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Für Ferdinand von Sonnberg ist es Liebe auf den ersten Blick, als er eines Tages der hübschen
Gela gegenübersteht. Sie ist die Frau, von der er immer geträumt hat, und so ist er nicht bereit zu verzichten, als er erfährt, dass auch sein Bruder Alexander die reizvolle Gela liebt.
Beide Männer werden zu erbitterten Rivalen und erwarten, dass Gela sich zwischen ihnen entscheidet - dass sie wählt zwischen Glück und Enttäuschung, zwischen Liebe und Hass. Zu spät erkennen die Brüder, dass sie einen Fehler gemacht haben, denn es passiert etwas, das ihrer beider Lebensglück für immer zu zerstören droht ...
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2024
Cover
Ein Schloss in der Steiermark
Vorschau
Impressum
Ein Schloss in der Steiermark
Wann zieht endlich das Glück ein?
Von Michaela Rosenau
Für Ferdinand von Sonnberg ist es Liebe auf den ersten Blick, als er eines Tages der hübschen Gela gegenübersteht. Sie ist die Frau, von der er immer geträumt hat, und so ist er nicht bereit zu verzichten, als er erfährt, dass auch sein Bruder Alexanderdie reizvolle Gela liebt.
Beide Männer werden zu erbitterten Rivalen und erwarten, dass Gela sich zwischen ihnen entscheidet – dass sie wählt zwischen Glück und Enttäuschung, zwischen Liebe und Hass. Zu spät erkennen die Brüder, dass sie einen Fehler gemacht haben, denn es passiert etwas, das ihrer beider Lebensglück für immer zu zerstören droht ...
Vor dem Gasthof »Zur Post« im steirischen Bergdorf Niederleiten fuhr ein elegantes Auto mit deutschem Kennzeichen vor. Rupert Kronacher, der Wirt, beobachtete durch das Fenster, wie eine vornehm wirkende junge Frau von ungewöhnlicher Schönheit ausstieg und dem Eingang der Gaststätte zustrebte.
»Grüß Gott, Gnädigste!«
»Grüß Gott, Herr Wirt«, erwiderte die junge Dame recht freundlich. »Ich brauche für eine Nacht, vielleicht auch für mehrere, ein nettes Zimmer. Gibt es das bei Ihnen?«
»Aber selbstverständlich!«, antwortete der Kronacher selbstbewusst. »Ich habe meine Fremdenzimmer erst vor zwei Jahren renovieren lassen. Die gnädige Frau wird ganz bestimmt zufrieden sein mit dem, was der Postwirt zu Niederleiten zu bieten hat«, versicherte er gespreizt.
»Gibt es auch ein Zimmer mit Bad bei Ihnen? Ich habe eine ziemlich lange Fahrt hinter mir.«
»Sehr wohl, gnädige Frau. Sie bekommen das allerschönste Zimmer mit Ausblick auf den Sonnberg, und selbstverständlich hat das Zimmer ein eigenes Bad. Möchten Sie es gleich sehen?«
»Sehr gern«, antwortete die junge Dame im grauen Lodenkostüm. »Helfen Sie mir, meine Sachen ins Zimmer zu bringen? Und dann hätte ich gerne noch eine Kleinigkeit gegessen, bevor ich mich ein wenig ausruhe.«
»Wie gnädige Frau belieben«, erwiderte der Wirt gesucht höflich. Das Zimmer war in Ordnung, und wenig später saß die Dame im Extrazimmer bei einer Suppe.
»Sie haben vorhin vom Sonnberg gesprochen«, fragte sie den Wirt wie nebenbei. »Gibt es da nicht auch einen Grafen, der so heißt?«
»Aber freilich«, bestätigte der Kronacher. »Sogar zwei Grafen von Sonnberg gibt es bei uns. Brüder sind sie, der Graf Ferdinand und der Graf Alexander. Wenn Sie ein Stück aus dem Dorf hinausgehen, sehen Sie das Schloss.«
»Ein Schloss, in dem man noch wohnen kann?«
»Da werden Sie staunen, gnädige Frau, wenn Sie das sehen, da ist überhaupt nichts verfallen wie anderswo. Schloss Sonnberg ist keine Ruine. Die Herren sind reich.«
Die junge Dame hatte aufmerksam zugehört.
»Gehört denn der ganze Besitz den beiden Grafen gemeinsam?«
»Genau je zur Hälfte«, gab der Wirt gerne Auskunft. »Aber sie leben und bewirtschaften alles gemeinsam. Im Testament des alten Grafen soll angeblich stehen, dass eine Teilung erst dann zu erfolgen hat, wenn einer der Brüder heiratet.«
»Und die sind noch ledig?«, staunte die Dame. »Wie alt sind denn die Herren?«
»Der Graf Alexander muss jetzt etwa achtunddreißig sein und der Ferdinand zwei oder drei Jahre jünger.«
»Und da hat noch keiner von beiden eine Familie?«
»Nein, darüber wundern sich sowieso alle bei uns.«
»Und ihren Haushalt lassen sie durch Personal führen? Oder gibt es da noch weibliche Verwandte?«
»Nein, von einer Verwandtschaft hat man nie etwas gehört. Ich glaube, die beiden Grafen sind die letzten Sonnbergs. Niemand kann sich vorstellen, wer einmal das Schloss und den ganzen riesigen Besitz erben wird.«
***
Noch am gleichen Nachmittag machte sich Gela von Beringen auf den Weg zum Schloss. Sie ging zu Fuß, und wie der Wirt es gesagt hatte, erblickte sie das Schloss gleich nach den letzten Gehöften des Dorfes.
Der wuchtige Bau mit dem steilen Dach wurde von zwei Türmen flankiert, deren trutziger Eindruck jedoch dadurch gemildert wurde, dass im Laufe der Jahrhunderte anstelle der mittelalterlichen Schießscharten Fenster ausgebrochen worden waren. Wie riesige Erker schienen die Türme jetzt zum Wohnbereich zu gehören. Alle Fensterrahmen waren weiß gestrichen, ihre Läden grün, und zusammen mit den sauber verputzten Mauern machte das einen freundlichen Eindruck.
Auf einem musterhaft in Ordnung gehaltenen Weg gelangte die junge Frau an ein hohes, kunstvoll aus Schmiedeeisen gefertigtes Tor. Dahinter erstreckte sich bis zum Schloss eine gepflegte Rasenanlage.
Ein Jagdhund begann zu bellen und kam herangesprungen, noch ein zweiter gesellte sich dazu.
Gela sah einen alten Mann aus einem Nebeneingang des Schlosses kommen.
»Bitte?«, fragte er und blickte sie misstrauisch an.
»Ich möchte einen der Herren Grafen sprechen«, sagte sie freundlich und reichte dem Alten ihre Karte durch das Gitter. »Wollen Sie bitte so nett sein und das bestellen!«
»Die Herren sind nur dann zu sprechen, wenn ein Besuch vereinbart ist«, entgegnete der Mann würdevoll. »Aber ich werde Ihre Ankunft melden.«
Nach einer Weile kam der Alte zurück. Ohne sich zu beeilen, öffnete er das Tor.
»Die Herren lassen bitten!«, sagte er.
Von den beiden Hunden eifrig beschnüffelt, ging die junge Frau ihm nach. Er führte sie zum Haupteingang, ließ sie höflich durch eine schwere Eichentür treten und geleitete sie dann über eine breite Treppe zur oberen Etage hinauf.
Der Mann klopfte kurz an eine Flügeltür, öffnete und ließ die Besucherin eintreten. Sie befand sich in einem mittelgroßen Salon mit hohen Fenstern und holzgetäfelten Wänden. An einem niederen Tisch saßen zwei Herren in bequemen Ledersesseln beim Tee. Als sie die junge Dame erblickten, erhoben sie sich unverzüglich.
»Guten Tag«, sagte Gela von Beringen und blieb nahe der Tür stehen. »Ich muss Sie um Verzeihung bitten, dass ich so unvereinbart bei Ihnen hereinplatze. Und ich danke Ihnen, dass Sie mich dennoch empfangen!«
»Grüß Gott!«, sagten die beiden Grafen wie aus einem Munde.
»Was verschafft uns die Ehre?«, erkundigte sich der eine, ohne sich von der Stelle zu rühren.
»Ich beschäftige mich mit Landschaften und historischen Bauwerken«, antwortete Gela von Beringen bescheiden. »Wo es mir gestattet wird, nutze ich die Gelegenheit, neue Eindrücke zu gewinnen und meine Kenntnisse zu erweitern. Wenn Ihnen mein Anliegen nicht angenehm sein sollte, werde ich natürlich sofort wieder gehen.«
Während sie ihre Bitte vortrug, wurde sie von den beiden Grafen aufmerksam betrachtet. Die Brüder wechselten einen Blick.
»Dürfen wir Sie bitten, eine Tasse Tee mit uns zu trinken?«, fragte einer von ihnen.
»Gerne«, sagte Gela und nickte.
Jetzt verließen die beiden Herren ihre Plätze und kamen freundlich auf sie zu.
»Alexander von Sonnberg«, stellte sich der hagere und offensichtlich ältere Bruder vor und küsste ihr galant die Hand.
»Und ich bin Ferdinand von Sonnberg«, sagte der Jüngere lächelnd.
Gela nahm Platz. Auf ein Klingelzeichen hin erschien ein Hausmadl, das ihr eine Tasse brachte und ihr Tee einschenkte.
»Schloss Sonnberg sieht selten einen Gast«, erzählte nun der ältere Graf. »Wir bitten deshalb zu entschuldigen, wenn wir anfänglich einen abweisenden Eindruck machten.«
»Ich habe Ihren Empfang als korrekt und keinesfalls abweisend empfunden«, antwortete sie mit einem charmanten Lächeln.
»Es mag für Sie schwer verständlich sein, aber mein Bruder und ich leben so ein bisschen wie Einsiedler«, ergänzte der Jüngere mit einem Anflug von Ironie. »Uns genügt dieses Dasein, wir sehnen uns nicht nach dem Leben außerhalb von Sonnberg.«
Gela setzte die Tasse ab und blickte ihm in die Augen, in denen sie Wohlgefallen bemerkte.
»Möglicherweise ist es das einzig wahre Glück in dieser Zeit«, erwiderte sie verständnisvoll. »Finden können es freilich nur Auserwählte. Ich beglückwünsche Sie dazu.«
»Sie beschämen uns!«, beeilte sich der Ältere zu sagen. In seinen Augen war ein tiefer Ernst. »Ferdinand und ich streben nicht an, auserwählt glücklich zu sein. Wir nehmen nur dankbar an, was unser Erbe uns ermöglicht.«
»Meinen Eltern war es nicht vergönnt, mir weiterzugeben, was sie einst besessen haben«, gestand Gela ein wenig melancholisch. »Das Schicksal schlägt manchmal sehr brutal zu.« Sie blickte auf ihre Hände. »Bitte missverstehen Sie diese Bemerkung nicht, aus ihr soll kein Neid sprechen. Bitte, tun Sie mir den Gefallen und vergessen Sie sie. Ich werde mit meinem Leben recht gut fertig.«
Die Hausherren zeigten sich von ihrer Bescheidenheit beeindruckt.
»Sind Sie vielleicht schriftstellerisch tätig?«, fragte der hagere Graf Alexander.
»Ach, es lohnt sich eigentlich nicht, darüber zu sprechen«, wehrte sie ab. »Vielleicht genügt Ihnen mein aufrichtiges Interesse an dieser grandiosen Berglandschaft und Ihrem prachtvollen Schloss?«
»Es ist für uns sehr schmeichelhaft«, freute sich der jüngere Bruder lebhaft. »Vielleicht dürfen wir Sie bitten, sich viel Zeit zum Kennenlernen unseres Hauses und unserer Heimat zu nehmen!«
»Ja, tun Sie das!«, bat auch der Ältere. »Wir werden uns glücklich schätzen, Ihnen dabei behilflich sein zu können.«
»Sie sind zu gütig, meine Herren!«, entgegnete Gela strahlend.
»Kommen Sie doch schon am Vormittag, und erlauben Sie uns, dass wir Sie zum Essen bitten, ja?«, bat Graf Ferdinand begeistert.
Gela von Beringen versprach es nur zu gerne. Das war viel mehr, als sie zu erreichen gehofft hatte.
Auf keinen Fall wollte sie den Eindruck erwecken, aufdringlich zu sein.
***
Als Gela von Beringen am nächsten Vormittag zum Schloss hinaufging, waren ihre Schritte freier und ihre Augen unbekümmerter als am Vortag. Wie gut doch alles angefangen hatte! Optimistisch verscheuchte sie den sorgenden Gedanken, sie könnte sich allzu früh über den Erfolg ihres Vorhabens freuen.
Diesmal brauchte sie nicht an dem großen schmiedeeisernen Tor zu warten, bis der Alte kam und sie zögernd einließ. Als die Jagdhunde ihre Ankunft lauthals meldeten, eilten auch schon die beiden Grafen aus dem Hauptportal herüber.
»Hallo, guten Morgen!«, rief der Jüngere fröhlich, während er das Tor öffnete. »Sie kommen später, als wir gehofft haben!«
»Ich wollte nicht unbescheiden sein«, sagte Gela, während erst Ferdinand und dann auch Alexander ihr galant die Hand küssten.
»Womit beginnen wir? Was ist Ihnen angenehm?«, erkundigte sich Ferdinand lebhaft. Seine hellen Augen verrieten, wie entzückend er den weiblichen Gast fand.
»Vielleicht nutzen wir die Stunde bis Mittag, um Frau von Beringen einen Teil des Hauses zu zeigen?«, schlug Alexander in seiner ruhigen Art vor. Auch in seinen dunklen Augen schimmerte Freude über ihr Kommen.
»Ich füge mich mit Vergnügen«, versicherte sie. »Mir ist alles recht, wenn Sie mich nur nicht gleich wieder fortschicken.«
»Wie Sie nur auf einen solchen Gedanken kommen können!«, protestierte Ferdinand temperamentvoll. »Die wahren Nutznießer Ihres Besuches sind doch Alexander und ich!«
»Sie sind zu höflich!«, wies ihn Gela scherzend zurecht.
Was sie in dieser Stunde vor dem Mittagessen allein in der unteren Etage des Schlosses Sonnberg zu sehen bekam, bestätigte das, was der Postwirt Rupert Kronacher behauptet hatte. Die gräflichen Brüder waren reich!
In längst nicht mehr bewohnten Sälen und Salons häuften sich Schätze verschiedenster Art. Da gab es Porzellan in einer erlesenen Güte und Vielfalt, wie es Gela in Privatbesitz noch nie zu sehen bekommen hatte. Silberne Besteckgarnituren und Tafelgeräte von schier unschätzbarem Wert schimmerten vor ihren Augen.
Die Brüder zeigten ihr alles mit lässiger Selbstverständlichkeit. Der Anblick dieser Schätze und ihr Besitz waren ihnen vertraut, sie schienen nichts Besonderes daran zu finden, sie in ihrem Haus zu wissen.
Ferdinand blickte auf die Uhr und klatschte in die Hände.
»Pause jetzt! Das Essen wartet!«
Das Essen wurde nicht in dem Salon serviert, in dem Gela gestern Tee getrunken hatte. Obwohl sie in der Regel nur zu zweit aßen, pflegten die Grafen ihre Mahlzeiten im großen Speisesaal einzunehmen. Hier hatten sie einst mit ihren Eltern gegessen, und sie wollten die Tradition fortsetzen.
Gela von Behringen wurde an einen Platz in der Mitte der langen, mit herrlichem Damast und Silber gedeckten Tafel gebeten. Brennende Kerzen schufen eine festliche Stimmung.
Das Dirndl, das Gela schon gestern beim Tee gesehen hatte, trug die Suppe auf. Man wünschte guten Appetit und begann zu essen.
»Ich fürchte, unser lieber Gast erhält einen völlig falschen Eindruck von unserem Leben«, scherzte der jüngere Graf und lachte zu seinem Bruder hinüber. »Es könnte so aussehen, als bestünde unser Leben nur darin, recht kultiviert beisammen zu sein, im Salon Tee zu trinken und bei Kerzenlicht zu speisen. In Wirklichkeit aber führen wir beide ein ziemlich raues Leben.«
»Ja«, bestätigte Graf Alexander. »Gestern war es eigentlich Zufall, dass Sie uns um diese Nachmittagsstunde hier im Schloss angetroffen haben. Ferdinand und ich leben nämlich mehr in unseren Wäldern als zu Hause im Schloss.«
»Wenn es nicht auch so etwas wie Verwaltungsarbeit für uns gäbe, würden wir wahrscheinlich monatelang nur in unseren Jagdhütten schlafen«, erzählte Ferdinand fröhlich.
»Und wenn Sie uns auf dem Berg begegneten, wo wir nur unsere alte Jagdkleidung anhaben, könnten Sie uns für ordinäre Jagdgehilfen halten, die sich schon tagelang nicht mehr gewaschen und rasiert haben«, meinte der Ältere lächelnd.
»Nun übertreiben Sie aber bestimmt, Herr Graf.« Den von Sonne und Wind gebräunten Gesichtern der beiden Männer war zwar anzusehen, dass sie keine Salonmenschen waren, aber ungepflegt und verwildert konnte sie sich die beiden Herren eigentlich nicht vorstellen.
»Unsere lieben Eltern haben sich sehr viel Mühe gegeben, Xandl und mich ...« Zum ersten Mal nannte Ferdinand den Bruder vor Gela mit dem Kosenamen. »... zu zivilisierten Menschen zu machen. Wenn unsere gute Mama sehen müsste, wie wir oft vom Berg herunterkommen, würde sie die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.«
Das Dirndl erschien wieder und trug die Suppenteller ab. Als Hauptspeise gab es gebratenen Rehrücken, dazu ungarischen Rotwein.
»Wir hoffen, Sie essen gern Wild?«, erkundigte sich Ferdinand bei Gela.
