Verlag: Saga Egmont Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Am Rande der See - Hans Leip

Es sind anrührende Geschichten des Dichters von der Wasserkante, die uns mitten in die norddeutsche Küstenlandschaft führen. In Hamburg, an der Elbe und an Nord- und Ostsee liegen die Schauplätze von Hans Leips dichterischen Berichten von den kleinen und großen Schicksalen der Küstenbewohner und Seeleute. Vor Jahren waren aus der Stadt Handwerker in einem Boot in das Dorf mit dem Leuchtturm gekommen, und als der Leuchtturm von ihnen auftragsgemäß neu angestrichen war, hatte es einige Veränderungen im Dorf gegeben: Unter anderem kriegte Berta ein Kind. Jahre später, der Leuchtturm benötigt einen neuen Anstrich, legt wieder ein Boot an. In einer anderen Geschichte sorgt ein Schiffer, der Steine für den Deichausbau heranzuschaffen hat, für Unruhe unter den „Deichflickern". Autorenporträt Hans Leip (1893–1983) war der Sohn eines ehemaligen Seemanns und Hafenarbeiters im Hamburger Hafen. Leip wuchs in Hamburg auf. Ab Ostern 1914 war er Lehrer in Hamburg-Rothenburgsort. Im Jahre 1915 wurde er zum Militär einberufen; nach einer Verwundung im Jahre 1917 wurde er für dienstuntauglich erklärt. Leip kehrte in seinen Lehrerberuf zurück, gleichzeitig begann er, in Hamburger Zeitungen Kurzgeschichten zu veröffentlichen. 1919 fand die erste Ausstellung von Leips grafischen Arbeiten statt, der zu dieser Zeit das Leben eines Bohemiens führte. In den zwanziger Jahren unternahm Leip ausgedehnte Reisen, die ihn u. a. nach Paris, London, Algier und New York führten. Seinen literarischen Durchbruch erzielte er 1925 mit dem Seeräuberroman "Godekes Knecht". Während des Zweiten Weltkriegs lebte er ab 1940 dann vorwiegend am Bodensee und in Tirol. 1945 kehrte er für kurze Zeit nach Hamburg zurück, ließ sich jedoch dann im Schweizer Thurgau nieder. Hans Leips literarisches Werk besteht aus Romanen, Erzählungen, Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen und Filmdrehbüchern; vorherrschende Themen sind das Meer und die Seefahrt. Sein Nachruhm beruht allerdings hauptsächlich auf dem Gedicht "Lili Marleen", das Leip 1915 verfasst und 1937 in den Gedichtband "Die kleine Hafenorgel" aufgenommen hatte; in der Vertonung von Norbert Schultze, interpretiert von der Sängerin Lale Andersen und verbreitet durch den Soldatensender Belgrad erlangte das Lied während des Zweiten Weltkriegs eine ungemeine Popularität nicht nur bei den Angehörigen der deutschen Wehrmacht.

Meinungen über das E-Book Am Rande der See - Hans Leip

E-Book-Leseprobe Am Rande der See - Hans Leip

Hans Leip

Am Rande der See

Geschichten von der Wasserkant

Saga

Am

Rande

der See schien

manches voll Liebreiz,

doch nie war das Schreckliche fern.

Ein Leuchtturm wird frisch gestrichen

Als der Holunder zu blühen begann, roch der ganze Deich nach Schnaps und Brot. Es war Juni, und die Mädchen, die gegen die untergehende Sonne lustwandelten, waren trunken von der blühenden Luft. Sie alberten mit den weidenden Lämmern und winkten übermütig den großen Dampfern nach, die in der Breite des Stromes nach Westen in die Welt verschwinden, und auch den weißen Jachtseglern, die sonntags fernab kreuzen und selten auf den Gedanken kommen, bei dem einsamen Deichdorfe anzulegen.

Da geschah es eines Abends, daß ein sonderbares Boot quer über das Fahrwasser genau auf den Ort zuhielt, von einem winzigen Schlepper gezogen. Als es dem Ufer näher kam, wo es flacher wird, warf der Schlepper los und überließ das merkwürdige Fahrzeug seinem Schicksal. Es sah aus wie die Arche Noah, mit der die Kinder spielen. Die Strömung schob es sachte an die Steinböschung heran, doch keine Tiere traten heraus, sondern fünf schweigsame Männer, die mit Stangen nachhalfen. Der Deich ist hier mächtig hoch und beschreibt viele Buchten, und in die größte, wo oben die Mühle steht, bugsierten sie es hinein.

Die Dorfmädchen standen mit wehenden Röcken auf der Deichkrone. Die Männer schielten hinauf, aber vorerst ertönte noch kein Hallo; denn die nördlichen Herzen sind schweigsam und mißtrauisch von Natur. Erst als der Wirt zum „Schönen Blick“ ihnen den besten Liegeplatz hinunterrief, da erfuhr man, daß diese Männer den Leuchtturm frisch zu streichen hatten und vom Staate kamen.

Der Leuchtturm steht nicht weit von der Mühle hinterm Deich. Er ist hoch wie der Großmast eines Vollschiffes, weit höher als der Kirchturm. Seine einst weiße Farbe war in Wind und Wetter ergraut. Manche Leute erinnerten sich daran, wie vor vielen Jahren ein ähnliches Boot und ähnliche Männer gelandet waren, um den Leuchtturm zu streichen, und daß es den Sommer unruhig gewesen war im Orte, nämlich zum Schluß hatte ein Mädchen namens Berta ein Kind gekriegt, man wußte nicht von wem, auch war eine Frau nicht weitab in der Marsch geschieden worden, und eine andere war nach Hamburg gezogen, Ottel Reem hatte ein Auge verloren, und Pümpel, der mit dem Brotwagen, hatte einen ausgerenkten Daumen seitdem.

Die Männer verankerten das ungefüge Boot nach allen Seiten. Man sah, sie gedachten ihre Zeit zu bleiben. Eine schmale lange Planke wurde vom Bordrand auf die unteren Deichsteine gelegt, und das war die Verbindung bei Flut und bei Ebbe. Wie ein ordentliches Haus, so groß war das Boot. Das obere Stockwerk erwies sich, als das Persenning weggezogen wurde, aus aufgepackten Leitern bestehend. Die Männer gingen daran, packten ab und trugen ohne Hast eine nach der andern über die Planke, die sich jedesmal wie eine Hängematte bog unter der Last, schleppten Leitern, Tauwerk, Latten und Eimer den Deich hinauf, auf der andern Seite wieder hinab über den Wiesenweg an die Chaussee bis zum Leuchtturm. Der Leuchtturm ist um die Zeit des Jugendstils errichtet, eben nach dem Eiffelturm, doch nicht vier, sondern sechs Eisenstreben ragen in den Himmel und haben den Schwung eines Kleides unserer Mütter, als sie jung waren, und die mittlere Säule, darin eine Treppe emporführt, ist schlank wie eine Tänzerin vom Montmartre. Hoch oben ist die Laterne wie ein Kopf mit einem chinesischen Hut, und die Galerie darunter gleicht der Halskrause einer Pirouette. Eine etwas fremde, aber lustige Angelegenheit, solch ein Leuchtturm in dieser platten Landschaft, sollte man meinen. Aber die Männer rankten einen unlustig verkniffenen Blick daran hoch und senkten ihn wieder, spien saftig ins grüne Gras und fluchten über die große Arbeit, die ihnen bevorstand, obwohl sie hinterrücks im Gemüt froh waren, daß sie noch Arbeit hatten, wo andere damals nichts als trockenen Karo schoben.

Somit stiegen zwei im Innern hinauf und nahmen die längste und stärkste Leine mit, ließen sie von der Galerie herab und hievten eine Leiter empor, und der eine kletterte dort oben in schwindelnder Höhe unangeseilt übers Geländer und hielt sich mit einer Hand und befestigte die Leiter mit der andern unterm Boden der Galerie, wo extra Haken dafür sind, und schwang sich auf die Sprossen, sprang sozusagen in die freie Luft, stieg bis zum unteren Ende der Leiter und pendelte damit hin und her, bis es richtig lag, und band es fest. Dann kletterte er wieder hoch und tat mit der nächsten Leiter das gleiche und so fort an allen sechs Streben rundherum an der Galerie. Vielleicht hätte man auch vom Turmfuß aus beginnen können, aber der Meister hielt es für richtig, seinen Leuten von Anfang an ein Vorbild zu sein und die Nerven abzuhärten wegen des Schwindelgefühls, jetzt, da sie noch nüchtern von zu Haus und aus dem Winter kamen; denn es war der erste Leuchtturm, den sie dieses Jahr zu streichen hatten. Und er tat es auch, um den Dorfbewohnern, die unten mit Herzklopfen zusahen, wahren Mannesmut zu zeigen.

Als der Leuchtturm nun ganz eingekleidet war in Leitern und Mannshöhe über Mannshöhe dünne Sondergalerien aus Latten und Bohlen in die Sprossen gehängt waren, da zogen vier der Männer schneeweiße Kittel an, setzten grüne Schutzbrillen auf, rührten ungeheuer viel Bleiweiß an und begannen zu streichen. Früh um sechs stiegen sie, den Pinsel zwischen den Zähnen, den schmalen schwankenden Leiterweg gen Himmel, an fünfzig Meter hoch, links und rechts weiter nichts als Luft, und in der Entfernung von unten schrumpften die Sprossen zusammen, als sei es nur ein Strick. Der fünfte Mann blieb an Bord. Er war der Schiffer und sorgte auch fürs Essen.

Nachdem nun die oberen zehn Meter in purem Weiß prangten, wurde ein Kübel kräftiges Rot angesetzt. Denn diesmal sollte der Leuchtturm der besseren Kennung bei diesigem Wetter wegen nicht in eins weiß heruntergestrichen werden, sondern von der Galerie abwechselnd je vier Meter rot und weiß. Das tat zugleich der Würde Hamburgs Genüge; denn es führt diese Farben im Wappen und hat die Aufsicht über die Befeuerung des Fahrwassers bis in die See hinaus. Die Maler nun, wenn sie von den Gerüsten stiegen, sahen bald aus wie Metzger am Schlachttag oder wie Chirurgen nach gefährlichen Amputationen; läßt sich doch ein gelegentlicher Spritzer schlecht vermeiden, wenn die Sache flutschen soll. Und die Mädchen gruselten sich.

Solange die Arbeit noch so hoch war am Leuchtturm, ging alles friedlich zu im Dorfe. Punkt zwölf und Punkt achtzehn schritten die vier weißen Männer, die grünen Brillen in die Stirn geschoben, im Gänsemarsch zu ihrem Hausboot zurück. Dort rauchte der Schornstein, und der Koch brachte kräftige Sachen auf den Tisch, doch mit dem Gewürz war er sparsam, um den Durst und die Laune nicht zu reizen. Am Sonnabend kam der kleine Schleppdampfer und brachte die, welche verheiratet waren, in die Stadt, und der Meister, der unverheiratet war, besuchte seine Mutter auf der anderen Seite des Stromes. Nur einer blieb immer als Wache an Bord zurück, und saß auf der beschränkten Plattform bei dem kleinen Anbau, obschon es dort nicht am lieblichsten roch, und las alte Zeitungen und die Bücher, die der Pastor des Ortes zur Ablenkung aufs Boot geliehen hatte, gähnte und stopfte seine Socken, und die Blicke, die sich von und zu den Mädchen spannen, die in rosa und blaßlila Sonntagskleidern auf dem Deich hin und her gingen, wurden allgemach geneigter.

„Das sind andere Leute als damals!“ sagte der Wirt zum „Schönen Blick“ und sah seine Frau aus tiefen Augenwinkeln an, weil sie Berta hieß und das Kind jetzt seine Tochter war und abends auf dem Deich spazierenging und neugierig war auf die Männer, die den Leuchtturm strichen, genau wie ihre Mutter es gewesen vor achtzehn Jahren.

„Warten wir ab!“ antwortete die Wirtin, und ihr Doppelkinn lächelte böse aus der Erinnerung hervor. „Die sind noch nicht fertig, die Kerls! Aber an Meta kommen sie mir nicht ’ran!“

Meta, das war die Tochter. Der Alte muschelte, da wäre denn ja auch wohl nicht so viel Mitgift bei den dreckigen Zeiten wie dunnemals, um jemand Unschuldigen damit zu angeln und ihm ein Lokal zu kaufen. Vielleicht würde es für einen Brotladen reichen, meinte Meta da spöttisch; denn sie war ein schon selbständiges Kind, wie die heutige Jugend ist, und riskierte ein offenes Wort. Damit war der Punkt vorerst erledigt, und die Eltern sprachen davon, daß man das Lamm, das den Deich abgraste, bald schneiden müsse, damit es ruhiger werde und fetter im Fleisch.

Die Witterung hielt sich einigermaßen den Sommer. Wenn es regnete, blieben die Maler anfangs an Bord und hauten sich in die blaugewürfelten Betten. Das sah wirklich nicht nach Störenfrieden aus. Die Wirtin zum „Schönen Blick“ atmete einesteils auf, andernteils jedoch hatte sie schon mit einigem Verdienst an diesen Brüdern kalkuliert, wo alles zurückging im Geschäftsleben. „Wart man ab“, sagte ihr Mann, „sie kommen noch.“

Und richtig. Als die Männer über die Mitte herunter waren und nicht mehr so lerchenhoch saßen, wurden sie kühner. Der Holunder hatte ausgeblüht, die Beeren waren grün, und auf den Bänken, die schief vom Wind auf der Deichkuppe in die Büsche gedrückt stehen, saßen abends bei Mondschein die Mädchen und sangen zweistimmig. Die vier, fünf Leute aus dem dicken Malerboot wandelten auf dem Deich einher, und sie hatten einen leichten Schritt, fast wie die vornehmen Segler der Jachten, die nur notgedrungen bei schlechtem Sturm den Ort anlaufen. Sie blieben bei dem angepflockten Bockslamm stehen, das war ganz in der Nähe der Mädchen, und die Mädchen schwiegen plötzlich. Aber nach einer Weile, da die Männer sich mit dem Tierlein herumbalgten und sich komisch machten, kicherten sie allesamt, und eine ließ eine Bemerkung entschlüpfen über große und kleine Böcke; das war Meta, die Tochter zum „Schönen Blick“. Nunmehr war bald Unterhaltung genug im Gange. Jedoch als es dunkel wurde und der Leuchtturm sein Licht anzündete, gingen die Männer die Deichtreppe hinunter in die Wirtschaft. Sie hatten in den soliden Wochen viel Geld gespart, es wurde allmählich langweilig, und die Arbeit war jetzt leicht und es war kein Grund mehr, nicht tüchtig einen zu heben.

Und je mehr der Leuchtturm seiner Vollendung entgegengedieh, desto mehr kitzelte ihnen das Geld in der Tasche. Im „Schönen Blick“ spielte jeden Abend das Grammophon und im Gasthaus „Zur Fähre“ das Radio, und im letzteren war nun sonnabends und sonntags Tanzkränzchen, den Leuchtturmmalern zu Ehren, und diese ließen den wöchentlichen Schlepper zumeist leer wieder wegfahren. Von weit her kamen die Mädchen und jungen Leute, und um Mitternacht, wenn Polizeistunde war, johlte es noch lange auf der sonst so stillen Landstraße, und hinter jedem Distelbusch am Deich lagen die flüsternden Paare. Auf den Bänken aber beim Holunder saßen die Alten noch spät, wenn es die Luft erlaubte, und sprachen von den früheren Zeiten und was da alles passiert sei, als der Leuchtturm gestrichen wurde. Weiß und rot blitzte das Leuchtfeuer über den Strom und die weite Marsch. Und der Brotmann Pümpel reckte den steifen Daumen in den Mund und verschwor sich, sein Sohn solle sich nicht dazwischenmischen.

Sein Sohn steckte morgens die Rundstücke in die Beutel, welche zu dem Zweck an den Hausklinken des Dorfes hingen. Abends saß er im „Schönen Blick“. Er hatte es auf Meta, die Wirtstochter, abgesehen. Aber die Maler schienen das Grammophon auch mehr zu lieben als das Radio und die Tanzkränzchen; denn Meta hatte eine bestechende Art, ihnen die schäumenden Kugeln Helles hinzuschwenken, sie hatte stramme Beine und eine schlagfertige Zunge, und das Licht schien durch ihr dünnes Kleid. Dazu waren da seit kurzem drei Damen in „Penschon“, Damen aus der Stadt, wo sie in der Fabrik, die eine bei Puddingpulver, die andere bei Wollsplint, die dritte bei Kautschuk, tätig waren, sie hatten alle zugleich Ferien und waren befreundet und aus Gründen der Billigkeit in das gottverlassene Deichdorf geraten, wo es nicht einmal einen Badestrand gab. Dennoch liefen sie den ganzen Tag irn Badeanzug umher, und die Maler kamen ihnen gerade recht und sie den Malern, so daß die weiteren Schönen des Ortes und das Gasthaus „Zur Fähre“ ins Hintertreffen gerieten. Bezüglich der Tochter Meta jedoch war es der Meister selber, der gewogen blieb. Die Wirtin sah es wohl, jedoch sie beschwichtigte ihr Bedenken, denn es war ja der Meister, der auch ein Motorrad besaß und fast aussah wie ein Kunstmaler und staatlich angestellt war. Damals war es der Meister ja nicht gerade gewesen. Sie betrachtete ihn abschätzend auf Schwiegersohn hin und setzte ihm in der Küche manch kaltes Huhn ohne Anrechnung vor, er war sanftmütig und spielte mit dem Wirte und mit Brotmann Pümpels Sohn Schafskopf bis spät in manche Nacht. Meta saß dabei und tat, als ahne sie nichts, und holte Bier aus dem Keller und goß Steinhäger ein und war freundlich zu jedem, der da kam. Oh, es war ein Leben und Treiben im Dorfe, und der Koch brachte dem Pastor die ablenkenden Schriften mit Dank zurück.

Die Fliederbeeren, wie man die vom Holunder nennt, wurden schwarz und reif. „Die geben gute Hitze!“ sagte die Wirtin und lud den Meister zur Suppe ein. Aber auch die übrigen kamen mit; denn es war August geworden. Und Pümpels Sohn kam auch und auch Heinrich von der Mühle und etliche andere. Die „Penschonärinnen“ jedoch waren schon wieder abgereist, ihre Ferien waren nicht wie etwa bei Lehrerinnen so groß.

Diesen letzten Abend war es anfangs recht still im „Schönen Blick“, doch später machte der gläserne Stiefel die Runde und wurde oft geleert nach Handwerksbrauch, und Pümpels Sohn holte seine Harmonika, und man sang das Lied vom Pfannenflicker und tanzte mit Meta und untereinander, und Heinrich von der Mühle sagte, die Damen aus der Stadt hätten es auch wohl gut gekonnt, nun sei er an der Tour, und der Koch sagte, er habe auf „Friedrich dem Großen“ gedient im Skagerrak und brauche sich das nicht bieten zu lassen, und Pümpels Sohn sagte, Meta würde sich mit keinem Kletteraffen einlassen, und die Wirtin sagte, ihr Haus sei ein reines Haus, und der eine Maler, der von den Maurern herkam und das Händeklatschen vorführen wollte, wie es zünftig ist, hieb jemanden versehentlich in die Fresse, und ein wenig später alarmierte der Wirt den Gendarm, und manches war danach trotzdem blau, zerbrochen, eingeknickt und ausgerenkt. Und dann wurde weiter Abschied gefeiert.

Der Meister und Meta waren dem Krakeel entronnen und saßen auf der Holunderbank, und sie weinte, sie habe sich schon drei Morgende übergeben. Da standen sie auf. Der Schafbock, der so munter gewesen war vor zwei Monaten, kaute träge im abnehmenden Mond und war den Tag ein Hammel geworden. „Dja“, sagte der Meister trübe, und weiter sagte er nichts und verzog sich auf sein Boot, das schon wieder bepackt war mit den Haufen der Leitern, und seine Leute kamen um die Frühdämmerung ebenfalls, mitgenommen, sternhagelvoll, doch vergnügt. Hinter ihnen, verbunden und geschient, humpelten einige vom Dorfe und hofften giftig, daß die verfluchten Maler allesamt in den Bach kippen würden. Aber sicher wie die Engel glitten sie über den dünnen Plankensteg an Bord, obwohl er sich wie eine Sense krümmte. Um sieben Uhr kam der Schlepper und holte die Arche Noah wieder ab, um sie nach Bützfleth zu bringen oder zum Hungrigen Wolf oder wo sonst ein Leuchtturm zu streichen ist.

Die Deichflicker

Der Deich war schadhaft geworden. Es ist an der gefährlichsten Stelle des Stromes, schon nahe der See. Die Tiden nagen an der gewaltigen Böschung, die von Menschen aufgerichtet, die Marschen schützen sollen, das saftige Weideland, das tiefer liegt als der mittlere Wasserspiegel. Wenn der Mond wechselt und es Springflut gibt, dann klauben die Brecher dicke Granitblöcke aus dem Deich leicht wie ein Jungensdaumen die Rosinen aus dem Weihnachtsklöben.

Die Bauern schrieben an die Regierung. Es dauerte lange, aber eines Tages kam der Staatskommissar und beaugenscheinigte. Und als der nächste Frühling aufzog und der Schaden noch ein gutes Stück teurer war, kam die Sache denn in Schwung. Es war um die Zeit, da es der Landwirtschaft schlecht ging und die Weltmärkte die Erzeugnisse unter Preis lieferten. Somit waren die Bauern froh, bei der Deichflickerei anzuhaken, wenn sie es auch früher verachtet hatten. Gewiß, in einer verschollenen Großväterzeit hatte jedermann einst kostenlos am Deiche mitzuarbeiten gehabt nach dem harten Motto: Wer nicht will dieken, mutt wieken. Heute jedoch, so deuchte es ihnen, wäre es noch schöner gewesen, dem Staate, der seine Steuerblutegel an jedwede Beutelfalte legte, für nichts und wieder nichts untern Arm zu fassen. Und man nahm den sauren Lohn des Arbeitsmannes ohne viel Dank als selbstredend hin. Und sie sprachen obendrein davon, daß es anders werden müsse, und daß die zu Neumünster es bloß man zu dummerhaftig angefangen hätten.

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