111 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss - Sina Beerwald - E-Book

111 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss E-Book

Sina Beerwald

4,4

Beschreibung

Viele sind vom Sylt-Virus infiziert. Knapp eine Million Gäste kommen jährlich hierher, jeder hat schon einmal von der Insel der Schönen und Reichen gehört - doch wie gut kennen Sie 'Ihre' Insel wirklich? Wissen Sie, was es mit der RALF-Regel auf sich hat, wo der Friedhof der Heimatlosen liegt oder die Sylt-Quelle sprudelt? Dass Sylt nicht nur eine Whiskeymeile, sondern auch einen versteckten Weinkeller hat? Und kennen Sie die ungewöhnliche Geschichte der ersten Weltumrundung mit einem Luftboot, das von List auf Sylt aus startete? Entdecken Sie abseits der bekannten Touristenpfade die geheimnisvollen Seiten der Insel.

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Emons Verlag GmbH // 2015 Alle Rechte vorbehalten Texte: Sabine Beerwald © der Fotografien: Schnurstracks Fotografie, Köln, www.schnurstracks.de; PR-Fotografie Herttrich+Klemowitz, Mühlacker; Seite 64: Matthias Haase Immobilien, Kampen Gestaltung: Eva Kraskes, nach einem Konzept  von Lübbeke | Naumann | Thoben Kartografie: altancicek.design, www.altancicek.de Kartenbasisinformationen aus Openstreetmap, © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL Druck und Bindung: Grafisches Centrum Cuno, Calbe Printed in Germany 2015 ISBN 978-3-95451-511-0 Originalausgabe Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig über Neues von emons: Kostenlos bestellen unter www.emons-verlag.de Ein Projekt der AVA international GmbH Autoren- und Verlagsagentur www.ava-international.de Gestaltung: Emons Verlag Kartenbasisinformationen aus Openstreetmap, © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL ISBN 978-3-86358-911-0 E-Book der gleichnamigen Originalausgabe erschienen im Emons Verlag

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig über Neues von emons: Kostenlos bestellen unter www.emons-verlag.de

Inhalt

Vorwort

1_Die Arche Wattenmeer | HörnumHolzschiff statt Kirchenbänke

2_Das Hapag-Haus | HörnumHörnum als Wüste

3_Der Hörnumer Leuchtturm | HörnumSchule, Standesamt und Signalposten

4_Die Hörnum-Odde | HörnumSylts gefährdete Südspitze

5_Die Kegelrobbe Willi | HörnumMit Wohnsitz im Hafenbecken

6_Die Kersig-Siedlung | HörnumMillionen für den Meerblick

7_Die Leuchtturmschule | HörnumUnterricht mit Meerblick

8_Der Links-Kurs Golfplatz | HörnumEin weltweites Highlight im Norden Deutschlands

9_Die Muschelfischer | HörnumLandwirte zur See

10_Die RALF-Regel | HörnumOder die Frage nach den beiden Inseln

11_Die Reederei Adler-Schiffe | HörnumMit Pioniergeist zur See

12_Die Sandvorspülungen | HörnumHoppenbagger für den Küstenschutz

13_Das Seenotrettungsboot | HörnumHorst Heiner Kneten auf hoher See

14_Die Segelkirche St. Thomas | HörnumEin moderner Kirchenbau unter Denkmalschutz

15_Das Standesamt | HörnumHeiraten mit Weitblick auf den Leuchtturm

16_Die Syltrose | HörnumDes einen Freud, des anderen Leid

17_Die Tetrapoden | HörnumTonnenschwerer Küstenschutz

18_Der Avenarius-Park | KampenDer Schwarzwald kommt nach Kampen

19_Die Buhne 16 | KampenHier lebt der Geist von Gunter Sachs

20_Das Haus Kliffende | KampenAm erschütternden Meere gelegen

21_Die Kampener Vogelkoje | KampenMörderische Idylle

22_Der Klenderhof | KampenOder auch: Die (Axel-)Springer-Burg

23_Die Kupferkanne | KampenVom Flakbunker zum Café der Gemütlichkeit

24_Das Leuchtfeuer Kampen | KampenDer lange Christian

25_Das Rote Kliff | KampenMarkenzeichen, Seezeichen, von Stürmen gezeichnet

26_Der Strönwai | KampenFlanieren auf Kampens Whiskymeile

27_Die Uwe-Düne | KampenSylt, so weit das Auge reicht

28_Das Waterküken | KampenDas teuerste Privathaus der Welt

29_Der Alkoven | KeitumSchlafen auf Friesisch

30_Das Altfriesische Haus | KeitumHistorische Wohnkultur hautnah

31_Die Augstein-Grabstätte | KeitumRückzug auf Sylt

32_Das Feuerwehrmuseum | KeitumGlühende Leidenschaft fürs Ehrenamt

33_Der Harhoog | KeitumDie wandernde Megalithanlage

34_Das Heimatmuseum | KeitumInselgeschichte im historischen Friesenhaus

35_Die Kapitänsgräber | KeitumBerührende Inschriften aus vergangener Zeit

36_Die Keitum-Therme | KeitumBauruine in bester Lage

37_Klöntür, Kööv und Pesel | KeitumWohntradition auf friesische Art

38_Der nördlichste Weinberg | KeitumWein am Wattenmeer

39_Die St.-Severin-Kirche | KeitumGefängnis, Konzertsaal und Kirchenraum

40_Die Skulptur »Komtur« | KeitumEin tiefes Bild für Innen

41_Die Suhrkamp-Grabstätte | KeitumSchriftstellermagnet auf Sylt

42_Der Tipkenhoog | KeitumFlakposten und sagenhaftes Riesengrab

43_Das Uwe-Jens-Lornsen-Denkmal | KeitumEin Sylter mit Weitblick

44_Die Vogelzählstation | KeitumEin Leben im Bauwagen

45_Abessinien | ListFKK-Kultur mit klangvollem Namen

46_Die Austern-Compagnie | ListSylter Royal zwischen Seetang und Tischkultur

47_Die Bernsteinküste | ListAuf der Suche nach dem Meeresgold

48_Die Buhnen | ListGefährliches Badehindernis statt Küstenschutz

49_Der Dünenfriedhof | ListLetzter Ruheort mitten in den Dünen

50_Gosch | ListDie nördlichste Fischbude Deutschlands

51_Die Grabstätte von Wolfgang von Gronau | ListEin Sylter Pionier der Weltluftfahrt

52_Klappholttal | ListDie Akademie am Meer

53_Der Königshafen | ListWo einst der Dänenkönig Christian IV. siegreich war

54_Die Lister Leuchttürme | ListZwei Rotkäppchen für sichere Seefahrt

55_Die Seekühe | ListHeiteres Rätselraten mit ernstem Hintergrund

56_Der Lister Urwald | ListUnd mittendrin ein Luftschutzbunker

57_Das Listland | ListEin Inselteil in Privathand

58_Das Naturgewalten Sylt | ListEine Schnapsidee wird Wirklichkeit

59_Palucca und Paluka | ListImmer eine Handbreit Wasser unterm Kiel

60_Die Strandkorbauktion | ListDrei, zwei, eins ... Sylt-Feeling

61_Die Wanderdünen | ListKunstwerke aus Sand

62_Das Dammwärterhaus | MorsumEin Leben in zugiger Einsamkeit

63_Das Eisboot | MorsumBriefpost bei Minusgraden

64_Der Hindenburgdamm | MorsumWie die Sylter Nabelschnur zu ihrem Namen kam

65_Das Morsum-Kliff | MorsumFlanieren über zehn Millionen Jahre Erdgeschichte

66_Das Ringreitturnier | MorsumMein Pferd, meine Lanze, meine Messingringe

67_Die St.-Martin-Kirche | MorsumStandortauswahl nach dem Fingerzeig Gottes

68_Europas erste Surfschule | MunkmarschOder: die Wette um eine Kiste Bier

69_Das Fährhaus Munkmarsch | MunkmarschVon der Obdachlosenunterkunft zum Tophotel

70_Der Hafen Munkmarsch | MunkmarschEine Hafenmole aus zwei ausgemusterten Schuten

71_Die LORAN-C-Station | RantumEinzigartig in Deutschland

72_Der Merret-Lassen-Wai | RantumOder: ein König mit Humor

73_Puan Klent | RantumErholung, wo einst Seeräuber ihr Unwesen trieben

74_Das Rantumbecken | RantumVom Seefliegerhorst zum Refugium für Brutvögel

75_Die St.-Peter-Kirche | RantumDie einzige Reetdachkirche der Insel

76_Die Strandkorbmanufaktur | RantumHandwerk mit Tradition für modernes Urlaubsfeeling

77_Die Strandsauna | Rantum»In jeder Welle hängt ein nackter Arsch«

78_Die Sylt-Quelle | RantumHier sprudeln Wasser und Geist

79_Der Weinkeller | RantumEdle Tropfen unter der Sansibar-Düne

80_Die Biike | TinnumMit Friesengeist gegen böse Geister

81_Der Flughafen | TinnumZwischen Strohballen und Champagner

82_Die Schokoladenmanufaktur | TinnumKreative Sünden

83_Der Tierpark Tinnum | TinnumLamas in den Dünen

84_Die Tinnumburg | TinnumEin Ringwall voller Rätsel

85_Die Braderuper Heide | Wenningstedt-BraderupEin 137 Hektar großes Kleinod

86_Die Friesenkapelle | Wenningstedt-BraderupGeistige Heimat der Norddörfer

87_Der Denghoog | Wenningstedt-BraderupGrabkammer und Fundgrube

88_Der Dorfteich | Wenningstedt-BraderupViehtränke und Ort für Verliebte

89_Der Inselzirkus | Wenningstedt-BraderupMitmachen erwünscht

90_Das Naturzentrum | Wenningstedt-BraderupÖkologie mit allen Sinnen

91_Das Schiffswrack | Wenningstedt-BraderupZwischen Edelsteinkörnchen und Weißem Kliff

92_Das Café Wien | WesterlandOder: die Hochzeitsnacht im Kinderzimmer

93_Die Dänische Kirche | WesterlandEine Kirche im Stall

94_Die Dorfkirche St. Niels | WesterlandEvangelisch-lutherische Kirche mit Marienkrönung

95_Der Friedhof der Heimatlosen | WesterlandStrandleichen mitten in der Stadt

96_Friedrichshain & Co. | WesterlandWaldspaziergang statt Strandwanderung

97_Die Friedrichstraße | WesterlandVom Kutschenweg zur Hauptflaniermeile

98_Das Hotel Miramar | WesterlandEin Hotel am Flutsaum der Nordsee

99_Das Hotel Stadt Hamburg | WesterlandWo Stars ruhen

100_Die Inselbahn | WesterlandBlumen pflücken während der Fahrt verboten

101_Das Kurzentrum | WesterlandHochhäuser am Meer

102_Die Musikmuschel | WesterlandMelodien über dem Meer

103_Das Rathaus | WesterlandLiebe, Politik, Spielleidenschaft

104_Reisende Riesen im Wind | WesterlandEine Monster-Family als Empfangskomitee

105_Der Roland | WesterlandOder die Frage: Wohin mit dem Geschenk?

106_Die St.-Christophorus-Kirche | WesterlandDie Kirche für einen (!) Katholiken

107_Die St.-Nicolai-Kirche | WesterlandRenovierungsweiß statt byzantinischer Farbenpracht

108_Die Spielbank | WesterlandSündenpfuhl mit gutem Ruf

109_Die Strandstraße | WesterlandDie kleine Schwester der Friedrichstraße

110_Das Sylter Archiv | WesterlandDas Gedächtnis der Insel

111_Die Wilhelmine | WesterlandNackte Kunst

Bildteil

Übersichtskarten

Vorwort

Ich freue mich. Nicht nur, weil Sie dieses Buch in Händen halten – viel mehr noch, dass Sie offenkundig zu jenen Menschen gehören, die ein mühsam geschriebenes Vorwort nicht überblättern, sondern auch lesen. Herzlich willkommen!

Nur wollen Sie höchstwahrscheinlich nicht wissen, wie viel Mühe mich diese Zeilen gekostet haben, sondern was ich über Sylt zu erzählen habe und warum ich das tue. Nun, letztere Frage ist einfach zu beantworten: Von Kindesbeinen an habe ich Sylt geliebt, seit 2008 lebe und arbeite ich zwischen Dünen und Brandung, zwischen skurrilen Menschen, einfachen Leuten und einer Million Urlaubern, die jährlich hierherkommen. Die Insel in ihrer Vielfalt ist mir ans Herz gewachsen wie kein anderer Ort auf dieser Welt, und als Geschichtenerzählerin will ich nicht nur – wie ich das schon getan habe – Romane über Sylt schreiben, sondern hiermit auch die Geschichte der Insel selbst erzählen.

111 faszinierende Orte auf 100 Quadratkilometern – auf einem Eiland, bei dem zwei Hauptverkehrsachsen von maximal 32 Kilometer Länge genügen, um diesen Sandhaufen zu durchmessen? Gibt es so viel zwischen Reetdach und Meer zu sehen, fragen Sie sich?

Oh ja – für eingefleischte Sylt-Fans und Neuentdecker gibt es 111-mal Sylt hautnah zu erleben. Für dieses Buch habe ich versteckte Orte aufgespürt, mir spannende Anekdoten erzählen lassen, Hintergründe zu bekannten Sehenswürdigkeiten recherchiert, mich in Archivalien vergraben und Zeitzeugen befragt. Ich danke allen Beteiligten, die dieses Buch durch ihr Wissen bereichert haben und mir manches Mal bei der Suche nach der Stecknadel im Sandhaufen, pardon, im Heuhaufen behilflich waren.

Ganz gleich, ob Sie nun gerade im Strandkorb sitzen, auf dem heimischen Sofa oder als Insulaner Ihre Insel noch besser kennenlernen wollen: Ich wünsche Ihnen eine entdeckungsreiche Reise durch dieses Buch.

Sina Beerwald

Hörnum
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1_Die Arche Wattenmeer

Holzschiff statt Kirchenbänke

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Nach vierjähriger Planungs- und Bauphase gewähren die Pforten der katholischen Gemeinde Sankt Joseph in Hörnum seit Juli 2013 Besuchern Eintritt in das Nationalpark-Haus Arche Wattenmeer. Mit dem Einverständnis des Erzbistums Hamburg wurde zwischen der Gemeinde und dem 1962 gegründeten Verein Schutzstation Wattenmeer ein Pachtvertrag für die Nutzung der Kirche auf 30 Jahre festgeschrieben. Schließlich sei »Der Schutz des Wattenmeeres als einem einzigartigen Ökosystem ein herausragendes und verpflichtendes ideelles Anliegen beider Seiten«, wie es in der Präambel der Nutzungsvereinbarung heißt. Der Sprecher des Erzbistums Hamburg, Manfred Nielen, spricht von einer »ungewöhnlichen, aber wünschenswerten Nutzung«, denn die Bewahrung der Schöpfung ist ein gemeinsames Interesse.

Unter dem Leitspruch »Schöpfung bewahren, Verantwortung übernehmen« können Besucher den Lebensraum Wattenmeer, der seit 2009 zum Unesco Welterbe der Menschheit gehört, auf 260 Quadratmetern Ausstellungsfläche in seiner Vielfalt erkunden. Schautafeln, Präparate und Aquarien laden an 20 verschiedenen Stationen und Experimentierecken dazu ein, sich mit der Bedeutung von Naturschutz in einem fragilen Ökosystem auseinanderzusetzen. Das große Holzschiff als zentraler Teil der Ausstellung haben die freiwilligen Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer mit Hilfe des Europäischen Tier- und Naturschutz e.V. (ETN) und weiterer engagierter Förderer gebaut. Insgesamt stellte der gemeinnützige Verein Schutzstation Wattenmeer rund eine Million Euro für den Umbau der Kirche zur Verfügung und erhielt Zuschüsse vom Land Schleswig-Holstein.

Info

Adresse Rantumer Straße 33, 25997 Hörnum | ÖPNV Bus 2, Hörnum Steintal | Öffnungszeiten  April–Juni, Okt. Di–So 10–18 Uhr; Juli–Sept. Mo–So 10–18 Uhr, Tel. 04651/881093, www.arche-wattenmeer.de | Tipp Neu ist die Beach-Explorer-Datenbank unter www.beachexplorer.de, wo (nicht nur) Kinder als Strandforscher im Rahmen eines Umweltbildungsprojekts ihre Strandfunde erfassen und bestimmen können.

Wer Krebsen, Seeskorpionen und anderen tierischen Wattenmeerbewohnern einmal nahekommen möchte und schon immer wissen wollte, was Trottellummen und Knutts sind, sollte unbedingt in der Arche Wattenmeer in Hörnum vorbeischauen.

In der Nähe

Der Links-Kurs Golfplatz (0.53 km)

Die Segelkirche St. Thomas (0.59 km)

Das Seenotrettungsboot (0.69 km)

Die Muschelfischer (0.73 km)

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Hörnum
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2_Das Hapag-Haus

Hörnum als Wüste

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Kaum vorstellbar – vor 100 Jahren stand in Hörnum noch kein einziges Gebäude, und der Strandvogt Decker ist bereits in seinem Gutachten von 1817 der Meinung: »Es gibt aber auf Hörnum keinen Fleck, auf dem, auf eine Dauer von 15 Jahren, eine Wohnung errichtet werden kann; und es sind daselbst, so wie in jeder anderen Wüste, durchaus keine Aussichten ehrlichen Bestehens für den Anbauer vorhanden.« Zu diesem Schluss kam Decker nach dem Bau einer Holzhütte für 20 Personen 1795, die schon gut zehn Jahre später wieder von einer hohen Sanddüne bedeckt war. Hörnum als Wüste – ein angebrachter Vergleich, wenn man weiß, dass der Inselsüden zur damaligen Zeit von Wanderdünen überzogen war.

Der Reeder Alfred Ballin schätzte die Lage 1914 anders ein und ließ in der heutigen Strandstraße das Hapag-Haus erbauen, um für seine Passagiere eine erste Anlaufstelle zu schaffen. Er hatte sich mit der »Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft« zusammengeschlossen und bot mit seinen großen Dampfern Cobra, Silvana und Prinz Heinrich Fahrten von Hamburg via Helgoland nach Sylt an. Um den Komfort und die Sicherheit seiner Passagiere zu erhöhen, veranlasste er auch noch den Bau des Leuchtturms, der Inselbahn und des Hörnumer Bahnhofs. Neben dem Leuchtturmwärterhaus ist das Hapag-Haus das älteste Gebäude im Ort.

Info

Adresse Strandstraße 2, 25997 Hörnum | ÖPNV Bus 2, Haltestelle Hörnum Mitte | Tipp Das älteste, noch erhaltene Haus in Hörnum steht An der Düne 50 unterhalb des Leuchtturms. Es wurde 1907 erbaut und war das Haus aller früheren Leuchtturmwärter. Heute wohnt hier der Hafenmeister mit seiner Familie, in den übrigen Stockwerken sind Ferienappartements eingerichtet.

Zunächst firmierte das Hapag-Haus unter dem Namen »Hotel Bettina«, später wurden daraus das Hotel »Alter Fähranleger« und schließlich das Restaurant »Fischreuse«. Die Direktverbindung per Schiff zwischen Hamburg und Sylt bestand bis 1976, der Ort wuchs, doch das Hapag-Haus wurde nach zahlreichen Besitzerwechseln dem Verfall anheimgestellt. Es entwickelte sich zum prominenten Schandfleck des Ortes, bis der Investor Dirk Rose das Haus für rund acht Millionen Euro zum modernen Hotel umbauen ließ, dessen Fassade noch an den Charme vergangener Tage erinnert.

In der Nähe

Der Hörnumer Leuchtturm (0.21 km)

Die Leuchtturmschule (0.21 km)

Das Standesamt (0.23 km)

Die RALF-Regel (0.29 km)

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Hörnum
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3_Der Hörnumer Leuchtturm

Schule, Standesamt und Signalposten

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Das Leuchtfeuer Hörnum war 1906 Teil eines 1,3 Millionen Mark teuren Gesamtplans, mit dem die Schifffahrt an der Westküste Schleswig-Holsteins sicherer gemacht werden sollte. Die gusseisernen Einzelplatten wurden in der Isselburger Hütte am Niederrhein gefertigt, haben eine Größe von 80 mal 90 Zentimeter und sind knapp 100 Kilogramm schwer. Über 600 Einzelplatten, Tübbinge genannt, wurden auf dem Gelände der Eisenhütte zur Probe aufgebaut, geprüft und wieder abgebaut, um sie per Schiff zu ihrem Bestimmungsort an die Südspitze von Sylt, an die »weiße Düne, südlich von dem blanken Tälchen« zu transportieren. Der Aufbau erfolgte auf einer 17 Meter hohen Düne auf Grundlage einer 70 Zentimeter starken Betonplatte mit einem Durchmesser von 9,6 Metern, die das Gewicht des Turmschaftes von rund 92 Tonnen trägt. Die Einzelplatten tragen eine Graphitbeschichtung, was sich bis heute als optimaler Rostschutz erweist.

Am 8. August 1907 ging das Leuchtfeuer in Betrieb. Das Laternenhaus ist ein typischer Julius-Pintsch-Bau, in dem unter dem dunklen Kupferdach eine moderne Drehspiegeloptik mit festgelegter Signalkennung Blitze aussendet. Die Lichtquelle befindet sich 48 Meter über dem mittleren Hochwasser und ist bei normaler Sicht 19 Seemeilen, also etwa 35 Kilometer, weit zu sehen.

Info

Adresse An der Düne, 25997 Hörnum | ÖPNV Bus 2, Haltestelle Hörnum Hafen | Öffnungszeiten Zugang nur mit Führung Mo, Mi, Do stündlich von 9–12 Uhr, frühzeitig reservieren beim Tourismus-Service Hörnum, Tel. 04651/96260 oder [email protected]| Tipp Der Hörnumer Leuchtturm ist als Einziger auf Sylt für die Öffentlichkeit zugänglich. Für alle, die kein Ticket ergattern: Virtuelle Besichtigungstour unter: www.hoernum.de/de/hoernum/hoernum-sylt-leuchtturm-virtueller.php.

Meerblick hatten auch die drei bis fünf Schüler zwischen 1914 und 1933 in ihrem Leuchtturm-Klassenzimmer (siehe Seite 22). 1974 quittierte der letzte Leuchtturmwärter Manfred Karwin im Zuge der Automatisierung seinen Dienst. Heute werden alle Leuchttürme auf Sylt zentral vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Tönning gesteuert und fernüberwacht. Ein bisschen romantisch bleibt es dennoch: Im rot-weiß-rot gestrichenen Hörnumer Leuchtturm geben sich Hochzeitspaare das standesamtliche Jawort (siehe Seite 38).

In der Nähe

Die Leuchtturmschule (0.02 km)

Das Standesamt (0.03 km)

Die RALF-Regel (0.1 km)

Das Hapag-Haus (0.21 km)

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Hörnum
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4_Die Hörnum-Odde

Sylts gefährdete Südspitze

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Wenn die Nordsee Hunger hat, dann nagt sie besonders an der Südspitze von Sylt, der sogenannten Hörnum-Odde. Eine Dünen- und Heidelandschaft, die sich in den 1920er Jahren durch natürliche Sandablagerungen herausbildete, hervorgerufen durch veränderte Strömungsverhältnisse, die nicht zuletzt durch den Bau des Hindenburgdamms bedingt sind. Um 1972 hatte die Odde ihre größte Ausdehnung erreicht. Fünf Stunden dauerte die Umrundung der Odde, heute schafft man den Strandspaziergang von der Westseite auf die Ostseite in gut einer Stunde.

Nach Orkan Xaver waren im Dezember 2013 allein 20 Meter Landverlust an der Westseite der Hörnum-Odde zu beklagen. In weiser Voraussicht hatte man zuvor das bereits außer Betrieb befindliche Unterfeuer südlich des Leuchtturm abgebaut, andernfalls wäre es mitsamt der Düne und der Aussichtsplattform ins Meer gestürzt. Von 1978 bis 1988 gingen 150 Meter Dünen verloren, auch die Kersig-Siedlung (siehe Seite 20) im nordwestlichen Bereich der Hörnum-Odde war von der Gewalt der Sturmfluten bedroht. Kaum dass sie fertiggestellt worden war, standen die Häuser zwei Jahre später an der Abbruchkante.

Info

Adresse Südspitze Sylt, 25997 Hörnum | ÖPNV  Bus 2, Haltestelle Hörnum Hafen, weiter zu Fuß auf der Promenade | Tipp Einen Strandspaziergang um die Odde kann man am Strandübergang beim Restaurant Breizh (Strandweg) oder weiter südlich beim Restaurant Kap Horn (der Straße Süderende folgen) beginnen. Er endet am Oststrand unterhalb des Leuchtturms, wo man sich im Restaurant Südkap stärken kann – oder man geht den Weg je nach Windrichtung umgekehrt.

Tetrapoden sollen als tonnenschwere Wellenbrecher den Küstenbereich schützen, was auch gelingt. Allerdings kommt es weiter südlich an der Hörnum-Odde durch Strömungsveränderungen zu gravierenden Sandverlusten. Ein Bewohner der Kersig-Siedlung, Hermann Haltermann, gründete 1981 den »Verein Deutscher Küstenschutz«, aus dem schließlich die Stiftung Deutscher Küstenschutz hervorging. Erschreckend, wie Orkantief Xaver dennoch hatte wüten können und dort, wo einstmals hohe Dünen waren, nun ein freier Blick auf die Häuser von Hörnum möglich ist. Die bebaute Ortslage sei allerdings nicht in Gefahr, erklärt die Küstenschutzabteilung des Umweltministeriums. Die Unterzeichner der Onlinepetition »Rettet die Hörnum-Odde« sind da ganz anderer Meinung.

In der Nähe

Die Sandvorspülungen (1.21 km)

Der Hörnumer Leuchtturm (1.25 km)

Die RALF-Regel (1.25 km)

Das Standesamt (1.25 km)

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Hörnum
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5_Die Kegelrobbe Willi

Mit Wohnsitz im Hafenbecken

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»Willi, Willi!« Laute Rufe. Menschen starren in einer Hafenecke ins Wasser. Allerdings ist dort kein Mann hineingefallen, vielmehr hat die rund 200 Kilogramm schwere Kegelrobbe Willi seit 1991 diese Ecke auserkoren und wartet – während ihre Artgenossen von der Sandbank aus mühsam nach Beute suchen –, bequem mit den Flossen in ein Schiffstau eingehängt, auf Menschen mit Fotoapparaten, die vom nahen Fischhändler fangfrische, sauber ausgenommene Heringe mitbringen. Ein Blick aus seinen großen kugelrunden Augen genügt, Maul weit auf, und der Fisch landet direkt im Schlund der gefräßigen Kegelrobbe. Allerdings: Fotos nur gegen Fisch – so lautet Willis Regel. Falls jemand glaubt, sich den einen Euro pro Hering sparen zu können, der kann ewig mit dem Finger am Auslöser lauern und Willi rufen – Willi wartet unter der Wasseroberfläche und taucht erst wieder auf, sobald er einen Hering über sich schweben sieht.

Willi hatte sich längst seinen Namen gemacht, als man feststellte, dass er eigentlich »Wilhelmine« heißen müsste. Denn er – also sie – schwamm pünktlich zum Saisonende zur Überwinterung zurück auf die Sandbank zu ihrer Kolonie und gebar ein Jungtier.

Info

Adresse wohnhaft in der Hafenecke bei der Treppe, 25997 Hörnum | ÖPNV Bus 2, Haltestelle Hörnum Hafen | Tipp Bei einem Ausflug mit den Adler-Schiffen zu den Seehundsbänken können die Tiere mit gebührendem Abstand in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden.

Ob ihre Artgenossen sich jemals gefragt haben, wo Willi sich in den Sommermonaten herumtreibt? Wohl nicht, denn bislang ist ihr niemand aus ihrer Kolonie gefolgt. Somit ist Wilhelmine alias Willi die einzige ihrer Spezies mit nachweisbarem Zweitwohnsitz in einem Hafenbecken und hat es damit in den Medien zu überregionaler Berühmtheit gebracht. »Wissen Sie, wo Willi ist?« Diese ständige Frage hat einen Krabbenhändler im Hörnumer Hafen dazu verleitet, die Antwort vorbeugend als gut sichtbares Schild an seinem Verkaufsstand anzubringen: »Nein, ich weiß nicht, wo Willi ist.«

Da die Lebenserwartung einer Kegelrobbe bei ungefähr 30 Jahren liegt, hoffen wir, dass die Willi-Rufe noch ein paar Jahre übers Hafenbecken schallen.

In der Nähe

Die Reederei Adler-Schiffe (0.12 km)

Die Muschelfischer (0.17 km)

Die Segelkirche St. Thomas (0.22 km)

Das Seenotrettungsboot (0.27 km)

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Hörnum
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6_Die Kersig-Siedlung

Millionen für den Meerblick

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Ein wenig fühlt man sich an das Auenland in Tolkiens Romanen erinnert, wenn man in der Dämmerung auf schmalen Pfaden durch die hügelige Heidelandschaft südwestlich des Ortes Hörnum streift, und manch einer glaubt, jeden Moment müsse ein Hobbit aus der niedrigen Tür eines der verstreut liegenden Reetdachhäuschen treten. Zwischen dem betörenden Geruch von Syltrosen und blühender Heide, dem atemberaubenden Blick auf die raue Nordsee und auf das ruhige Wattenmeer, da kann man schon ins Träumen geraten.

Möchte man allerdings als Hausbesitzer begleitet von Meeresrauschen Sonnenauf- und -untergang durchs heimische Fenster sehen, sollte man über das notwendige Kleingeld verfügen: Zwei bis vier Millionen Euro benötigt man für eines der 90-Quadratmeter-Häuschen im Portemonnaie – allein der Bodenrichtwert in der sogenannten Kersig-Siedlung liegt bei rund 1.500 Euro je Quadratmeter, gut zwei Drittel mehr, als im nahen Ortskern zu bezahlen wären.

Info

Adresse entlang Lorens-de-Hahn-Wai und Nielsglaat, 25997 Hörnum | ÖPNV Bus 2, Haltestelle Hörnum Mitte, Zugang zur Kersig-Siedlung über den Greth-Skrabbel-Wai oder über den Strandweg (Aussichtspunkt, Haltestelle Strandweg) | Tipp Entlang des Rundwegs Lorens-de-Hahn-Wai und Nielsglaat bieten sich wunderbare Ausblicke auf den Hörnumer Leuchtturm und die Nachbarinseln Föhr und Amrum.

Das gesamte Gelände gehörte seit den zwanziger Jahren dem Schulbuch-Verleger Hirth-Reeger aus Breslau, der es an Dr. Kersig aus Kiel verkaufte. Dieser hatte 1958 gerade seine Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Kersig beauftragte das Bauunternehmen Thun aus Elmshorn mit dem Bau von 40 reetgedeckten Einzelhäusern mit roten Klinkerfassaden zwischen dem Lorens-de-Hahn-Wai und Nielsglaat. Eine riskante Unternehmung, denn schon im Februar 1962 standen einige der Ferienhäuser nahe der Abbruchkante, da eine schwere Sturmflut die Vordünen weggespült hatte. Durch die Errichtung eines 700 Meter langen Betonbollwerks aus Tetrapoden schützte man 1968 die Küstenlinie und somit auch die Kersig-Siedlung vor der Wassergewalt mit Millionen an Steuergeldern. Aufgrund der dadurch entstandenen Strömungsverschiebungen sind allerdings große Teile der Hörnum-Odde, des unbewohnten Teils der Südspitze, dem Meer zum Opfer gefallen.

In der Nähe

Die Syltrose (0.11 km)

Die Tetrapoden (0.44 km)

Das Hapag-Haus (0.47 km)

Die Sandvorspülungen (0.57 km)

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Hörnum
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7_Die Leuchtturmschule

Unterricht mit Meerblick

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»In die Ecke mit dir!« Als Schüler vergangener Generationen ist uns dieser zornige Ausruf unseres Lehrers wohlbekannt. Dieser beliebten Strafe dürften die Kinder, die zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg die kleinste Schule Deutschlands besuchten, mit ziemlicher Sicherheit entgangen sein, da sie einer solchen Aufforderung ihres Lehrers Levi schlecht hätten Folge leisten können. Strafe genug war wohl das tägliche Treppensteigen, eine enge Wendeltreppe hinauf bis etwa, von außen betrachtet, unterhalb des weißen Rings. Dort war ein Raum als Klassenzimmer eingerichtet, in dem unter anderen die drei Merten-Kinder Hans, Hindenburg und Walter, der Sohn des Leuchtturmwärters und Henni, die Tochter des Fuhrmanns Jakob Hansen, sowie weitere Kinder von Wehrmachtsbediensteten zur Schule gingen.

Damals wollte kaum jemand in einem einstigen Piratennest mitten in den Wanderdünen sesshaft werden. Die ersten Badegäste, die 1901 mit der Seebäderlinie im Hörnumer Hafen ankamen, ließen sich direkt mit der Kutsche ins mondäne Westerland bringen. Noch zum Ende des Ersten Weltkriegs zählte Hörnum ganze 21 Einwohner. Bis um 1927 gab es erst sieben Häuser, einen Bahnhof und immerhin eine Gästeunterkunft, das Hapag-Haus, das die Familie Merten 1920 pachtete und das von »Mutti Merten« bis 1946 liebevoll geführt wurde.

Info

Adresse An der Düne, 25997 Hörnum | ÖPNV Bus 2, Haltestelle Hörnum Hafen | Tipp Verschiedene reizvolle Perspektiven auf den Leuchtturm erhält man bei einem Rundspaziergang beginnend auf der Promenade, durch das kleine Wäldchen, den Gret-Skrabbel-Wai hinauf durch die Kersig-Siedlung und durch die Strandstraße wieder zurück.

Im Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl durch Soldaten und Flüchtlinge sprunghaft an, nun war die Schule im Leuchtturm definitiv zu klein geworden. Eine Holzbaracke in den Dünen diente fortan als Klassenzimmer, bis schließlich die Grundschule auf der Düne – wieder mit Meerblick – eröffnet wurde, mangels Schülerzahlen allerdings 2011 geschlossen werden musste.

Das Klassenzimmer im Leuchtturm gibt es noch als Museum, und so manches Hörnumer Kind fände es heute wohl ziemlich cool, in rund 30 Metern über dem Meeresspiegel zur Schule zu gehen.

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8_Der Links-Kurs Golfplatz

Ein weltweites Highlight im Norden Deutschlands

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Windstärke fünf aus West, in Böen bis sieben, zwischen sonnigen Abschnitten immer wieder kurze Regenschauer. Bei diesem Wetterbericht denkt der Laie wohl kaum ans Golfspielen – doch das echte Golferherz schlägt sofort höher. Wer auf dem Rasengrün des Golfplatzes von Hörnum steht, mag sich vorkommen wie in den schottischen Highlands – dem Mutterland des Golfsports. Wozu die weite Reise nach Schottland, wenn es das auch auf Sylt gibt?

Und es ist nicht etwa irgendein Golfplatz: Weltweit gibt es rund 30.000 Golfplätze, und nur knapp ein Prozent davon darf sich auf die Fahne schreiben, ein »true links«, ein wahrer Links-Kurs, zu sein. Dem Laien sei erklärt: Es wird nicht etwa gegen den Uhrzeigersinn gespielt, wie man vielleicht assoziieren könnte, vielmehr ist ein Linksland die Bezeichnung für ein Stück raues Land an der Küste, das für Ackerbau und Viehzucht unbrauchbar ist – zum Golfspielen allerdings bestens geeignet, sofern man die Herausforderung sucht: harter Boden, hügelige Dünenlandschaft, natürliche Sandkuhlen und stetiger Küstenwind. In Deutschland erfüllen diese Eigenschaften nur drei Golfplätze, und der Golfplatz Budersand ist der Einzige mit 18 Löchern.

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Adresse Fernsicht 1, 25997 Hörnum | ÖPNV Bus 2, Haltestelle Hörnum Hafen, der Straße Am Kai folgen | Tipp Wer nach dem Golfspielen Ruhe sucht, findet sie in der rund 1.400 Bände umfassenden Bibliothek des benachbarten Hotels Budersand. Die Bücherauswahl wurde von Elke Heidenreich zusammengestellt.

Kaum vorstellbar, dass auf dem 73 Hektar großen Gelände noch bis 2005 die Pidder-Lüng-Kasernen standen. 40 verlassene Kriegsbaracken mussten abgerissen sowie aufwendig per Schiff und Zug abtransportiert, alte Kläranlagen und Öltanks entsorgt werden. Zur Überraschung aller Beteiligten fanden sich sogar verrostete Autos in verschütteten Gewölben, berichtet der Landschaftsarchitekt und Golfplatzdesigner Rolf-Stephan Hansen, der das Gelände mit ökologischem Verständnis renaturierte.

Der Course Manager James Ellis muss als oberster Gärtner nur alle drei Tage mähen, nicht wie auf Inlandsplätzen dreimal am Tag, und Regenwetter erträgt er mit stoischer Gelassenheit – er ist nämlich Schotte.

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