Alles nur Lüge? - Katie Summer - E-Book

Alles nur Lüge? E-Book

Katie Summer

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Beschreibung

Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Sehr zufrieden mit sich und der Welt schlenderte Kai Dohmen langsam über den kleinen, einladenden Wochenmarkt. Der junge Mann war unterwegs, um einen Blumenstrauß für seine Frau Julia zu kaufen. Außerdem plante er, diese eine, ganz besonders köstliche Schokolade zu besorgen. Die, die seine Julia so liebte, sich aber wegen des recht hohen Preises nur sehr selten gönnte. Hergestellt und verkauft wurde sie in einem kleinen Laden ganz in der Nähe des Marktes. Mit den Blumen und der Süßigkeit wollte er sie heute nach ihrer Rückkehr aus London überraschen. Denn heute jährte sich der Tag, an dem sie sich kennengelernt hatten. Kai seufzte tief auf. Es war doch wirklich unglaublich, dass sie heute immerhin schon seit sieben Jahren gemeinsam durchs Leben gingen. Ein warmes Lächeln lag auf seinem Gesicht, als der Tag, an dem sie sich zum ersten Mal gesehen hatten, vor seinem inneren Auge hochstieg. An der Uni war es passiert. Sie waren sich geradewegs in die Arme gelaufen. Sie war alleine unterwegs gewesen und er gemeinsam mit ein paar Freunden. Zwinkernd hatte ein Freund vor Kurzem noch gemeint, dass das Schicksal wohl auf jeden Fall seine Finger im Spiel gehabt haben müsse. Julia hatte etwas in ihrer übergroßen Tasche gesucht und ihre Umgebung nicht wahrgenommen und Kai hatte gerade erfahren, dass er sein zweites Staatsexamen zum Gymnasiallehrer bestanden hatte. Nun alberte er mit einigen Kommilitonen herum, alle glücklich darüber, dass sie die zweite Staatsprüfung erfolgreich absolviert hatten. Es war ein wundervoller warmer Tag gewesen. Ausgelassen hatte ein Kumpel ihn in die Seite geknufft – und genau da war es passiert. Er hatte für einen kurzen Moment das Gleichgewicht verloren und war der abgelenkten Julia geradewegs förmlich vor die Füße gestolpert. Ganz erschrocken hatten die beiden sich angesehen und wohl sofort gespürt, dass dies ein ganz besonderer, magischer Moment war, in den sie nur durch einen glücklichen Zufall geraten waren.

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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Chefarzt Dr. Norden – 1289 –Alles nur Lüge?

Eine große Liebe gerät in schlimmste Gefahr

Katie Summer

Sehr zufrieden mit sich und der Welt schlenderte Kai Dohmen langsam über den kleinen, einladenden Wochenmarkt. Der junge Mann war unterwegs, um einen Blumenstrauß für seine Frau Julia zu kaufen. Außerdem plante er, diese eine, ganz besonders köstliche Schokolade zu besorgen. Die, die seine Julia so liebte, sich aber wegen des recht hohen Preises nur sehr selten gönnte. Hergestellt und verkauft wurde sie in einem kleinen Laden ganz in der Nähe des Marktes. Mit den Blumen und der Süßigkeit wollte er sie heute nach ihrer Rückkehr aus London überraschen. Denn heute jährte sich der Tag, an dem sie sich kennengelernt hatten. Kai seufzte tief auf. Es war doch wirklich unglaublich, dass sie heute immerhin schon seit sieben Jahren gemeinsam durchs Leben gingen. Ein warmes Lächeln lag auf seinem Gesicht, als der Tag, an dem sie sich zum ersten Mal gesehen hatten, vor seinem inneren Auge hochstieg.

An der Uni war es passiert. Sie waren sich geradewegs in die Arme gelaufen. Sie war alleine unterwegs gewesen und er gemeinsam mit ein paar Freunden. Zwinkernd hatte ein Freund vor Kurzem noch gemeint, dass das Schicksal wohl auf jeden Fall seine Finger im Spiel gehabt haben müsse.

Julia hatte etwas in ihrer übergroßen Tasche gesucht und ihre Umgebung nicht wahrgenommen und Kai hatte gerade erfahren, dass er sein zweites Staatsexamen zum Gymnasiallehrer bestanden hatte. Nun alberte er mit einigen Kommilitonen herum, alle glücklich darüber, dass sie die zweite Staatsprüfung erfolgreich absolviert hatten. Es war ein wundervoller warmer Tag gewesen. Ausgelassen hatte ein Kumpel ihn in die Seite geknufft – und genau da war es passiert. Er hatte für einen kurzen Moment das Gleichgewicht verloren und war der abgelenkten Julia geradewegs förmlich vor die Füße gestolpert.

Ganz erschrocken hatten die beiden sich angesehen und wohl sofort gespürt, dass dies ein ganz besonderer, magischer Moment war, in den sie nur durch einen glücklichen Zufall geraten waren.

Beide konnten den Blick nicht mehr voneinander lösen. Wie durch einen dichten Nebel hatte Kai seine Freunde gehört, die ihm zuriefen, er solle doch endlich kommen. Aber Kai hatte, ohne den Blick von seinem Gegenüber abzuwenden, gerufen: »Geht ihr doch schon mal vor. Ich weiß ja, wo ich euch finde.«

Diese junge, bezaubernde Frau vor ihm hielt ihn gefangen. Sie sah so schön aus mit ihrem sehr kurz geschnittenen, dunklen Haar, das sie entgegen der Mode trug. So kam ihr hübsches Gesicht mit den riesigen, funkelnden klugen hellbraunen Augen noch mehr zur Geltung. Groß war sie und sehr schlank und das Kleid, das sie trug, war über und über in kräftigen, leuchtenden Rottönen gehalten. Mit einem Wort: Sie war eine sehr auffallende Erscheinung und Kai erzählte es jedem, der es hören wollte, dass er diese Frau vom ersten Augenblick an geradezu abgöttisch geliebt hatte.

Wie lange sie damals dagestanden und sich schweigend angeschaut hatten, konnten beide später nie sagen. Aber irgendwann berührte Kai ganz zart Julias Hand und hatte leise geflüstert: »Sollen wir irgendwo etwas trinken gehen? Hier gleich um die Ecke gibt es ein Café.«

Julias Herz hatte wie wild gepocht bei der sanften Berührung des ihr noch immer unbekannten Mannes. Sie hatte geschluckt und auch ganz leise gewispert: »Oh ja, bitte.« Auch sie hatte diesen kostbaren Moment nicht enden lassen wollen, hatte sie ihm später gestanden. Denn auch Julia hatte schon bei dieser ersten Begegnung diese magische starke Anziehungskraft gespürt, die von dem Unbekannten ausging und der sie sich nicht entziehen konnte und wollte. Auch sie war hingerissen gewesen von dem jungen Mann. Kein Wunder, Kai mit seinen warmen, rot-braunen Haaren und dunkelbraunen Augen war wohl mit Recht als gutaussehend zu bezeichnen. Sein markantes Gesicht war von der Sonne gebräunt und er wirkte so sympathisch.

So waren die beiden bis zu dem Café geschlendert, ihre Schritte hatten sich sofort angeglichen. Immer wieder hatte Kai Julias Blick gesucht. Beide hatten geschwiegen, aber die Stille war nicht peinlich oder störend gewesen, ganz im Gegenteil. Kai hatte instinktiv gewusst, dass es noch so unendlich viel gemeinsame Zeit geben würde, um Fragen zu stellen und Antworten zu bekommen. Aber in diesem Augenblick hatte nur das Zusammensein gezählt.

Jetzt lachte der junge Mann leicht auf. Aber uns beiden schien damals schon klar gewesen zu sein, dass es für immer sein würde, dachte er sinnend.

Und genauso war es auch gekommen. Jetzt waren sie schon über ein Jahr miteinander verheiratet und die Liebe wuchs von Tag zu Tag. Julia war seit dem ersten Kennenlernen die Frau seines Lebens. Und er für sie. Sie waren wirklich Seelenverwandte. Sie waren so glücklich!

Nur manchmal stieg ein seltsames, unruhiges Gefühl in Kai hoch. Im Studium hatten sie darüber gesprochen, dass es nach einem antiken Glauben so war, dass diejenigen, die vom Glück besonders begünstigt sind, den Neid der Götter auf sich ziehen. Dort hieß es: ›Je größer das Glück, desto tiefer das unweigerlich sich anbahnende Unglück‹. Gottlob war das Ganze nur ein sehr alter Aberglaube, sagte Kai sich dann immer und schob diese unangenehmen Gedanken rasch zur Seite.

Aber jetzt zählte nur heute. Er wollte, dass es ein besonders romantischer Abend für sie beide werden würde. Denn wer weiß, überlegte er. Vielleicht ist es das letzte Mal, dass wir diesen Tag alleine für uns haben. Schließlich hatten sie kürzlich überlegt, ob ein Kind ihr Glück nicht noch mehr bereichern würde. Julia hatte sich zwar nicht festgelegt, aber sie hatte so glänzende Augen bekommen und als Kai das bemerkt hatte, war es für ihn klar gewesen.

Beruflich hatten sie beide Fuß gefasst. Er selber hatte eine sichere Arbeitsstelle an einem Gymnasium und Julia war inzwischen seit einigen Jahren als Einkäuferin für ein großes, renommiertes Modehaus tätig. Sie war dort inzwischen hochgeschätzt, verdiente gut und so konnten sie den Traum verwirklichen, ein kleines Häuschen zu kaufen und nach ihren Wünschen umzubauen. Sogar zwei Kinderzimmer waren schon vorhanden. Die nutzte Julia bisher als Hobbyräume. Sie liebte es so, selber Kleidung zu entwerfen und dann auch eigenhändig anzufertigen.

Was würde es wohl werden: ein Junge oder ein Mädchen, spann Kai seine Zukunftsvisionen weiter. Ach egal, dachte der junge Mann dann lächelnd. Ihm war alles willkommen und er war sich sicher, dass Julia genauso dachte.

Und heute Abend, bei einem romantischen Abendessen wollte er gerne mit Julia besprechen, ob jetzt nicht der geeignete Zeitpunkt wäre, den Kinderwunsch in die Tat umzusetzen. Wie er sich freute!

*

Julia saß zur gleichen Zeit mit einigen Kollegen in London in einem kleinen Hotel und ließ sich ihr Frühstück schmecken. Sie hatte zu Joghurt und Obst gegriffen.

»Ich verstehe dich nicht, Julia«, sagte John kopfschüttelnd, ihr niederländischer Kollege, der sie schon seit längerer Zeit kannte. »Warum hältst du dich heute so beim Essen zurück?« Er lachte. »So kenne ich dich gar nicht. So ein großes, üppiges Angebot. Wirst du etwa krank?« Er schaute sie aufmerksam an. »Normalerweise verdrückst du doch mindestens genauso viel wie ich.«

»Nein, John, ich werde nicht krank und wenn ich ehrlich bin, würde ich auch gerne kräftig zugreifen. Aber«, die junge Frau schüttelte verneinend mit dem Kopf. »Ich bin mir recht sicher, dass ich heute Abend von meinem Mann in ein gutes Restaurant ausgeführt werde. Da muss ich mich jetzt ein wenig zurückhalten.«

John und die anderen sahen sie neugierig an. »Hey, was gibts denn bei euch zu feiern? Erzähl doch mal«, fragte John erwartungsvoll.

»Wir haben heute den Tag, an dem wir uns vor sieben Jahren kennengelernt haben und Kai gibt sich jedes Mal die größte Mühe, mich an dem Tag zu verwöhnen.« Sie sah lächelnd in die Runde und ihr hübsches Gesicht strahlte.

Eine Kollegin machte große Augen. »Oh, wie schön«, sagte sie verträumt. »Ich wünschte mir, mein Freund wäre da so wie dein Freund. Ich wäre begeistert. Bei uns ist es so, dass er den Tag inzwischen komplett vergisst. Dabei sind wir erst seit drei Jahren zusammen. Ich bin diejenige, die sich immer eine kleine Überraschung überlegt.« Sie verzog traurig die Mundwinkel. »Beim letzten Mal habe ich ein superschönes Frühstück für uns zubereitet. Mit allem, was das Herz begehrt. Aber er hat es überhaupt nicht geschätzt. Er fragte mich sogar ganz erstaunt, warum ich so einen Aufwand für ein Frühstück betreiben würde.« Sie seufzte enttäuscht auf. »Und als ich ihm den Grund nannte, hat er nur gelacht und herablassend gemeint: ›Schätzchen, du bist aber wirklich sehr rührselig. Das muss man nach drei Jahren doch wirklich nicht mehr zelebrieren!‹« Sie sah Julia an. »Du bist ein Glückskind, Julia. Ich beneide dich!«

Julia nahm einen Schluck ihres heiß geliebten Kaffees, den sie unbedingt für einen guten Start in den Tag benötigte. Sie erwiderte mitfühlend: »Ach wie schade für dich.« Dann schaute sie die Kollegin aufmunternd an. »Aber Hauptsache ist doch, dass man sich liebt und dass man weiß, was man an dem anderen hat. Und das ist doch bei euch gegeben. Dein Freund ist eben kein romantischer Typ. Sicher eher der harte Kerl. Aber doch bestimmt mit einem butterweichen Kern, stimmt das?«

Die Kollegin nickte und sah nicht mehr ganz so traurig aus.

John warf Julia einen kurzen Seitenblick zu. Wie lieb von ihr, die Kollegin zu trösten. Er selber wusste genau, dass Julia noch viel mehr hätte erwähnen können, wie perfekt ihre Beziehung war. Kai ließ es sich beispielsweise nie nehmen, seiner Julia eine heiße, duftende Tasse ihres geliebten Kaffees ans Bett zu bringen. Er war es selbstverständlich auch, der das Frühstück für sie beide zubereitete. Julia hatte das vor einiger Zeit zufällig erwähnt. Sie machte keine große Sache daraus. Aber auf Johns verdutzte Nachfragen hin hatte sie deutlich gemacht, wie viel ihr diese liebevollen Gesten ihres Mannes bedeuteten und sie hatte John glaubhaft versichert, dass sie glücklich und dankbar war, so einen Mann an ihrer Seite zu haben.

Julia erhob sich jetzt vom Tisch. »So, meine Lieben, ich muss los. Mein Flieger geht in zwei Stunden und den will ich keinesfalls verpassen, wie ihr euch denken könnt. Wir sehen uns in ein paar Wochen wieder, hoffe ich. Euch allen eine gute Zeit bis dahin.« Dann umarmte sie John herzlich und meinte: »Bitte rufe mich an, um mir zu erzählen, wie deine Einkäufe in deiner Firma in Amsterdam ankommen. Ich bin schon sehr gespannt, ob wir wieder einmal den Geschmack unserer Kunden getroffen haben.«

Sie ließ sich ein Taxi rufen. Der Verkehr in der Londoner Innenstadt war nicht zu unterschätzen. Trotzdem genoss Julia die Fahrt durch die vollen Straßen. Sie liebte es so sehr, dem bunten, quirligen Treiben auf den Straßen zuzuschauen. Und manchmal schüttelte sie erstaunt den Kopf über das, wie manche Leute sich hier kleideten. Sehr schrill und bunt ging es zu. Es war wirklich immer eine Inspiration für die junge Frau.

Gerade noch rechtzeitig erreichte sie das Terminal. Während des Eincheckens war sie konzentriert bei der Sache und erst, als sie endlich im Flugzeug nach München saß, konnte sie ein wenig entspannen. Sie freute sich sehr darauf, Kai wiederzusehen. Schließlich waren sie eine Woche getrennt gewesen. Aber das gehörte nun einmal zu ihrem Job und sie wollte und konnte sich keine andere Arbeit vorstellen. Sie liebte es, sich mit Mode zu beschäftigen, wurde der großen Verantwortung, die sie inzwischen trug, nie überdrüssig. Julia fühlte sich sehr wertgeschätzt dadurch, dass dieses große Modehaus ihr inzwischen ein beträchtliches Budget für Einkäufe zur Verfügung stellte und sie alleine entscheiden durfte, welche Kleidung es tatsächlich in den Verkauf schaffte. Ihr Chef, Herr Wiederlers, hatte gemeint:

»Liebe Frau Dohmen, wir sind so überzeugt von Ihrer Arbeit, dass wir es Ihnen in Zukunft überlassen werden, was Sie einkaufen. Sie haben das große Talent, genau das auszusuchen, was unserer Kundschaft gefällt.« Wohlwollend hatte er ihr zugenickt. »Sie beherrschen es einfach: Für die ältere Kundschaft passt es, aber auch die ganz jungen Leute reißen uns das, was Sie bei den Designern aussuchen, förmlich aus den Händen. Sie haben eine großartige Zukunft vor sich. Machen Sie weiter so!« Julia war bei dem Lob vor wenigen Wochen regelrecht errötet und sie war überglücklich über das Vertrauen.

Wohlig streckte sie die ineinander verschränkten Hände aus. Alles lief so perfekt, genauso hatte sie es sich immer erhofft. Schon als kleines Mädchen war es eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen gewesen, ihre Puppen immer neu anzuziehen. Und nicht weniger Freude machte es ihr, schöne neue Kleider für sie zu entwerfen. Stundenlang konnte sie sich damit beschäftigen, langweilig wurde es ihr nie. Und dann das Glück zu haben, dies zu ihrem Beruf zu machen, bedeutete ihr sehr viel. Alles, dachte sie und erschrak dann vor ihrem Gedanken. Denn an erster Stelle stand natürlich ihr Kai, den sie über alles liebte. Kai war schon das Beste, was ihr passieren konnte.

Aber auch ihr Beruf bedeutete ihr so viel! Kai wusste das und akzeptierte das vollkommen. Er würde sicherlich auch verstehen, dass sie jetzt einfach kein Kind bekommen konnte. Es war einfach viel zu früh, war einfach der falsche Zeitpunkt. In ein paar Jahren würde sie gewiss die Kinder bekommen, die sie sich als Paar wünschten. Aber jetzt – sie war noch so jung und stand gerade erst am Anfang ihrer beruflichen Karriere. Und das alles für ein Kind aufzugeben, hinzuschmeißen, das wäre auch dem Kind gegenüber nicht fair. Was wäre, wenn sie ihre Entscheidung später bereute und es an dem Kind auslasen würde? Nein, so eine Mutter wollte sie nicht sein! Kai würde das genauso sehen wie sie, da war sie sich sicher! Obwohl, das letzte Gespräch, das sie darüber geführt hatten, hm … Kai hatte anders geklungen. Für ihn schien es sehr wichtig zu sein, so bald wie möglich Vater zu werden. Sie hatte bei diesem Gespräch nichts dazu gesagt, hatte zunächst sicher sein wollen, wie sie selber das sah – aber jetzt war ihre Entscheidung gefallen. Ihr Kai würde das sicher verstehen – er verstand sie doch immer.

Beruhigt griff sie nach ihren Unterlagen und beschäftigte sich mit den neuesten Modellen. Eines davon gefiel ihr besonders gut und sie wollte es auch für sich selber kaufen. Sie war sich jetzt schon sicher, dass dieses Modell für sie wie gemacht war. Es war in einem herrlichen kühlen Blau gehalten und sie wusste, dass es hervorragend mit ihrem blassen Teint und den dunklen Haaren harmonieren würde.

*

Auch Franca Mancini, Gynäkologin an der Behnisch-Klinik, besuchte gemeinsam mit Tom Berger, ihrem Lebensgefährten, den Wochenmarkt. Tom war ebenfalls Arzt. Er besaß eine eigene, sehr gut besuchte internistische Praxis.

Franca und er hatten sich mit dem Ehepaar Norden verabredet, um ein wenig von ihrer stets knapp bemessenen Freizeit miteinander zu verbringen.

Franca Mancini hatte ihrer Chefin, Dr. Felizitas Norden, Ehefrau von Dr. Daniel Norden, von dem kleinen, beschaulichen Wochenmarkt vorgeschwärmt und Felizitas hatte vorgeschlagen, sich dort einmal zu einem gemütlichen Bummel zu treffen.

»Liebe Franca, ich hätte große Freude daran, mit Ihnen und Ihrem Freund dort ein wenig die Seele baumeln zu lassen. Überhaupt hat mein Mann bisher Ihren Lebensgefährten Tom noch nicht kennengelernt. Ich bin unbedingt der Meinung, das sollten wir schleunigst nachholen. Er wird ihm gefallen, da bin ich mir sicher.«