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Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Susanna Reuter sah ihren Mann Raimund liebevoll an. Dann aber stahl sich ein kleines freches Lächeln auf ihr blasses Gesicht. »Schatz, ich verspreche dir hiermit feierlich, dass du mich nie mehr loswirst. Unkraut vergeht nicht, sagst du doch immer. Es war doch nur eine kleine Operation. Ich spüre gar nichts, habe nicht die geringsten Schmerzen.« »Du immer mit deinen Scherzen, Liebling«, grummelte Raimund und holte tief Luft. »Aber ich mache mir eben Sorgen um dich. Und das mit den Schmerzen glaube ich dir gar nicht. Du willst mich doch nur beruhigen.« Susanna griff nach der Hand ihres Mannes und drückte sie. »Ich weiß, dass du dich um mich sorgst, und das finde ich ganz rührend.« Da wurde von außen die Tür zum Klinikzimmer geöffnet und Frau Dr. Mancini streckte vorsichtig ihren Kopf ins Zimmer. »Oh, Frau Reuter, sie machen ja schon wieder einen recht munteren Eindruck und Ihr Mann ist auch schon an Ihrer Seite«, meinte sie angetan und trat ans Bett der Patientin. Susanna lachte leicht auf. »Ich fühle mich auch schon so, als könne ich Bäume ausreißen«, antwortete sie.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Susanna Reuter sah ihren Mann Raimund liebevoll an. Dann aber stahl sich ein kleines freches Lächeln auf ihr blasses Gesicht. »Schatz, ich verspreche dir hiermit feierlich, dass du mich nie mehr loswirst. Unkraut vergeht nicht, sagst du doch immer. Es war doch nur eine kleine Operation. Ich spüre gar nichts, habe nicht die geringsten Schmerzen.«
»Du immer mit deinen Scherzen, Liebling«, grummelte Raimund und holte tief Luft. »Aber ich mache mir eben Sorgen um dich. Und das mit den Schmerzen glaube ich dir gar nicht. Du willst mich doch nur beruhigen.«
Susanna griff nach der Hand ihres Mannes und drückte sie. »Ich weiß, dass du dich um mich sorgst, und das finde ich ganz rührend.«
Da wurde von außen die Tür zum Klinikzimmer geöffnet und Frau Dr. Mancini streckte vorsichtig ihren Kopf ins Zimmer. »Oh, Frau Reuter, sie machen ja schon wieder einen recht munteren Eindruck und Ihr Mann ist auch schon an Ihrer Seite«, meinte sie angetan und trat ans Bett der Patientin.
Susanna lachte leicht auf. »Ich fühle mich auch schon so, als könne ich Bäume ausreißen«, antwortete sie.
Die Ärztin nickte und meinte dann: »Aber das sollten Sie unter keinen Umständen machen, auch wenn die Myomektomie – die Entfernung der Zyste - gut verlaufen ist. Und wie ich schon in unserem Vorgespräch gehofft hatte, konnte ich tatsächlich eine Hysterektomie vermeiden. Das bedeutet«, setzte sie erklärend hinzu, »dass die Gebärmutterentfernung vermieden werden konnte.« Sie schaute das Paar aufmerksam an. »Die Fruchtbarkeit ist also erhalten geblieben.«
Susanna warf ihrem Mann einen schnellen Blick zu. »Siehst du, Raimund, noch ist das Thema ›Baby‹ nicht komplett abgeschlossen.«
Raimund seufzte auf. »Ach, Liebes, du weißt, dass es besser für uns beide ist, wenn wir endlich der Tatsache ins Auge sehen und uns eingestehen, dass wir kein Kind mehr bekommen werden. So viele Jahre haben wir uns gequält, sind immer wieder aufs Neue enttäuscht worden. Wir waren uns doch einig, uns damit abzufinden.«
»Aber Lieber, lass mir doch die Freude darüber, dass ich meine Gebärmutter behalten konnte. Mir bedeutet es eben ganz viel!« Susanna sprach ihre Gedanken nicht laut aus, aber so ganz hatte sie die Hoffnung immer noch nicht aufgeben können, eines Tages …! Wer weiß denn schon, was das Schicksal für einen bereithält, dachte sie und atmete tief ein. Beruhigend strich sie über den Handrücken ihres Mannes. Es war einfach besser, wenn er nichts von ihren Gedanken erfuhr. Das würde ihn nur beunruhigen. Für ihn war das Thema seit längst abgeschlossen. Fragend schaute sie die Ärztin an. »Wann kann ich denn nach Hause?«
Raimund schüttelte entsetzt den Kopf. »Susanna, es war doch abgemacht, dass du ein paar Tage zur Beobachtung im Krankenhaus verbringen solltest. Ich habe keine Ruhe, wenn ich daran denke, dass du alleine zu Hause bist.«
Seine Frau lachte auf. »Raimund, ich halte mich an die Anweisungen meiner Ärztin. Und wenn Frau Dr. Mancini entscheidet, dass ich noch hierbleiben soll, bleibe ich. Versprochen!«
»Frau Doktor, Sie merken, dass es nicht einfach ist, diese Frau zu bremsen. Bitte, Sie müssen mir fest versprechen, dass Sie gut auf meine Susanna achten! Sie ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist, und ihr darf nichts geschehen«, stöhnte Raimund Heuter gespielt verzweifelt auf.
Franca Mancini sah das Ehepaar wohlwollend an. Es macht mich doch immer wieder aufs Neue glücklich, wenn ich auf Menschen treffe, die einander in inniger Liebe und tiefem Vertrauen verbunden sind, dachte sie gerührt. Wie schade, dass es den beiden versagt geblieben war, eigene Kinder zu bekommen. Bessere Eltern konnte es doch nicht geben! Aber das Schicksal konnte so grausam sein. Es hatte eben anders entschieden, ohne Rücksicht auf die tiefen Wunden, die bei den beiden geschlagen worden waren und sicherlich immer noch schmerzten.
Franca sah auf die Patientin hinunter. »Wie fühlen Sie sich, Frau Heuter, haben Sie Schmerzen?«
»Nein, Frau Doktor, es geht mir wirklich gut. Aber bitte bestätigen sie meinem Mann, dass er unbesorgt seiner Arbeit nachgehen kann.«
Raimund Heuter blickte die Ärztin zweifelnd an. »Am liebsten würde ich hier bei Susanna bleiben. Ich hatte mir deswegen schon vor Tagen Urlaub genommen, aber der Kollege, der mich vertreten sollte, hatte heute Morgen einen Unfall. Er hat sich das Bein gebrochen. Sehr schweren Herzens muss ich also den Flug übernehmen.«
»Und deswegen machst du dich jetzt auf den Weg und fliegst nach Australien. Stell dir doch nur vor, wie enttäuscht die Urlauber sein würden, wenn der sicherlich lang ersehnte Flug ausfallen müsste. Und das nur, weil du als Pilot denkst, Kindermädchen für deine Frau spielen zu müssen.« Susanna schüttelte entschieden mit dem Kopf. »Nein und nochmals nein. Das kommt gar nicht infrage, Schatz!«
Franca Mancini sah den Ehemann mit wissendem Gesichtsausdruck an. »Ich glaube, die Sache ist hiermit entschieden«, erwiderte sie amüsiert. Dann aber wurde sie ernst. »Ich verspreche Ihnen, dass Ihre Frau hier bei uns in der Behnisch-Klinik in den allerbesten Händen ist. Wir werden Sie nicht aus den Augen lassen.«
Raimunds Miene entspannte sich etwas. »Ich glaube Ihnen, dass es Susanna an nichts fehlen wird und weiß doch, dass sie in den besten Händen ist, Frau Doktor.« Er beugte sich über seine Frau und verabschiedete sich mit einem zärtlichen Kuss. »In ein paar Tagen bin ich wieder da und ich hoffe, dass ich dich dann mir nach Hause nehmen kann. Versprich mir, dass du nicht übermütig wirst und darauf hörst, was die Ärzte dir sagen.« Er nahm seine Pilotenmütze und setzte sie sich auf. Dann nickt er den beiden Frauen noch einmal grüßend zu, warf Susanna einen aufmunternden Blick zu und verließ das Zimmer.
Susanna hatte die Hand gehoben und winkte ihm mit einer zarten Bewegung hinterher. »Er macht sich einfach zu viele Sorgen um mich«, seufzte sie leicht. »Das ist so, seitdem wir uns kennengelernt haben.« Sie zog die Stirn kraus und eine kleine Falte bildete sich zwischen ihren Augenbrauen. »Wie viele Jahre sind wir denn schon ein Paar?«, überlegte sie nachdenklich. »Also, ich war fünfzehn, als wir uns kennenlernten.«
Franca hatte während Susannas Überlegungen damit begonnen, die Patientin mit geschickten Fingern zu untersuchen. Der für die OP notwendige Schnitt – ein Längsschnitt am Unterbauch – war durch einen perfekt angelegten Verband geschützt und Franca konnte keine Nachblutung feststellen. Sie sah lächelnd hoch. »Wie schön für Sie, dass sie beide eine so glückliche Beziehung haben«, meinte die Ärztin. »So lange sind Sie schon ein Paar«, ergänzte sie dann bewundernd. »Hat es denn nie andere gegeben, die für Sie oder Ihren Mann infrage kamen?«
»Nein, niemals«, antwortete die Patientin entschieden. »Für uns beide war klar, dass wir zusammengehören, und zwar ohne jede Einschränkung. Und wie Sie wissen, haben wir es nicht leicht gehabt. Dass uns der Wunsch nach einem eigenen Kind versagt geblieben ist, war schon eine große Belastungsprobe für unsere Beziehung.«
»Das stimmt und ich kenne einige Beziehungen, die letzten Endes daran zerbrochen sind«, setzte Franca sinnend hinzu.
»Aber unsere Beziehung ist dadurch nur noch stärker geworden«, lächelte Susanna dankbar. »Nein, nein, wir beide haben uns und vertrauen uns. Das kann uns keiner nehmen.«
»Das freut mich zu hören. Und wenn Ihr Mann in wenigen Tagen wieder zurück sein wird, kann er Sie wieder mit nach Haus nehmen.«
Die beiden Frauen vernahmen ein leichtes Klopfen an der Tür und Frau Dr. Norden, die Leiterin der Pädiatrie, trat ein. Sie schob vorsichtig und behutsam ein winziges Kinderbettchen vor sich her. »Sie bekommen Bettnachbarn und das gleich im Doppelpack«, meinte sie freundlich zu Susanna. »Darf ich vorstellen: Das ist die kleine Melody, die vor zwei Tagen das Licht der Welt erblickt hat. Die Kleine hat eine Gelbsucht und so möchte ich sie unter keinen Umständen schon nach Haus entlassen.« Sie schaute sich suchend nach der Mutter um und meinte dann erklärend: »Frau Lowitzky, die Mutter des Babys, ist nicht wirklich glücklich über meine Entscheidung. Aber da lasse ich mich auf gar keine Diskussionen ein.«
Eine noch recht junge Frau betrat nun das Zimmer. Ihre langen, stark blondierten Haare hingen ungepflegt um ihr durchaus hübsches, aber stark geschminktes Gesicht. Man sah ihr auf den ersten Blick an, wie unzufrieden sie über die Entscheidung der Kinderärztin war. Missmutig ließ sie sich auf das freie Patientenbett fallen und meinte ungehalten: »Meine Mutter hat mir gesagt, dass ich auch eine Gelbsucht hatte. Und sie hat mich trotzdem mit nach Haus genommen. Also, Frau Doktor, wirklich! Sie sehen doch, dass ich noch lebe. Ich will auch nach Hause! Ich halte es keinen Tag länger hier aus.« Ihre Finger mit den langen ungepflegten Fingernägeln griffen in ihr Haar. Verdrossen nahm sie eine Strähne hoch und kaute darauf herum. »Also, wie sieht’s aus, kann ich hier weg?«
Felizitas Norden atmete tief ein. Die junge Mutter sollte nicht mitbekommen, wie erschüttert sie über deren Wunsch war, das Krankenhaus zu verlassen. Mit einem kranken Säugling, wohlgemerkt!
Die Kinderärztin hoffte, dass eine freundliche, aber durchaus bestimmte Antwort ein für alle Mal klarstellen würde, dass es hier keinen Platz für Diskussionen gab. »Ich bin die behandelnde Ärztin ihres Kindes und habe entschieden, dass die Kleine hierbleibt, bis es ihr besser geht. Ruhen Sie sich aus, das wird Ihnen auch guttun. Ich schaue gleich noch einmal bei Ihnen vorbei.«
Sie nickte der jungen Frau zu und wandte sich den beiden anderen Frauen zu, die das Ganze schweigend verfolgt.
Susannas Augen waren groß vor Erstaunen und wie Franca Mancini und wohl auch Frau Dr. Norden bemerkten, groß vor Erschütterung darüber, dass eine Mutter so leichtsinnig und verantwortungslos mit dem Leben des Neugeborenen umgehen wollte.
Auch Franca Mancini war entsetzt, konnte dies aber als Ärztin, die immer mal wieder mit traurigen Verhaltensweisen konfrontiert wurde, besser unter einer professionellen Miene verbergen. »Frau Heuter, ich lasse Sie dann mal alleine. Bitte ruhen Sie sich aus. Mit einem Bauchschnitt sollte man sich zunächst schonen. Und wenn Sie Schmerzen bekommen sollten, klingeln sie nach einer Schwester.«
Dann wandte sie sich Frau Dr. Norden zu und beide verließen das Krankenzimmer.
Draußen angekommen, seufzte Frau Dr. Norden tief auf. »Ich mache wir wirklich Sorgen um das Neugeborene.«
»Ist der Ikterus so stark ausgeprägt?«, hakte Franca Mancini erschrocken nach.
»Nein, bisher nicht, aber ich bin mir nicht sicher, ob die junge Frau sich zuverlässig um das Kind kümmern möchte. Ich mache mir Sorgen darüber, dass die junge Mutter nicht wirklich an ihrem Kind interessiert ist. Es scheint ihr fast lästig zu sein.« Sie schüttelte den Kopf und ihr Gesicht zeigte tiefe Sorgenfalten. »Ein so kleines, unschuldiges Wesen muss doch die leibliche Mutter bis ins Herz rühren. Aber bei Cindy Lowitzky scheinen noch keine Muttergefühle vorhanden zu sein.« Sie zog tief die Luft ein. »Darf ich Sie darum bitten, mit mir gemeinsam einen wachsamen Blick auf Mutter und Kind zu haben?«
Die Gynäkologin war sichtlich betroffen über die ernsten Worte ihrer Chefin. »Natürlich, Frau Doktor Norden, das ist doch selbstverständlich!«
Felicitas Nordens angespanntes Gesicht entspannte sich leicht und ein dankbares Lächeln war zu sehen. »Das ist gut zu wissen, dass nicht ich alleine verantwortlich bin in dieser schwierigen Situation. Und wer weiß, vielleicht entdeckt Cindy Lowitzky doch noch ihre bis dato nicht existierenden Muttergefühle.«
Im Krankenzimmer selber versuchte Susanna währenddessen, sich durch ein spannendes Buch von der neuem Zimmergenossin und dem Neugeborenen abzulenken. Schließlich wollte sie keinesfalls indiskret sein.
Aber die junge Mutter machte sich über Susannas Anwesenheit gar keine Gedanken. Sie telefonierte lautstark mit jemandem. Es schien sich um ihre Mutter zu handeln, denn jetzt rief sie aufgebracht: »Ach, Mensch, Mutti, hör doch auf, mir ständig zu sagen, was ich tun soll. Ich bin alt genug! Ja in Ordnung, ich hab’s verstanden, du kommst gleich vorbei.« Mit mürrischem Gesichtsausdruck warf sie das Handy aufs Bett, wie Susanna aus den Augenwinkeln beobachten konnte.
Dann stand sie auf und begann, in ihrer Reisetasche herumzukramen. Dabei stieß sie leise recht derbe Schimpfwörter aus, bis sie gefunden hatte, wonach sie suchte. Ihrem kleinen hilflosen Mädchen hatte sie in der ganzen Zeit nicht einen Blick gegönnt! Dabei war das Baby anscheinend wach, denn Susanna vernahm leise Laute. Ihr selbst schien es, als wolle das Neugeborene auf sich aufmerksam machen … leider erfolglos.
Die junge Frau überlegte kurz, dann sah sie mit einem abschätzenden Blick rasch zu der fremden Frau hinüber. Dann nahm sie ein Trinkfläschchen, das auf dem kleinen Tisch neben ihrem Krankenbett stand, in die Hand, ging auf Susanna zu und fragte ohne Umschweife: »Wenn der Schreihals anfängt, zu schreien, könnten Sie ihr dann vielleicht das Fläschchen geben? Ich muss mich dringend mal richtig schminken. Wenn jemand vorbeikommen würde! So kann ich mich nicht sehen lassen.« Ohne die Antwort abzuwarten, stellte sie das Fläschchen auf Susannas Tisch ab und rollte das Babybett hinüber zu der für sie vollkommen unbekannten Frau. Und dann ging sie tatsächlich in das angrenzende Bad.
Susanna war so überrascht, dass ihr die Worte fehlten. Sie sah der Mutter völlig irritiert hinterher, aber das schien die junge Frau nicht einmal zu bemerken. Die Laute aus dem Bettchen wurden heftiger und Susanna wagte es vorsichtig, einen Blick hineinzuwerfen. Ihr Herz wurde ganz weit und weich! Da lag ein winziges Neugeborenes, mit Augen so riesengroß und sah Susanna staunend an. »Hallo kleines Mädchen«, flüsterte Susanna ergriffen und wagte es, leicht über den Kopf des Mädchens zu streicheln. »Deine Mama ist gerade verhindert und meint, dass ich dich füttern soll. Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt kann, und bin ziemlich aufgeregt, aber zusammen schaffen wir das bestimmt.« Die Kleine war ganz still geworden bei Susannas freundlichen Worten. Er schien fast so, als lausche sie aufmerksam der fremden angenehmen warmen Stimme. Und dann, unvermittelt, begann sie heftig zu schreien. Sie musste wohl wirklich hungrig sein.
Aus dem Bad hörte Susanna die ungehaltene Stimme der jungen Frau: »Jetzt geben Sie ihr doch die Flasche, so schwierig kann das doch nicht sein!«
Also stand Susanna vorsichtig auf, die frisch operierte Wunde meldete sich unangenehm und zog heftig. Einen winzigen Moment zuckte Susanna zurück, aber dann dachte sie entschieden: Jetzt sei mal nicht so empfindlich, Susanna. Mütter mit einem Kaiserschnitt jammern auch nicht herum. Sie nahm das brüllende, ganz verzweifelt aussehende Baby vorsichtig hoch. Meine Güte, wie federleicht es doch war! Liebevoll legte sie einen Arm unter das Köpfchen und griff nach der bereitstehenden Flasche. Aber hatte es denn überhaupt die richtige Temperatur? Zu heiß konnte es eigentlich nicht mehr sein, es hatte schließlich schon eine geraume Zeit herumgestanden. Aber vielleicht war die Milch schon zu kalt geworden? Instinktiv ließ Susanna einige Tropfen auf ihr Handgelenk fallen. Gott sei Dank, die Milch war noch warm, hoffentlich warm genug für die Kleine. Vorsichtig führte sie die Flasche mit dem Sauger an die Lippen des Neugeborenen und unvermittelt stoppte das laute Weinen.
