Zugvögel wie du und ich - Niklas Müller - E-Book

Zugvögel wie du und ich E-Book

Niklas Müller

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Beschreibung

"Zugvögel wie Du und Ich" ist ein Gedichtband über das Erwachsenwerden eines queeren Mannes. Dabei schreibt der Autor über seine eigenen Erfahrungen zum Beispiel die Auswirkungen seiner Schulzeit auf sein Datingverhalten als Erwachsener. Außerdem lässt er sich von den Erfahrungen anderer inspirieren, wie der stillen Sehnsucht eines mit einer Frau verheirateten Mannes nach gleichgeschlechtlicher Liebe. Ein weiterer zentraler Punkt des Gedichtbandes ist der Wunsch, endlich anzukommen. Dabei nutzt der Autor die Zugvögel als wiederkehrendes Symbol das heimische Nest zu verlassen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 30

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Für meine Eltern, die mir nie die Flügel stutzten.

Niklas Müller

Zugvögel

Wie du und ich

Lyrik

Impressum

Texte: © 2024 Copyright by Niklas Müller

Umschlag:© 2024 Copyright by Raphaela Mayr

Verantwortlich

für den Inhalt:Niklas Müller

Floyd-L.-Parks-Weg 11

14167 Berlin

[email protected]

Druck:epubli – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin

Inhalt

Fliehen

Fallen

Fliegen

Landen

Ich wuchs in einem idyllischen Dorf in Südwestfalen auf und war als Kind fasziniert von Zugvögeln. Wie sie jeden Herbst gen Süden flogen nur um im Frühjahr zurückzukehren. Ihnen stand die Welt offen, mir schien sie verschlossen. Denn als Mann, der auch Männer liebte, fühlte ich mich gefangen.

„Zugvögel wie du und ich“ sind Gedichte übers Loslassen und Festhalten, Lieben und Gehenlassen, Neuanfangen und Verabschieden und Lernen sich selbst zu verstehen. Dabei ließ ich mich sowohl von meinen eigenen Erlebnissen als auch von den Geschichten anderer inspirieren. Wie meine Oma als Jugendliche aus Schlesien floh, bevor sie im Westen ihren Frieden fand. Wie ein Ehemann seine Frau betrog, um seine wahren Gefühle nicht länger zu verstecken. Wie ein Junge von seinen Eltern verstoßen wurde, nachdem er ihnen erzählte er sei schwul.

Es heißt die Zwanziger sind die Zeit sich selbst zu finden. So musste ich erst das heimische Nest verlassen, um meinen eigenen Weg zu gehen. Nun bin ich 29 und hoffe meine Gedichte helfen euch eure Flügel auszubreiten, so wie sie mich das Fliegen lehrten.

Euer Niklas

Prolog

Sind wir nicht alle

wie die Zugvögel,

von unseren Eltern aufgezogen,

bis uns die eigenen Flügel

an fremde Orte trugen?

Fliehen

Mama

Wie ein Schneeglöckchen im Frühling

muss die wahre Liebe

erst den letzten Frost abwarten,

bevor sie erblüht.

Aber wann wird mein Winter enden?

Ach mein Kleiner

so sicher wie du im Frühling erblühst,

wirst du dich jedes Jahr aufs Neue

dem Frost entgegenstellen müssen.

Aller Anfang

Die Schatten der Hochhäuser

erinnern mich an deine Ambitionen.

Wie du nach der Spitze strebst

ohne auch nur eine Stufe zu nehmen.

Doch um ein Haus zu errichten,

solltest du damit beginnen

den ersten Stein zu setzen.

Bücherregale

Ich glaube Bücherregale

zeigen die Seele eines Menschen.

In meinem stehen Märchen

aus fernen Landen,

als hätte ich einfach

meinen Mitschülern entfliehen können,

als sie hinter meinem Rücken tuschelten.

In meinem stehen Brettspiele

von alten Freunden,

als hätte ich einfach

nur mitgespielt,

anstelle die Regeln aufzustellen.

In meinem stehen Geschichten

von junger Liebe,

als hätte ich einfach

das Loch füllen können,

für das niemand groß genug zu sein schien.

In meinem stehen Kassetten

aus Kindertagen,

als hätte ich einfach

wieder zurückkehren können,

indem ich auf Play drückte.

Ich glaube Bücherregale

zeigen die Seele eines Menschen.

Was steht in deinem?

Umkleide (1)

Wenn ich früher die Umkleide betrat,

verstummten meine Klassenkameraden.

Mit großen Augen sahen sie mich an,

als könnte meine bloße Anwesenheit

die Kleider von ihren Körpern reißen.

Mit gesenktem Kopf zog ich mich um,

um ihnen ja keine Chance zu geben

die Gerüchte zu bestätigen.

Flucht nach vorn

Wie bunte Blätter fällt meine Hoffnung

auf die Straßen einer Stadt,

die mir nichts mehr zu bieten hat.

Ist sie zu klein für mich

oder bin ich zu groß für sie?

Wie trüber Nebel liegt meine Stimmung

auf den Nächten einer Stadt,

die mich meiner Stimme beraubt hat.

Ist sie zu leise für mich

oder bin ich zu laut für sie?

Wie kalter Regen fällt meine Erwartung

an die Bevölkerung einer Stadt,

die mich mit Füßen getreten hat.

Ist sie nicht gut für mich

oder bin ich zu gut für sie?

Kämpferin

Manchmal wünschte ich mir

du würdest mir deine Geschichte erzählen

wie weit dich deine Füße trugen

von Ost nach West