Als der Ball noch rund war - Rainer Moritz - E-Book

Als der Ball noch rund war E-Book

Rainer Moritz

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Beschreibung

Sie wissen noch, wer Heiner Stuhlfauth, Otto Siffling, Fritz Walter, Bert Trautmann, Petar Radenkovic, Bernd Hölzenbein und »Bulle« Roth waren? Dann führt kein Weg an diesem Buch vorbei, das die schönsten und schrecklichsten Augenblicke des deutschen Fußballs Revue passieren lässt, kurzweilig und recht persönlich.

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Seitenzahl: 346

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Rainer Moritz

Als der Ball noch rund war

Schreckliche, unangenehme und grandiose Fußball-Erinnerungen

Atlantik

»Ich kann nicht Fußball spielen,

und ich interessiere mich auch nicht für Fußball.»

Daniel Kehlmann

»Nein, ich interessiere mich überhaupt gar

nicht für Fußball.»

Benjamin von Stuckrad-Barre

»Sinnloser als Fußball ist nur noch eins:

Nachdenken über Fußball.»

Martin Walser

Für Konrad (SV Uhlenhorst-Adler)

Vor dem Anpfiff

Franz KafkaKafka, Franz hat die Problemlage früh erkannt. Am 3. Oktober 1923 schrieb er seinem Schwager Josef DavidDavid, Josef: »Lieber Pepa, sei so gut und schreibe mir ein paar Zeilen, wenn zu Hause etwas Besonderes geschehen sollte. Heute ist Mittwoch abends, ich bin seit 10 Tagen hier und habe insgesamt 2 Nachrichten von zu Hause erhalten. Das würde vollkommen genügen, nur war es nicht gut verteilt, die 2 Nachrichten kamen schnell nacheinander. Also Du wirst mir schreiben, falls etwas geschehen sollte, nicht wahr? Und was machst Du, wenn Du niemanden hast, dem Du vor Berlin Angst machen kannst. Pepa, mir Angst machen, das ist so wie Eulen nach Athen tragen. Und es ist hier wirklich schrecklich, in der inneren Stadt leben, um Lebensmittel kämpfen, Zeitungen lesen. Das alles tue ich allerdings nicht, ich würde es keinen halben Tag aushalten, aber hier draußen ist es schön, nur manchmal dringt eine Nachricht durch, irgendeine Angst bis zu mir, und dann muss ich mit ihnen kämpfen, aber ist es in Prag anders? Wie viele Gefahren drohen dort täglich einem so ängstlichen Herzen. Und sonst ist es hier schön, dem entsprechend sind zum Beispiel der Husten und die Temperatur sogar besser als in Schelesen. – Die 20 K übergab ich einem Kinderhort, darüber werde ich Dir noch Näheres berichten. – Wenn Du ein Referat über die Berliner Zustände haben möchtest, dann schreibe mir nur. Allerdings die Berliner Preise! Es wird ein teures Referat sein. Schlage übrigens die letzte Selbstwehr auf. Professor Vogel schreibt dort wieder gegen den Fußball, vielleicht hört der Fußball jetzt überhaupt auf. Grüße mir schön die Eltern und die Geschwister und Herrn Svojsík. Übrigens kam jetzt ein Brief von ElliKafka, Gabriele »Elli«, es ist also alles in Ordnung.«

Wie ließe sich die Angst eines Fußballbegeisterten besser ausdrücken? »Vielleicht hört der Fußball jetzt überhaupt auf« – Franz KafkasKafka, Franz düstere Ahnung gehört zu den Urbefürchtungen, die alle Jahre ausgesprochen werden. Was tun, wenn es Woche für Woche keine Spiele mehr gibt? Was tun, wenn sich die Leidenschaft für das Rasengeschehen nicht mehr aufrechterhalten lässt, wenn politische oder wirtschaftliche Umstände einem die Freude am Fußball verderben, sie diesen gar unmöglich machen?

Schon im 19. Jahrhundert gab es diese Sorge, wie ein Zitat aus Routledge’s Handbook of Football nahelegt: »Lovers of Football are the most conservative people in the world, and real lovers of Football are necessarily a little bigoted where reform is concerned.« Die Angst vor Veränderung mag vielen Menschen gemein sein, doch der Fußballanhänger scheint in speziellem Maße ängstlich in die Zukunft zu schauen. Am liebsten möchte er sein Spiel unverändert wissen, und wann immer die Regeln geändert, Videobeweise eingeführt, Ligen umstrukturiert werden sollen, darf man sicher sein, dass laute Protestschreie die Folge sind. Der Fußballfreund hat Angst, dass sein Spiel bald nicht mehr sein Spiel sein wird. Er mag progressivsten Gedanken anhängen, was gesellschaftliche Veränderungen angeht, doch wenn es ums Eingemachte, wenn es um den Ball geht, zeigt er Beharrungsvermögen.

Vielleicht dachte man zu allen Zeiten so, vielleicht ist jede Fußballzeit von jener Urangst getrieben, morgen werde es nicht mehr so schön sein, wie es gestern war. Das hält mich freilich nicht davon ab, dieses Hausbuch des deutschen Fußballs nostalgisch auszurichten. Was in den letzten Jahren rund um den Fußball, weltweit, geschehen ist, lässt viele schaudern. Die Machenschaften der Sportfunktionäre und all derjenigen, die am Fußball verdienen wollen, haben dazu geführt, dass selbst ich gelegentlich überlege, meine lebenslange Begeisterung ad acta zu legen, mich vielleicht unverdächtigen Sportarten wie Minigolf, Eiskunstlauf oder Dressurreiten zuzuwenden, um mir nichts mehr von dubiosen Investoren, Millionenablösesummen, chinesischem Wahnsinn, Gewaltexzessen oder FIFA-Seilschaften anhören zu müssen.

Deshalb dieses Buch: Es versammelt Erinnerungen an die deutsche Fußballgeschichte, an persönliche Momente und solche, die Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses wurden. Ein Leben ohne das Aufbewahren solcher Erinnerungen wäre für einen Fußballfan sinnlos. Es benötigt das Heraufbeschwören von Ereignissen, die die Zeit stillstehen lassen. Das können großartige, sensationelle Augenblicke, aber ebenso solche des intensiven Leidens und der deprimierenden Schicksalsschläge sein. Auch das gehört zu einem Fußballleben. Deshalb steigert sich dieses Buch allmählich vom Schrecklichen bis hin zum Grandiosen, vom Vergießen bitterer Tränen bis zu ekstatischen Freudenschreien. Klar ist dabei, dass je nach Vereinsbrille nicht leicht Einigkeit darüber zu erzielen ist, was als »schrecklich« und was als »grandios« einzustufen ist. Dass der Autor schwergeprüftes Mitglied des TSV 1860 München ist, möge als Entschuldigung für gelegentliche historische Verzerrungen angenommen werden.

Ebenso wenig geht es um Vollständigkeit. Viele werden vieles vermissen; das ist unvermeidlich. Mehr als eine Auswahl bietet dieses Buch nicht. Über die »großen« Stunden des deutschen Fußballs ist schon oft geschrieben worden. Deshalb werde ich ganz unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen lassen, Kurioses und Abseitiges einbauen, über Málaga-Eis sprechen, über das Abseits und den Elfmeter an sich und eine Vielzahl publizistischer Stimmen rund um den Ball zitieren. Pure Fakten lassen sich in Nachschlagewerken oder im Internet ohnehin mühelos finden. Der Frauenfußball und das Geschehen in der DDR, als die KreischesKreische, Hans-Jürgen, DörnersDörner, Hans-Jürgen, MingesMinge, Ralf und DuckesDucke, RolandDucke, Peter auf Torejagd gingen, werden nicht gebührend gewürdigt; das sei im Vorhinein eingeräumt.

Möge dieses Hausbuch dazu beitragen, uns über die düstere Gegenwart hinwegzuhelfen. Manchmal braucht man das.

1Schreckliche Erinnerungen

24. März 1965

Der Münzwurf zu Rotterdam

Sobald heutzutage ein Pokalspiel durch Elfmeterschießen entschieden wird, jammern die Ausgeschiedenen über die schreiende Ungerechtigkeit eines solchen Verfahrens. Von »Tennis-Ästhetik« (Helmut BöttigerBöttiger, Helmut) sei dieses Glücksspiel geprägt und habe mit Sport wenig zu tun. Wer so argumentiert, vergisst, dass das Elfmeterschießen und selbst das kurzzeitig praktizierte Golden Goal durchaus als gesellschaftlicher Fortschritt gewertet werden dürfen. Denn bis 1970 war es vorgesehen, dass, wenn auf dem Rasen partout keine Entscheidung fallen wollte, ein billiger Losentscheid, ja, ein Münzwurf gar über Ausscheiden und Weiterkommen richten sollte.

So haben Anhänger des 1. FC Köln den Europapokalwettbewerb der Landesmeister der Saison 1964/65 in bitterster Erinnerung. Im Viertelfinale trafen die Kölner, die zuvor die erste Bundesligaspielzeit als Meister beendet hatten, auf den favorisierten, von Legende Bill ShanklyShankly, William »Bill« betreuten FC Liverpool. Hin- und Rückspiel endeten jeweils torlos, sodass es – in Rotterdam auf neutralem Boden – zu einem Entscheidungsspiel kam. In diesem fielen endlich Tore, zuerst zwei für Liverpool, ehe die Kölner Karl-Heinz ThielenThielen, Karl-Heinz und Hannes LöhrLöhr, Johannes »Hannes« das Spiel drehten und für den Ausgleich sorgten. In der Verlängerung geschah nichts mehr, abgesehen davon, dass der – ziemlich unerfahrene – belgische Schiedsrichter Robert SchautSchaut, Robert einem Treffer von Heinz HornigHornig, Heinz rätselhafterweise die Anerkennung versagte.

Und so kam es, wozu es laut Reglement kommen musste: zum Wurf einer Münze, die allerdings keine Münze, sondern eine zweifarbige Holzscheibe war. Umringt von den Kapitänen YeatsYeats, Ronald »Ron« und SturmSturm, Hans »Hansi«, warf SchautSchaut, Robert das Objekt in die Höhe, doch zur Verblüffung von TV-Reporter Ernst HubertyHuberty, Ernst war der Bedarf an Wiederholungen und Verlängerungen immer noch nicht gedeckt: Die Scheibe blieb senkrecht im Rotterdamer Morast stecken. Erst der zweite Anlauf sorgte für klare, grausame Verhältnisse, für das Weiterkommen der Engländer um Roger HuntHunt, Roger und Gordon MilneMilne, Gordon.

Alle Sympathie, die man den Kölnern danach entgegenbrachte, half wenig: »Seit damals ist der Ausdruck ›Sieger der Herzen‹ für mich das schlimmste Schimpfwort« (Hannes LöhrLöhr, Johannes »Hannes«). Kölner, die die Demütigung seinerzeit erlebten, haben dieses Trauma bis heute nicht verarbeitet, zumal der Scheibenwurf womöglich eine glanzvolle Ära der Kölner beendete, bevor sie eigentlich begonnen hatte. Um die aufstrebenden OverathOverath, Wolfgang und WeberWeber, Wolfgang hatte sich ein Team gebildet, das zu größten Hoffnungen Anlass gab … und wer weiß, was geschehen wäre, hätten sie das Halbfinale, das Endspiel erreicht? Vielleicht wären die wie Real Madrid elegant weiß gekleideten Kölner zur bestimmenden Macht im deutschen Fußball herangereift. So schrieb eine blöde Holzscheibe Fußballgeschichte. Auch heute gilt, was Kölns Trainer Georg KnöpfleKnöpfle, Georg hinterher zu Protokoll gab: »Es ist einfach unfassbar.« Noch einmal übrigens, im November 1974, pfiff der Belgier SchautSchaut, Robert, der uns im Lauf der Jahre nicht angenehmer geworden war, ein internationales Spiel des 1. FC Köln, das UEFA-Cup-Achtelfinalhinspiel gegen Partizan Belgrad. Wieder verloren die Kölner, mit 0:1.

30. Juli 1966

Ein Schuss gegen die Querlatte, alles gut, bis …

Tore sind die Erfüllung des Fußballspiels. Taktiktüftler oder intellektuell sich aufspielende Reporter mögen uns tausendmal erklären, warum ein 0:0 raffinierteste Winkelzüge bereitzuhalten, warum das Abtasten und Ausschalten des Gegners größten Genuss zu schenken vermag. Befriedigung im echten Sinn wird das auf Dauer niemandem verschaffen. Wir wollen Tore sehen, viele Tore, gekonnt herausgespielte, und nur im Notfall, wenn der Abstieg unseres Vereins am letzten Spieltag verhindert werden muss, akzeptieren wir einen mickrigen Abstauber und pfeifen auf die Ästhetik.

Manchmal jedoch schenkt auch ein Nicht-Tor Erfüllung, sind wir vom Nicht-Gelingen berührt. Damals in den frühen siebziger Jahren zum Beispiel, als wir uns nach der Schule zum spontanen Fußballspielen auf dem steinernen Pausenhof des Heilbronner Mönchseegymnasiums trafen. Für ein richtiges Match fehlten Zeit und Mitspieler, also versammelten wir uns vor einem der beiden Handballtore und versuchten uns an »Ball aus der Luft«. Drei oder vier spielten sich den Ball zu, der den Boden nicht berühren durfte, und machten uns daran, den Torhüter per Direktabnahme, also »aus der Luft«, zu überwinden.

Dieses einfache Spiel, auch »Hochball« oder »Hoch eins« genannt, kann man zu einem Wettkampf ausgestalten, bei dem erfolgreiche Torschüsse oder Paraden mit Punkten honoriert werden. Ob wir das damals auf dem Pausenhof taten, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall erinnere ich mich gut daran, dass es nicht immer die satten Volleys oder platzierten Kopfbälle waren, die – wenn das Netz zappelte – Genugtuung verschafften. Nein, ein außergewöhnliches Glücksgefühl, gepaart mit leiser Tragik, bereiteten gerade jene Momente, da der prächtig getroffene Ball sein Ziel um Haaresbreite verfehlte und wuchtig gegen die rot-weiße Latte oder den Pfosten knallte. Was für ein schönes Geräusch, dieses mal dumpfe, mal helle Abprallen! Was für ein erwartungsvolles Aufschauen, was für eine Wonne, das Leder so schön getroffen, am Torwart vorbeigezirkelt und dennoch die Vollendung um wenige Zentimeter verfehlt zu haben!

Latte ist besser als Pfosten, das galt einst, das gilt heute. Am Quergebälk zu scheitern war erhabener, fataler als am in den Boden gerammten, quasi geerdeten Pfosten. Wer die Latte traf, hatte nicht versagt, musste nicht Spott und Hohn ertragen. Lattenknaller verschaffen paradoxerweise ein Gefühl der befriedigenden Enttäuschung: Ja, gewiss, man hatte nicht ins Tor getroffen, doch man war an höheren Mächten, am dummen Pech gescheitert. Wer Pech hat, ist kein Versager. Wer an der Latte scheitert, ist ein Held, ein gebrochener Held, denn wahre Größe zeigt sich erst, wenn das Schicksal sich gegen einen verschwört und winzige Widrigkeiten den Triumph verhindern.

Noch heute erfreut es mich vor dem Fernseher oder im Stadion, wenn ich das Klatschen höre, das Klatschen des gut getroffenen Balles, der von der Querlatte zurückspringt. Ich sehe, wie das Gesicht des Spielers, der die Flugbahn verfolgt, vor Schreck erstarrt, wie der Ball abprallt und der Torschrei, wie es so dramatisch heißt, auf den Lippen erstirbt. Dann vielleicht ein kurzes Aufstöhnen, ein Niedersinken auf den Rasen, ein Die-Hände-vor-den-Kopf-Schlagen – in der Ahnung, dass dieser herrliche Fehlschuss womöglich den Sieg der eigenen Mannschaft vereitelt. Und dagegen die auflodernde Erleichterung des Torhüters, dessen Blick ängstlich dem unerreichbaren Ball hinterherfliegt und der in Sekundenschnelle die Rettung erkennt. Noch einmal davongekommen, das sagt dieser Blick. Lattenknaller schenken eine Erfahrung, die es im Leben selten gibt: Genuss im Misslingen.

Diese Betrachtung über den feinen Lattenschuss wäre noch schöner, wenn sie sich auf die fatale, oft beschriebene Verlängerung des WM-Finales 1966 England gegen Deutschland anwenden ließe. Dort nämlich im Wembley-Stadion war in der Verlängerung ein solcher prächtiger Lattenschuss des Briten Geoff HurstHurst, Geoffrey Charles »Geoff« zu bewundern, der freilich eine unglückliche Flugbahn nahm und auf (natürlich: auf!) die Torlinie zurückprallte. Den von da hochspringenden Ball köpfte der tapfere Abwehrspieler WeberWeber, Wolfgang leider ins Toraus, denn hätte er ihn irgendwie im Spiel gehalten, hätte es kaum mehr als ein bisschen Geschrei gegeben und es wäre ruckzuck weitergegangen. So aber ruhte das Geschehen, es gab Zeit zu protestieren und Schiedsrichter Gottfried DienstDienst, Gottfried aus der Schweiz Zeit, nachzudenken und hinüber zu seinem Linienrichter Tofik BachramowBachramow, Tofik aus Baku zu blicken. Mit prophetischer Gabe ahnte Reporter Rudi MichelMichel, Rudi, der kurz zuvor noch räsonierend zurückgeblickt hatte (»Ich sag ja immer: Die Engländer haben das Fairplay erfunden, aber nicht alle Spieler wissen das«), das Kommende: Sein spontaner und korrekter Ausruf »Nicht im Tor, kein Tor« blieb ungehört, und als die beiden Schuldigen jenes 30. Juli, DienstDienst, Gottfried und BachramowBachramow, Tofik, auf 3:2 für England entschieden, seufzte MichelMichel, Rudi »Das wird nun wieder Diskussionen geben«. Recht hatte er.

Computeranalysen haben, zumindest wenn sie von deutschen Fachleuten angestellt wurden, längst ergeben, dass der Ball, als er von der Latte nach unten prallte, keineswegs die Linie in vollem Umfang überschritten hatte. DienstDienst, Gottfried und BachramowBachramow, Tofik agierten offenbar in Unkenntnis der Verse Reinhard UmbachsUmbach, Reinhard: »Soll der Schuss ein Treffer sein, / muss der Ball ins Tor hinein. / Ob er reinrollt oder -fliegt / oder unterm Tormann liegt, / ist im Grund höchst egal; / im Gegensatz zu jener Zahl, / mit der vom Ball der Radius / noch malgenommen werden muss, / um schon rein rechtlich so zu liegen, / dass letzte Zweifel rasch verfliegen. / 2 Pi macht Balls Umdrehung voll, / die er die Linie drüber soll. / So wird erst mathematisch klar, / was vorher unumstritten war.«

Die Debatten über das »Wembley-Tor« halten bis heute an. Gerhard HenschelHenschel, Gerhard und Günther WillenWillen, Günther schrieben darüber sogar ein ganzes Buch (Drin oder Linie?), in dem die entscheidende Frage schonungslos gestellt wurde: Wie bitte verständigten sich DienstDienst, Gottfried und BachramowBachramow, Tofik? Allein nonverbal? Telepathisch? Entschied das hektische Winken des schlechtfrisierten aserbaidschanischen Linienrichters? Oder sprachen die beiden irgendwie miteinander? HenschelHenschel, Gerhard und WillenWillen, Günther liefern in ihrem Buch mehrere Versionen des bis heute nicht zweifelsfrei überlieferten Dialogs. Am besten gefällt uns die »Kleines Missverständnis« betitelte Fassung: »DienstDienst, Gottfried: Was fuchteln Sie denn hier so aufgeregt mit der Fahne rum, Mann? Ist ja furchtbar! – BachramowBachramow, Tofik(zeigt mit der Fahne zur Ehrentribüne): Da vorne ist de GaulleGaulle, Charles de, de GaulleGaulle, Charles de! – DienstDienst, Gottfried: Was? – BachramowBachramow, Tofik: De GaulleGaulle, Charles de, de GaulleGaulle, Charles de, de GaulleGaulle, Charles de! – DienstDienst, Gottfried: Goal? Na, von mir aus … (Er entscheidet auf Goal.)«

Nicht verschwiegen sei der diplomatische Skandal, dass das Stadion in Baku heute nach jenem Tofik BachramowBachramow, Tofik benannt ist und eine viel zu große Statue des Pfeifenmannes den Eingang verunstaltet. Dass deutsche Mannschaften in dieser Arena Spiele austragen müssen, ist eine Zumutung, ein Affront. Dass Geoff HurstHurst, Geoffrey Charles »Geoff« zu jenen gehörte, die diese Statue enthüllten, verwundert nicht.

6. Juni 1971

Ein Obsthändler erschüttert die Bundesliga in ihren Grundfesten

Es war schrecklich. Mein vom bundesrepublikanischen Wirtschaftswunder geprägtes Leben geriet mit einem Mal in Schieflage. Was sich in den kommenden Jahren – Anschlag bei den Olympischen Spielen in München! Autofreier Sonntag! Deutscher Herbst! – kontinuierlich verschlimmern sollte. Die sorglosen Jahre schienen vorüber, sollten nicht wiederkehren. Zu den Konstanten, die mir schon in der Schulzeit wichtig waren, gehören die prickelnden Spannungsbögen, die der Fußball, vor allem der samstägliche Bundesligafußball, für mich bereithielt. Zwar zweifelte ich in früher Naivität daran, dass es, wenn die Helden BrunnenmeierBrunnenmeier, Rudolf »Rudi«, OverathOverath, Wolfgang oder Müller einmal in den Ruhestand träten, es der folgenden Generation ebenso gelänge, mich in Bann zu ziehen, doch bald merkte ich, dass die Gesetze der ewigen Wiederkehr von Frühling, Sommer, Herbst und Winter auch im Fußball galten.

Diese herrlichen Aussichten trübten sich abrupt ein, als der Bundesligaskandal hohe Wellen schlug, einen Tag nach Beendigung der Saison 1970/71. Der Präsident der gerade abgestiegenen Offenbacher Kickers, der Südfrüchtegroßhändler Horst-Gregorio CanellasCanellas, Horst-Gregorio, lud Wegbegleiter und Medienvertreter zu sich nach Hause ein, um seinen 50. Geburtstag zu feiern. Überraschenderweise schaltete er aber nicht einen Diaapparat, sondern ein Tonband ein – jedoch nicht, um zur Feier des Tages die neuesten Hits von Mary RoosRoos, Mary und Juliane WerdingWerding, Juliane abzuspielen. Nein, CanellasCanellas, Horst-Gregorio beabsichtigte, seinen Gästen mit Mitschnitten von dubiosen Telefonaten die Stimmung zu verhageln. Anhand dieser Gespräche nämlich ließ sich zweifelsfrei belegen, dass der Bundesligaabstieg verschoben worden war, dass reichlich Gelder angeboten und genommen wurden, dass Arminia Bielefeld und Hertha BSC Berlin nicht aufgrund ihrer Spielstärke die Klasse erhalten hatten.

Ich litt wie ein Hund unter diesen Enthüllungen. Mein Vater schaute resigniert zu Boden, konnte es ebenso wenig fassen, dass Lug und Trug die letzten Spieltage regiert hatten. Es war zum Verzweifeln – das, was den Fußball ausmacht, die Unvorhersehbarkeit der Ergebnisse wurde in Grund und Boden erschüttert. Wo Stürmer absichtlich Torchancen versieben und Torleute harmlose Schüsse durch die Finger rutschen lassen, ist das Prinzip des Spiels zerstört, ergibt es keinen Sinn mehr, seine Zeit damit zu vergeuden.

Das war das Ende des Fußballs, dachte ich, zumal sich bald herausstellte, dass über 50 Spieler involviert waren, dazu ein paar Trainer und Funktionäre. Und nicht irgendwelche Wald-und-Wiesen-Kicker, sondern Nationalspieler wie Bernd PatzkePatzke, Bernd, Klaus FischerFischer, Klaus, Rolf RüssmannRüssmann, Rolf, Klaus FichtelFichtel, Klaus und Reinhard LibudaLibuda, Reinhard. 18 Saisonspiele waren betroffen, zwei Millionen Mark an Bestechungs- und Schweigegeldern geflossen. Zu den Tätern zählte mein Torwartheld Manfred ManglitzManglitz, Manfred, der zuerst für den MSV Duisburg und dann vor allem, zwischen 1969 und 1971, für den 1. FC Köln den Kasten sauber hielt. Vergeblich hatte ich mich in dieser Zeit für den hochgewachsenen, eleganten ManglitzManglitz, Manfred stark gemacht und gefordert, dass er und nicht Sepp MaierMaier, Josef »Sepp« das deutsche Tor hütete – vergebens natürlich. Immerhin stand er im WM-Kader 1970. Und ausgerechnet mein ManglitzManglitz, Manfred hatte es besonders toll getrieben und unverblümt signalisiert, dass er ein paar Dinger reinlassen werde, wenn man ihn nicht mit Geld vom Gegenteil überzeugen würde.

Viele der Sünder wurden vom DFB lebenslang gesperrt und – warum eigentlich? – schon nach sehr kurzer Zeit wieder begnadigt. Geschadet hat es der Liga enorm; die Zuschauerzahlen gingen in der Folge rapide zurück. Verschobene, abgekartete Spiele wollte niemand sehen, dann lieber Halma oder Zoobesuch. Die BILD-Zeitung titelte: »Alarm! Bundesliga ist dem Untergang geweiht«. Auch mein Vater und ich gingen auf Distanz, kurzzeitig zumindest. Manfred ManglitzManglitz, Manfred, der gleich zweimal lebenslang aufgebrummt bekam, wurde 1974 begnadigt, spielte in der Folge für den FSV Gebäudereiniger Köln und den Zweiligaaufsteiger 1. FC Mülheim-Styrum, unter anderem bei dessen 6:1-Sieg gegen den Spandauer SV. Ein Tor für Styrum erzielte Holger OsieckOsieck, Holger, der später Teamchef BeckenbauerBeckenbauer, Franz assistierte. So hängt alles mit allem zusammen. Meine Mutter stammt, nebenbei bemerkt, aus Mülheim an der Ruhr, falls das von Interesse ist.

20. Oktober 1971

Eine Cola-Dose und ein vom Schlag getroffener Italiener

Eigentlich genießt die Dose an sich bei Fußballern ein gutes Ansehen. Wer hat nicht als Kind der Verlockung nachgegeben und eine auf dem Gehsteig angetroffene, eingedellte Getränkedose lustvoll weggekickt? Das scheppert so schön, viel besser, als wenn man einen Kiesel oder eine Kastanie als Schussobjekt verwendet. So war es auch in Uruguay dereinst, wie sich der Schriftsteller Eduardo GaleanoGaleano, Eduardo erinnert: »Auch ein Apfel kann, zumindest solange er ganz ist, als Fußball dienen, ebenso ein zusammengebundenes Stoffzeug oder zusammengeknülltes Papier oder sogar eine gar nicht runde Konservendose, wenn sie sich nur bewegen lässt; denn wenn sie sich bewegt, so hat sie in ihrer Bewegung schon den Anschein, rund zu sein.«

Dass die Dose an Renommee verlor, hat viel mit einem Europapokalabend am Gladbacher Bökelberg zu tun, mit dem 20. Oktober 1971. Die Gastgeber empfingen Inter Mailand und führten nach einer knappen halben Stunde bereits mit 2:1, als eine Dose, genauer: eine klassisch rote Coca-Cola-Dose auf den Rasen flog und den italienischen Stürmer Roberto BoninsegnaBoninsegna, Roberto am Kopf traf. Was dann geschah, lässt sich – das Spiel wurde nicht im Fernsehen übertragen – nur anhand von Augenzeugenberichten erahnen. Gladbachs fränkischer Abwehrrecke Ludwig MüllerMüller, Ludwig, offenbar des Italienischen kundig, machte zweckdienliche Angaben: »Ich habe gesehen, wie die Dose BoninsegnaBoninsegna, Roberto an der Schulter traf. Zunächst schaute er nur ganz verdutzt. Dann kam Inter-Kapitän Sandro MazzolaMazzola, Alessandro »Sandro« auf ihn zugestürmt und rief, er solle sich fallen lassen. Und schon sank er wie vom Blitz getroffen zu Boden. Dabei war die Dose so gut wie leer. Das habe ich gemerkt, als ich sie Richtung Bande gekickt habe. BoninsegnaBoninsegna, Roberto wollte aufstehen, doch ein Inter-Masseur drückte ihn immer wieder zu Boden. Dann ließ er sich auf einer Trage abtransportieren. Wir haben aber gesehen, dass er dabei noch seinen Mitspielern zugezwinkert hat. Es war eine große schauspielerische Leistung.«

Ein erschütternder Bericht, den Jahre später der niederländische Schiedsrichter Jef DorpmansDorpmans, Jef bestätigte. Auch er hatte den Eindruck, dass der Werfer die Dose zuvor leer getrunken hatte, ehe er BoninsegnaBoninsegna, Roberto ins Visier nahm. DorpmansDorpmans, Jef unterbrach das Spiel für mehrere Minuten, dachte über Abbruch nach, doch »dann kam der Polizeihauptkommissar von Mönchengladbach und bat mich, das Spiel fortzusetzen, weil auch 7000 bis 8000 Italiener im Stadion waren«. Was folgte, weiß jedes Kind: Der »tote Mann« (Udo LattekLattek, Udo) BoninsegnaBoninsegna, Roberto ließ sich auswechseln; Gladbach war nicht mehr zu bremsen und fegte die Mailänder am Ende mit 7:1 aus dem Stadion – wohl das beste Spiel, das NetzerNetzer, Günter, KulikKulik, Christian, le FevreLe Fevre, Ulrik, HeynckesHeynckes, Josef »Jupp« & Co. je ablieferten.

Genützt hat ihnen das nichts. Die UEFA annullierte das Spiel. In Mailand verlor Gladbach mit 2:4; das Wiederholungsspiel in Berlin endete 0:0. Ludwig MüllerMüller, Ludwig brach sich dabei das Bein – nach Foul von BoninsegnaBoninsegna, Roberto. Dessen filmreife Einlage trübte das deutsch-italienische Verhältnis über Jahre. Da hatten sich die »Gastarbeiter« allmählich eingelebt; da hörte man gern Rocco GranataGranata, Rocco, Adriano CelentanoCelentano, Adriano, Rita PavonePavone, Rita & MinaMina zu und freundete sich damit an, dass mit allerlei Dingen bestückte Hefefladen, Pizza genannt, tatsächlich essbar waren. Sogar mein in solchen Dingen stets skeptischer Vater griff beherzt zu, zu Hause eher als im Lokal. Bereits beim WM-Halbfinale Italien gegen Deutschland 1970 hatte man sich über die Italiener erregt, die alle paar Minuten den sterbenden Schwan mimten. Mit einem wie BoninsegnaBoninsegna, Roberto wollte man nichts zu tun haben. Gab es nicht auch andere Urlaubsziele als den Teutonengrill von Bibione und Rimini?

Das verhasste Objekt, die Dose, nahm Schiedsrichter DorpmansDorpmans, Jef mit nach Hause, nach Arnheim, wo sie viele Jahre lang zu besichtigen war. Erst 2011 gelang es den Gladbachern, sie an den Ort des Geschehens zurückzuführen. Die auf Hochglanz polierte Büchse, inzwischen gänzlich leer, schmückt seitdem das Vereinsmuseum von Borussia Mönchengladbach. Was aus Roberto BoninsegnaBoninsegna, Roberto geworden ist? Keine Ahnung. Wahrscheinlich spielt er seine Paraderolle in irgendeinem italienischen Provinztheater und hofft, dass Besucher aus Mönchengladbach ihn nicht erkennen.

21. Juni 1978

Die Schmach von Córdoba

Am 3. Juli 1866 kam die deutsche Reichsgründung einen entscheidenden Schritt voran. Im Deutschen Krieg trafen im tschechischen Dorf Sadowa die preußischen Truppen auf Österreich und Sachsen und landeten in der »Schlacht bei Königgrätz« einen verlustreichen, aber folgenreichen Sieg, der die Habsburgermonarchie außenpolitisch in die Enge trieb.

Dass sich die Niederlage von Königgrätz tief in das österreichische Bewusstsein eingrub, zeigt sich auch auf sportlicher Ebene, wo das Verhältnis zwischen Deutschland und Österreich bis heute ein besonders prekäres ist. Als bei der Fußball-WM1954 das starke Österreich im Halbfinale gegen Deutschland mit 1:6 hilflos die Waffen streckte, saß das zwischen Innsbruck und Graz tief. Friedrich TorbergTorberg, Friedrich(Die Tante Jolesch), ein mit Wasser- und Fußball vertrauter Autor, sprach in kühnen Superlativen von einem »katastrophalsten Debakel«, von der »vernichtendsten Niederlage seit Königgrätz«. So blühte der Deutschland-Komplex der Österreicher damals kräftig auf. Nahrung hatte dieser bereits zwanzig Jahre zuvor erhalten, als Österreich bei der WM1934 im Spiel um den dritten Platz 2:3 gegen Deutschland verlor – das besiegelte Ende des österreichischen »Wunderteams« um HidenHiden, Rudolf, GschweidlGschweidl, Friedrich »Fritz«, ZischekZischek, Karl, SchallSchall, Anton und »Mozart« Matthias SindelarSindelar, Matthias. Dieses hatte noch kurz zuvor auf geniale Weise den europäischen Fußball aufgemischt und Deutschland 1931 zwei herbe Niederlagen (0:6 und 0:5) bereitet. Dass ausgerechnet der deutsche Kraftfußball 1934 über die Leichtigkeit des (schon im Verfall begriffenen) »Wunderteams« obsiegte, schmerzte doppelt.

Siebenundvierzig Jahre lang musste das gebeutelte Österreich seit 1931 auf einen Sieg gegen Deutschland warten – bis es in der argentinischen Millionenstadt Córdoba, der »Stadt der Glocken«, zum großen, nein, zum größten Sieg kam. Im letzten Vorrundenspiel der zweiten Gruppe 2 traf das bereits ausgeschiedene Österreich auf Deutschland, das seinen Zenit längst überschritten hatte – unter der Leitung des Israeli Abraham KleinKlein, Abraham. Bald stand es in einer munteren Partie, an der sich Berti VogtsVogts, Hans-Hubert »Berti« in seinem letzten Länderspiel rege mit einem Eigentor beteiligte, 2:2. Zur »Schmach« gedieh das Spiel in der 87. Minute, als sich der Österreicher Hans KranklKrankl, Johann »Hans«, der schon den Führungstreffer zum 2:1 erzielt hatte, durchtankte und Sepp MaierMaier, Josef »Sepp« keine Chance ließ. Dass dieser den Sieg der Mannschaft von Helmut SenekowitschSenekowitsch, Helmut besiegelnde Augenblick derart stark in Erinnerung blieb, lag vor allem an der Reportage des Österreichers Edi Finger sen.Finger sen., Eduard »Edi« Dessen »Da kommt KranklKrankl, Johann »Hans« (…) in den Strafraum – Schuss … Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer’ narrisch! KranklKrankl, Johann »Hans« schießt ein – 3:2 für Österreich!« gehört zum kollektiven akustischen Gedächtnis Österreichs. Und auch die zu überstehenden Folgeminuten kosteten Edi FingerFinger sen., Eduard »Edi« viele Nerven. Beachtenswert blieb, dass FingerFinger sen., Eduard »Edi«, selbst in Momenten, da sich seine Stimme überschlug, nicht jede Contenance verlor und, wie es in Österreich Sitte und Anstand gebieten, Respekt vor akademischen Titeln bewahrte. KranklsKrankl, Johann »Hans« Siegtor löste zwar in der Reporterkabine heftigste Emotionen aus, doch auch der größte Kusseifer führte nicht dazu, dass Anreden unkorrekt verkürzt werden: »Meine Damen und Herrn, wir fall’n uns um den Hals, der Kollege Rippel, der Diplom-Ingenieur Posch, wir buss’ln uns ab.« Córdoba machte Edi FingerFinger sen., Eduard »Edi« zu einer der berühmtesten österreichischen Persönlichkeiten.

Der deutsche Berichterstatter Armin HauffeHauffe, Armin blieb, wer will es ihm verdenken, kühl und gelassen, konstatierte eine »absolute Überraschung«. Hansi MüllerMüller, Hans Peter »Hansi«, der nach der Halbzeit für Erich BeerBeer, Erich mit der »hohen Stirn« (Edi Finger) eingewechselt worden war, hielt fest, welche Atmosphäre später in der Kabine der Gedemütigten herrschte: »Eine gewisse Leere. Rolf RüssmannRüssmann, Rolf hat geweint, weil er sich vom Hans KranklKrankl, Johann »Hans« düpieren hat lassen. Die Enttäuschung war wahnsinnig groß. Wir fielen irgendwie in ein tiefes Loch. Ich kann mich noch an die Heimfahrt erinnern. Wir fuhren mit dem Bus von Córdoba zum Flughafen, und es lief die Kassette mit dem Titel Der Mann mit der Mütze geht nach Haus’ – gemeint war Helmut SchönSchön, Helmut. Das hat so richtig gepasst, wir hatten ja die Platte für die WM gemacht, und jetzt saß er vorne im Bus, der Helmut SchönSchön, Helmut, und wir fuhren wirklich nach Hause. Wir waren sehr frustriert.«

Der Ordnung halber sei angemerkt, dass die österreichische Geschichtsschreibung den Terminus »Schmach von Córdoba« nicht verwendet.

25. Juni 1982

Tu du mir nichts, dann tu ich dir nichts oder: Deutschland und Österreich kommen weiter

Es ist die Zeit der Friedensbewegung, der Nachrüstungsdebatten, der Pershing-II-Raketen, der großen Bonner Hofgartendemonstration und der Frage, welches Drohpotenzial nötig ist, um die Großmächte USA und UDSSR in Schach zu halten. NicoleNicole gewinnt im englischen Harrogate den Grand Prix Eurovision de la Chanson mit ihrem lieblich-ehrlichen Appell Ein bisschen Frieden, und Hans HartzHartz, Hans, der Bonnie TylerTyler, Bonnie des deutschen Schlagers, zeigt mit Die weißen Tauben sind müde, woher der Zeitgeist weht.

Vielleicht waren es diese unterschwelligen Stimmungen, die sogar vor dem Fußball nicht haltmachten und mit »Granaten« und »Bomben« groß gewordene Stürmer plötzlich an ihrem Handwerk zweifeln ließen. So wie bei der WM1982 im spanischen Gijón, als es zum letzten Spiel der Gruppe 2 kommt, ausgerechnet zwischen den Deutschen und den Österreichern, vier Jahre nach dem für die Ersteren so deprimierend verlaufenden WM-Ausscheiden in Argentinien (Córdoba!). Da – dieser Modus wurde nach der WM schnell geändert – das vorletzte Gruppenspiel (Algerien schlägt Chile) bereits beendet war, wussten Deutschland und Österreich genau, wie ihre Aufgabe, das gefahrlose Weiterkommen, am leichtesten zu lösen war: Deutschland musste das Spiel gewinnen, und Österreich durfte mit höchstens zwei Toren Unterschied verlieren.

Nach zehn Minuten war das Gewünschte erreicht: Horst HrubeschHrubesch, Horst brachte Deutschland in Führung, und kurz darauf beschlossen beide Teams, es mit diesem Ergebnis gut sein zu lassen. Man »verwaltete« es, mied konfliktreiche Strafraumsituationen und schob sich – einander wäre auch nicht gefahrvoller gewesen – den Ball in aller Gemütsruhe zu. So trugen alle Beteiligten, offenbar unterschwellig durch den Geist der Friedensbewegung beeinflusst, zur »Schande von Gijón« bei, die statt stürmischer Versuche, einen Treffer zu laden, zu einem Nichtangriffspakt führte. Folgerichtig blieb es beim 1:0; das Nachsehen hatten mal wieder die »Kleinen«, die tapferen Algerier, die Deutschland im ersten Gruppenspiel sensationell besiegt hatten. Die spanischen Stadionbesucher quittierten das Elend, indem sie weiße Taschentücher schwenkten.

Das Ballgeschiebe von Gijón mutete so zynisch an, dass selbst die gerne in nationaler Begeisterung schwelgenden TV-Reporter begriffen, dass hier nichts schönzureden war. Eberhard StanjekStanjek, Eberhard nannte das Geschehen »schändlich«; sein österreichischer Kollege Robert SeegerSeeger, Robert forderte – eine willentliche Quotensenkung heraufbeschwörend – die Zuschauer auf, ihre Fernsehgeräte auszuschalten, während sein Landsmann Manfred PayrhuberPayrhuber, Manfred mit der Prognose »Das Match wird zweifellos in die Geschichte eingehen« recht behalten sollte.

Die Akteure selbst sparten anfänglich mit Selbstkritik. »Ich weiß nicht, was man will: Wir sind qualifiziert«, beschied Hans KranklKrankl, Johann »Hans« patzig, wohingegen man auf deutscher Seite mal wieder alles dafür tat, um ein arrogantes Image zu hegen und zu pflegen. DFB-Präsident Hermann NeubergerNeuberger, Hermann und Trainer Jupp DerwallDerwall, Josef »Jupp« (»Das Resultat, das war der große Nenner«) schwadronierten vor sich hin, lenkten vom Gijóner Geschehen ab und zeigten auch im Nachhinein keinerlei Einsicht.

Wer wissen möchte, warum der deutsche Fußball in den achtziger Jahren trotz seiner Erfolge oft genug eine unansehnliche Zumutung war und keine innige Begeisterung auslöste, braucht nur »Gijón« zu sagen, und sofort ist alles Hässliche und Schmachvolle präsent. Erfolg ist nicht alles – manchmal stimmt dieser Satz. Ob es ohne die Friedensbewegung, Petra KellyKelly, Petra & Co. und ihr Bemühen, Frieden ohne Waffen zu schaffen, zu einem Stillhalteabkommen à la Gijón gekommen wäre, ist eine noch nicht ausreichend erforschte Fragestellung. Für Torwart Toni SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni«, der gegen Österreich sein Können vor allem beim Auffangen eines deutschen Einwurfs unter Beweis zu stellen hatte, zeitigte das ereignislose Spiel gegen Österreich schwerwiegende Folgen: Von der Friedfertigkeit zu Gijón offenbar genervt, entlud sich sein angestautes Aggressionspotenzial wenig später im Spiel gegen Frankreich, siehe den folgenden Eintrag. Zu viel Frieden kann eben auch Unheil hervorrufen.

Den souveränsten Umgang mit diesem düsteren Abend pflegte der Dichter Ror WolfWolf, Ror. Für seinen Zyklus von WM-Gedichten schrieb er eines mit dem Titel Neunzehnhundertzweiundachtzig. Es umfasst viele Strophen, bezeugt alles Mögliche, was beim Turnier in Spanien geschah – aber erwähnt das Herumgeeiere von Gijón mit keinem Wort. Darin zeigt sich die Wirkkraft von Literatur sehr anschaulich. Das Elend verschweigen kann das Elend besonders sichtbar machen.

Ein anderer Deutscher fiel bei dieser Weltmeisterschaft weniger durch unsportliches als durch ungeschicktes Verhalten auf: Schiedsrichter Walter EschweilerEschweiler, Walter, einer der kuriosen Figuren seines Metiers, kollidierte im Spiel Italien gegen Peru mit einem Spieler, stürzte zu Boden und legte – je nach Sicht der Dinge – einen Purzelbaum oder eine Rolle hin. Was erheiternd aussah, soll die im Auswärtigen Amt beschäftigten »Pfeife der Nation« jedoch einen Zahn gekostet haben. Trotzdem agierte er später als Werbeträger für das »fruchtige Kaubonbon Maoam« in einem denkwürdigen Spot, der Schiedsrichter und Fans im Dialog zeigt: »Wollt ihr Verlängerung? – Nein! – Wollt ihr Elfmeterschießen? – Nein! – Was wollt ihr denn? – Ma-o-am! Ma-o-am! Ma-o-am!« Ob Felix BrychBrych, Felix und Manuel GräfeGräfe, Manuel nach Karriereende Ähnliches hinbekommen werden?

8. Juli 1982

Torwart Toni Schumacher zerstört die Erinnerung an ein glanzvolles Spiel

Eigentlich hat dieser Tag nichts unter den schrecklichen Erinnerungen zu suchen. Denn eigentlich war die »Nacht von Sevilla« ein prickelnder Fußballabend mit allen dramaturgischen Effekten, wie man sie liebt. Halbfinale der Fußball-WM, Frankreich gegen Deutschland. Nach einem 1:1 geht es in die Verlängerung, in der die bestens besetzte französische Elf alles klarzumachen scheint: TrésorTrésor, Marius und GiresseGiresse, Alain schießen eine 3:1-Führung heraus. Doch dank des eingewechselten Karl-Heinz RummeniggeRummenigge, Karl-Heinz »Kalle« kommen Jupp DerwallsDerwall, Josef »Jupp« Mannen zurück. RummeniggeRummenigge, Karl-Heinz »Kalle« selbst und Klaus FischerFischer, Klaus schaffen den Ausgleich, sodass das Elfmeterschießen, eine deutsche Spezialdisziplin, den Ausschlag geben muss. Und während auf deutscher Seite nur Uli StielikeStielike, Ulrich »Uli« scheitert, pariert Toni SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni« zwei der französischen Strafstöße. Doch so erregend dieses Spiel war, so groß die Freude übers Weiterkommen: Insgeheim wussten alle Deutschen, dass SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni« zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Tor hätten stehen dürfen. In der 57. Minute war der kurz zuvor eingewechselte Patrick BattistonBattiston, Patrick auf SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni« zugelaufen, hatte den Ball über diesen gelupft und wurde im gleichen Moment vom deutschen Torhüter mit Hüft- bzw. Knieeinsatz brutal niedergestreckt: Bewusstlosigkeit, angebrochener Halswirbel, ausgeschlagene Zähne, Kiefernbruch, Auswechslung – BattistonBattiston, Patrick war erledigt worden. Was alle ohne Zeitlupe sahen, sah einer nicht: der niederländische Schiedsrichter Charles CorverCorver, Charles, der das Spiel mit Abstoß fortsetzen ließ. Rot für SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni« und Elfmeter für Frankreich wären die einzig richtigen Entscheidungen gewesen.

Ein Trauerspiel, das der unverständige SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni« im Nachhinein noch trauriger machte. Dass er dem gebeutelten BattistonBattiston, Patrick die Jacketkronen zahlen wolle, wurde als sein Kommentar überliefert. Französische Medien sprachen von einem Attentat, von einem Dritten Weltkrieg. Das Feindbild des plump aggressiven Deutschen bediente SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni« aufs Beste. Der Journalist und spätere Kurzzeit-DFB-Präsident Wolfgang NiersbachNiersbach, Wolfgang verfasste einen peinlich zu lesenden Spielbericht, zitierte SchumachersSchumacher, Harald Anton »Toni« »Es war wirklich keine Absicht« und sprach vom »klassischen K.o.« Battistons.

Leidtragender der Schumacher’schen Brutaloattacke wurde in gewisser Weise auch Klaus FischerFischer, Klaus, der in der 108. Minute nach Kopfballvorlage von HrubeschHrubesch, Horst durch einen seiner wunderbaren Fallrückzieher den 3:3-Ausgleich markierte. Dieser Treffer wurde später zum Tor des Jahres 1982 gekürt, doch ungetrübte Freude will darüber bis heute nicht aufkommen, dank SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni«. Große Gedanken scheint man sich beim DFB über seinen wildgewordenen Torhüter nicht gemacht zu haben; die Begeisterung überwog, und der unbekümmerte Pierre LittbarskiLittbarski, Pierre erzählte in der wichtigen Publikation Der Nationalmannschaft in den Kochtopf geguckt gern davon, wie die Mannschaft regenerierte: »Es ist ja viel darüber geredet worden, und so plaudere ich auch gar kein Geheimnis aus: Fußballspieler greifen in ihrer Freizeit auch oft zu den Karten. Es muss ja nicht immer Poker sein – Skat tut’s auch. Also: Auch in Spanien haben wir häufig Skat gespielt. Zum Beispiel nach dem Frankreichspiel, das vielleicht eines der besten Spiele der gesamten Weltmeisterschaft war und das wir erst nach Verlängerung und Elfmeterschießen gewinnen konnten. Ich gebe zu: Es wurde spät, sehr spät sogar. Der Grund oder die Erklärung: Wenn man so aufgekratzt ist, so aufgewühlt wie nach einer solchen Nervenschlacht, dann braucht man Ablenkung. So mischten Kalle RummeniggeRummenigge, Karl-Heinz »Kalle«, Paul BreitnerBreitner, Paul, Hansi MüllerMüller, Hans Peter »Hansi« und ich die Karten. Das Spiel ging hin und her, die Zeit verstrich, ich wurde schläfrig, die anderen hungrig. Sie bestellten Rühreier. Ich war schon fast im Bett, da riefen sie mich an, ob ich nicht auch noch Hunger hätte. Auf dem Tisch standen Rühreier aus vierzig Eiern, für jeden zehn. Wir haben sie verputzt. Morgens um halb sechs.«

Rührei, das hätte der zusammengetretene BattistonBattiston, Patrick zur Not zu sich nehmen können. SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni« selbst wusste mit Eierspeisen wenig anzufangen und setzte andere Prioritäten: »Gulasch ist mein Leben.« Auch später fiel uns der Kölner Torwart nicht angenehm auf. 1987 veröffentlichte er seine wichtigtuerische, Enthüllungen versprechende Autobiographie Anpfiff. Es ging um Doping und das Sexleben der Fußballer, gerade während großer Turniere. SchumacherSchumacher, Harald Anton »Toni« sprach Klartext: »Wir sind nun mal keine Eunuchen. Warum nicht käufliche Schöne einladen, die unter medizinischer Kontrolle stehen? Der eine nähm sich eine Brünette, der andere steht auf Rothaarige. Man hätte die Gewissheit, dass die Mädchen ›clean‹ sind. Lieber organisierte ›Liebe‹ als zusehen, wie die Jungs in die nächstgelegene Stadt flüchten und sich in irgendeinem üblen Puff Tripper, Maul- und Klauenseuche holen.«

Keine Frage, es gibt bei einer WM vieles zu bedenken.

19. Mai 2001

Auf Schalke glaubt man vier Minuten lang, deutscher Meister zu sein, bis Markus Merk und Bayern München etwas dagegen haben

An diesem Samstagnachmittag befand ich mich gegen 17 Uhr auf einer Landstraße vor den Toren Hamburgs. Wir waren auf dem Weg zum Sommerhäuschen eines befreundeten Paares. Das Radio lief, NDR 2, Bundesligaschlusskonferenz, es ging um die Wurst, es ging an diesem 34. Spieltag um die Meisterschaft. Schalke 04 hatte, wenn auch mühsam, seine Pflicht getan und Unterhaching mit 5:3 niedergerungen. Nun lag es am Hamburger SV, der gegen die Bayern gewinnen musste, um den Schalkern nach Jahrzehnten wieder eine Meisterschaft zu bescheren. Nervös lauschte ich der Konferenz, als das Wunder einzutreten schien: In der 90. Minute köpfte der HSVer BarbarezBarbarez, Sergej elegant ins Tor, und den Herren HoeneßHoeneß, Ulrich »Uli«, BeckenbauerBeckenbauer, Franz, HenkeHenke, Michael und HitzfeldHitzfeld, Ottmar stand entsetzliche Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Ich fuhr mit dem Auto an den Straßenrand; das ließ sich nicht in Bewegung ertragen.

Auf Schalke pfiff Schiedsrichter StrampeStrampe, Hartmut ab, in Hamburg lief die Nachspielzeit, die 94. Minute … als Hamburgs Torwart SchoberSchober, Mathias, ein Schalker eigentlich, einen Rückpass aufnahm und Schiedsrichter MerkMerk, Markus zum Pfiff zwang. Ob es wirklich ein absichtlicher, mit indirektem Freistoß zu ahndender Rückpass war oder nicht, darüber lässt sich bis heute trefflich streiten – eine Entscheidung, die nicht mal der Videobeweis eindeutig hätte treffen können. Es kam, wie es kommen musste: Abwehrspieler AnderssonAndersson, Patrik machte den Ausgleich und riss Schalke die Meisterschale aus den Händen.

Die Szenen, die sich danach abspielten, waren herzerschütternd. Aufgrund einer Fehlinformation dachten die Schalker eine kurze Zeit lang, dass das Spiel in Hamburg bereits abgepfiffen sei, und jubelten über Fortunas Gabe. Bis die Wahrheit ans Licht, also auf die Leinwand kam, bis der »Genickschlag« (Rudi AssauerAssauer, Rudolf »Rudi«) mit eigenen Augen zu sehen war. Aus der kurze Traum. Ich war kaum noch fähig, die Autofahrt wieder aufzunehmen. Der Abend verlief in gedrückter Stimmung. Wäre ich Schalke-Anhänger gewesen, hätte ich geweint. Fußballfans haben, das verstehen Nicht-Fußballfans selten, Gefühle, starke Gefühle, und selbst wenn sie vielleicht nicht in der Lage sind, diese gegenüber ihrer Familie, ihrem Partner zu zeigen – beim Fußball ist das anders, bei Abstiegen und gemein verpassten Meisterschaften. Tränen gehören zu diesem Spiel. Lassen Sie mich dazu etwas Grundsätzliches sagen:

Wer wie ich mit schlechter Musik aufgewachsen ist und statt Alice CooperCooper, Alice, NazarethNazareth oder Rory GallagherGallagher, Rory eine offen gezeigte Schwäche für Mary RoosRoos, Mary, Marianne RosenbergRosenberg, Marianne und Peter OrloffOrloff, Peter hegte, der behält Zeilen im Ohr, die er für alle Zeiten nicht mehr loswird. Irgendwann sollte man aufhören, gegen diesen Schrott im Kopf anzugehen, und klaglos akzeptieren, dass die Alltagskultur vielfältig ist und man selbst mit literarisch dürftigem Gut in der Welt bestehen kann. Nehmen Sie mich zum Beispiel und meine frühe Prägung durch das Schaffen des Mannheimer Sängers Bernd ClüverClüver, Bernd, der als junger Mensch Anfang der siebziger Jahre mit geschmachteten Liedern rauschende Erfolge wie Der Junge mit der Mundharmonika oder Der kleine Prinz feierte und später bei einem Treppensturz ums Leben kam.

So sehr mich ClüversClüver, Bernd Hitparadentoptitel bewegten, so unverkennbar war damals mein Faible für dessen Lied Der König weint um seinen Thron, das außer mir heute wohl nur noch den Bernd-Clüver-Fanclubs in – sagen wir – Hachenburg, Rothenklempenow oder Dautphetal-Holzhausen geläufig ist. Dieser recht traurige Schlager setzt mit Versen ein, die sich mir einätzten: »Tränen, die ein König weint, / Kannst du niemals sehn. / Doch es gibt sie, viel mehr als wir verstehn.«

Da ist es, das Bild des Mannes, der weinen möchte und es nicht darf, das Bild des Mächtigen, dem es die Gesellschaft verbietet, seine Schwächen zuzugeben. »Big boys don’t cry« oder »Männer weinen heimlich« (Herbert GrönemeyerGrönemeyer, Herbert