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Der Autor wendet sich nicht nur an Urlauber die das Land gerne auf eigene Faust erkunden möchten. Dieses Werk will dem interessierten Leser etwas mehr über die, bis weit in die Antike reichende Kultur des kleinen liebenswerten Landes und seiner Bewohner näher bringen. Der Unterhaltungswert steht im Vordergrund! Selbst die bulgarische Küche wird nicht ausgespart. Zuerst geht es mit spannungsgeladenen Beschreibungen zu den neun, unter UNESCO-Schutz stehenden Objekten des Weltkulturerbes. Dann wandeln sie auf den Spuren von Orpheus, dem sagenhaften thrakischen Sänger zu den bekanntesten Stätten thrakischer Geschichte. Weitere Kapitel beschreiben einige, der noch in großer Anzahl vorhandenen orthodoxen Klöster. Sie besuchen die alten Hauptstädte und architektonische Sehenswürdigkeiten aus der Zeit der bulgarischen Renaissance. Auch phänomenale Felsenformationen oder interessante Höhlen werden vorgestellt. Stötzer schreibt in Fakten, untermalt aber auch mit packenden Berichten aus dem eigenen Erleben und spannenden Legenden, die historischen Stätten betreffend. Es fehlen auch nicht die Koordinaten für das Navigationssystem, Kontaktdaten und Öffnungszeiten der historischen Sehenswürdigkeiten. Schwarzweiß- und Farbfotos machen die Beschreibungen interessanter. Im Anhang finden sie die wichtigsten Klöster, Museen und Höhlen des Landes aufgelistet.
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Seitenzahl: 430
Veröffentlichungsjahr: 2015
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„Der freieste Mensch ist der, welcher die wenigsten Vorurteile besitzt“
Cesar Chesneau Du Marsais 1676 - 1756
Die Legende von der Erschaffung Bulgariens
Vorwort
Allgemeines
Adressen:
Die Legende von der Hirschkuh
Ein kurzer geschichtlicher Überblick
Bulgarische Sprache und Literatur
Die Legende vom bulgarischen Alphabet
Straßenverkehr
Erlebnisse am Straßenrand
Bulgarien kulinarisch
Das Wunder der Banitza
Die Legende von Mavrud
Bulgarien - kulturell
Musik und Tanz
Folklore - Sitten und Bräuche
Die Legende von der Martenitza
Welterbe
1. Das Thrakergrab von Sveshtari
Historisch-Archäologisches Reservat „Sboryanovo“
2. Das Rila-Kloster
Die Legende vom Heiligen Ivan Rilski
3. Nationalpark Pirin
4. Das Biosphären-Reservat Srebarna
5. Die Altstadt von Nesebar
6. Die Kirche von Bojana (Sofia
)
7. Felsenrelief des Reiters von Madara
Die Legende um den Reiter von Madara
8. Die Felskirchen von Ivanovo
Das Tal des Russenski Lom
9. Das thrakische Grabmal von Kazanlak
Das Rosental
Die Legende von der Rose
Auf den Spuren von Orpheus
Die Legende von Orpheus
Tatul – Sagenhafte Grabstätte des thrakischen Sängers
Die Höhle „Teufelsrachen“ - Orpheu’s Einstieg in die Unterwelt
Perperikon – Antikes Heiligtum in den östlichen Rhodopen
Das Grabmal von Alexandrovo
Die Höhle Utrobata „Schoß der Großen Göttin-Mutter“
Im Tal der thrakischen Könige
Das Tal der thrakischen Könige mit der Hauptstadt Seuthopolis und den bedeutendsten Hügelgrab-Anlagen:
Die Legende von Seuthes III. und seinem Bruder Amadokos
Über die Schätze der Thraker
Eine Urlaubs-Story
Alte Hauptstädte
Pliska, die erste Hauptstadt Bulgariens
Die Legende um Khan Krum
Veliki Preslav, die zweite Hauptstadt Bulgariens
Tarnov – Tarnovgrad – Veliko Tarnovo
Über das römische Gold rund um Veliko Tarnovo
Bulgarische Klöster
Übersicht sehenswerter Klöster mit Beschreibungen
Der sagenhafte Klöster-Ring um Veliko Tarnovo
Das Kloster „Sveti Sveti Konstantin und Elena“
Die Legende des Klosters „Heilige Konstantin und Elena“
Das Aladzha-Kloster
Das Kloster Batchkovo
Die Laufbrunnen der Rhodopen
Das Lopushanski Kloster
Das bulgarische Jerusalem – Krastova Gora
Die Legende um das Kreuz Christi
Das Kloster Troyan
Das Sokolski-Kloster
Das Kloster Dryanovo
Shipka-Kloster, Gedächtniskirche „Christi Geburt"
Architekturhistorische Stätten
Die Altstadt von Plovdiv
Arbanasi
Legende über die Gründung von Arbanasi
Bozhenci – ein Dörfchen wie vor 150 Jahren
Legende von der Gründung Bozhencis
Trjavna- Stadt der Holzschnitzer und Ikonenmaler
Legende über den Liebesbrunnen von Trjavna
Das Balkanstädchen Elena
Legenden über Elena
Lovetch – Stadt des Flieders
Die Legende um die Skupltur im Park Bazh-Bunar
Die Legende vom „Giaur Bair“ von Brabevo
Simiti aus der Museumsbäckerei von Etara
Balkanstädtchen Kotel
Die Legende vom Räuberhauptmann Indche
Zheravna – Architektonisches Reservat im Balkangebirge
Koprivshtitsa – Perle des Sredna Gora Gebirges
Legende von der Gründung der Stadt
Melnik – Die kleinste Stadt Bulgariens
Naturphänomene
Die Felsen von Belogradtchik
Legende über die Felsen von Belogradtchik
Die versteinerte Hochzeit
Legende von der versteinerten Hochzeit
Die Höhle „Prohodna“ - die Augen Gottes
Varna
Ausflugsziele von Varna oder den Seebädern der nördlichen Schwarzmeerküste aus
Pobiti Kamani (Der Steinerne Wald
)
Baltchik - Stadt, Schloss und Park
Aus der Chronik des Schlosses
Kaliakra, archäologisches Reservat
Legende über Kaliakra
Schloss Ravadinovo
Anhang
1. Liste der 100 nationalen touristischen Objekte Bulgariens
2. Eine Übersicht der wichtigsten, noch funktionierender Klöster nach Ortsnamen
3. Liste der erschlossenen Höhlen in Bulgarien
4. Museen, unvollständige Übersicht
5. Verzeichnis der verwendeten Literatur
Willkommen in Gottes Vorgarten zum Paradies!
Als Gott, die Erde unter den Menschen aufteilte, kam der Bulgare zu spät, weil er so fleißig auf dem Feld zu schaffen hatte und es blieb nichts mehr für ihn übrig.
(Eine andere, augenzwinkernde Variante besagt, dass er mal wieder verschlafen hatte)
Als er dann doch noch erschien und traurig, mit flehenden Augen zu seinem Herrgott aufblickte, packte diesen das Mitleid und er überlegte, wie er ihm jetzt noch helfen könne.
Sodann trennte er ein Stückchen von seinem Paradies ab und warf von allen Schätzen der Welt eine Handvoll auf dieses Fleckchen Erde.
So kam es, dass Bulgarien zu einem paradiesischen Vorgärtchen wurde, welches von allem ein wenig besitzt:
Hohe Gebirge, zahlreiche Heilquellen, reißende Flüsse, grüne Täler - duftend gefüllt mit den legendären Damaszener Rosen und dichte Wälder, fruchtbare Erde - die einstige Kornkammer der alten Griechen, Wiesen, welche lila, rot und gelb leuchten. Obstbäume soweit das Auge schauen kann und eine bezaubernde Küstenlandschaft am Schwarzen Meer, welches von den alten Griechen seinerzeit „das Ungastliche" genannt wurde, sowie Bodenschätze - von allem ein wenig.
Illustrierte Touristenkarte Bulgarien (m. frdl. Genehmigung: Ver rlag SLAVENA)
ISBN: 9545791861
Warum Bulgarien?
Die Frage müsste vielmehr lauten:
Warum eigentlich nicht Bulgarien?
Nicht nur das Land ist erfüllt vom Geist uralter Traditionen und Kulturen, sondern die Bulgaren selber verstehen sich auch als stolze Nachfolger antiker Kulturvölker.
Jährlich kommen kontinuierlich mehr Touristen ins Land. Durch den zunehmenden Reiseverkehr entwickeln sich auch immer neue, touristisch interessante Destinationen.
Die von den Reiseveranstaltern allgemein angebotenen Ziele sind sicher schon hinlänglich bekannt. Bulgarien besteht jedoch nicht nur aus Schwarzmeerküste, ein- bis zwei bekannten Wintersportzentren und Rila-Kloster...
Das Land ist wahrlich ein Garten westlich von Eden und hat wesentlich mehr zu bieten als die sehr schöne Schwarzmeerküste mit all den wachsenden Auswüchsen des Billigtourismus. Bulgarien wartet auf bewusste Touristen, die auch einige Unzulänglichkeiten in Kauf nehmen, dafür aber in vielfacher Hinsicht reich belohnt werden.
Reisen ins Landesinnere - fern der Küsten des Schwarzen Meeres sind derzeit noch immer ein Geheimtipp. Land und Leute sowie die Geschichte des Landes zu erforschen funktioniert sicher nicht von der Strandliege aus.
Mit dem vorliegenden Buch – einem etwas anderen Reiseführer, möchte ich mich vorzugsweise an Leser wenden, die ein fremdes Land gerne auf eigene Faust erkunden möchten. Außerdem wollte ich dem Unterhaltungs- aber auch dem Informationswert genügend Raum lassen
Es sei aber auch nicht verschwiegen, dass Individualtourismus nichts ist für Menschen, die auf die Sicherheit und Geborgenheit von Pauschalangeboten und der ständigen Fürsorge und Betreuung durch einen Reiseleiter vertrauen wollen. Ein Mindestmaß an Verständnis für andere Sitten und Bräuche sollte natürlich vorhanden sein. Kyrillische Schriftzeichen zu kennen und lesen zu können ist in Bulgarien weiterhin von Vorteil. Wenngleich jedoch die meisten Wegweiser und Hinweistafeln sowie Erläuterungen aber auch in Englisch und oft auch in Deutsch geschrieben sind.
Ich habe das Privileg, die Sprache zu beherrschen, viele Freunde im Land zu haben, kenne eine ganze Anzahl von kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten und habe bisweilen als Übersetzer für einen Verlag in Varna gearbeitet. Nicht zuletzt deswegen bezeichne ich mich gern als Kenner des Landes.
Dieses Buch will dem interessierten Leser etwas mehr über die, bis weit in die Antike reichende Kultur des kleinen bezaubernden Landes und seiner Bewohner näher bringen.
Vielleicht verschwindet damit auch schon bald das Image eines „Dritte-Welt-Staates". Immerhin ist Bulgarien seit dem 1. Januar 2007 offizielles Mitglied der EU.
Ich möchte meiner verehrten Leserschaft mit diesem Buch einiges Wissenswerte über das Land Bulgarien und seiner liebenswerten Einwohner näher bringen.
Ich möchte sie teilhaben lassen an persönlichen Erlebnissen und will sie an Orte führen, die normalerweise nicht auf den Programmen der etablierten Reiseveranstalter stehen.
Ganz bewusst wende ich mich ab, von der üblichen Betrachtungsweise des westlichen Durchschnittstouristen, die alles Fremde nur kritisch und misstrauisch beäugt und versuche ganz objektiv die Schönheiten des Landes und der bulgarischen Seele darzustellen.
Wem Toleranz kein Fremdwort ist, der wird schon sehr bald erkennen wie viel ehrlicher Gastfreundschaft man hier in diesem kleinen Land begegnen kann.
Eines noch am Schluss:
Wenn sie Kirchen oder Klöster aufsuchen, denken sie bitte daran, sich auch der Würde des Ortes entsprechend zu kleiden. Alle Besucher, sollten Kleider tragen, die ihre Schultern, Ellbogen und Knie bedecken. Lautes Sprechen und Lärm sind unerwünscht. Essen und Trinken verbietet sich von selbst.
Mit Händen in den Hosentaschen herumlaufen wurde mir persönlich von einem einheimischen Gläubigen auch als Respektlosigkeit gewertet.
Wie sich der Bulgare selbst in der EU sieht - Karikatur von I. Kutuzov
Mit Bulgarien stellt sich nicht selten die Ass ssoziation „Balkan" ein. Ganz so falsch ist das nicht, zieh ht sich doch die gleichnamige, langgestreckte Gebirgskett te, Namensgeberin des gesamten südosteuropäischen Raumes, au uf einer Länge von 420 Kilometer von Ost nach West mitten dur rch das kleine Land und teilt es gewissermaßen auch in zwei klim imatisch unterschiedliche Zonen.
Noch im letzten Jahrhundert konnte diese Verke ehrs- und Wetterscheide zwischen Süden und Norden nur auf ganz wenigen Passstraßen mühsam überwunden werden. Zur Don nau hin schließen sich im Norden weite Ebenen an, die aber auch h den Südosten des Landes bedecken. Bis an den Rand des Horizont ts schweift hier das Auge über endlose Getreidefelder. Dazwischen n leuchten die weißen Büschel der Baumwolle, das Grün der Taba akstauden unddas leuchtende Gelb kilometerlanger Sonnenblumenfelder. Auf duftenden Rosenfeldern wird der Rohstoff für das weltweit begehrte kostbare Rosenöl geerntet.
Das Land besteht zu ca. einem Drittel aus Gebirge mit dichten Wäldern und zahlreichen Flüssen. Die Niederungen sind zumeist fruchtbares Agrarland. Das Balkangebirge ist flächenmäßig das größte Gebirge Bulgariens und erstreckt sich von West nach Ost bis hin zu den Stränden am Schwarzen Meer.
Viele verbinden den Begriff „Balkan“ aber auch mit Vorurteilen wie: Konfliktträchtigkeit, Schlendrian, Unwissenheit, Rohheit, Rückständigkeit...etc.
Wer die Bulgaren wirklich kennt, sieht das anders:
Das Bildungsniveau ist ungleich höher als in manchem westlichen Land. Das zeigt alleine schon die Tatsache, dass 29% der Zuwanderer nach Deutschland über einen Hochschulabschluss verfügen. Das sind 10% mehr als bei in Deutschland Geborenen.
Bildung und Kultur haben traditionell einen sehr hohen Stellenwert in den Familien. 45 Universitäten bieten Studiengänge nach den neuen europäischen Richtlinien mit Abschluss Bachelor oder Master an. Fremdsprachenunterricht ist ab dem zweiten Schuljahr verpflichtend. Es gibt im Land zahlreiche Sprachengymnasien, wo neben intensivem Sprachunterricht auch Fachunterricht in einer Fremdsprache abgehalten wird. Zahlreiche Folkloregruppen pflegen die Jahrhunderte alte Kultur des Volkes und gewinnen mit ihren Auftritten immer neue Freunde und Bewunderer im In-und Ausland. Ausstellungen mit Exponaten bulgarischer Museen zeugen in aller Welt vom großartigen kulturhistorischen Erbe.
Im Bulgarischen ist „Balkan“ ein Sammelbegriff für „Gebirge“ allgemein. Das „Balkangebirge“ ist ein eher kleines Gebirge in seinen Ausmaßen, welches kaum über die Grenzen des Landes hinausreicht. Die Bulgaren selbst nennen es „Stara Planina - Altes Gebirge“.
Hauptsächlich sind es eben die Gebirge und Hügellandschaften, die den Charakter Bulgariens prägen:
Zu eindrucksvollen Gebirgstouren laden die kargen alpinen Regionen des Rila- und des Pirin-Gebirges im Südwesten des Landes ein. Mit dem 2925 Meter hohen Musala erhebt sich hier auch der höchste Gipfel des Landes. Nach Osten hin schließen sich die etwas lieblicheren Rhodopen an, über weite Strecken mit dichten, sattgrünen Tannen- und Kiefernwäldern bedeckt. Obwohl das Land im Südosten Europas liegt, gibt es selbst im Landesinneren keine extremen Sommertemperaturen.
Klima: Die durchschnittliche Temperaturwerte für Januar betragen von -2 bis 2 Grad Cº in den Ebenen und bis -10 Grad Cº in den Bergen, im Juli belaufen sich diese Werte auf 19 bis 29 Grad Cº in den Ebenen und ca. 10 Grad Cº in den höheren Gebirgsteilen.
Bevölkerung: 7 640 000 Einwohner
Ethnische Zusammensetzung: Bulgaren - 85.8 %, Türken - 9.7 %, Sinti und Roma - 3.4 %, Russen - 0.3 %, Armenier - 0.2 %, andere - 0.6 %
Amtssprache: Bulgarisch.
Vor allem in den Urlaubsorten wird auch Deutsch, Englisch, Französisch oder Russisch gesprochen. Es gibt türkisch- und mazedonisch sprechende Minderheiten.
Staatswappen: Seit dem 31. Juli 1997 in dieser Form in Gebrauch. Es ist das erste offizielle Wappen seit der Wende und ähnelt stark dem bereits von 1908 bis 1944 verwendeten Wappen des Königreichs Bulgarien.
Symbolik: Die drei Löwen stehen für die größten Gebiete Bulgariens: Misia (Mösien), Trakia (Thrakien) und Makedonia (Makedonien). Die darüber befindliche Krone symbolisiert die Zeit des Zweiten Bulgarischen Reiches, während der das Land die Befreiung von Byzanz und seine größte Ausdehnung erlebte.
Die Inschrift auf dem Band lautet: ”Einigkeit macht stark”1
Hauptreligionen: Orthodoxes Christentum, (82,6 %); Muslime (12,2 %), römisch-katholische (1,7 %), protestantische und jüdische (0,1 %) Glaubensgemeinschaften.
Hauptstadt: Sofia
Administrative Ordnung: 28 Bezirke (Oblasti). In den Bezirken als Unterordnung die Gemeinden (Obschtini)
Größere Städte: Sofia, Varna, Plovdiv, Burgas, Ruse, Veliko Tarnovo, Pleven, Blagoevgrad
Staatsform: Parlamentarische Republik
Verkehr: Fernstraßen – 37.300 km, Internationale Flughäfen: Sofia, Varna, Burgas, Plovdiv; Seehäfen: Varna, Burgas; Flusshäfen – Ruse, Silistra.
Telefon:
Landesvorwahl: +359
Polizei – 166
Nothilfe – 150
Straßenhilfe – 146
Feuerwehr – 160
Telefonische Auskünfte – 144
Internet - Top Level Domain: .bg
Ortszeit: MEZ + 1.
Sommerzeit: Letzter Sonntag im März bis letzter Sonntag im Oktober.
Die Differenz zu Mitteleuropa beträgt im Sommer und im Winter jeweils + 1 Std.
Reisedokumente:
Bürger der Europäischen Union benötigen kein Visum, um in Bulgarien einzureisen. Für die Einreise genügt der Personalausweis. Der erlaubt einen Aufenthalt bis zu einen 120 Tage ab dem Datum der Einreise.
Sicherheit:
Bulgarien ist ein friedliches Land. Nur im Falle von Volksaufständen oder Streiks, bzw. terroristischen Aktivitäten werden Warnungen ausgesprochen. Allerdings ist die Kriminalität in einigen Städten – besonders, wo viele Touristen anzutreffen sind recht hoch. (Taschendiebe) Auch Bettler sind häufiger anzutreffen als in Orten mit weniger Tourismus. Die Sicherheitskräfte arbeiten jedoch effektiv, um größere Verbrechen zu verhindern. Auf jeden Fall lässt sich Diebstahl auch in Bulgarien einfach mit gesundem Menschenverstand verhindern, indem man die entsprechende Umsicht walten lässt.
Gesundheit:
Bürger der Europäischen Union, werden in Bulgarien kostenlos im Notfall oder unumgänglichem Krankenhausaufenthalt mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) behandelt werden.
Manche praktizierenden Ärzte weigern sich trotzdem die Karte anzunehmen. In diesem Fall sollte man die Behandlung bezahlen, aber unbedingt auf einer Quittung bestehen, die von der Heimatkrankenkasse akzeptiert wird. Es ist auch zu empfehlen, vor allem wenn man zu Abenteuersportarten, wie z. B. Canyoning und Klettern oder mit PKW bzw. Krad reist, eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung abzuschließen, auch um ggf. Aufwendungen für eine mögliche Rückholung zu decken.
Wetter:
Die Winter sind in der Regel kalt und nass, aber die Sommer sind heiß und trocken. An der Schwarzmeerküste ist das Klima milder. Die Sommertemperaturen erreichen 30 ºC - 32 ºC maximal und die minimalen Wintertemperaturen fallen leicht unter 0 ºC. Es gibt keine signifikanten Unterschiede in der Meteorologie zwischen Gebirge und Tiefland.
Adressen:
1 Abbildung siehe Farbseite 26
(wie die Bulgaren einst ihr heutiges Gebiet besiedelten)
Im Altertum lebten die urbulgarischen Stämme weit weg von ihrem gegenwärtigen Territorium. Auf den Gebieten des heutigen Afghanistan und Iran ganz nahe zu China siedelten sie damals. Auch müssen sie gute Krieger und Bauern gewesen sein, denn ihr Ruf hat sich daselbst bis zum heutigen Tag gehalten.
Wer weiß, warum? Vielleicht wegen des zahlreichen Viehs, das ernährt werden musste oder wegen Vertreibung durch feindliche Stämme? Jedenfalls zogen sie nach und nach aus dem fernen Osten westwärts und ließen sich im 2. Jahrhundert n. Chr. in den östlichen Gefilden der Tiefebenen am Asowschen Meer nahe der Flüsse Kuban, Don und Dnjepr nieder.
Hier fanden sie für geraume Zeit ihre neue Heimat. Lange Jahre lebten sie dort in Frieden und Eintracht, gründeten einen Staat und nannten diesen „Großbulgarien“. Phanagoria, am Ufer des Asowschen Meeres ernannten sie zu ihrer Hauptstadt. Durch ihr besonders friedliches Verhalten wurden sie als Volk von allen Nachbarstaaten geachtet. Im 7. Jahrhundert jedoch – nach dem
Hinscheiden von Khan Kubrat, wurde das Volk erneut von kriegerischen Horden aus dem Osten bedrängt. Jahrelang vermochten sie den ständigen Angriffen zu widerstehen, verteidigten heldenhaft ihr Land, bis sie sich der steigenden Übermacht nicht mehr erwehren konnten. So zogen sie schließlich aus, erneut eine bessere Heimat zu suchen.
Sie teilten sich, geführt von Kubrats Söhnen, schließlich in fünf Züge auf. Der erste unter Khan Bat Bajan hütete das Territorium der Ahnen und blieb innerhalb des Khasarischen Khanats. Der zweite Zug, von Kotrag angeführt - machte sich auf den Weg zu den Donauebenen im Norden und begann sich dort, wo die Kama in den großen Fluss mündet, anzusiedeln. Der dritte Zug, unter der Führung von Khan Asparuch überquerte den schmalen Sund zwischen dem Asowschen- und dem Schwarzen Meer und ließ sich im Donaudelta nieder. Der vierte Zug unter Kuber zog in Richtung Pannonien, dem heutigen Ungarn und siedelte im Awarischen Khanat2. Später zogen sie weiter ins heutige Makedonien. Unter Führung von Alzek erreichte der fünfte Zug Norditalien und wurzelte in Byzanz. Durch jene Völkerwanderung entstanden im 7. Jahrhundert eigentlich zwei bulgarische Staaten. Der erste auf der Balkanhalbinsel, welcher bis heute den Namen „Bulgarien“ trägt und der zweite am Mittellauf der Wolga, der sich „Wolgobulgarien“ nannte und bis ins 17 Jahrhundert hinein existierte.
Diese Legende erzählt, wie die Bulgaren ihre neue Heimat südlich der Donau besiedelten und berichtet, wie sie von den Steppen am Asowschen Meer ins heutige Bulgarien gekommen sind.
Gute Reiter müssen sie gewesen sein – und gute Jäger. In ihrer Heimat am Asowschen Meer jagten sie Löwen, Hirsche und Rehe. Sie glaubten, dass ihre Urväter von Hirschen abstammen und verehrten deshalb diese Tiere ganz besonders.
Als es einmal passierte, dass der Jagderfolg für viele Tage ausblieb und die Menschen dem Hungertod nahe waren, soll ein stattlicher Hirsch aus dem Walde heraus gekommen sein und sich zu Füßen der Pferde niedergelegt haben - sich selbst opfernd, um den Stamm vor dem Hungertod zu bewahren.
Von da an brachten die Bulgaren Abbildungen von Hirschen auf ihren Schilden und Schwertern, auf Gefäßen und an ihren Behausungen an.
Eines Tages, als Asparuch, der junge Sohn des Khans mit seinem Gefolge auf der Jagd war, begegnete ihnen eine Hirschkuh.
Die fröhlichen Krieger gaben den Pferden die Sporen und verfolgten die Hirschkuh in Windeseile hinunter zum Meer. Diese rannte nicht – nein sie flog geradezu und selbst das allerschnellste Pferd vermochte sie nicht einzuholen. Sie floh aber nicht nach Süden zum schützenden Wald – nein sie wandte sich direkt nach Westen dem Meer zu. Jedes Mal wenn sie außer Schussweite geriet, blieb sie stehen und wartete bis die heitere Jägerschar wieder näher gekommen war, um dann erneut zum nahen Meer zu preschen.
Asparuch erkannte, dass dies keine gewöhnliche Hirschkuh sein konnte. Sie vermochte mit einem solchen Tempo zu fliehen, dass die besten Jäger sie nicht einholen konnten, blieb stehen, als wenn sie darauf wartete, eingeholt zu werden und lief dann weiter, wenn die Männer nahe genug heran gekommen waren.
Am Ufer des Asowschen Meeres angekommen, tauchte das Tier in die Fluten und schwamm hinaus in die Weiten der See. Die nachfolgenden Krieger fragten sich, was wohl diese absonderliche Hirschkuh vorhabe. „Was will sie wohl im Meer? Ob sie sich ertränken will?“
„Wir werden sie verfolgen“, sagte der junge Thronfolger des Khans und folgte dem Wild mit seinem Pferd ins Wasser. Er wusste wohl, dass es westlich vom Asowschen Meer weite, fruchtbare Ebenen, hohe Gebirge, Flüsse und saftige Weiden gab, dass dort reiche Völker in wehrhaften Staaten lebten.
Die Hirschkuh sprang leichtfüßig über die Wellen. Sie bewegte sich vorwärts, als wenn sie genau den Übergang durch das Meer kennen würde. Sie bewegten sich lange Zeit im Wasser vorwärts. Das zurückliegende Ufer verschwamm am Horizont und war schließlich gar nicht mehr zu sehen.
Die außergewöhnliche Hirschkuh leitete die Schar, wartete, wenn sie zurück blieben, hob dann und wann den Kopf und bewegte sich durch das offene Meer zielstrebig nach Westen.
Am anderen Ufer angekommen, erblickten die Männer eine weite Ebene und dichte Wälder. Vögel zwitscherten auf das lieblichste, die Sonne schien einfach viel klarer und über die schier endlosen Ebenen breiteten sich herrliche Blumenteppiche. An einem nahen Hügel erwartete die Hirschkuh ihre Verfolger. Die Sonne beleuchtete das Tier und es schien, als wenn es aus reinstem Gold wäre. Die Hirschkuh schüttelte nur noch einmal mit dem Kopf und verschwand lautlos im nahen Wald.
Das war die letzte Begegnung der Bulgaren mit der Hirschkuh. Seit jenem Tag trug der junge Khan eine goldene Hirschkuh auf seiner Brust – als Symbol des Schutzes und der Wehrhaftigkeit und damit sie dem Volk stets den rechten göttlichen Weg weise.
Am Tage, als jene Hirschkuh den Bulgaren den Weg über das Asowsche Meer gezeigt hatte, kehrten diese zurück zu den Ihren und erzählten von dem Wunder, welches sie mit eigenen Augen gesehen hatten. Es war ein Omen, welches ihnen Gott Tangra geschickt hatte, um ihnen den Weg zu ihrer Rettung aufzuzeigen. Das ganze Volk lobpreiste die Hirschkuh, die ihnen den unbekannten Weg zum neuen Land durch das Meer gezeigt hatte und nicht lange danach machte man sich auf, das ferne Ufer zu erreichen. Der dritte Sohn des alten Khans, Asparuch führte sie. Sie durchquerten das Asowsche Meer, die weite Ebene und siedelten schließlich im Delta des großen Donauflusses. Nachdem sie in einer großen Schlacht den byzantinischen Imperator Konstantin
IV. Pogonat mit seiner Armee erfolgreich schlugen, besiedelten sie auch die fruchtbaren Gebiete zwischen der Donau und dem großen Gebirge Hemus (Balkan) und dem Ponte (Schwarzes Meer).
So leben die Bulgaren bis zum heutigen Tag in diesem Gebiet, bewahren das Andenken und verehren die Mutter Hirschkuh, welche ihnen den Weg in ihre neue Heimat gewiesen hatte und die Tapferkeit Khan Asparuchs, welcher die Grundlagen für den neuen bulgarischen Staat auf der Balkanhalbinsel schaffte.
Das Staatswappen der Republik Bulgarien
2 Herrschaftsgebiet eins Khans
Ab 1200 v. Chr.
Im Gebiet des heutigen Bulgarien (und seinen Nachbarstaaten) lassen sich Stämme des Bauern- und Hirtenvolkes der indoeuropäischen Thraker nieder. Einer davon, die Serden, gründen Serdica, die heutige Hauptstadt Sofia.
Ab 7. Jahrhundert v. Chr.
Die Thraker gelangen dank des blühenden Handels mit den neugegründeten griechischen Kolonien an der westlichen Schwarzmeerküste (u.a. Odessos - heute Varna, Mesemvria - heute Nesebar) und ihrer berühmten Pferdezucht zu immensem Reichtum und häufen kostbare Goldschätze an.
Ab 358 v. Chr.
Philipp II., seit 359 König des griechisch sprachigen Makedonien, unterwirft die Thraker (und die Illyrer im heutigen Albanien) und bis zu seiner Ermordung im Jahre 336 die griechischen Stadtstaaten der Balkanhalbinsel. Seinem Sohn Alexander gelingt – nicht zuletzt mit Hilfe der bei den Thrakern eroberten Goldschätze – innerhalb weniger Jahre die Eroberung des Perserreiches, das sich von der heutigen Türkei bis zum heutigen Indien erstreckt, sowie Ägyptens. Das Weltreich zerfällt allerdings nach dem plötzlichen Tod Alexanders des Großen – er stirbt im Alter von erst 33 Jahren am 13. Juni 323 in Babylon am Fleckfieber – rasch wieder in Teilstaaten, da die eroberten Gebiete zum Streitobjekt zwischen Alexanders Feldherren, den „Diadochen“ (griechisch „Nachfolger“) werden. Auch das von Philipp II. auf europäischem Boden geschaffene Reich zerbricht in mehrere, sich gegenseitig bekämpfende Teilreiche und wird dadurch zur relativ leichten Beute für die ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. eindringenden Römer, die nun ihrerseits ein Weltreich aufbauen, das sich schon bald über das südliche Europa, Westasien und Nordafrika erstreckt. Entlang der westlichen Schwarzmeerküste errichten die Römer die Provinzen „Mösien“ (15 n. Chr.) und „Thrakien“ (49 n. Chr.) und romanisieren die Bevölkerung.
330
Der christliche Kaiser Konstantin der Große (324-337) macht das um 660 v. Chr. von den Dorern gegründete Byzantium (Byzanz) zur neuen Hauptstadt des Römischen Reiches. Er nennt die Stadt zunächst „Nova Roma“, später Konstantinopel.
Ab 17. Januar 395
Nach der Teilung des Römischen Reiches durch Kaiser Theodosios kommt das Gebiet des heutigen Bulgarien zum Oströmischen (Byzantinischen) Reich (Hauptstadt Konstantinopel/Byzanz - heute Istanbul), das sich zunächst vom Balkan über die Kleinasiatische Halbinsel und Vorderasien (Syrien, Palästina, Insel Zypern, West-Mesopotamien) bis nach Ägypten erstreckt und sich nach dem Niedergang des Weströmischen Reiches (467) Anfang des 6. Jahrhunderts unter Kaiser Justinian sogar bis nach Italien und Spanien ausdehnt. Die Staatsgrundlagen sind römisches Recht und Verwaltung, griechische Kultur und Sprache sowie der christliche Glaube.
Ab 600
Im Zuge der Abwanderung der indoeuropäischen Slawen aus ihrer Urheimat nördlich des Karpatenbogens gelangen zahlreiche slawische Stämme auch in das Gebiet des heutigen Bulgarien und verschmelzen im Laufe der Zeit mit den bereits ansässigen Volksgruppen zum Volk der heutigen Bulgaren.
679
Asparuch, der Khan (Führer/Herrscher) der aus Nordosten in das Gebiet des heutigen Bulgarien vorgedrungenen turksprachigen sogenannten „Proto-Bulgaren“, gründet südlich des Donaudeltas einen bulgarisch-slawischen Staat mit der Hauptstadt Pliska. Dies führt zum Krieg mit Byzanz, der 680 mit dem Sieg der Bulgaren endet. Der byzantinische Kaiser Konstantin IV. sieht sich gezwungen, die Staatsgründung Asparuchs anzuerkennen und muss sogar einen jährlichen Tribut leisten.
803
Krum wird Khan der Bulgaren. Er leitet die Expansion nach Pannonien (Makedonien, Albanien) und Siebenbürgen (Rumänien) ein und rückt ab 811 in Richtung Konstantinopel vor.
814
Bulgaren-Khan Krum schließt nach einem Sieg über die byzantinischen Truppen – er hatte das byzantinische Heer in eine Falle gelockt und fast völlig vernichtet; den Kopf des Kaisers ließ er zu einem versilberten Trinkgefäß „umarbeiten“ – mit dem neuen byzantinischen Kaiser Leon V. einen dreißigjährigen Friedensvertrag, der die bulgarischen Eroberungen auf dem Balkan sanktioniert.
864
Bulgaren-Khan Boris I. (852-889) tritt zum christlich-orthodoxen Glauben über und nimmt den Namen Michael an. Zudem führt er die von den Slawenmissionaren Methodios und Kyrillos 855 eigens zur Christianisierung der slawischen Völker entwickelte kyrillische Schrift ein – die beiden aus Saloniki stammenden, später heiliggesprochenen Brüder übersetzten liturgische Texte und Evangelien aus dem Griechischen ins Slawische –, was die Festigung des bulgarischen Staates zur Folge hatte.
870
Bulgaren-Khan Boris I. Michael unterstellt die bulgarische Kirche dem Patriarchen von Konstantinopel.
894
Simeon, seit 893 Khan der Bulgaren, siegt erneut über ein byzantinisches Heer und erobert bis zu seinem Tod im Jahre 927 nahezu die gesamte Balkanhalbinsel.
918
Simeon (der Große) nimmt den Titel „Zar der Bulgaren“ an und erklärt Preslav zur neuen Hauptstadt des Reiches.
Ab 927
Unter der Herrschaft von Peter I. (bis 969) verbreitet sich im bulgarischen Zarenreich die bogomilische Ketzerlehre.
1014
Die Truppen des byzantinischen Kaisers Basileios II. siegen über das Bulgaren-Heer von Zar Samuil. Von rund 14.000 gefangen genommenen Soldaten werden alle geblendet – nur jeder hundertste darf als Einäugiger seine blinden Kameraden heimführen. Kaiser Basileios II. aber erhält den Beinahmen „Bulgarentöter“. Und tatsächlich sollte sich das Bulgaren-Reich von dieser Niederlage nicht mehr erholen: 1018 fällt die letzte Bulgaren-Festung den Byzantinern in die Hände. Die bulgarische Zarenfamilie wird verbannt, das Land einem kaiserlichen Statthalter unterstellt und die Kirche, die sich aus politischen Gründen vom Patriarchat Konstantinopel gelöst und eine eigenständige bulgarisch-orthodoxe gegründet hatte, muss sich nun mit dem zweiten Rang eines Erzbistums begnügen.
1185
Nach mehreren misslungenen Rebellionen gegen die byzantinische Herrschaft gelingt den Bulgaren unter der Führung der Brüder Ivan (Johannes) und Peter Asen die Wiederherstellung der Selbständigkeit. Johannes besteigt in seiner Heimatstadt Tarnovo als Asen I. den Thron des „Zweiten Bulgarischen Zarenreiches“, das in der Folge eine erstaunliche territoriale und kulturelle Blütezeit erlebt.
1196
Zar Asen I. wird ermordet, und auch Peter, seinen Bruder und Nachfolger, ereilt nach nur einem Jahr das gleiche Schicksal. Kalojan, der dritte Bruder besteigt nun den bulgarischen Zarenthron.
1204
Die Truppen des vierten Kreuzzuges der Europäer erobern Konstantinopel. Balduin von Flandern wird der erste Herrscher des neuen „lateinischen“ Kaiserreiches und legt sich sofort mit den Bulgaren an. Er fordert Unterwerfung. Zar Kalojan nimmt die Herausforderung an, schlägt den Feind bei Adrianopel (heute Edirne, türkische Grenzstadt zu Griechenland) und nimmt Balduin gefangen.
1207
Bulgaren-Zar Kalojan wird ermordet. Sein Nachfolger Boril kann sich immerhin elf Jahre am Leben erhalten.
1218
Zar Ivan Asen II. (bis 1241) kann die Grenzen Bulgarien noch einmal erweitern. Das Reich blüht, eigene Münzen werden geprägt, ein unabhängiges Patriarchat wird gegründet. Doch unter Ivans schwachen Nachfolgern beginnt Bulgarien bereits wieder zu zerfallen. 1277 bringt schließlich ein Bauernaufstand den Schweinehirten Ivaylo auf den Thron, der sich angesichts innerer Unruhen und ständiger Einfälle der Magyaren mit den mongolischen Tataren verbündet, die ihn aber bereits 1279 „beseitigen“. In der Folge versinkt Bulgarien aufgrund des Verfalls der Zentralgewalt und wegen ständiger Stammesfehden allmählich im Chaos.
1330
Bulgarien verliert nach der Niederlage des Zaren Michael Schischman in der Schlacht bei Kjustendil seine Selbständigkeit an die von Westen einfallenden südslawischen Serben, die sich ihrerseits ab Mitte des Jahrhunderts der von Südosten vorrückenden islamischen Osmanen (Türken), die mittlerweile Herren über fast ganz Anatolien sind und auf den Balkan eindringen, erwehren müssen.
1386
Der letzte bulgarische Zar Ivan III. wird zum Vasallen des osmanischen Sultans Murad I.
1396
Bulgarien wird endgültig von den Osmanen unterworfen, die es für die nächsten 500 Jahre beherrschen sollten. Sitz des türkischen Generalgouverneurs ist Sofia. Obwohl sich die bulgarische Oberschicht mit den Türken arrangiert und zum Islam übertritt, kann sich der Großteil der Bulgaren sein Volkstum und seine christlichorthodoxe Religion bewahren
13. Juli 1878
Nach der Niederlage der Osmanen im russisch-türkischen Krieg erhält der nördliche Teil Bulgariens (gemäß des „Berliner Vertrags“) zwischen den europäischen Großmächten und dem Osmanischen Reich, der die Gebietsverteilung auf dem Balkan neu ordnet) den Status eines autonomen Fürstentums, das Istanbul jedoch tributpflichtig bleibt, der südliche Teil sowie Ost-Rumelien und Makedonien bleiben unter türkischer Verwaltung.
In Veliko Tarnovo (Nordost-Bulgarien) konstituiert sich die Verfassungsgebende Nationalversammlung, die eine liberale Verfassung ausarbeitet: Gleichberechtigung aller Bürger, absolute Garantie für die Gedankenfreiheit, für die Freiheit der Person, der Wohnung, des Eigentums, des Gewissens und der Presse, dazu kostenlose Grundschulbildung für alle Kinder.
Alexander von Battemberg wird am 29. April 1879 von der Nationalversammlung einstimmig zum Fürsten des autonomen Fürstentums Bulgarien gewählt und leistete den Eid auf die neue Verfassung.
Indoeuropäische Thraker-Stämme3 gründeten ihren ersten Staat auf dem europäischen Kontinent schon im 2. Jahrhundert. Im 7. Jahrhundert befand sich Bulgarien bereits auf seinem jetzigen Territorium und trägt nun schon über mehr als 13 Jahrhunderte diesen Namen.
Der Name „Bulgarien" geht auf das Volk der Bulgaren zurück, einem Turkvolk aus den Steppen Asiens
Die Bulgaren sind ein Volk mit einem wechselhaften, schwierigen und einzigartigen Schicksal. In ihrer langen Geschichte haben sie Willensstärke, Erfahrung, Wissen und Kultur aufgespeichert, welche sie von den anderen Völkern unterscheiden und gleichzeitig mit der Menschheit Europas verbinden.
Als Nachkommen der Thraker, Protobulgaren und Slawen sind die Bulgaren heutzutage stolz auf ihre Vergangenheit und ihre reiche Kultur. Ich bin von dem Wunsch beseelt, nur diese folgende Tatsache zu erwähnen: Die Brüder Kyrill und Metodi ersannen im 9. Jahrhundert das slawisch-bulgarische Alphabet und setzen die slawisch-bulgarische Sprache als die vierte Sprache in den Gottesdiensten der orthodoxen Kirche durch. Für diese historische Leistung wurden sie im vergangenen Jahrhundert zu Schutzheiligen Europas erklärt. Die bulgarische Sprache ist eine der ältesten dokumentierten slawischen Sprachen. Ihre historische Entwicklung kann man in drei Perioden festhalten:
Altbulgarische Periode (9.–11. Jh.)
Der Grundstein für die bulgarische Literaturgeschichte wurde im 8. Jahrhundert n. Chr. gelegt. Chroniken, Grabinschriften und Schriften an Gebäuden sollten zu dieser Zeit den Ruhm großer Herrscher verbreiten und erhalten. Das 10. Jahrhundert gilt als goldenes Zeitalter der bulgarischen Literaturgeschichte. Tchernorizec Hrabar veröffentlichte sein Traktat zur Verteidigung der slawischen Schrift mit dem Titel „O Pismenah (Über die Buchstaben)“.
Mittelbulgarische Periode (12.–14. Jh.)
Im 14. Jahrhundert erlebte die Literatur erneut einen Aufschwung in Bulgarien. Ein 1350 in der Nähe von Tarnovo gegründetes Kloster trug maßgeblich dazu bei. Berühmte Vertreter der Literaturgeschichte aus dieser Zeit sind der Mönch Cyprian, Grigorij Camblak sowie Konstantin Kostenezki. Während der osmanischen Herrschaft taten sich besonders Vladislav Gramatik und Sophronius von Vraza als Autoren hervor. Ihre Werke haben als Thema hauptsächlich die Identitätsfindung zum Inhalt, was bei der damaligen historischen Situation nicht weiter verwunderlich ist.
Neubulgarische Periode (seit dem 15. Jh.)
Besonders im 18. Jahrhundert entwickelte sich die bulgarische Literatur in zwei Richtungen weiter. Zum einen gab es viele Historiografen, zum anderen Autobiografen.
Zum Ende der osmanischen Herrschaft hin waren patriotische Gedichte von Revolutionären sehr beliebt. Christo Botev4 und Lyuben Karavelov5 gehören zu den wichtigsten Vertretern dieser literarischen Form.
Die moderne Literatur in Bulgarien wurde durch symbolistische Dichter wie Nikolai Liliev6 geprägt. Auch der Expressionismus war in Bulgarien durch den Poeten Geo Milev vertreten. Dieser wurde jedoch 1925 von regierungsnahen, antikommunistischen Kräften ermordet.
Die bulgarische Sprache wird von ca. 10 Millionen Menschen gesprochen; vor allem in Bulgarien (ca. 7,72 Millionen), aber auch in anderen Staaten Osteuropas, in Griechenland (1970: 20.000), Rumänien (1970: 13.000), Mazedonien, Moldawien (2005: 40.000), Ukraine (2001: 205.000), Serbien (1991: 25.200), Weißrussland, der Slowakei (2001: 1.176[3]) und der Türkei (2001: 30.000 sog. Pomaken). (Quelle: Wikipedia)
Die bulgarische Schrift wird in der bulgarischen Variante der kyrillischen Schrift geschrieben. Das bulgarische Alphabet umfasst 30 Buchstaben in der Reihenfolge dieser Tabelle:
Die bulgarische Literatur ist nach jahrelanger kommunistischer Zensur inzwischen auf europäischem Niveau angekommen. Leider fehlt jedoch in Westeuropa jegliche Kenntnis, zumindest der Hauptwerke bulgarischer Klassiker fast vollständig.
Mit der Aufnahme Bulgariens in die EU wäre es an der Zeit, die Bücher von Klassikern wie Ivan Vazov, Jordan Jovkov, und von zahlreichen zeitgenössischen Autoren auch in Deutschland und Westeuropa zu entdecken.
Um den Beitrag der Literatur Bulgariens für die kulturelle Entwicklung Europas zu ermessen, muss man nicht unbedingt bis zu Orpheus zurückgehen, welcher der Legende nach in den Rhodopen-Wäldern mit seinen Gesängen die Umgebung verzauberte und somit auf späterem bulgarischen Boden die abendländische „Lyrik“ (von Lyra - Leier) begründet hatte.
3 Die Herkunft des frühantiken Volkes ist nicht genau erforscht. Die schriftlose Gesellschaft macht die Erforschung sehr schwierig.
4 bulgarischer Dichter, Revolutionär und einer der Anführer des Aprilaufstandes.
5 bulgarischer Dichter, Aktivist der Bulgarischen nationalen Wiedergeburt
6 Lyriker, Dramaturg
Im Jahr 865 nahm Fürst Boris das Christentum als offizielle Staatsreligion in Bulgarien an. Der Prozess der Christianisierung hatte längst begonnen. Damit er Bulgarien als mächtigen und gestärkten Staat behalten und festigen konnte, hatte sich der Fürst ein grandioses Vorhaben ausgedacht und realisiert. Dieses beinhaltete:
Offizielle Annahme des Christentums von Byzanz und Rom.Einführung eines slawisch-bulgarischen Alphabets.Übersetzung der Religionsbücher in die eigene Sprache.Abhalten der Gottesdienste in slawisch-bulgarischer Sprache.Errichtung von Kirchen, Schulen und Klöstern.Weihung von bulgarischen Priestern.Schaffung und Durchsetzung einer unabhängigen bulgarischen Kirche.Billigung der slawisch-bulgarischen Sprache neben der griechischen, lateinischen und hebräischen als eine gottesdienstlich- christliche Sprache.Der bulgarische Fürst Boris hatte von seinem Vater einen großen und starken Staat geerbt. Der junge Herrscher beugte sich vor den Leistungen seiner Ahnen, aber Tag und Nacht dachte er daran, was er tun könne, damit seine starken Nachbarn Byzanz und das Deutsche Kaiserreich ihn als Gleichberechtigten behandeln und die Macht des bulgarischen Staates anerkennen. Seine Nachbarn waren Christen, aber ihn und sein Volk bezeichnete man als Barbaren und Ungläubige.
Gott hatte sich wohl des Fürsten erbarmt und ihm einen wundersamen Traum geschickt:
Aus dem blendenden Strahlen des Himmels kam eine weiße Taube geflogen. Die Taube hatte in ihrem Schnabel ein goldenes Band, auf dem etwas mit leuchtenden Zeichen geschrieben war und aus der Tiefe hörte er eine Stimme:
„Ich schicke Dir meinen Geist, damit der die Bulgaren bekehrt und als Geschenk hast Du die Schrift, damit dein Volk das Wort Gottes hören und verstehen kann. Du wirst zwei Brüder finden, welche die Erde mit einem Pflug beackern. Dann sollst du auch ihre Schüler in dein Zarenreich aufnehmen und zusammen werdet ihr den Samen des Glaubens und des Wissens auf dem Feld des Volkes aussäen.“
Ein ganzes Leben lang hatte der Fürst diese Botschaft nicht vergessen können. Er bediente sich ihrer, bis er sie erfüllt und beruhigt seinen Geist in die Hände Gottes legen konnte.
Der Fürst wusste wohl, wo er die beiden Brüder finden konnte, welche das Feld des Volkes mit dem Pflug bestellten. Er wusste von den Söhnen des bulgarischen Bojaren7, welcher dem Imperator in Thessaloniki diente. Beide waren gebildete und weise Männer und hatten weltweit einen guten Ruf. Konstantin Kirylov hatte an der berühmten Magnaur-Schule in Konstantinopel studiert. Er war für sein Wissen bekannt, sodass ihm der Imperator selbst sogar den Titel „Philosoph” verlieh und ihm die schwierigsten Missionen zu den Sarazenen und Khasaren anvertraut hatte. Sein Bruder Metodi war Verwalter einer slawischen Region in der Nähe von Solun (Thessaloniki).
Fürst Boris hatte beide Brüder zu sich bestellt und ihnen von dem himmlischen Traum erzählt.
Er offenbarte den Brüdern Kyrill und Metodi seine Pläne und beauftragte sie mit der Schaffung eines slawisch-bulgarischen Alphabets und mit der Übersetzung der wichtigsten christlichen liturgischen Bücher.
„Gott persönlich ernennt euch zu Lehrern aller Slawen, er möchte, dass ihr sie mit einer Schriftsprache beschert und ihre Augen für die weite Welt der Bücher öffnet. Möge er euch inspirieren und in eurem heiligen Werk stets beschützen.“
Beide Brüder nahmen die Botschaft entgegen, legten ihre Ämter beim Imperator nieder und zogen sich in das weit entfernte Kloster „Hl. Polychron“ in Kleinasien zurück. Weitab von der Welt haben sie fleißig deklamiert und sich mit den Büchern beschäftigt. Hier wurde mit Hilfe Gottes im Jahr 855 das slawisch-bulgarische Alphabet geschaffen, wie ihnen der bulgarische Fürst aufgetragen hatte. Zahlreiche Glaubensbücher wurden in jener Zeit dort durch die beiden Brüder übersetzt.
Ziel war, dass sich Bulgarien den zivilisierten europäischen christlichen Völkern anschließt, auf dass der bulgarische Staat in den kommenden Jahrhunderten an Stärke gewinnt und damit eine größere politische und geistige Unabhängigkeit und kulturelle Weiterentwicklung des bulgarischen Volkes erreicht wird.
Bulgarien verwandelte sich in eine „Heimstatt des Genius“, von wo aus die Funken des bulgarischen Alphabets und des Wissens nach Russland, der Ukraine, Weißrussland, Serbien, und Rumänien verstreut wurden.
Diese Ereignisse fanden starke Resonanz im mittelalterlichen Europa und in der christlichen Literatur. Bereits damals wusste man die Bedeutung des großen Werkes von Fürst Boris, den Brüdern Kyrill und Metodi und deren Schülern zu schätzen. In einem Manuskript aus dem 13. Jahrhundert findet man vielleicht die genaueste Bewertung, wiedergegeben mit Hilfe der Ausdrucksmittel jener Zeit:
„Auf der Welt gibt es drei Zarenreiche, genau wie die Heilige Dreieinigkeit im Himmel. Das erste Zarenreich ist das Griechische, das zweite das Bulgarische und das dritte das Alemannische (Deutsche). Mit dem Griechischen ist der Vater, mit dem Alemannischen der Sohn und mit dem Bulgarischen der Heilige Geist gemeint.“
Für ihr großes Werk und für ihre Rolle zur Sicherung der Einigkeit in Europa wurden die Brüder Kyrill und Metodi im Jahr 1985 von Papst Johannes-Paul ІІ. in einer Enzyklika zu „Schutzheiligen Europas“ erklärt.
Das Schicksal hatte jedoch entschieden, dass die slawische Schrift vorerst einen anderen Weg geht.
Rostislav, Fürst von Großmoravien (Mähren), bat den Imperator, ihm Lehrer und Erzieher zu schicken, die das Wort Gottes in slawischer Sprache predigen. Der Imperator wusste von den, durch die Brüder Konstantin und Metodi erfundenen slawischen Buchstaben und schickte sie zu Rostislav. Hier bauten die Lehrer eine selbstständige slawische Kirche auf, gegründeten Schulen und bildeten Schüler aus. Sie erweiterten das slawische Schrifttum, setzten die slawische Sprache in den Gottesdiensten durch und lehrten die Schriftsprache sowie die Gesetze des Fürsten. Aber Priester, welche die lateinische Sprache predigten, erhoben sich gegen die Brüder. Man hatte sie vor dem Papst denunziert, dass sie das alte Dogma - das Wort Gottes nur in drei Sprachen zu predigen – Griechisch, Latein und Hebräisch, nicht befolgen. Nichts konnten die beiden Brüder dagegen unternehmen. Sie sollten ihr Werk vor dem Papst in Rom verteidigen. Sie nahmen die Bündel mit den übersetzten slawisch-bulgarischen Büchern und machten sich im Jahr 867 auf den Weg nach Rom.
Nachdem sie Venedig erreicht hatten, erfuhren sie, dass sich hier angesehene Männer und Gelehrte versammelt hätten, um über die Dogmen des christlichen Glaubens zu diskutieren. Sie traten fromm und ergeben in die Kirche ein und zeigten den Priestern ihre Bücher. Von den römischen Priestern wurden sie jedoch angegriffen, beleidigt und das slawisch-bulgarische Wort wurde von ihnen verdammt. Das Herz Konstantins war zutiefst empört und er trat mutig in die Kanzel, öffnete vor allen seine Bücher und fragte:
„Schickt Gott nicht Regen an alle? Scheint die Sonne nicht für alle? Atmen wir nicht alle die gleiche Luft? Wieso schämt ihr euch nicht, nur drei Sprachen anzuerkennen und wollt, dass alle anderen Völker und Stämme blind und taub bleiben?“
Das Gerücht über die Wissbegierde und Weisheit der beiden Brüder erreichte auch Rom. Der Papst empfing sie und segnete die slawisch-bulgarischen Bücher. Konstantin legte ein Mönchsgelübde ab und nahm den Namen Kyrill an. Leider erkrankte er danach schwer und starb im Jahr 869. Beerdigt wurde er in der römischen Kirche „San Clemente“, wo sich sein Grab heutzutage noch immer befindet. Bevor er seine Augen schloss, nahm er die Hand seines Bruders Metodi und sprach:
„Du, Bruderherz, wir beide waren eingespannt, eine Furche zu pflügen. Mein Leben ist nun zu Ende, ich steige aus. Du liebst das Gebirge so sehr, aber gib bitte nicht deswegen unsere Lehren auf, da Du dadurch leichter Erlösung findest.“
Metodi hörte auf seinen Bruder. Er kehrte nicht in das geliebte Kloster zurück, sondern begab sich auf dem Weg zu den Gebieten der pannonischen Slawen und wurde Bischof von ganz Pannonien. Bis zu seinem Tod im Jahr 885 diente er stets seinem Gott als treuer Vasall.
Kurz darauf kamen für die Christen in Großmoravien schlechte Tage. Die slawischen Priester wurden vertrieben, eingesperrt oder als Sklaven verkauft. Die slawischen Bücher wurden verboten und das Werk von Kyrill und Metodi nach und nach vergessen.
Die Schüler, welche sich retten konnten, gingen nach Bulgarien. Dies entsprach dem Wunsch ihrer Lehrer und Erzieher Kyrill und Metodi bevor sie starben.
„Dort“ – sagten sie, „wartet auf euch der große Fürst Boris. Bringt ihm die Schrift. Er wird sie gut bewahren und über das ganze Land, wo Bulgaren und Slawen wohnen, verbreiten.”
Gehorsam ihren Lehrern gegenüber, taten die Schüler, wie ihnen geheißen. Kaum hatten sie die Donau durchquert und standen vor der Mauer Belgrads, kam ihnen der bulgarische Stadthalter entgegen. Er befahl den Wachen, die Pferde zu satteln und sie bis nach Pliska, dem Herrschersitz des Fürsten, zu begleiten
Der Fürst selbst kam zusammen mit seinen Bojaren und rechtgläubigem Volk um sie zu empfangen. Er stieg vom Pferd, kniete nieder, nahm die Bündel mit den heiligen Schriftzeichen und den Büchern mit dem bulgarischen Wort in seine Hände und küsste sie. Dann stand er auf, bekreuzigte sich und sagte:
„Danke dir, lieber Gott! Du hast meine Bitte erfüllt. Hier im Lande der Bulgaren hat das slawisch-bulgarische Alphabet neben den slawischen Büchern ihr rechtes Heim gefunden. Ab jetzt wird unser Volk an diesem Tag das Gedenken und das Werk unserer ersten Lehrer Kyrill und Metodi ehren. Mögen ihren Namen stets heilig und in ewiger Erinnerung bleiben.“
Es war der elfte Tag des Monats Mai im Jahr 886. Seitdem feiern die Bulgaren am 11. Mai nach dem Julianischen Kalender oder am 24. Mai nach dem Gregorianischen, den Tag des slawischbulgarischen Schrifttums und der bulgarischen Kultur. Es ist eines der fröhlichsten bulgarischen Feste.
7 Bojaren waren Adlige an den Höfen der Zaren
Damit sie sich im Land sicher und unfallfrei bewegen, hier einige wichtige Informationen zum Straßen nverkehr. Kontaktieren sie jedoch immer Ihren Automo obilclub wegen evtl. Neuerungen vor der Reise - auch in Bezug auf die Transitländer!
In Bulgarien herrscht Rechtsverkehr. Es gibt keine e wesentlichen Unterschiede zu den Verkehrsregeln in Europa.
Einige Verkehrsschilder sind uns aus Westeuropa nicht bekannt. Sie sind jedoch in ihrer bildlichen Aussage eindeuti ig. Oft sind die Schilder hinter Gestrüpp verborgen. VORSICHT bei Geschwindigkeitsbegrenzungen! Es ist immer empfehlenswert di ie vorgeschriebene Geschwindigkeit strikt einzuhalten.
Auf Hauptverkehrsstraßen und Autobahnen herrs scht Vignettenpflicht!
PKW –Vignette 2015 (rot)
Achten sie unbedingt darauf, dass ihnen beim Kauf die Vignette auch ausgehändigt wird. Die e Quittung alleine ist ungültig.
Vignetten bekommt m man an allen Grenzübergängen von u und nach Bulgarien, in Geschäftsste ellen des bulgarischen Autofahrerclu ubs (UAB), an durchgehend geöffneten n Tank¬stellen entlang der Autobahnen en, Fernstraßen und in Gro߬städten. E Ebenso sind die Vignetten in allen Filiale en der DZI-
Bank (ДЗИ-Банка) mit Möglichkeit zur Bezahlung mit Kreditkarte erhältlich.
Die Vignette besteht aus zwei Teilen:
Der erste Teil - der Aufkleber - muss in der rechten, unteren Ecke der Innenseite der Windschutzscheibe befestigt werden. Den zweiten Teil muss der Fahrzeugführer mitführen. Wenn eine Vignette die Gültigkeit verliert, muss diese sofort von der Windschutzscheibe entfernt werden.
Mietfahrzeuge sind in der Regel im Besitz einer Vignette. Trotzdem darauf achten, dass diese auf der Windschutzscheibe angebracht und gültig ist!
Verkehrsrowdys:
Viele einheimische Verkehrsteilnehmer fahren sehr aggressiv. Trotz Sperrlinien und Gegenverkehr wird überholt. Geschwindigkeitsbegrenzungen werden von bulgarischen Verkehrsteilnehmern oft nicht eingehalten. Empfehlenswert: Im inner- und außerstädtischen Straßenverkehr einen größeren Sicherheitsabstand zum vorderen Fahrzeug einhalten und defensiv fahren. Die Polizei ist bei Ausländern oft gnadenlos!
Wegweiser und Ortstafeln sind zum größten Teil zweisprachig (Kyrillisch und Latein). Warntafeln sind zum Teil in kyrillischer und englischer Sprache. Braune Wegweiser mit weißer Schrift weisen auf öffentliche Einrichtungen oder Sehenswürdigkeiten hin. Die Autobahnbeschilderung ist in Bulgarien grün. Nationalstraßen sind blau beschildert.
Ampeln springen teilweise sofort von rot auf grün, die Gelbphase fehlt dann.
Nachahmenswert: Sekundenzähler zeigen in größeren Städten an, wie lange die entsprechende Rot- oder Grünphase noch dauert (Countdown), damit sich der Autofahrer (Fußgänger) bereit halten kann. Ist meiner Ansicht nach auch ein Umweltbeitrag!
Höchstgeschwindigkeiten:
Tagfahrlicht:
Es besteht die Pflicht zum Einschalten der Scheinwerfer tagsüber vom 1. November bis 31. März.
Kindersicherung:
Kinder unter 12 Jahren dürfen nicht auf dem Vordersitz befördert werden. Kinder bis 36 kg Körpergewicht bzw. 150 cm Körpergröße dürfen nur in entsprechenden Sicherheitssitzen befördert werden
Warnwesten:
Alle Insassen eines Kfz, die bei einer Panne oder einem Unfall außerhalb geschlossener Ortschaften das Fahrzeug verlassen, müssen eine Warnweste tragen. Dies gilt auch für Motorradfahrer. Es droht eine Geldbuße von ca. 25 Euro.
Telefon:
Während der Fahrt ist das Telefonieren nur über eine Freisprechanlage erlaubt.
Verkehrsstrafen:
Vom bulgarischen Innenministerium wird darauf hingewiesen, dass Geldstrafen nie direkt an die kontrollierenden Verkehrspolizisten zu zahlen sind. Wird ein Autofahrer dennoch zur Zahlung aufgefordert, dann die Kennnummer des Polizisten (an dessen Uniform) und Namen notieren. Echte Polizisten tragen eine Schutzweste und weisen den Dienstausweis mit Namen, Lichtbild und Einheit vor.
Besonderheiten:
Privates Abschleppen auf Autobahnen ist nur bis zur nächsten Abfahrt erlaubt.
Straßenbahnen haben immer Vorrang! Sie dürfen an Haltestellen ohne Halteinseln nicht passiert werden!
Tankstellen:
Benzin, Diesel oder Autogas müssen meist in bar (Leva) bezahlt werden. Nur größere Ketten akzeptieren Kreditkarten. Alle Kraftstoffarten sind an den Tankstellen in den Städten und entlang der Autobahnen erhältlich.
Unterlagen:
Der nationale Führerschein ist für EU-Bürger ausreichend. Für Staatsangehörige der EU-Länder gilt als Versicherungsnachweis das Autokennzeichen. Dennoch wird empfohlen, die Internationale Grüne Versicherungskarte mitzunehmen, um bei eventuellen Schadensfällen in den Genuss des vollen Versicherungsschutzes zu kommen. Ansonsten gilt der gesetzlich vorgeschriebene minimale Haftpflicht-Versicherungsschutz. Außerdem kann die Grüne Karte die Unfallaufnahme erleichtern.
Fernbus:
Busse, die nationale und internationale Strecken bedienen, fahren von Terminals ab, die zumeist bei den Hauptbahnhöfen in den Großstädten liegen. Alle größeren Städte sind auch mit Fernbussen gut zu erreichen.
Taxi:
Taxis gibt es in allen Städten, auch für Überlandfahrten. Sie stehen in Taxiständen, vor Hotels und können telefonisch bestellt werden. Staatliche Taxis haben Taxameter, private Taxis oftmals nicht. Fahrpreis vorher aushandeln!
Taxiunternehmen sind verpflichtet, die Kilometerpreise von außen sichtbar anzubringen. Vorsicht ist geboten, wenn sie keine solche Preisliste erkennen!
Alle Taxen im Land sind gelb. Der Tagestarif gilt zwischen 06.0022.00 Uhr, der Nachttarif zwischen 22.00 - 06.00 Uhr.
Hinweis: An den Bushaltestellen in den Seebädern finden sich besonders am Abend, wenn nur noch selten Busse verkehren, Taxifahrer ein, welche anbieten, zum Preis für das Busticket zu befördern. Dieses Angebot kann man nutzen. Man muss jedoch in Kauf nehmen, dass der Fahrer die Sitzplatzkapazität voll auslastet. Dann sitzt man mit bis zu drei weiteren Personen im Wagen und jeder Fahrgast zahlt seinen Preis.
Linientaxis:
In Sofia aber auch in anderen Großstädten verkehren sogenannte Linientaxis. Das sind Kleinbusse, die immer nur auf einer festen Route fahren. Man kann sie überall anhalten. Aber man kann auch überall auf der Route bitten, zum Aussteigen anzuhalten. Die Preise für Linientaxen sind sehr niedrig. Die Linientaxen heißen im Singular „Marshrutka“8.
Mietwagen:
Internationale und nationale Mietwagenfirmen sind in größeren Städten und Urlaubsresorts vertreten.
8 Von Marschroute abgeleitet
(Oder: ist die bulgarische Polizei wirklich korrupt?)
Viel hatte man schon gehört über die Polizei in diesem Land.
Man sollte dem Beamten ein Trinkgeld zustecken, wenn man wegen Geschwindigkeitsüberschreitung oder anderer Delikte angehalten würde. Das wäre allemal noch billiger als die drastisch hohen Strafen zu bezahlen - waren zum Beispiel solche Aussagen.
Nun - ich habe es bisweilen miterlebt… Aber auch ganz anders!
Gehen wir zuerst einen großen Schritt zurück. Beginnen wir mit einem Erlebnis im noch sozialistischen Land Bulgarien:
Vetternwirtschaft
Ich war drei Tage und Nächte alleine, mit meinem klapprigen „Wartburg“ über Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Rumänien mit weit über 24 Stunden Zwangsstopp an der Donaufähre in Calafat, dem Fährhafen auf der rumänischen Seite, endlich todmüde am Ziel in Lovetch angekommen.
Mein Auto war schlammüberkrustet – wohl von den hervorragenden Straßen seinerzeit in Rumänien.
Ich wollte nur noch schlafen und mein damaliger Schwager bot sich an, das Fahrzeug zum Waschen zu bringen.
Einverstanden!
Ich wurde geweckt. Ein kleiner Unfall hätte sich ereignet. Der Schwager musste vor einem Kind stoppen, das unvermittelt zwischen zwei parkenden Autos herausrannte. Dabei war ihm ein nachfolgender Wagen aufgefahren.
Kein Drama – dem Kind war gottlob nichts passiert, mein Wagen hatte eine kaputte Schlussleuchte und ein eingedelltes Hinterteil. Aber der andere Fahrer lamentierte.
Er war nicht bereit, für den Schaden aufzukommen. Sträubte und wehrte sich. Schob alle Schuld von sich. Handys gab es noch keine. Also telefonierte Asen mit der Polizei aus der Wohnung. Der Unfallgegner hatte sich bereits aus dem Staub gemacht.
Die Rückleuchte war schon mit einigen Lagen Tesa-Film notdürftig repariert. Der Deckel des Kofferraums konnte nach einigen kleinen Richtarbeiten geschlossen werden. Das Fahrzeug war also fahrbereit.
Wir wurden zum örtlichen Polizeipräsidium bestellt.
Befragung: Wer ist gefahren, warum - etc. ... Akoholtest: „Sie haben getrunken!“
„Ich habe keinen Schluck Alkohol getrunken“, beteuert Asen.
„Aber das Gerät zeigt einen Wert an.“ Das Röhrchen wurde leicht blau. „Haben sie irgendetwas gegessen, was dazu führen könnte?“
„Zu Mittag habe ich einige Stücke Honigmelone gegessen.“
„Aha, da haben wir es ja. Ich stelle Alkohol fest. Sind sie mit einer Blutprobe einverstanden?“
„Ich bin einverstanden, weil ich absolut nichts getrunken habe.“
Jetzt wurde es mir aber langsam zu bunt:
„Wir sind hierher gekommen, weil wir für die Versicherung ein Protokoll benötigen. Außerdem, wo ist der andere Fahrer? Warum wird der nicht einbestellt? Er ist doch aufgefahren und nicht mein Schwager!“
„Sie haben hier gar nichts zu sagen! Wer sind sie?“
Das ist mein Fahrzeug und ich benötige für die Versicherung zu Hause in Deutschland ein polizeiliches Protokoll über den Unfall. Nichts weiter. Das Fahrzeug ist noch fahrbereit und kann hier sowieso nicht repariert werden.“
„Ob das Fahrzeug noch fahrbereit ist, bestimmen wir!“
„OK, dann prüfen sie das doch bitte!“
„Zunächst stelle ich fest, dass Herr Asen gesetzeswidrig ein fremdes Fahrzeug benutzt hat. Das ist strafbar! Somit hat ER den Unfall verursacht“
„Aha - das glaube ich doch wohl nicht“ sage ich etwas lauter „aber wenn der Fahrer das Leben eines Kindes rettet, indem er eine Vollbremsung ausführt, und der Nachfolger auffährt, weil er möglicherweise geschlafen hat, so ist das legal“?
„Sie halten den Mund, sonst lasse ich sie festnehmen!“ „OK, Asen, lass uns gehen. Ich verzichte auf den Schadenersatz!“
„Wegen der illegalen Benutzung eines fremden Fahrzeugs hören sie noch von uns, “rief der Beamte noch meinem Schwager nach.
