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Forscher entdecken bei Bohrungen nach neuen Energiequellen südlich von München in über 4000 Metern Tiefe ein riesiges Reservoir von 140° heißem Thermalwasser. Bei der Auswertung ihrer Messungen und Analysen machen sie eine unglaubliche Entdeckung: Dr. Werner, der Projektleiter kann bislang völlig unbekannte Lebensformen in dem heißen Wasser nachweisen. Diese Entdeckung soll jedoch verheimlicht und vertuscht werden, um die kommerzielle Nutzung dieser Energien nicht zu gefährden. Ein junger Journalist kommt auf einer Pressekonferenz zufällig in Besitz der Beweismittel. Hat die neue Lebensform der Thermal-Biotics eine Überlebenschance?
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Seitenzahl: 88
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Originalbild: Öl/Acryl auf Holz 120 x 60 cm Paulo
Ich widme dieses Buch dem Grasfrosch in meinem Garten.
Möge er noch lange quaken und uns bis
spät in die Nacht hinein daran erinnern,
dass er da ist und genau wie du und ich
mit seiner Geburt seine
Daseinsberechtigung erhalten hat.
Paulo, 1.12.1999
Diese sensationellen Aufnahmen belegen, dass tief unter der Erdoberfläche im Heißen Thermalwasser Leben möglich ist.
Aufnahme 1: Wassertemperatur 116° C, Tiefe 4013 Meter, Druck 243 bar/cm3
Aufnahme 2: Wassertemperatur 120° C, Tiefe 4256 Meter, Druck 267 bar/cm3
Aufnahme 3: Wassertemperatur 124° C, Tiefe 4438 Meter, Druck 293 bar/cm3
Zahlreiche Journalisten waren zur Präsentation der Analysen der ersten deutschlandweiten Tiefenbohrung erschienen. Südlich von München waren seit acht Monaten mit aufwendigen technischen Geräten Bohrungen bis in eine Tiefe von weit über 4000 Meter vorgenommen worden. Neben den erhofften Informationen zu den vermuteten Heißwasservorkommen, machten die Wissenschaftler eine sensationelle Entdeckung.
Beim Pressetermin und der Bekanntmachung dieser einmaligen Ergebnisse kam es zum Eklat und in Folge dessen zu Handgreiflichkeiten zwischen den Wissenschaftlern, Anwesenden Journalisten und Sicherheitskräften.
In der mit Spannung erwarteten Begrüßungsrede des Vorstandsvorsitzenden der Bohrgenossenschaft war zu hören, dass genau hier, wo wir uns alle versammelt hatten, schon einmal vor vielen, vielen Jahren gegraben worden war.
»Damals suchten und fanden unsere Ahnen Wasser. Bereits unseren Vorfahren schien bewusst, dass der Boden an dieser Stelle besonders durchlässig ist. Tatsächlich haben wir diesen Platz nach zahlreichen seismologischen Voruntersuchungen ausgewählt.«
Mit Zuschüssen der EU und des Freistaats Bayern und in Zusammenarbeit mit der TU München, begann die Firma Terra-Hot-Plus aus Helsinki ab 1991 das tiefste Loch der Erde zu bohren.
Man hatte sich Erkenntnisse über die Entstehung unseres Planetensystems und den genaueren Aufbau der Erde, sowie über die Abfolge der Temperatur- und Druckunterschiede zum Erdkern hin, erhofft. Insgesamt waren über 200 Experimente durchgeführt worden.
Heute nun sollte eine kleine Schar von Regionaljournalisten der Münchner Tagespresse den Ausführungen des wissenschaftlichen Leiters, Dr. Werner, lauschen.
Normalerweise berichte ich nicht über solche regionalen Ereignisse, was jedoch die Arbeit von Dr. Werner, den ich persönlich sehr schätze, nicht schmälern soll. Dr. Werner hatte vor einigen Jahren, anlässlich der Nobelpreisverleihung an einen mexikanischen Wissenschaftler die Festrede vor dem Komitee in Stockholm gehalten. Damals saßen wir zufällig nebeneinander und unterhielten uns eine ganze Weile.
Wir hielten dann den Kontakt und verloren uns, wie das sonst so oft geschieht, nie ganz aus den Augen. Vor einigen Tagen nun rief Dr. Werner völlig überraschend und aufgeregt in meiner Wiener Redaktion an und kündigte eine Sensation bei dieser Pressekonferenz an. Genaueres wollte er am Telefon nicht sagen, nur so viel: Seine Entdeckungen würden das gesamte bisherige Bild des Erdinneren auf den Kopf stellen. Ich solle unbedingt kommen und in meiner Fachzeitschrift darüber berichten. Ohne weitere Erklärungen legte er auf.
Nach meinen Recherchen, die ich daraufhin anstellte, war es bei diesen Bohrungen zu keinen ungewöhnlichen Ereignissen gekommen.
Alles schien normal und in keinster Weise interessant genug für unser Magazin. Solche Bohrungen wurden mittlerweile in vielen Ländern vorgenommen. In der Schweiz hatte man schon vor langer Zeit begonnen, mit der Erdwärme der tieferen Schichten zu experimentieren.
Zunächst glaubte ich an einen schlechten Scherz von Dr. Werner, dann aber überkam mich ein mulmiges Gefühl. Weil ich Dr. Werner keinesfalls für einen Aufschneider oder gar Fantasten hielt, beschäftigte mich die Sache den ganzen Nachmittag. Dann sagte ich mir, »lass dein Gefühl entscheiden«, nicht umsonst war ich mittlerweile ein gefragter und gern gesehener Berichterstatter für das Außergewöhnliche. Ich hatte zwar einen etwas unkonventionellen Schreibstil, aber meine Erzählungen trafen den Geschmack und das Verständnis unserer Leser.
Um 17 Uhr ließ ich über meine Sekretärin den erstmöglichen Flug für den darauffolgenden Tag buchen. Mein Chefredakteur war ein ungeduldiger, fettleibiger, aber spendabler Bursche, der die Kostenübernahme für die Reise akzeptieren musste, als ich ihm in groben Zügen von Dr. Werner und der sich andeutenden Sensation berichtete. Für solche Geschichten war er zu haben und unterzeichnete ohne weitere Fragen meinen Antrag.
»Spätestens übermorgen will ich die Story auf dem Tisch haben«, sagte er nur.
Als ich nach diesem langen Redaktionstag wie fast immer spät abends nach Hause kam, warf ich noch schnell einige Klamotten in meine Reisetasche und ging zu Bett. Zum Glück hatte ich den Großteil meiner Unterwäschestücke erst am vergangen
Wochenende gewaschen. Ich musste nicht nur meine Wäsche, sondern auch den kompletten Haushalt allein bewältigen. Vor zwei Jahren hatte mich meine Freundin, mit der ich elf Jahre fest zusammen gewesen war, verlassen. Aus genau dem Grund, dass ich stets nie vor 22 Uhr heim kam.
Damals stellte sie mich vor die Wahl:
»Entweder du kommst in Zukunft früher oder ich bin weg.«
Ein paar Wochen später, ohne dass wir nochmals darüber gesprochen hätten, war sie weg. Einfach so, ohne ein Wort, kein Abschiedsbrief, nichts, einfach nicht mehr da. Sie hat sich nie mehr gemeldet. Seitdem bewohne ich eine 80-Quadratmeterwohnung alleine. Für mich hätte ein Schlafzimmer mit Dusche und Bad genügt.
Seit diesem Tag gab es für mich überhaupt keinen Grund mehr, früher nach Hause zu kommen. Ich war morgens der Erste in der Redaktion und abends knipste ich als Letzter das Licht aus. Aufgrund meines Junggesellenlebens entwickelte ich ein besonderes Engagement, das zur Folge hatte, dass ich nach nur einem Jahr zum stellvertretenden Chefredakteur befördert wurde.
Also hatte der Auszug von Bea auch seine guten Seiten, zumindest für die Redaktion und ich fand zu meiner Erleichterung keine Zeit, über die Trennung nachzudenken.
Mitten in der Nacht vor dem Abflug nach München, es muss so gegen drei Uhr gewesen sein, schreckte ich durch das penetrante Schrillen meines Handys aus dem Schlaf.
Ich griff neben mich auf die Nachtkonsole und legte das Ding an mein Ohr.
»Ja, mhm ... was ist los?«, murmelte ich schlaftrunken.
»Hallo, hier spricht Dr. Werner. Ich wollte nur wissen, ob Sie morgen sicher zur Pressekonferenz kommen. Es ist sehr wichtig, ich habe auf Ihren Namen ein Zimmer im Hotel zur Post reserviert«
»Ja, ja, ich komme.«
»Gut, sehr gut, bis morgen dann!«
Im Display war zu lesen:
»Verbindung beendet.«
Klasse, dachte ich immer noch im Halbschlaf und dafür ruft der mich mitten in der Nacht an. Nach etlichen Rechts- und Linksdrehungen und zahllosen Versuchen wieder einzuschlafen, war ich sauer. Das war es nun mit der Nachtruhe. Auf dem Rücken liegend starrte ich an die Decke. Wenn jetzt Bea da wäre, wäre mir schon ein schöner Zeitvertreib bis zum Weckerklingeln eingefallen.
Ich träumte und verlor mich in der Erinnerung.
Die ersten Vögel zwitscherten, der Himmel verfärbte sich von dunkelviolett zu starkem Rot. Ich stand am Fenster, lauschte und genoss das langsame Erwachen der Stadt.
Das war, soweit ich mich zurückerinnern konnte, das erste Mal, dass ich in aller Ruhe zum Flughafen kam, dort in der Abfertigungshalle noch einen Espresso trinken und in aller Gelassenheit in den Flieger steigen konnte.
Die nächtliche Telefonaktion von Dr. Werner hatte also auch etwas Gutes.
Planmäßige Landung in München. Gate drei und dann zum Schalter der Autovermietung.
»Tut mir wirklich leid, wir können Ihnen nur noch diesen Wagen der Extraklasse anbieten.« Aus irgendeinem Grund gab es keinen Kleinwagen. Meine Sekretärin hatte auch vergessen einen vorzubestellen.
Ich hasse diese großen PS-Monster. Nicht nur wegen der hohen Benzinkosten, die wären mir in diesem Fall egal gewesen, da sie über meine Spesen vom Verlag abgerechnet wurden. Nein, ich mochte diese Kisten einfach nicht. Nun aber blieb mir keine Wahl, ich musste einen dieser Hightech-Spritschlucker nehmen.
»Wir haben leider nur noch diesen Wagen für Sie, er ist wirklich super ausgestattet mit allen Extras und weit über 300 PS.«
Nun ja, es ging also wenigstens schnell. Als ich aus der Halle trat, wurde ich bereits von einem Mitarbeiter des Autoverleihers erwartet.
»Guten Morgen, darf ich Ihnen das Fahrzeug erklären?«
»Nicht nötig, ich fahre bereits seit vielen Jahren Auto.«
Das grinsende »Dann eine gute Fahrt« konnte ich noch von seinen Lippen ablesen, dann griff ich, noch vor dem Auto stehend, nach unten und versuchte den Schlüssel in das ganz offensichtlich gut versteckte Zündschloss zu versenken. Nach zweiminütiger Suche blickte ich nach rechts, der Mann stand mit einem unverschämten Lächeln, welches fast seine leicht abstehenden Ohren verschluckte, immer noch neben dem Wagen. Er öffnete die Tür.
»Soll ich Ihnen nicht doch besser die Besonderheiten dieses Fahrzeugs erklären?«
»Ja bitte, aber zügig, ich bin unter Zeitdruck.«
Er ging um den Wagen herum und nahm auf dem Fahrersitz Platz. Voller Begeisterung begann er:
»Mein Herr, der Wagen öffnet automatisch, wenn Sie sich auf etwa fünf Meter nähern und den Schlüssel 3 Sekunden fest in der Hand halten. Dies funktioniert über Wärmesensor. Sobald Sie Platz genommen haben, fährt in der Mittelarmlehne eine Konsole hervor.«
Auch ich nahm Platz und es war ein leises Surren zu hören. Tatsächlich erschien wie von Geisterhand eine mit Knöpfen prallgefüllte, glänzende Einfassung in der Mittelkonsole. »Hier, in diese hellbeleuchtet Öffnung stecken Sie den Schlüssel, dann leuchten alle Anzeigen im Armaturenbrett. Ein Zeichen für Sie, dass es losgehen kann. Das Fahrtzeug wird zunächst von einem Elektroantrieb sanft in Bewegung gesetzt. Der Verbrennungsmotor schaltet sich erst nach einigen Metern hinzu, lautlos, wie Sie bemerken werden.«
»Klasse, kann man damit auch fahren und wie halte ich das Ding an?«
»Sie fahren wie bisher in ihrem Wagen Ganz normal. Wenn Sie angekommen sind, betätigen sie bitte das linke Pedal, zur Arretierung aller Aggregate, Schlüssel entnehmen. Beim Weggehen verschließt sich der Wagen automatisch.«
Er zog den Schlüssel aus der Mulde, diese fuhr nach unten und verschwand vollends. Er stieg aus, übergab mir den Schlüssel und wünschte eine gute Fahrt. An seinem fetten, überheblichen Grinsen hatte sich während der zelebrierten Demonstration seiner Überlegenheit nicht das Geringste geändert, ganz im Gegenteil, ich hatte den Eindruck, dass er vorsintflutliche Autolenker wie mich, gerne einer modernen Technik belehrte. Ich wiederholte also die Anweisungen und wirklich, die Mittelkonsole öffnete sich, ich steckte den Schlüssel hinein und im gleichen Moment leuchteten die Armaturen in grellem Blau. Es funktionierte alles genauso, wie er beschrieben hatte. Er gab mir nochmals ein Zeichen das Fenster herunter zu lassen.
»Ach, bevor ich es vergesse, wenn Sie im Fahrzeug einige Worte sprechen, erkennt der Bordcomputer ihre Stimme. Dann können Sie auch alle Anweisungen über die Sprachsteuerung erteilen. Gute Fahrt.«
Meine gute Erziehung ließ mich durch eine Handbewegung ein angedeutetes Dankeschön übermitteln und dann rollte ich in dem schweren Wagen lautlos davon. Ich fuhr die Ausfahrt hoch und kam auf die breite Zubringerstraße, die mich zur Autobahn Richtung München führen sollte.
