Alpengold 370 - Michaela Rosenau - E-Book

Alpengold 370 E-Book

Michaela Rosenau

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Beschreibung

Die bildhübschen Zwillingsschwestern Angela und Barbara Krainer sehen nach dem Tod des Vaters einer ungewissen Zukunft entgegen. Der hochverschuldete Krainer-Hof ist von der Bank gepfändet worden, und so haben die Mädchen über Nacht die Heimat verloren. Was also tun?
Wie ein Silberstreif am Horizont erscheint ihnen da das Angebot der Baronin Hirschberg, in ihrem Schlosshotel zu arbeiten. Hier, so sagen sie sich, werden sie ein neues Zuhause finden und glücklich sein. Doch bald schon zeigt sich, dass Robert, der Neffe der alten Baronin, mit den neuen Schlossbewohnerinnen keineswegs einverstanden ist ...

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Seitenzahl: 110

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Betrogen um der Väter Erbe

Vorschau

Impressum

Betrogen um der Väter Erbe

Zwei Schwestern müssen sich eine neue Heimat suchen

Von Michaela Rosenau

Die bildhübschen Zwillingsschwestern Angela und Barbara Krainer sehen nach dem Tod des Vaters einer ungewissen Zukunft entgegen. Der hochverschuldete Krainer-Hof ist von der Bank gepfändet worden, und so haben die Mädchen über Nacht die Heimat verloren. Was also tun?

Wie ein Silberstreif am Horizont erscheint ihnen da das Angebot der Baronin Hirschberg, in ihrem Schlosshotel zu arbeiten. Hier, so sagen sie sich, werden sie ein neues Zuhause finden und glücklich sein. Doch bald schon zeigt sich, dass Robert, der Neffe der alten Baronin, mit den neuen Schlossbewohnerinnen keineswegs einverstanden ist ...

Der Herbst ließ die Bergwälder in ihren schönsten Farben leuchten. Nach der zweiten Mahd schimmerte das kurze Gras der weiten Wiesen um den Krainerhof noch grün. Hier schien der Sommer nicht weichen zu wollen. Aber hoch über dem Tal glänzte auf den Gipfeln und Karen schon frisch gefallener Schnee – der erste dieses seinem Ende zueilenden Jahres.

Zu Ende ging es auch mit Lukas Krainer, obwohl er erst vor einem Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert hatte. Blass und mit rotgeweinten Augen standen seine beiden Töchter Barbara und Angela am Sterbebett des Vaters. Soviel sie auch zur Gottesmutter gebetet hatten, sie möge doch ein Wunder erwirken – da war nun nichts mehr zu hoffen.

Am Fußende des Bettes saß seit Stunden vollkommen unbeweglich Eberhard Höllweiner, der Taufpate der beiden Krainer-Töchter. Sein großflächiges Gesicht war ausdruckslos. Es schien, als warte er gelassen darauf, dass der arme Lukas seinen letzten Atemzug tat.

»Ich – ich möcht' so gern die Sonne noch einmal sehen«, murmelte plötzlich der Sterbende. »Ich bitt' euch – tragt mich hinaus auf den Balkon!«

»Aber das strengt dich doch nur unnötig an, Lukas!«, widersprach ihm der Pate unwillig. »Bleib nur ruhig liegen!«

»Wenn der Vater es so gern will, dann tragen wir ihn schon hinaus«, sagte die blonde Barbara und unterdrückte dabei mühsam ein Aufschluchzen. »Komm, Angela, hilf mir!«

Wie leicht der abgemagerte Körper des einst so starken Bauern geworden war! Die Mädchen umhüllten ihn mit weichen Wolldecken und trugen ihn hinaus auf den Balkon. Dann saß Lukas Krainer zum letzten Mal auf der Bank, die er extra für seine liebe Kathi hingestellt hatte, als sie noch jung und gesund war. Jetzt war sie schon seit vielen Jahren dort, wo auch er bald sein würde ...

Während er so zwischen seinen leise weinenden Töchtern saß und von ihnen gestützt wurde, stiegen Bilder vor ihm auf. Er sah Vater und Mutter, wie sie noch jung waren. Ihm, ihrem einzigen Kind, hatte ihre ganze Liebe gehört. Nichts hatte seine schöne Kindheit getrübt – ausgenommen vielleicht der nicht erfüllte Wunsch, wie andere Buben Geschwister zu haben.

Schnell war die Kindheit vergangen. Da unten, wo der Weg vom Grabnerhof herüberkam, hatte er beim Milchtragen fast täglich ein Dirndl mit dicken blonden Zöpfen getroffen. Die Kathi war Magd beim Grabner, wo auch ihre Mutter seit Jahrzehnten arbeitete. Ihren Vater kannte sie selbst nicht.

Über den Wiesenweg da unten war er dann eines Tages Hand in Hand mit der Kathi heraufgekommen, um den Eltern zu sagen, dass er sie und keine andere heiraten wollte. So wurde nicht lange darauf Hochzeit gefeiert. Der Vater konnte sich bald überzeugen, dass er keine bessere Schwiegertochter und der Krainerhof keine tüchtigere Jungbäuerin hätte bekommen können als die Kathi.

Wie schön war doch besonders diese erste Zeit des Zusammenlebens mit ihr gewesen! Das Glück jedes neuen Tages begann mit dem lieben Lächeln, das sie ihm am Morgen nach dem Aufwachen schenkte. Und Barbara, sein blondes Töchterl, das der Mutter auch äußerlich so ähnlich war, hatte dieses liebe und ausgeglichene Wesen von der Kathi geerbt.

Ja, die Kinder! Niemand hatte geahnt, dass es gleich Zwillinge sein würden, als Kathi damals guter Hoffnung war. Lukas hatte es wenig ausgemacht, noch keinen Hoferben in der Wiege zu haben. Der würde schon noch kommen, hatte er gedacht. Die beiden kleinen Dirndln waren ja so süß!

Aber ganz gleich sahen sie nicht aus, obwohl sie Zwillinge waren: Barbara blond und blauäugig wie die Mutter, Angela war braunhaarig und bekam braune Augen. Und verschieden wurden sie auch in ihrem Wesen. Barbara entwickelte sich zu einem stillen und innerlich ausgeglichenen Mädchen nach dem Wesen der Mutter, Angela hingegen war schon als Kind immer voller Unruhe. Sie setzte durch, was sie wollte, und sie neigte hin und wieder zu leidenschaftlichen Temperamentsausbrüchen.

Ach, hätte er doch noch ein paar Jahre wenigstens leben dürfen! Seine beiden Mädchen waren vor Kurzem erst achtzehn geworden. Wie sollten sie allein zurechtkommen mit dem Hof? Und da war ja auch dieser Plan, den der Eberhard Höllweiner und er in Angriff genommen hatten ...

Die Fremdenpension, die jetzt im Rohbau drüben am Waldrand stand, war eine Idee vom Eberhard Höllweiner, seinem Vetter, gewesen, der zugleich Taufpate von Barbara und Angela war.

Nie hätte er selbst, der Krainerbauer, daran gedacht, sich mit etwas anderem als der Hofwirtschaft zu beschäftigen. Weil der Eberhard aus eigener Kraft nicht genügend Kapital aufbringen konnte, hatte er den Vetter zum Mitmachen überredet. Lukas brauchte nur die halben Baukosten aufbringen und für den Ausstattungskredit gutzustehen, und dafür sollten ihm dann später die halben Einnahmen aus dem Gästehaus gehören.

Kümmern müsse er sich sonst um nichts, hatte der Eberhard immer wieder beteuert, und schon in zehn Jahren würde überdies das ganze aufgewendete Geld schon wieder zurückverdient sein. Denn wären sie beide schuldenfreie Besitzer eines wertvollen und gewinnbringenden Unternehmens ...

Nach langem Zögern hatte sich Lukas Krainer breitschlagen lassen und das für seine Begriffe abenteuerlich hohe Darlehen aufgenommen.

Jetzt, da Lukas Krainer wohl zum letzten Mal auf dem hölzernen Balkon seines Hauses saß und die Sonne gesehen hatte, hob er den müden Kopf und blickte Eberhard Höllweiner an.

»Versprich mir, dass du gut auf meine beiden Dirndln schaust!«, bat er heiser. »Gelt, Eberhard?«

»Da kannst du ganz beruhigt sein, Lukas«, versprach der Höllweiner. »Wo ich doch ihr Taufpate bin!«

»Der Himmel wird es dir danken«, murmelte Lukas Krainer. »Und jetzt tragt mich wieder hinein – es wird bald aus sein mit mir ...«

***

Und so war es dann auch. Schon in der folgenden Nacht starb der Mann, der noch so gern gelebt hätte – wenigstens für seine Töchter!

Barbara und Angela versuchten sich gegenseitig damit zu trösten, dass dem Vater trotz der tödlichen Krankheit, die sich in seinem Leib so schnell und unaufhaltsam ausgebreitet hatte, arge Qualen erspart geblieben waren.

Jetzt, da der Krainerbauer unten auf dem Friedhof neben seiner Frau und seinen Eltern die letzte Ruhestätte gefunden hatte, mussten die Schwestern sehen, wie es mit der Hofwirtschaft weitergehen sollte.

Im letzten Jahr, da der Vater nicht mehr arbeiten konnte, hatten sie den Matthias eingestellt, einen braven Knecht, der jedoch nicht mehr der jüngste war und viel mit seinem Ischias zu tun hatte. Fast kein Monat war vergangen, im dem sich Barbara und Angela nicht sorgend fragten, was sie tun sollten, wenn der Matthias ganz ausfiel. Die Zeiten waren so, dass die Hoffnung auf einen jüngeren Knecht praktisch aussichtslos erschien. Für den Lohn, den ein Bergbauer zahlen konnte, wollte sich keiner mehr schinden.

Als sie nach einem nebeligen Oktobertag abends am Küchentisch saßen und wieder darüber redeten, wie es weitergehen sollte, kam überraschend ihr Pate herein.

»Ist der Matthias noch auf?«, fragte der Höllweiner.

»Den plagt wieder sein Ischias, er liegt schon«, antwortete Angela.

»Na, dann können wir ja in aller Ruhe reden miteinander«, sagte der Höllweiner.

Die Mädchen konnten sich nicht denken, worum es sich handeln würde.

»Also«, begann er, »ihr wisst ja, dass ich und euer Vater uns zusammengetan haben – ich meine bezüglich der Fremdenpension! Im Anfang hat es ausgeschaut, als müsste damit alles in Ordnung gehen. Aber inzwischen sind alle Kosten und Preise irrsinnig gestiegen. Ob ihr Dirndln davon eine Ahnung habt, weiß ich nicht. Na – jedenfalls reicht das Geld nicht, das der Lukas und ich aufgebracht haben. Und an einen weiteren Kredit ist nicht einmal zu denken ...«

Barbara und Angelas Augen blieben ziemlich verständnislos. Sie wussten, was der Vater mit dem Onkel da drüben am Waldrand geplant und zu bauen begonnen hatte, aber richtig unter die Haut gegangen war ihnen dieses zukünftige Gästehaus eigentlich nie.

»Ja, ihr könnt euch vielleicht nicht vorstellen, was das bedeutet«, fuhr der Höllweiner fort. Er betrachtete seine auf dem Tisch liegenden Hände. Bei dem, was er den beiden nun sagen wollte, mochte er ihnen nicht gern ins Gesicht sehen.

»In der kaufmännischen Sprache nennt man das liquidieren', was ich jetzt mit der angefangenen Pension machen muss.« Er versuchte, seiner Stimme einen traurigen Klang zu geben. »Aufgeben und so gut als möglich verkaufen, heißt das auf gut deutsch.«

»Na, wenn's nicht mehr ist!«, sagten Barbara und Angela wie aus einem Munde.

Jetzt hob der Höllweiner doch den Blick.

»So jung ihr seid, so dumm seid ihr noch!«, meinte er bedauernd. »Die Bank wird das viele Geld zurückhaben wollen, das euer Vater und ich aufgenommen haben. Und es ist doch bei euch keines da – oder?«

»Ein paar Tausender halt, mehr nicht«, antwortete Angela.

»Dann seh' ich schwarz für den Krainerhof!«, stellte der Höllweiner trocken fest.

Jetzt erst glomm etwas von Angst auf in den Augen der Schwestern.

»Onkel Eberhard – was meinst du denn damit?«, fragte Barbara schnell.

»Dass von eurem Besitz nicht viel übrig bleiben wird, meine ich. Damit die Bank wieder zu ihrem Geld kommt, wird sie auf einer Versteigerung bestehen. Die Herren kennen da nichts, es geht ja nicht um ihr eigenes Geld, sie sind den Sparern gegenüber verantwortlich, dass nichts verloren geht.«

»Ver... Versteigerung?«, stammelte Barbara.

»Ja, was sonst? Ich hab noch das Glück, dass mir jemand hilft, sonst wäre mein Besitz auch hin. Gehören wird er mir zwar in Zukunft so gut wie nicht mehr, aber dortbleiben darf ich wenigstens!«

»Und wir – wir dürfen nicht auf dem Krainerhof bleiben?« Angela war ganz bleich geworden.

»Wenn der Hof verkauft und von jemand anderem bewirtschaftet wird, könnt ihr ja fragen, ob der eine Magd braucht oder zwei«, sagte der Höllweiner kalt. »Sonst müsst ihr euch halt anderswo um eine Arbeit und ein Quartier umschauen!«

»Heilige Maria!«, entfuhr es Barbara. Ihre Augen zeigten, dass sie das alles noch nicht ganz fassen konnte.

»Aber könnte denn nicht auch uns einer helfen, so wie dir?«, fragte Angela. »Bitte, Onkel Eberhard, so rede doch mit ihm!«

»Da muss ich lachen, Dirndl! – Was glaubst du, was für ein Glück ich hab, dass wenigstens für mich einer gutsteht. Das ist so, als ob zu Weihnachten noch einmal Erdäpfel wachsen – ein Wunder, sag' ich euch! So eins gibt's kein zweites Mal!«

»Nein, nein – das darf nicht wahr sein!«, rief Angela entsetzt, während Barbara haltlos zu schluchzen begann und den Kopf auf die Tischplatte fallen ließ.

Der Höllweiner stand auf und griff nach dem Hut.

»So, gesagt hab ich's euch – helfen kann ich euch nicht. Ihr müsst euch halt abfinden damit – jung genug seid ihr ja dazu ...« Er zuckte mit den Schultern, murmelte »Gute Nacht« und ging.

***

In ihrer Verzweiflung beschlossen die Mädchen, dass Angela in die Stadt fahren und Vaters alten Rechtsanwalt aufsuchen sollte. Vielleicht wusste der einen Rat, wie man die Katastrophe aufhalten konnte.

Nachdem ihm Angela vorher alles von Onkel Höllweiner Gehörte berichtet hatte, machte Dr. Lauermann ein sehr ernstes Gesicht.

»Ich habe Ihrem Vater damals geraten, sich diese Beteiligung an dem Gästehaus lieber noch zwölfmal zu überlegen, als einzusteigen und zu glauben, dass alles so gut gehen wird, wie es der Herr Höllweiner meint. Wer weiß, was da jetzt gespielt wird, wenn man es nur mehr mit euch beiden Mädchen zu tun hat. Einen Vormund habt ihr auch noch keinen, und bis der bestellt ist, seid ihr schon achtzehn und habt ihn nicht mehr nötig. Mich würde es nicht wundern, wenn in der Zwischenzeit Dinge passieren, die, gelinde gesagt, recht fragwürdig sind. Ihr könnt euch ja praktisch nicht wehren. Ich werde mich zunächst einmal mit der Bank in Verbindung setzen und mir sagen lassen, was los ist. Du lieber Himmel, ihr seid ja noch nicht einmal rechtmäßige Besitzer vom Krainerhof – das Erbschaftsverfahren ist noch nicht erledigt!«

Als Angela von der Stadt nach Hause kam, war sie um nichts klüger. Nur, dass sie Angst um den Krainerhof und ihre Zukunft haben mussten, war sicher.

***

Von da an betrachteten beide Schwestern das Familienanwesen mit anderen Augen. Wie klein waren jetzt die Sorgen geworden, wie die Wirtschaft in Zukunft geführt werden sollte! Was bedeutete jetzt schon die Frage, ob eine Magd eingestellt werden sollte und wie es möglich sein würde, die Waldarbeiten zu bewältigen ...

Nur um eines drehten sich die Gedanken und Gespräche der jungen Schwestern unablässig – nur nicht fort müssen von ihrem Zuhause! Nur hierbleiben dürfen, wo sie ihre Kindheit verbracht hatten!

Von Dr. Lauermann kam ein kurzer Brief. Er bat, wenigstens eine der Schwestern sollte ihn besuchen. Es gehe um wichtige Informationen, die schriftlich schwer zu geben seien ...