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Yolanda ist ein Mädchen. Allein ist sie zu Hause nicht. Yolanda hat noch eine Zwillingsschwester. Auch wenn die Beiden Zwillinge sind, sie unterscheiden sich. Während Yolandas Schwester immer Glück hat, ist es bei Yolanda anders. Was Yolanda immer wieder für missliche Dinge in ihrem Leben erlebt, hat sie aufgeschrieben. Ob Yolanda irgendwann einmal auch Glück haben wird?
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Seitenzahl: 52
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Yolanda ist ein Mädchen. Allein ist sie zu Hause nicht.
Yolanda hat noch eine Zwillingsschwester. Auch wenn die Beiden Zwillinge sind, sie unterscheiden sich.
Während Yolandas Schwester immer Glück hat, ist es bei Yolanda anders. Was Yolanda immer wieder für missliche Dinge in Ihrem Leben erlebt, hat sie aufgeschrieben. Ob Yolanda irgendwann einmal auch Glück haben wird?
A.D.
Erste Auflage 2026
978-3-565156-10-8
Copyright: © 2026 A.D.
Andreas Dietrich
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Ich bin Yolanda und bin aktuell dreizehn Jahre alt. Wie man meinem Alter entnehmen kann, habe ich oft Unglück. Ziemlich oft. Jeden Tag passiert es, dass ich mich irgendwo stoße, dass ich etwas vergesse, dass ich eine Falschinformation bekomme.
So wie letzten Freitag zum Beispiel. Donnerstagabend hörte ich noch den Wetterbericht. Er kommt ja immer kurz vor Viertel Neun, genau vor dem Film oder der Serie, die um Viertel Neun anfängt. Die Dame erklärte, dass die folgende Nacht überall trocken sein würde. Weder im Osten, noch im Westen sollte es regnen. Auch nicht im Süden und im Norden. Überall sollte es sternenklar oder bedeckt sein.
Das stimmte auch. Wahrscheinlich zu mindestens. Ich sah in der Nacht keinen Regen bei uns. Weder als ich ins Bett ging, gegen Mitternacht mal für kleine Mädchen musste, noch morgens, als ich aus dem Haus ging. Um acht Uhr sollte die erste Stunde beginnen und ich ging gegen halb Acht los. Der Himmel war zwar nicht blau, doch ab und zu lugte die Sonne hervor. Ich konnte dem Wetterbericht von Donnerstagabend auch für den Freitag als in Ordnung bezeichnen.
Der Wetterbericht sagte, dass es am Tage im Westen zu leichten Regenschauern kommen kann. Sonst würde es aber trocken bleiben. Vielerorts würde auch die Sonne scheinen. Das sagte die Wetterfee, doch eine Fee sollte sie nicht sein, denn der Wetterbericht stimmte am Nachmittag nicht mehr. Überhaupt nicht.
Während der ersten und zweiten Stunde, ich hatte Arbeitslehre, sah das Wetter draußen in Ordnung aus. Auch die erste Hofpause war noch trocken.
Während der zwei folgenden Mathestunden wurde der Himmel aber immer dunkler und dunkler. Noch regnete es nicht. Noch behielt die Wetterfee Recht. Doch in der fünften Stunde kam der Regen. Der Regen, der nur für den Westen angesagt war, kam auch hierher. Doch das war noch nicht so schlimm, denn es regnete nur leicht. Zur zweiten Hofpause mussten wir aber trotzdem nicht das Schulgebäude verlassen. Wir durften drinnen bleiben und auf unsere letzte Musikstunde warten.
Während wir warteten, regnete es weiter und weiter. Dann war es dreizehn Uhr und die sechste Stunde begann. Als die sechste Stunde endlich aus war, ging ich nach Hause. Heute würde ich mal früher als meine Schwester zu Hause sein, weil sie ihr Schülerpraktikum schon heute anfängt. Meines sollte ja erst den Montag darauf beginnen.
Nun gut. Ich ging aus dem Schulgebäude und musste nur eine Viertelstunde laufen. Doch diese Viertelstunde hatte es in sich. Als ich vier Minuten im Regen unterwegs war und schon fluchte, dass ich den Regenschirm nicht mit zur Schule nahm, begann die Sintflut. Es regnete wie aus Eimern. Innerhalb von einer Minute war ich klatschnass. Obwohl ich schon nass bis auf die Haut war, suchte ich mir einen Unterstellplatz, wo ich warten wollte, bis der Regen nachlässt. Vier Minuten später war es soweit: Der Regen hörte nahezu auf. Ich verließ meinen Unterstellplatz und ging weiter nach Hause. Doch ich sollte kein Glück haben. Einige Minuten später goss es wieder wie aus Eimern. Wäre ich nicht jetzt schon platschnass gewesen, ich wäre es jetzt geworden.
Diesmal suchte ich mir keinen Unterstellplatz, denn ich war ja sowieso nass bis auf die Haut. Nasser konnte ich nicht mehr werden. Sieben Minuten später war ich zu Hause. Ganz allein. Keiner sollte da sein. Weder meine Schwester, mein Vater, noch meine Mutter. Das war auch gut so. Meine Mutter hätte nur herumgemeckert, warum ich so nass sei. So aber konnte ich in Ruhe meine nassen Klamotten ablegen, sie über der Badewanne aufhängen und mir neue trockene Sachen suchen.
Trockene Kleidung fand ich auch. Doch nicht nur das. Als ich in meinen Rucksack sah, musste ich feststellen, dass meine Federtasche nass war. Das war nicht so schlimm. Sie würde ganz sicher bis zum nächsten Montag trocknen. Die Hefter waren aber auch nass. Glücklicherweise nicht überall. Da hatte ich mal Glück im Unglück. Die Hefter waren nur unten nass. Ich konnte also nur ein bis drei Zeilen auf jeder Seite nicht lesen.
Um zu verhindern, dass sich die Nässe ausbreitet, nahm ich mir Zeitungspapier und legte es zwischen jeder Seite. Dies sollte die Feuchtigkeit aufnehmen, dachte ich. Bis zum nächsten Tag wäre dann vielleicht alles trocken und ich könnte mich daran machen, die verlorenen Zeilen zu reparieren. Das Meiste hätte ich mir bestimmt noch gemerkt. Dachte ich. Doch das war nicht so leicht.
Am Ende schaffte ich rund die Hälfte der verlorenen Zeilen zu ersetzen. Wäre das doch bloß letztes Jahr passiert! Da hatte ich nur zwei Deutschstunden und drei Sportstunden. Da hätte ich nicht so viele Zeilen aus meinem Hefter verloren. Aber es musste ja dieses Schuljahr sein. So traf es dann nicht Deutsch, sondern Arbeitslehre, Mathe und Musik.
Na ja. So ist das Leben nun einmal. Zu mindestens meins. Ich bin ja der Pechvogel in unserer Familie. Meine Schwester hat es da besser. Wenn ich Pech habe, hat sie Glück. Sie hatte an diesem Tag einen Regenschirm mitgenommen und wurde nicht nass.
Es ist eine knappe Woche her, dass ich im Regen stand und nass bis auf die Haut wurde. In dieser einen Woche hatte ich ein Schülerpraktikum. Da ich nicht wusste, wo ich es machen könnte, suchte ich mir einen Blumenladen in der Nähe aus.
Das Gute war, dass ich um halb Acht da sein musste und schon kurz nach dreizehn Uhr gehen konnte. Offiziell waren jeden Tag sieben Stunden angesagt. Für mich glücklicherweise nicht.
