Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Marina starrte mit ihren ausdrucksstarken großen grauen Augen – die seltsam leer blickten - zur Decke. Die aparte, zarte Frau wirkte sehr blass und zerbrechlich. Sie war gerade erst wach geworden von ihrer Operation an der Gebärmutter, einer Hysterektomie, wie Frau Dr. Mancini es nannte. Die junge Gynäkologin hatte ihr ausführlich erklärt, dass diese Operation wohl unumgänglich sei bei ihren Beschwerden. Die Frauenärztin hatte ein recht großes Myom an der Gebärmutter festgestellt. Es hatte bei der jungen Frau dazu geführt, dass sie an einer Anämie erkrankt war. Dieser Mangel an roten Blutkörperchen schwächte die zierliche Patientin sehr und heftige krampfartige Schmerzen im Unterleib trugen noch mehr zu dem Gefühl der Abgeschlagenheit und Erschöpfung bei. Und diese Schmerzen waren ihrer Chefin Frau Waldenrath wohl irgendwann aufgefallen, Sie hatte daraufhin die zuverlässige, aber überaus zurückhaltende Angestellte gebeten, sich doch einmal in ärztliche Behandlung zu begeben. »Am besten gehen sie gleich in die Behnisch-Klinik, sie genießt einen hervorragenden Ruf«, hatte sie sehr bestimmt gemeint. »Sie wissen, dass ich Sie als Arbeitnehmerin schätze, aber ich brauche Verlässlichkeit. Und das bedeutet, dass Sie sich ganz einbringen können.« Marina hatte zögerlich genickt und fast widerwillig einen Arzttermin gemacht. Es passte ihr so gar nicht, dass die eigentlich freundliche Chefin Bemerkungen über ihre Gesundheit machte. Ihr war sehr daran gelegen, alles, was sie persönlich betraf, vor anderen Menschen zu verbergen. Sie wollte keine neugierigen Fragen, schlimmer noch, mitleidige Kommentare. Dies wäre ihr viel zu nahe gegangen. Sie wusste, dass sie sehr darauf achten musste, dass ihr niemand zu nahetrat. Sie hatte einen festen undurchdringlichen Kokon um sich gewoben, in den niemand eindringen konnte.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2024
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Marina starrte mit ihren ausdrucksstarken großen grauen Augen – die seltsam leer blickten - zur Decke. Die aparte, zarte Frau wirkte sehr blass und zerbrechlich. Sie war gerade erst wach geworden von ihrer Operation an der Gebärmutter, einer Hysterektomie, wie Frau Dr. Mancini es nannte. Die junge Gynäkologin hatte ihr ausführlich erklärt, dass diese Operation wohl unumgänglich sei bei ihren Beschwerden. Die Frauenärztin hatte ein recht großes Myom an der Gebärmutter festgestellt. Es hatte bei der jungen Frau dazu geführt, dass sie an einer Anämie erkrankt war. Dieser Mangel an roten Blutkörperchen schwächte die zierliche Patientin sehr und heftige krampfartige Schmerzen im Unterleib trugen noch mehr zu dem Gefühl der Abgeschlagenheit und Erschöpfung bei.
Und diese Schmerzen waren ihrer Chefin Frau Waldenrath wohl irgendwann aufgefallen, Sie hatte daraufhin die zuverlässige, aber überaus zurückhaltende Angestellte gebeten, sich doch einmal in ärztliche Behandlung zu begeben. »Am besten gehen sie gleich in die Behnisch-Klinik, sie genießt einen hervorragenden Ruf«, hatte sie sehr bestimmt gemeint. »Sie wissen, dass ich Sie als Arbeitnehmerin schätze, aber ich brauche Verlässlichkeit. Und das bedeutet, dass Sie sich ganz einbringen können.«
Marina hatte zögerlich genickt und fast widerwillig einen Arzttermin gemacht. Es passte ihr so gar nicht, dass die eigentlich freundliche Chefin Bemerkungen über ihre Gesundheit machte. Ihr war sehr daran gelegen, alles, was sie persönlich betraf, vor anderen Menschen zu verbergen. Sie wollte keine neugierigen Fragen, schlimmer noch, mitleidige Kommentare. Dies wäre ihr viel zu nahe gegangen. Sie wusste, dass sie sehr darauf achten musste, dass ihr niemand zu nahetrat. Sie hatte einen festen undurchdringlichen Kokon um sich gewoben, in den niemand eindringen konnte.
Dabei war sie früher so anders gewesen, früher in ihrem anderen Leben. Ein offener, fröhlicher Mensch war sie gewesen. Eine glückliche Mutter und Ehefrau. Lebenslustig und voller Tatendrang. Wie hatte sie es geliebt, mit der Familie und Freunden Dinge zu unternehmen.
Aber … seit jenem verhängnisvollen Tag, als sich alles schlagartig verändert hatte, war nichts mehr wie sonst. Vor fast genau drei Jahren war ihre Familie ausradiert worden. Einfach so, als zähle sie gar nicht. Als hätte es sie nie gegeben. Seitdem stand die Welt für Marina still, nur alles und alle um sie herum lebten weiter, als sei nichts passiert. Aber für sie waren ihr Mann Jens und die beiden gemeinsamen Kinder Markus und Luisa ihr ein und alles gewesen, ihr größtes Glück auf Erden! Bis das Schicksal grausam und unerbittlich zugeschlagen hatte.
Jens und die beiden Kinder hatten eine Bootsfahrt unternommen. Die ganze Familie war schon seit ein paar Tagen auf der spanischen Insel und alles schien wunderbar, besser, als man es sich erträumen konnte. Auch der entscheidende Tag hatte wundervoll angefangen. Nach einem ausgiebigen Frühstück, angefüllt mit Lachen und kleinen Neckereien, waren ihr Mann und die Kinder aufgebrochen zu einer spannenden Bootsfahrt. Markus, ihr Sohn, hatte kopfschüttelnd gemeint: »Mami, wie kannst du dir so ein tolles Abenteuer nur entgehen lassen?«
»Ach ja, Mami, komm doch mit«, hatte Luisa sich an sie geschmiegt und hinzugefügt: »Nachher wird es dir noch leidtun, dass du uns nicht begleitet hast.« Wie sollte sie, mit gerade einmal neun Jahren, auch ahnen können, dass genau das passieren würde. Dass die verzweifelte, alleine zurückgebliebene Marina es sich niemals verzeihen konnte, ihre Familie alleine sterben zu lassen. Ohne sie!
Jens hatte sie damals voller Liebe umarmt und ihr leise ins Ohr geraunt: »Ich verspreche dir, dass ich dich für dein Warten entschädigen werde, wenn wir wieder zurück sind.« Dann hatte er sie leidenschaftlich geküsst. Das waren seine letzten Worte gewesen, die sie von ihm gehört hatte. Sein Versprechen hatte er zum ersten Mal nicht halten können. Es hatte nicht in seiner Macht gelegen.
Von ihrem Liegestuhl aus hatte Marina alles genau mitbekommen. Gerade noch hatten die drei ihr von Weitem lachend und jubelnd gewunken und dann … dann war ein Motorboot mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf das kleine hölzerne Boot zugerast und hatte es einfach übersehen. Ihr Mann und ihre Kinder waren einfach übersehen worden! Noch immer klangen die Worte des jungen Mannes, der am Steuer gesessen hatte, in ihrem Ohr. Der Unglücksfahrer war alkoholisiert gewesen. Er hatte seiner neuen Freundin wohl beweisen wollen, was für ein toller Kerl er doch war.
Marina sah den Zusammenprall und musste hilflos vom Ufer aus zuschauen, wie das Boot mit ihren Liebsten im Meer versank. Voller Entsetzen und schreiend war sie aufgesprungen und wollte sich ins Meer stürzen, wollte zu ihrer Familie. Aber andere Menschen, die das Unglück auch mitbekommen hatten, hatten sie mit aller Kraft zurückgehalten. Ihnen war schnell klar geworden, dass die junge Frau den Tod ihrer Angehörigen mit ansehen musste. Marina hatte nur noch geschrien. Immer wieder die Namen ihrer Liebsten, bis sie irgendwann gnädig die Besinnung verlor.
Einige Zeit später war sie in einem spanischen Krankenhaus aufgewacht. Sie war Übersetzerin und verstand, was die betroffenen Ärzte versuchten, ihr in fremder Sprache schonend beizubringen. Sie wusste es doch schon; keiner musste es sagen: Alle drei waren bei dem Unglück ertrunken.
Marina selbst war damals auch innerlich gestorben. Sie hatte das hübsche Einfamilienhaus am Rande von München, in dem sie so lange als Familie glücklich gelebt hatten, an den ersten verkauft, der es haben wollte. Zu einem viel zu niedrigen Preis, wie sie wusste. Aber das alles zählte nicht mehr für sie. Sie wollte den Rest des Lebens, das sie ab jetzt alleine durchstehen musste, nicht mehr da leben, wo ihre Liebsten nicht mehr sein konnten. Das hätte sie nicht ausgehalten. Nur in ihren Gedanken, ihren Träumen waren die Kinder und Jens noch bei ihr. Da konnte niemand ihnen etwas Böses antun! Da waren sie geschützt!
Sogar den Familienhund Luna hatte Marina abgegeben. Luna war ein wichtiges Familienmitglied gewesen, von allen heiß geliebt. Aber die Anwesenheit des Hundes hielt Marina nach dem Unglück nicht mehr aus.
Nur bei sich behalten konnte sie die Hündin nicht. In Lunas Augen las sie ständig die Frage, wo denn der Rest der Familie sei. Luna begann, Dinge der Kinder und ihres Mannes herbeizuschleppen und ihr vor die Füße zu werfen. Das hielt Marina nicht aus. Diese fragenden Augen des Hundes!
So hatte sie Luna ins Tierheim gebracht. Dem Heim hatte sie damals zur Auflage gemacht, dass Luna nur an eine liebevolle Familie mit Kindern vermittelt werden sollte. Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, hatte sie ihre Bitte mit einer großzügigen Geldspende verbunden. Luna sollte es gut haben in ihrem neuen Leben, das war sie ihren verstorbenen Kindern schuldig. Aber bei sich behalten konnte sie die Hündin nicht.
Nur eines hatte sie sich erlaubt: Es gab eine Kiste mit Andenken an ihre Liebsten. Von Jens gab es seine Armbanduhr. Die hatte sie ihm an seinem letzten Geburtstag geschenkt und er hatte sie geliebt. Von Markus gab es einen skurril geformten Stein, den er auf ihrem letzten gemeinsamen Spaziergang am Tag vor dem tragischen Unfall gefunden hatte. Er steckte noch in der Tasche seiner Jeans. Von Alina gab es ein wunderschönes selbstgemaltes Bild. Es zeigte sie alle als Familie, auch Luna war darauf zu sehen. Die Kiste mit den Andenken verstaute sie in ihrer neuen Wohnung in die hinterste Ecke ihres großen Schrankes, so, dass sie ihr nicht immer ins Auge fallen konnte.
Eine Krankenschwester trat an ihr Bett und holte sie aus ihren Gedanken. Sie brachte eine Flasche Mineralwasser und ein Glas. »Gleich kommt die Ärztin, um nach Ihnen zu schauen«, sagte sie freundlich und verließ das Zimmer.
Marina seufzte tief auf. Hier im Krankenhaus erlaubte sie sich auch tagsüber immer wieder Abstecher in ihr früheres Leben. Normalerweise erlaubte sie sich solche Fluchten nicht, arbeitete sie viel und hart. Tagträume über ihr früheres Leben erlaubte sie sich nicht. Das wäre ihr zu gefährlich gewesen. Vielleicht hätten andere aufmerksame Menschen das mitbekommen. Und das Eindringen anderer in ihre eigene Welt durfte nicht passieren. Die Angst, dass dann alles zerstört würde, war viel zu groß. Deswegen achtete sie normalerweise sehr darauf, keinen Leerlauf in ihrem Alltag zu haben. Sie hatte sich eine Arbeit gesucht, die es nicht zuließ, dass sie mit den Gedanken abschweifte. Noch immer arbeitete sie als Übersetzerin, nicht mehr wie früher waren es spanische Texte. Jetzt übersetzte sie Texte vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt. Technische Texte waren es, eine riesige Herausforderung für die junge Frau. Denn früher war sie technischen Erklärungen in ihrem Leben aus dem Weg gegangen, hatte früher immer lachend gemeint, dass sie froh sei, eine Kaffeemaschine richtig einschalten zu können. Technik war ihr früher ein Graus gewesen. Aber genau das half ihr jetzt, tagsüber nicht über sich nachzudenken. Dafür war die freie Zeit da. Wieder wurde sie in ihren Gedanken unterbrochen.
»Grüß Gott, Frau Beckers, wie fühlen Sie sich?«, fragte die Frauenärztin Dr. Franca Mancini fürsorglich und schaute die Patientin aufmerksam an.
»Gut«, antwortete Marina Beckers wortkarg. Sie vermied es, die Ärztin genau anzuschauen und wollte auch nicht mit ihr sprechen. Nur das Nötigste an Kontakten mit anderen zulassen, das war ihre Devise. Niemand sollte ihr so nahekommen können, dass er Fragen stellte. Obwohl – diese Ärztin war so einfühlsam und vertrauenerweckend, dass sie für andere Menschen sicher genau diejenige war, der man sein Herz ausschütten wollte, bei der man sich vertrauensvoll fallenlassen konnte. Aber – für sie galt das natürlich nicht. Marina ließ keine äußerlichen Gefühlsregungen mehr zu, weder Trauer noch Freude. Sie wirkte wie versteinert und genau so war es gut. Sie funktionierte nur noch. Niemand konnte ihr mehr wehtun!
Franca Mancini ahnte natürlich seit ihrer ersten Begegnung mit der äußerst wortkargen jungen Frau, dass wohl in ihrer Vergangenheit ein schreckliches Ereignis sie dazu gebracht hatte, sich so einzukapseln. Aber die Ärztin respektierte das, wollte der Patientin nicht zu nahetreten. So sagte sie jetzt nur: »Die OP verlief gut. Ich habe das Myom und Ihre Gebärmutter problemlos entfernen können.« Sie hielt kurz inne. »Wie wir schon besprochen haben, möchte ich, dass Sie mindestens eine Woche in der Klinik bleiben. Ihre Anämie muss sich zuerst einmal bessern.« Sie sah die blasse, zierliche Frau an. »Und Sie wissen, dass es nach dem Eingriff zu vorübergehenden Schmerzen, Verstopfung oder Probleme bei der Blasenentleerung kommen kann. Falls es so sein sollte, informieren Sie uns bitte.« Franca Mancini nickte der Patientin noch einmal freundlich zu. »Und wenn es irgendetwas gibt, das Sie beunruhigt, sprechen sie es direkt an. Ich kümmere mich dann.«
Marina Beckers nickte. »Danke«, sagte sie leise und wandte dann den Kopf Richtung Fenster, ein Hinweis, dass für sie alles Wichtige gesagt worden war.
Franca Mancini verließ das Krankenzimmer. Sie sorgte sich um die Patientin, spürte genau, dass es ein wohl sehr tief liegendes Trauma in ihrer Vergangenheit geben musste.
Draußen lief sie der Leiterin der Kinderstation in die Arme. Dr. Felicitas Norden war die Ehefrau des Chefarztes Daniel Norden und beide hatten die Behnisch-Klinik zu der gemacht, die sie heute war: Eine bis weit über die Grenzen von München hinaus bekannte Klinik.
Die Ärztin sah sofort das angespannte Gesicht der Kollegin. »Nanu«, sagte sie aufmerksam, »was ist Ihnen denn für eine Laus über die Leber gelaufen? Sie wirken so bedrückt, so kenne ich Sie doch gar nicht.«
Franca lächelte leicht. »Ach, ich mache mir Sorgen um Frau Beckers. Irgendetwas liegt ihr auf der Seele, quält sie wohl furchtbar. Aber ich dringe nicht zu ihr durch, leider!«
Felicitas Norden ergriff die junge Kollegin entschlossen am Arm und zog sie mit. »Kommen Sie, Franca, wir beide trinken jetzt zunächst einmal einen guten, starken Kaffee in unserer schönen Cafeteria miteinander. Ich habe Ihren Arbeitsplan gesehen, weiß wohl, wie viel Sie heute schon um die Ohren hatten. Haben Sie überhaupt schon eine kleine Verschnaufpause gehabt?«
Franca verneinte. »Ich hatte bisher keine Zeit dazu«, meinte sie und stöhnte leicht auf. »Es herrscht wieder einmal solch ein Andrang in unserer Klinik, einfach unglaublich.«
»Nun, dazu tragen Sie ja auch in einem großen Maße bei, dass wir bei Hilfesuchenden so überaus gefragt sind«, erklärte Felicitas Norden lächelnd. »Die Menschen wissen eben, dass wir mit Leib und Seele für all Ihre gesundheitlichen Belange für sie da sind. Und oft darüber hinaus.« Sie zog die Kollegin weiter und fuhr fort: »Deswegen ist es doch auch so wichtig, dass wir auf uns achten, uns Zeit für kleine Auszeiten nehmen, damit wir leistungsfähig sind und alle Herausforderungen konzentriert angehen und bewältigen.«
Die beiden Frauen hatten während des Gespräches die Kantine erreicht.
Helge Karberg, der immer freundliche Betreiber der Cafeteria, eilte auf die beiden Ärztinnen zu. »Was für ein Glanz in meiner Hütte«, meinte er strahlend. »Die beiden schönsten Frauen der Klinik kommen in die Cafeteria.«
Felicitas Norden schüttelte lächelnd den Kopf. »Herr Karberg, Sie sind und bleiben ein richtiger Schwerenöter. Es ist mir immer ein Rätsel, wieso Sie immer noch Single sind.«
Helge Karberg grinste wissend. »Es gibt einfach zu viele schöne Frauen, da kann ich mich nicht für eine entscheiden. Aber bitte folgen Sie mir: Hier vorne ist ein kleines Plätzchen, wo Sie beide relativ geschützt sitzen können, ohne dass Sie von zu vielen Patienten in Ihrer Pause behelligt werden.«
Felicitas Norden und Franca Mancini warfen dem jungen Mann einen dankbaren Platz zu. Und der Tisch, zu dem er sie führte, war wirklich gut abgeschirmt.
»Aber nehme ich Ihrem Mann nicht die gemeinsame Kaffeepause weg?«, erkundigte Franca sich, nachdem sie einen Cappuccino bei Herrn Karberg bestellt hatte. Wusste sie doch nur zu genau, wie wichtig dem Ehepaar Norden die gemeinsame Kaffeepause war. Selbst, wenn es sehr turbulent zuging, versuchten die beiden, wenigstens für ein paar Minuten private Zeit in der Klinik miteinander zu haben. Das war beiden immens wichtig.
»Nein, das machen Sie nicht, liebe Franca. Daniel ist heute außer Haus, es gibt wohl ein paar wichtige Termine mit einigen hochrangigen Politikern, die seine Meinung über eine geplante Mutter-Kind-Einrichtung hören wollen. Aber jetzt schießen Sie los? Was bedrückt Sie?«
Franca nahm dankend den Cappuccino entgegen, den Helge Karberg persönlich zusammen mit dem großen Kaffee für Felicitas Norden an den Tisch brachte.
Er stellte noch eine hübsche Schale mit einigen Keksen auf den Tisch. »Bitte probieren Sie die gerne einmal. Eine unserer Praktikantinnen hat sie vorhin frisch gebacken. Ich überlege, sie in das Angebot der Cafeteria mit aufzunehmen.«
