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Abschied ist die Geschichte von zwei Menschen, die vor langer Zeit eine erfüllende Beziehung hatten, bis diese ohne Erklärung zerbrach. Seither treffen sich die beiden über Jahre hinweg immer wieder auf einen unverbindlichen Kaffee, ohne die Trennung jemals aufzuarbeiten oder überhaupt darüber zu sprechen. Beide haben ein neues Leben, können aber nicht von den Treffen lassen. Die Geschichte ist aus der Perspektive der Frau erzählt, die sich letzten Endes darüber klar wird, warum sie diese eigenartige Verbindung aufrecht erhält und die nun endlich damit abschließen möchte. So einfach macht er ihr die ganze Sache letzten Endes aber nicht, und beide finden sich in einem erotischen Showdown wieder, dem sie nicht entkommen können.
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Seitenzahl: 24
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Patricia Patrull
Abschied
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Abschied
Impressum neobooks
Wir trafen uns im Café – wie jedes Mal. Ich versuchte, wie jedes Mal, ein paar Minuten vor der verabredeten Zeit dort zu sein. Ich nahm immer ein Buch mit. Es sollte so aussehen, als hätte ich alle Zeit der Welt. Als säße ich schon ewig dort, tiefenentspannt, ganz versunken in meine Lektüre. Und würde nicht wahrnehmen, wie er sich mir näherte.Tatsächlich beobachtete ich genau, wie er auf das Café zu ging. Er hatte ein wenig den Gang eines Cowboys, hatte er schon immer gehabt. Das fand ich damals schon unsagbar attraktiv, damals, vor 20 Jahren. Damals trug er Jeans, Boots und eine Lederjacke, er ging aufrecht, als gehöre die Welt nur ihm allein, nach ihm die Sintflut. Später liefen wir gemeinsam so durch die Stadt – es war unsere Stadt, alles andere war bedeutungslos. Jetzt wurde der federnde Gang getrübt durch gebeugte Schultern. Er hatte die Augenbrauen leicht zusammengezogen und ging nicht mehr, als gehöre ihm die Welt, die ihn zu tragen hatte. Er ging, als müsse er die Welt tragen. 20 Jahre später.
Ich senkte den Blick wieder auf mein Buch, zog den Bauch ein, versuchte, die Beine lässig und wie unabsichtlich attraktiv zu arrangieren und kam mir gleichzeitig unsäglich dämlich vor. Als er neben meinem Tisch stand, sah ich zu ihm hoch, anscheinend überrascht, dass die Zeit des Treffens schon gekommen war, dass er schon da war.„Hey, schön dich zu sehen!“ Sein Blick hellte sich auf, für einen Moment entspannte sich die konzentrierte Stirn. Ich stand auf, wir umarmten uns wie gute Bekannte. Meine Hände kribbelten, nach all dieser Zeit juckte es mir noch immer in den Fingern, durch seine dichten, wenn auch ergrauten Haare zu fahren, sie zu zerzausen. Meine Hände nicht nur leicht auf seinen Rücken zu legen, sondern tiefer zu fahren, über seinen Hintern zu streichen, und wieder rauf, unter sein Hemd – früher hatte er T-Shirts getragen – über die Haut auf seinem Rücken. Es schien das Normalste der Welt zu sein, ihn zu berühren, und ich musste an mich halten, mich nicht zu verraten.
Wir lösten uns voneinander, setzen uns hin und bestellten unseren Kaffee. Ich, wie immer, einen Milchkaffee, er Kaffee schwarz. Damals hatte auch er Milchkaffee genommen, immer – ich hatte zu dieser Zeit immer einen Ring mit Giftfach an meinem Finger, gefüllt mit ein paar Pilzlichen Süßstoff. Er mochte es, wenn ich den Ring öffnete und ihm zwei Pilzlichen in den Schaum seines Kaffees fallen ließ. Wir scherzten immer, dass ich eines Tages wirklich Gift darin hätte und er vertrauensvoll seinen Todestrank zu sich nehmen würde.Jetzt trank er schwarzen Kaffee, ohne Schaum, ohne Süße. Ob das seinem Gemütszustand entsprach?
