Abendbummel online - Jules van der Ley - E-Book

Abendbummel online E-Book

Jules van der Ley

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Beschreibung

Abendbummel online ist ein beliebtes Format im Blog des Autors "Teppichhaus Trithemius". Eine Weile war es unter den ständigen Lesern des Blogs Kult, allabendlich auf den Abendbummel zu warten wie auf die Tagesschau. Anfangs hatten die Texte tatsächlich den Charakter des Bummels, später gab es auch gedankliche Bummel oder Caféhausgedanken. Die vorliegende bunte Mischung versammelt Abendbummel aus gut sieben Jahren durch Aachen und Hannover. Mit drei Cartoons des Autors.

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Jules van der Ley

Abendbummel online

Kleine Prosa

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Aufgedrehte Äffchen im Nebel

Die unglaubliche Limmerstraße

Die Limmer bei Tag, Bart hintendran

Limmerlöckchen auf der Glatze

Der Teufel hat Kirmes

Wie Schönheit geht

Brei und Axt – Kurzfassung eines langen Kneipenabends

Gekaufte Orkane

Geschichtsbuch im Container

Leistungsträger mit rostiger Kette

Kalte Hände und frische Banknoten

Der Bauch im Frühling

Ein neues Wort und seine schrecklichen Konsequenzen

Erste Begegnung mit Jeremias Coster

Zwischen Liegen und Aufstehen

Regenschirm aufspannen

Unwahre Kirschen im Regen

Kopfsteinpflastermusik

Knatschjeck aus Tüten

Vollrohr ins Sommerloch

Feldforschung

Ringsum Lebenswege

speisen - abreisen

Schräg dahin

Ach so, der Zirkadianrhythmus

Möglicherweise Enten

Die hohen Schuhe wären nicht nötig gewesen

Zweimal deutscher Lebenszweck

Kleine Stilkunde

Große Zylinder rauchen lange Zigarren überall

Hurtig durch die Karrenspur

Genio Leibnitii und Enten

Vorsicht! Dieser Text kann Spuren von Erdnüssen enthalten

Immer der Nase nach

Falsch angezogen und daneben

Von Wärme in der Kühle

Spezialisten und Alleskönnerinnen

Füße am Himmel

Lächeln kostet

Vom Glück, nichts zu müssen

Lauter Eigennutz

Gefährliche Volksmusik

Gefällige Eigenschaften

Heißa, wir zünden Bärchen an

Bitte geben Sie dem Leierkastenmann kein Geld

Benutzen Sie den Fahrradweg

Hören Sie die Scheine knistern?

Müßige Gedanken über Richtungen

Unverantwortlich! Überall fehlen noch Laubbläser

Strickguerilla-Aktivistinnen – Tante Liesels Erbinnen

Interessant, interessant! – Straßentheater und Kopfkino

Vielleicht mit Nebenmann

Impressum neobooks

Aufgedrehte Äffchen im Nebel

Über Hannover liegt dichter Nebel. Schon um drei Uhr kommt kaum noch Licht durch, Weltuntergangsstimmung. Kurz nach fünf Uhr ist es zappenduster. Da habe ich mir den Weltuntergang mal von draußen ansehen wollen und einen ziemlich langen Abendbummel gemacht. Derzeit sind Schaufenster wie Lichtinseln in der Dunkelheit. Beim Friseur sitzen tatsächlich noch Kunden und warten geduldig, dass ihre Nummer auf der Anzeige des Aufrufsystems erscheint. Man stelle sich einen Weltuntergang vor, und da sitzen noch welche und warten auf den Haarschnitt. Schlimmer wären allerdings die dran, die mit einer halbfertigen Frisur von den apokalyptischen Reitern aus dem Laden getrieben würden. Oder eingeschäumt am Kopf. Wie peinlich.

Mir kommt eine junge Frau entgegen. Sie wird anscheinend von Äffchen begleitet, solche, die man aufziehen kann, und sie schlagen kleine scheppernde Becken gegeneinander. Wie sie an mir vorbeigeht, sehe ich Stöpsel eines Mp3-Players in ihren Ohren. Dass die Äffchen so laut tönen, liegt am Resonanzkörper, dem gedankenleeren Kopf. Ich will hier nichts Falsches behaupten, aber Musik, die beständig in die Ohren zischt und scheppert, lässt vermutlich gar keine oder nur ganz kleine Gedanken zu. Die werden einfach nieder gezischt. Das ist nicht nur im Flachland so.

Die Bertelsmannstiftung lässt derzeit über den SPIEGEL verbreiten, es gäbe ein Süd-Nord-Gefälle bei der Bildung der Jugendlichen in Deutschland. Im Norden säßen lauter Flachdenker, im Süden schraube sich der Bildungsgrad Jugendlicher immer weiter nach oben, quasi bis ins Hochgebirge. In Wahrheit liegt es daran, dass manche Eltern sich für ihren Nachwuchs private Bergführer leisten können, die den Jugendlichen den Weg bereiten. Aber Nachhilfe ist teuer, weshalb Bayern auch prozentual die geringste Anzahl von Abiturienten hat. Man hat also eigentlich noch weniger eigene Gedanken in Bayern als sonst wo und in den Niederungen viel Bräsigkeit. Kein Wunder, dass die Bayern von der Studie der Bertelsmannstiftung und auftragsgemäß vom SPIEGEL gelobt werden.

Wir sind auf der Benno-Ohnesorg-Brücke. Ein Stück weiter nördlich, wo die Ihme in die Leine fließt, unterhalb der Dornröschenbrücke hatten sich drei Punker eine Hütte gezimmert, direkt am Flussufer. Gestern war die Hütte zerstört, das Hab und Gut der drei war ringsum verstreut. Auf der anderen Seite der Brücke, wieder so nah am Fluss, waren sie dabei, ein Zelt aufzubauen. Direkt am Fluss ist es nachts vermutlich noch kälter und feuchter. Ich habe mich oft gefragt, warum sich Punker die unwirtlichsten Orte für den Verbleib wählen. Vielleicht wollen sie die Kälte unserer Gesellschaft so richtig spüren, sich selbst im Unwirtlichen härten. Das Ergebnis: Die älteren von ihnen sitzen bei eiskaltem Wetter auf dem Bürgersteig vor dem Supermarkt am Anfang der Limmerstraße, haben kaum noch Zähne, aber singen zu einer Gitarre. Sie haben bessere Laune als die ein- und ausströmenden gut situierten Kunden. Freilich erzählen ihre Gesichter Geschichten eines harten Lebens, die man lieber nicht hören wollte. Ist sowieso schon Endzeitwetter.

Die unglaubliche Limmerstraße

Wenn wir über die Limmerstraße gehen, wird’s ein bisschen bunter als sonst wo. Jedenfalls habe ich eine derartige Straße noch in keiner anderen Stadt gefunden. Sie hat eine wilde Schönheit, denn sie ist ein bisschen rottig. Ein Literaturstudent, den ich kenne, gliedert die Limmerstraße in drei Teile. Das erste Stück ist überwiegend in türkischer Hand, dann mischt es sich, und das letzte Drittel ist bestimmt von Studenten, jungen Familien, Arbeitern, Punkern, Arbeitslosen und Yuppies. Aber eigentlich ist die Einteilung nur bedingt richtig, denn ständig mischen sich alle. Man flaniert nämlich gerne die Limmerstraße rauf und runter, kann hier auch alles einkaufen, was man so braucht, selbst was man überhaupt nicht braucht. Mein rappender Biobäcker sagt, die Leute würden ihre individuellen Outfits auf der Limmerstraße austesten. Und wenn sie hier ankommen, können sie damit auch woanders bestehen. 80 Nationen sollen rund um die Limmerstraße leben, hat mir ein freundlicher Migrant erzählt. Den geringsten Anteil stellen die Nepalesen, die sind nur zu zweit. Es fahren hier keine Autos lang, aber die Straßenbahn der Linie 10 und Unmengen an Radfahrern jagen über das Kopfsteinplaster. Und so viele Menschen, so viele Fahrradmodelle. Wenn die meisten Geschäfte geschlossen haben, kehrt noch lange nicht Ruhe ein, lediglich die Kinder verschwinden von der Straße. Stattdessen kommen die älteren Geschwister in manierlichen Gruppen und tragen offene Bierflaschen in den Händen. Es wird unglaublich viel ambulant gesoffen auf der Limmerstraße, bis tief in die Nacht hinein. Nur wenige werden laut. Eigentlich geht es meistens manierlich zu auf der Limmer.

Einmal, so gegen 12 Uhr nachts kommt ein Anwohner aus dem Nebenhaus der Biobäckerei, Trainingshose, weißes T-Shirt um den Bauch. Rennt stracks über die Straße zu den Typen auf einer Bank, von denen einer nur eine Lautstärke kennt: Krakeelen. Der Anwohner hält ein Mobiltelefon in der Hand, dessen Display grün leuchtet. Er hat wohl die Nummer der Polizei gewählt und braucht nur noch auf Verbinden zu drücken. Das Handy ist für ihn die Rückversicherung und gleichzeitig eine Waffe gegen den Krakeeler.

Manche beklagen, es würde sich soviel ins Digitale verflüchtigen. Aber früher wäre das nicht gegangen. Das Handy ist einfach bequemer als eine untern den Arm geklemmte Polizei-Notrufsäule. Die wäre freilich eindrucksvoller, aber man könnte damit höchstens den überlauten Kerl erschlagen. Doch so etwas gehört sich nicht auf der Limmerstraße. Er begegnet also dem Schreier mit verbaler Gegengewalt. Da ist der sogleich einsichtig und senkt demütig den Kopf. Der Anwohner wendet sich erleichtert ab, kommt wieder über die Straße und klemmt sich an das Ende Reihe der dort auf den Fensterbänken und Treppen sitzenden Müßiggänger … äh … Müßigsitzer und sagt, er habe leider die Wohnung zur Straße hin und könne im Sommer wegen des Lärms auf der Limmer nie das Fenster öffnen. Aber der Kerl da drüben sei besonders übel, weil der immer so rumbrülle. Der guckt wie angesprochen herüber und brüllt: „Ich mache das nicht mehr! Jetzt bin ich ganz leise!“ Da gingen überall die Fenster auf und die Anwohner warfen ihre Schuhe auf die Straße.

Na, das letzte glaubst du nicht. Ich auch nicht. Das waren wieder die außerirdischen Humantechniker schuld. Die haben doch meine Schreibhand so verdrahtet, dass ich immer lügen muss. Glaubst du mir denn die Sache mit dem Tannenbaum? Mitten im Hochsommer war das. Da sitze ich so gegen elf Uhr abends auf der Fensterbank der Biobäckerei und trinke Flaschenbier. Plötzlich kommt einer mit seinem Fahrrad an und trägt in der Hand einen Weihnachtsbaum. Daran baumeln kleine in Silberfolie eingepackte Schachteln, denen man ansieht, dass nichts drin ist. Er setzt sich auf eine Bank schräg gegenüber vor die türkische Dönerbude und stellt den Weihnachtsbaum vor sich auf den Tisch. Das gibt einiges Hallo durch die offene Dönerbudentür und neugierige Fragen. Ich hatte sowieso gehen wollen, und wie ich an ihm vorbeikomme, sage ich: „Da fehlt Lametta.“ Sagt er: „Nein, Geschenke! Geschenke! Die sollst du ja dran hängen.“ Aber ich hatte natürlich keine bei mir. Vermutlich muss er seine Idee, im Sommer an Weihnachtsgeschenke zu kommen, ein bisschen überarbeiten. Sonst gibts nur einen Döner zum Fest. Rund um die Limmerstraße ist man eigentlich freigiebig. Aus einer offenen Haustür trägt ein junges Paar noch gut aussehende Möbelstücke. Und an jedes Teil haben sie einen DIN-A4-Zettel geklebt, worauf säuberlich mit der Hand geschrieben steht: „Zu verschenken“.

Das ist hier der Kötnerholzweg. Er führt leicht bergan, aber wir müssen hinauf. Meine Straße liegt ein bisschen schon am Hang des Lindener Bergs. Den Namen „Kötnerholzweg“ habe ich erstmals von einer Frau gehört, die ich im Rathaus traf und die mich zu kennen glaubte, sich dann als Pressesprecherin der Linken vorstellte. Sie gab mir ein Interview, aber das passte hinten raus nicht auf meine Speicherkarte, also, bevor sie sagen konnte, was ich von ihr wissen wollte. Sie kam vom Hölzchen aufs Stöckchen, zwischendurch hatte sie dann vergessen, was ich sie gefragt hatte. Darüber werden wir nie mehr was erfahren. Aber sehenswert ist es allemal. Man findet es in einem Video, das Teppichhausvolontär Hanno P. Schmock gemacht hat. Puh, gleich sind wir oben. Und beim nächsten Bummel, also runter zur Limmerstraße, erzähle ich die Geschichte, warum ein Mann, den ich mal kannte, einen wirklich langen Bart hatte.

Guten Abend

Die Limmer bei Tag, Bart hintendran

Diesmal gehen wir etwas früher zur Limmerstraße, damit wir sie bei Tag erleben, wenn die unzähligen kleinen Läden geöffnet haben und vor den Modelädchen die Kleiderständer noch im Weg stehen. Mein Türnachbar sagt auch, er wäre in den fünf Jahren, in denen er in Linden lebt, erst sechsmal in der Innenstadt gewesen, weil man ja alles auf der Limmerstraße kaufen könne.

Die Radfahrer kurven und queren hier ziemlich geschickt, aber letztens ist eine Frau mit dem Vorderrad in eine Straßenbahnschiene geraten und schwer gestürzt. Da waren sogleich drei Leute, die sich um sie kümmerten, und zehn andere hatten das Handy am Ohr und riefen den Unfallwagen. Die Szene ist bezeichnend für die Stimmung auf der Limmerstraße. Viele kennen sich, aber man tut auch großstädtisch anonym. Trotzdem empfindet man sich als Gemeinschaft, und wenn man sich sonst nichts zu sagen hat, kann hier jeder Respekt oder Anteilnahme erwarten. Am besten gefällt mir die Gelassenheit, mit der alles geschieht. Ich frage mich übrigens schon lange, wie die Gemüsehändler die Sachen frisch halten, die sie am Abend von den Ständen hier auf dem Bürgersteig nach hinten bringen. In den Kühlschrank passt das Zeug wahrscheinlich nicht, sieht aber jeden Tag frisch aus. Haben die ein Zimmer ihrer gewiss nicht großen Wohnung zur Kühlkammer gemacht?

Kürzlich interviewte ich einen jungen Mann, der an der Gemüseschlacht zwischen Linden und Nordstadt teilgenommen hat. Die Schlacht findet alljährlich im September auf der Dornröschenbrücke statt. Diesmal soll nicht nur vergammeltes Gemüse, sondern auch Fisch geworfen worden sein. Linden hat jedenfalls in diesem Jahr verloren. Der Grund? „Die hatten einfach viel mehr Leute als wir, weil die ganzen Punks aus Linden weggezogen sind.”

Die Punks haben früher immer vor dem Edekamarkt gesessen, wo sie eine Cochgarnitur mit Stühlen hatten, worauf sie selbst im Regen saßen, und einer versuchte, “I’m Singing In The Rain” zu singen. Der Markt aber wird renoviert. Trotzdem gibt es natürlich noch Punks auf der Limmer. Da kommt ein Punk aus einer Seitenstraße, in der Hand einen großen Yoghurtbecher und an der Leine hat er einen Schäferhund. Der Hund humpelt stark, denn ihm fehlt komplett das linke Vorderbein. Punker würden das nicht gerne hören, aber der Punker, sein humpelnder, gut gelaunter Hund, und mit welcher Achtsamkeit der Punker den ungeöffneten Yoghurtbecher in seinen Hamsterkarren stellt; das ist ein wirklich anrührendes Bild.

Mist, ich habe gestern versprochen von dem wirklich langen Bart zu erzählen. Den muss ich jetzt einfach hinten anhängen an diesen Bummel, dich also vom launigen Treiben auf der Limmer ablenken. Zudem habe ich total vergessen, woher ich den Mann kannte, der einen wirklich langen Bart hatte. Er hätte sich den in den Gürtel stecken können. Der lange Bart war gewiss noch lästiger, als würde man sich jeden Tag rasieren wie ich. Wieso kann sich mein Bart eigentlich nicht merken, dass er unerwünscht ist? Schiebt unverdrossen jeden Tag nach draußen, und ich muss teure Rasierklingen kaufen, um ihn mit dem Barthobel wegzuschaben. Das ist doch ein Fehler in der Evolution, findest du nicht?

Ich habe in Aachen mal einen jungen Mann gesehen, der hatte einen mächtigen gezwirbelten Schnauzbart. Wenn man einen Schnauzbart jahrelang wachsen lässt und immer schön zwirbelt, nachdem man ihn durch den Buttertopf gezogen hat, kann man ihn so stolz vor sich hertragen wie dieser Passant auf dem Münsterplatz. Er ging stark nach vorn gebeugt, als hätte der Schnauzbart ein ordentliches Gewicht. Vielleicht hatte der Schnauzbart dem Mann befohlen, er solle ihn ein bisschen durch die Stadt tragen, und um den Mann zu ärgern, hat sich der undankbare Schnauzbart extra schwer gemacht. Aber es geht ja um den anderen Mann, der seinen Bart in den Gürtel stecken konnte. Auch er war noch recht jung und arbeitete in einem Jugendzentrum. Er sagte, wenn Jugendliche zum ersten Mal ins Jugendzentrum kommen, sind die meistens ein bisschen befangen. Dann sehen sie den Bart, und schon ist das Eis gebrochen. Der Bart gibt ihnen einen Gesprächsanlass. „Eye, Alter! Das ist aber ein wirklich langer Bart. Seit wann lässt du den wachsen?“ Und er sagt vielleicht so: „Den habe ich mir zu Weihnachten gewünscht. Da musste meine Mutter lange dran häkeln.“ (Falls der Bart ihm den Witz nicht verbietet.)

Limmerlöckchen auf der Glatze

Wir setzen uns gleich vor die Biobäckerei mit dem hübschen Namen „Doppelkorn“. Ab und zu steht da ein junger Mann hinter der Theke, der auf dem oberen Ende der Limmerstraße sehr beliebt ist wegen seiner offenen freundlichen Art, mit der er jedem begegnet, im Laden und auf der Straße. Ich habe ihn gestern einen rappenden Biobäcker genannt. Denn ich hatte ihn fotografiert, wie er am Abend des Limmerstraßenfests im Eiscafe nebenan mit seiner Band aufgetreten ist und ziemlich gute, lebensnahe Texte gerappt hat. “Mordslaerm” heißt die Band. Ihretwegen gilt Hannover neuerdings als die lauteste Stadt Deutschlands. Die Lärmstudie ist aber umstritten, weil die Lärmforscher direkt vor den Boxen von Mordslaerm gemessen haben. Soll ich dir auch einen Milchkaffee mitbringen? Man wird hier draußen nämlich nicht bedient. Solche Cafés sind mir am liebsten, wo man an der Theke bezahlt, sich draußen hin setzen und wieder gehen kann, wann man will und nicht erst auf eine Bedienung warten muss, um sich abkassieren zu lassen. Außerdem kriege ich immer ein helles “Tschühüs” von den zauberhaften Biobäckereifachverkäuferinnen mit auf den Weg, wenn ich meine Tasse reingebracht habe. Während ich den Kaffee hole, kannst du inzwischen von den freien Stühlen ein paar Kissen für uns besorgen.