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N. Jepson

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Beschreibung

Ein weitläufiger Keller mitten im Nirgendwo. Lukas, drei Männern ausgeliefert, weiß nicht, ob er endlich die Erfüllung findet, auf die er so lange gewartet hat, oder einen schrecklichen Fehler macht. Denn bislang hat er seine Leidenschaft für Unterwerfung sorgsam verborgen – bis sie ihn fast zerriss. Nun aber heißt es alles oder nichts und er muss seinen drei neuen Herren bedingungslos vertrauen.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Auszeit

Endlich frei!

N. Jepson

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Impressum

– 1 –

Als ich blinzelte, war es dunkel. War es immer noch dunkel? Oder schon wieder? Lag ich nach wie vor unter der dichten Tanne im Wald? Ich hatte jedes Zeitgefühl eingebüßt. Die Lider zu heben, fiel mir zunehmend schwerer, ich war müde, geradezu todmüde. Kurz bevor ich endgültig wegdämmerte, merkte ich noch einmal kurz auf. War ich nackt? Und der Boden unter mir bestand definitiv nicht aus Tannennadeln. Egal, ich war zu erschöpft, um mir Gedanken darüber zu machen – ohne Widerstand ließ ich mich in die sanften Arme Morpheus’ gleiten.

Ich war nicht vollkommen sicher, was der eigentliche Auslöser gewesen war. Wann mich diese Gedanken befallen und nie wieder wirklich losgelassen hatten, wie ein besonders hartnäckiger Parasit. Vielleicht, nein, sogar wahrscheinlich, waren es die Comics gewesen. Ich war in einer Welt mit Superman und Gamora, Batman und Flash groß geworden – mein Vater war vollkommen comicverrückt. Dass er außerdem gerne reiste, machte meine Kindheit zu einer ausgesprochen glücklichen Zeit. Wo auch immer wir unterwegs waren, durchforstete er kleine Fantasy-, Buch- und Comicläden nach neuen und alten Schätzen, die seine Sammlung erweitern konnten. Ich genoss diese Aufenthalte und stöberte selbst gerne zwischen den staubigen Regalen der oft menschenleeren Geschäfte. Und in einem dieser Läden, in einer schummrigen Ecke, direkt neben einer Gesamtausgabe von Lucky Luke, entdeckte ich etwas, das sich radikal von allem unterschied, was ich bisher kannte.

Wir waren in Belgien, ich verstand keines der Worte in den Textblasen, neugierig war ich trotzdem. Schon der Zeichenstil war ein anderer, dunkel und rau, die Figuren mit harten Strichen hingeworfen. Und was für Figuren das waren ... Schlanke, vollbusige Frauen, die Reize nur mühsam mit zerrissenem Tuch verdeckt ... Splitternackte Jünglinge, den muskulösen Körper übersäht mit Narben. Sie wanden sich unter den Peitschenschlägen finsterer Herren, knieten demütig angesichts der Strafen und schienen doch Vergnügen an all dem zu finden. Ein junger Mann lag rittlings über einem Gerät, das ich schon einmal in einer Führung durch eine mittelalterliche Burg gesehen zu haben glaubte. Ich konnte meine Augen nicht von den Bildern lassen, mir taten sich neue Welten auf, von ungekannter Finsternis und Faszination.

So versunken war ich, dass ich den Ruf meines Vaters nicht hörte, das verräterische Heftchen erst im letzten Moment fallen ließ und mit dem Fuß unters Regal kickte. Zu meinem Glück schien er nichts gemerkt zu haben. Nach meiner roten Birne fragte er allerdings – ich schob es auf die sommerliche Hitze und war erleichtert, dass er nicht nachhakte. Fortan suchte ich bei jedem Besuch eines der Läden nach Magazinen dieser Art, mit dem aufregenden und gleichzeitig beschämenden Eindruck, etwas furchtbar Verbotenes zu tun.

Lang war’s her. Aber losgelassen hatte mich diese schrecklich-schöne Welt danach nie wieder.

Langsam dämmerte ich zurück ins Bewusstsein. Ein Laut riss mich endgültig aus dem Gemisch aus Erinnerungen und wirren Träumen.

Wer war ich? Ach ja, Lukas. Aber wo war ich?

Nach wie vor war alles rundherum dunkel, die Finsternis blieb so opak, so umfassend, dass meine Augen sich nicht daran zu gewöhnen vermochten. Erschrocken stellte ich fest, dass ich vollkommen unbekleidet war. Trotzdem fror ich nicht. Und als ich mit angehaltenem Atem meinen Leib entlangfuhr, konnte ich keine Verletzung spüren, nichts schmerzte.

Also wagte ich einen vorsichtigen Ausflug: Mit den Fingern über den Boden tastend, suchte ich eine Tür, oder zumindest eine Veränderung, zu finden. Der Untergrund war weich, leicht elastisch, aber vollkommen glatt, ohne eine einzige Erhebung oder Naht.

Nach kurzer Zeit stieß ich an eine Wand, an der sich das Material übergangslos fortsetzte. Dasselbe fand ich auch in allen anderen Richtungen vor. Grob mittels meiner aufgespannten Handlänge geschätzt, maß mein kleines Reich etwa drei mal drei Meter und es befand sich nicht das Geringste darin. Lediglich an einer Stelle spürte ich so etwas wie eine Tür, doch sie war aus stabilem, kaltem Metall und weder mit Griff noch Fenster ausgestattet. Sollte ich rufen? Daran klopfen, in der Hoffnung, dass mich jemand hörte und mir Aufmerksamkeit schenkte? War es gut für mich, Aufmerksamkeit zu erregen?

Verunsichert zog ich mich an die entgegengesetzte Wand zurück und wusste nicht weiter. Tief in meinem Inneren ahnte ich, dass ich einen gravierenden Fehler begangen haben könnte. Irgendwann schlief ich trotzdem wieder ein.

Eine Zeit lang waren die seltenen Sichtungen der begehrten Comics mein einziges erotisches Vergnügen. Doch dann war ich alt genug für einen Computer, Internet und einen Zimmerschlüssel ... Mir tat sich eine ganze schillernde Welt des entzückenden Entsetzens auf. Derweil wurde ich volljährig, schrieb mich für ein Studium der Wirtschaftsinformatik ein, zog in eine WG, ging in Clubs ...

Irgendwann hatte ich meinen Abschluss in der Tasche. Die Noten waren gut, ein Job rasch gefunden, zwei Jahre danach ein besserer, und wieder ein besserer nach fünf Jahren. Mittlerweile war ich 32 und meine Tage und Wochen unterschieden sich keinen Deut von denen vor fünf Jahren. Bloß Wohnung und Auto waren größer und teurer geworden. Nach der Arbeit verbrachte ich an den meisten Abenden ein Stündchen im Fitnessstudio, danach ein gehobenes Lieferessen, zwei oder drei Folgen einer Serie und von vorn. Am Wochenende ging ich nach wie vor gerne aus, manchmal mit Bekannten oder Kollegen, meistens allein.

Im Bett versuchte ich mein Glück zunächst mit Frauen, dann mit Männern. Letzteren konnte ich zumindest eine gewisse Erotik abgewinnen, doch in Ekstase versetzte mich keine der zumeist betrunkenen Begegnungen. Manches Mal empfand ich sie eher als anstrengend, denn als befriedigend. Niemals allerdings ließ ich jemanden mit mir schlafen. Mein Arsch blieb tabu, egal wie viel ich intus hatte. Wurde ich gefragt, behauptete ich, dass es nicht mein Ding sei, dass ich dafür zu dominant, zu männlich sei, oder irgendeinen anderen Blödsinn.

In Wirklichkeit wagte ich es nicht. Allein die Vorstellung, mich jemandem in dieser Art auszuliefern, trieb mir kalten Schweiß aus den Poren. Und verschaffte mir gleichzeitig die schönsten Erektionen, die man sich nur vorstellen konnte. Kaum eine Fantasie hatte nicht mich selbst auf allen Vieren zum Inhalt, dazu Stricke, Peitschen und Schlimmeres. Tatsächlich aber besaß ich nicht einmal Plüschhandschellen. Die Angst war viel zu groß. Sorgfältig trennte ich Wünsche und Realität voneinander, mit jedem Jahr, das verging, kam mir die Vorstellung, etwas davon ausleben zu können, irrealer vor. Also suchte ich mir langweiligen Sex, um ein wenig Druck abzulassen – was mir dank meines guten Aussehens problemlos gelang –, und malte mir in den einsamen Stunden mein Dasein als devotes Spielzeug aus.

Mein Leben verlief glatt, erfolgreich – und todlangweilig.

Irgendetwas war anders. Zwar war es rund um mich herum dunkel wie zuvor und bei dem Versuch, die Finsternis zu durchdringen, produzierte mein überanstrengter Sehnerv lediglich bunte Kringel und Schlieren. Trotzdem - es roch anders.

Behutsam tastete ich mich erneut Richtung Tür und stieß schließlich auf etwas, das ich als große Kunststoffschüssel mit warmem Wasser identifizierte. Daneben erfühlte ich einen Waschlappen, ein Handtuch und ein glattes, rundes Stück Seife. Der Gedanke lag nahe, dass ich mich waschen sollte. Kurz regte sich Trotz in mir und ich spielte mit dem Gedanken, die Aufforderung zu ignorieren. Dann aber wurde mir wieder klar, in welcher Lage ich mich befand: Nicht einmal ich selbst wusste, wo ich eigentlich war, und sonst erst recht niemand. Deutlich ernüchtert wusch ich mich rasch und fühlte mich bei diesem Akt viel entblößter als noch kurz zuvor – wie albern eigentlich!

Schon deshalb zog ich mich nach verrichteter Pflicht wieder bis an die Hinterwand zurück und wartete nervös zusammengekauert ab. Es dauerte nicht lange, bis ich ein Geräusch hörte – dann öffnete sich die Tür und ich war von gleißendem Licht geblendet. Durch zusammengekniffene Augen mühte ich mich, etwas zu erkennen, doch es war aussichtslos. Plötzlich war es wieder dunkel und ich atmete erleichtert aus. Das Gefühl währte nicht lange: Ich war nicht mehr allein. Irgendwo im Raum spürte ich die Präsenz, die Wärme mindestens eines anderen Menschen. Minuten schienen zu vergehen, ohne dass ich wagte einen Ton von mir zu geben oder einen Finger zu rühren. Flach atmend presste ich mich an die Wand und hegte tausend grauenhafte Vorstellungen darüber, was nun mit mir geschehen könnte.

„Hallo Lukas.“

„Hallo ...?“ Ich flüsterte automatisch.

„Ich bin Georg, du darfst mich mit Sir Georg ansprechen. Neben mir stehen Sir Amad und Sir Patrick. Du bist von nun an unser, speziell mein Besitz.“

„Ok.“

Das war eine denkbar unkreative Antwort, aber mein Kopf war wie leer gefegt. Seine Stimme klang warm und so ruhig, als erläutere er mir die Bedienung meines neuen Smart-TVs. Und nun?

„Knie dich hin, leg die Hände auf den Rücken und öffne den Mund.“

Ebendieser wurde augenblicklich trocken. Ich wollte mich nicht einmal wehren, lediglich erklären, vielleicht um einen Aufschub bitten.

„Ich weiß nicht, ob ich das kann, ich hab das noch nie gemacht ...“

Anscheinend wurde Flüstern ein neues Hobby. Stimmte außerdem nicht ganz. Da war dieses eine Mal an Fastnacht mit einem Piraten. Allerdings war ich nicht nur besoffen gewesen, ich hatte auch zum ersten und letzten Mal eine kleine, rosafarbene Tablette mit einer Stanzmarke in Kitty-Form geschluckt. An allzu viel konnte ich mich danach nicht erinnern, außer, dass es seltsam gewesen war und ich mich irgendwann übergeben hatte. Eine Wiederholung hatte ich bislang nicht benötigt.

„Das ist kein Problem.“ Eine andere Stimme, etwas heller.

Was blieb mir anderes übrig? Plötzlich spürte ich einen Körper im Rücken, eine Hand umfasste locker meine beiden Handgelenke und fixierte sie auf diese Art, ein Arm schlang sich um meine Brust.

„Lehn dich an.“

Ich tat, was er verlangte, ein Ausweichen war auf diese Art jedoch unmöglich. Andererseits empfand ich, an den stabilen, warmen Leib gelehnt, eine gewisse Geborgenheit in Anbetracht des Kommenden.

Es dauerte nur Sekunden, dann spürte ich einen festen und beängstigend dicken Schwanz auf meiner Zunge. Noch nie hatte ich etwas so Seltsames gefühlt. Er war hart und glitschig, vielleicht von Gleitgel – ich schloss ohne Aufforderung meine Lippen darum. Als der Mann sich jedoch zu bewegen begann, bekam ich es mit der Angst zu tun, obwohl ich merkte, dass er sich in puncto Tiefe und Tempo noch sehr zurückhielt. Instinktiv versuchte ich, den Fremdkörper aus meinem Mund zu drängen, aber er ließ mir keinen Spielraum.

„Ruhig. Es wird leichter, wenn du mitmachst.“

Seine Stimme duldete keinen Widerspruch. Ich fügte mich und stellte überrascht fest, dass es tatsächlich viel weniger schlimm war, als ich geglaubt hatte. Im Gegenteil, das Gefühl war ... interessant ... irgendwie sogar erregend – mein Unterleib begann leise zu pochen. Doch bevor ich mich darauf konzentrieren konnte, wurde er schneller und schoß mir eine ordentliche Ladung in den Rachen. Ich schluckte hastig, hustete, jemand klopfte mir auf den Rücken. Kaum bekam ich wieder Luft und hatte mich ein wenig gesammelt, vernahm ich die warme Stimme erneut:

„Lukas, von jetzt an wirst du absolut alles tun, was wir möchten. Egal ob angenehm, unangenehm oder schmerzhaft – du wirst keine andere Wahl haben. Wir werden gemeinsam deine Grenzen suchen und überwinden. Stell dich darauf ein.“

Ich nickte verstört, obwohl sie das im Dunkeln ja gar nicht sehen konnten. Oder? Zumindest schienen sie verunsichernd genau zu wissen, wo ich mich befand.

Dann war ich wieder allein. Kurz darauf schien noch einmal Licht herein, eine Klappe öffnete sich im unteren Drittel der Tür und etwas wurde hereingeschoben. Ein vorsichtiges Befühlen ergab ein Tablett mit einem großen Plastikbecher voller Flüssigkeit und einer Schale mit etwas Warmem. Ersteres erwies sich als normales Wasser, letzteres als erstaunlich wohlschmeckender Eintopf – gierig schlang ich ihn bis zum letzten Rest hinunter. Vorher hatte ich nicht einmal gemerkt, wie hungrig ich eigentlich war.

Am nächsten Tag – war es der nächste Tag? Jedenfalls hatte ich geschlafen – öffnete sich die Tür erneut und ich sah im Gegenlicht gerade noch drei hochgewachsene Gestalten eintreten, bevor ich die Augen erneut geblendet schließen musste. Bis dahin hatte ich erfolgreich versucht, an etwas anderes zu denken, bloß nicht daran, warum ich hier war und was mir bevorstand. Meistens hatte ich meinen Kopf mit irgendwelchen Problemen aus der Arbeit beschäftigt. Doch damit war nun augenblicklich Schluss und die Angst noch stärker als zuvor. Die drei machten nicht viel Federlesens. In lockerem Ton befahl mir eine Stimme, die ich Sir Georg zuzuordnen glaubte, mich auf alle Viere zu begeben.

„Habt ihr jetzt Sex mit mir?“

Ich klang panisch, albern und mindestens zwei Oktaven höher als gewöhnlich. Doch Sir Georg lachte nur.

„Nein. Aber du wirst trotzdem artig etwas in dich aufnehmen ...“

Ich hatte keine Ahnung, wovon er sprach, als auch schon etwas Festes, zum Glück jedoch Schmales in mich eindrang. Ich schnappte vor Schreck nach Luft und spürte kräftige Hände auf meinen Schultern.

„Na, Kleiner, es tut nicht weh, ist nur warmes Wasser.“

Tatsächlich – doch es fühlte sich nichtsdestotrotz unheimlich an. Und viel! Dabei konnte es kaum mehr als ein Trinkglas sein, denn es war auch schon wieder vorbei. Mein Schließmuskel krampfte sich immer wieder kurz zusammen, mein Kreislauf drohte mit Konsequenzen ob der ungewohnten Behandlung. Gleichzeitig fühlte ich mich zittrig und als bekäme ich schrecklichen Durchfall. Jemand klopfte mir auf den Hintern und meinte:

„So, schön einhalten!“

Ehe ich mich versah, schloss sich die Tür. Und da hockte ich nun mit zusammengekniffenen Backen. Nachdem ich vorsichtig aufgestanden war und den Raum durchsucht hatte, wusste ich, dass es keine Möglichkeit gab, mich zu erleichtern, geschweige denn zu reinigen – nicht einmal eine Schüssel oder alte Zeitung. Verzweifelt schlug ich gegen die Tür und flehte um Erleichterung, doch es geschah nichts. Mittlerweile hatte ich das Gefühl, explodieren zu müssen, wenn ich auch nur Minuten, vielleicht sogar Sekunden länger warten musste! Ich würde alles einsauen, auch mich selbst – etwas Entwürdigenderes konnte ich mir in diesem Augenblick nicht vorstellen. Die Tränen stiegen mir in die Augen, während ich hektisch atmend an der Wand lehnte: Mich zu setzen oder hinzulegen, wagte ich nicht mehr.

Da, endlich öffnete sich die Tür. Es war weniger hell als die vorangegangenen Male, blinzelnd erkannte ich eine Gestalt, die mir eine Hand entgegenstreckte. Ich ergriff sie und ließ mich - in jämmerlichem Watschelgang - führen wie ein kleiner Junge. Meiner Umgebung schenkte ich keine Beachtung, bis ich sie vor mir sah: Eine Toilette! Ich stürmte darauf zu und entleerte mich unschön geräuschvoll. Sir Georg und die anderen beiden Männer standen ungeniert um mich herum und beobachteten mich die gesamte Zeit über.

– 2 –

Ich liebe meinen Job. Und ich bin gut in meinem Job, das kann ich ohne anzugeben sagen. Nein, ich trage keine dicke Brille, ich bin auch nicht leichenblass oder verzweifele daran, einen Wasserkasten die Treppe hochzutragen. Neben regelmäßigem Sport achte ich auf mich, pflege mich und wähle meine Kleidung mit Bedacht. Dunkelblonder, voller Schopf, 1,80 Meter und grüne Augen, die mir schon das eine oder andere Kompliment eingebracht hatten – ich kann mich wirklich nicht beschweren. Aber ab davon bin ich begeisterter Informatiker.

Das alles wäre im Grunde toll gewesen, wenn ich nicht ständig an die Arbeit hätte denken müssen. Meine Chefs lobten mich für meine Überstunden, doch auch zuhause konnte ich einfach nicht mehr damit aufhören. Auf dem Hin- und Rückweg an die Arbeit zu denken, war noch ok. Beim Sport im Kopf an Programmierproblemen zu basteln, vielleicht auch. Aber irgendwann dachte ich am Wochenende daran, wenn ich wandern ging. Beim Duschen, beim Essen, sogar beim Bier in der Bar. Einfach immer. Verdammt, in den letzten zwei Jahren dachte ich sogar beim Ficken an die Arbeit! Was die Qualität des Akts nicht eben verbesserte. Doch alles andere erschien mir zunehmend langweilig, trostlos und grau. An einem sommerlichen Samstagabend erwischte ich mich auf der Dachterrasse meines Penthouse bei dem Gedanken hinunterzuspringen. Nicht etwa aus Trauer oder gar Hoffnungslosigkeit – ich sinnierte lediglich darüber nach, ob ich auf dem Weg nach unten wohl immer noch an die Arbeit denken würde. Da wusste ich, dass ich ein Problem hatte.

---ENDE DER LESEPROBE---