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Schon seit zwei Jahren lebt Rosina an der Seite ihres schwer kranken Mannes. Kein Wort der Klage kommt über ihre Lippen, obwohl die aufopfernde Pflege, die Rupert braucht, manchmal über ihre Kraft geht. Um Rosina wenigstens ein bisschen zu entlasten, stellt Rupert eines Tages einen Knecht ein. Wie hätte der kranke Mann auch ahnen können, dass er sich damit einen Nebenbuhler ins Haus holt? Denn Rosina glaubt, bei dem gut aussehenden Thomas all das zu finden, was sie bei Rupert schon so lange entbehren muss ...
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Seitenzahl: 112
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Gefährliche Nähe
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Impressum
Gefährliche Nähe
Die sündige Sehnsucht einer verheirateten Frau
Von Michaela Rosenau
Schon seit zwei Jahren lebt Rosina an der Seite ihres schwer kranken Mannes. Kein Wort der Klage kommt über ihre Lippen, obwohl die aufopfernde Pflege, die Rupert braucht, manchmal über ihre Kraft geht.
Um Rosina wenigstens ein bisschen zu entlasten, stellt Rupert eines Tages einen Knecht ein. Wie hätte der kranke Mann auch ahnen können, dass er sich damit einen Nebenbuhler ins Haus holt? Denn Rosina glaubt, bei dem gut aussehenden Thomas all das zu finden, was sie bei Rupert schon so lange schmerzlich entbehren muss ...
Während der junge Bauer Thomas Rauchegger durch den schon nach Frühling duftenden Bergwald ging, dachte er an Martha und daran, dass er nun bald nicht mehr allein leben würde.
Bisher hatte es das Schicksal mit dem erst sechsundzwanzig Jahre alten Besitzer des nicht großen, aber lebensfähigen Raucheggerhofs nicht gut gemeint. Nachdem er schon als Kind seine Mutter verloren hatte, musste er im letzten Frühjahr auch den Vater allzu früh begraben.
Die Hochzeit mit der hübschen schwarzhaarigen Martha musste daraufhin verschoben werden. Anstand und Sitte geboten, dass Thomas erst das Ende des Trauerjahres abwartete, ehe er die Braut heimführte!
Besonders der nun endlich weichende Winter war eine schwere Zeit für den alleinstehenden jungen Bauern gewesen. Gewaltige Schneemassen hatten ihn von der Umwelt abgeschlossen.
In der Abgeschiedenheit seines Hofs hatte er erstmals in seinem Leben erfahren müssen, was es hieß, einsam zu sein. Denn zu allem Unglück mit dem Vater war auch Lena, die bejahrte Magd, vom Hof gegangen. Der Rheumatismus hatte sie schon längst arbeitsunfähig gemacht, jeder Handgriff war ihr zur Plage geworden. Thomas musste einsehen, dass die liebe Alte recht hatte, wenn sie ins Tal zu ihrer jüngeren Schwester ging, die ein kleines Haus besaß und sich um sie kümmern konnte.
Aber nun ging das Alleinsein zu Ende. Auf den ersten Sonntag im Mai war die Hochzeit angesetzt. Endlich würde Martha auf dem Raucheggerhof einziehen können. Das gemeinsame Leben, nach dem sie und Thomas sich schon so lange sehnten, würde anfangen!
Zum ersten Mal seit dem Tod des Vaters pfiff Thomas wieder fröhlich vor sich hin, während er nach Georgsreith hinunterging. Er wollte mit dem Bus in die Bezirksstadt fahren, um sich im Lagerhaus der Raiffeisenkasse nach einem guten Tiefkühlschrank umzusehen. Er hatte es Martha versprochen.
Bis zur Abfahrt des Busses war noch eine halbe Stunde Zeit. Thomas war schnell gegangen, jetzt konnte er noch Martha sehen.
Der Hof ihres Vaters stand am Hang über Georgsreith. Martha hatte gerade den Hühnern Futter gestreut, als sie ihren hochgewachsenen Verlobten den Berg herunterkommen sah.
»Thomas!«, rief sie ihm freudig entgegen.
Das Herz des jungen Bauern machte einen Sprung. Sein Mädchen war eines der hübschesten im ganzen Tal. Der Hias Kronfellner hatte sie wie verrückt umworben. Doch obwohl der Hias im Begriff war, einen der größten Höfe zu erben und Martha gewiss ein sorgloses Leben in Wohlhabenheit anbieten konnte, war er abgeblitzt. Martha hatte sich für ihn, den keineswegs reichen Thomas Rauchegger, entschieden!
Mit langen Schritten eilte Thomas auf das schwarzhaarige Dirndl mit den Kirschaugen zu und gab ihr ein herzhaftes Busserl.
»Ich hab' schon Angst gehabt, dass du vielleicht nicht daheim bist«, lachte er.
»Fährst du vielleicht zum Lagerhaus?«, erkundigte sie sich schnell.
»Ich hab' es dir ja versprochen, Schatz!«
»Du bist brav«, lobte sie ihn.
»Für dich muss ich mich schon anstrengen, Martha. Sonst nimmst du dir am Ende doch noch den Hias«, scherzte er.
»Bei dir ist wohl nicht alles in Ordnung!«, schnappte Martha zurück.
Thomas griff mit der freien Hand nach ihrem Kinn.
»So, Schatz, jetzt muss ich weiter, sonst versäum' ich noch den Bus und du kriegst keine Kühltruhe. Gibst du mir noch ein Busserl?«
Sie warf beide Arme um seinen Nacken und küsste ihn, dass ihm ganz anders wurde. Martha war so heißblütig, wie sie aussah.
»Nur mehr vier Wochen, Schatz!«, raunte Thomas ihr vielsagend ins kleine Ohr, ehe er sich losriss.
»Bring mir was Schönes mit aus der Stadt!«, rief Martha ihm nach, als er sich weiter unten noch einmal umdrehte und zurückwinkte.
***
Die Haltestelle für den Bus war beim »Goldenen Hirsch«, dessen Wirt sich Konrad Breisacher schrieb. Thomas sah auf die Uhr. In fünf Minuten musste der Bus kommen, es zahlte sich nicht mehr aus, in die Wirtschaft hineinzugehen.
Der Breisacher steckte seinen dicken Kopf zur Tür heraus.
»Kannst schon noch reinkommen, Thomas!«, rief er einladend. »Gerade hat die Post angerufen bei mir. Der Bus hängt oben in Wiesenau. An der Zündung ist was kaputt ...«
»Na, hoffentlich kommt er bald«, murmelte Thomas und entschloss sich nach kurzem Zögern, doch in die Gaststube zu gehen.
Dem Breisacher war das nicht nur deshalb willkommen, weil er ein Glas Bier verkaufen konnte. Mit dem jungen Besitzer des Raucheggerhofs wollte er ein Geschäft machen, von dem sich der habgierige Wirt später viel Geld versprach.
»Na, Thomas«, redete er seinen einzigen Gast im Lokal sogleich an, während er ihm das Glas auf den Tisch stellte. »Was ist mit uns zwei, hast du es dir noch einmal überlegt?«
»Lass mich endlich in Ruh' damit, Breisacher!« In der Stimme des jungen Bauern war Unwillen. »Ich verkauf' meinen Besitz nicht, und wenn du dich auf den Kopf stellst!«
»Dann mach' ich dir einen anderen Vorschlag, Thomas!« Der Wirt setzte sich zu ihm, legte die dicken Arme auf die Tischplatte und sah ihn lauernd an. »Ich beteilige dich an der Fremden-Pension. Du stellst den Grund und Boden und übernimmst sozusagen die Hausverwaltung! Ich stell' den Neubau her, richte die Zimmer und das Restaurant ein und kümmere mich um die Gäste und so weiter.«
»Ich will weder verkaufen noch mich beteiligen an dem, was du vorhast, Breisacher«, sagte Thomas. »Am ersten Sonntag im Mai heirate ich, und dann will ich mit der Martha meinen Hof bewirtschaften. Als Bauer, verstehst du? Das andere kannst du vergessen.«
»Du bist einfach nicht vernünftig, Thomas!« Der Wirt dachte nicht daran, seinen Plan so schnell aufzugeben. »Jetzt überleg dir doch mal: Was du mit der Martha da oben mit dem Vieh, dem Wald und den paar Äckern erwirtschaften kannst, das wird gerade dafür reichen, dass ihr am Leben bleibt. Eure Kinder tun mir jetzt schon leid. Sie werden nichts lernen können und später genauso ein armseliges Leben führen müssen wie du ...«
»Sorg dich du nicht um mein Leben – ich bin zufrieden damit!«, unterbrach Thomas ihn unwirsch.
In diesem Moment flog die Tür auf, und zwei Burschen kamen in die Gaststube.
Der Schwung, mit dem sie erschienen, ließ darauf schließen, dass sie schon etwas angetrunken waren. Mit überlauter Stimme rief der Größere dem Wirt herrisch zu:
»Wir sind jetzt da, Breisacher! Gibt's nichts mehr zum Saufen bei dir? Beeilung, wir haben Durst!«
»Dann müsst ihr mir auch sagen, was ich euch bringen soll!«, meinte der Wirt missmutig. Er hätte jetzt lieber noch auf den Rauchegger eingeredet – so bald würde er den nicht wieder sehen!
»Zwei Bier und zwei Enzian – große natürlich!« ordnete der Bursche an und schaute herausfordernd auf Thomas: »Passt dir was nicht, Rauchegger?«
»Sauf, was und wie viel du willst!«, lachte Thomas.
Er kannte die beiden Burschen aus Wiesenau flüchtig. Der Binder-Jockel war Zimmerer im Betrieb seines Vaters, der Obermeier-Bertl ein Forstarbeiter, der eher in den Wirtshäusern als im Wald zu finden war.
»Traust du dich vielleicht gar über uns zu lachen?«, giftete sich der Bertl. Er erhob sich drohend von der Bank, auf die er sich eben niedergesetzt hatte.
»Da habt ihr euren Enzian und euer Bier, und jetzt gib einen Frieden, Obermeier!« Der Wirt drückte den Burschen wieder auf seinen Sitzplatz.
»Wenn uns der Rauchegger beleidigt, brauchst du ihn nicht in Schutz zu nehmen, Breisacher!«, regte sich der Binder-Jockel auf. »Dem zeigen wir es schon noch!«
»Mich braucht keiner in Schutz zu nehmen, das besorg' ich schon selber«, sagte Thomas verträglich. »Ihr zwei seit halt schon ein bisserl lustig, aber das ist eure Sach' ...«
»Hörst du, Bertl?«, fuhr der Zimmerer auf. »Der Rauchegger wird frech und behauptet, dass wir nicht mehr wissen, was wir reden!« Er stieß den Wirt weg, sprang zu Thomas hin und versuchte, ihn am Rockkragen hochzuzerren.
»Nimm deine Pratzen weg!«, rief Thomas zornig.
»Da!«, brüllte der Jockel und holte zum Schlag aus. Doch in diesem Augenblick war Thomas bereits aufgesprungen. Seine Faust traf den Angreifer so wuchtig, dass der Jockel zurückflog und schwer gegen den Schanktisch krachte. Mit einem Aufschrei fiel er zusammen und blieb regungslos liegen.
»Ich werd' euch schon helfen, einen friedlichen Menschen anzufallen!«, rief Thomas dem zurückweichenden Obermeier-Bertl wütend zu. »Heb ihn auf, deinen Kumpanen, wenn er es nicht mehr allein schafft ...«
»Los, Jockel, steh auf!« Der Wirt beugte sich über den zusammengebrochenen Burschen und rüttelte ihn.
Aber der Binder-Jockel rührte sich nicht. Der Wirt wälzte ihn herum und schlug dem offensichtlich Bewusstlosen mit der flachen Hand schnell ein paarmal links und rechts auf die Wangen.
»Jockel, los, wach auf!«
»Er hat ihn umgebracht!«, kreischte der Bertl. »Hin ist er, mein Kamerad, das siehst du doch, Breisacher!«
Der Wirt richtete sich auf.
»Red keinen Unsinn und mach' keinen Wirbel, du Depp. Angehaut hat er sich, und ohnmächtig ist er halt ein bisserl, dein Freund. Das kommt schon einmal vor. Aber wir werden ihn gleich wieder munter haben!«
Er ging zur Theke, ließ kaltes Wasser in ein Krügelglas laufen und schüttete es dem Jockel ins Gesicht.
Jetzt öffnete der Bursch die Augen. Thomas sah, wie er sich aufzurichten versuchte. Doch da kam ein gurgelndes Stöhnen aus seinem Mund, und er blieb vor Schmerz wimmernd liegen.
Thomas erschrak. »Jockel«, fragte er, sich über den Burschen beugend, »was tut dir denn so weh?«
»Mein Kreuz ist hin ... oh, mein Kreuz!«, jammerte der Verletzte.
»Dann muss der Doktor her!«, entschied der Wirt. »Ich geh' gleich telefonieren.«
»Du hast ihn umgebracht, Rauchegger!«, wiederholte der Obermeier-Bertl anklagend. »Jetzt siehst du es selber!«
»Halt dein blödes Maul!«, verteidigte sich Thomas. »Hättet ihr zwei nicht zu raufen angefangen, wär' überhaupt nichts passiert. Man wird sich doch noch verteidigen dürfen!«
»Das ist nicht wahr, dass wir angefangen haben!«, schrie der Bertl. »Du warst es!«
Der Wirt hatte indessen mit dem Dorfarzt telefoniert. Jetzt stand er in der Küchentür und hörte der Auseinandersetzung der beiden zu. Ein Gedanke zuckte durch sein Gehirn. Der Thomas wollte nicht verkaufen! Er verpfuschte ihm die Chance zu einem der vielversprechendsten Geschäfte, die ihm je eingefallen waren. War das jetzt nicht eine gute Gelegenheit, es vielleicht andersherum zu schaffen?
»Breisacher«, hörte der Wirt Thomas sagen, »du hast doch gesehen, wer angefangen hat!«
»Ah, freilich ...« Der Wirt sagte es gedehnt.
»Er will es mir anhängen!« Thomas wies mit dem Daumen zum Obermeier, der jetzt neben seinem noch immer wimmernden Freund hockte.
Der Breisacher zuckte mit den Schultern und sah Thomas mit einem merkwürdigen Ausdruck an.
»Vielleicht hat er recht, der Obermeier? Warst es nicht du, Rauchegger, der zuerst zugeschlagen hat?«
»Aber du weißt doch warum!« Thomas packte ihn am Arm. »Weil er mich angegriffen hat!«
»Wirst du mich jetzt vielleicht auch niederschlagen? Ist der da nicht genug?«, fragte der Breisacher höhnisch. Dann blickte er zum Eingang. »Na also, da kommt er ja schon, der Herr Doktor!«
***
Wenn Thomas Rauchegger später zurückdachte, was ihm an diesem Morgen angetan worden war und was der Breisacher daraus gemacht hatte, erfüllte ihn ohnmächtiger Grimm. Jetzt saß er bereits zwölf Wochen in der Haftanstalt des Innsbrucker Landgerichts, um die sechs Monate Freiheitsentzug abzubüßen, zu der man ihn wegen schwerer Körperverletzung verurteilt hatte.
Die Strafe war relativ hoch ausgefallen, weil die Folgen des Faustschlags, durch den der Binder-Jockel mit dem Rücken gegen die Schanktischecke geflogen war, sich als furchtbar herausstellten. Die Operation am Rückgrat war erfolglos. Jetzt saß der Jockel mit einer unheilbaren Querschnittlähmung im Rollstuhl.
Vor Gericht hatte Thomas bekannt, wie leid es ihm tat, dass der Jockel durch ihn zu einem so schlimmen Körperschaden gekommen war. Aber es nutzte nicht viel. Man glaubte ihm nicht, dass er in Notwehr zugeschlagen hatte. Das Gericht glaubte den Aussagen vom Jockel und vom Obermeier-Bertl. Danach hätte sich Thomas Rauchegger grundlos auf den Zimmerer gestürzt, ihn geschlagen und gegen den Schanktisch gworfen.
Und der Gastwirt Konrad Breisacher bestätigte diese falschen Aussagen.
»Ja, so war's!«, beteuerte er mit der Miene eines ehrlichen Biedermannes immer wieder.
Thomas hatte sich bereits vor der Gerichtsverhandlung ausrechnen können, dass der Wirt nicht zu seinen Gunsten aussagen würde, obwohl er ja nur die reine Wahrheit zu sagen brauchte. Nachdem der Rettungswagen den Jockel abtransportiert hatte, war es noch zu einem kurzen Wortwechsel gekommen.
»Na, Thomas, wie willst du es jetzt haben?«, fragte der Breisacher ihn leise, so dass kein anderer es hören konnte.
»Ich versteh' dich nicht«, antwortete Thomas. »Was willst du?«
»Den Raucheggerhof kaufen. Kapierst du denn noch immer nicht, was jetzt für dich auf dem Spiel steht? Ich an deiner Stell', tät' mich gut stellen mit dem Breisacher. Du wirst es brauchen ...«
»Die Wahrheit brauch' ich, was anderes nicht, Breisacher! Du wirst bezeugen müssen, dass ich mich nur gewehrt hab'. Oder?«
»Ich werde schon bezeugen, was ich gesehen hab«, sagte der Wirt drohend. »Du kannst dir ja inzwischen noch einmal überlegen, ob du mit mir das Geschäft machen willst oder nicht ...«
Zunächst wurde Thomas nur von den Gendarmen vernommen, und er hoffte, dass man ihm glauben würde. Er war ja unbescholten, niemand konnte ihm nachsagen, ein Raufer zu sein. Und dass der Jockel gelähmt bleiben würde, wusste man ja vorerst noch nicht.
