Backstage - Jenna Summers - E-Book

Backstage E-Book

Jenna Summers

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Beschreibung

Die lang ersehnte Fortsetzung der Backstage Reihe ist da: Nach dem Au-Pair-Jahr fliegt Megan zurück nach Deutschland. Viele tausend Kilometer trennen JC und Megan. Trotz der Entfernung und der Zeitverschiebung schaffen es beide den Kontakt zu halten. Doch dem neuen Manager Steve Miller ist das ein Dorn im Auge und er greift entscheidend in die Beziehung der beiden ein, was schwerwiegende Folgen hat. Während JC durch den Druck dem er ausgesetzt ist, mit Drogen experimentiert und sein Leben plötzlich am seidenen Faden hängt, muss er eine Entscheidung treffen. Diese bringt ihn nach Deutschland und ihre Wege kreuzen sich wieder. Aber was heißt das für die beiden? Gibt es ein Comeback? Und werden beide stark genug sein, um allen Bedrohungen und Neidern zu trotzen?

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Seitenzahl: 565

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

KAPITEL 1

JARED

MEGAN

KAPITEL 2

JARED

MEGAN

KAPITEL 3

JARED

MEGAN

KAPITEL 4

JARED

MEGAN

KAPITEL 5

JARED

MEGAN

KAPITEL 6

JARED

MEGAN

KAPITEL 7

JARED

KAPITEL 8

JARED

KAPITEL 9

MEGAN

JARED

KAPITEL 10

JARED

MEGAN

KAPITEL 11

JARED

MEGAN

KAPITEL 12

JARED

MEGAN

KAPITEL 13

JARED

KAPITEL 14

MEGAN

KAPITEL 15

MEGAN

JARED

KAPITEL 16

MEGAN

JARED

KAPITEL 17

MEGAN

JARED

KAPITEL 18

MEGAN

JARED

KAPITEL 19

JARED

MEGAN

KAPITEL 20

JARED

MEGAN

KAPITEL 21

JARED

MEGAN

KAPITEL 22

JARED

MEGAN

KAPITEL 23

JARED

MEGAN

KAPITEL 24

JARED

MEGAN

KAPITEL 25

JARED

MEGAN

KAPITEL 26

JARED

MEGAN

KAPITEL 27

MEGAN

JARED

KAPITEL 28

MEGAN

JARED

KAPITEL 29

MEGAN

JARED

KAPITEL 30

MEGAN

JARED

KAPITEL 31

MEGAN

JARED

KAPITEL 32

MEGAN

JARED

KAPITEL 33

MEGAN

JARED

KAPITEL 34

MEGAN

JARED

KAPITEL 35

MEGAN

JARED

KAPITEL 36

MEGAN

JARED

KAPITEL 37

MEGAN

KAPITEL 38

JARED

MEGAN

KAPITEL 39

JARED

MEGAN

KAPITEL 40

JARED

MEGAN

KAPITEL 41

JARED

MEGAN

JARED

KAPITEL 1

JARED

Megan ist nach ihrem Au-pair-Jahr zurück nach Deutschland geflogen. Zurück in ihre Heimat. Sie fehlt mir. Denn mit ihr habe ich die schönsten acht Monate meines Lebens verbracht. Nie habe ich mich jemandem so verbunden gefühlt. Selbst über die tausend Kilometer, die uns jetzt trennen, spüre ich das unsichtbare Band zwischen uns. Dass ich einen Menschen derart vermisse, ist mir unbegreiflich. Ich habe gedacht, dass ich danach weitermache, wie zuvor. Aber so leicht ist es dann doch nicht. Sie hat mein Herz im Sturm erobert und jetzt ist sie meilenweit entfernt. Bisher war eine Beziehung nie ein Thema für mich. Geschweige eine Fernbeziehung und jetzt stecke ich mittendrin. Und ich genieße es. Ich stürze mich in die Arbeit, um auf andere Gedanken zu kommen und den Tag schnell rumzubringen. Bis ich am Abend Megan anrufe. Mir ist es gleich, dass ich stundenlang mit ihr telefoniere. Hauptsache ich sehe sie. Ich lasse sie an meinem Tag teilhaben und umgekehrt. Und die Zeit gehört nur uns, da lasse ich mich von niemandem unterbrechen. So vergeht Tag um Tag. Doch bald lässt mein stressiger Alltag es nicht mehr zu, sie täglich anzurufen. Zu allem Übel, verlässt unsere Managerin Roxana die Plattenfirma. Sie nennt uns keinen Grund. Und an Stelle eines qualifizierten Managers bekommen wir diesen aufgeblasenen Wichser Steve Miller. Dennoch schaffen Megan und ich es irgendwie, uns wenigstens ein Foto am Tag zu schicken.

»Scheiße, wir sind dem Untergang geweiht mit Miller«, knurre ich und setze mich im Tourbus zu Jacob, der zweiten Stimme der Band.

Aber dieser lacht nur: »Ach, sieh doch nicht alles so pessimistisch. Es wird sich nichts ändern.«

»Dieser Typ hat nichts Menschliches in sich. Für den zählen nur Zahlen. Du wirst noch an meine Worte denken!«, verdrehe ich die Augen und sehe aus dem Fenster. Die Palmen der Westküste verschwinden, je mehr wir ins Landesinnere vordringen.

»Hast du eine Ahnung, wo wir heute hinfahren?«, fragt mich Jacob und blättert in den Tour-Unterlagen.

»Da kannst du lange suchen. Da steht nichts drin. Mit Millers Worten: Das hat uns nicht zu interessieren. Der Tourplan obliegt dem Management«, sehe ich ihn entnervt an und heben die Hände. Damit signalisiere ich ihm, dass dies der Anfang ist.

Ich lehne mich zurück, ziehe mein Handy hervor und schreibe Megan: »Hey meine Süße. Ich sitze im Tourbus, wo es hingeht weiß ich nicht. Seit neuestem erhalten wir keinerlei Infos mehr. Am liebsten würde ich alles hinschmeißen und zu dir ziehen.«

Die Antwort lässt nicht lange warten: »DARÜBER WÜRDE ICH MICH RIESIG FREUEN. WAS IST DENN LOS BEI DIR? DAS KLINGT SO GAR NICHT NACH DIR.«

Seufzend schreibe ich: »HACH DIESER NEUE MANAGER IST ZUM KOTZEN. WIR ERHALTEN NULL INFOS MEHR. DU WEISST JA, WIE ICH DARÜBER DENKE.«

Ein paar lachende Smileys kommen, gefolgt von: »MEIN KLEINER KONTROLLFREAK. VERSUCHE ES DOCH EINMAL DAMIT, DICH ZURÜCK ZU LEHNEN, DIR UM NICHTS GEDANKEN ZU MACHEN UND DEINE FANS GLÜCKLICH ZU MACHEN.«

»WENN DAS SO EINFACH WÄRE.« Antworte ich ihr, als hinter mir eine Baritonstimme ertönt.

»Handy weglegen! Wir sind da«, knurrt Miller und versucht, auf meinem Display zu erkennen, wem ich schreibe. Instinktiv drehe ich mein Telefon weg und schalte die Tastensperre ein. So dass der Bildschirm gleich schwarz ist.

»Erhalten wir jetzt endlich mal den Tourplan?«, frage ich ihn knurrend, denn mir liegt es nicht, unwissend meine Arbeit zu verrichten. Millers Nasenflügel wackeln, er ringt um Fassung. »Ihr gebt ein Interview, dann fahren wir weiter. Mehr braucht ihr nicht zu wissen.« Mit diesen Worten verlässt er den Bus, der vor einem hohen Gebäude aus Glas parkt.

»Es wird sich nichts verändern?«, frage ich Jacob genervt und stehe auf. Mein Telefon verstaue ich in der Hosentasche, nehme die Schachtel Zigaretten vom Tisch und steige ebenfalls aus. Die Sonne scheint und blendet mich.

Ich setze meine Sonnenbrille auf, dabei weh mir ein kalter Wind ins Gesicht. Ich zünde mir erst einmal in aller Ruhe eine Zigarette an. Sekunden später steht Joe mit seinem Team in unmittelbarer Nähe. Sie sind in Zivil gekleidet, um nicht aufzufallen.

Der Weg zum Eingang ist für die Öffentlichkeit abgesperrt. Hinter den Metallzäunen stehen kreischende Fans, die ihre Hände nach uns ausstrecken. Wer wünscht sich nicht, uns einmal zu berühren. Sie schreien unsere Namen und schießen Fotos mit ihren Handys. Wir gehen zu ihnen und schreiben Autogramme. Mit einigen knipsen wir Selfies, bis Miller hinter uns wütend knurrt. »Dafür ist keine Zeit. Los jetzt!«

Gemeinsam mit Jacob folgen wir Steve Miller ins Gebäude.

Hier werden wir am Empfang von der Geschäftsleitung erwartet und zum Interview in einen nahegelegenen Raum geführt. Dieser leuchtet in einem warmen Licht.

Um einen kleinen Tisch herum stehen dunkle Ledersofas.

Ich sehe mich um und entdecke ein Logo an der Wand.

Welches, wenn ich mich recht erinnere, zu dem Musikmagazin »Riff« gehört. Sie bitten uns, Platz zu nehmen.

Ein grauhaariger Mann und eine junge Frau mit dunklen langen Haaren setzen sich zu uns. Die junge Frau stellt sich als Rose vor und legt ein Diktiergerät auf den Tisch.

Ihre dunklen Augen mustern mich und erinnern mich an Megan.

Mit einem Schmunzeln auf den Lippen stellt sie ihre erste Frage. »Wie lange spielt ihr schon gemeinsam?«

Jacob und ich, sehen einander kurz an, dann antworte ich:

»Jake, David und ich, wir haben schon vor acht Jahren zusammen in einer anderen Band gespielt. Aber jetzt in dieser Konstellation und Shark of Lawn, sind es vier Jahre.«

Rose schreibt zusätzlich Notizen auf einen Block und der ältere Herr schießt Fotos. »Wer ist bei euch für das Schreiben der Songs zuständig?«, fragt sie weiter.

Jetzt ist es Jacob, der ihr antwortet. »In der Regel schreiben JC und ich gemeinsam an den Songs. Aber oft macht der Kerl hier neben mir gerne mal Alleingänge und schreibt mega Songs wie Remember me oder Killing you. Es ist immer erfrischend mit ihm zusammen zu arbeiten.«

Wir sprechen über einzelne Songs, über das Cover und über weitere Pläne. Dann beendet Miller das Interview:

»Die Zeit ist um. Wir haben noch weitere Termine, die wir erfüllen müssen.«

»Danke, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben.

Wir wünschen viel Erfolg mit Ihrem neuen Album Hurricane«, verabschiedet sich Rose bei uns und reicht uns die Hand.

»Danke, es hat uns gefreut«, erwidere ich und folge seufzend Miller hinaus vor die Tür.

»Kommt jetzt! Ab in den Bus! In zwanzig Minuten müssen wir beim Radiosender sein«, knurrt Miller uns an und drängt auf Eile.

Obwohl sich mein Körper mit jeder Faser dagegen sträubt, gehorche ich. Ich versuche, Megan ihrem Rat zu folgen und den Kopf auszuschalten, doch ich scheitere kläglich. Kurz vor dem nächsten Termin schreibe ich ihr:

»DAS MIT DEM KOPF ABSCHALTEN FUNKTIONIERT NICHT, WENN DU NICHT AN MEINER SEITE BIST.«

»MEIN ARMER SÜSSER SCHATZ. ICH KANN DIR GAR NICHT SAGEN, WIE GERN ICH BEI DIR WÄRE. HALTE DURCH, ES IST NICHT MEHR LANGE«, schreibt mir Megan und ich denke daran, dass wir bald wieder zusammen sind.

Gleich darauf halten wir vor einem Radiosender. Nach dem Interview, wo wir dieselben Fragen erneut beantworten, sitzen wir wieder im Bus bei David und Cody. Unsere Tour führt uns von Oregon nach Washington. Dann nach Montana, Norddakota und Minnesota. Es ist unser drittes Album und ich bin wahnsinnig stolz darauf. Es verkauft sich wie warme Semmeln und hat nach so kurzer Zeit bereits Platin-Status erlangt.

Ich liebe es, mit meinen besten Freunden auf der Bühne zu stehen. Die Bude zu rocken und zwei Stunden lang durchzudrehen. Mit ihnen »on tour« zu sein, ist ein Segen für mich. Wir sind wie Brüder, die die große Welt bereisen.

Nachdem wir den gesamten Norden durchquert haben, sind wir auf dem Weg zurück zur Westküste. Am Abend erreichen wir Rino. Da das Konzert erst morgen ist, sehen wir uns die Stadt an. Dabei entdecken wir eine kleine Bar, in die wir einkehren. In einer Ecke setzen wir vier uns an einen Tisch. Joe und sein Team schirmen uns ab. Während wir auf unseren Drink warten, schreibe ich Megan eine Nachricht. »HEY BABE, HEUTE SIND WIR IN RENO. ALSO ZURÜCK AN DER WESTKÜSTE. JETZT GÖNNEN WIR UNS EINEN KLEINEN DRINK IN EINER BAR UND DANN GEHE ICH VON DIR TRÄUMEN.«

»SO LASSE ICH MICH GERNE WECKEN. NATÜRLICH WÄRE ES MIR LIEBER DICH LIVE HIER ZU HABEN«, kommt rasch die Antwort.

»Wie spät ist es bei dir?«, schreibe ich schnell, wobei mich meine Bandkollegen allesamt grinsend beobachten.

»SIEBEN UHR MORGENS. ICH HABE VON DIR GETRÄUMT«, schreibt Megan zurück und mein Herz macht einen Sprung vor Freude.

Ein Lächeln legt sich auf meine Lippen und David, mein Bassist, fragt mich, »Mit wem schreibst du? Diesen Blick habe ich noch nie bei dir gesehen.«

Zufrieden und glücklich sehe ich David an. Doch Jacob kommt mir zuvor: »Er schreibt Megan. Seiner Freundin.«

»Echt jetzt? Ihr seid noch zusammen? Wie geil ist das denn«, ist David Feuer und Flamme. Fröhlich klatscht er in die Hände.

Die Getränke kommen und ich antworte David. »Ja wir sind zusammen und ich fliege nächste Woche für drei Wochen zu ihr.«

Wir stoßen mit unseren Drinks an, dann schreibe ich wieder Megan. »ERZÄHLST DU MIR VON DEINEM TRAUM?«

»ICH DENKE, DAS ZEIGE ICH DIR LIEBER NÄCHSTE WOCHE.

ICH KANN ES KAUM ERWARTEN«, schreibt sie zurück und sendet mir ein Foto von sich im Bett liegend.

»ICH WÜNSCHTE ICH KÖNNTE DURCH DAS TELEFON KRIECHEN. DU FEHLST MIR SO«, schreibe ich ihr und sende ihr ein Foto von den Jungs in der Bar und ein Selfie von mir.

»ICH LIEBE DICH SO SEHR«, schreibt mir Megan, doch in dem Moment, wo ich antworte, entreißt mir Jacob mein Telefon.

»Jake, lass den Scheiß!«, fluche ich und greife nach dem Handy, doch er dreht sich lachend damit weg.

»Sag ihr doch endlich, dass du sie liebst. Sonst mach ich das«, reicht mir Jacob genervt mein Telefon zurück.

Cody, unser schüchterner Drummer, runzelt seine Stirn.

»Was du liebst Megan auch?«

Jacob lacht aus voller Kehle los, »Nein ich doch nicht. JJ liebt sie, traut sich aber nicht es ihr zu sagen.«

»Ich sage es ihr nächste Woche. Von Angesicht zu Angesicht. So was mache ich nicht per WhatsApp«, knurre ich meinen besten Freund an und trinke meinen Drink.

Aber er lacht nur und entblößt seine perfekten weißen Zähne. »Ja, ja das soll ich dir glauben? Du versteckst dich doch lieber hinter deiner Mauer.«

»Ach, er macht das schon!«, hält David zu mir. Blöderweise kennt mich Jacob zu gut. Denn er hat recht. Ich weiß nicht, ob ich es ihr sage. Über meine Gefühle zu sprechen, fällt mir schwer und ich habe eine Scheißangst davor verletzt zu werden. Daher verstecke ich mich lieber hinter der besagten Mauer.

MEGAN

Ich freue mich immer, von JC zu hören, wenn es nur eine kurze WhatsApp ist. So oft es mir möglich ist, schreibe ich ihm. Schade nur, dass es von Tag zu Tag länger dauert, bis ich eine Antwort erhalte. Klar ist er ein vielbeschäftigter Mann, und die Zeitverschiebung spielt mit hinein, aber aus Stunden werden mittlerweile Tage. Ich sorge mich um ihn. Er fehlt mir.

Letzte Woche war es geplant, dass er herkommen und seinen Urlaub mit mir verbringt. Es schmerzt, dass ich jetzt weitere drei Wochen warten muss.

Obwohl ich in Gefahr trete ihn zu nerven, schreibe ich ihm: »HALLO BABE, ICH VERMISSE DICH. ES IST SO EINSAM IN MEINEM BETT OHNE DICH. ICH FREUE MICH AUF DICH.«, dies schicke ich mit vielen Kussmünder auf Reisen.

Ich lege mein Handy auf den Schreibtisch und verpacke weiter meine Sachen in Umzugskisten. Denn nach unzähligen Bewerbungen habe ich nur die Zusage für Berlin erhalten. Hier werde ich bald Wirtschaft studieren. Es ist nicht meine erste Wahl, aber besser als weiter für eine Handvoll Euro im Café zu jobben.

Meine Eltern richten mit mir das Einraum-Apartment ein und ich warte seit zwei Tagen auf eine Antwort von JC.

Aber nichts. Meine Sorge wächst, denn die Anrufe landen auf der Mailbox. Ich versuche, nicht allzu viel in die Situation zu interpretieren, doch es nützt nichts. Mein Kopf grübelt fieberhaft. Denn er ist ja kein unbeschriebenes Blatt. Und mir hallen die Worte im Kopf nach. Die, dass er niemand für eine Beziehung ist. Dennoch haben wir es die letzten Monate doch sehr gut hinbekommen. Ich rede mir ein, dass er keine Zeit hat. Und konzentriere mich auf das Studium. Eine weitere Woche vergeht, in der ich JC nicht erreiche. Meine Anrufe landen auf der Mailbox und meine WhatsApps bleiben ungelesen. Langsam werde ich unruhig und habe eine furchtbare Vorahnung. Mir bleibt keine andere Wahl, ich rufe Danielle, seine Mutter, an.

»Hey Schätzchen. Toll von dir zu hören. Wie geht es dir?«, fragt sie mich, denn es ist eine Weile her, dass wir uns gehört haben.

»Hallo Danielle, mir geht es gut. Ich habe vor einer Woche mein Studium in Berlin begonnen. Es läuft gut, es ist nur ein fürchterlich trockener Stoff. Wie geht es euch so?«, werde ich nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. So halten wir eine Weile Smalltalk, bis ich sie nach JC frage.

»Oh mist, das tut mir leid. Er ist noch in Cleveland. Aber nächste Woche kommen die Jungs zurück, wenn ich es noch richtig im Kopf habe. Was ist los?«, fragt sie mich und ich erzähle ihr davon, dass ich JC seit einiger Zeit nicht mehr erreiche.

»Oh natürlich, dass kannst du ja nicht wissen. Ein blödes Missgeschick. JC hat sein Telefon im Klo runtergespült und da waren leider alle Daten verloren. Warte, ich gebe dir seine neue Nummer, dann erreichst du ihn wieder«, sagt sie und mir laufen vor Erleichterung die Tränen.

»Ich bin so dumm und habe gedacht, dass er mich längst vergessen hat«, seufze ich und notiere mir die Nummer, die mir Danielle durchgibt.

Danielle lacht: »Ach Megan, wir alle werden dich niemals vergessen. JC redet oft von dir, das kenne ich so gar nicht von ihm. Du fehlst ihm. Er versucht es sich nicht anmerken zu lassen, doch sehe ich es ihm an und er schaut sich oft Fotos von euch an. Wenn er könnte, wäre er schon längst bei dir. Aber du weißt ja, dass du einen Musiker zum Freund hast.«

»Ja, das weiß ich und auch dass eine Tour nicht nur eine Woche dauert«, seufze ich.

»Ihr fehlt mir alle so. Und das schöne Wetter. Heute früh hat es nochmal geschneit«, berichte ich ihr und wir plaudern eine Weile.

Nach dem Auflegen speichere ich mir die neue Nummer in mein Handy ein und wähle sie. Es klingelt. Mein Herz klopft hämmernd bis in meinen Hals hinauf, die Hände sind eiskalt. Ich atme tief durch und schließe für den Moment die Augen.

»Johnson!«, meldet sich meine so geliebte raue Stimme.

»Hallo JC ich bin es Megan«, erröte ich, denn ihn so lange nicht gehört zu haben, ist so, als wäre es das erste Mal an.

Ich höre ihn am anderen Ende erleichtert durchatmen.

»Oh Megan, wie schön deine Stimme zu hören. Das tut mir so leid.«

»Alles gut, Danielle hat mir erzählt, was passiert ist.

Jetzt habe ich ja wieder deine Nummer«, lächle ich zufrieden.

»Und ich habe deine. In Zukunft speichere ich meine Kontakte auch in der Cloud, nicht nur auf der Karte. Ich habe schon Joe beauftragt dich ausfindig zu machen.

Gott, bin ich erleichtert. Deine Stimme hat mir so gefehlt und auch deine Nachrichten. All unsere Fotos, es ist alles«, klingt JC betrübt.

Lachend unterbreche ich ihn: »Im Klo runtergespült?«

»Ja Scheiße war’s. Ist mir das verfickte Telefon aus meiner Jackentasche, direkt beim Spülen ins Klo gefallen«, knurrt JC und ich lache aus voller Kehle los. Denn ich habe Kopfkino und da fällt es mir schwer, ernst zu bleiben.

»Hahaha, Mensch, da waren all meine Daten drauf. Mein gesamtes Leben«, flucht JC und ich weiß, dass seine Kaumuskeln arbeiten. »Ach Babe entspann dich. Das ist zwar blöd, aber so was passiert nur einmal. Und die Fotos sind ja nicht verloren. Ich habe sie doch auch noch. Ich dachte schon …«, bin ich nicht in der Lage den Satz zu beenden.

Aber JC versteht sofort, so wie immer bei uns: »Das wird nicht geschehen. Zwei Wochen noch, dann sind wir wieder in L.A. und dann haben wir Urlaub. Ich freu mich so auf dich. Du glaubst gar nicht wie sehr.«

»Doch, das kann ich mir vorstellen«, lächle ich, dann plaudern wir darüber, was die letzte Woche so los war. Davon, dass mein Studium todlangweilig ist, ich aber schon ein paar Freunde gefunden habe. »Mit Anna und Linda treffe ich mich oft privat. Wir lernen und kochen zusammen.

Ich weiß nicht, ob ich mich jemals hier heimisch fühlen werde. Die Stadt ist so anders als Los Angeles. Die Leute hier wirken alle so gestresst.«

Aber JC spricht mir Mut zu, »Das schaffst du schon Babe.

Es sind ja nur drei Jahre.«

»Ich weiß und ich bleibe keinen Tag länger als ich muss.

Ich habe auch schon überlegt, ob ich einfach in Amerika studieren werde«, sage ich mit klopfendem Herzen, denn das ist genau das, was JC nicht wollte. Dass ich sein Leben lebe und nicht meins. Aber er fehlt mir so.

»Das bereden wir dann in Ruhe, wenn ich bei dir bin«, sagt er und ich stelle mir vor, wie er schmunzelt.

KAPITEL 2

JARED

Da die Zeitpläne straff sind, ist es selten, dass wir einmal einen kompletten Tag zum Ausruhen und Sightseeing haben. Meist kommen wir am Morgen an und stehen am Abend auf der Bühne. Ein Tag Pause ist da total erholsam, so wie dieser jetzt. Da fühlt man sich gleich ausgeruht.

Und so freue ich mich darauf, am nächsten Abend los zu rocken.

Als wir mit dem kleinen schwarzen Van an der Konzerthalle ankommen, ist es kurz vor Mittag. Mir fällt sofort dieser knallrote Bus auf. An dessen Seiten groß unsere Gesichter prangen. Der steht nicht zum ersten Mal auf dem Parkplatz. Seit fünf Konzerten ist er von der Partie und am Zaun stehen zwei Dutzend Frauen. Sie kreischen und schreien unsere Namen, kaum dass sie uns entdecken. Ich winke ihnen zu und erreiche damit, dass sie nur lauter rufen. Da ich jemand zum Anfassen bin, gehe ich zu ihnen an den Zaun. Jacob begleitet mich. Wir schreiben fleißig Autogramme und schießen Selfies mit ihnen. Bis Joe uns abholt und uns zum Soundcheck reinbringt. Im Anschluss daran führen Jacob und ich Interviews mit Radiosender und Zeitungen. Jetzt haben wir noch drei Stunden, bis zum Konzert. Bis dahin lassen wir es uns im Catering-Bereich gutgehen.

Seit Tagen haben Megan und ich nicht telefoniert, ich vermisse sie. Darum habe ich im Moment wenig Hunger, dennoch werde ich etwas essen, damit ich genügend Power für die Show habe. Das Buffet ist reichlich, für jeden ist was dabei. Vegetarisches, Fisch, Hühnchen, Rind, Reis, Nudeln. Alles, was das Herz begehrt. Sogar für die Schleckermäulchen im Team, wie Cody, gibt es Süßkram. Ich habe mir ein wenig Salat, Pasta und Hähnchen auf meinen Teller geladen und genieße dazu eine Whisky-Cola. Mein Handy vibriert in meiner Hosentasche. Ich ziehe es hervor und sehe, dass ich eine WhatsApp erhalten habe.

Sie ist von Megan: »NA MEIN SÜSSER, WAS MACHST DU SCHÖNES?«

Ich schicke ihr ein Foto von meinem Teller und schreibe:

»ICH GENIESSE MEIN ABENDESSEN. IN DREI STUNDEN GEHT ES RAUS AUF DIE BÜHNE. SCHADE, DASS DU NICHT DABEI BIST.«

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: »JA, DAS WÄRE LUSTIG. ICH IM NACHTHEMD BEI DIR AUF DER BÜHNE.« Gefolgt von vielen lachenden Smileys und einem Foto von ihr im Schlafanzug. Die Vorstellung lässt mich leise lachen.

»JETZT HABE ICH HUNGER AUF DICH!«, antworte ich ihr und stochere in meinem Essen herum.

»HMM, DAS WÜRDE MIR JETZT AUCH GEFALLEN. WEISST DU SCHON, OB ES NÄCHSTE WOCHE KLAPPT?« Fragt sie mich und mein Herz zieht sich zusammen. Denn ich habe geplant, zu ihr zu fliegen. Doch Miller hat unsere Tour erneut verlängert, so dass mein Urlaub bei Megan so nicht stattfindet.

»EHER NICHT. SORRY BABE. DIE TOUR WURDE VERLÄNGERT. ICH HALTE DICH AUF DEM LAUFENDEN. WIESO BIST DU NOCH WACH? WIE SPÄT IST ES? 3 UHR NACHTS?«, schreibe ich ihr.

»JA IST ES. ICH LIEGE AUCH SCHON IM BETT. ICH WAR MIT ANJA AUF NER PARTY«, antwortet sie mir und ich sorge mich sogleich. Denn ich weiß, wie die anderen Männer sie ansehen, und das gefällt mir nicht.

»ICH HOFFE DU WARST BRAV. DU FEHLST MIR SO«, tippe ich und nehme im Augenwinkel wahr, wie eine Kamera auf mich gerichtet ist. Es sind ein Dutzend Leute im Raum, die Mädels vom PR-Bereich, Tontechniker, Mitarbeiter von der Planung und welche von der Security. Der Sänger und sein Drummer von der Vor-Band »The Hive« sitzen am anderen Ende des Raumes. Doch die Kamera ist definitiv auf mich gerichtet. Es nervt, dass ich nicht einmal beim Essen meine Ruhe habe. Ständig Fotos, Autogramme und Interviews und jetzt werde ich hier gefilmt. Ich sehe hinüber und gebe der Person das Handzeichen für »Cut«, damit er mich in frieden lässt. Aber die beiden kommen zu mir und der ohne Kamera fleht mich an, »Ach bitte JJ, das ist für die DVD und ich würde gerne ein paar Backstageeindrücke als Special mit einbringen.«

»Ich drehe gerne mit dir Backstage eine Runde und zeige dir alles …«, knurre ich.

»… das würdest du tun?«, unterbricht er mich. Etwas, was ich auf den Tod hasse.

»Ich mache das aber nur, wenn du mich jetzt in Ruhe essen lässt. Ohne Kamera«, knurre ich ihn weiter an. Es fällt mir im Augenblick schwer, höflich und charmant zu bleiben.

»Okay«, nickt er, der Kameramann drückt etwas an seiner Kamera und legt sie auf dem Tisch ab, mit der Linse von mir weg. Dann setzen sich beide zu mir.

»BABE, ICH MELDE MICH NACH DEM KONZERT WIEDER. ICH MUSS NOCH EINIGE INTERVIEWS FÜHREN«, schreibe ich Megan schnell. Lieber hätte ich weiter mit ihr geschrieben. Oder mit ihr telefoniert, doch dafür bevorzuge ich es, allein zu sein. Dann frage ich den Kerl, den ich zuvor nie gesehen haben: »Wer bist du eigentlich?«

Klar besteht das Tour-Team aus über einhundert Leuten und die meisten wüssten nicht, wer alles dazu gehört.

Doch dank meines etwas anders tickenden Kopfes, kenne ich jedes Gesicht und deren Namen dazu. Aber der vor mir ist mir völlig unbekannt.

»Oh entschuldige. Ich bin Jim und das ist mein Kameramann Pete. Wir wurden von Sunshine Records beauftragt eure Tour zu filmen und eine Tour DVD zu produzieren«, sagt er und schiebt mir eine Visitenkarte über den Tisch.

»Das klingt interessant, doch wieso weiß ich nichts davon?«, frage ich ihn. Das ist nicht das erste Mal, dass Steve Miller über unseren Kopf hinweg entscheidet. Es wird von Tag zu Tag schlimmer.

»Mister Miller sagte er informiert euch«, sagt er etwas verlegen.

»Hmm, alles klar«, knurre ich und esse mein Abendbrot.

»Dann bring du mich doch bitte auf den aktuellen Stand, denn Miller hat es nicht getan.«

Das macht er prompt. Er berichtet mir von den gelaufenen Aufnahmen on Stage, wie er sich die DVD vorstellt und die Hintergrundinformationen für die Fans. Sein Konzept gefällt mir. Somit erlaube ich ihm, mich für die nächsten beiden Konzerte auf Schritt und Tritt zu begleiten. Gewiss nicht aufs Klo, aber Backstage und wenn wir uns die Städte ansehen. Kaum aufgegessen leere ich mein Glas, stecke mein Telefon ein und sage zu Jim: »Dann starte mal deine Kamera!«

Er steckt mir ein Mikrofon und einen Sender an, dann schultert Pete die Kamera. Das rote Lämpchen leuchtet und auf Jim sein Zeichen hin, lege ich los. Mitten im Raum stehend spreche ich in die Kamera: »Hi. Willkommen im Backstage Bereich. Wir befinden uns hier im Catering Room, wo sich alle im Team stärken. Das Buffet ist übrigens Weltklasse. Es ist ein Wunder wenn wir nach der Tour nicht fünf Kilo mehr auf den Hüften habe«, schmunzle ich.

Denn ich weiß, wie beliebt das bei den den weiblichen Fans ist. »Kommt mit!« Führe ich Pete ans Buffet.

»Keine Sorge, Shark of Lawn vertilgt das nicht alleine«, lache ich, während Pete das Angebot filmt.

»Hier essen alle aus dem Team. Tontechniker, Tourmanager, Security, unsere Trucker, Alex – der sich um Jake’s Gitarren kümmert und Tim der sich um meine kümmert.

Einfach alle. Wo wir gerade von Tim sprechen, lasst uns doch mal nachsehen wo er steckt«, sehe ich direkt in die Kamera. Ich gehe voraus und Jim folgt mir, dabei filmt er die ganze Zeit.

»Wir sind hier direkt hinter der Bühne. Hier müssen wir etwas leiser sein, denn die Vorbereitungen für die Show laufen. In der Kiste hier«, ich bleibe an einer Metallkiste stehen, auf der unser Bandlogo » « ist. »sind David seine Bassgitarren«, dann sehe ich mich nach Tim um, »und hier irgendwo sollte Tim sein.«

Da ich ihn aber nirgends entdecke, führe ich Jim ein Stück weiter zu meiner Box. Daneben stehen schon fein säuberlich sortiert, in Reih- und Glied die Gitarren, die ich am Abend spielen werde.

»Wie viele sind das?«, fragt mich Jim erstaunt und deutet auf die lange Reihe.

Ich lache und winke ab. »Nur ein paar, glaube so um die fünfzehn.«

»Nur!«, lacht Jim über die Aussage. Doch von Tim ist weiterhin keine Spur. »So wie sie hier stehen, werden wir sie zur Show spielen. Das sind aber nur fünf oder sechs. Die dahinter sind der Ersatz. Falls eine Saite reißt, oder ein Tonabnehmer defekt ist. Was zum Glück noch nie vorgekommen ist. Und das verdanke ich Tim.« Auf einmal erklingt eine E-Gitarre vorne auf der Bühne. Das Intro zu Loosing, einem meiner Hardrock-Songs.

»Hört ihr das?«, lächle ich und spreche mit der Kamera. So als würde ich mit meinen Fans direkt reden: »Tim ist on Stage! Er ist ein begnadeter Spieler und für mich persönlich ist er mit der wichtigste Mann im Team.«

Im selben Moment kommt er, wie gewohnt mit hüftlangen glatten braunen Haaren und Hippie Style. In der Hand hält er meine blaue E-Gitarre. Er stellt sie zu den anderen in den Ständer, begrüßt mich lächelnd und wir umarmen uns freundschaftlich.

»Also ohne diesen Mann hier.« Ich lege meinen Arm um seine Schulter, so dass er nicht vor der Kamera wegläuft, und stelle ihn vor: »Tim, sag Hallo zu unseren Fans! Du bist hiermit ganz offiziell auf unserer neuen DVD.«

»Oh nein bitte nicht!«, senkt Tim seinen Kopf.

»Tim ist unser Juwel im Team. Falls ich mir einmal die Finger brechen würde, könnte dieser Typ hier alle unsere Songs genauso gut spielen. Ich bin so froh ihn in unserem Team zu haben. Dank seiner Arbeit können wir jeden Abend eine Mega-Show liefern.«

Im Augenwinkel sehe ich, wie Tim rot wird und merke, dass er versucht, sich aus dem Arm zu befreien. Ungern lasse ich ihn los, denn ich bin wahnsinnig stolz auf ihn.

»Er ist auch der Einzige der meine Gitarren anfassen darf«, füge ich hinzu.

»Oh ja, da ist der Kerl sehr pingelig. Obwohl, Jake durfte sie auch schon spielen«, lästert Tim und wendet sich von uns ab.

»Hat etwas nicht gepasst?«, frage ich ihn, denn so kurz vor der Show arbeitet er normalerweise an keiner Gitarre mehr. Da ist alles einsatzbereit und er stellt sie nur in der Reihenfolge hin, wie wir sie laut Setlist brauchen.

»Keine Sorge, es ist alles in Ordnung. Ich hatte gestern die Saiten gewechselt und wollte noch mal auf Nummer sichergehen. Sag mal, bleibt es dabei? Fängst du mit der schwarzen und Come and getting crazy an?«, fragt Tim mich.

»An der Reihenfolge haben wir nichts geändert. Ich habe nur die Zugabe ein bisschen verlängert. Aber die Setlist sollte doch an den Boxen und on Stage sein!« Ich sehe ihn verwundert an. Ich hasse es, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

»Ich glaube Julia hat die Setlists. Sie klebt sie euch dann an die Monitore, wenn die Vorband runter ist. In eurer Gardarobe liegt glaube ich auch eine«, bestätigt mir Tim.

»Sorry JJ, aber ich habe noch ein bisschen was zu tun. Ich habe es nicht so gut wie du«, schmunzelt er und winkt verlegen in die Kamera.

»Du kannst gerne meine Interviews führen, ich habe nichts dagegen«, witzle ich, denn ich denke nicht, dass Tim so genau weiß, was ich alles an Arbeit abseits der Bühne habe.

Tim winkt ab und wendet sich den Ersatzgitarren zu. Somit richte ich mich wieder an die Kamera. »Dann lassen wir ihn mal in Ruhe arbeiten, sonst können wir nachher nicht mit euch rocken. Nun wisst ihr schon einmal, wie es hinter der Bühne aussieht. Hier herrscht das organisierteste Chaos, was ich je gesehen habe. Die Jungs kennen alle Inhalte der Kisten hier und wissen genau welches Kabel hier unten, welche Funktion hat. Später wird es hier stockfinster sein, nur die Aufgänge zur Bühne sind dann mit Lichtschläuche erhellt und so muss jeder Handgriff sitzen.

Na dann kommt mal mit! Wir gehen jetzt in das heiligste Zimmer im Backstagebereich.«

Ich führe Pete und Jim durch die hell erleuchteten Gänge, die an eine Sporthalle erinnern.

»Was macht ihr meist so vor den Auftritten?«, fragt mich Jim auf dem Weg zur Garderobe.

»Meistens führen wir noch Interviews mit den lokalen Medien. Außer wir reisen schon am Vortag an, so wie dieses mal. Dann sind die meisten Termine bis zum Mittag erledigt und wir können am Abend davor noch ein bisschen Sightseeing machen«, erkläre ich ihm.

Wir erreichen eine Tür, an der ein Schild hängt, mit der Aufschrift »Shark of Lawn«. Vor der Tür bleibe ich stehen, zeige auf das Schild und schmunzle in die Kamera. »Keine Sterne und kein roter Teppich. Nur ein einfacher einlaminierter Zettel.«

Vornehm klopfe ich an, dann witzle ich: »Nicht, dass die Jungs nur in Unterwäsche da sitzen. Auch wenn es wohl einige von euch freuen würde.«

David ist es, der öffnet und mich fragend ansieht: »Fuck Alter, wieso klopfst du an?«

Ich lache: »Damit ihr nicht gleich unsere Fans verschreckt.« Dann drehe ich mich zur Kamera um und flirte mit ihr. »Willkommen in unserem Reich!« Und bitte sie mit einer Handbewegung herein.

Ich folge Pete ins Zimmer und erkläre meinen Bandkollegen, »Jim und Pete kommen von Sunshine und nehmen unsere Tour auf, für die Tour DVD. Und als Special gibt es uns Backstage hautnah!«

Im selben Moment kommt Cody nur in Boxershorts und T-Shirt aus dem angrenzenden Badezimmer. Er sieht die Kamera, dreht auf dem Absatz um und verschwindet zurück ins Bad.

»Ja, hautnah!«, lacht Jacob und wir steigen mit ein.

»Wenn ihr jetzt gold und blink-blink erwartet habt, muss ich euch leider enttäuschen. Wie ihr seht, halten wir uns in einem ganz einfachen Raum auf mit ein paar Sofas«, erkläre ich den Fans.

»Und einer Menge BIER!«, lacht David und prostet der Kamera zu.

Jacob reicht mir einen Becher, woraufhin ich den Inhalt in die Kamera halte: »Aber meistens trinken wir Cola«, flüstere ich frech schmunzelnd. David und Jacob prusten herzlich los. Klar ist in der Cola Alkohol drin, doch das werde ich den Fans nicht erzählen. Wo sie immer vorhaben, uns ihren Eltern als perfekte Schwiegersöhne vorzustellen.

Ich nehme einen Schluck, dann greife ich die Akustikgitarre, die auf dem Sofa liegt, und spiele darauf los. Zum Ersten, um mich aufzuwärmen, und weil mir ein paar Riffs durch den Kopf gehen.

»Er ist ununterbrochen daran Songs zu komponieren.

Mittlerweile haben wir unzählige Anfrage vorliegen und schreiben nicht nur Songs für uns, auch für Filme, Serien und Kollegen«, berichtet Jakob, während ich spiele. Und dann singt Jacob. Das passt perfekt zu dem, was ich in meinen Gedanken habe. Das wird definitiv Jake sein Song.

»Hey Jake, was hältst du davon, wenn du deinen eigenen Song für die Show bekommst?«, frage ich ihn und lächle ihn an.

»Echt jetzt?«, runzelt er wenig zustimmend die Stirn.

»Warum nicht? Warum soll ich nur allein im Spotlight stehen? Wir schreiben einen Song nur für dich«, und schon spiele ich die ersten Riffs, die ich mir dafür vorstelle.

»Dann brauchen wir nur noch den Text«, grinse ich Jake an und habe den Passenden bereits im Kopf.

Es klopft an der Tür und ein rundlicher Mann mit Glatze und Headset auf, schaut herein. Für jede Tour, die wir haben, gibt es ein Crew-Shirt. Wir designen es jedes Mal neu, zur Erinnerung für unsere Helfer. Dieses Mal ist es schwarz mit lodernden Flammen und einem silbernen Totenschädel.

»Milow!«, rufe ich laut wie auf der Bühne. »Das ist Milow«, sage ich in die Kamera.

»Er ist unser Show Guide und passt auf uns auf, dass wir nicht die Zeit vergessen«, tritt Jacob vor die Kamera und erklärt ihnen alles. »Sorry Mädels wir sind nicht perfekt.«

»Eher kleine Chaoten«, lacht David herzlich und legt seinen Arm um Jacobs Schulter. »Die Ladys sollen schon wissen, worauf sie sich bei euch einlassen!«

Die Kamera bleibt auf uns gerichtet. Und bei all dem Durcheinander höre ich Milow leise. »Ich zehn Minuten ist es so weit.«

»Zehn Minuten?«, runzele ich die Stirn und zweifle an meinen Ohren. »Wir hatten doch noch mindestens eine halbe Stunde Zeit.«

»Ja. Die Vorband hat keine Zugabe gespielt und es ist fast alles umgebaut. Miller sagt, wir ziehen auch vor und fangen eher an. Also zehn Minuten«, sagt Milow und sieht mich entschuldigend an. Ihm ist klar, dass ich es lieber habe, etwas mehr Zeit zur Vorbereitung zu haben.

»Okay, somit ist das Songschreiben beendet. Wir bereiten uns jetzt für die Show vor und ihr seht uns gleich auf der Bühne«, grinse ich in die Kamera und schmunzle frech.

Was pure Absicht ist, denn ich weiß genau, wie ich auf die weiblichen Fans wirke. Ich lehne die Gitarre an den Tisch.

Dann stehe ich auf und hole mir ein frisches T-Shirt aus der Schublade der Transportbox. Rasch ziehe ich mich um, dabei blende ich die Kamera aus. Ich entferne das Mikrofon und tausche es gegen den Sender für das Konzert und mein In-Ear-Monitoring aus. Anschließend tauche ich in meinen Tunnel ab. Hier dulde ich keine Störung. Ich konzentriere mich, gehe in Gedanken die Set-List durch und Wärme die Stimme und Finger auf.

Nachdem wir das Signal erhalten, dass es losgeht, stecken wir vier nochmals die Köpfe zusammen und schwören uns auf die Show ein. Dies ist jedes Mal aufs Neue ein Gänsehaut-Moment.

MEGAN

In jeder freien Minute schreiben wir uns wieder und ich fühle diese tiefe Verbundenheit zwischen uns. Selbst über diese Distanz.

Wir witzeln herum und senden uns Fotos vom Alltag. So bin ich auf dieser Weise bei ihm. Und die langweiligen Vorlesungen sind damit erträglicher. Denn die Nachrichten versüßen mir den Tag. Und ich zähle die Stunden, bis wir uns wiedersehen.

Zwei Tage bevor JC nach Berlin kommt, piepst mein Handy und freudig tippe ich auf das Symbol. Doch mein Lächeln verschwindet, bei dem, was ich da lese: »MEGAN VERZEIH MIR, ABER ICH KOMME DAMIT NICHT KLAR. DIESE FERNBEZIEHUNG ERGIBT KEINEN SINN MEHR FÜR MICH. ES IST AUS.«

Mein Handy gleitet mir zu Boden. Ich setze mich erst einmal, um das zu verdauen. Doch es nützt nichts. Ich verstehe es nicht. Wir haben miteinander telefoniert und da hat nichts im Geringsten darauf hingedeutet. JC freute sich sogar darauf, bald im Flugzeug zu mir zu sitzen. Ich hebe mein Telefon auf und rufe ihn an, doch ich werde weggedrückt. Ich versuche es immer wieder, bis eine fremde männliche Stimme abnimmt, »Hallo!«

»Hallo, mein Name ist Megan und ich möchte gerne mit JC sprechen«, sage ich selbstbewusst.

Doch das schwindet bei der Antwort, die ich erhalte, »Er will aber nicht mit ihnen sprechen. Hören sie, er hat eine Menge Arbeit und sie behindern ihn dabei. Lassen sie es gut sein. Sie hatten ihr Stück von der JC Torte.«

»Ich bin seine Freundin und nicht irgendein Groupie!«, fauche ich ihn an, doch klingt meine Stimme zitternd.

Der Fremde lacht nur: »Ja natürlich. Das behaupten sie alle. Es ist vorbei Megan. Akzeptieren sie das! Sonst werden wir rechtliche Schritte einleiten. Ein schönes Leben noch!« Klingt er selbstgefällig und überheblich. Dann legt er auf.

Für mich bricht eine Welt zusammen. Meine Welt namens JC. Ich verstehe es nicht. Doch wenn er nicht einmal mit mir spricht. Welche Möglichkeiten habe ich dann? Wenn ich Danielle anrufe, dann wirke ich doch wie eine Stalkerin. Das bin ich nicht. Schweren Herzens akzeptiere ich seine Entscheidung. Dennoch ist es mir unmöglich, sie nachzuvollziehen. Und schon höre ich die Worte von damals widerhallen. Das bringt sein Lebensstil mit sich.

Er ist niemand für eine Beziehung. Er hat keine Freundin und wird es in nächster Zeit nicht ändern.

Miss Baker hatte Recht. Sie sagte, JC wird mir, ohne mit der Wimper zu zucken, das Herz brechen. Und das hat er.

Dabei hat er nicht einmal den Arsch in der Hose, es mir selbst zu sagen. Das sieht ihm nicht ähnlich. So habe ich ihn nicht kennengelernt. Ist ein Mensch in der Lage sich so zu verstellen? Das glaube ich nicht.

KAPITEL 3

JARED

Kaum zu glauben, dass ich in wenigen Stunden im Flieger zu Megan sitzen werde. Ich nehme mein Telefon, um ihr zu schreiben, dass ich mich riesig auf sie freue.

Doch dann entdecke ich eine Nachricht von ihr. Mein Telefon hat doch gar keinen Ton von sich gegeben. Wo kommt die denn her?

Aber das, was ich lese, zieht mir den Boden unter den Füßen weg: »JC BITTE VERZEIH MIR, ABER ICH KOMME DAMIT NICHT KLAR. DIESE FERNBEZIEHUNG ERGIBT KEINEN SINN MEHR FÜR MICH. ES IST AUS.«

Diese Nachricht ist irrational. Das ist nicht Megan. Ich nehme mein Telefon und wähle ihre Nummer. Es klingelt, doch Miller kommt mir zuvor.

»Hey JJ hier steckst du. Komm! Telefonieren kannst du später, die Big Bosse möchten dich sehen«, sagt er mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.

Knurrend lege ich auf und stecke das Telefon in die Tasche, dann folge ich ihm in den Aufzug. Dieser bringt uns in die oberste Etage. Hier, wo die Chefs der Chefs sitzen.

Die ganze Zeit frage ich mich, weshalb sie mich sehen wollen. Es läuft doch alles super und wir haben gar die Tour verlängert. Der grauhaarige rundliche Albert Barney richtet seine Brille und zeigt auf den Sessel ihm gegenüber:

»Bitte nimm Platz JC!«

Ich setze mich und sehe ihn und Doyle Griffith prüfend an.

Griffith hat die letzten Haare verloren, er hat abgenommen und sieht etwas ungesund aus.

»Ihr wolltet mich sehen?«, frage ich sie und bin in Gedanken bei der Nachricht von Megan. Ich verstehe das nicht und werde sie so schnell wie möglich anrufen.

Griffith setzt sich neben Barney: »Wir möchten uns für eure tolle Arbeit bedanken. Und im selben Zuge bitten wir dich noch einige Termine für uns wahrzunehmen, bevor du in deinen Urlaub startest.«

»Was für Termine?«, frage ich skeptisch und sehe beide prüfend an.

»Rollingstone, heavy Metall und Rocklife haben bei uns bezüglich einer Fotostrecke angefragt. Die lokalen Medien werden in den nächsten Tagen noch zu Interviews vorbeikommen. Es wäre gut, wenn Jacob noch bei den Interviews dabei wäre. Wir wissen, dass es sehr kurzfristig ist. Aber das ist positive Publicity«, redet sich Barney um Kopf und Kragen.

Ich atme tief durch und knurre dann: »So wie es klingt, ist es doch schon beschlossene Sache. Also, weshalb sitze ich wirklich hier?«

»Wir wissen, dass du nicht gut mit Steve auskommst. Wir sind auf der Suche nach einem Manager für euch, doch bis wir einen geeigneten haben, bitten wir dich um Geduld.

Ich weiß, er ist speziell …«

»Speziell?«, frage ich Barney und falle ihm damit ins Wort.

Ich selbst hasse es, unterbrochen zu werden, doch schoss es ebenso aus mir heraus.

»Er muss sich auch erstmal in die Position einarbeiten.

Bitte JJ gib ihm noch etwas Zeit«, bittet mich Griffith inständig.

»Wie viel Zeit braucht er denn noch? Seit fünf Monaten diktiert er uns durch die Gegend. Wir sind nicht beim Militär.«

»Wir klären das mit ihm, JJ. Darf ich dich bitten … in einer Stunde ist ein Interview bei Radio X. Ich weiß, es ist kurzfristig.«

»Ja schon gut. Ich fahre hin«, knurre ich.

»Danke. Hier das sind die Fragen für das Interview«, reicht mir Griffith einen Klarsichtordner.

Barney seufzt: »Wir wollten dich über alles informieren.

Steve wird dir dann den Zeitplan für die Woche schicken.

Sorry, dass wir dich damit überfallen haben. Die Termine haben sich kurzfristig ergeben.«

»Okay, dann schickt mir den Plan. Denn Miller wird mir den sicherlich nicht geben. Ich fahre jetzt zu Radio X und danach nach Hause«, knurre ich und erhebe mich. Auf dem Weg zum Aufzug schreie ich innerlich. Warum entgleitet mir mein Leben? Was ist passiert?

Beim Radiosender sitze ich einer jungen Frau gegenüber an einem Schreibtisch mit PCs. Ich habe Kopfhörer auf und vor mir hängt ein Mikrofon. Sie ist freundlich und hat eine Reibeisenstimme für eine Frau. Es fühlt sich nicht wie ein Interview an, sondern wir quatschen entspannt. Und so bin ich erst drei Stunden später als geplant zu Hause.

Daheim angekommen, gehe ich direkt ins Poolhaus. Hier plündere ich die Bar und lasse mich volllaufen. Nur, um die Nachricht und das Gespräch bei Sunshine zu vergessen. Ich rufe Megan an, doch sie geht nicht ran. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es mitten in der Nacht bei ihr ist. Somit trinke ich noch etwas. Die Nacht verbringe ich hier. Ich ertrage es nicht, meinen Eltern zu begegnen. Ich ertrage im Moment niemanden. Die nächsten Tage laufe ich wie eine leere Hülle herum. Am Tag führe ich die Interviews mit Jacob zusammen und spiele eine heile Welt vor. Doch am Abend trinke ich mir die Erinnerungen weg.

Dazu ein paar Joints und bete, dass der Schmerz vergeht.

Ich hasse mich dafür, dass ich Megan so nah an mich rangelassen habe. Ich vermisse sie und ertrage den Gedanken nicht, sie nie wieder zu sehen.

Mein Urlaub fällt letztlich aus. Denn Miller hat das Gespräch mit den Bossen nicht gefallen und setzt mich jetzt wegen der neuen Songs unter Druck. Im Augenblick bin ich völlig leer. Es ist, als hätte man meinen Prozessor auf Werkseinstellung zurückgesetzt. Ich bringe nichts Produktives aufs Papier. Ich sitze Tag und Nacht und tüftle an den Songs. Das frustriert mich. Und damit ich bei der Arbeit nicht vor Erschöpfung einschlafe, probiere ich Kokain aus. Es wird nicht auf Dauer sein, nur so lange, bis ich die Songs fertig habe. Doch aus ein paar Tagen werden Wochen und gar Monate.

Eines Abends kommt Dad ins Poolhaus und sieht, wie ich mit ein paar Blondinen zusammen sitze. Sie betatschen mich. Wir küssen uns und ich habe vor, ihnen das Hirn raus zu vögeln. Ich habe niemanden mehr, für den es sich lohnt, treu zu sein. Der Frust und die Verletzung über die Trennung sitzen noch immer tief. Dennoch habe ich dicke Eier und große Lust darauf, mich zu amüsieren.

Dad sieht mich an und knurrt, »Kann ich dich kurz draußen sprechen?«

Es nervt mich, dass er mich stört. Ich erhebe mich und folge ihm hinaus. Es ist eine sternenklare Nacht, die Luft weht kühl vom Ozean heran, dessen Rauschen heute deutlich zu hören ist. Doch bevor ich ein Ton von mir gebe, schimpft Dad mit mir. »Spinnst du? Was denkst du was das wird?«

»Was? Du meinst die Mädels da drin? Ach, das ist nichts Ernstes«, winke ich ab und drehe mich von ihm weg, um wieder zurückzugehen.

Mit einmal schreit er mich an. Was, bei all dem Scheiß, was ich früher angestellt hatte, nie vorkam. »Geht’s noch? So habe ich dich nicht erzogen, dass du Frauen wie den letzten Dreck behandelst!«

»Ach, mach dich doch nicht lächerlich. Was machen die denn mit uns?«, fauche ich zurück. Er weiß nichts davon, dass Megan unsere Beziehung beendet hat. Ich habe es bisher niemandem erzählt.

»Denkst du das ist die Lösung? Was wird mit Megan?«, fragt er besorgt und endlich leiser.

Doch ich bin zu gekränkt, um die richtigen Worte zu finden. »Mir doch egal, ich habe Besuch!«, knurre ich und lege meine Hand an den Türknauf.

»Wie bitte? Hör ja auf mit dem Scheiß. Du bist ja schon wie dein Vater, nur die Weiber im Kopf«, schreit er mich voller Wut und Enttäuschung an.

Geschockt sehe ich ihn an. Das zieht mir den letzten bisschen Boden unter den Füßen fort. »Was? Du bist nicht mein Vater?« Das hat mir gerade gefehlt.

»Nein … Doch. Irgendwie schon«, stammelt er nach Worte ringend. Ich verstehe nicht, was er versucht zu sagen. Ist er mein Vater? Oder ist er es nicht? Meine Knie werden weich und ich sinke zu Boden.

Dad hockt sich zu mir und versucht, vorsichtig zu erklären, »Ich bin nicht dein biologischer Vater. Du warst noch so klein, als du mit deiner Mutter zu mir kamst. Du hast mich mit deinen himmelblauen Augen angestrahlt und Dad zu mir gesagt. Das war das Schönste in meinem Leben«, versucht er die Kurve zu bekommen. Doch zu spät, geschockt frage ich ihn, »Wie konntet ihr nur?«

»Ich bin zwar nicht dein biologischer Vater, aber …«

»Hör auf!«, unterbreche ich ihn.

»Bitte lass mich doch erklären«, fleht er mich an, doch ich will nichts hören.

»Was denn? Noch mehr Lügen?«, mir laufen die Tränen, die ich versuchte zurückzuhalten. Aber es ist zu viel und ich habe keine Kraft mehr. Es stimmt überhaupt nichts mehr in meinem Leben. »Wer bin ich?«, sehe ich an Bradley vorbei und stiere ins Leere.

»Mein Sohn«, schließt er mich in seine Arme. Doch ich stoße ihn vom mir weg. Wie konnte er mir nur all die Jahre, ohne mit der Wimper zu zucken, ins Gesicht lügen.

Ich springe auf, wische mir die Tränen weg und fauche ihn wütend an. »Fass mich nicht an!« Ich muss weg von ihm, bevor ich die Beherrschung verliere. In der Garage setze ich mich in meinen Charger STR und fahre los. Mein gesamtes Leben ist eine Lüge. Alles, was ich glaubte zu sein, ist nicht wahr. Wer bin ich? An den Klippen bleibe ich stehen, schreie meinen Frust heraus und lege mich auf die Motorhaube meines Autos. Ich sehe hinauf zu den Sternen und erhoffe mir eine Antwort. Aber sie sprechen nicht mehr mit mir. Der Mond versteckt sich hinter einer dünnen Wolke. Eine, hinter der ich mich gerne mit verkrieche. Was mache ich denn jetzt? Nach Hause? Will ich nicht. Zu Megan? Kann ich nicht. Ich steige ins Auto und fahre nach Vegas. Der einzige Ort, der mir in den Kopf schießt. Hier miete ich mir eine Suite und lasse die Sau raus. Ich betrinke mich und ziehe mir auf dem Klo Koks rein. Dieser Alptraum soll hier und jetzt enden.

Ich öffne die Augen. Das gleißende Sonnenlicht blendet mich. Mein Kopf hämmert fürchterlich. Schwerfällig sehe ich mich um. Wo bin ich? Unter mir etwas Flauschiges, ringsum sind Fliesen. Ich liege auf dem Fußboden des Badezimmers. Wie bin ich hierhergekommen? Langsam dämmert es mir. Mein Plan hat nicht funktioniert. Ich bin noch immer hier. Ohne Freundin, ohne Identität und ohne Familie. Fuck, was mache ich denn jetzt?

Ich beschließe, zu bleiben, und ignoriere jeden Anruf. Viel zu wütend bin ich. Warum haben meine Eltern mich all die Jahre angelogen? Warum haben sie mir nichts davon gesagt? Bin ich es nicht wert, dass man ehrlich zu mir ist?

Warum liebt mich Megan nicht mehr? Was habe ich denn falsch gemacht? Warum schmerzt es nur so verflucht?

MEGAN

Ich kämpfe gegen den Liebeskummer und bin nach Hause zu meinen Eltern gefahren. Er hat mich ein paarmal in der Nacht angerufen, aber nichts auf die Mailbox gesprochen.

Das mit JC war speziell. Ich versuche, zu verstehen, was die Nachricht von ihm bedeutet, denn das kling nicht nach ihm. Auch, dass er mir keine Nachricht hinterlässt.

Holly klopft an meine Zimmertür und tritt ein, »Hey wie geht es dir?«

Ich seufze, »Wie soll es mir schon gehen? Ich könnte ununterbrochen heulen. Er fehlt mir so. Diese Nachricht, ich verstehe das nicht.«

Holly setzt sich zu mir aufs Bett und nimmt mich in den Arm: »Das ist doch verständlich. Gibt dir einfach etwas Zeit. Das wird schon. Hast du JC mal angerufen?«

Sofort ist der Kloß in meinem Hals wieder riesig groß. »Ja, habe ich und ein Fremder hat mir dann erklärt, dass er nicht mit mir sprechen will. Ich soll seine Entscheidung akzeptieren und es dabei belassen. Was ist da drüben nur los? Einen Tag vor der Nachricht haben wir noch telefoniert und da konnte er es kaum erwarten, im Flieger zu sitzen. Er wollte hier drei Wochen Urlaub machen.«

»Hör auf zu grübeln! Wenn er nicht einmal mit dir darüber sprechen will, dann ist er es auch nicht wert«, sagt Holly knallhart. Womit sie recht hat, aber mein Herz hat die Oberhand.

»Du hast ihn doch kennengelernt. Macht man all diesen Aufwand, wenn man sowieso vor hat Schluss zu machen?«, frage ich sie und zweifle an der Ehrlichkeit der Nachricht.

Holly seufzt und streichelt mir übers Haar, »Ach Megan, Männer lassen sich enorm viel für eine Frau einfallen, wenn sie sie beeindrucken wollen. Jetzt finde erst mal wieder zu dir.«

»Ich gebe mein Bestes«, seufze ich traurig und fahre am nächsten Tag zurück nach Berlin. Die Tage und Wochen ziehen ins Land. JC fehlt mir zwar immer noch, aber der Schmerz wird weniger. Und ehe ich mich versehe, ist mein erstes Semester vorüber und ich habe den Sommer über Semesterferien. Diese verbringe ich zuhause bei meinen Eltern.

Zum Beginn des Wintersemesters lerne ich meinen Nachbarn Andreas Kohler kennen. Er ist etwas über 1,80 m groß, sportlich, trägt blonde, kurze Haare und hat freundliche blaue Augen. Er ist nett. Ich habe den Sommer damit verbracht JC nachzutrauern. Doch zum ersten Mal fühle ich mich wieder zu einem Mann hingezogen.

Bisher haben wir uns immer nur auf dem Flur gegrüßt und nette Blicke zugeworfen. Auf einmal klopft es an meiner Tür. Ich öffne und Andreas steht mit zwei Schachteln Pizza in der Hand davor.

»Hi, hast du Lust auf Pizza und Formel 1 schauen?«, fragt er mich und lächelt dabei hinreißend.

»Hi. Pizza klingt großartig. Formel 1 habe ich noch nie angeschaut. Aber bitte, komm doch rein«, lade ich ihn zu mir ein. Wir sehen uns das Rennen an und lernen uns dabei besser kennen. So erfahre ich, dass er vom Sternzeichen Schütze ist, drei Brüder hat und Single ist. Er studiert Mathematik. Es ist schön, nicht mehr allein zu sein. Nur aus dem Grund willige ich ein, dass wir uns die restlichen Formel-1 Rennen der Saison gemeinsam ansehen. Ich genieße seine Gesellschaft und wir reden über Gott und die Welt. Somit wird es zum Ritual, dass wir sonntags immer zusammen frühstücken oder zu Mittagessen. In der Weihnachtszeit lädt er mich auf den Weihnachtsmarkt in die Stadt ein. Hier trinken wir einen Glühwein und fahren mit der Pferdekutsche. Die Landsberger Allee ist romantisch beleuchtet. Ich sehe Andreas an, um mich für den tollen Abend zu bedanken. Da beugt er sich zu mir und küsst mich. Im ersten Moment bin ich überfordert, doch dann beschließe ich, es zu genießen.

Mehr als dieser zaghafte Kuss auf der Kutsche kommt erstmal nicht. Zu Hause verabschiede ich mich vor meiner Tür von ihm. Andreas erwidert es nicht. Er zieht mich in seine Arme und küsst mich erneut. Gemeinsam betreten wir meine Wohnung. Hier ziehen wir uns gegenseitig aus.

Er holt ein knisterndes Päckchen aus seiner Jeans, dann erforscht er meinen gesamten Körper mit seinen Lippen.

Leise stöhnend winde ich mich unter ihm. Seine Berührungen sind sanft und angenehm. Leider warte ich vergebens auf das Prickeln. Meine Finger streichen zärtlich über seine nackte Haut. Seinen Rücken, seine Oberarme, seinen Hintern. Ich lasse mich von den Gefühlen leiten, die er bei mir auslöst. Ich greife in sein Haar, ziehe daran.

Wir küssen uns. Dabei ertaste ich behutsam seine Erektion. Krass, da war JC doch extrem bestückt.

Ich ergreife seinen Schaft fester und lasse meine Hand daran auf- und abgleiten. Andreas stöhnt mir dabei in den Mund. Dann löst er meine Hand von sich.

Kurz darauf vernehme ich das bekannte Geräusch. Das Knistern vom Päckchen, was aufgerissen wird und das Abrollen.

»Bist du sicher, dass du es willst?«, flüstert er und sieht mir prüfend in die Augen. Doch ich beantworte ihm seine Frage nicht. Ich ergreife seinen Penis und führe ihn ein.

Als er sich in mir bewegt stöhne ich erregt, dabei krallen sich meine Hände in seinen Oberarmen fest.

Es gefällt mir, die Leidenschaft einmal wieder auf diese Art und Weise zu erleben. Dennoch bin ich vom Höhepunkt so weit entfernt, wie die Erde vom Mond. Ich versuche, mich anders zu positionieren, doch es bringt nichts.

Automatisch wandert meine Hand hinab zum Zentrum meiner Lust. Und stimuliere mich mit den Fingern. Stück für Stück komme ich der Erlösung näher. Ich spüre an Andreas seiner Atmung, dass er nicht mehr lange braucht und dass er sich zurückhält. Er verlangsamt seine Stöße, die ich aber brauche, um zu kommen. Jetzt bin ich diejenige, die ihr Becken gegen ihn rammt. Obwohl es bedeutet, dass er vor mir kommt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt er dem Wunsch nach und passt sich meinem Rhythmus an. Was ihn gleich darauf zum Höhepunkt bringt. Jetzt liegt es an mir, mich zum Orgasmus zu bringen. Erschöpft und etwas frustriert schlafe ich in seinen Armen ein. Und dummerweise träume ich in der Nacht von JC und unsere Zeit auf den Bahamas.

In den zwei Wochen bis Weihnachten verbringen wir jede Nacht zusammen. Endlich hat mein Leben wieder Normalität. Und ich fange an, nach Monaten über den Schmerz mit JC hinweg zu kommen. Ich finde Andreas nett. Er gefällt mir und ich stelle mir vor, die Romanze zu vertiefen.

Doch zu Weihnachten fahre ich ohne ihn zu meinen Eltern nach Hause. Wie immer schmücken Holly und ich, mit Dad den Weihnachtsbaum. Dazu trinken wir Eierpunsch und singen lautstark bei den Weihnachtsliedern im Radio mit. Ich freue mich über die Pause. Denn meine Vorlesungen sind todlangweilig. Und so nutze ich gleich die Zeit, um mich für andere Studiengänge zu bewerben.

Ich genieße es, im Kreise meiner Lieben zu sein. Wir spielen Gesellschaftsspiele, plaudern und tanzen. Zu schnell sind die zwei Wochen Ferien vorbei und ich sitze im Zug auf dem Weg zurück nach Berlin. Am Bahnhof bin ich mit Andreas verabredet und freue mich auf ihn. Doch als ich aussteige, ist er nirgends zu sehen. Enttäuscht nehme ich die U-Bahn zur Uni. Ich passiere den kleinen Park, der die Wohnanlagen miteinander verbindet. Hier entdecke ich Andreas, der mit fünf weiteren jungen Männern zusammensteht. Sie diskutieren angeregt. Langsam gehe ich näher. Sie bemerken mich nicht. Zu sehr sind sie mit sich beschäftigt.

KAPITEL 4

JARED

Jeder Tag, der verstreicht, ertrage ich diesen Schmerz nicht länger. Manchmal ertränke ich ihn im Alkohol, doch seit zwei Wochen, stehe ich an der Klippe. Vegas hat mir den Rest gegeben. Da sollte es enden, doch jetzt hat die Droge von mir Besitz ergriffen. Ich brauche die Kontrolle, aber die habe ich vor Monaten verloren. Immer, wenn ich allein bin, hole ich aus meinem Versteck das weiße Pulver hervor. Ich will es nicht, doch mein Körper verlangt danach. Und ich bin nicht in der Lage dem gegenzuwirken.

Gemeinsam mit Jacob schreibe ich im Poolhaus an neuen Songs. Bis es an der Tür klopft. Ich öffne und Mom steht davor.

Sie fleht mich an, »Können wir bitte miteinander reden, Jared?«

Ich sehe sie nur an und fauche: »Lasst mich in Ruhe!«

Dann knalle ich ihr die Tür vor der Nase zu. Ich habe die letzten Wochen kein Wort mit ihnen gewechselt und bin gar ins Poolhaus gezogen.

Jacob sieht mich verwirrt an: »Was ist denn bei dir los?

Alles in Ordnung?«

Ich setze mich zu ihm auf die Couch und sehe ihn kopfschüttelnd an: »Nein nichts ist in Ordnung. Überhaupt nichts. Mein ganzes Leben ist eine Lüge. Nichts ergibt mehr einen Sinn. Mein Dad ist nicht mein Dad. Megan hat mit mir Schluss gemacht. Und ich, ich weiß nicht mehr, wer ich bin.«

»Was? Scheiße, komm erzähl mir alles von Anfang an«, fordert Jacob mich auf.

Ich atme kurz durch, dann berichte ich von Beginn an, »Als wir nach der Tour bei Sunshine ankamen, sollte ich noch hoch zu den Big Bossen. Doch davor bekam ich eine WhatsApp von Megan. Hier lies es selbst«, reiche ich ihm mein Telefon. Seither sind sieben Monate vergangen, trotzdem habe ich den Chatverlauf behalten.

Jacob liest es und meint dann stirnrunzelnd, »Das klingt so gar nicht nach ihr. So wie ich sie kennengelernt habe, würde sie sich eher das Bein abhacken, als mit dir Schluss zu machen.«

»Es ist aber von ihr geschickt worden«, knurre ich und mir fällt es schwer meine Trauer zu verbergen.

»Fuck, das tut mir echt leid. Hast du sie mal angerufen?«, fragt er mich.

»Ja, sofort. Doch dann kam Miller und ich musste auflegen, bevor sie ran gehen konnte«, seufze ich und hasse es, daran zu denken.

»Und wenn du sie jetzt anrufst?«, schmunzelt Jacob mich an.

»Ich habe gerade andere Probleme als das. Außerdem ist es bei ihr drei Uhr nachts«, fauche ich wütend, »Die Menschen, denen ich am meisten vertraut habe, haben mich mein Leben lang belogen!«

»Was meinst du damit?«, fragt Jacob und mixt uns zwei Whisky Cola.

»Bradley sagt, er ist nicht mein biologischer Vater. Sie haben mir die ganzen Jahre Lügen erzählt. Ich bin so wütend auf sie. Sie haben kein Recht dazu, mir zu verschweigen, wer mein Vater ist«, stehe ich auf und laufe aufgebracht im Raum auf und ab.

»Willst du ihn denn kennenlernen?«, fragt mich Jacob und ich sehe in seinem Gesicht, wie fieberhaft er nachdenkt.

»Ich will wissen, wer ich bin und wessen Gene ich in mir trage«, seufze ich und setze mich wieder.

»Dann wäre es wohl besser, mit deiner Mom zu reden. Sie weiß ja, wer dein Erzeuger ist«, zuckt Jacob mit den Schultern. Diese Geste kommt immer von ihm, wenn er weiß, dass er im Recht ist und es keine andere Möglichkeit gibt.

»Wieso sagst du Erzeuger?!«, fauche ich ihn an. Denn mein Vater ist und bleibt mein Vater.