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Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Missmutig, die hübsche Stirn von tiefen Sorgenfalten gezeichnet, stieß die Medizinstudentin Lilly Sommer die Tür zu ihrer kleinen Dachgeschosswohnung auf. Was bin ich denn nur für eine Niete, dachte sie wütend und schleuderte sich ihre hübschen gepunkteten Ballerinas mit der kleinen Schleife an der Spitze von den Füßen. Dann trat sie die unschuldigen Schuhe in die Ecke, aber auch das half nicht, ihre schlechte Stimmung zu verbessern. Ihr blöden Dinger, ihr habt mich so viel Geld gekostet und geholfen habt ihr mir nichts. Sie grunzte wütend auf und warf den Schuhen böse Blicke zu. Selbst schuld, sie hatten komplett versagt. Schließlich hatte Lilly sie als Glücksbringer für ihr Physikum gekauft. Das Physikum war eine äußerst wichtige Hürde in ihrem Leben, die es zu bestehen galt. Ohne erfolgreiches Physikum konnte sie nicht weiter Medizin studieren. Die erste Prüfung vor einem halben Jahr hatte sie nicht bestanden. Ganz knapp nur war sie damals durchgefallen. Und heute war sie erneut an dieser schwierigen Prüfung gescheitert. Heute war der erste Tag ihres zweiten Versuches gewesen. Der erste schriftliche Prüfungstag. Schon nach recht kurzer Zeit war ihr klar geworden, dass sie wieder versagen würde. Schuld daran war die Orthopädie – oder vielmehr ihr fehlendes Wissen darüber. Dabei hatte sie wochenlang nichts anderes getan, als zu lernen, alles zu büffeln, was in ihren Kopf hineinpasste. Außer orthopädischen Themen, die hatte sie ausgespart, hatte darauf gesetzt, dass das Thema nicht vorkommen würde. Und das war echt dumm gelaufen. Denn ein großer Teil der zu beantworteten Fragen war exakt aus dem orthopädischen Bereich gekommen.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Missmutig, die hübsche Stirn von tiefen Sorgenfalten gezeichnet, stieß die Medizinstudentin Lilly Sommer die Tür zu ihrer kleinen Dachgeschosswohnung auf. Was bin ich denn nur für eine Niete, dachte sie wütend und schleuderte sich ihre hübschen gepunkteten Ballerinas mit der kleinen Schleife an der Spitze von den Füßen. Dann trat sie die unschuldigen Schuhe in die Ecke, aber auch das half nicht, ihre schlechte Stimmung zu verbessern. Ihr blöden Dinger, ihr habt mich so viel Geld gekostet und geholfen habt ihr mir nichts. Sie grunzte wütend auf und warf den Schuhen böse Blicke zu. Selbst schuld, sie hatten komplett versagt. Schließlich hatte Lilly sie als Glücksbringer für ihr Physikum gekauft. Das Physikum war eine äußerst wichtige Hürde in ihrem Leben, die es zu bestehen galt. Ohne erfolgreiches Physikum konnte sie nicht weiter Medizin studieren. Die erste Prüfung vor einem halben Jahr hatte sie nicht bestanden. Ganz knapp nur war sie damals durchgefallen. Und heute war sie erneut an dieser schwierigen Prüfung gescheitert. Heute war der erste Tag ihres zweiten Versuches gewesen. Der erste schriftliche Prüfungstag. Schon nach recht kurzer Zeit war ihr klar geworden, dass sie wieder versagen würde. Schuld daran war die Orthopädie – oder vielmehr ihr fehlendes Wissen darüber. Dabei hatte sie wochenlang nichts anderes getan, als zu lernen, alles zu büffeln, was in ihren Kopf hineinpasste. Außer orthopädischen Themen, die hatte sie ausgespart, hatte darauf gesetzt, dass das Thema nicht vorkommen würde. Und das war echt dumm gelaufen. Denn ein großer Teil der zu beantworteten Fragen war exakt aus dem orthopädischen Bereich gekommen. Jetzt war es passiert. Das verhasste Fachgebiet war ihr zum Verhängnis geworden.
Lilly warf sich der Länge nach auf ihr Bett und starrte zur Decke. Wen interessiert es schon, wie sich Muskelfasern der Skelett- und der Herzmuskulatur unterscheiden, dachte sie gereizt. Ich will doch unter keinen Umständen Orthopädin werden. Unter gar keinen Umständen! Sie schüttelte sich vor Widerwillen. Nein, Lilly wollte unbedingt Gynäkologin werden. Sie wollte werdende Mütter begleiten und dabei helfen, süße Babys gesund zur Welt zu bringen.
Orthopäden hingegen konnte sie einfach nicht ausstehen. Die waren ihr ein Gräuel! Die erzählten einem doch nur die ganze Zeit, wie viel Sport am Tag man machen solle.
René Hansen, ihr Studienfreund, war genau so einer. Sie mochte ihn, wenn er nicht gerade betonte, wie überaus wichtig sein ausgesprochenes Lieblingsfach war. Er wohnte zwei Häuser weiter und wenn sie mit dem Rad zur Uni unterwegs war, kam René oft von hinten angefahren und rief sehr streng schon von Weitem: »Lilly, du hängst wieder wie ein Klammeraffe auf deinem Rad. Denk daran, dich gerade zu halten. Sollen wir nachher noch eine Runde zusammen joggen gehen?«
Lilly schnaubte in der Regel genervt auf und gab wortkarg zur Antwort: »Nein, danke, ich habe nachher keine Lust, zwei Stunden hinter dir herzujagen.«
Sie hatte da böse Erfahrungen gemacht. Zu Beginn ihrer Bekanntschaft hatte sie Renés Angebot einige Male angenommen. Schließlich tat es richtig gut, sich nach einem anstrengenden Tag in der Uni zu bewegen. Aber René gehörte zu der Sorte Läufer, die mit ihrem gestählten Körper und den durchtrainierten Muskeln so schnell liefen, dass nicht so gestählte Menschen das Nachsehen hatten. Sie wusste es genau: dreimal war sie hinter ihrem Kommilitonen hinterher gelaufen, ohne die geringste Chance, ihn einzuholen. René hatte sie am Ende der Laufstrecke mit mitleidig verzogenem Gesicht erwartet und selbstgefällig gemeint: »Du, an deiner Ausdauer und Schnelligkeit müssen wir unbedingt noch arbeiten. Lass mich nur mal machen. Ich bekomme dich schon fit.«
Beim letzten gemeinsamen Lauf hatte die arme Lilly dann mit hochrotem Kopf und nach Luft schnappend stöhnend abgewinkt. »Such dir jemand anderen, ich bin raus«, hatte sie keuchend erklärt.
Und ausgerechnet heute musste so viel orthopädisches Wissen von ihr verlangt werden. Keine einzige Frage dazu hatte sie vermutlich richtig beantwortet - es sei denn, sie hatte mit Glück an der einen oder anderen Stelle richtig geraten. Eines stand fest, den morgigen zweiten schriftlichen Teil des Physikums brauchte sie überhaupt nicht mehr in Angriff nehmen. Und auch die zur Prüfung gehörende mündliche Prüfung in wenigen Wochen würde sie nicht mehr retten können.
Lilly sprang nervös von ihrem Bett herunter. Sie griff nach ihrem Handy und wählte ihren Freund Ferdinand an. Er musste sie jetzt dringend trösten, musste ihr sagen, dass das alles doch gar keine Rolle spielte. Er sie genauso liebte, wie sie war. Aber Ferdinand ging mal wieder nicht ans Telefon. Immer, wenn ich dich brauche, erreiche ich dich nicht, murrte sie noch mehr frustriert und sehr traurig. Dabei weiß er doch nur zu genau, welcher Tag heute ist. Enttäuscht warf sie das Handy auf das kleine Sofa und beschloss dann, ins Bad zu gehen. So eine schöne heiße Dusche wird mir hoffentlich dabei helfen, den ganzen Stress abzuwaschen, dachte sie und spürte, wie verspannt ihr ganzer Rücken war. Oh nein, nicht schon wieder über orthopädische Themen nachdenken, beschloss sie.
Rasch entledigte sie sich ihrer Kleidung und stellte sich unter das warme Wasser. Ah, wie gut das tat! Sie schloss die Augen und stellte sich vor, wie der ganze Druck von ihr abgespült wurde, hinein in den Abfluss, da wo er hingehörte und ihr nicht mehr schaden konnte. Nach wenigen Minuten schon fühlte sie sich viel besser. Rasch schäumte sie sich ihr lockiges kupferrotes Haar noch einmal ein – obwohl sie es schon am frühen Morgen gewaschen hatte. Aber sie hoffte, dass der herrlich duftende Schaum ihre restlichen trüben Gedanken wegschwemmen würde.
Gerade, als sie aus der Dusche kam, hörte sie den Klingelton ihres Handys. Ferdinand endlich, dachte sie erleichtert. Rasch wickelte sie sich in ein Handtuch, band einen Turban um ihr nasses Haar und lief auf bloßen Füßen ins Zimmer, um ihren Freund zurückzurufen. Es wird mir guttun, Ferdinand alles erzählen zu können, dachte sie glücklich.
Aber zu ihrer großen Enttäuschung war es nicht Ferdinand, der sie angerufen hatte. Auf dem Display sah sie eine ihre unbekannte Nummer. Ratlos zuckte sie mit den Schultern und entschied sich dann, die Nummer zurückzurufen.
Alex Nordens angenehme Stimme drang an ihr Ohr. »Lilly, wie ist es gelaufen? Du musst mir alles genauestens erzählen. Genauestens! Du weißt, dass das alles auch noch mir bevorsteht.«
Alex war der Neffe des großartigen Dr. Daniel Norden, der Chefarzt der bekannten und beliebten Behnisch-Klinik, die weit über die Grenzen von München hinaus bekannt war. Der junge Mann studierte auch Medizin, arbeitete aber in seiner freien Zeit recht häufig in der Klinik und war dort inzwischen schon unverzichtbar geworden.
Lilly schluchzte auf. »Ach Alex, frag lieber nicht. Verbockt habe ich es und das schon zum zweiten Mal. Diese blöde Orthopädie ist schuld daran, dass ich wieder durchfalle. Orthopädie«, betonte sie noch einmal das Wort mit aller Verachtung, die sie aufbringen konnte. »Wer braucht das denn schon?«
»Ach, Lilly«, Alex versuchte sie zu trösten, »du siehst das Ganze bestimmt zu schwarz. Morgen geht die Prüfung doch weiter. Da hast du noch einmal vier Stunden Zeit, um dein Wissen unter Beweis zu stellen«, sagte er und versuchte, zuversichtlich zu klingen. Aber auch er wusste, dass das Nicht-Beantworten großer Themengebiete bedeutete, dass man durchfiel. Alex überlegte kurz und fügte dann hinzu: »Wenn du Zeit hast, komm doch zu mir in die Klinik. Wir könnten uns in die Cafeteria setzen und du erzählst mir alles haargenau. Was hältst du davon?«
Lilly schluckte. »Ach, Alex, das wäre wirklich schön. Ferdinand meldet sich nicht. Wie immer, wenn ich ihn gerne an meiner Seite bräuchte«, erwiderte Lilly nachdenklich und verletzt. Sie schniefte traurig auf. »Ich komme gerne bei dir vorbei. Vielleicht hilft mir das, mich von den trüben Gedanken abzulenken. Ich mache mich fertig und bin gleich schon bei dir. Von meiner Wohnung aus ist es ja nur ein Katzensprung bis zur Klinik.«
»Gut, Lilly, ich stehe unten am Eingang und nehme dich in Empfang, damit du in dem großen Haus nicht noch herumirren musst, bis du mich findest. Ich denke, für heute hast du mehr als genug Stress gehabt«, sagte Alex liebevoll. »Sagen wir in einer halben Stunde? Schaffst du das?«
»Natürlich schaffe ich das. Ich freue mich, dich sehen zu können. Bis gleich!« Lilly legte auf, ging zum Kleiderschrank und zog wahllos ihrer bunten Kleider aus ihrem Schrank. Die Haare können an der Luft trocknen, dachte sie und fuhr schnell mit einem großen Kamm durch ihre Lockenmähne. Sie hatte keine Lust und auch keine Energie mehr, sich zu schminken. Lediglich Lippenstift trug sie auf, ohne den fühlte sie sich einfach unwohl. Wie gut, dass ich mich nicht mit Ferdinand treffe, dachte sie jetzt erleichtert. Ferdinand wäre verschnupft, wenn ich mich so wenig zurechtgemacht mit ihm treffen würde, dachte sie kurz und der Gedanke erheiterte sie erstaunlicherweise. Ihr Freund war einfach etwas … hm, wie sollte man es bezeichnen? Er war wohl ein wenig steif, achtete immer sehr auf die Etikette. Viel zu sehr, flüsterte eine kleine Stimme in ihrem Kopf. Er kann ja niemals fünfe gerade sein lassen. Alles musste perfekt sein.
Hey, rief Lilly sich selber zur Ordnung. Sei nicht so ungerecht mit Ferdinand. Er war eben so und genauso liebte sie ihn schließlich. Aber warum lässt er mich heute so im Stich, ausgerechnet heute, dachte sie unzufrieden und traurig. Schließlich will man den Menschen, den man liebt, doch in solchen Situationen um sich haben. Damit er einen aufbauen konnte, Mut machte, da, wo gerade einem selber die Zuversicht fehlte.
Aber als wenig später auf ihrem Fahrrad saß, fühlte sie sich gleich etwas besser. Alex war wirklich ein großartiger Freund und er und seine Freundin Sina waren Leute so ganz nach ihrem Herzen. Kurze Zeit später schon erreichte sie die Behnisch-Klinik und dann sah sie auch schon Alex, der ihr heftig zuwinkte. Voller Elan ging sie in die Kurve und - wäre fast mit einem anderen Radfahrer zusammengestoßen.
Das hätte mir gerade noch gefehlt, dachte Lilly erschrocken. Mit einem Satz war sie vom Rad. Ihre hellbraunen Augen sprühten Feuer. Zornig fuhr den Radfahrer sehr ungehalten an: »Meine Güte, können Sie denn nicht aufpassen, Sie ungehobelter Rowdy!«
Der Radfahrer sah sie einen Moment ungläubig an. Aber dann lachte er einfach laut los. Er war auch vom Rad gesprungen und hörte den Schimpftiraden der zierlichen und sehr hübschen jungen Frau lachend zu.
Lilly wurde immer wütender. Was sollte das? Nahm er sie etwa nicht ernst? Dem würde sie es zeigen! »Was ist daran so lustig?«, rief sie empört aus. Dieses freche Lachen brachte sie zur Weißglut! Und dann noch diese Reihe von blendend weißen Zähnen, die ihr entgegenblitzten.
Jetzt nahm der junge Mann seine dunkle Sonnenbrille ab und lachte schon wieder. »Also Ihnen möchte man aber auch nicht begegnen, wenn Sie schlechte Laune haben«, fuhr er amüsiert fort. »Welche Laus ist Ihnen denn über die Leber gelaufen? Man sagt zwar, dass Rothaarige besonders temperamentvoll sind, aber …«
Lilly hörte kaum, was der junge Mann sagte. Die Augen ihres Gegenübers zogen sie dermaßen in ihren Bann, dass sie kaum ein Wort mitbekam. Sie hatten doch tatsächlich die Farbe von einem Espresso. Leuchtend, dunkel und so warm, dass man sich in ihnen verlieren konnte. Sie bemerkte, dass ihr Herz stolperte und ihre Wangen sich röteten. Erschrocken rief sie sich zur Ordnung. Und wenn der Mann noch so sympathisch wirkte, sie war doch total sauer auf ihn. Sie räusperte sich ziemlich verlegen.
»Aber ich kann Ihnen nicht böse sein, junge Frau. Darf ich sie als Wiedergutmachung für den Schreck auf einen Kaffee einladen? Auch wenn Sie die Schuldige sind«, setzte der Unbekannte hinzu und lächelte weich. »Ich will alles dafür tun, dass es einer so hübschen Frau wie Ihnen so schnell wie möglich wieder besser geht.«
Lillys Herz stolperte weiter in ihrem Brustkorb und das Rot auf ihren Wangen vertiefte sich. Was war denn nur los mit ihr? Sie schüttelte verwirrt den Kopf, um ihn freizubekommen, griff das Rad fester und versuchte, demonstrativ größtmögliche Verachtung für ihr Gegenüber aufzubringen. Flirtete der Kerl etwa mit ihr oder machte er sich lustig? Egal, was immer es war, sie wollte das Gespräch jetzt sofort beenden. Mit hoch erhobenem Kopf lenkte sie ihr Rad an ihm vorbei und beeilte sich, zu Alex zu kommen, der das Ganze interessiert beobachtete. Während sie zu Alex Norden herüberlief, konnte sie die Blicke dieses Rowdys in ihrem Rücken spüren. Sie hob ihren Kopf noch höher und stapfte entrüstet weiter. Was bildete sich der Typ denn nur ein? Sie war heilfroh, als sie bei Alex ankam.
Tief einatmend stellte sie ihr Rad ab und meinte: »Ich bin so froh, dich zu sehen.«
Alex nahm sie mitfühlend in den Arm. Das war doch sicher das, was sie im Moment am nötigsten brauchte. »Jetzt komm zunächst einmal mit mir in die Cafeteria. Ich bin sicher, du bist bisher nicht dazu gekommen, etwas Gescheites zu essen. Ich lade dich ein.«
Lilly war ganz gerührt. Sie streichelte kurz über den Arm des Freundes. »Du bist wie ein Bruder für mich, Alex. Und du hast recht. Heute Morgen war ich so aufgeregt, dass ich nichts herunterbekommen habe. Und danach … du kannst dir denken, dass mir der Sinn nicht nach Essen stand. Aber jetzt langsam merke ich, dass ich Hunger bekomme.«
Alex lachte und zog sie mit sich. »Dann komm, Helge Karberg, der Leiter unserer Cafeteria, hat sicher etwas im Angebot, was dir schmecken wird.«
Lilly folgte ihm nur zu gerne und war überrascht, welch wohltuende Atmosphäre die Besucher sofort umfing, kaum, dass man die Klinik betreten hatte.
Als die beiden Platz genommen und gewählt hatten, sah Alex seine Studienfreundin ernst an. »So, und jetzt erzähl doch mal, was schief gelaufen ist«, bat er Lilly. »Du hast doch so viel gepaukt, was ist denn da passiert?«
»Die blöde Orthopädie hat mir alles kaputt gemacht. Ich konnte keine einzige Frage dieses Themengebietes beantworten. Du weißt selber, dass ich das nicht mehr aufholen kann, selbst, wenn ich alle anderen Fragen zu anderen Fachgebieten richtig beantwortet hätte. Nein, das ist gegessen«, stellte sie traurig fest. »Du ahnst gar nicht, wie sehr ich dieses blöde Fachgebiet hasse, Alex. Wen interessiert das schon, wo sämtliche Muskeln und Knochen sitzen. Es gibt doch so viel wichtigere Themen«, brach es zornig aus ihr heraus.
Alex lachte leicht auf. Er kannte Lillys impulsives Temperament. »Und wenn du die Orthopädie so hasst, warum unterhältst du dich dann so intensiv mit Hannes Josten? Er ist doch ein begeisterter Orthopäde und ein begnadeter dazu.«
Lilly sah den Studienfreund verwirrt an. »Ich kenne keinen Orthopäden dieses Namens«, sagte sie und schüttelte den Kopf. »Aber das Essen ist wirklich hervorragend. Mir geht es schon deutlich besser«, setzte sie dankbar hinzu.
Alex lachte. »Lilly, der Mann, mit dem du dich vorhin auf dem Parkplatz unterhalten hast, ist Dr. Hannes Josten. Er ist Oberarzt der Orthopädie und ist für einige Zeit bei uns, um unsere orthopädische Station genauestens kennenzulernen. Hannes übernimmt in einigen Wochen eine Praxis unweit von München und will im Interesse seiner Patienten hier alles genauestens kennenlernen.«
