Plötzlich ist alles anders - Irene Dorfner - E-Book

Plötzlich ist alles anders E-Book

Irene Dorfner

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Beschreibung

Der Banker Johann Scharl aus dem oberbayerischen Winhöring verschwindet spurlos. Während seine Stelle bei der Altöttinger Sparbank sofort neu besetzt wird, ist Scharls Ehefrau Karin nicht unglücklich über das Verschwinden ihres Mannes. Leo Schwartz und die Kollegen der Mühldorfer Kriminalpolizei unterstützen die Vermisstenabteilung – und dabei fällt Leo der Fall Johann Scharl ins Auge. Die Aussagen der Ehefrau und der Kollegen gefallen ihm nicht und deshalb befragt er die Beteiligten erneut und gräbt tiefer. Während der Durchsuchung der Sparbank bringt die Sekretärin und Scharls Kurzzeitaffäre Silvana Kurz brisante Unterlagen über unsaubere Geschäfte der Bank in Sicherheit. Ihr Weg führt sie ins nahegelegene Hotel Zur Post am Kapellplatz. Dort findet sie Hilfe bei der Angestellten Gitta Weiß – denn Silvana hat zwar die Unterlagen in Sicherheit gebracht, aber das bringt sie selbst in größte Gefahr…

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Irene Dorfner

Plötzlich ist alles anders

Krimi

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

ANMERKUNG

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

22.

23.

24.

25.

26.

27.

Liebe Leser!

Von der Autorin sind bisher folgende Bücher erschienen:

Über die Autorin Irene Dorfner:

Impressum

VORWORT

Leo Schwartz und die Kollegen der Mühldorfer Kriminalpolizei haben den 46. Fall gelöst.

Ich bedanke mich bei meinen Testlesern und Lektoren, die wieder viel Geduld bewiesen und einen tollen Job gemacht haben.

In meinen Krimis dürfen bekanntlich immer reale Personen mitspielen. Ganz herzlich bedanken möchte ich mich bei Karin Scharl aus Winhöring, die in diesem Krimi eine tragende Rolle spielt. Meine Karin Scharl ist eine fiktive Person und hat natürlich mit der echten Person nichts gemeinsam.

Ein besonderer Dank gilt dem Hotel Zur Post am Kapellplatz Altötting - und Gitta Weiß, die dort echt einen tollen Job macht. Die Zusammenarbeit mit dem Hotel Zur Post war unproblematisch und freundschaftlich. Es ist für Autorinnen und Autoren enorm wichtig, echte Schauplätze in die Geschichte mit einbauen zu dürfen, was hier wunderbar funktioniert hat. Solltet ihr mal in Altötting sein, seid ihr im Hotel Zur Post wunderbar aufgehoben – und ich zeige euch gerne einige Schauplätze/Tatorte aus meinen Krimis!

Herzliche Grüße

Irene Dorfner

ANMERKUNG

Die Personen und Namen in diesem Buch sind frei erfunden – ausgenommen sind Karin Scharl und Gitta Weiß vom Hotel Zur Post, hier liegen Genehmigungen vor.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig. Der Inhalt des Buches ist reine Fantasie der Autorin. Auch hier sind Ähnlichkeiten rein zufällig.

Die Örtlichkeiten wurden den Handlungen angepasst.

…und jetzt geht es auch schon los:

1.

Er lag vor ihr. Die Augen starrten ins Leere, der Mund stand offen. War er wirklich tot? Hatte sie es wirklich geschafft? War es endlich vorbei? Um sicher zu gehen, behielt sie die Schere in der Hand – bereit, wieder zuzustechen, wenn er doch noch ein Lebenszeichen von sich gab. Minuten vergingen. Sie konnte den Blick nicht von ihm wenden. Hatte ihr beschissenes Leben tatsächlich endlich ein Ende gefunden? Konnte das wahr sein?

Irgendwann wagte sie es, den Körper vorsichtig mit dem Fuß anzustoßen. Erst behutsam, dann immer heftiger. Das Arschloch rührte sich nicht, trotzdem blieb sie in Alarmbereitschaft. Wie oft hatte er sie getäuscht? Sie konnte es nicht mehr zählen. Narben übersäten ihren Körper, von blauen Flecken und den frischen Wunden ganz zu schweigen. Er ging immer vorsichtig vor und verletzte sie nur dort, wo man es nicht sehen konnte. Gesicht, Hals und die Unterarme blieben immer verschont. Trotz seiner Brutalität und Unbeherrschtheit ging er stets umsichtig vor, damit ihm niemand auf die Schliche kam. Draußen gab er sich als liebevoller Ehemann, Freund und Kollege. Er machte sie mit kleinen, gekonnt abgesetzten Bemerkungen schlecht, stellte sie als Schussel und nicht selten als dumm dar. Alle glaubten ihm. Mit seinem Charme nahm er alle für sich ein, sie hatte sich ja auch von ihm täuschen lassen. Sie war seit Jahren nur noch das unterwürfige, wortkarge und unscheinbare Anhängsel des ach so tollen und beliebten Mannes, der nicht selten mit seinen beruflichen Erfolgen prahlte. Ob die stimmten? Sie wusste es nicht, denn er sprach zuhause nie über seinen Job, auf ihre Fragen ging er grundsätzlich nicht ein. Das Büro im Erdgeschoss ihres riesigen Hauses war für sie tabu, das durfte sie nicht betreten. Bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen sie ihn zu beruflichen Terminen begleiten durfte, musste sie den Mund halten – die Anweisung war unmissverständlich. Jegliche Informationen bezüglich seines Jobs blieben ihr verborgen. Wie hätte sie also wissen können, ob seine Prahlereien auch wahr waren? Zu Beginn ihrer Beziehung glaubte sie ihm jedes Wort, inzwischen zweifelte sie jede einzelne Silbe an. Johann war früher ein ganz anderer Mensch gewesen. Er war höflich, großzügig und liebevoll, aber das änderte sich mit der Hochzeit vor siebzehn Jahren, seitdem hielt er sie klein. Sie hatte ihren Job aufgegeben und zog zu ihm. Warum auch nicht? Während sie in einer kleinen Mietswohnung in Mühldorf lebte, besaß er ein stattliches Eigenheim in Winhöring. Ob das abbezahlt war? Sie wusste es nicht, auch hier ging er nicht auf ihre Fragen ein. Für sie war der Umzug nur logisch. Damals war sie sogar stolz auf ihren vermeintlichen Aufstieg. Wenn sie geahnt hätte, dass sie direkt in die Hölle ging, hätte sie diesen Schritt niemals gewagt. Aber sie war verliebt und glaubte seinen süßen Worten. Einige ihrer Freunde hatten sie gewarnt, auch ihre Schwester schien sich nicht für sie zu freuen. Sie hörte immer noch die mahnenden Worte von Bettina.

„Er tut dir nicht gut, Karin. Gib dir noch Zeit.“ Aber sie schlug alle Bedenken in den Wind. Johann meinte, dass Bettina nur neidisch wäre und sie ihr das Glück nicht gönnen würde. Seitdem hatte sie ihre Schwester nicht mehr gesehen. Wie es ihr ging? Karin wusste es nicht und es war auch nicht wichtig, denn seit Jahren war ihr klar, dass sie allein auf sich gestellt war und auf niemanden zählen konnte. Die ersten Änderungen nach dem Umzug merkte sie schnell, nahm sie aber nicht ernst. Bewerbungen verhinderte Johann gekonnt, bis er sie davon überzeugte, einfach zu Hause zu bleiben und nicht zu arbeiten. Karin war überglücklich und genoss die ersten Wochen. Damals war sie noch davon überzeugt gewesen, dass sie das ganz große Los gezogen hatte. Sie war sogar davon überzeugt, dass niemand auf der ganzen Welt so glücklich war wie sie. Dass Johann immer mehr das Zepter übernahm, merkte sie viel zu spät. Nach wenigen Wochen übernahm er die eingehende Post und alle Rechnungen komplett. Dem Vorschlag eines gemeinsamen Kontos kam sie nach. Das war für sie logisch und sie freute sich über sein Vertrauen, schließlich hatte er sehr viel mehr Geld als sie. Dass sie keinen Zugang zu dem Konto hatte, machte sie nicht misstrauisch. Sie bekam ihr Haushaltsgeld pünktlich zu Monatsanfang in bar. Erst nach vielen Monaten fiel ihr auf, dass sie nicht einmal den Namen der Bank wusste. Johann hatte sie entmündigt, aber auch das merkte sie viel zu spät. Während sie sich nur um den Haushalt und den Garten kümmerte, übernahm er den Rest. Sie ließ sich blenden und genoss ihr vermeintlich süßes, sorgenfreies Leben. Die berühmte rosarote Brille hatte sie doppelt und dreifach auf. Sie sollte nur für ihn da sein und das süße Leben an seiner Seite genießen. Dass es das niemals geben würde, war ihr damals nicht bewusst.

Sie starrte immer noch auf das tote Arschloch und seufzte. War sie damals zu jung und zu naiv gewesen? Warum fiel sie auf so einen Typen rein und nahm die Anzeichen nicht ernst? Beleidigungen überhörte sie, bis es die ersten Schläge gab. Natürlich war sie davon überzeugt, dass die Angriffe auf sie schnell wieder aufhörten und nur dem Stress geschuldet waren. Er entschuldigte sich auf Knien und schwor, dass das nie wieder vorkäme. Seine süßen Worte, dass er sie zu sehr liebte und sich deshalb nicht im Griff hatte, glaubte sie nur zu gern. Die jeweiligen Geschenke, die seine Entschuldigungen unterstrichen, nahm sie auch sehr gerne an. Warum hätte sie ihm nicht glauben sollen? Zu spät merkte sie, dass die cholerischen Ausfälle, die sich mehr und mehr häuften, sein wahres Ich zeigten. Der liebevolle Umgang kippte immer mehr, bis es ihn nur noch gab, wenn andere Menschen dabei waren. Karin Scharl lächelte bitter. Bis sie merkte, dass Johann die Zügel enger zog, war es zu spät. Das knappe Haushaltsgeld war nur für Lebensmittel und Drogerieartikel gedacht. Wo sie einkaufte bestimmte er, dafür überließ er ihr die Auswahl des Einkaufs. Dass er das als sehr großzügig empfand, brachte er immer wieder auf den Tisch, denn schließlich war es sein Geld – was er nur zu gerne betonte. Da er lange Haare liebte, gab es keine Friseurtermine. Kleidung kaufte auch er, da er meinte, dass sie kein glückliches Händchen dafür hätte. Das, was sie täglich anziehen musste, war nicht ihr persönlicher Geschmack, es war seiner. Anfangs hatte sie protestiert und wollte ihren Willen durchsetzen, aber er hatte überzeugende Argumente, denen sie schließlich nachgab – die Narben erinnerten sie täglich an diese schreckliche Zeit. Als sie genug hatte und endlich gehen wollte, verstand sie erst, dass es niemanden gab, der sie aufnehmen würde. Er hatte schon vor der Hochzeit dafür gesorgt, dass ihr Freundeskreis minimiert und dann aufgelöst wurde, dasselbe galt für ihre Familie. Als sie merkte, dass er ihre Telefonate kontrollierte, war sie außer sich. Der damalige Streit artete derart aus, dass sie ins Krankenhaus musste. Erst weigerte er sich, einen Krankenwagen zu rufen, aber sie war zu sehr verletzt, also blieb ihm nichts anderes übrig. Auf der Fahrt bläute er ihr ein, den Mund zu halten. Im Krankenhaus sprach er mit dem Arzt. Erst viel später erfuhr sie, dass er ein Märchen nach dem anderen erzählte, um die Verletzungen zu erklären. Natürlich bestand er darauf, dass er seine geliebte Frau sofort nach Hause nehmen wollte, als man die Wunden versorgt hatte. Der Arzt schien Verdacht zu schöpfen und fragte sie selbst nach ihrem Willen, aber eingeschüchtert wie sie war, unterschrieb sie die Entlassungspapiere. Wieder eine Chance vertan, der Hölle zu entkommen. Sie war einfach zu schwach und schaffte es nicht, sich gegen das Monster aufzulehnen. Johann zog die Schrauben noch fester. Sie durfte ab sofort mit niemandem mehr sprechen, konnte sich demnach auch nie jemandem anvertrauen. Dazu gehörten auch Nachbarn, die sie eigentlich mochte. Ihr Mann erzählte ihr Geschichten, in denen er das Opfer von übler Nachrede und Intrigen war und die sie ihm alle glaubte. Als Ehefrau war es nur selbstverständlich, dass sie zu ihrem Mann hielt. Sie hätte den Teufelskreis durchbrechen und mutig sein müssen, aber das war sie nicht. Gab sie Widerworte, wurde er verbal verletzend, bis er schließlich zuschlug. Schläge waren seine letzten Argumente, mit denen er sie gefügig machte. Rund ums Haus wurden Kameras angebracht – die galten keinen Eindringlingen, sondern nur zu ihrer Überwachung und Einschüchterung. Ein eigenes Auto hatte sie nicht. Er meinte, dass sie genug Zeit hätte, um alles zu Fuß zu erledigen, weshalb sie seitdem allein nicht mehr aus Winhöring herauskam. Sie war dort regelrecht gefangen. Die Tagesaufgaben, die er ihr auferlegte, waren so massiv, dass sie kaum Zeit zum Durchatmen hatte. Alles musste perfekt sein. Tagtäglich drehte er seine Runde durchs Haus und kontrollierte, ob sie auch wirklich alle Aufgaben zu seiner Zufriedenheit erledigt hatte. Er vergab sogar Noten, um sie zu bewerten. Er nannte es Motivation, besser zu werden, für sie war es nur Schikane. Auch hier merkte sie zu spät, dass das alles Kalkül war, um sie zu überwachen und kurz zu halten. Schließlich gab es irgendwann nur noch ihn als einzige Bezugsperson. Und es gab nichts für sie, außer die Einkäufe und ihr Zuhause. Sie saß in der Falle. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als seine Spielchen mitzumachen. Mit den Jahren wurde sie immer kleiner und wagte es nicht einmal mehr, ihn anzusehen. Mordgedanken keimten in ihr auf, nachdem eine Flucht für sie nicht möglich war. Aber auch dafür fehlte ihr der Mut. Johann war oft unterwegs. Er schob berufliche Termine vor, aber daran glaubte sie schon lange nicht mehr. Wo er war? Es war ihr egal. Sie war sogar froh darüber, wenn er wieder für einige Tage weg war, in der Zeit konnte sie durchatmen und sich erholen. Trotzdem wusste sie, dass er sie überwachte und machte auch allein das, was sie sonst immer tat. Er hatte sie in der Hand und irgendwann ergab sie sich ihrem Schicksal, dem sie ja doch nicht entkommen konnte.

Nur ein einziges Mal in ihrem Leben war sie mutig gewesen und hatte selbst entschieden. Das war ihr Geheimnis, das sie bis heute niemandem anvertraute. Sie wurde schwanger. Dass sie von diesem Arschloch kein Kind wollte, stand für sie fest, denn das wäre bei ihm nicht sicher. Zum Arzt konnte sie nicht gehen, weshalb eine Abtreibung schwierig war. Was sollte sie machen? Je mehr Zeit verging, desto gefährlicher wurde ihre Situation. In den ersten Monaten konnte sie die Schwangerschaft verheimlichen. Er meckerte zwar, weil sie dicker wurde, aber das war es auch schon. Die dämlichen Sprüche und Beleidigungen steckte sie weg. Ab dem siebten Monat wurde es wirklich brenzlig. Sie war verzweifelt und suchte nach einem Ausweg, aber dann spielte ihr das Schicksal in die Karten. Er war geschäftlich in Amerika – und dann kam Corona. Er konnte nicht ausreisen, ihre Freude war riesig! Endlich hatte auch sie einmal Glück im Leben! Zwar hatte er sie durch die Kameras immer im Auge, aber inzwischen hatte sie gelernt, wie sie sich benehmen musste, um ihn zu täuschen. Die Wochen vergingen. Während sich die ganze Welt über die Corona-Maßnahmen aufregte und dagegen anging, konnte sie jede Minute genießen. Ihr Leben war noch nie so schön wie in dieser Zeit. Johann blieb nichts anderes übrig, als ihr die Zahlenkombination des Safes zu übermitteln, denn sie brauchte schließlich Geld. Sie wusste damals nicht einmal, dass es einen Safe gab. Zum ersten Mal betrat sie Johanns Büro, das ihr fremd und kalt vorkam. Der protzige Safe war als solcher nicht sofort zu erkennen, er sah aus wie ein ganz normaler Schrank. Er stand auf der rechten Seite und wurde von protzigen Bücherregalen umrahmt. Ob das Arschloch die Bücher jemals las? Ganz sicher nicht.

Sie öffnete die Schranktür und erst dann erkannte sie, dass es sich um einen Safe handelte. Dieser hinterfotzige Typ hatte kein einziges Wort darüber verloren. Sie gab die Zahlenkombination ein und war überrascht über die vielen Geldbündel. Mit zitternden Händen nahm sie einige Bündel heraus und legte sie wieder zurück. Sie fand einige Akten, deren Inhalt sie aber nicht verstand. Dann entdeckte sie zwei Schatullen. In einer befanden sich diverse Münzen, die unterschiedlich aussahen. In der anderen, mit lilafarbenem Samt ausgeschlagenen Schachtel, lagen acht identische Goldmünzen. Wie viel die wohl wert waren? Karin strich über den Samt, schloss die Schatullen und legte sie wieder zurück. Sie nahm nur die Scheine, die sie telefonisch vereinbart hatten, denn sie war sicher, dass er genau wusste, wie viel Geld darin lag. Woher Johann das viele Geld und die Münzen hatte? Sie wusste es nicht.

Es war so weit. Sie bekam das Kind allein und ohne Hilfe. Was Frauen früher schafften, musste sie jetzt auch leisten, obwohl sie riesige Angst vor der Geburt hatte. Alles ging gut. Sie gebar eine wunderschöne Tochter, die aber nicht ihr gehörte und nicht bei ihr bleiben durfte. Die ersten Wochen genoss sie jede Sekunde mit der Kleinen und versorgte sie, was ihr keine Probleme bereitete. Dabei hatte sie immer die Nachrichten und die neuesten Corona-Updates im Blick. Noch war sie in Sicherheit und konnte die Zeit mit ihrem Kind genießen. Sie nannte sie Leni nach ihrer Großmutter, die viel zu früh sterben musste. Leni war das schönste Kind auf der ganzen Welt, davon war Karin überzeugt. In der wenigen Zeit, die den beiden blieb, versuchte sie, dem Kind so viel wie möglich zu erzählen und mit auf den Weg zu geben. Dass das kleine Bündel kein Wort verstand, war unerheblich. Für sie war nur wichtig, dass sie Leni alles mitgab, was sie konnte.

Dann kam der Anruf, vor dem sie so viel Angst hatte: Das Arschloch durfte aus den USA ausreisen! Sie konnte es nicht fassen! Hektisch zappte sie durch alle TV-Programme, parallel liefen diverse Radiosender. Flehend suchte sie nach einer Fake-Nachricht, nach einem Hinweis, dass die Ausreise aus den USA immer noch nicht möglich war, schließlich waren die Informationen in den letzten Wochen und Monaten nicht immer zuverlässig. Nach Stunden musste sie resigniert zur Kenntnis nehmen, dass ihre schlimmsten Befürchtungen wahr wurden und das Leben mit ihrer kleinen Leni ein Ende fand. Morgen war er hier und das bedeutete, dass sie bis dahin alle Spuren beseitigen und ihr Kind abgeben musste. Nur eine einzelne kleine Socke behielt sie – als kleines Andenken an ihre Tochter, das sie seitdem wie einen Schatz hütete.

Unter Tränen blickte sie in das Gesicht ihres wunderschönen Kindes. Wohin sie es bringen wollte, wusste sie schon von Anfang an, und zwar ins Altöttinger Krankenhaus. Dort würde man sich um sie kümmern. Leni würde ein wunderschönes Leben haben, an diese Hoffnung klammerte sie sich. Noch heute spürte sie den unsäglichen Schmerz, als sie ihr Kind neben der Information abstellte, ihr noch einmal ins Gesicht sah und ihre Wange berührte - und dann verschwand. Niemand würde sie auf den Überwachungsbildern erkennen, auch hier kam ihr Corona und die Maskenpflicht entgegen. Dass zusätzlich ein dicker Schal ihr restliches Gesicht verhüllte, interessierte niemanden. Sie trug einen von Johanns Jogginganzügen, der nicht zu ihren sonstigen Outfits passte. Alles lief gut, niemand hatte sie aufgehalten. Die Erinnerungen an diese schreckliche Zeit setzten Karin ordentlich zu. Der letzte Blick auf ihr Kind, das Bild ihrer Leni, hatte sie seitdem ständig vor Augen. Tränenüberströmt war sie nach Hause gefahren. Eines nahm sie sich fest vor: Sie würde ihr Kind immer im Auge behalten.

Als das Arschloch freudestrahlend nur wenige Stunden später vor ihr stand und sie in die Arme nahm, spürte sie den tiefen Hass zum ersten Mal – und sie wusste, dass sie ihn irgendwann töten würde.

Johanns gute Laune war schnell verflogen, ein paar Tage später fiel er wieder ins alte Muster. Sie ertrug seine Demütigungen und Schläge. Wenn sie am Ende war, holte sie den Strumpf ihrer kleinen Tochter hervor, roch daran und sofort ging es ihr besser. Die Erlebnisse hatten Spuren hinterlassen. Von Monat zu Monat wurde sie aufmüpfiger und mutiger, aber sie wehrte sich nie. Jetzt war er tot und lag vor ihr. Er hatte ihren Angriff nicht kommen sehen, obwohl er so offensichtlich war. Trotz seiner Demütigungen und Schläge blieb sie heute standhaft und widersprach ihm. Zum ersten Mal hatte sie ihn angeschrien, was ihn aber nach einer Schrecksekunde nur noch mehr reizte. Sie wich seinem Schlag nicht nur aus, sondern schlug zurück. Sie rannte in die Küche, wo sie nach der Schere griff, mit der sie noch vor wenigen Minuten ein Geschenk für einen von Johanns Kollegen einpackte. Karin keuchte, sie war aufgewühlt und umklammerte den Griff der Schere. Johann war völlig perplex, mit einem Schlag hatte er tatsächlich nie gerechnet. Er wurde wütend wie noch niemals zuvor und rannte seiner Frau hinterher. Noch bevor er sie erreichte, drehte sie sich um und ging auf ihn los. Fassungslos starrte er auf die Schere, was ihr einen Vorteil verschaffte, denn bereits der erste Stich verletzte ihn sehr. Sie musste alle Kraft aufwenden, um die Schere aus dem Bauch rauszuziehen. Er griff mit beiden Händen zu der Wunde und starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an – und sie stach wieder und wieder zu. Alles, was sich in all den Jahren aufgestaut hatte, entlud sich in diesen wenigen Augenblicken. Noch während er in sich zusammenfiel, stach sie wahllos und voller Hass zu. Erst, als Johann reglos und schlaff vor ihr lag, hörte sie auf. Stolz betrachtete sie ihr Werk. Sie hatte es tatsächlich geschafft, sich dem Arschloch zu widersetzen. Endlich war alles vorbei. Nie wieder musste sie seine Beleidigungen anhören und die Schläge ertragen. Die ganze Last fiel von ihr ab und sie lächelte. Dann begann sie zu lachen, das immer schriller und lauter wurde. Dann folgte ein langer, lauter Schrei, nachdem sie sich noch besser fühlte. Was für ein herrlicher Tag! Sie gönnte sich ein Glas von dem guten Wein, den sonst nur das Arschloch trank und der in seinen Augen für sie zu edel war. Außerdem mochte er keine Frauen, die Alkohol tranken. Lächelnd stürzte sie das Glas hinunter. Ein ekelhafter Geschmack, das musste sie zugeben. Trotzdem schenkte sie nach und trank auch dieses Glas leer. Ab jetzt würde ihr niemand mehr sagen, was sie zu tun und zu lassen hätte, jetzt bestimmte nur sie allein.

Immer noch lächelnd sah sie sich den Toten an, der so erbärmlich aussah. Ihr war klar, dass sie die Leiche beseitigen musste. Sie schenkte nach, warum auch nicht? Es gab niemanden mehr, dem sie Rechenschaft schuldig war oder den sie um Erlaubnis fragen müsste. Ihre Gedanken kreisten nur noch um ihr fast dreijähriges Kind. Sie hatte niemals die Möglichkeit gehabt, ihre Leni im Auge zu behalten, das hatte er erfolgreich verhindert. Die ihr gestellten Aufgaben wurden nach seiner Rückkehr noch umfangreicher, sie war fast rund um die Uhr beschäftigt. Sie hatte nicht den Hauch einer Chance, nach ihrer Leni zu suchen. Bis heute. Sie war frei und konnte tun, was immer sie wollte. Das Arschloch hatte nach seiner Rückkehr aus den USA die Zahlenkombination am Safe nicht geändert, das hatte sie überprüft. Er vertraute ihr, was ein Fehler war. Es war auch ein Fehler, nicht zu merken, dass sie versuchte, ihn langsam zu vergiften. Der blaue Eisenhut, den sie vor einem Jahr anpflanzte, diente nicht der Optik, sondern war für Johann gedacht. Sie gab nur wenige Blütenblätter ins Essen, die sie vorher im Mörser mit Kräutern zerkleinerte. Nur wenig, nie viel. Trotzdem verfehlten die nicht ihre Wirkung. Sie war glücklich, wenn er über Übelkeit und Unwohlsein klagte. Es war klar, dass sie ihn bedauerte und ihm Süppchen kochte, in denen ebenfalls der Eisenhut enthalten war. Seit zwei Wochen war Johann zuhause, da es ihm immer schlechter ging. Ihre Fürsorge ließ nach einigen Tagen nach. Auf seine Rufe reagierte sie nur schleppend, manchmal gar nicht. Er sollte merken, dass sich etwas geändert hatte, aber ihr Mann war zu sehr von sich überzeugt, um misstrauisch zu werden. Sie hatte schon seit seiner Rückkehr aus Amerika damit begonnen, Haushaltsgeld abzuzweigen, bis sie sich einen gebrauchten Laptop kaufen konnte. Damit fand sie viele Informationen für ihr Vorhaben. Natürlich suchte sie auch nach ihrer Tochter, aber sie fand nichts. Das würde sich jetzt ändern. Sie stand auf, ging ins Büro und öffnete den Safe. Geldsorgen hatte sie keine, das beruhigte sie. Seit damals hatte sich noch mehr Geld angehäuft. Hinter den Scheinen lagen einige Goldbarren, die in unscheinbaren Folien verpackt waren. Die Münzen waren auch noch da, in der edleren Schatulle war sogar noch eine dazugekommen, denn jetzt waren es neun Münzen. Ihr Mann hatte vorgesorgt, während sie darben musste. Damit war jetzt Schluss. Endlich konnte sie intensiv nach ihrer Tochter suchen. Sie musste sich davon überzeugen, dass es ihr gut ging und sie so ein schönes Leben führte, wie sie es sich für sie wünschte. Karin betrachtete lächelnd den Inhalt des Safes und war zufrieden. Sie musste das Geld und das Gold in Sicherheit bringen, das durfte ihr niemand wegnehmen.

Sie setzte sich an den Schreibtisch und strich über die Oberfläche des Tisches. Hier stand kein Foto von ihr, was sie nicht wunderte. Aber ein Golfball unter einem Plexiglas, was Karin albern fand. Darauf war eine Unterschrift eines Spielers, dem Johann persönlich begegnet war. Karin nahm das Objekt und warf es mit voller Wucht gegen die Tür. Das Plexiglas zerbrach, der Golfball kullerte auf den Boden. Mit einem Wisch entfernte Karin alles vom Tisch, das Johann gehörte, denn das war jetzt ihr Schreibtisch. Dabei verrutschte die Schreibunterlage, unter der ein Foto lag. Sie lächelte bitter, als sie in ihr eigenes Gesicht und das ihres damals frisch angetrauten Mannes sah. Damals war die Welt noch in Ordnung. Karin wusste genau, wo das Foto aufgenommen wurde. Das war während der Hochzeitsreise, die sie ins österreichische St. Michael im Lungau führte. Ein Freund betrieb dort ein Hotel mit Namen Bergblick und sie bezogen die Hochzeitssuite. Die Suite war zwar eine bessere Bauernstube, aber schon allein der Name klang fantastisch. Als eine Träne auf das Foto tropfte, nahm sie es, riss es in winzig kleine Stücke und warf die Schnipsel auf den Boden. Sie wollte nichts mehr mit dieser Zeit und den damit verbundenen Erinnerungen zu tun haben.

Dann fing sie an, die Schubladen zu durchsuchen. Das Arschloch hatte sie nicht abgeschlossen, obwohl das möglich gewesen wäre. Er vertraute ihr blind und hielt sie für zu dumm, als dass sie nachsehen würde, was sich Wichtiges darin befand. Karin durchsuchte eine Schublade nach der anderen. Sie fand einige Unterlagen, die sie alle auf dem Tisch stapelte. Zwischendrin gab es Fotos von hübschen Frauen, für die sie sich nicht interessierte. Wenn die so dumm waren, sich mit Johann einzulassen, waren sie selbst schuld. Eifersucht kannte sie nicht. In der untersten Schublade fand sie ganz obenauf etwas, was ihr merkwürdig vorkam. Offenbar hatte Johann einen Bruder mit Namen Sebastian. Warum wusste sie nichts von dem Bruder? Johann behauptete von Anfang an, dass er Einzelkind sei und von seiner Familie niemand mehr lebte. Natürlich glaubte sie die Aussage. Wieder eine Lüge, was sie nicht verwunderte. Vielleicht gab es keinen Kontakt zu dem Bruder? Hier lagen eine Visitenkarte und eine Glückwunschkarte zur Hochzeit. Daneben gab es einige Fotos. Die Brüder sahen sich sehr ähnlich. Karin drehte den Umschlag um und las den Absender. München, Reichenbachstraße. Die Adresse war ihr nicht unbekannt, sie stand vor Jahren wartend vor dem Haus. Ihr Mann hatte etwas zu erledigen und sie musste warten. Johann besuchte also den Bruder und verlor kein Wort darüber. Typisch für Johann und seine Geheimniskrämerei. Warum hatte er den Bruder vor ihr verheimlicht? Was sollte der Scheiß? Lustlos legte sie die Fotos auf den Tisch. Sie nahm die Glückwunschkarte an sich. Die Worte waren freundlich und warmherzig. Warum wusste sie nichts davon? In Karin keimte ein Gedanke, der sie nicht mehr losließ. Sie klappte Johanns Laptop auf und startete ihn. Zum Glück verwendete der Idiot kein Passwort, sie kam ungehindert an die Mails. Als sie die Suche nach Sebastian Scharl eingab, erschienen unzählige Nachrichten. Es gab also zwischen den beiden einen regen Austausch. Seit wann? Seit September letzten Jahres. Johann hatte kein einziges Wort darüber verloren. Sie begann zu lesen und verstand schnell, worum es darin ging: Um Goldmünzen. Sebastian arbeitet bei der Staatlichen Münzsammlung München. Je mehr Karin las, desto wilder tanzten die Buchstaben vor ihren Augen. Sie war müde und hatte große Mühe, sich zu konzentrieren. Immer wieder las sie den Namen St. Gaudens Double Eagle, wobei es sich offenbar um Goldmünzen handelte. Es sollten Münzen ausgetauscht und dann verkauft werden. Karin gab irgendwann auf. Das war beruflicher Kram, der sie nicht interessierte.

Sie lehnte sich zurück und drehte sich in dem Bürostuhl. Dann mahnte sie sich zur Vernunft. Sie durfte ihre Zeit nicht mit Johanns Angelegenheiten vergeuden, das alles interessierte sie nicht. Wichtig waren die finanziellen Mittel, sonst nichts. Sie hatte eine Aufgabe, um die sie sich kümmern musste: Leni! Sie freute sich wahnsinnig auf die erste Begegnung. Wie groß sie jetzt war? Ob sie ihre Haarfarbe geerbt hatte? Vielleicht sogar die blau-grauen Augen? Je länger sie darüber nachdachte, desto weniger gefiel ihr der Aspekt, ihre Tochter nur zu sehen. Sie wollte mehr, sehr viel mehr. War es nicht sogar möglich, ihre Tochter zu sich zu holen? Das Haus war groß genug, außerdem gab es ausreichende Geldmittel. Ja, sie wollte ihre Tochter zu sich holen. Stand ihr das nicht zu? Schließlich war sie die leibliche Mutter! Man musste ihr die Tochter geben, als Mutter hatte sie auch Rechte. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie sich das nächste Glas Wein einschenkte. Der Entschluss war gefasst: Es genügte ihr nicht mehr, sich vom Wohl der Tochter zu überzeugen, sie wollte sie ganz für sich allein haben. Endlich würde sie das Leben führen, das sie sich in den letzten Jahren nur erträumte. Leni war drei Jahre alt - und jetzt, da sie frei war, gab es nur noch ihr kleines Mädchen.

Karin Scharl hatte sich schon oft Gedanken darüber gemacht, wie sie Johanns Leiche beseitigen könnte. Dabei kam sie auf die verrücktesten Ideen, die sie aber alle wieder verwarf – alle, bis auf eine. Sie wollte einen überdimensionalen Grill bauen und die Leiche darin verbrennen. Das Arschloch sollte sich für alle Zeiten in Rauch auflösen, nichts sollte mehr an ihn erinnern. Ja, er sollte verbrennen – wenn nicht in der Hölle, dann im eigenen Garten. Das schien ihr die einfachste und effektivste Lösung zu sein. Der Plan dafür lag unter ihrer Matratze, darauf hatte sie in den letzten Monaten sehr gut geschlafen. Wieder und wieder hatte sie sich den Plan vorgenommen und nur kleine, unwesentliche Änderungen vorgenommen. Karin ging nach oben und zog den Plan wie einen Schatz unter der Matratze hervor. Lächelnd blickte sie auf die detaillierte Zeichnung. In diesem Grill würde sich das Arschloch langsam aber sicher in seine Bestandteile auflösen. Sie kicherte wie ein kleines Kind, klatschte in die Hände, nahm einige Geldscheine aus dem Safe. Dann griff sie nach dem Autoschlüssel und fuhr zum Baumarkt. Das Tuch schlang sie um den Kopf, die dicke Brille war wichtig. Niemand sollte sie auf Überwachungskameras erkennen. Sie bezahlte alles bar, auch hier durfte es keine Spuren geben. Sie war nervös, aber auch das legte sich schnell. Es war seltsam, wieder selbst zu fahren, aber sie hatte nichts verlernt. Die letzte Fahrt mit Johanns Wagen hatte sie gemeinsam mit Leni unternommen, als sie sie im Altöttinger Krankenhaus abgeben musste. Karin zitterte bei dem Gedanken - aber das durfte sie jetzt nicht, sie musste sich zusammenreißen und sich zwingen, sich auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren.

Die Einkaufsliste war rasch abgearbeitet. Das war nicht verwunderlich, denn auch daran hatte sie lange gearbeitet. Beschwingt fuhr sie den riesigen Wagen nach ihrem Einkauf in die Garage und schloss sie sofort. Auf die Blicke der neugierigen Nachbarn konnte sie gut und gern verzichten. Sie wollte keine Zeit verlieren und machte sich sofort an die Arbeit. Johann wurde in die riesige Folie eingewickelt, die sie gemeinsam mit jede Menge Packband im Baumarkt gekauft hatte. Der Körper war noch warm. Sie hatte Angst, dass er sich doch noch bewegen könnte und stach vorsichtshalber mit dem größten Messer nochmal direkt ins Herz. Das war schwieriger als gedacht, denn das Messer drohte, an den Rippen stecken zu bleiben. Sie musste das Herz von unten, also unterhalb des Rippenbogens erwischen - und stach einige Male zu. So, das musste reichen. Bevor sie das verhasste Gesicht verhüllte, spuckte sie ihn an. Sie beobachtete, wie der Schleim über die Nase und dann an der Wange entlang lief. Dann spuckte sie ihn nochmals an. Jetzt fühlte sie sich besser. Niemals mehr musste sie seine Stimme hören oder die Visage ertragen. Sie zog die Leiche in den Vorratsraum neben der Küche und legte sie ab, wobei sie darauf achtete, dass die Arme auf der Brust über Kreuz lagen und die Knie angezogen waren. Das war wichtig, sonst würde sie den Körper nicht in den Grill bekommen.

Dann klingelte es – die Ziegel, der Mörtel, Putz und Farbe wurden geliefert.

Nach fünf Stunden war die Wand im Keller gezogen. Einige Ziegel waren krumm, aber das war nicht wichtig. Auch der Putz sah stümperhaft aus, daran änderte auch der Farbanstrich nichts, der aufgrund der noch nicht getrockneten Wand echt mies aussah. Trotzdem musste das reichen. Sie zog Reifen, alte Koffer und stapelte Kisten vor die Wand. Das war Teil eins des Plans, denn hierin musste sie das Geld, Gold und die Wertpapiere verstecken. Kurzentschlossen legte sie auch Johanns Laptop dazu. Warum sie das tat? Weil sie sich nicht mehr von seinen Angelegenheiten ablenken lassen wollte. Es gab nur eine versteckte Öffnung, die man nicht sah und mit der man auch nicht rechnete. Karin betrachtete die Wand. Sie war stolz auf ihre Arbeit und lächelte zufrieden. Das war ihr persönlicher Safe, von dessen Existenz nur sie allein wusste.

Karin gönnte sich eine weitere Flasche Wein, die hatte sie sich schließlich verdient. Dazu rauchte sie eine Zigarette, die sie aus einem der wenigen Automaten zog. Ein komplizierter Vorgang, der sie anfangs verwirrte, aber den sie dann doch verstand. Ja, sie war früher starke Raucherin gewesen, aber Johann mochte das nicht und deshalb hörte sie auf. Aber jetzt durfte sie wieder machen, was immer sie wollte. Nach einigen Gläsern Wein und einer Schachtel Zigaretten, an deren Geschmack sie sich schnell wieder gewöhnt hatte, mahnte sie sich zur Vernunft. Das Arschloch lag nebenan und die Leiche musste weg.

Noch am selben Abend begann sie damit, im Garten den Grill zu bauen. Körperlich wäre sie unter normalen Umständen am Ende gewesen, aber sie hatte eine unfassbare Energie, die sie vorantrieb. Der Grill wurde riesig, aber das musste so sein. Sie lächelte, als sie den Nachbarn am Fenster bemerkte. Sie zwang sich dazu, ihn zu ignorieren, denn sie musste sich so benehmen wie immer. Es war bereits stockdunkel, als sie schließlich aufgab. Die Anfänge waren gemacht, den Rest würde sie morgen erledigen.

Nach einer heißen Dusche gönnte sie sich eine weitere Flasche Wein, auch die hatte sie sich redlich verdient. Hunger hatte sie keinen, dafür rauchte sie eine weitere Schachtel Zigaretten.

Am nächsten Tag machte sie sich trotz des Muskelkaters sofort an die Arbeit. Am Nachmittag war sie endlich fertig. Der Grill sah nicht übel aus. In der kommenden Nacht wartete der letzte Teil der Arbeit auf sie, der noch heikel werden würde.

Der Nachthimmel war bedeckt. Um drei Uhr ging sie nach draußen, um ihr Werk zu vollenden. Vorsichtig und leise zog sie die Leiche zur Terrasse, was nicht einfach war, denn Johann war kein Leichtgewicht. Während sie selbst bei einer Körpergröße von unter einem Meter sechzig nur zweiundfünfzig Kilo wog, brachte ihr Mann über das doppelte an Gewicht auf die Waage. Karin entwickelte Kräfte, die sie kaum für möglich gehalten hatte. Sie schaffte die Strecke von der Speisekammer bis zur Terrasse – hier musste sie höllisch aufpassen. Sie blickte sich um, alle Häuser lagen im Dunkeln, nirgendwo war ein Geräusch zu hören. Sie fasste all ihren Mut zusammen, zerrte die Leiche bis zum neuen Grill und überwand auch die letzte Hürde, denn sie musste das riesige Bündel etwa vierzig Zentimeter in die Höhe heben und dann in den Grill gleiten lassen. Sie stöhnte und war fix und fertig, trotzdem gab sie nicht auf. Als die Leiche endlich im Grill war, konnte sie kurz durchatmen. Sie betrachtete das in Folie verpackte, riesige Bündel, das mit ihrem Mann nichts mehr zu tun hatte. Johann war steif geworden. Gut, dass sie daran gedacht hatte, die Knie rechtzeitig anzuziehen, sonst hätte sie Probleme bekommen. Dann gab es nur noch einige wenige Ziegel zu mauern, was keine große Sache war, schließlich war sie darin inzwischen geübt. Den Mörtel hatte sie rasch angerührt, die letzten Steine waren gesetzt. Karin betrachtete ihr Werk, Stolz stieg in ihr auf. Darauf, dass sie durchgehalten und ihren Plan umgesetzt hatte – und darauf, dass sie tatsächlich ohne jegliches Licht und ohne Lärm gearbeitet hatte. Endlich war sie fertig, die ganze Aktion hatte nur eineinhalb Stunden gedauert. Es fing zu regnen an, was sie erfrischte und sehr genoss. Sie legte eine Plane über die frische Stelle des Grills, denn die war noch nicht ganz trocken.

Es war lange her, dass Karin solch eine Freude in sich spürte, die musste einfach raus. Sie lachte, tanzte im Regen, rauchte und trank dazu Rotwein, der ihr immer mehr zusagte. Das Arschloch hatte einen guten Geschmack, das musste sie ihm zugestehen. Aber jetzt trank nur noch sie von den edlen Tropfen.

Wenige Stunden später war es so weit. Der Regen hatte aufgehört, der Mörtel war trocken. Noch war es dunkel, die Jahreszeit mit ihren langen Nächten kam ihr sehr entgegen. Ob sie das alles im Sommer geschafft hätte? Vermutlich nicht.

Sie nahm die Plane von der frischen Mauerstelle ab und faltete sie sorgfältig zusammen. Dann legte sie jede Menge Holz in den neuen Grill, stopfte alte Zeitungen dazu, dazwischen schob sie die Ausweise ihres Mannes, zusammen mit der Glückwunschkarte und der Visitenkarte des unbekannten Bruders. Von Familie hatte Karin ein für alle Mal die Nase voll. Was war mit den Fotos? Nein, die musste sie sich erst ansehen, die steckte sie in die Hosentasche. Mit einem Lächeln zündete sie das Feuer an. Sie ging in die Küche, holte eine neue Flasche Wein und setzte sich vor den Grill. Keine Sekunde wollte sie verpassen, wenn sich das Arschloch langsam in seine Bestandteile auflöste. Genüsslich legte sie mehrere Holzscheite nach. Je höher die Flammen schlugen, desto größer war ihre Freude. Dass der Rauch fürchterlich stank, interessierte sie nicht. Wichtig war nur, dass von ihrem Mann bald nichts mehr übrig war. Sie ging ins Haus und holte die Socke ihrer Leni, behielt sie fest in ihrer Hand. Sie sollte gedanklich dabei sein, wenn sich ihr Erzeuger in Rauch auflöste.

Nach vier Stunden und drei Flaschen Wein hatte sie genug. Das Feuer musste reichen, von dem Arschloch war sicher nicht mehr viel übrig. Sie nahm sich vor, in regelmäßigen Abständen Feuer zu machen, um sicher zu gehen, dass er auch wirklich vollständig verbrannte.

Jetzt musste sie nur noch einige Tage warten, bis sie ihren Mann als vermisst melden konnte.

Und dann konnte es losgehen und sie konnte sich intensiv um die Suche nach ihrer Leni kümmern…

2.

Vier Wochen später, 15. Dezember…

Die Stimmung bei der Mühldorfer Kriminalpolizei war im Keller. Der Polizeichef Rudolf Krohmer war auch heute wieder zu spät bei der Besprechung, denn die Stelle des vakanten Sekretariats war immer noch nicht besetzt, weshalb Krohmer die meiste Arbeit selbst machen musste. Ein wichtiger Punkt war die Organisation der diesjährigen Weihnachtsfeier, an der auch der Staatsanwalt und eine Delegation der Mühldorfer Stadtverwaltung teilnehmen wollten. Das bedeutete für Krohmer zusätzliche Arbeit, worüber er nicht begeistert war. Dementsprechend schlecht gelaunt tauchte er fast eine Stunde zu spät auf. Er murmelte einen kaum hörbaren Gruß und setzte sich.

„Was liegt aktuell an?“, fragte er in die Runde seiner Mordkommission.

„Nicht viel. Es scheint, als würden sich die Leute endlich vorbildlich benehmen“, antwortete der neunundfünfzigjährige Leo Schwartz wahrheitsgemäß. Es gab tatsächlich seit Wochen kein Tötungsdelikt, dem sie nachgehen mussten. „Vielleicht ist es die Vorweihnachtszeit, die die Leute etwas milder stimmt? Wer weiß. Wann gibt es eigentlich Ersatz für Alf? Sollte doch ein Mordfall reinkommen, würden wir ziemlich alt aussehen.“ Der Kollege Alf Demir war seit Wochen im Zeugenschutz und die Stelle war immer noch nicht besetzt worden.

„Ich kümmere mich darum“, brummte Krohmer. Erst jetzt bemerkte er den Aufdruck des T-Shirts des Kollegen Schwartz ANSTALTSLEITUNG. „Das ist sehr unpassend, Herr Schwartz. Wenn schon, dann müsste ich das T-Shirt tragen.“

„Wollen Sie es haben? Meine Frau hat es aus dem letzten Urlaub mitgebracht, es ist neu.“

„Nein, danke. Und ich möchte bitte, dass Sie sich umziehen und damit nicht rausgehen, wir machen uns ja lächerlich. - Wo waren wir?“

„Bei dem Ersatz für Alf.“

„Ich kümmere mich darum“, sagte Krohmer genervt.

„Das sagen Sie jeden Tag, trotzdem ist bis jetzt nichts passiert.“

„Was soll das Drängeln? Es liegt aktuell kein Mordfall vor!“

„Aber das könnte sich jeden Moment ändern.“

Fast täglich gab es dasselbe Gespräch, was die Kollegen Hans Hiebler und Diana Nußbaumer langsam nervte. Krohmer und Leo gerieten wegen des Themas immer wieder aneinander, bis einer von ihnen das Besprechungszimmer verließ. Ob das auch heute so war?

Krohmer hatte kein Interesse an dem täglichen Ritual.

„Ich muss ohne Sekretärin auch zusehen, wie ich zurechtkomme. Beschwere ich mich? Nein, das mache ich nicht! Ich arbeite Tag und Nacht mit aktuellen Problemen, während wir uns über die Personalsituation eines möglichen Mordfalles unterhalten, der aktuell nicht vorliegt. Schluss damit, es gibt wichtigere Themen. Die Vermisstenfälle häufen sich. Sie werden die Kollegen unterstützen“, bestimmte Krohmer und stand auf.

„Wir sollen Spürhunde spielen? Das ist doch nicht Ihr Ernst!“, maulte der zweiundsechzigjährige Hans Hiebler, der darauf überhaupt keine Lust hatte.

„Ich darf doch bitten! Das ist eine Dienstanweisung, der Sie nachzugehen haben! Und zwar ohne Widerworte! Sie unterstützen die Kollegen! Und zwar so lange, bis es einen Mordfall gibt!“ Krohmer war sauer.

„Hoffentlich gibt es den bald“, murmelte Diana, die auch heute wieder wie aus dem Ei gepellt aussah.

„Frau Nußbaumer – für Sie gilt dasselbe! Ich dulde bei meiner Polizei diese unverschämte Aufmüpfigkeit nicht länger! Während Ihre Kollegen und auch ich unter Druck stehen und wir nicht wissen, wo uns der Kopf steht, dreht die Mordkommission Däumchen. Das geht so nicht. Sie werden die Kollegen unterstützen. Ende der Diskussion!“

„Es ist ja nicht so, dass wir nichts tun, Chef. Seit Wochen arbeiten wir eng mit dem Drogendezernat zusammen.“ Leo war enttäuscht, dass sich der Chef dermaßen abfällig über die Mordkommission ausließ. Wieder entbrannte ein Streit, bis Krohmer schließlich genervt aufstand.

„Meine Ansage war klar und deutlich, Ende der Diskussion. Sie wissen, was zu tun ist.“ Dann ging er.

„Krohmers Laune wird von Tag zu Tag schlechter. Was ist denn so schwer daran, jemanden fürs Vorzimmer zu finden?“ Diana schüttelte verständnislos den Kopf. Sie hatte einige Bewerber gesehen, aber Krohmer schien mit nichts zufrieden zu sein.

„Keine Ahnung.“ Leo war sauer, denn auf die Vermisstenfälle hatte er tatsächlich keine Lust. „Was ist denn mit deiner Frau, Hans? Anita wäre perfekt für diesen Job.“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage! Ich werde mit meiner Frau nicht gemeinsam an einem Arbeitsplatz arbeiten!“

„Warum nicht? Ihr hättet doch kaum etwas miteinander zu tun! Gib dir doch einen Ruck, Hans! Du siehst doch, dass der Chef heillos überfordert ist und dringend Hilfe braucht. Hast du nicht gesagt, dass sich Anita nach einem Job umsieht? Das wäre doch genau der richtige Job für sie.“

„Nein! Und jetzt ist Schluss mit dem leidigen Thema. Machen wir uns an die Arbeit.“ Hans hatte keine Lust mehr, auch nur einen Satz darüber zu verlieren. Seit Wochen gab es zuhause kein anderes Thema mehr als diesen Job, für den von Krohmer ein Angebot vorlag. Seine Frau hatte München den Rücken gekehrt und war endlich bei ihm eingezogen. Anstatt diese Situation zu genießen, gab es endlose Diskussionen um diesen Job, den seine Anita liebend gerne angenommen hätte. Ja, der Job wäre perfekt für sie. Aber er und Anita sollten unter einem Dach leben und dann auch noch zusammen arbeiten? Auf keinen Fall! Hans stellte sich dagegen und blockte, wo es nur ging. Wie lange sich seine Frau das gefallen ließ? Sicher nicht mehr lange, schließlich war sie eine selbstbewusste, zielstrebige und intelligente Frau, die sich nicht gerne fremdbestimmen ließ. Auch dafür liebte er sie, trotzdem fürchtete er sich vor einer gemeinsamen Zusammenarbeit.

Die Kollegen, die die Vermisstenmeldungen bearbeiteten, waren für die unerwartete Hilfe sehr dankbar, denn seit Corona häuften sich die Vermisstenfälle auffällig. Der Kollege Pschorr übergab Leo einfach einen dicken Stapel direkt von oben, sofort sahen seine Stapel nicht mehr ganz so schlimm aus.

Leo verteilte die Unterlagen an die Kollegen Hans und Diana – alle machten sich sofort ans Werk, aber die Herangehensweise war völlig unterschiedlich. Diana Nußbaumer ging strukturiert vor und war motiviert, während sich Hans und Leo mehr und mehr langweilten. Sie hatten es beide nicht mit stumpfsinniger Büroarbeit, sie waren für die aktive Ermittlerarbeit geboren und brannten beide dafür.

Leo hatte die Akte Johann Scharl in Händen, sie war die jüngste Vermisstenmeldung. Darin befanden sich nur wenige Seiten. Leo las die knappen Aussagen der Ehefrau, des Arbeitgebers und einiger Kollegen. Alle sagten aus, dass Scharl beliebt war und man sich nicht erklären konnte, was mit ihm passiert sein könnte. Scharl war krankgeschrieben und verschwand dann spurlos. Mehr war da nicht. Das war alles? Ein Ehemann und Bankangestellter verschwindet einfach so und niemand hatte eine Ahnung, wo er sein könnte? Leo nahm sich nochmals die Aussage der Ehefrau vor. Sie gab an, dass das Auto des Vermissten in der Garage steht und seitdem nicht mehr bewegt wurde, die Ausweispapiere des Gatten aber verschwunden waren. Der Mann ging ohne einen Hinweis? Während einer Erkrankung? Wie war das möglich? Leo hatte die Information schnell auf dem Tisch, dass Johann Scharl nicht das Land verlassen hatte, zumindest nicht mit dem Flugzeug. Von der Praxis des behandelnden Hausarztes gab es ohne Probleme einen Hinweis auf die Erkrankung des Vermissten – man vermutete eine Grippe, vielleicht sogar Corona. Die Symptome wären typisch, meinte die Arzthelferin. Leo las nochmals die Aussage des Arbeitgebers Doktor Weidenbacher von der Altöttinger Sparbank. Er bedauerte das Verschwinden, hatte aber bezüglich des Aufenthaltsortes von Scharl nicht den kleinsten Hinweis beizutragen. Ähnlich war es bei den Aussagen der Kollegen, die noch knapper ausfielen. Leo war sich sicher: Die ganze Sache passte hinten und vorn nicht zusammen. Er sah Hans an und grinste.

„Die Spuren dieses Falles sind noch frisch. Die Vermisstenmeldung stammt vom 17. November, das ist noch nicht allzu lange her. Hier steht, dass die Ehefrau ihren Mann zuletzt am 15. November gesehen hat. Wir sollten sofort loslegen. Was meinst du?“

Hans verstand und grinste. Er sprang sofort auf und nahm seine Jacke. Die Worte seines Freundes und Kollegen Leo waren wie Musik in seinen Ohren. Er brauchte dringend frische Luft - und den Außendienst.

„Gehen wir!“

„Moment! – Wo wollt ihr hin?“ Diana war klar, dass sich die Kollegen drücken wollten.

„Dringende Ermittlungen im Vermisstenfall Johann Scharl. Wir sind bald wieder zurück.“

„Das glaube ich jetzt nicht! Ihr setzt euch und arbeitet mit mir gemeinsam die Fälle durch! Ihr habt doch den Chef gehört!“, protestierte Diana.

Leo zuckte nur mit den Schultern, nahm seine Jacke und verschwand gemeinsam mit Hans.

„Diana ist ganz schön sauer, jetzt darf sie alles allein durcharbeiten.“

„Nur so lange, bis wir wieder zurück sind. Das hier kann ja nicht lange dauern. Wir stellen ein paar Fragen und dann werden wir Diana wieder unterstützen.“

Dass Leo völlig danebenlag und sich dieser vermeintlich harmlose Vermisstenfall in eine Katastrophe verwandelte, ahnte niemand. Noch waren er und Hans der Meinung, dass sie den heutigen Freitag auf diese Weise bequem überstanden und dann ins Wochenende gehen konnten. Aber nicht nur dieses Wochenende fiel komplett ins Wasser…

3.

Karin Scharl stand hinter dem Vorhang. Sie beobachtete, was sich an ihrer Haustür abspielte. Diesmal war es nicht der nervige Nachbar Windisch, der seit Wochen in regelmäßigen Abständen vor ihrer Tür stand. Die beiden fremden Männer kannte sie nicht und sie hatte nicht vor, daran etwas zu ändern. Sie war in der Suche nach ihrer Leni noch keinen Schritt weitergekommen und musste jetzt all ihre Kraft auf diese Aufgabe lenken. Für diese beiden Kasperl an der Tür hatte sie keine Zeit. Endlich gingen die beiden wieder und sie konnte sich wieder an die Arbeit machen, dabei blieb sie an der Gardine hängen. Verdammt!

„Schade, die Frau ist nicht zuhause. Dann fangen wir bei den Arbeitskollegen an.“ Leo und Hans gingen zum Wagen. Leo blieb kurz stehen und drehte sich um.

---ENDE DER LESEPROBE---