Moderatorin ist es, Stille aushalten zu können.
Bei Isabel stellt sich angespannte Konzentration ein: Darauf, jetzt ganz aufmerksam in diese Stille hineinzuhorchen, freundlich und erwartungsvoll in die Runde zu schauen, Menschen anzulächeln und sich dabei auf die Lippen zu beißen. Sie möchte ja alles richtig machen und auf gar keinen Fall selbst die Stille brechen.
Und klack! Da ist es passiert. Ihre Hände entscheiden sich wie von selbst, etwas zu tun. Wenn schon nichts gesagt wird, dann wenigstens ein bisschen Bewegung! Was wäre da näherliegend, als die Kappe auf den Stift zu stecken? Klack!
Die meisten Teilnehmer*innen sehen die kleine Bewegung detailliert im Fokus, weil sie gerade auf Isabels Hände schauen. Die anderen nehmen sie selbst im peripheren Gesichtsfeld noch wahr. Die Mustererkennung im Gehirn sagt ihnen auf jeden Fall:
Schluss! Fertig.
Der Prozess ist abgeschlossen. Die Moderatorin hat, was sie wollte. Sie ist zufrieden. Alle Antworten sind da.
Für alle, die gerade noch mühevoll überlegt haben, welche Antworten ihnen noch einfallen, fühlt sich das wie eine angenehme Erlösung an. Die Anspannung ist raus. Die Verantwortung liegt nicht mehr bei ihnen, sondern wieder bei der Moderatorin. All die Beiträge, die gerade noch in den Köpfen der Teilnehmer*innen zu Ende gedacht, final formuliert und abschließend zensiert wurden, werden für immer unausgesprochen bleiben.
Diese Situation ist nicht schlimm. Vielleicht ist es gerade das, was Isabel in diesem Moment als Moderatorin erreichen wollte. Es wäre jedoch schade, wenn sie diese Situation zufällig – und viel zu früh – herbeigeführt hätte, nur weil sie gerade aus Nervosität den Stift geschlossen hat.
Stille.
Gaby richtet gerade den Besprechungsraum für die anstehende Retrospektive ein. Die Nadeln, oder Pins, die der Pinnwand einst ihren Namen gaben, sind sonderbar. Wenn Gaby sie nicht brauchen kann, stecken sie kreuz und quer überall auf der Pinnwand – dort, wo sie am Ende der vorhergehenden Veranstaltung einfach stecken gelassen wurden.
Wenn Gaby sie jedoch während ihrer Retro braucht, ist es schwer, an sie heranzukommen: Während sie eine beschriftete Karte mit der einen Hand aufhängbereit an die Filzfläche hält und mit der anderen vorausschauend die Pinnwand fest im Griff hat, um sie beim Einstechen vor dem Umkippen zu bewahren, bräuchte Gaby in diesem Moment noch eine dritte Hand, um das Nadelkästchen zu öffnen und mit viel Geschick eine Nadel herauszufischen.
Die Pins wahllos in der Pinnwand stecken zu lassen, so wie die Leute in der vorhergehenden Veranstaltung, ist nicht Gabys Stil. Trotzdem möchte sie immer Nadeln einfach greifbar haben.
Deshalb hat sie im Baumarkt ein paar Euro in eine einseitig geschlitzte Rohrisolierung aus Polyethylen investiert, sich ein 30 cm langes Stück abgeschnitten und es seither vor jeder Retrospektive seitlich um den Rahmen der Pinnwand geklemmt, statt wie vorgesehen um ein Heizungsrohr.
Hier können nun zahlreiche Nadeln ein geordnetes Zuhause finden, ohne dass sie im Weg sind oder das Innenleben der Filzwand unnötig durchlöchern.
Nachschlag gefällig?
Wie sieht der Parkplatz für Pinnnadeln aus? Für Leser*innen dieses E-Books gibt es den Nachschlag zum Nachschlagen – eine exklusive Mediathek mit den Antworten auf diese Frage und vielen weiterführenden Informationen, Videos und Bildern.
https://www.workshopmoderationstraining.de/buch/nachschlag/
Bist du ergebnisoffen?
Stell dir vor, du hast in deinem Arbeitsgebiet etwas zu sagen und möchtest ein aktuelles Problem lösen. Dazu initiierst du einen Workshop und lädst die notwendigen Personen ein. Mit der Moderation hast du Zoe beauftragt, von der du weißt, wie zielstrebig sie ist.
Zoe bittet um ein Gespräch im Vorfeld, um alles abzustimmen und in deinem Sinne zu moderieren. Und dann stellt sie direkt diese Frage: „Bist du ergebnisoffen?“
Wie würde deine Antwort sein?
Zoe kann sich ziemlich sicher sein, dass – unabhängig davon, worum es in deinem Workshop geht – deine Antwort: „Ja“ oder gar „Natürlich!“, „Selbstverständlich!“ ist. Oder?
So wird es den allermeisten Auftraggeber*innen gehen! Typischerweise denken Menschen von sich, dass sie nach bestem Gewissen handeln. Zu diesem „besten Gewissen“ würde in diesem Beispiel auch Ergebnisoffenheit gehören. Die allermeisten von Zoes Auftraggeber*innen verstehen intellektuell, dass Ergebnisoffenheit zu einem guten Workshop gehört. Zumindest haben sie einmal davon gehört.
Wenn die Antwort jedoch voraussagbar „Ja“, oder gar „Natürlich!“, „Selbstverständlich!“ lauten wird, egal wie die tatsächliche Erwartungshaltung der Auftraggeber*in ist, ist die Frage überflüssig und eine Verschwendung von Zeit.
Als gut ausgebildete Moderatorin brennt Zoe die Frage nach der Ergebnisoffenheit jedoch immer unter den Nägeln. Schließlich richten sich nach der (ehrlichen) Antwort wichtige Aspekte der Moderation. Das hat Zoe im Moderationstraining gelernt.
Wie kommt Zoe nun also zu einer ehrlichen Antwort?
Sie beginnt stets mit der offenen Frage:
„Was glauben Sie, was bei dem Workshop herauskommt?“ oder
„Was denkst du, auf welche Weise wird das Workshopziel erreicht werden?“ oder
„Wie würden Sie das Problem lösen?“
Wenn die Antwort der Auftraggeber*in:
„Keine Ahnung. Dazu gibt es doch den Workshop!“ oder
„Da gibt es sicherlich viele Möglichkeiten. Schauen wir mal, was das Team bestimmt“ oder
„Ich habe da so ein paar Ideen, aber bestimmt gibt es ja noch viel bessere“
ist, hat Zoe die Antwort, die sie wollte: Die Auftraggeberin ist ergebnisoffen.
Wenn die Antwort eine konkrete Erwartung:
„Na das liegt doch eigentlich auf der Hand: …“
oder ähnlich ist, ist Zoe noch nicht am Ende!
Erst an dieser Stelle folgt die eigentliche Gretchenfrage:
„Was werden Sie tun, wenn der Workshop zu einem anderen Ergebnis kommt?“
Erst jetzt muss sich die Auftraggeberin bekennen!
Ist sie ergebnisoffen, wird sie antworten:
„Ja kein Problem, dann machen wir das anders.“ oder
„Wenn das Team so entscheidet – prima! Es sollen aber allen die Konsequenzen klar sein.“ oder
„Nun, solange [dies] und [jenes] eingehalten wird, ist das auch o. k.“
Im anderen Fall – dem, den Zoe in der Moderation vermeiden möchte – klingt es etwa so:
„Dann werde ich ein Machtwort sprechen“ oder
„Sehen Sie zu, dass Sie so moderieren, dass das nicht passiert!“ oder
„Die Teilnehmer werden doch schlau genug sein, dass sie nicht auf eine andere Lösung kommen.“
All diese Antworten sind bedauerlich und werden Zoes Workshopvorbereitung deutlich erschweren.
Zoe ist eine ehrliche Antwort aber lieber als ein flüchtig dahingeworfenes und wertloses „Ja, selbstverständlich“ auf die Frage nach der Ergebnisoffenheit.
Um treffende Worte war Robin noch nie verlegen. Selbst komplexe Projektstrukturen klingen bei ihm wie eine packend erzählte Geschichte am Lagerfeuer.
