A Castle Wedding: Sapphic Romance - Sanne Hipp - E-Book

A Castle Wedding: Sapphic Romance E-Book

Sanne Hipp

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Beschreibung

Doktor Evie Ross geht aufs Ganze und entscheidet sich – in Anbetracht der besonderen Umstände – Selin einen Heiratsantrag zu machen. Zu ihrer Enttäuschung lehnt Selin ab, denn sie möchte nicht aus Mitleid geheiratet werden. Evie lässt sich nicht beirren. Sie beschließt ihren Antrag zu wiederholen – formvollendet auf Blacklake Castle. Dort kann Selin unmöglich ›nein‹ sagen! Und den Standesbeamten würde sie auch gleich einbestellen. Dann hätte Selin endlich die schottische Staatsbürgerschaft, nach der sie sich so sehnt, und wäre endgültig ihren Nachnamen los. Evie plant also eine Trauung in romantischer Zweisamkeit. Doch sie hat nicht mit ihrer Familie gerechnet! Die überrascht sie auch dieses Mal und alles kommt völlig anders.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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A Castle Wedding

SAPPHIC ROMANCE

SANNE HIPP

Die Handlungen und Personen in diesem Buch sind frei erfunden, auch wenn die beschriebenen Orte zum Teil existieren. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

© 2024 by Sanne Hipp

Verlag: Sanne Hipp,

c/o Block Services, Stuttgarter Str. 106, 70736 Fellbach

Korrektorat: Eileen Altas (Korrektoratia)

Coverdesign und Umschlaggestaltung: Florin Sayer-Gabor – www.100covers4you.com

Unter Verwendung von Grafiken von Adobe Stock: Daria, cobaltstock; i-Stock: ewanchesser

Inhalt

Klappentext

Ein paar Worte zum Buch

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Danksagung

Über die Autorin

Bücher der Autorin

Weitere Bücher der Autorin für Fantasy-Fans

Klappentext

Doktor Evie Ross geht aufs Ganze und entscheidet sich – in Anbetracht der besonderen Umstände – Selin einen Heiratsantrag zu machen. Zu ihrer Enttäuschung lehnt Selin ab, denn sie möchte nicht aus Mitleid geheiratet werden.

Evie lässt sich nicht beirren. Sie beschließt ihren Antrag zu wiederholen – formvollendet auf Blacklake Castle. Dort kann Selin unmöglich ›nein‹ sagen! Und den Standesbeamten würde sie auch gleich einbestellen. Dann hätte Selin endlich die schottische Staatsbürgerschaft, nach der sie sich so sehnt, und wäre endgültig ihren Nachnamen los.

Evie plant also eine Trauung in romantischer Zweisamkeit. Doch sie hat nicht mit ihrer Familie gerechnet! Die überrascht sie auch dieses Mal und alles kommt völlig anders.

Ein paar Worte zum Buch

Um für dich ein angenehmes und sicheres Leseerlebnis zu gewährleisten, möchte ich vorab darauf hinweisen, dass im Buch stellenweise über häusliche Gewalt erzählt wird. Sollte dich das belasten, empfehle ich dir, die Zeilen zu überlesen. Man benötigt sie nicht zum Verständnis des Buches. Zusätzlich möchte ich betonen, dass in jeder Familie, egal welcher Nationalität und Gesellschaftsschicht, Gewalt im familiären Umfeld vorkommen kann.

Falls du von häuslicher Gewalt betroffen bist, kannst du dich innerhalb Deutschlands an folgende Stelle wenden: Gewalt gegen Frauen 116 016 /www.hilfetelefon.de. Die Beratung erfolgt in 18 Sprachen, rund um die Uhr, für Betroffene und Angehörige.

* * *

Eins

Evie

»Ich wollte dich nicht übergehen. Es tut mir leid, wenn es sich für dich so anfühlt. Jetzt habe ich aber die Gewissheit, dass deine Familie in unserem zukünftigen Leben nie eine Rolle spielen wird. Ich wünschte mir, du könntest möglichst bald den Nachnamen ablegen, der dich an sie bindet. Du gehörst nicht mehr zu ihnen!« Evie sprach zärtlich, aber eindringlich. »Ich liebe dich! Es gibt keinen Grund, warum wir es nicht sofort wagen sollten, und du könntest in Kürze ›Ross‹ heißen. Ich habe mir das genau überlegt.« Evie beobachtete, wie Selin sich mit dem Ärmel die Nase abwischte. Sie musste sich erst fassen. Natürlich. Selins Zorn war berechtigt und verflüchtigte sich nicht auf Knopfdruck. Dann endlich zuckte es um ihre Mundwinkel und sie schenkte ihr ein zaghaftes Lächeln.

»Ist das dein Ernst?«

»Ja.«

Selins Arme schlossen sich um sie und Evie genoss ihre ungestüme Umarmung. Alles passte so wunderbar! Mit Selin würden sich ihre Wünsche und Erwartungen, die sie an das Leben gestellt hatte, erfüllen. Mit ihr hätte sie einen Menschen gefunden, der wirklich das Leben mit ihr teilen wollte – dessen Wohlergehen von ihrem abhängig war. Mit ihr wäre auch der Alltag etwas Besonderes! Und ihre Stärke und ihre positive Sicht auf die Dinge, die sie sich trotz allem erhalten hatte, würden ihr Leben bereichern. Selin liebte wie sie ihre Heimat Schottland. Jede freie Minute würden sie die schottische Natur genießen, Wind und Wetter trotzen, das Kommen des Frühlings erleben.

»Du bist verrückt.« Selins Bemerkung setzte ihrem Höhenflug ein Ende. Mehr noch, Selin lachte auf, als hätte sie nur einen guten Witz gemacht, schob sie von sich und betrachtete sie amüsiert. Aber wenigstens nicht mehr zornig. »Vor sechs Wochen kannten wir uns noch nicht einmal.«

»Das spielt doch keine Rolle«, antwortete Evie, der plötzlich flau zumute wurde, als ihr aufging, dass Selins Einwand nicht nur vorgeschoben war.

Sie schüttelte entschieden den Kopf.

»Doch. Es liegt nicht daran, dass mein Herz nicht sofort ›ja‹ sagen würde. Aber ich habe das Gefühl, du tust das nur aus Mitleid, jetzt, wo du meine Eltern kennengelernt hast und geschockt über ihr Verhalten bist.« Selins Blick war geradeheraus – und er hatte etwas verdammt Entschlossenes an sich.

Das tat weh! Irgendwo in ihr drin blutete es schmerzlich. Mit so einer deutlichen Abfuhr hatte sie nicht gerechnet. »Nein, ist es nicht«, widersprach sie. »Es ist kein Mitleid, das mich dazu veranlasst. Es ist eher der Wunsch nach klaren Verhältnissen.«

Selin zog die Augenbrauen hoch. »Das hört sich an, als würden wir schon zig Jahre zusammenleben. Das ist aber nicht der Fall. Wir kennen uns noch keine zwei Monate.«

»Es ist ja auch nicht der alleinige Grund«, versuchte Evie noch irgendetwas zu retten. »Ich –«

Selin unterbrach sie. »Lass uns für heute nicht weiter darüber reden. Okay? Es ist zu früh für so etwas! Viel zu früh!«

Das Thema war vom Tisch: Selin wollte es nicht! Das war eine neue Seite an ihr – zum ersten Mal ein deutliches Nein, ohne Kompromisse. Nun, wenigstens lächelte sie und schien ihr nicht mehr böse zu sein. Evie nickte also. Mehr, um sich selbst zu beteuern, dass sie es zu akzeptieren hatte, als aus Zustimmung heraus.

Nun gut, dann eben Themenwechsel! »Wie sind sie so geworden? Erzählst du es mir?«, fragte sie.

Selin brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass Evie von ihren Eltern sprach.

»Wie lange ging das so? Wie haben sie Druck auf dich ausgeübt?«, hakte Evie gezielt nach und jetzt würde sie Selin keine Chance auf vage Ausflüchte geben.

Selin zog hörbar die Luft ein, ihre Arme, mit denen sie sie gerade noch gehalten hatte, fielen von ihr ab.

»Die Story kennst du doch schon! Ich habe dir schon mal davon erzählt.«

»Aber noch nicht genug. Ich möchte mehr wissen.«

»Also gut. Setzen wir uns dazu?«

Sie ließ sich auf das Polster plumpsen, zog die Beine hoch und umfasste sie mit den Armen – wie ein zusammengeschnürtes Paket saß sie da und wartete darauf, dass auch Evie Platz nahm.

Die stellte zuvor noch zwei Gläser auf den Tisch und eine Flasche Wasser. Dann setzte sie sich zu ihr und wartete.

Selin begann zu reden, ohne sie anzusehen. »Ich hatte eine ganz normale Kindheit, würde ich mal sagen. Eigentlich durfte ich alles machen, was ich wollte. Ich musste lediglich im Haushalt helfen und meine Brüder beim Lernen unterstützen.« Sie zuckte mit einer Achsel. Eine unbewusste Bewegung, als würde sie sich heute noch darüber wundern, wie sehr sich alles verändert hatte. »Am Anfang waren wir eine ganz normale Familie. Im Alter von dreizehn, vierzehn durfte ich sogar abends zu Freundinnen – oder zumindest glaubten das meine Eltern. Natürlich waren wir tanzen und haben uns mit Jungs getroffen, auch wenn ich Mädchen damals schon viel interessanter fand. Aber die Jungs waren oft ein Alibi, um mit den Mädchen abdancen zu können, die ich toll fand. Kapierst du?« Selin grinste, obwohl ihr Blick traurig aussah.

»Nicht ganz, aber das macht nichts. Erzähl weiter.«

»Na ja, irgendwann haben meine Eltern Wind davon bekommen, dass wir uns mit Jungs trafen. Und dann war Ende Gelände! Ich durfte meine Freundinnen nur noch nachmittags sehen und dann am liebsten auch nur noch bei uns zu Hause. Woanders übernachten war verboten und mein Vater zögerte nicht mein Aufbegehren mit Schlägen zu quittieren. Das war voll scheiße und am Anfang habe ich auch dagegen rebelliert und meinen Eltern erklärt, dass ich eines Tages sowieso eine Frau heiraten werde. Das war ein Fehler. Was dann folgte, war die Hölle. Dann durfte ich nämlich gar nichts mehr, außer zur Arbeit zu gehen. Meine beiden Brüder bekamen den Auftrag, mich zu überwachen.«

»Wann haben sie damit angefangen, dich zu schlagen?« Evie blickte ihr direkt in die Augen.

Selin versteifte sich. Es war ihr anzusehen, wie unwohl sie sich fühlte. Sie wand sich mit der Antwort. »Meinst du die verletzenden Schläge? Die begannen, als ich etwa siebzehn war. Davor konnte ich mich ihnen gegenüber körperlich noch behaupten.«

Evie schwieg betroffen, als sie sich ausmalte, wie Selins Leben damals ausgesehen haben mochte.

Selin redete in leichtem Tonfall dahin. »Eine Ohrfeige oder so gehörte ja schon immer zu den Erziehungsmitteln meiner Eltern. Ab meinem Geständnis ist es öfter und heftiger geworden. Und auch zunehmend von Seiten meiner Brüder, die meinten die Familienehre an dem Lebensstil ihrer Schwester festmachen zu müssen. Denen hat echt jemand ins Hirn geschissen!« Ihr Blick sprühte zornige Funken. Als er zu ihr zurückfand, lächelte sie.

»Hast du niemals versucht auszubrechen und dich ans Jugendamt zu wenden oder an die Polizei?«, fragte Evie.

»Habe ich mir damals überlegt. Aber was, wenn es schiefgegangen wäre? Die hätten mich doch in die Türkei geschickt! Und zu dem Zeitpunkt wusste ich schon, dass ich studieren wollte, um irgendwann ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Also musste ich bis zu einem höheren Schulabschluss durchhalten. Natürlich hätte ich jede Gelegenheit genutzt, um von zu Hause auszuziehen. Aber es gab keine. Meine Verwandten wollten sich nicht in unsere Familienangelegenheiten einmischen und meine Freundinnen wohnten alle noch daheim bei ihren Eltern. Der einzige Weg war auszuharren, bis ich eine Unterkunft in einem Studierendenwohnheim bekommen würde. Aber da kannst du in Deutschland lange drauf warten.« Selin schüttelte jetzt noch frustriert den Kopf. »BAföG kam auch nicht in die Tüte, dazu hätte ich das Einkommen meines Vaters angeben müssen und dieses Formular hätte er niemals unterschrieben. Also habe ich Bürokauffrau gelernt und abends mein Abi nachgeholt. Ich habe nur noch gearbeitet, gelernt oder geschlafen. Dass ich immer noch für Frauen schwärmte, behielt ich für mich. Stattdessen spielte ich ihnen vor, dass ich mich mehr bilden wollte, um eines Tages mehr Geld zu verdienen, mit dem ich meine Familie unterstützen könnte. Obwohl mein Vater das auch nicht gerne hörte – denn eine Tochter sollte in erster Linie heiraten und Kinder bekommen –, akzeptierte er es irgendwie. Es war offensichtlich, dass Geld bei uns immer zu knapp war. Und ich habe mir zwei Jahre lang immer wieder gebetsmühlenartig gesagt: Solange sie mich mit keinem Vetter aus der Türkei verheiraten, halte ich es aus.« Selin lachte bitter. »Tja, und als ich dann einen Studienplatz bekam, waren meine Eltern zum ersten Mal ein kleines bisschen stolz auf mich. Als sich die Chance auf ein Auslandssemester auftat, habe ich sie genutzt und bin für ein halbes Jahr nach Edinburgh geflohen. Endlich war ich frei und lebte, wie es mir gefiel. Ich war unheimlich glücklich! Das gab mir Kraft und Auftrieb mich auch in Deutschland nicht mehr länger zu verstecken. Als ich zurückkehrte, stellte ich meine Eltern vor die nackten Tatsachen – schließlich war ich erwachsen und sie hatten mir nichts mehr zu sagen. Vielleicht hatte ich sogar die Hoffnung, sie hätten mich vermisst und würden mein Lesbisch-Sein doch letztendlich akzeptieren. Na ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.« Selins Blick war mit jedem weiteren Wort leerer geworden. Evie wusste, was dann geschehen war. Selin war solchen Schlägen ausgesetzt gewesen, dass sie wimmernd vor Schmerz zu Boden gesackt war.

»Es tut mir so leid!« Evie hätte sie gerne in die Arme geschlossen. Aber Selin saß immer noch wie zusammengeschnürt da.

»Es ist vorbei«, sagte Selin entschlossen und lächelte. Dann streckte sie die angezogenen Beine aus und ließ sich in ihre Arme fallen, mit solch einem Schwung, dass sie beide rückwärts sanken. »Und du!«, sagte sie drohend. »Du sollst mir keine Anträge machen – nur aus Mitleid!« Sie warf sich mit ihrem ganzen Körpergewicht auf sie und Evie versuchte sich zu wehren.

»Das tue ich nicht aus Mitleid! Wirklich nicht!«, versicherte sie ihr noch ein paarmal.

Sie balgten eine Weile. So lange, bis Selins Hände auf ihrem Bauch liegen blieben – auf ihrer nackten Haut. Sie hatte so verdammt zärtliche Hände! Evie quollen Tränen aus den Augenwinkeln. Der Gedanke, dass die Frau, die sie liebte, eine solch schreckliche Lebensphase überstehen musste, war ihr unerträglich. »Ich möchte, dass du glücklich bist. Jetzt und für den Rest deines Lebens«, sagte sie verzweifelt.

Selin übersäte ihr Gesicht mit Küssen. »Das bin ich! Ich könnte nicht glücklicher sein als jetzt mit dir.« Nach einer Pause sagte sie: »Selin Ross! Wie klingt das?« Sie zog eine Schnute und ihre Augen wurden schmal.

Ach was!, wunderte sich Evie. Also war das Thema für heute doch noch nicht abgeschlossen!

»Würdest du mich in zwei Jahren noch mal fragen?«, fragte Selin.

»Bis dahin habe ich mir das vielleicht anders überlegt«, drohte Evie. Doch dann fiel ihr etwas ein und ernst fuhr sie fort: »Du könntest im Zuge deiner Namensänderung auch deinen Vornamen anpassen lassen. Nach britischem Recht ist das kein Problem. Dir stehen alle Möglichkeiten offen.«

»Was meinst du damit?«

»›Selin‹ musst du immer buchstabieren, oder nicht? Die Leute hier wissen nicht, wie man es schreibt, und oft genug wirst du mit einem ›m‹ geschrieben. Du könntest dich ›Caylin‹ schreiben oder so. Das ist hier ein wesentlich bekannterer Name.«

Selin betrachtete sie prüfend. »Haben dich meine Eltern dermaßen geschockt, dass du am liebsten alle Namen verändern möchtest, die sie ihrer Tochter gegeben haben?« Doch ehe Evie vehement protestieren konnte, fuhr sie fort: »Reg dich ab! War nur ein Witz! Ich habe mich selbst auch schon mit dem Gedanken getragen, den Namen abzulegen, mit dem sie mich gerufen haben.«

Eine Zeitlang schwiegen sie beide.

»Caylin«, sagte Selin betont langsam. »Sagst du das bitte mal?«

»Caylin.« Evies Mund formte den Namen überdeutlich. »Caylin.«

»Danke!«, unterband Selin noch weitere akustische Vorgaben. Sie schüttelte den Kopf. »Nein, das bin ich nicht.« Sie rückte ein Stück von ihr ab. »Ich habe aber einen zweiten Vornamen: ›Aylin‹. So hieß nämlich meine Großmutter, die mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen war. Sie war eine taffe Frau und die Triebfeder dafür, dass mein Opa als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen war. Sie war eine Kämpfernatur und hatte es vorgezogen ihre Heimat zu verlassen, um ein besseres Leben zu leben. Mit ›Aylin‹ könnte ich mich identifizieren und in Schottland ist dieser Name tatsächlich geläufiger. Wenn man ›Aylin‹ nicht türkisch, sondern englisch ausspricht, klingt das waschecht schottisch.« Selin grinste breit, bevor ihr Mund genussvoll die Worte formte: »Aylin Ross!«

»Wahnsinn!« Evie war baff. Das war die Lösung! Niemand würde hinter diesem Namen eine Deutsche mit Migrationshintergrund vermuten und Selin musste nicht mal das Gefühl haben, sie gäbe einen Teil ihrer Identität auf.

»Damit hättest du sogar deine türkische Identität erhalten!«, rief Evie erfreut.

Selins Augen wurden augenblicklich schmaler. »Türkisch? Ich bin Deutsche: Ich bin in Deutschland geboren, ich habe einen deutschen Pass und habe die türkische Staatsangehörigkeit vor zwei Jahren abgelegt.«

»Aber du hast türkische Wurzeln! Die Türkei ist ein wunderschönes Land und du hast sicher auch türkische Verwandte, die in Ordnung sind. Und: Du sprichst Türkisch!«

»Bist du dir da ganz sicher?«, fragte Selin spöttisch.

»Ja. Du hast den Kellner letztes Mal allzu gut verstanden. Außerdem hast du nicht den harten Akzent der Deutschen. Du kannst deine zweite Muttersprache nicht verleugnen. Sagst du für mich mal etwas auf Türkisch?«

Der Blick, den Selin ihr zuwarf, war ein eindeutiges ›Nein‹.

»Wenn wir dort jemals Urlaub machen wollten, dann –«

»Ich habe nicht vor in der Türkei Urlaub zu machen!«, unterbrach Selin sie.

»Die türkische Riviera ist ein Gedicht.«

Selins Blick tötete.

»Schon gut! Schon gut!« Evie grinste. Es war ein Versuch.

Doch Selin war nicht richtig böse. »Bleibst du hier?«, fragte sie wenig später. »Dann wäre es jetzt Zeit, ins Bett zu gehen.«

Evie hatte sowieso nicht vorgehabt zu gehen. Was sie für morgen benötigte, hatte sie dabei. »Gute Idee«, antwortete sie also und da strich Selins Hand auch schon ihren Bauch abwärts.

»Gut, dass ich vorher schon geantwortet habe, sonst hätte ich den Verdacht, du wolltest mich manipulieren«, raunte Evie zwischen zwei Küssen.

Zwei

Selin

»Aylin Ross«, murmelte Selin am nächsten Morgen, als Evie bereits fort war. »Aylin Ross – was für ein wunderbarer Name!« Ein Seufzer glitt über ihre Lippen.

Evie war wirklich entzückend! In ihrem Schreck hatte sie Selin sogar einen Heiratsantrag gemacht. Schmunzelnd dachte sie darüber nach. Es machte sie zwar überglücklich, doch so ein Angebot konnte sie nicht annehmen – sie kannten sich doch erst seit Kurzem. Sie musste vernünftig bleiben, nicht nur ihrem Herzen folgen. Was, wenn es schiefging? Sicher würde Evie, bewusst oder unbewusst, ihr die Schuld zuschieben. Nein, das durfte nicht passieren, entschied Selin und schüttelte entschlossen den Kopf.

Trotzdem ließ sie der Gedanke an den Namen ›Ross‹ nicht mehr los. Ein Schauer durchlief sie bei der Vorstellung, sie könnte eines Tages so heißen.

---ENDE DER LESEPROBE---