Alpengold 359 - Michaela Rosenau - E-Book

Alpengold 359 E-Book

Michaela Rosenau

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Beschreibung

Vor drei Jahren hat Konstantin von Greifenau die Bergheimat überstürzt verlassen. Schuld daran war seine junge Stiefmutter Elena. Ihretwegen hatte sich Konstantin mit dem Vater zerstritten.
Jetzt ist der Vater tot. Ob Elena um ihn trauert und eine Träne seinetwegen vergießt? Alexander misstraut ihr, obwohl sie liebenswürdig zu ihm ist und sogar andeutet, dass sie nach dem Vater nun gern den Sohn heiraten würde.
Doch Alexanders Herz ist nicht mehr frei. Es gehört Silvie, der Schwester des Försters. Aber so glücklich ihn diese Liebe auch macht, eine Frage quält ihn: Wie wird sich Elena verhalten, wenn Silvie als Herrin auf Burg Greifenau einzieht?

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Seitenzahl: 99

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Erst den Vater, dann den Sohn

Vorschau

Impressum

Erst den Vater, dann den Sohn

Sie spielte ein falsches Spiel

Von Michaela Rosenau

Vor drei Jahren hat Konstantin von Greifenau die Bergheimat überstürzt verlassen. Schuld daran war seine junge Stiefmutter Elena. Ihretwegen hatte sich Konstantin mit dem Vater zerstritten.

Jetzt ist der Vater tot. Ob Elena um ihn trauert und eine Träne seinetwegen vergießt? Konstantin misstraut ihr, obwohl sie liebenswürdig zu ihm ist und sogar andeutet, dass sie nach dem Vater nun gern den Sohn heiraten würde.

Doch Konstantins Herz ist nicht mehr frei. Es gehört Silvie, der Schwester des Försters. Aber so glücklich ihn diese Liebe auch macht, eine Frage quält ihn: Wie wird sich Elena verhalten, wenn Silvie als Herrin auf Burg Greifenau einzieht?

Konstantin von Greifenau fuhr den Bergen seiner Heimat entgegen. Nur mit Mühe konnte er sich am Steuer seines Wagens auf den Verkehr konzentrieren.

So hatte er sich seine Heimkehr nicht gedacht! Das Zerwürfnis mit dem Vater war schmerzvoll gewesen. Zwei Jahre hatten sie sich nicht mehr gesehen. Zwei lange Jahre war Konstantin nicht mehr auf Burg Greifenau gewesen.

Nun würde er den Vater wiedersehen – tot.

Wieder wurden Konstantins Augen feucht – wie schon mehrmals, seit ihn die bestürzende Nachricht erreicht hatte. Die Sonne schien wie zum Hohn auf das schöne Salzburger Bergland. Es war Sommer. Doch nach der Stimmung des jungen Mannes hätte es ein nebelig trüber Herbsttag sein müssen.

Musste es wirklich so kommen, dass der Vater von ihm und der Welt schied, ohne dass sie sich versöhnt hatten?

In Konstantin lastete ein großes Schuldgefühl. Gewiss, die Zustände auf Greifenau waren unerträglich für ihn geworden. Schuld daran war die zweite Frau des Vaters. Seit Elena auf Burg Greifenau lebte, hatte sich alles verändert. Der Vater war nicht mehr der Vater von einst gewesen. In den heimeligen, vertrauten Mauern hatte sich ein fremder Geist breitgemacht. Einer, der nicht dahin passte und Konstantin höchst zuwider war und der ihm das Daheimsein verleidet hatte.

Aber hatte er selbst sich richtig verhalten? Hatte es nicht an ihm gelegen, alles zu tun, um es nicht zum großen Krach kommen zu lassen?

Habe ich vielleicht doch nicht genügend Verständnis für den Vater und seine Lebensansprüche aufgebracht?, dachte Konstantin bedrückt. Hatte es ihm an gutem Willen gefehlt?

Diese Fragen beschäftigten ihn seit Elenas Anruf am Vorabend unaufhörlich.

Seine Gedanken schweiften zurück ...

Es war vor zwei Jahren gewesen, als er in den letzten Semesterferien seines zu Ende gehenden Studiums eine ihm fremde junge Frau daheim beim Vater angetroffen hatte. Und schon nach wenigen Stunden war die Sachlage klar gewesen: Die beiden waren bereits ein Paar.

»Ich werde Elena heiraten und bitte um dein Verständnis«, hatte der Vater frei heraus erklärt.

Konstantin hatte sich nach dem Tod der Mutter manchmal gefragt, ob der Vater nicht eines Tages wieder heiraten würde. Clemens von Greifenau war mit seinen fünfzig Jahren schließlich noch kein alter Mann.

Der Sohn sah ihn vor sich: hochgewachsen und kerngesund; das Haar noch dunkel, wenn auch etwas gelichtet; die lebhaften Augen im sonnengebräunten Gesicht drückten sowohl Tatkraft als auch Empfindungsreichtum aus.

Nein, einem solchen Mann konnte niemand zumuten, dass er sich für den Rest seines Lebens mit der Einsamkeit abfand!

Manchmal hatte Konstantin sich vorgestellt, wie eine zum Vater passende Gefährtin beschaffen sein müsste. Eine Zweitausgabe der geliebten Mutter würde sie nicht sein. Das zu erwarten war sinnlos. Aber an eine liebenswerte, in der Mitte des Lebens stehende Frau konnte man denken.

Warmherzigkeit und weibliche Würde sollte sie besitzen. Sie musste nicht unbedingt das sein, was sich die Leute unter einer Dame der großen Gesellschaft vorstellten. Adelige Herkunft war keine absolut notwendige Voraussetzung. In Wien hatte Konstantin Damen aus bürgerlichen Familien kennengelernt, die zweifellos auch als Gattin eines adeligen Forstgutsbesitzers eine ausgezeichnete Figur machen würden.

Doch noch wichtiger war Konstantin etwas anderes erschienen. Der Vater war von Kindesbeinen an ein großer Bergfreund und leidenschaftlicher Jäger. Dem musste die Frau an seiner Seite Verständnis entgegenbringen, wie zu ihren Lebzeiten die Mutter. Ein wahres Glück wäre es für den Vater, sollte er eine sportliche, gleichfalls naturbegeisterte Gefährtin finden.

Noch eine weitere Eigenschaft hatte sich der Sohn bei der Frau seines »alten Herrn« gewünscht. Wie die Mutter sollte sie wirtschaftlich veranlagt sein. Die finanzielle Lage des Forstbetriebs war nicht so großartig, wie es von außen her schien. Der Vater war ein hervorragender Forstmann, doch auf dem kaufmännischen Sektor hatte er keine Ambitionen. Da begnügte sich Clemens von Greifenau damit, mit Anstand durchzukommen und den Besitz zu erhalten.

Für die Frau von Greifenau bedeutete das, dass sie auf manches verzichten musste, was andere Frauen ihres Standes sich leisten konnten. Sie musste lieber in den heimatlichen Bergen wandern, als Luxus an der Riviera oder sonst wo zu genießen.

Konstantin wusste somit, welche Art von zweiter Frau er seinem Vater im Fall des Falles wünschte. Aber nun war diese Elena Wanek gekommen, eine geschiedene Frau von knapp achtundzwanzig Jahren!

Nicht weniger als dreiundzwanzig Jahre jünger als der Vater!

Konnte das gut gehen?

War es wirklich Liebe, was diese junge Frau an den Vater band, der den Altersunterschied nach auch ihr Vater sein konnte?

Diese Fragen hatten Konstantin von dem Augenblick an beunruhigt, als er seine zukünftige Stiefmutter zum ersten Mal gesehen hatte.

Doch als Stiefmutter wollte sie zum Glück nicht von ihm angesprochen werden. Dafür war sie wohl zu eitel.

»Ich möchte, dass du mich einfach Elena nennst«, hatte sie Konstantin lächelnd angeboten. Dabei hatte sie einen Blick mit seinem Vater gewechselt. Und der hatte zustimmend genickt.

Clemens von Greifenau hatte in dieser für ihn so wichtigen Stunde inbrünstig gehofft, die geliebte Frau und der Sohn könnten gut miteinander auskommen.

Elenas weibliche Vorzüge sprangen wohl jedem Mann ins Auge. Mit Frauen, die so aussahen, konnten Firmen für Dessous oder Hautpflegeprodukte werben. So zu wirken, davon träumten Millionen junger Frauen. Und nicht weniger Männer aller Altersstufen wünschten sich so eine Frau als Gattin oder wenigstens als Affäre.

Doch nach zwei Wochen Ferien hatte Konstantin noch wesentlich mehr bei der zukünftigen Frau seines Vaters festgestellt: Von den erhofften guten Eigenschaften war keine einzige vorhanden.

Güte und Warmherzigkeit konnte er bei Elena nicht entdecken. Statt Würde zeigte sie Geltungssucht. Für die Liebe des Herrn von Greifenau zur Bergwelt hatte sie nichts übrig. Mehr als trippelndes Spazieren auf modischen Damenschuhen mit hohen Absätzen kam für sie nicht infrage. Und auch das nur über den vom Hausknecht Dominik ihretwegen gereinigten Fußweg um die Burg.

Und noch etwas hatte Elena bewiesen: Mit einem Leben, das den finanziellen Verhältnissen des Forstguts angemessen war, wollte sie sich nicht bescheiden. Schon hatte sie von einer Reise auf die Bahamas geschwärmt, die ihr offenbar schon zugestanden worden war. Und in Wien hatte sie sich eine Stadtwohnung gewünscht.

Der Vater hatte sich ihre Wünsche angehört und freundlich genickt. Als ob er das alles aus dem Handgelenk finanzieren könnte!

Und dann war der Tag gekommen, an dem es passiert war. Konstantin erinnerte sich noch so genau daran, als wäre es gestern gewesen ...

Clemens von Greifenau war unterwegs zur Forstaufsichtsbehörde. Konstantin kam von der Morgenpirsch zurück. Die Köchin Rosina brachte ihm das Frühstück. Auch der Dackel Ignaz bekam sein Futter.

Später suchte Konstantin die Bibliothek auf, um sich ein Buch zu holen. Ignaz folgte ihm. Er war es gewohnt, sich im Wohnbereich der Burg frei zu bewegen. Nur in die Schlafräume durfte er nicht.

In der Bibliothek begegnete Konstantin Elena und dem Hausknecht. Dominik stand auf einer Leiter und nahm gerade das große Ölporträt der verstorbenen Herrin von der Wand. Nach einer Reinigungsaktion sah es nicht aus.

»Was ist mit dem Bild?«, erkundigte sich Konstantin.

»Es kommt da weg«, antwortete Elena leichthin. »Ich werde es an einen anderen Platz hängen.«

»Darf ich nach dem Grund fragen?«, fragte Konstantin stirnrunzelnd.

»Ach, hier kommt dann ein Porträt von mir hin. Dein Vater hat mir schon den Auftrag dafür gegeben.«

»Und er ist damit einverstanden, dass Mutters Bild nicht hier hängen bleibt? Das ist doch der Stammplatz!«

Elena sah Konstantin entrüstet an.

»Tu doch nicht so, als ob das weiß Gott was wäre! Ich will es eben so. Oder muss ich mich hier Einschränkungen unterwerfen?«

»Davon ist keine Rede, Elena.« Er versuchte ruhig zu bleiben »Aber was von meiner Mutter noch da ist, sollte respektiert werden. Für dein Porträt werden sich genügend andere Plätze finden lassen, meine ich.«

Dominik stand noch auf der Leiter. Er hatte das Bild in der Hand. Nun zögerte er. Was sollte jetzt gelten? Er blickte auf die schöne junge Frau.

»Herunter damit!«, befahl sie aufgebracht. »Das wäre ja noch schöner, wenn ich bei jedem Handgriff erst fragen müsste, ob ich das auch wirklich darf!«

Und dann gab sie dem Dackel, der ihren Schuh beschnupperte, einen Tritt. Ignaz jaulte erschrocken auf.

»Das muss sich auch ändern!«, zürnte sie. »Im Haus haben Hunde nichts verloren! Wenigstens da nicht, wo ich wohne! Sperrt ihn in einen Zwinger oder sonst wohin!«

»Ignaz, komm!«, befahl Konstantin dem Hund.

Der Vater kam erst am Nachmittag zurück. Bald darauf rief er den Sohn ins Arbeitszimmer.

»Du hast Elena respektlos behandelt«, sagte er mit Unmutsfalten im Gesicht. »Das kann ich dir nicht erlauben. Sie ist schon so gut wie meine Frau. Bitte, halte dich daran!«

»Ich habe sie nicht respektlos behandelt«, widersprach Konstantin. »Ich wollte nur, dass Mutters Bild an seinem Platz bleibt. Wenn Elena es wehtut, empfinde ich das als respektlos, Vater!«

»Gewisse Freiheiten stehen der Frau des Hauses zu, Konstantin. Nimm das zur Kenntnis!«

»Muss ich auch zur Kenntnis nehmen, dass deine Frau dem Ignaz einen Tritt gibt und dem Hund das Haus verbietet?«

Clemens von Greifenau starrte den Sohn an.

»Ich sehe schon«, stieß er hervor, »du akzeptierst Elena nicht. Aber eines sage ich dir von Anfang an: Noch geht es hier nicht nach deinem Willen! Du hast dich zu fügen, verstanden?«

»Vater, darum geht es doch nicht.«

»Doch, genau darum geht es!«, fiel Clemens von Greifenau dem Sohn ins Wort. »Ob und wen ich heirate, werde ganz allein ich entscheiden. Du wirst mir da nicht dreinreden. Wenn dir das nicht passt, kannst du ja Konsequenzen ziehen.«

»In Ordnung, Vater«, antwortete Konstantin. »Daran halte ich mich.«

Ja, so hatte es sich abgespielt an jenem Tag.

Noch am gleichen Abend hatte Konstantin Greifenau verlassen. Zur Hochzeit wurde er nicht eingeladen.

Nach dem Ende seines Forststudiums hatte er einen Posten auf dem väterlichen Gut eines befreundeten Kollegen angenommen. Heim nach Greifenau war er nicht mehr gefahren. Die böse Auseinandersetzung wegen dieser Frau war die letzte Begegnung zwischen Vater und Sohn gewesen.

***

Und nun war der Vater tot. Ein bitterer Schmerz pulsierte in Konstantins Brust, während er an diesem strahlend schönen Sommertag heimwärts fuhr. Zum ersten Mal seit zwei Jahren.

Elenas Anruf war spätabends gekommen. Schluchzend hatte sie ihm das Unfassbare mitgeteilt. Es sei durch einen Unfall geschehen. Mehr hatte Konstantin aus der offenbar ganz verzweifelten Frau des Vaters nicht herausbekommen können.

Das Dorf Bärenwald lag vor ihm und darüber die Burg Greifenau. Konstantin musste anhalten. Seine Augen waren voller Tränen. Er konnte nichts mehr sehen.

Nach einigen Minuten hatte er sich so weit gefasst, dass er weiterfahren konnte. Vom Dorf führte die vertraute schmale Straße zur Burg hinauf. Das Tor stand offen.

Konstantin parkte das Auto auf dem gewohnten Platz. Er stieg aus. Dominik kam herangeeilt.

»Darf ich Ihnen mein Beileid aussprechen, Herr Konstantin? Es ist furchtbar ...«

Da erschien auch schon Elena. Sie trug ein schwarzes Kleid. Ihr Gesicht wirkte blass, die Augen waren vom Weinen gerötet.

»Konstantin!«, schluchzte sie auf und stürzte an seine Brust.

War diese Frau doch anders, als er sie gesehen hatte? Ihr spontan zum Ausbruch kommendes Leid beeindruckte ihn.

»Wo ist er?«, fragte er bewegt.

Elena löste sich von ihm und schlug die Hände vors Gesicht.

»Unten im Totenhaus«, wimmerte sie. »Aber du kannst ihn nicht sehen. Es ist ... entsetzlich.«

»Warum kann ich ihn nicht sehen?« Konstantin starrte sie betroffen an.