An der Schwelle zur Zerstörung - Carsten Dethlefs - E-Book

An der Schwelle zur Zerstörung E-Book

Carsten Dethlefs

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Beschreibung

Das Glück ist ein flüchtiger Geselle. Da glaubt man, es wäre endlich Ruhe, schon geht das Glück wieder seiner Wege. Jehann war ausersehen, erneut Richtung Westen nach Frankreich abkommandiert zu werden. Zu seinem Glück wurde ein russisches Kriegsgefangenenlager in seinem Heimatdorf Wrohm errichtet, dessen Aufseher er werden sollte. So sparte er sich die Fahrt in die von Menschen gemachte Hölle. Gleichzeitig machten aber auch die USA mobil, nachdem sie erfuhren, dass Deutschland gemeinsam mit Mexiko gegen sie vorgehen wollte. Der Weltenbrand war entzündet und der nächste Schritt zur Zerstörung war getan. Wie konnte in dieser Zeit nur Liebe gedeihen, wie sie zwischen Janne und Jehann glühte? Kommen Sie mit und erleben Sie, wie Janne und Jehann trotz widrigster Umstände versuchten, ihr Glück zu leben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2025

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© 2025 Carsten Dethlefs

Website: www.carsten-dethlefs.de

Covergrafik: Tom Wehrend

Umschlaggestaltung: Susanne Junge, Christian Strümpel

Korrektorat, Satz & Layout: Susanne Junge

E-Book-Konvertierung: Susanne Junge, Christian Strümpel

ISBN: 978-3-384-71730-6 (E-Book)

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter:

Carsten, Dethlefs, Anklamer Straße 56a, 25746 Heide, Germany

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Libertas vincat

Möge die Freiheit siegen

Vorwort

Während der Niederschrift dieses Buches befinden wir uns im Jahr 2024 bzw. 2025, also etwa einhundertundzehn Jahre, nachdem die Handlung des Vorgängerbandes geendet hat. Und schon wieder ist Krieg. Um genauer zu sein, sind es viele Kriege. Eine dieser Schlachten klopft aktuell sogar unmittelbar an die westeuropäische Tür. Es ist der Konflikt zwischen dem expansionistischen Russland und der Ukraine, der bereits viele Menschenleben gekostet und in Deutschland zu mannigfachen Kontroversen geführt hat. Ähnlich verhält es sich mit dem Krieg in Nahost zwischen den Palästinensern und Israel. Hier griffen die Palästinenser am 7. Oktober 2023 unter Inkaufnahme tausender Opfer Israel an, woraufhin sich ein hochgerüsteter Schlagabtausch mit heute noch unabsehbaren Folgen entsponnen hat. Auch wenn ein unterzeichneter Friedensplan mittlerweile vorliegt, wird es lange dauern, um Vertrauen aufzubauen.

Einige politische Parteien in Deutschland und weltweit nutzen die Konflikte für das eigene Machtstreben. Anti-jüdische und pro-islamistische Demonstrationen auf den Straßen der westlichen Staaten lassen nicht nur mich nachdenklich und erstaunt zurück. Andere Länder sorgen mit groß angelegten Waffenlieferungen für ein hoffentlich baldiges Kriegsende – oder für eine schreckliche und zu befürchtende Eskalation. Die Zeit wird es zeigen. Währenddessen brodelt es im Sudan und Venezuela. An Kriegen mangelt es nicht.

So oder so, sind abermals viele Menschen unsicher gegenüber ihrer eigenen Meinung und skeptisch gegenüber den Medien und der Politik als Ganzes. Da die wenigsten Bürger in Europa persönliche, unmittelbare Berührungspunkte mit dem Militär oder den aktuellen Konflikten haben, schenken sie in ohnmächtiger Ahnungslosigkeit einigen extremistischen Parteien an der Wahlurne ihr Vertrauen.

Nun ist es in einer freien Gesellschaft sehr wohl möglich, dem Kollektivismus zu huldigen. Umgekehrt ist es jedoch so gut wie ausgeschlossen. Im Nachwort des zweiten An-der-Schwelle-Bandes hatte ich bereits davor gewarnt, dass die Zeiten, wie sie während des Ersten Weltkrieges herrschten, heute durchaus noch möglich sind. Das verständliche Verlangen nach persönlichem Glück spielte und spielt für die Militärstrategen keine Rolle.

Lassen Sie uns in diesem Moment innehalten und etwa einhundert Jahre zurückgehen, die Frage aufwerfen, ob die Konflikte und das Schicksal derjenigen Personen, die unter derlei Kriege litten, nicht ganz ähnlich waren wie die wahrgenommene Ohnmacht vieler Menschen heutzutage. Rufen Kriege nicht immer ähnliche Emotionen wach und schränken sie die Menschen nicht sogar in einer jetzt globalisierten Welt ein wie damals in einer stark regionalisierten Gesellschaft auch?

Kommen Sie mit und erleben Sie, wie sich das Schicksal von Janne und Jehann, den Hauptprotagonisten der Vorgängerbände, im Zeitverlauf weiterentwickelt. Nicht nur Janne und Jehann wollten lachen, tanzen, lieben und die Freiheit genießen, frei und glücklich sein, das Geschenk des Lebens voll auskosten. Übersteigerte Einzelinteressen, Machtwahn und Rachegelüste machten schon damals diese Wünsche nahezu unmöglich.

Doch jetzt genug der Vorrede, lassen wir die Vergangenheit sprechen.

Dass die gewählten Ausdrücke im Folgenden keineswegs diskriminierend gemeint sind, sei an dieser Stelle noch einmal betont. Sie sind vielmehr dem Sprachgebrauch der damaligen Zeit angepasst.

Heide, den 6. September 2025

Prolog – Ahnung der Vergangenheit

18. Oktober 2017

Nachdem Freya mit ihrem Vater die Kapelle verlassen und den ewigen Frieden in Gegenwart des leblosen Körpers der alten Frau gespürt hatte, schritten sie nebeneinander schweigsam hinter den dunkel gekleideten Männern her, die auf ihren Schultern den schweren Sarg über die gepflegten Wege des Friedhofes außerhalb des Dorfes trugen. Nur wenige waren zum Trauergottesdienst gekommen und schlossen sich dem Leichenzug an. Es war noch immer ungemütliches Wetter; der Nieselregen durchweichte langsam, aber unaufhaltsam die dickste Jacke; mitunter mussten die Herren achtgeben, dass ihnen nicht eine Windböe den Hut vom Kopfe fegte. Die Damen – zumeist in gesetztem Alter – verschränkten die Arme vor dem Körper, als könnten sie damit die Wärme unter dem Mantel festhalten. Vor allem die Nachbarin der Verstorbenen weinte unentwegt und wischte die Tränen stilecht mit einem schwarzen Taschentuch fort.

An dem frisch ausgehobenen Grab hielt sich die kleine Gruppe nicht lange auf. Der Pastor sprach noch einen Bibelvers und bekreuzigte sich. Dann ließ man den Sarg langsam in das dunkle Loch gleiten. Die Anwesenden warfen ein wenig Erde auf das glatt polierte Holz, vielleicht sprach der eine oder andere ein stilles Gebet. Freya hoffte einfach nur, dass alles schnell vorbeigehen würde. Sie fröstelte.

Einzig ein sehr alter Mann in einem stilvollen Jackett stand abseits, die zittrigen Hände auf einen Gehstock gestützt, während der Nieselregen auf seinen altmodischen Hut prasselte. Er schaute mit leerem Blick auf die Szenerie. Wer dieser Mann war, wusste niemand zu sagen.

Die Gruppe löste sich schnell auf – kein Wunder bei diesem typisch norddeutschen Schmuddelwetter.

Zurück im großmütterlichen Haus war es heimelig und warm. Es flossen keine Tränen. Oma war schon alt gewesen und hatte sich scheinbar nicht quälen müssen. Im Wohnzimmer der alten Kate, bei einer Kanne starken Kaffees, herrschte zunächst Schweigen. Die Gedanken waren ganz bei der Oma – wobei die beiden in ganz unterschiedlichen Gedanken schwelgten.

Freyas Vater hing dem Gedanken nach, ob er seine Mutter wohl in den vergangenen Jahren doch zu selten besucht hatte. Er hatte gewusst, dass seine Mutter schon im Vorfeld alle Details der Beerdigung mit dem Bestattungsunternehmen geklärt hatte. So war das gesamte Organisatorische rasch von Herrn Gantrum geregelt worden – und auch die Informationen, die während der Predigt über seine Mutter und ihr Leben erzählt worden waren, waren ihm selbst nicht neu. Freya hatte jedoch bei einigen Details überrascht gewirkt. Seltsame Gefühle gingen durch seinen Körper – seltsame Gedanken füllten seinen Kopf. Sein Beruf war ihm stets wichtig gewesen – «Ärzte ohne Grenzen» – da war Beruf eine Berufung, man engagierte sich aus Nächstenliebe und Leidenschaft. Manchmal auch auf Kosten der Familie. Die kleine Freya hatten sie oft bei der Oma in Obhut gegeben. Und auch jetzt teilten sie wenig gemeinsame Zeit im Leben. Er versuchte bewusst, sich an die Zeit ihrer Geburt zu erinnern – wie winzig sie gewesen war. Als wäre es gestern gewesen... Und schon war die Schule vorbei, sie hatte ihre Ausbildung bei der Bank abgeschlossen... Und dann, neben ihrer Tätigkeit bei der Bank, hatte sie ein Fernstudium der Geschichte absolviert und promovierte jetzt... Wenn er einmal nicht mehr war, was würde sie über ihren Vater denken?

Freya selbst wirkte gerade sehr abwesend. Ganz in Gedanken versunken, drehte sie die Tasse mit heißem Kaffee langsam in den Händen. Der Dampft des kräftigen Getränks stieg auf; er füllte die ganze Stube und vermittelte ein Gefühl der Geborgenheit, als sei hier nicht vor wenigen Tagen etwas unfassbar Trauriges geschehen, als hätte nicht der Tod wieder einmal eine Seele geholt. Freya schüttelte sich unwillkürlich und hätte fast den heißen Kaffee vergossen. Sicher hatte ihre Oma qualvolle Zeiten in ihrem Leben gehabt. So war ihr jetzt die größtmögliche Ruhe vergönnt. Doch die Familiengeschichte erschien ihr weiterhin so mysteriös, als würde es um Fremde gehen, nicht um die eigenen Verwandten.

Nun tauchte Freya wieder in die Realität ein und blickte zu ihrem Vater hinüber, der es sich in dem mit Fransen behangenen Sessel bequem gemacht hatte.

Sie fühlte in diesem Moment, dass sie bereit war, noch tiefer in die Familiengeschichte einzutauchen. Wie war es mit den Schwiegereltern ihrer Oma weitergegangen? Was hatten Janne und Jehann noch erlebt?

Währenddessen auf dem Friedhof

Der alte Mann schlurfte langsam den Weg entlang. Er hatte scheinbar kein Ziel und keinen Auftrag. Was mochte seine Mission sein? Er selbst wirkte unschlüssig, was zu tun sei. Der Nieselregen musste seinen Mantel längst durchweicht haben. Auf dem Friedhof außerhalb von Wrohm, einsam mitten zwischen den Feldern gelegen, schien er nach einem bestimmten Grabstein zu suchen. Der Friedhof war alt, wer vermochte schon zu sagen, wann hier die ersten toten ihre ewige Ruhe fanden? Einige alte Grabsteine, teilweise stark verwittert, waren dort noch immer vorhanden.

Einige Stunden später in der Kate

Freyas Vater versuchte bestmöglich, die erneut aufgeflammte Neugier seiner Tochter ob der familiären Vergangenheit zu befriedigen. Gerade hatte er mit der Bemerkung geendet, dass es noch immer viele Geheimnisse gebe, die vielleicht sogar seine Großmutter auch ihm nicht mitgeteilt hatte.

Das alles waren Geschichten, denen Freya gebannt gelauscht hatte und weiter lauschte. Ihrem Vater schien es auch zu gefallen, seine Tochter mit diesen Geschichten zu unterhalten. Vermutlich verdrängte er damit auch die Erlebnisse, die er bei «Ärzte ohne Grenzen» tagtäglich verkraften musste.

In der Erinnerung von Menschen lässt sich allerdings nicht so gut kramen wie in alten Truhen. Ein altes Taschenbuch mochte man nach gründlicher Suche wiederfinden. Schlechte, grausame Gedanken versuchte man hingegen bewusst für immer in die hinterste Ecke des Bewusstseins zu schieben

Freya war perplex ob dieser wagen Andeutungen. Ihr brach der Schweiß aus, hatte sie in den letzten Stunden die Personen der Familie während der Predigt und dem jetzt anschließenden Monolog ihres Vaters doch vermeintlich vor ihrem inneren Auge selbst gesehen und sie wie tatsächliche Verwandte liebgewonnen. Schließlich war es ihre Familie, die sie jedoch wegen der Willkür der Zeit nicht hatte kennenlernen dürfen.

Wie hatten die Menschen wohl früher gedacht, gelebt, ihre Abende verbracht und Lebensfreude empfunden? Freya blickte auf das Bild an der gegenüberliegenden Wand. Es zeigte ihren Vater mit dessen Mutter und Großmutter Janne in trauter Dreisamkeit auf klapprigen Gartenstühlen vor dem Haus. Unwillkürlich bemächtigte sich ein Lied des Bewusstseins von Freya, das ihre damals schon alte Urgroßmutter ihr immer vorgesungen hatte und das in der neu entstandenen Vorstellungswelt auf einmal eine ganz greifbare Bedeutung erhielt:

„Maikäfer flieg, Dein Vater ist im Krieg, Mutter ist in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt, Maikäfer flieg.“

Wie mussten die Leute damals empfunden haben, wenn sie ein so trauriges Lied ersannen und vermutlich auch damals den hilflosen Kindern zur Schlafenszeit vorsangen? Vielleicht spendete dieses Lied damals aber auch Trost. Freya wusste es nicht, noch nicht. Sie verfiel in diesem Moment in eine Melancholie, zu der die in ihrem Inneren auftauchenden Bilder passten.

Kapitel 1 – Liebe und Krieg

Im August 1914 – Lager in Wrohm

Ein alter weißhaariger Mann lehnte inmitten von Zelten und Stacheldraht über einem reglosen Körper. Mit spitzen Fingern berührte der Mann die Schläfen des am Boden liegenden Soldaten: „Läusefieber, so etwas kommt in diesen Kriegstagen leider nur allzu oft vor. Verbrennt ihn, ist sowieso ein Teufel!“

Der Mann erhob sich wieder und riss sich das Tuch vom Kopf, mit dem er während der Untersuchung des toten russischen Soldaten Mund und Nase hatte schützen wollen. Mit spitzen Fingern ließ er das Tuch auf den toten Körper fallen – wenn dieser gegen Abend entzündet werden sollte, würden hoffentlich viele Krankheitserreger abgetötet werden.

Die Zahl der russischen Kriegsgefangenen stieg in Wrohm und ganz Dithmarschen stetig an. Das waren allein in Wrohm schon fast eintausend Männer. Die meisten Verstorbenen in Wrohm auch während des Ersten Weltkriegs wurden auf dem Friedhof beigesetzt. Mitunter säumten auch am Straßenrand notdürftig zusammengezimmerte Holzkreuze als letzte Zeichen der einstigen Existenz der Männer das Lager, in welchem die russischen Kriegsgefangenen interniert waren. Doch hier musste die Ansteckungsgefahr gebannt werden. Nach dem Verbrennen würden weder Krankheitserreger übrigbleiben noch andere Überreste von dem einst gesunden, hoffnungsfrohen russischen Mann. Niemand würde sich an ihn erinnern.

22. August 1914 in Berlin

Joran genoss noch immer den prickelnden Sekt, den er sich in dem zwielichtigen Etablissement mit den wundervollen Damen bestellt hatte. Vielleicht war das der Sinn des Lebens – trotz aller Widrigkeiten noch immer das Schöne im Leben sehen zu können?!

Hinten in einer ruhigen Ecke, fast unerkannt im Schummerlicht, sah er diesen Mann, der sich ihm als Hugo Redder vorgestellt hatte. Ein großzügiger Mensch, wie Joran fand. Irgendwie versprühte er eine Aura von Bedeutung. Genau wie der Mann, mit dem er sich dort am Tisch unterhielt.

Da, das Gespräch war offenbar beendet und beide standen auf. Als Hugo Joran erblickte, ging er auf ihn zu, klopfte ihm auf die Schulter und fragte mit eindeutigen Gesten: „Na, wie war sie? Ich weiß, man soll darüber schweigen. Behalte es für dich. Ah, einen Sekt hast du dir bestellt. So ist es richtig. Lass uns das Leben genießen, solange es noch geht!“

Joran verstand nicht alles, was Hugo Redder sagte, er hoffte aber weiterhin, dass er mit der Rechnung nichts zu tun haben würde.

Schon sah er, wie der andere Mann, Hugos Gesprächspartner, die Geldbörse zuckte und zwei Scheine auf den Tresen legte. Joran hoffte, dass damit die Zeche bezahlt war.