Beere - Lea Mia Jung - E-Book

Beere E-Book

Lea Mia Jung

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Beschreibung

"Irgendwann wirst du es dir schon eingestehen, ich gehe dir unter die Haut." In "Beere" kämpft Alice mit ihrem Herzen. Verliebt in David, wird sie gezwungen, sich von ihm fernzuhalten. Doch nur mit einer einzigen Entscheidung, verändert sich alles. Ein alter Bekannter, der nun als Retter erscheint, bringt nicht nur neue Hoffnung, sondern auch unerwartete Gefühle in Alice hervor. Zwischen alten Wunden und neuen Möglichkeiten muss Alice entscheiden, wem sie ihr Herz wirklich anvertrauen kann. Wird sie den Mut finden, ihre wahren Gefühle zu erkennen, oder wird die Vergangenheit sie einholen? "Beere" ist eine fesselnde Geschichte über Liebe, Verlust, Erotik und die Suche nach dem eigenen Weg.

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Seitenzahl: 665

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Du gehst an mir vorbei, nah, aber nicht nah genug; als du sanft deine Hände auf meine Schultern legst und zärtlich meinen Nacken entlangstreichelst.

Mein Herz stolpert durch meine Brust und der Schmetterlingsschwarm erwacht tief in meinem Bauch zum Leben.

Du gehst weiter, berührst mich nicht mehr, aber ich spüre deine Wärme noch immer.

Das Gefühl von Begierde und Verlangen erwacht in diesem Moment tief in mir, entfacht ein Feuer, das das Ende prophezeit.

Rückblick

Schock!Das war wohl der Begriff, der meinen Zustand am ehesten beschreiben würde, nachdem ich im Krankenhaus zu mir gekommen war.

Matthias hatte an meinem Bett gestanden, als ich die Augen öffnete, und David saß auf einem Stuhl in der Ecke des Raums. Er war vor völliger Erschöpfung eingeschlafen, und ich, ich lag in dem Krankenhausbett.

Durcheinander. Beschämt. Aber unversehrt.

Ich hatte zwar von Matthias nur eine Kurzversion bekommen, aber die reichte mir für meinen Teil der Geschichte auch voll und ganz aus. Vielleicht war es mehr, als ich ertragen konnte.

Nach zwei Nächten in der Klinik wurde ich entlassen.

Ich war dankbar, dass Matthias mich unter einem falschen Namen in den VIP-Bereich mehr oder weniger versteckt hatte, denn auf Besuche von den Ex-Kollegen hatte ich nicht viel Lust, vor allem nicht, da ich selbst erst verstehen wollte und musste, was in den letzten Wochen passiert war.

Heute war es soweit, ich durfte nach Hause.

Nach Hause? Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass ich ein Zuhause hatte, geschweige denn irgendetwas, das momentan auf mich warten würde.

David hatte an diesem Tag noch eine Besprechung, und so hatte Christian mich abgeholt, in seinem Auftrag versteht sich. Schließlich stand mein Auto noch vor meiner Haustür, wo ich wochenlang nicht mehr gewesen war, und ich wusste auch nicht, ob ich jemals dahin zurückkehren wollte.

»David möchte dich gerne selbst nach Hause bringen, also fahren wir erst einmal zu ihm, wenn es für dich in Ordnung ist?«

Da ich nur knapp nickte, ohne ihn wirklich anzusehen, fuhr er wortlos weiter, bis wir in ein Neubaugebiet kamen.

Ich lehnte gedankenverloren mit meinem Kopf am Fenster und starrte hinaus.

»Da vorne ist es«, bemerkte er.

Die Fahrt fühlte sich für mich schwer und endlos an. Erst jetzt, als er langsamer wurde, sah ich auf, denn ich erkannte in dieser Gegend rein gar nichts.

Er fuhr auf das Ende einer Straße zu, an dessen Wendekreis zwei Häuser standen.

Rechts, ein riesiges, weißes Haus war sehr modern gestaltet mit anthrazitfarbenen Streifen und einer roten Tür. Eigentlich war es kein Haus, es war eine Villa. Das Linke hingegen war kleiner, aber sehr hübsch, grau verklinkert und mit weißen Fenstern und einer weißen Tür. Gegensätzlicher hätten diese beiden Häuser nicht sein können, und trotzdem passten sie irgendwie zusammen.

Inhaltsverzeichnis

Rückblick

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Danksagung

Kapitel 1

Christian hielt genau zwischen den beiden Häusern, und ich hoffte insgeheim, dass das linke Haus das Neue von David wäre.

Das Haus war charmant, stilvoll und einladend zugleich, aber für David kam es mir irgendwie zu klein vor.

Christian steuerte auch auf die Tür des linken Hauses zu, blieb vor der Eingangstür stehen und lächelte mich beinahe an. Er war sehr gut gelaunt, auffallend gut, und ich war einfach nur beschämt, nach den ganzen Geschehnissen der letzten Wochen.

»Wir müssen noch einen kleinen Moment warten.«

In der Zwischenzeit sah ich mir die anderen Häuser der Straße an.

An beiden Seiten waren die Nachbarn ein ganzes Stück entfernt. Alle Grundstücke sahen sehr gepflegt aus, aber es waren bisher keine Menschen zu sehen, dabei war es bereits Nachmittag und das Wetter war auch sehr angenehm.

Mein Blick wanderte zu dem rechten Haus.

Auch das war schön, aber es gefiel mir mit seiner gigantischen Größe in dieser Wohngegend etwas weniger gut, es war für meine Begriffe einfach viel zu groß.

Das graue Haus war intimer und freundlicher, das große Haus eher modern und elegant.

Ein schwarzes Fahrzeug kam die Straße entlang und auf uns zu gefahren. Es war ein breiter Mercedes GLE oder so ähnlich.

Nur noch wenige Meter von uns entfernt erkannte ich den Fahrer: David!

Mein Herz polterte durch mich hindurch. Ich war so nervös, als würden wir uns zu unserem ersten Date treffen, und das war es ja nun einmal ganz und gar nicht.

Er stieg freudestrahlend aus dem Wagen und eilte auf uns zu.

Aber ein kleines Stück vor mir blieb er fast stehen. Ich konnte ihm ansehen, dass er auch nicht wusste, wie wir nun miteinander umgehen sollten. Er zögerte, da ich wie angewurzelt vor ihm stand.

Wahrscheinlich sollte ich irgendwie reagieren. Nach ein paar Sekunden Schweigen hielt ich es nicht mehr aus.

»Das ist doch lächerlich«, flüsterte ich vor mich hin, aber er sah es als Startschuss, denn er machte einen großen Schritt auf mich zu, riss mich in seine Arme und hielt mich so fest er konnte.

»Ich habe dich vermisst!«

Ein wenig Erleichterung schoss durch mich hindurch, denn ein Gedanke stieg in mir auf: So etwas sagt doch niemand beim ersten Date, oder wenn man fertig mit jemandem ist.

Etwas war ganz anders als damals, nicht nur die Umarmung.

War es sein Blick? Der Ausdruck in seinen Augen, wie er mich ansah? Ich fühlte mich sicher, geborgen und erleichtert, ihn zu sehen, atmete seinen frischen Duft ein und schloss meine Augen für einen Moment, um seine Nähe zu genießen.

Christian hatte sich an uns vorbei geschlichen und stand am Fahrzeug.

David grinste mich mit leuchtenden Augen an. Er funkelte geradezu, während ich unsicher vor ihm stand.

»Öffnest du uns?«

Er zeigte auf einen kleinen Bereich an der Eingangstür.

»Ich habe keinen Schlüssel.«

Er lehnte sich näher zu mir, sein Atem auf meiner Haut. »Aber du hast sehr hübsche Finger, und einer davon macht diese Tür auf.«

Er jagte mir einen Schauer durch meinen Körper, ohne dass er mich auch nur berührt hatte.

»Lässt sich die Tür per Fingerabdruck öffnen?«, flüsterte ich, erhob etwas zögerlich meine Hand und platzierte meinen rechten Zeigefinger auf den schwarzen Bereich.

Es klackte, und die Tür sprang auf. Wie er an meinen Fingerabdruck gekommen war, wollte ich lieber nicht fragen, also ließ ich es sein. Die Antwort würde mir vermutlich nicht gefallen.

»Willkommen zuhause!«, begrüßte er mich. Obwohl die Worte freundlich klangen, fühlten sie sich wie ein Messer zwischen meinen Rippen an. »Zuhause«, wiederholte ich leise.

David nahm meine Hände in seine und sah mir in die Augen.

»Ja, dein Zuhause!«

Wenn es doch nur so wäre...

Ein zaghaftes Lächeln und einen kleinen Seufzer später gingen wir hinein.

Wollte er, dass wir direkt zusammenziehen würden? Dazu war ich auf keinen Fall bereit, schon gar nicht nach der Erfahrung mit Tom unter einem Dach. Tom. Allein der Name jagte mir einen Schauer durch den Körper.

Ich sah mich um und erkannte ein Bild an der Wand: Der Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich!

Das Bild, das wir uns damals gemeinsam im Krankenhaus angesehen hatten, bevor alles in Scherben zerfiel.

Davor standen einige Bilderrahmen auf einer hübschen Kommode. Auch die Bilder erkannte ich, denn es waren Bilder aus meiner Wohnung.

»Hast du meine Sachen hierhergebracht?«

Sein Grinsen wurde noch breiter, als es eh schon war, bis er sich näher zu mir lehnte und amüsiert flüsterte: »Natürlich, es ist doch dein Haus.«

»Moment, was?!«

Ich drehte mich zu ihm um, mit großen Augen und offenem Mund. Dann dauerte es noch ein paar Sekunden, bis ich meine Gedanken in Worte fassen konnte.

»Was hast du eben gesagt?«

Seine Hände lagen sanft auf meinen Schultern, und sein Blick war liebevoll, als er ruhig sprach: »Es ist dein Haus, wenn du es willst. Ich bin schuld daran, dass du deine Wohnung nicht mehr betreten kannst, und wollte das wieder gutmachen.«

»David, das ist zu viel!«

Er grinste unbeeindruckt.

»Ja und?! Ich kann es mir doch leisten.«

Ungläubig sah ich ihn an. »Aber Christian meinte doch, dass wir zu dir fahren?«

Sein Grinsen wurde noch breiter, obwohl ich bis eben noch dachte, dass dies gar nicht mehr möglich war.

»Wir sind auch heute Abend bei mir, das heißt natürlich, wenn du meine Einladung annimmst.«

»Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«

Zum einen, weil ich mit der Situation überfordert war, zum anderen konnte ich nicht glauben, dass das hier wirklich passierte.

Seine Hand wanderte zu meinem Kinn und schob es ein kleines Stück nach oben, um mir in die Augen sehen zu können.

»Möchtest du es haben?« Was war das denn für eine Frage?!

»Ich finde es immer noch viel zu viel.«

Er lachte, sein Blick fest auf mich gerichtet.

»All deine Sachen sind schon hier, also wäre es nett von dir, wenn wir nicht direkt alles wieder ausräumen müssten.«

Jetzt lachte ich, eher überfordert als belustigt.

»Also wäre es nett von mir, wenn ich Ja sagen würde, um dir einen Umzug zu ersparen, von dem ich nichts wusste?!«

Er nickte und beugte sich langsam zu mir. »Außerdem sollen die Nachbarn ganz nett sein.«

Dann zwinkerte er.

Konnte ich es wirklich annehmen? Ein merkwürdiges Gefühl stand zwischen uns. Wir waren uns so nah und nun doch so weit entfernt. Wie sollten wir normal miteinander umgehen?!

»Okay.«

»Okay?«

»Ja, okay. Ich danke dir!«

Zwar war ich noch verunsichert über seine Großzügigkeit, aber ich konnte sein Handeln verstehen. Er fühlte sich schuldig und versuchte, es wieder gutzumachen, soweit war ich mir sicher, aber was konnte ich gegen meine Schuldgefühle tun?!

»Unter einer Bedingung«, ergänzte ich, wenn auch fast nur, um die Stille zu durchbrechen. David sah mich erwartungsvoll an.

»Meine Wohnung wird verkauft, und du bekommst das Geld.«

»Damit kann ich leben, der Notartermin ist morgen um zehn.«

»Für das Haus?«

»Oh nein, Kleines, für deine Wohnung. Das Haus gehört dir längst!«

Ich fühlte mich wie in einem Traum und wartete darauf aufzuwachen, aber ich tat es nicht.

David hingegen glänzte vor Begeisterung, nahm meine Hand und führte mich von Raum zu Raum.

»Morgen kommt noch deine Küche, die konnten nicht schnell genug liefern, aber dann sollte es perfekt für dich sein.«

Wir liefen durch die lichtdurchfluteten Räume und blieben erst wieder stehen, als wir in das helle Schlafzimmer kamen.

Der Raum hatte ein riesiges Boxspringbett und einen wunderschön eingerichteten Platz mit einem Schminktisch und einer Kommode, er war liebevoll dekoriert mit Kerzen, Bildern und Eukalyptus.

Ich stand mit dem Rücken zu ihm und betrachtete dieses traumhafte Schlafzimmer. Jedes noch so winzige Detail war liebevoll aufeinander abgestimmt - ein wahrgewordener Mädchentraum, und ich war nun mittendrin!

Mir lief ein Schauer über den Rücken, als ich mir vorstellte, dass er mich nun berühren könnte. Seine starken Arme um mich legen und mich einfach nur festhalten würde. Unbewusst atmete ich flach und wartete ab. Rührte mich nicht mehr.

»Ist etwas nicht in Ordnung?«, hörte ich seine Stimme hinter mir, viel zu weit entfernt für meinen Geschmack. Ich nickte und ging einen weiteren Schritt auf die Fensterfront zu, nur um mich nicht umdrehen zu müssen. Hier, in meinem neuen Schlafzimmer, mit ihm ganz alleine.

Mein Herz stolperte. Ich hatte die Luft angehalten, ohne es selbst zu bemerken. Wie versteinert wartete ich auf ihn, lauschend auf jedes kleinste Geräusch, das mir einen Hinweis gab, was er tun würde.

Dann hörte ich Schritte. Seine Schritte. Langsam hinter mir und auf mich zukommend.

Bleib nicht stehen!

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er hinter mir ankam. Er zögerte offensichtlich.

Als ich seine Arme spürte, wie sie sich langsam um mich legten, mich umschlossen und sein Atem meinen Hals küsste, holte ich erst wieder Luft. Endlich!

Die pure Erleichterung stieg in mir auf, erzeugte ein Kribbeln auf meiner Haut.

Was hatte dieser Mann nur an sich, dass er so eine Wirkung auf mich hatte? Jede noch so kleine Berührung erschütterte meinen Körper und übernahm die Kontrolle über meinen Verstand.

»Sieh dir die Aussicht an«, flüsterte er mir zu und schob mich sanft noch näher an die Fensterfront. Mein Blick schweifte durch den Garten. Er war sehr gepflegt und liebevoll gestaltet worden. Außerdem gab es eine große Terrasse, die komplett überdacht war. Die Palmen an den sechs Ecken der Terrasse waren riesig. Sobald es wieder warm genug war, würde ich jede freie Minute mit einem Buch in einer Sonnenliege da unten verbringen.

Weiter entfernt hatte man eine wunderschöne Aussicht auf die mit Wäldern geschmückten Berge um uns herum.

»Es ist traumhaft schön, ich danke dir!«

Er küsste mich auf meine Haare.

»Ich danke dir. Wollen wir jetzt zu mir?«

Ich nickte, obwohl ich noch gerne einen Moment hier geblieben wäre, um den Rest zu sehen und um seine Arme um meinen Körper herum zu spüren.

»Warte kurz.«

Mir war eben erst aufgefallen, dass ich von meinem neuen Schlafzimmerfenster direkt in das Schlafzimmer der Nachbarn sehen konnte. Ein unschöner Gedanke, da sie mich dann auch sahen.

»Ist alles in Ordnung?«

Sein Blick musterte mich, verfolgte aber dann meinen Blick in Richtung des Nachbarhauses.

»Es ist alles bestens.«

Zufrieden nickte er, ignorierte aber, dass ich weiterhin hinübersah. Wenn das der einzige Makel an diesem Haus war, würde ich damit leben können, mir Vorhänge zu kaufen.

Blickdichte Vorhänge.

Wir verließen Händchenhaltend das Haus.

Ein komisches Gefühl war das, zu wissen, dass es mein neues Zuhause sein würde, ich es aber nicht selbst ausgesucht hatte.

Wir gingen auf das Auto zu, und David kam mit auf meine Seite. Wie schön, dass er mir weiterhin die Tür aufhalten wollte, aber dann gingen wir weiter - am Auto vorbei. Ich sah ihn fragend an, da er vor der Tür der Villa stehen blieb.

»Bereit?«

»Das ist ein Scherz, oder?«

Ich wusste nicht so ganz, was ich davon halten sollte. Hatte er zwei nebeneinanderliegende Häuser gekauft? Ich konnte es nicht glauben.

David aber genoss es sichtlich, als er sich zu mir lehnte und die Worte hauchte: »Du glaubst mir nicht?!«

Seine Laune war spielerisch.

»Am liebsten würde ich dich nie wieder aus den Augen lassen, aber ich möchte dir die Zeit geben, die du brauchst. Wäre dir eine bessere Lösung eingefallen, dann verrat sie mir, wenn nicht, dann komm mit, und ich werde dich überzeugen!«

Er legte seinen Zeigefinger auf das schwarze Feld an dieser Tür, und sie sprang auf.

»Willkommen in meinem neuen Zuhause.«

Seine gute Laune war ansteckend, denn der Raum zwischen uns fühlte sich keineswegs mehr schwermütig an. Mit jeder Sekunde, die ich mit ihm hier verbrachte, fühlte es sich zwischen uns natürlicher und schon fast selbstverständlich an.

Er führte mich durch das Erdgeschoss seines Hauses. Innen war alles hell gestaltet, und auffällige Gemälde schmückten die Wände.

Vor einem Bild im Flur blieb ich stehen. Es zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht.

David beobachtete mich genau, als ich es betrachtete.

»Du magst das Bild, oder?«

»Ja, sehr! Der mir unbekannte Künstler hatte einen atemberaubenden Sonnenuntergang über dem Meer so stilvoll festgehalten, dass ich mich gar nicht davon lösen kann.«

Er betrachtete es mit mir gemeinsam. Auch wenn wir uns in diesem Moment nicht berührten, kribbelte etwas tief in mir, in diesem unvergleichlichen Moment der Ruhe und Vertrautheit, der mein Herz zum Beben brachte und die Düsternis vertrieb. Vielleicht hatten wir irgendwann die Chance, einen solchen Sonnenuntergang an einem Strand gemeinsam zu erleben.

Sein Blick ruhte warm auf mir, als er sanft meine Hand nahm.

»Lass uns nach draußen gehen und die Aussicht genießen. Ich möchte die Zeit mit dir einfach nur genießen, ohne Druck oder Erwartungen.«

Ich nickte dankbar. In diesem Moment fühlte ich mich geborgen und verstanden. Vielleicht konnte ich hier wirklich ein neues Zuhause finden - an seiner Seite.

Langsam schritt ich an seiner Seite durch das lichtdurchflutete Haus, gespannt darauf, was die Zukunft für uns bereithielt.

Kapitel 2

Ich erwachte langsam aus einer Nacht voller Albträume und einem Gewitter, das in einem unfassbaren Lärm den Regen gegen die Panoramascheiben schnellen ließ und eine Geräuschkulisse erzeugte, die mich an meinen persönlichen Rand des Abgrunds trug. Trotzdem beruhigte es mich wenigstens ein wenig zu wissen, dass David in dem gegenüberliegenden Schlafzimmer lag, das zum Glück keine Vorhänge hatte.

Vergeblich versuchte ich, wieder einzuschlafen, doch stattdessen wälzte ich mich rastlos im Bett. Schmunzelnd bemerkte ich die fehlenden Vorhänge.

Früher hatte ich mit Unwettern keine Probleme oder mit Albträumen. Alles begann erst nach jener Nacht, in der ich vor den Männern am Park weglaufen wollte und bei einem Sturz das Bewusstsein verloren hatte. Alles, hatte sich seit diesem Tag verändert.

Es war 6:32 Uhr, als ich mich zur Seite drehte und hoffte, einen Blick auf ihn zu erhaschen, denn mit dem Versuch, endlich in den Schlaf zu finden, hatte ich längst abgeschlossen.

Zu meiner Freude wurde ich mehr als belohnt, denn David hatte bereits das Licht eingeschaltet und machte Liegestützen.

Lediglich eine kurze schwarze Hose bedeckte seinen gemeißelten Körper, und ein leichter Schweißfilm brachte seine Haut zum Glänzen. Heiß!

Mit so einer inspirierenden Aussicht hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet.

Sobald ich mich lösen konnte, eilte ich nach unten und holte mir eine Tasse Kaffee, bevor ich mich in meinem Satin-Top und meinen dazu passenden Shorts gegen die Tür lehnte und sein Training genoss.

Zuzusehen, wie sich seine Muskeln anspannten, war ein Anblick, der meine Phantasie anregte und die schlechten Gedanken der Nacht vertrieb. Umso mehr versuchte ich, jedes Detail in mich aufzusaugen.

Inzwischen war er beim Hanteltraining angekommen und stand mit dem Rücken zum Fenster, ermöglichte mir so, bewusst oder unbewusst freie Sicht auf seinen trainierten Rücken und seine fließenden Bewegungen.

In meinen Gedanken berührte ich ihn, wanderte mit meinen Fingern sanft über seine Schultern nach vorne, über seine Brust, seinen Bauch entlang und ungehindert in seine Shorts.

Ich seufzte und träumte weiter vor mich hin, bemerkte aber jetzt erst, dass er sich umgedreht hatte und mich ansah.

Seine Augen scannten meinen Körper, mein Outfit von oben bis unten, und es gefiel ihm, was er da sah. Das würde er nicht leugnen können.

Mein Handy klingelte, ich nahm ab und aktivierte den Lautsprecher. Dann legte ich es auf das Highboard neben dem Fenster.

»Hey Kleines, genießt du deine neue Aussicht?«

»Oh, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr!«

Sein Grinsen wurde breiter, während seine Augen auf mir verweilten. »Was daran gefällt dir denn am besten?«

So sehr ich es auch versuchte, es gelang mir einfach nicht, den Blick von ihm abzuwenden.

»Die Berge sind hier recht eindrucksvoll, die Konturen, die Show im Morgengrauen...« und ergänzte: »Das V knapp über deiner Hose ist auch sehr einprägsam. Wo wir gerade dabei sind, kannst du die Liegestützen vielleicht nochmal wiederholen?«

»Du siehst also schon eine Weile zu.« »Vielleicht.«

Keine Ahnung, wer in diesem Moment breiter grinste, es war mir auch egal.

»Und was möchtest du jetzt am liebsten anstellen?«

Er legte eine Hand auf die Fensterscheibe und stützte sich dagegen. Dieser Anblick!

»Was denkst du?«

Mein Blick wanderte über seine muskulöse Brust, weiter über sein Eightpack und blieb für einen Moment auf seiner Shorts hängen. »Nun, wenn ich einen Wunsch frei hätte... «, begann ich und ließ meine Fingerspitzen langsam über mein Negligé gleiten. Dabei streifte ich den Träger sanft von meiner Schulter, ohne dass der Stoff ganz herunterrutschte.

»Was dann...?«, fragte er mit tiefer, rauer Stimme. Ich hatte seine ungeteilte Aufmerksamkeit.

»Dann würde ich mir wünschen, dass du etwas weniger trägst.« Mein Blick wanderte bedeutungsvoll zu seiner Shorts.

Ein schiefes, wissensdes Lächeln umspielte seine Lippen.

»Aber ich trage doch nur diese Shorts.«

»Genau das meine ich.«

Mit einem Finger hakte ich am Bund seiner Shorts ein und schob den Stoff langsam hinunter. Sein Atem wurde schwerer, als sein erregter Körper zum Vorschein kam.

Herausfordernd sah er mich an. »Und was möchtest du jetzt tun?«

Mein Herz raste, allein bei dem Gedanken. Aber ich hatte die Grenze überschritten, nun war er am Zug.

Ohne zu zögern, umschloss er seinen Schaft mit der Hand und begann, ihn langsam auf und ab zu bewegen. Der Anblick raubte mir den Atem. David schwieg, beobachtete mich nur mit glühendem Blick. Mein Hals fühlte sich plötzlich trocken an, die Hitze brodelte in mir.

Gebannt sah ich ihm zu, wie er sich selbst berührte und mich dabei beobachtete. Etwas so Erregendes hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt.

»Wie gerne würde ich das jetzt tun.«, murmelte er mit dunkler, heiserer Stimme.

Mein Atem stockte. »Was möchtest du tun?«, fragte ich leise.

»Das, was du gerade machst. Ich sehe, wie du auf deiner Lippe herumkaust.«, sagte er mit rauer Stimme.

Ich war wie hypnotisiert von diesem Anblick.

Dieser unfassbar attraktive Mann stand dort, gelehnt an diePanoramafenster, nackt und verschwitzt. Er berührte sich selbst - nur für mich.

Selbst aus der Entfernung konnte ich sehen, wie seine erregte Männlichkeit glänzte. Ich konnte sie beinahe schmecken.

»Was soll ich für dich tun?«, fragte ich heiser, bevor meine Stimme abbrach. »Lass deine Hand langsam über deinen harten Schwanz gleiten. Reib ihn für mich.«

Mein Blut rauschte in meinen Adern, die Erregung brannte zwischen meinen Beinen.

Immer wieder glitt seine Hand hinab und entblößte seine ganze erregte Männlichkeit. Ich sehnte mich nach ihm, spürte ein dringendes Verlangen in mir.

Behutsam umschloss ich meine Brust durch den seidigen Stoff, knetete sie leicht unter seinem intensiven Blick.

Jede meiner Bewegungen wurde von ihm genau beobachtet.

Zögernd ließ meine Hand den Saum meines Tops nach oben gleiten, bis sie den Rand meines Slips berührte. Meine Finger glitten vorsichtig darunter.

Ich hörte Davids schweren Atem durch das Handy, als ich zärtlich über meinen empfindsamen Punkt strich. Sein Blick folgte jeder meiner Bewegungen.

»Alice.«, stöhnte er, doch weder er noch ich waren in der Lage, weitere Worte zu finden. Auch wenn wir einander sahen, war er mir in diesem Moment unerreichbar fern. Die ganze Szenerie trieb mich in einen Strudel der Erregung.

Sein Tempo beschleunigte sich, sein Atem hinterließ beschlagene Spuren auf dem Glas, während meine Finger zögerlich in mich glitten.

Er begann schwer zu atmen. »Wenn wir nicht aufhören, werde ich kommen.«

Zitternd atmete ich ein und versuchte, mich zu sammeln. Er war genauso erregt wie ich.

Langsam zog ich meine Hand aus meinem Slip zurück, ließ sie über den Stoff gleiten, an dem sich meine Brustspitzen hart abzeichneten, bis hin zu meinen Lippen. Davids Blick folgte jeder meiner Bewegungen, als ich meinen Finger zärtlich über meine Lippen strich und die Spitze mit der Zunge berührte.

Ein Keuchen entfuhr ihm, seine Augen glühten vor Verlangen. Dann drehte ich mich um.

»Dann werde ich mich jetzt in die Dusche begeben.«, sagte ich mit einem verführerischen Lächeln und ließ den Träger meines Tops langsam hinabgleiten.

»Diesen wundervollen Anblick möchte ich mir nicht entgehen lassen.«, erwiderte er mit rauer Stimme.

Ich drehte ihm den Rücken zu und machte einige Schritte in Richtung Badezimmertür, spürte seinen brennenden Blick in meinem Rücken.

»Du bringst mich um den Verstand, Kleines. «, stöhnte er.

Ohne ein Wort zog ich meine Shorts hinunter, beugte mich leicht vor, so dass er freien Blick hatte. Für einen kurzen Moment verharrte ich so, bevor ich mich wieder aufrichtete.

Mit einem letzten Blick über meine Schulter zwinkerte ich ihm zu und hauchte: »Bis später, mein Schöner.«

Langsam schlenderte ich ins Badezimmer und schloss die Tür hinter mir, das Herz wild pochend. Ich hatte die Flucht ergriffen.

Als ich wenig später, in ein Handtuch gehüllt, wieder ins Schlafzimmer kam, war David am Fenster nicht mehr zu sehen.

Ich griff zu meinem Handy und fand eine Nachricht von ihm:

David: Einladung zum Frühstück auf der Terrasse. Komm in zehn Minuten rüber.

Zehn Minuten waren in der Tat sportlich! Schnell zog ich ein leichtes Top, eine bequeme Hose und Sneakers an, föhnte meine Haare kurz durch und machte mich auf den Weg zur Terrassentür.

David lehnte entspannt in einem der Gartenstühle vor einem reichlich gedeckten Tisch, die Augen hinter einer Sonnenbrille geschlossen. Er trug eine Jeans und sonst nichts weiter.

In der Sonne sah er so zufrieden aus, wie ich ihn bisher nur einmal gesehen hatte - genau wie damals im Extrablatt. Als er mich bemerkte, nahm er die Brille ab und erhob sich, um mich mit einer sanften Umarmung zu begrüßen. Von seinem frisch gedufteten Körper konnte ich wohl niemals genug bekommen.

Als wir schon fast mit dem Frühstück fertig waren, sah David mich an.

»Wie fühlst du dich?«

»Gut.«, antwortete ich.

Er zog die Stirn in Falten. »Nach allem, was passiert ist, kann es dir doch unmöglich gut gehen. Niemand würde das so einfach wegstecken.«

Zärtlich ergriff er meine Hand und drückte sie. »Ich will wirklich wissen, wie es dir geht.«

Unsere Blicke trafen sich, verweilten einen Moment, bevor ich auf unsere Hände hinabsah. »Es geht mir besser, danke.

Immerhin habe ich dank dir wieder ein Zuhause.«

Meine Worte waren eher scherzhaft gemeint, doch David nahm sie ernst. »Aber du hattest es ja auch nur wegen mir verloren.«

Als ich ihm in die Augen sah, erkannte ich Bedauern und Sorge in seinem Blick.

»Ich bin auf einem guten Weg. Jetzt brauche ich nur noch einen Job, und wir fangen wieder ganz von vorne an, wenn das für dich in Ordnung ist.«, sagte ich.

David lächelte.

»Also siehst du es so wie ich, es ist etwas zwischen uns.« Er sprach leiser als sonst.

»Ja, ich fühle es auch, ich brauche nur ein wenig Zeit, um alles zu verarbeiten.«

David wollte erst seine Hand wegziehen, tat es aber dann doch nicht.

»Ich gebe dir alle Zeit der Welt, wenn ich dir dabei helfen kann, dann lass es mich bitte wissen!«

Ein Lächeln musste als Antwort erst einmal reichen, aber die Stille zwischen uns fühlte sich von Sekunde zu Sekunde leichter an.

Vor dem Haus hörten wir einen Lastwagen. David griff nach seinem Handy.

»Christian, bist du hier?«

»Gut, dann geh rüber zu Alice und lass die Möbelpacker rein, die scheinen da zu sein. Bleib da, bis sie fertig sind.«

Er legte das Handy wieder weg, mit dem Display nach unten.

»Wollen wir nach dem Notar zusammen spazieren gehen und uns die Nachbarschaft ansehen?«

Ich nickte ihm zu.

»Aber anschließend gehe ich auf Jobsuche!«

David gefiel das offensichtlich nicht, auch wenn er versuchte, es zu verbergen.

»Ich würde dir gerne dabei helfen.«

Meine Hand legte ich auf seine. »Das ist lieb von dir, aber ich möchte es alleine machen.«

Er beugte sich zu mir und sah mir tief in die Augen.

»Was ist, wenn ich dir einen Job anbiete?«

Ich schluckte, bevor ich ihm antworten konnte, da ich noch nach den richtigen Worten suchte.

»Das geht nicht. Wenn du mein Boss wärst, ... ich könnte nicht mit dir zusammen sein.«

Er sah zwar verletzt aus, lenkte aber ein.

»Vielleicht hast du recht.«

Ich nippte an meinem Kaffee, bevor ich ergänzte: »Aber mir würde eine Sache sehr helfen.«

Mit großen Augen sah er mich fragend an.

»Alles was du willst.«

»Das hatte ich gehofft! Ich habe einen richtig heißen Nachbarn. Vielleicht kannst du ihn bitten, dass er immer vor der Fensterfront im Schlafzimmer trainiert? Ich könnte mich wirklich daran gewöhnen!«

Seine besorgte Miene verzog sich zu einem breiten Lächeln, bevor er mich aus meinem Stuhl zog und ich mit Schwung auf seinem Schoß landete.

Seine Finger spielten mit meinen Haarsträhnen, während tausende Schmetterlinge jeden Winkel meines Bauchs erkundeten.

Ich atmete schwer aus, als er endlich Zugriff und meinen Kopf leicht nach hinten zog, um meine Lippen sanft einzufangen.

Wie sehr hatte ich das vermisst! Es kribbelte und sendete Funken durch meinen ganzen Körper, bevor ich mich in unserem Kuss verlor, er meine Zunge mit seiner massierte, mich so sanft und doch dominant eroberte, dass mir schwindelig wurde.

Unsere Lippen berührten sich schon nicht mehr, trotzdem blieb mir das Gefühl noch einen Moment erhalten, daher öffnete ich meine Augen nicht sofort, sondern genoss die Empfindungen für einen weiteren Moment.

Ein Wirbelsturm, der in meinen Füßen anfing und mir bis in den Kopf stieg.

Davids Fingerspitzen glitten langsam aus meinen Haaren, bis hin zu meinem Nacken. Er streichelte sanft über meine Haut und erzeugte eine Gänsehaut. Gott, dieser Mann ist perfekt.

Heiß. Sexy und ich war Butter in seinen Händen.

»Ist alles in Ordnung?«

Erst jetzt sah ich ihn an. David grinste und küsste dann meine Nasenspitze.

War es lächerlich, einen Neuanfang zu wollen, wenn doch nur eine kleine Berührung von ihm mich so empfinden ließ?

Wenn ein einziger Kuss mich so fühlen lassen konnte, dann konnte es doch nicht falsch sein.

»Besser als in Ordnung.«

Er grinste immer noch.

»Dann ziehen wir uns um. Wir müssen in einer halben Stunde beim Notar sein.« Nein!

»Okay, ich brauche ein paar Minuten!«

Nicht nur zum Umziehen, sondern um das ständig wachsende Verlangen nach David zu unterdrücken und an etwas Anderes zu denken als seine Hände auf meinem Körper. Oder seine Hände auf seinem Körper.

Auf meiner Unterlippe beißend stand ich von seinem Schoß auf und schlenderte - oder besser gesagt, ich versuchte zu schlendern, hatte aber so weiche Knie, dass es mir schwer fiel, normal zu laufen - zu meinem Haus rüber.

Im Schlafzimmer angekommen, lehnte ich mich gegen die Tür und strich mit meinem Zeigefinger über meine Unterlippe.

Es klingelte.

David: Wir sollten das schnellstens wiederholen.

Das Lächeln in meinem Gesicht gewann die Oberhand, während ich noch auf mein Handy starrte und an diesen perfekten Kuss dachte.

Alice: Das sollten wir!

Was David anging, stand eins absolut fest: Ich hatte nicht die geringste Selbstbeherrschung in seiner Nähe! Oder besser gesagt, ich hatte gar keine Selbstbeherrschung. Wenn es um ihn ging, fühlte ich mich wie in Trance.

Als ich meine Fassung halbwegs wiedererlangt hatte, zog ich mir eine helle Jeans, ein khakifarbenes Top und wieder meine Sneakers an, band meine Haare zu einem Zopf zusammen, holte meine Jacke und ging hinunter zur Tür.

David stand bereits draußen und wartete auf mich.

»Du siehst wunderschön aus!«

Ich fühlte mich wie ein Teenager.

»Wollen wir?« Alles!

Ich musste dringend eine Ablenkung von David suchen, denn wenn er sich weiterhin so verhielt, würde ich ihm noch vor Ende des Tages in mein Bett zerren, oder ins Auto, auf die Couch, Gott! Egal wo, Hauptsache er und ich.

Alles lief so, wie man es von einem Verkauf erwarten würde.

Es war steril, trocken und absolut langweilig.

Nach dem Termin fuhren wir zurück zu unseren Häusern. Der Lastwagen parkte noch vor meinem Haus, scheinbar dauerte es noch eine Weile, da zwei junge Männer rauskamen und noch Kartons rein trugen.

Meine Wohnung war an ein nettes junges Paar gegangen, das dort eine Familie gründen wollte. Ich freute mich für sie, auch wenn mir der endgültige Abschied von meinem Zuhause schwerfiel, aber das wollte ich nicht offen zugeben.

Wir waren bereits einige Schritte gegangen, als David mich von der Seite ansah. Ich spürte seinen Blick auf mir, war aber mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt. Es dauerte nicht lange, bis er sanft meine Hand ergriff und seine Finger mit meinen verwob. Diese kleine, aber doch so vertraute Geste, wischte das Chaos in meinem Kopf beiseite und schaffte neues.

Händchenhaltend spazierten wir durch die Straßen im Neubaugebiet, betrachteten die Häuser und grüßten freundlich die Menschen, denen wir begegneten, auch wenn es für die Anzahl der Häuser sehr wenige Menschen waren.

Eine ältere Dame war gerade dabei, ihre Rosen zu beschneiden.

Es waren traumhaft schöne Rosen in einem sehr gepflegten Garten, in dem sie scheinbar ihre gesamte Freizeit investierte.

Trotz der kühlen Jahreszeit standen einige der Pflanzen in wunderschöner Blüte. Ich musste die Chancen nutzen, diese traumhafte Kulisse anzusehen. Hätte ich es nicht getan, wäre mein Blick auf David hängen geblieben.

Ich konnte spüren, dass er mich ständig ansah. Seinem Blick zu begegnen, würde mir nicht wirklich helfen, mich abzulenken. Zwischen uns lag eine Anziehungskraft, die ich kaum zu beschreiben vermag und noch weniger zu unterbinden.

Mir kam es auf dem Rückweg so vor, als würden wir bei jedem Meter, den wir zurücklegten, das Tempo erhöhen.

Wir konnten unsere Häuser bereits sehen, der LKW war verschwunden und es standen nur noch die Fahrzeuge von David und Christian in der Einfahrt. Aber was taten wir danach? In meinen Gedanken küssten wir uns bereits nach dem Überqueren der Türschwelle und vergaßen alle Vorsätze.

Was war nur los mit mir?! Vor meiner Tür blieben wir stehen.

»Ich würde dich jetzt deiner Jobsuche überlassen, aber eigentlich will ich das nicht.«

Verdutzt sah ich ihn an. Ging es uns gleich?

»Was schlägst du also vor?«

Ich versuchte zwar, mein Grinsen zu unterdrücken, aber beim besten Willen wollte es mir einfach nicht gelingen. David schmunzelte mich an, lehnte sich etwas vor und strich eine verirrte Strähne hinter mein rechtes Ohr. Sanft hauchte er einen Kuss auf meine Wange und flüsterte: »Wir könnten durchbrennen.«

Eine Gänsehaut schlich über meinen Nacken.

»Du bist verrückt.«

Sein Grinsen wurde etwas breiter, schief und unfassbar sexy.

Seine Augen funkelten mich an.

»Wir steigen jetzt in den Wagen und fahren. Kannst du deine Jobsuche noch ein wenig hinauszögern?«

Es klang nach einem Abenteuer. Einem Abenteuer mit David!

»Okay.« »Okay?«

»Ja, einfach: okay!«

Wir standen uns gegenüber und grinsten um die Wette.

»Gib mir eine Stunde, ich bereite alles vor.«

Mit einem Kuss auf die Wange verabschiedete er sich von mir und eilte, mit dem Handy bereits am Ohr, in seine Villa. Als ich meine Küche betrat, begann mein Herz wie wild zu schlagen und meine Hände zitterten ein wenig.

»Durchbrennen«, sagte ich vor mich hin und merkte von Minute zu Minute mehr, dass ich nervöser wurde, obwohl ich mich sehr bemühte, mich auf die wahnsinnig große Küche zu konzentrieren. Wahrscheinlich sollte ich packen.

Wahrscheinlich sollte ich mir auch wenigstens mal die Küche ansehen. Ach, egal, die Küche würde ja nicht weglaufen.

Ich eilte in mein Schlafzimmer und suchte nach einer Tasche, einem Koffer, irgendetwas, was ich packen konnte, ich fand aber nichts. Vielleicht war es eine schlechte Idee... Schließlich gab ich es auf und warf mich, Gedankenversunken, mit meinem Handy auf das Bett und starrte auf das Display.

Ein Teil von mir brannte für ein Abenteuer mit David, der andere aber wusste genau, dass ich einen neuen Job brauchte, eine Herausforderung - vor allem aber eine Ablenkung!

Ich eilte in mein neues Arbeitszimmer.

Zuerst musste ich mich orientieren, bis ich feststellte, dass meine Sachen genau dort verstaut waren, wo ich sie in meinem früheren Arbeitszimmer auch verstaut hatte. Ich schaltete den neuen Rechner an und rief diverse Stellenanzeigen auf.

Bruno & Partner suchten jemanden in der Buchhaltung, William & Jack jemanden für die Personalabteilung, Miss Skin Natura eine Marketingleiterin. Marketing könnte wirklich etwas für mich sein, aber in einer Kosmetikfirma?! So wirklich kannte ich mich mit solchen Produkten nicht aus, lediglich die absoluten Standards, die sich in meinem Besitz wiederfanden, und mit der Hälfte davon konnte ich nicht einmal richtig umgehen.

Das Unternehmen hatte einen guten Ruf und Marketing - warum eigentlich nicht? Also schrieb ich eine Bewerbung und schickte sie auch direkt ab. Meine Zukunft konnte nicht mehr in einem Krankenhaus sein, davon gab es hier zu wenige, also suchte ich weiter.

Beim Lesen der unzähligen Inserate fiel mir Vanessa ein. Sie war eine Meisterin in ihrem Beruf als Headhunter und hatte mir damals meinen Job im Krankenhaus besorgt. Ob sie wusste, wie es dort geendet war?

Zwar zögerte ich, aber dann suchte ich doch ihre Nummer raus und rief sie an.

»Hey Vanessa, Alice Forster hier.«

»Alice! Was für eine Überraschung! Geht es dir gut?«

»Ich brauche deine Dienste.«

»Also stimmen die Gerüchte!«

Ein ungutes Gefühl stieg in mir empor, aber ich versuchte, es zu ignorieren.

»Ich kenne die Gerüchte nicht, aber ich bin auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.«

»Ich dachte, du warst glücklich mit Richard als Chef und ich habe nur Gutes über deine Arbeit gehört.«

»Ich war glücklich dort, aber jetzt suche ich etwas Anderes.

Ich hatte an Marketing gedacht, hast du da was für mich?«

Sie zögerte, blieb aber professionell, und ich war ihr sehr dankbar dafür.

»Aktuell habe ich sechs Aufträge im Bereich Marketing. Aber so wie ich dich kenne, werde ich etwas Passendes für dich finden, das verspreche ich dir!«

Ich atmete erleichtert aus.

»Du hast was gut bei mir!«

»Da bin ich mir sicher. Ich melde mich bei dir!«

»Vielen Dank!«

Ich kannte Vanessa bereits länger, als ich denken konnte, trotzdem wurde ich unsicher.

Hatte Richard ihr was von David erzählt? Oder vielleicht die Geschichte mit der Erpressung?

Heute würde ich das Rätsel nicht mehr lösen können. Ich ging zurück ins Schlafzimmer und überlegte, was am meisten Sinn machen würde. Aber ich war ratlos.

Wäre er sauer, wenn ich meine Meinung ändern würde? Ich war mir nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee wäre, nach allem, was war - sollte ich vielleicht erst einmal hier ankommen?

Plötzlich klingelte mein Handy und fiel mir aus der Hand.

Hektisch schnappte ich danach und nahm dabei ab.

»So eine Scheiße...«

»Ist alles in Ordnung?«

Davids Stimme riss mich aus meinen Gedanken und milderte meine Nervosität augenblicklich ab.

»Es ist alles in Ordnung. Ich suche nur noch einen Koffer.«

Er lachte.

»Mach dir keinen Stress. Wir sind erst einmal nur ein paar Tage weg, und dann entscheiden wir gemeinsam, wie es weitergeht. Einen Koffer bringt Christian dir gleich. Aber du brauchst nicht viel. Badesachen und etwas für abends sollte reichen.«

»Das klingt vielversprechend.«

»Du hast hilflos ausgesehen.«

Ich schreckte kurz zusammen, bis ich mich zum Fenster drehte und in sein Gesicht sah. Scheiße!

»Ich war nur... planlos.«

Er lachte wieder.

»Rede mit mir, wenn etwas ist. Es gibt für alles eine Lösung.«

Mein Augenverdrehen konnte ich nicht unterdrücken nach dieser Aussage, was David nicht entging.

»Und wenn du DAS nochmal tust, wird das Konsequenzen für dich haben.«

Er klang nicht ernst, als er das sagte, nicht verärgert oder gar wütend, er klang erfreut, und es hörte sich an wie ein Versprechen - nicht wie eine Drohung. Tief in mir kribbelte es, es fühlte sich an, als würde Strom durch meine Adern fließen.

»Wann geht es los?«

»Das wirst du noch erfahren. Bis gleich, Kleines.«

Ein Lächeln blieb auf meinem Gesicht, bis es an meiner Tür klingelte und Christian mit einem Koffer hereinkam. Nicht einmal zwanzig Minuten später hatte ich meine Kosmetiktasche gepackt, zwei Sommerkleider und etwas Wäsche. Leider hatte ich keine Ahnung, wo meine Badesachen abgeblieben waren, und räumte den Rest meines Kleiderschranks leer.

»Bist du soweit?« David lehnte lässig im Türrahmen und beobachtete mich, missachtete aber das Chaos um mich herum.

»Nein. Meine Badesachen sind ... verschwunden.«

Er schnaubte belustigt und schlenderte gelassen auf mich zu.

Erst jetzt fiel mir auf, dass er viel entspannter aussah als noch heute Mittag. Er trug eine lässige Leinenhose, ein weißes, enganliegendes Shirt, und eine Sonnenbrille steckte in seinem Kragen.

»Zieh dir etwas Luftigeres an, alles, was jetzt noch fehlt, besorgen wir später.«

Er musterte mich und biss sich auf die Lippen. Beinahe hätte ich bei diesem Anblick gestöhnt. Erst als er mit meinem Koffer in Richtung Tür ging, fing ich mich wieder.

»Wir sehen uns unten.«

Kaum eine Stunde später standen wir vor einem Hubschrauber, und mein Magen war nicht begeistert von der Idee, dort einzusteigen. David legte sanft seine Hand auf meinen unteren Rücken. Selbst diese Berührung brachte meine Welt zum Schwanken.

»Hast du Flugangst?«

Ich schüttelte den Kopf und sah ihm in die Augen.

»Nicht bei Flugzeugen... Bei "Spielzeugen" bin ich mir da noch nicht so sicher.«

Er lächelte mich aufmunternd an und nahm meine Hand.

Augenblicklich entzündete sich ein Gefühl in meinem Körper, das meinen Verstand von der Klippe stieß.

Wir stiegen ein, und David setzte mir einen Kopfhörer auf. Als ich ihn zurechtrückte, lehnte er sich über mich mit einer so plötzlichen Bewegung, dass ich zusammenzuckte.

»Darf ich?«

Fragend sah ich ihn an. Mich küssen?

Er schmunzelte mich an, und es machte Klick.

Erst jetzt setzte er sich neben mich und kümmerte sich um sich selbst.

»Ich sitze hier jede Woche drinnen, und es ist noch nie etwas passiert.«

Der Pilot drückte ein paar Knöpfe, Hebel und keine Ahnung was sonst noch, und dann startete unser Gefährt senkrecht in die Luft. Im ersten Moment drückte ich fest zu und bemerkte jetzt erst, dass David meine Hand hielt und ganz ruhig neben mir saß, seinen Blick auf mir ruhend. Seine Gelassenheit war beinahe ansteckend. Beinahe.

Es dauerte nicht lange, schon hatte ich mich an das Gefühl gewöhnt und war beinahe entspannt. Wir redeten über das Paar, das meine Wohnung gekauft hatte, und David berichtete mir über die Haussuche und die Baumaßnahmen, die er für die Zukunft angedacht hatte, als ich aus dem Fenster eine Insel erblickte.

»Wow.«

Mir fehlten die Worte bei diesem Anblick. David bemerkte es ebenfalls, denn er flüsterte: »Wunderschön.«

Als ich meinen Blick von der Aussicht lösen konnte und ihn ansah, bemerkte ich, dass er nicht die Insel gemeint hatte.

Verlegen sah ich wieder hinaus.

»Wo sind wir?«

»Santorin.«

Fasziniert prägte ich mir die Aussicht ein, jedes Detail der Caldera-Küste sah einfach magisch aus mit den reinweißen Häusern und der bunten, blühenden Vegetation. Wir flogen einen Bogen und landeten nur wenige Minuten später auf einem Schiff.

»Du hast hier ein Schiff liegen?«

»Ankern«, korrigierte er mich, ergänzte aber direkt:

»Und das da ist eher ein Boot als ein Schiff. Wir landen hier nur und werden gleich rübergefahren. Hoffentlich schaffen wir es noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang.«

Ich musste mich zwingen, ihn nicht weiter anzusehen, sondern auf die Insel zu blicken, die so atemberaubend vor uns lag. Unser Abenteuer.

Mein Herz machte einen Satz, als er mir seine Hand reichte, um mir in das Schnellboot zu helfen, und schon brausten wir über das Wasser, in Richtung Abenteuer.

Alles kam mir unwirklich vor. Vielleicht war ich gestorben und träumte das hier alles nur. Gedankenversunken sah ich den Berg vom Steg aus hinauf, wo eine schwarze Limousine vorfuhr und ... Christian ausstieg.

»Er ist hier unser Fahrer«, bemerkte David, und wir steuerten auf das Auto zu.

»Hat alles geklappt?«

Christian nickte und öffnete die Türen für uns.

Es ging durch schmale Gassen. Noch nie in meinem Leben hatte ich eine Stadt gesehen, die so weiß strahlte und einen solchen Charme hatte.

Vor einem ebenfalls weißen Komplex blieben wir stehen, und wir stiegen aus. Christian aber überreichte David einen Schlüssel und fuhr weg, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

David drehte sich zu mir, grinste geheimnisvoll und kam mir näher, legte seine Hand auf meinen unteren Rücken.

»Wollen wir?«

Seine Augen glänzten mich an, verführten mich dazu, nicht nachdenken zu wollen.

»Ja«, hauchte ich kaum hörbar aus, und nur wenige Augenblicke später betraten wir eine Suite mit der beeindruckendsten Aussicht, die ich in meinem ganzen Leben jemals gesehen hatte.

David blieb hinter mir stehen, das konnte ich spüren, während ich dem glitzernden Wasser des Meeres zusah, wie es tanzte.

»Komm«, flüsterte er und führte mich ein wenig näher zum Fenster.

»Das ist der Wahnsinn.«

Ich blickte auf eine wundervolle private Terrasse, komplett in Weiß. Sauber, gepflegt und absolut magisch mit einem großen Pool, der mir Bilder in den Kopf zauberte, die ich zu verdrängen versuchte.

»Die Suite hat zwei wunderschöne Schlafzimmer, falls du dir über die Schlafsituation Gedanken machst.« Mist! Jetzt machte ich mir Gedanken.

Ich konzentrierte mich, so gut ich konnte, und drehte mich schließlich zu ihm um. Er stand dicht hinter mir, also legte ich meine Arme um seinen Hals, ohne darüber nachzudenken, und sagte nur ein Wort, denn mehr gab es in diesem Moment wirklich nicht zu sagen:

»Danke.«

Kapitel 3

»Also, wie ist der Plan?«

David kam auf mich zu, langsam und doch verspielt. Er hielt etwas Abstand, was mich störte, da ich so wenigstens kurz die Möglichkeit hatte, Luft zu holen. Ich wollte ihn mehr als alles andere auf der Welt, und trotzdem hatte ich gesagt: »Wir lassen es langsam angehen.« Dafür konnte ich mich immer noch ohrfeigen!

»Ich werde dich jetzt auf einen Drink einladen.«

Ich musste lächeln, da er so entspannt und gelassen wirkte, dass es ansteckend für mich war, während mein eigenes Verhalten mir lächerlich vorkam. Notgeil und Lächerlich.

»Und dann?«

Sein Lächeln wurde schief, er flirtete eindeutig.

»Wieso dann? Den Drink genießen wir in einem besonderen Ambiente.«

Seine Augen funkelten, und meine Knie wurden weich.

»Du kannst dich kurz frisch machen, und ich ziehe mich eben entsprechend an.«

Anziehen? Entsprechend? Ich zögerte.

»Was hast du?«

Er führte etwas im Schilde, da war ich mir sicher.

»Was wäre denn die entsprechende Kleidung für unser besonderes Ambiente?«

Er biss sich leicht auf die Lippen, während seine Augen mich in seinen Bann zogen. Konzentriere dich!

»Du kannst unbesorgt sein.«

Er nickte in Richtung des Badezimmers und schmunzelte.

Zögerlich entfernte ich mich etwas von ihm, genau in die eben gewiesene Richtung.

Erst als ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, kehrte meine Konzentration wieder an die Oberfläche zurück.

Das Badezimmer war gigantisch. Dunkel, fast schwarz, mit einem Komfort, der mir schon fast übertrieben vorkam.

Gepflegt und äußerst geschmackvoll eingerichtet mit einem Dampfbad, einer Regendusche für mindestens fünf Personen und einem stilvollen Waschtisch in Steinoptik. An einer Wand waren elegante dunkle Möbel, ein Sitzbereich, und auf dem Tisch eine rote Geschenkschachtel. Neugierig und fasziniert zugleich ging ich darauf zu und sah auf die schwarz-goldene Karte.

Für Alice.

Auch wenn mein Name darauf stand, fühlte es sich verboten an, das Paket zu öffnen. Ich nahm den Deckel ab, als würde es explodieren, wenn ich zu sehr daran rütteln würde, und legte ihn beiseite. Ein jadegrünes Seidenkleid kam zum Vorschein, und eine weitere Karte.

Ich kann es kaum erwarten, dich darin zu sehen.

D.

Ich zog das bodenlange Kleid aus der Schachtel und hielt es vor mich, sodass ich mich damit im Spiegel betrachten konnte.

Eilig machte ich mich frisch und stieg in den zarten Stoff, der bei jeder Bewegung meine Haut streichelte. Als ich aus der Tür trat, saß David in einem weißen Sessel in der Ecke des Raums. Sofort sah er mich an. Seine Augen wanderten über meinen ganzen Körper, und er leckte sich die Lippen.

»Wow«, hauchte er.

Ich schritt auf ihn zu.

»Stopp.«

Ich blieb wie ferngesteuert stehen und wartete ungeduldig.

David aber hatte alle Zeit der Welt. Er stand auf, schlenderte auf mich zu und strich eine Haarsträhne hinter mein Ohr. Sein Blick fing mich ein. Meine Haut kribbelte unter ihm.

»Dir fehlt noch etwas«, hauchte er.

»Warte hier und schließ deine Augen.«

Ich schluckte, da ich spüren konnte, dass er sich aus meiner Nähe entfernt hatte.

Erst als mir ein Kribbeln über meinen Nacken lief, wusste ich, dass er wieder da war.

»Nicht gucken.«

Etwas Kaltes legte sich um meinen Hals und wurde im Nacken verschlossen. Eine Kette.

Dann nahm er mein Handgelenk. Auch hier wurde es kalt. Ich zitterte, aber nicht vor Kälte.

»Das ist zu viel«, begann ich, wurde aber von seinen Lippen unterbrochen, die sich auf meine legten und mich in einem schwindelerregenden Kuss einfingen.

»Wunderschön!«

Ich öffnete meine Augen und sah ihn an. Er stand direkt vor mir.

»Gefällt es dir?«

Er führte mich zum Spiegel und blieb hinter mir stehen.

Es war keine Kette. Ein goldenes Collier strahlte an meinem Hals und funkelte im Licht. Ein passender Armreif lag an meinem Handgelenk. Ich strich vorsichtig darüber, suchte noch nach den richtigen Worten.

»Bevor du etwas sagst, es ist ein Geschenk, und ich bestehe darauf, dass du es annimmst, und außerdem passt der Schmuck hervorragend zu dir und deinen goldenen Schuhen!«

»Ich habe keine goldenen Schuhe«, war das Einzige, was mein Verstand zuzulassen erlaubte.

»Jetzt schon.«

David grinste und zog ein paar goldene Sergio Rossis mit schwarzen Applikationen hinter seinem Rücken hervor.

Verunsichert sah ich ihn an, was ihm nicht entging.

»Was hast du?«

Ich wusste nicht, ob ich überglücklich sein sollte, da er mich einfach nur verwöhnte, oder ob er meinte, er müsse es tun, weil er ein schlechtes Gewissen hatte.

»Du musst das nicht tun.«

Er kam mit den Schuhen näher zu mir, ging in die Hocke und stellte sie vor mir ab. Sanft umschloss er meinen rechten Fuß und zog mir den Schuh an. Das Gefühl in diesem Augenblick, in dem er vor mir kniete, um mir den Schuh anzuziehen, war mir gänzlich fremd. Mir blieb aber auch kein Moment Zeit, darüber nachzudenken, was er hier gerade tat.

»Ich weiß, dass ich es nicht muss. Ich will es aber.«

Er strich über meinen anderen Fuß und tat dasselbe. Dann stand er vor mir auf. Seine Finger hoben mein Kinn an, so dass ich seinem Blick begegnen musste.

»Ich schenke dir, was ich will und wann ich es will, und ich erwarte keine Gegenleistung von dir. Auch habe ich keine Hintergedanken dabei. Bitte nimm meine Geschenke an.«

Bevor ich etwas sagen konnte, klingelte sein Handy.

»Entschuldige bitte.«

Er drehte sich zum Fenster.

»Ja... Wir sind unterwegs.«

Er verstaute sein Handy in seiner Hosentasche.

»Können wir?«

Er reichte mir seine Hand.

»Natürlich.«

Und schon saßen wir im Auto und fuhren durch die engen Straßen dieses Paradieses.

»Es wird dir gefallen.«

Ich lächelte ihn etwas verlegen an. Konnte man sich an die ständigen Überraschungen überhaupt gewöhnen?

»Davon bin ich überzeugt.«

Schließlich gefiel es mir bereits, auch wenn mir alles unwirklich vorkam, als wäre ich in einem Traum gefangen.

David sah mich an, aber ich begegnete seinem Blick nicht, denn ich war immer noch angespannt und aufgeregt.

»Ich habe das Gefühl, dass es heute interessant wird.«

Meine Neugier war geweckt.

»Wieso denkst du das?«

Er schmunzelte.

»Ich denke, dass es eine Seite an dir gibt, die ich noch nicht kenne, und ich bin gewillt, sie kennenzulernen.«

Er streckte seinen Arm aus, um seine Fingerspitzen in meinen Nacken zu legen und mit dem Collier über meiner Haut zu spielen. Sofort bekam ich eine Gänsehaut, und ich saugte den Sauerstoff tief in meine Lunge. Ich fühlte mich herausgefordert und begegnete seinem Blick.

»Was für eine Seite soll das sein?«

Äußerst zufrieden lehnte er sich zu mir. Sein Blick war auf meine Lippen gerichtet.

»Ich weiß, dass du gerne mal die Kontrolle abgibst, aber kannst du sie auch übernehmen?«

Ich spürte ein Ziehen tief in meinem Unterleib, fühlte mich aber zugleich ertappt.

»Wir sind da.«

Als wäre ich aus einer Trance erwacht, sah ich zu Christian, und schon war David ausgestiegen. Was meinte er denn jetzt schon wieder?

David bot mir galant seinen Arm, und ich harkte mich unter.

Gemeinsam gingen wir in eine Taverne.

Dieses ganze Weiß an diesem Ort machte alles unwirklich.

Eine Traumwelt, die einen einlud, alles andere zu vergessen.

David zog den Stuhl an einem der weißen Tische auf der Terrasse zurück, und ich setzte mich. Er strich mit den Fingerspitzen zärtlich meinen Nacken entlang und ging dann auf die gegenüberliegende Seite, um sich ebenfalls hinzusetzen. Ich wurde nervös.

»Was hältst du von einem Cocktail?«

»Ich bin dabei!«

Er hob seine Hand, und fast unverzüglich stand ein Kellner vor uns. David bestellte, während ich gedanklich in der Aussicht versank.

»Geht es dir gut?«

Ich lächelte ihn an.

»Natürlich! Es ist perfekt.«

Sein Gesicht wurde von einem entspannten Lächeln verzaubert.

Kaum hatten wir unsere Drinks, stießen wir auf einen unvergesslichen Abend an. Während die Sonne im Wasser des Horizonts versank, tranken wir noch jeder zwei Cocktails und redeten, als würden wir uns seit Jahren kennen. Unbeschwert und Glücklich.

»Der letzte Cocktail war aber stärker«, bemerkte ich und kämpfte mit dem Alkohol, da sich von einem Moment auf den anderen alles um mich herum drehte. Hatte ich zu wenig gegessen oder waren es die Ereignisse der letzten Zeit, die mich anfälliger machten?

David sah mich fragend an, er musterte mich. Sein Gesicht war irgendwie verschwommen, also rieb ich mir die Augen, aber es wurde nicht besser, eher schlimmer.

»Alice?«

Er klang auf einmal Meterweit entfernt, aber ich konnte erkennen, dass er sein Handy herausholte.

»Christian, Cesar!«

Ich sah ihn fragend an, während er hektisch aufstand und meine Hand nahm. Wer war denn jetzt Cesar?

»Wir müssen gehen.«

Mit seiner Hand auf meinem Rücken schob er mich an der Theke vorbei, wo er einen Hunderter hinschmiss, und wir eilten hinaus an die Abendluft.

»Ist alles in Ordnung?«

Er übertrieb meiner Meinung nach, ich hatte doch nur einenDrink zu viel.

David blieb nicht stehen, sondern sah sich um. Ein Auto raste auf uns zu und bremste mit quietschenden Reifen direkt vor uns.

»Steig ein.«

Ich stolperte fast hinein, und David schob sich hinter mir auf den Rücksitz. Wir waren nicht einmal angeschnallt, als Christian bereits losraste.

»Was ist denn?«

Davids Blick klebte am Rückspiegel. »Option 3.« Christian nickte, und ich schaute irritiert zwischen den beiden hin und her.

»Sagt mir jetzt mal einer, was hier los ist?!«

David nahm meine Hand.

»Bitte vertrau mir, wir müssen hier weg!«

Er drückte meine Hand, rieb sich aber auch die Augen und fasste sich an den Kopf, während Christian sich auf die schmalen Straßen konzentrierte. David nahm erneut sein Handy.

»Mateo, Treffpunkt 3. Kümmere dich um alles!«

Seine Stimme klang anders als sonst. Ein komisches Gefühl sammelte sich in meinem Magen, und mir wurde schwindelig.

Fragend sah ich zu David. Er war so angespannt, dass ich die Adern an seinem Hals pulsieren sehen konnte.

»Was ist los?«

»Es stimmt etwas nicht.« Das wusste ich inzwischen auch.

Kapitel 4

Ich erwachte mit den Kopfschmerzen meines Lebens. Das Licht blendete mich, und die Erde drehte sich.

»Alice?«

Mühsam zwang ich mich, meine Augen zu öffnen. David saß vor mir. Auch er sah mitgenommen aus.

»Geht es dir gut?«

Ich nickte und fasste mir an den schmerzenden Kopf.

»Ich habe üble Kopfschmerzen.«

»Die habe ich auch. Mit den Drinks war etwas nicht in Ordnung. Ruh dich aus.«

Langsam lehnte ich mich zurück auf mein Kissen.

»Es bewegt sich alles.«, flüsterte ich.

»Wir sind auch auf dem Wasser.«

Was zur Hölle war gestern passiert? Ich hörte ein Klopfen und zog ein Kissen über meine Ohren.

»Ich muss etwas besprechen, bleib hier und ruh dich aus.«, flüsterte David unter das Kissen, dann hörte ich die Tür, die geschlossen wurde, und entschied mich, dass ich aufstehen würde, wenn mein Kopf sich nicht mehr anfühlen würde wie nach einem ungebremsten Sturz aus mindestens zehn Metern.

Ich atmete die kalte Meeresluft ein und blickte auf die im Mondschein tanzenden Wellen.

»Geht es dir wieder gut?«

David kam auf mich zu.

»Du hast den ganzen Tag geschlafen.«

Er legte seine Hände beruhigend auf meine Schultern und sah mir in die Augen.

»Meine Kopfschmerzen sind weg, aber was war das gestern?«

Er zögerte, sammelte mit Bedacht seine Worte.

»Ich denke, dass die Getränke in der Taverne nicht in Ordnung waren.«

Nun war es an mir, ihn zu mustern.

»Was meinst du mit „Nicht in Ordnung"?«

»Alkohol hat diese Wirkung nicht, aber ich kann es nicht beweisen.«

»Was soll sonst in den Drinks gewesen sein?«

»Ich weiß es nicht, Drogen vielleicht.«

»Wenn sich so Drogen anfühlen, dann verstehe ich nicht, wie sie jemand freiwillig nehmen kann.«

»Die genauen Ergebnisse werden wir morgen haben.«

»Und warum sollte es jemand tun? Uns kannte doch dort gar keiner.«

»Vielleicht sahen wir zu sehr nach „Geld" aus.«

Er zog mich an sich.

»Es tut mir leid, es sollte ein romantischer Abend werden.«

Ich kuschelte mich an seine Brust.

»Romantischer als hier auf der Jacht, im Mondschein? Das geht doch gar nicht.«

Er lachte.

»Dann hätte ich mir die aufwendige Planung sparen können?«

Er nahm meine Hand und führte mich aufs Deck zu einem edel dekorierten und gedeckten Tisch.

»Wow. Du bist ein Zauberer.«

Er lachte.

»Wohl eher meine Mitarbeiter. Du musst doch einen Bärenhunger haben.«

Es stimmte, ich hatte Hunger.

Wir aßen bei ruhiger Musik und auf dem schaukelnden Deck.

»Wie wäre es, wenn wir morgen mal etwas anderes machen?«

»Was schwebt dir vor?«

»Na, so etwas, naja, was andere Menschen auch machen, wie, ins Kino gehen vielleicht?«

»Ich denke, es wird schwer sein, hier ein Kino zu finden.«

Er lachte, und er kam mir viel entspannter vor als noch vor wenigen Stunden.

Als wir aßen, dachte ich über den Abend nach. Wir waren kaum auf dieser traumhaften weißen Insel angekommen, da waren wir auch schon wieder weg.

»Fahren wir noch zurück?«

Er sah auf und wusste anscheinend nicht direkt, wovon ich eigentlich redete.

»Zurück zur Insel, in das Hotel...«, ergänzte ich.

Er schob sich eine Gabel mit Essen in den Mund und antwortete erst, nachdem er es hinuntergeschluckt hatte.

»Ich weiß ja nicht, wie du darüber denkst, aber ich habe erst einmal genug von der Insel.« Schade.

»Gut, was ist dann unser Ziel?«

Sofort lächelte er mich mit einem sehr schelmischen Ausdruck an, lehnte sich ein Stückchen vor, sah mir in die Augen, bevor er antwortete: »Ich habe da etwas im Sinn...«

Eine Gänsehaut jagte über meinen Rücken. »... aber das werde ich dir nicht verraten.« Puh!

»... aber etwas kann ich dir verraten.«

Jetzt lehnte ich mich zu ihm. Lässig, flirtend, und erwiderte seinen Blick.

»Und das wäre?«

Seine Stimme war ein sanftes Brummen, als er antwortete:

»Dass wir noch zwei weitere Tage auf dieser Jacht verbringen werden, ganz ungestört.«

Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, wurde mir heiß und kalt. Nach Fassung ringend ergriff ich mein Glas, verfehlte es, und es kippte auf den Tellerrand. Der dünne Fuß zerbrach, und die Scherben landeten samt dem Inhalt meines Glases auf der Tischdecke und meinem Essen. Ich sprang auf, genau wie David, und angelte nach der Serviette.

»Ich mache das.« Mist!

Wieder einmal hatte ich bewiesen, dass ich in seiner Gegenwart absolut schusselig war.

Während er von seiner Mitarbeiterin den Tisch neu decken ließ und wir neue Teller bekamen, wäre ich am liebsten ins Meer gesprungen und verschwunden.

»Es tut mir leid...«

Aber David war die Ruhe selbst. Er legte seine Hand zärtlich auf meine Wange und lehnte sich zu mir.

»Ich mag es, wenn ich dich aus der Ruhe bringe.«

Und ich hasse es...

Kaum war die Mitarbeiterin mit samt meinem verschuldeten Chaos wieder aus unserem Blickfeld verschwunden, gingen wir zu unserem Tisch zurück, und er zog meinen Stuhl nach hinten.

»Setz dich.«

Sein Tonfall war augenblicklich hart und bestimmend. Ohne Widerworte nahm ich Platz, und David schob mich ran, bevor er selbst zu seinem Stuhl ging und sich setzte.

Er sah mich an, irgendwie herausfordernd. Dann grinste er leicht.

»Wo waren wir stehengeblieben?«

»Du wolltest dich darüber lustig machen, wie doof ich mich in deiner Nähe anstelle.«

Er lachte und nahm einen großen Schluck aus seinem Glas.

»Das ist nicht wahr, und ich glaube auch nicht, dass es an mir liegt.«

Wie meinte er das denn jetzt?!

»Du denkst also, dass ich immer so tollpatschig bin?« Die Entrüstung in meinen Worten hatte ich in dieser schnippischen Form nicht beabsichtigt.

»Nein, ich meinte, dass ich es genieße, wie du bist.«

»Ich bin sonst wirklich nicht so...«

»Ich würde ja sagen „beweis es mir", aber das geht ja schlecht.«

Wir schwiegen einen Moment, und ich überlegte angestrengt, was ich ändern könnte.

»Es kann doch jedem mal passieren, dass man ausversehen etwas umwirft. Mach dich doch nicht so fertig, es war eben ein Missgeschick.«

Ich seufzte.

»Ich habe da eine Idee...«

Er legte sein Besteck beiseite.

»Was für eine Idee wäre das?«

Sein Grinsen wurde schief und überaus zufrieden. Dann stand er auf. Langsam. Kam auf mich zu und drehte mit einem Ruck meinen Stuhl in seine Richtung. Seine Hände platzierte er auf den Stuhllehnen. David sagte nichts, sah mich nur an und biss sich auf seine vollen Lippen. Fast hätte ich bei dem Anblick gestöhnt.

Es dauerte eine ganze Weile und diese Weile reichte aus, um meinen Atem unter ihm zum Zittern zu bringen.