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Warst du dieses Jahr auch brav? Die Teufelchen sicher nicht. Stibitzte Socken, Scherzgeschenke und wilde Wetten, diesen frechen Chaoten fällt immer wieder etwas Neues ein. Aber auch bei den Engelchen ist einiges los, zwischen Plätzchenbacken, ungewöhnlichen Nikolausgeschenken und kreativen Kunstwerken hat jedes seine Geschichte zur Weihnachtszeit. Jeden Tag kannst du hier in ein neues, kleines Abenteuer eintauchen.
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Seitenzahl: 99
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Wilma Müller, geboren 2003, steckt mitten in ihrem dualen Studium im Bereich Physiotherapie. Mit 13 Jahren fing sie an ihre Ideen zu Papier zu bringen. „24 Engelchen und Teufelchen“ ist eine ihrer Kurzgeschichten-Sammlungen. Außerdem stammen diverse Fantasy-Romane und Kinderbuchreihen aus ihrer Feder.
Für alle braven Engelchen
und frechen Teufelchen.
Jeder von euch ist
etwas Besonderes!
♥
1 Das Leseteufelchen
2 Das Chaos-Engelchen
3 Das Dekoteufelchen
4 Das Racheengelchen
5 Das Putzteufelchen
6 Das Waldengelchen
7 Das Schokoladen-Teufelchen
8 Das Glasengelchen
9 Das Medaillenteufelchen
10 Das Liebesengelchen
11 Das Notenteufelchen
12 Das Schlafengelchen
13 Das Geschenke-Teufelchen
14 Das Schneeengelchen
15 Das Feuerteufelchen
16 Das Milchengelchen
17 Das Schmuseteufelchen
18 Das Schutzengelchen
19 Das Partyteufelchen
20 Das Unschuldsengelchen
21 Das Technikteufelchen
22 Das Sternenengelchen
23 Das Sockenteufelchen
24 Das Teufelsengelchen
Theo war nicht wie die anderen Teufel. Während sie Streiche spielten, saß er immer in der Ecke und las.
Alle machten sich ständig über ihn lustig oder ignorierten ihn völlig, doch er fand es nicht schlimm, er hatte sich daran gewöhnt und er liebte seine Bücher so sehr, dass ihm das keiner vermiesen konnte.
„Theo! Wir brauchen die Kiste mit den Furzkissen!“, rief einer der Teufel und schubste ihn einfach runter.
Unsanft landete er auf dem Boden. Das Buch war ihm aus der Hand gefallen und mit den Seiten nach unten auf den Boden geklatscht, jetzt hatte es ein fettes Eselsohr.
Fies kicherten die Teufel, als Theo das Buch behutsam hochhob und sich stumm verzog. Auf der Suche nach einem stillen Plätzchen begab sich der kleine Leseteufel immer tiefer in die Weihnachtswerkstatt.
Zwischen ganz vielen alten Kartons hörte er auf einmal ein leises Weinen. Ganz alleine saß dort ein goldlockiges Engelchen. In den Händen hielt es eine Art Teigklumpen.
Für einen Moment wollte Theo sich schon umdrehen und einfach weggehen. Er war nicht gut darin, jemanden zu trösten, insgesamt war er nicht gut darin, mit anderen zu sprechen. Aber das Engelchen sah so traurig aus…
„Was hast du da?“, fragte er vorsichtig und setzte sich neben den geflügelten Lockenkopf. Erschrocken schaute das Engelchen auf. Es hatte gar nicht gemerkt, dass noch jemand anderes da war. „Mein Lieblingsbuch“, schniefte es kummervoll.
„Du liest gerne?“, wollte er überrascht wissen. Theo dachte, alle Engel würden immer nur Musik machen und Tanzen und so ein Zeug. Bedrückt nickte das Engelchen: „Wenn wir beim Verpacken der Geschenke helfen und da ein Buch dabei ist, lese ich immer, bis mich die anderen ermahnen, weiterzumachen. Das ist mein einziges, eigenes Buch und ich hab es in den Plätzchenteig fallen gelassen!“
Traurig schlang es die Arme um das Buch und drückte es ganz fest an seine Brust, sodass sein weißes Kleid total mit Teig verschmiert wurde.
Nachdenklich schaute Theo sein eigenes Buch an, dann hielt er es dem Engelchen hin: „Hier. Du kannst es haben.“ Mit ganz großen Augen schaute der geflügelte Bücherwurm den Teufel an. „Du willst mir dein Buch schenken?“, wiederholte es ganz gerührt.
Locker zuckte Theo mit den Schultern: „Ich hab noch andere. Das ist keine große Sache. Wenn du willst, könnte ich dir auch von denen ein paar ausleihen.“
„Danke! Danke! Danke!“, stürmisch umarmte das Engelchen ihn: „Du bist einfach der Beste!“
Total aufgedreht ließ es ihn dann auch schon wieder los und betrachtete das neue Buch.
„Wir könnten doch gemeinsam Leseabende machen! Und uns gegenseitig vorlesen und über die Bücher reden! Ich würde so gerne das alles mit jemandem teilen!“, sprudelte es nur so aus dem Engelchen.
Etwas unsicher spielte Theo mit seinen Fingern: „Denkst du wirklich, dass das so eine gute Idee ist?“
Er hatte noch nie mit jemandem zusammen gelesen. Und dann auch noch ausgerechnet ein Engelchen! Bis jetzt war er immer für sich alleine gewesen… Außerdem waren Engelchen und Teufelchen normalerweise kein gutes Team. „Glaub mir, gemeinsam ist alles viel schöner! Das wird so viel Spaß machen! Ab jetzt sind wir Buchpartner!“, beschloss das Engelchen breit grinsend. Langsam nickte Theo. Der Gedanke war immer noch ungewohnt, aber… irgendwie hatte die Vorstellung schon etwas, diese wundervollen Welten auf Papier mit jemandem zu teilen…
„Ich bin übrigens Elvira, aber du darfst mich gerne Elvi nennen!“, stellte sich das Engelchen freudenstrahlend vor, während auf ihren Wangen immer noch die Tränen glänzten. „Ich bin Theo“, sagte auch er seinen Namen.
„Ich bin so froh, dich kennengelernt zu haben!“, und schon wieder fiel sie ihm glücklich um den Hals. Und in Theo breitete sich eine Wärme aus, wie er sie bisher nur in Büchern gelesen hatte…
Der Geruch nach Zimt lag in der Luft. Hmmm… Zimt… Lecker… Schlagartig war Tilli hellwach. Die Zimtplätzchen! Sie hatte das Backen verschlafen!
Ohne sich die Haare zu bürsten und immer noch im Nachthemd stürmte das Engelchen aus ihrem Zimmer. Schlitternd kam sie in der Küche an.
„Ich bin da!“, rief sie und stieß voll mit Nora zusammen, die gerade eine dicke Schüssel mit Plätzchenteig getragen hatte. Kurz taumelte sie, dann landete der ganze Teig auf der fleißigen Bäckerin und dem Boden.
Schnell machte das tollpatschige Engelchen einen Schritt nach hinten, kam mit dem Arm gegen die große Schachtel voller Ausstechfiguren und warf sie aus Versehen auch noch um. Scheppernd regneten sie auf den Boden. „Upsi“, sagte Tilli nur und musste sich ein Grinsen verkneifen. Nora sah so lustig aus mit dem ganzen Teig.
„Upsi?“, wiederholte das teigverschmierte Engelchen: „Tilli, du machst immer alles kaputt!“ „Aber ich mach das doch nicht absichtlich!“, verteidigte sie sich und mit einem Mal fand sie das alles gar nicht mehr witzig.
„Sieh es ein! Du bist ein Chaos-Engel! Wenn du dabei bist, geht alles schief!“, mit ausgebreiteten Armen deutete Nora auf das gewaltige Durcheinander in der Küche: „Du solltest besser gehen.“
Ungläubig klappte Tilli der Mund auf. Keiner der anderen Engelchen widersprach ihr, sie schauten nur betreten auf ihre Füße.
Ohne ein weiteres Wort stürmte sie aus der Küche und immer weiter durch die Gänge, ohne darauf zu achten, wohin sie ihre Schritte trugen.
Sie war so wütend und enttäuscht und… Warum waren die nur so gemein?! Für dieses Chaos konnte sie doch nichts! Das war einfach so passiert!
Als sie wieder um die Ecke bog, stand plötzlich jemand vor ihr.
Erschrocken riss sie die Augen auf, doch es war schon zu spät. Volle Kanne rannte sie den jemand um.
„Entschuldigung!“, sagte sie hastig und rappelte sich auf. Auf dem Boden konnte sie überall Blätter rumliegen sehen. Schon wieder hatte sie nur für Chaos gesorgt. Vielleicht hatten die anderen ja recht und sie war wirklich ein Chaos-Engel…
„Warum läuft ein Engelchen so schnell durch den Flur? Ist das nicht gegen eure Langweiler-Regeln?“, fragte der Teufel vor ihr mit gerümpfter Nase.
Oh. Tilli hatte gar nicht gemerkt, dass es ein Teufel war.
Über ihre Schusseligkeit beschwerten sich die anderen auch immer….
Trotzdem reckte Tilli selbstbewusst ihr Kinn in die Höhe und entgegnete: „Nur weil du ein Teufel bist, musst du nicht immer so tun, als wären alle Engel dämlich!“ Damit hatte sie es ihm aber richtig gegeben, oder zumindest fühlte es sich so an.
Schwungvoll drehte Tilli sich um und knallte dabei total in einen zweiten Teufel. Auch er hatte irgendwelches Papier getragen, das jetzt überall rumflog wie Schneeflocken. Verwundert schaute er sie einen Moment an und fing dann an zu grinsen: „Du hast ein tolles Talent für Chaos. Willst du vielleicht mit uns Streiche spielen? Du wärst perfekt dafür!“
Für einen Augenblick wusste Tilli nicht, was sie sagen sollte.
Das war das erste Mal, dass jemand sie so akzeptierte wie sie war, mit all ihrem Chaos.
Breit fing auch sie an zu grinsen. „Klingt lustig“, stimmte sie zu und hob einen der Wunschzettel, die auf dem Boden lagen, auf: „Legen wir los!“
Weihnachten lag in der Luft. Von Tag zu Tag wurde das deutlicher. Und während die Engelchen alles fleißig vorbereiteten, machten die Teufel ordentlich Chaos. So war das jedes Jahr, immer der gleiche Trott!
Lars wurde das langsam langweilig. Die Engel kannten all ihre Streiche schon und es machte einfach keinen Spaß, wenn diese kleinen Heiligen schon auf alles vorbereitet waren. Nein. Dieses Jahr wollte sich das Teufelchen etwas Besonderes einfallen lassen, etwas Neues, etwas bei dem die Engelchen aus allen Wolken fielen! Nur was?
„Stopp! Nino! Das ist zu viel Farbe! Damit lässt sich die Farbbombe doch super schlecht werfen! Du Depp!“, rief ein Teufel bei den Farbkanistern und schlagartig hatte Lars den Geistesblitz des Jahrhunderts!
Warum sollten sie immer nur Sachen verstecken, wenn das Gegenteil genauso gut war? Zu viel zu machen, war einfach genial! Damit würde niemand rechnen!
„Ich habe DIE Idee!“, verkündete er voller Tatendrang: „Statt die Deko heimlich abzuhängen, hängen wir viel viel mehr auf!“
Mit großen Fragezeichen in den Gesichtern schauten die anderen Teufel ihn an. Sie verstanden es nicht!
Dann musste er es ihnen eben nochmal erklären, seine Idee war viel zu gut, um sie sofort aufzugeben: „Stellt euch das doch vor! Das wäre so ein perfektes Chaos! Alles wäre ganz unordentlich und die Engel wären so überfordert! Stellt euch ihre dämlichen Gesichter vor!“
Jetzt fingen ein paar an, zustimmend zu nicken.
„Und wir haben doch noch die ganze Deko von den letzten Jahren! Es wäre so leicht!“, setzte Lars noch begeistert hinterher. Damit hatte er noch die letzten Zweifel beseitigt. Welcher Teufel konnte schon widerstehen, wenn man lustige, neue Streiche spielen konnte?
Sofort machten sich alle frisch ans Werk. Momentan waren die Engel mit den Geschenken beschäftigt und solange hatten sie Zeit, um alles in ein Deko-Chaos zu verwandeln.
Vollbepackt mit Kisten voller Schmuck von den anderen Jahren schlichen die Teufel still und heimlich in die Gänge. Los ging’s! Jedes Fenster wurde mit Schneeflocken, Sternen, Rentieren und allem Möglichen sonst zugeklebt. Dazu schmückten sie auch die Wände und Türen über und über mit Krimskrams, keine Oberfläche blieb verschont.
Nichts passte zueinander oder war irgendwie abgestimmt. Letztes Jahr war alles in silbrigem, edlem Schneeweiß gewesen, davor in warmem, weihnachtlichem Rot, davor in Tannenbaumgrün… Jetzt war alles wild durcheinander.
Lichterketten wurden querbeet durch den Flur gehängt und auf dem Boden lag ein Teppich aus allen möglichen Deko-Elementen, die nicht mehr an die Fenster, Türen und Wände gepasst hatten.
Erschöpft und ebenso zufrieden betrachteten die Teufel ihr Werk. Alles war komplett überfüllt und unordentlich, es war perfekt. Man konnte kaum noch zwischen Türen und Wänden unterscheiden, die verschiedenen Lichterketten waren total verwirrend und wenn man nicht so genau hinsah, konnten einen die zahllosen Figuren echt erschrecken, weil man sie mit einer Person verwechselte.
Da würden die Engelchen Augen machen! Bis diese mit ihren langweiligen Weihnachtsvorbereitungen fertig waren, brauchten sie jedoch noch eine ganze Weile und um sich die Zeit zu vertreiben, fing Lars an, aus den leeren Verpackungen weitere Deko zu basteln.
Am Ende hatte er zwei Kartonschneemänner mit Papphüten und sternenförmigen Knöpfen und sogar ein Rentier mit kunstvoll gedrehten Hörnern, das so stabil war, dass sich die Teufel einen Spaß daraus machten, darauf zu reiten.
Gerade als Lars an seinem zweiten Rentier arbeitete, öffneten sich die Türen und die Engelchen strömten aus der Geschenkewerkstatt. Zuerst redeten und lachten sie unbeschwert, doch als sie die Veränderung bemerkten, blieben sie abrupt stehen.
Mit ihren kleinen Flügelchen passten sie perfekt zur Deko. Frech grinsten die Teufel. Für diesen Moment hatte sich die Mühe wirklich gelohnt!
Dann hatte eines der Engelchen die Sprache wiedergefunden, doch statt sich über das Chaos aufzuregen, fragte es: „Habt ihr die Kartonfiguren selbst gemacht?“ „Ähm… ja?“, mit dieser Reaktion hatte Lars nicht gerechnet.
Sie hatten alles doch ganz unordentlich gemacht!
„Du bist wirklich kreativ“, lobte das Engelchen ihn mit einem typisch freundlichen Lächeln. Und damit fing er sich von den anderen Teufeln sofort missmutige Blicke ein.
